Ausgabe 
22.10.1899 Zweites Blatt
 
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Sonmaq den 22. October

Anrts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gietzen.

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lene>wt» Anzeigen zu der v«chmittag» für ße» fe<t«e><« erscheinenden Nummer bis »oret 16 Ußr.

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englischen Truppen griffen die Buren an und befinden sich nur etwa 300 Meter von der Stellung der Burenartillerie. Ein drittes Telegramm meldet, daß der Angriff der Bure« glänzend abgeschlagen und den Buren 5 Geschütze ab- genommen wurden.

London, 20. Oktober. DenCentral News" wird aus Glencoe vom heutigen Tage ausführlicher telegraphiert: Beim ersten Morgenlichte eröffneten die Buren das Feuer. Sie warfen Geschoffe in die Nähe der englischen Stellungen, z i e l 1 e n a b e r s ch l e ch t. Die englischen Geschütze antwortete» sofort. Die Burenartillerie war der englischen nicht gewachsen. Ein Geschütz nach dem anderen wurde zum Schweigen gebracht. Nach einer halben Stunde auwortete kein einziges Geschütz der Buren den englischen Geschützen mehr. Dann wurden Schützen vorgeschickt und, das Terrain benutzend, unterhielten diese ein heftiges Feuer. Die Buren erwiderten dasselbe von ihren Stellungen aus. Die englischen Soldaten waren ihnen aber zu zahlreich, und nach einem hartnäckige» Kampfe zogen fich die Buren zurück. Die englischen Truppen stürmten dann die Hügel hinauf, nahmen die Verschanzungen der Buren und 5 ihrer Geschütze. Den größten Anteil am Jnfanteriegefecht hatten die Dublin-Füfiliere. Zhr Ansturm war ausgezeichnet; fie kämpftkN kühn und anhaltend, während die Kugeln flogen. Sie waren zuerst in den Linien der Bure» und nahmen die Geschütze. (Bgl. Neueste Meldungen.)

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Nr. 249 Zweites Blatt

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Deutsches Reich.

* Der Kaiser unb die Eoglaudreise.

Wenn man sich die Blätter, die immer und immer wieder die Meldung bringen, der Kaiser werde um die Mltte des nächsten Monats nach England reisen, etwa- genauer ansieht, so wird man finden, daß es dieselben sind, bieder englischen Raubpolitik in Süd­afrika glänzende Erfolge wünschen. Der Zweck jener Meldungen ist also leicht erkennbar; er wird noch klarer werden, wenn es demnächst in denselben Blättern heißen wird, der Besuch könne, nachdem er so bestimmt in Aussicht gestellt und so viel besprochen worden sei, gar nicht mehr unterbleiben, wenn nicht die Königin Viktoria und das ganze englische Volk sich beleidigt fühlen sollten. Jedenfalls ist Methode in diesem Treiben, das nicht scharf genug verurteilt werden kann, besonders wenn es in Blättern hervortritt, welche die vortreffliche, gar nicht genug in allen Schichten des deutschen Volks zu beachtende Hamburger Rede des Kaisers und seinen Mahnruf, dem Parteigeiste zu entsagen, preisen, in demselben Atem aber die Versuche erneuern, den Kaiser zu einem Schritte zu drängen, der lediglich ihrem parteilichen Interesse entspräche, aber gar zu leicht das Oberhaupt des stolzen deutschen Reiches in recht unliebsame Lage bringen könnte. Englische Blätter bemühen sich jetzt allerdings darzuthun, daß der Krieg in Südafrika bei einem Besuche Kaiser Wilhelms in England gar nicht ins Spiel komme. Um aber die Aufrichtigkeit dieser Ansicht zu beleuchten, bedarf es nur der Frage, was die englische Presse sagen würde, wenn der deutsche Kaiser während eines Krieges zwischen Rußland und England eine Reise nach Petersburg machte! Aber davon abgesehen: vor drei Jahren hat sich während der Anwesenheit des Kaiser­in England ein Vorgang ereignet, der aufs deutlichste zeigt, welche maßlos übertriebenen Ansprüche die englische Presse an den deutschen Kaiser stellt, sobald die Geltend­machung solcher Ansprüche im englischen Interesse liegt. Am 6. Auaust 1896 lag auf der Rhede von Cowes da- PanzerschiffWörth" und an deffen Besatzung richtete Kaiser Wilhelm damals folgende, seinerzeit von derVoss. Ztg." ge­meldete Ansprache:Erinnert Euch, daß Ihr die Mannschaft eines Schiffes bildet, das nach einer Schlacht benannt ist, i» der Eure Landsleute sich höchst wacker benommen haben. Heute ist der fünfundzwanzigste Jahrestag der I Schlacht bei Wörth, weshalb ich es für angezeigt gehalte» habe, dem nach dieser Schlacht benannten Schiffe einen Be­such abzustatten und einige Worte an die Mannschaft z» richten. Hoffentlich weiden die Thaten, die Eure Mitbrüder bei jenem Anlasse vollbrachten, eine Aufmunterung bilde» für Euch, wenn jemals Gelegenheit für ähnliche Dienste entstehen sollte. Solltet Ihr zum Kampf gerufen werde», so beschwöre ich Euch, mit Herz und Mut für Gott und Vaterland zu kämpfen." Diese auf deutschem Bode», weil auf einem deutschen Schiffe gesprochenen, ganz objek­tiven Worte veranlaßten denStandard" und die Daily NewS" zu der unverschämten Bemerkung: der Kaiser würde gut gethan haben, in britischen Gewässern eine Bezugnahme auf den deutsch-

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und derBeverfiatiou mitArtilleriefeuer zurück, gleich- I zeitig Ladysmith südlich, westlich und nördlich enger um- kreisend, während die Transvaalburen Glencoe ein- chlosse« und mit den Oranjeburen Verbindung uchten. Die Borpoflengesechte dauerten den ganzen Tag au. General Withe rüstet sich zur Schlacht aus der ganzen Linie von Ladysmith.Glencoe.

Loudon, 20. Oktober. DieMorning Post" veröffent­licht in einer zweiten Ausgabe eine Drahtnachricht aus Ladysmith, in welcher es heißt, daß in dem zwischen I Ladysmith und Dundee weggenommenen Eisenbahn- I zuge sich ein englischer Osfizier und mehrere Kriegs- rerichter st alter befunden hätten, die sämtlich zu Ge- I angenen gemacht seien. Der Zug sei in der Nähe von I Glandslaagle, 15 Meilen von Ladysmith, weggenommen worden.

London, 20. Oktober. Nach Meldungen aus Südafrika greisen große Massen von Buren, nachdem fie aus den umliegenden Höhen Geschütz- aufgestellt haben daS Lager von Glencoe an. Der Kampf ist gegenwärtig auf I der ganzen Linie allgemein.

London, 20. Oktober. Die Burentruppen, welche die Eisenbahn augriffen, kamen auS de JeyerS und Land- mannsdrtft. Stutzer Glencoe haben fie jetzt auch von Tintwa I Ladysmith äuge griffen, gegen das fie um 7 Uhr Ar- I tillerie aufsuhren.

Loudon, 20. Oktober. Die Engländer nahmen bei dem Kampfe vor Glencoe die Posttion -er Buren nnd eroberten 5 Geschütze.

Bom westlichen Kriegsschauplatz. I

An der Westgrenze haben die Buren sich nunmehr aller wichtigen Eisenbahnstationen zwischen Mafeking und Kim- I beriet), so am Sonntag Vryburgs, bemächtigt und, wie nach I Kapstadt berichtet wird, die Brücke bei Fourteen Streams, I zwischen Kimberley und Vryburg, und ferner die Brücken über den Modder River südlich von Kimberley in die Luft I gesprengt. Dagegen ist Mafeking noch nicht genommen. Wenn man englischen Berichten trauen könnte, hätten die Buren sich hier blutige Köpfe geholt. Man meldet uns:

London, 20. Oktober. Wie dieDaily News" aus Kap­stadt berichten, ist dort das Gerücht verbreitet, daß, während die Buren Mafeking angriffen, die zur Verteidigung der Stadt außerhalb derselben gelegten Meliuitmine» explodiert seien. 1500 Buren sollen hierbei das Leben eingebüßt haben.

London, 20. Oktober. Nach einer Drahtnachricht der Daily Mail" aus Kapstadt vom gestrigen Tage berichten Flüchtlinge aus Grahamstown, daß am Montagabend ein | Eifenbahnzug aus Klerksdorp in Johannesburg mit 300 ; verwundeten Buren eingetroffen ist.

London, 19. Oktober. Die Engländer haben, wie schon kurz gemeldet, die bei Hopetown über den Oranjefluß führende, 200 Yards lange Brücke in die Luft ge­sprengt. Es handelt sich da um eines der solidesten Werke der Kapkolonie, eine Brücke, welche viele Millionen gekostet hat und die bezeichnender Weise 75 Meilen süd­lich von Kimberley liegt, d. h. die Engländer haben die Brücke gesprengt, nachdem Kimberley ebenso wie Mafe­king, Vryburg und Tuli isoliert waren, um den Buren den weiteren Vormarsch nach Süden zu erschweren, ein verzweifeltes Mittel, um dem Feinde nicht die Kontrole des gesamten nach Kapstadt führenden Bahnnetzes in die Hände fallen zu laffen. Unglücklicher Weise für die Eng­länder haben die Buren nach allerdings noch mcht offiziell bestätigten Meldungen bereits sich der Eisenbahnstation von Aliwala North und der Brücke über den Oranje­fluß bemächtigt, und ihre Piquets über Burghersdorf vor­geschoben, von wo aus sie den Eisenbahnknoten­punkt von De Aar um so leichter besetzen können, als keine nennenswerten Truppen südlich stehen, die man ihnen rechtzeitig entgegenwerfen könnte. Selbst die letzten, noch in Pietermaritzburg liegenden Mannschaften (Kaiserliche Kavallerie) wurden zur Verstärkung nach Ladysmith geworfen.

Loudon, 20. Oktober. Die Engländer sind aufgeregt, da sie sich sagen, daß Vryburg durch Verrat in die Hände der Buren gefallen sei. Die Kap-Polizei, welche eine andere Bestimmung erhalten hatte, war kaum aus Vryburg ausgerückt, als die Buren, von den Vryburger Buren benachrichtigt, in die Stadt einrückten.

London, 20. Oktober. DaS Kriegsamt veröffentlicht ein Telegramm aus Glencoe, wonach es fich bestätigt, daß die Buren diesen Platz mit schweren Geschützen ange- griffen haben. Die Zahl der Buren wird auf 9000 geschätzt, unb werden dieselben von General Zoubert befehligt. Der englische General Simon ist verwundet worden. Die englischen Regimenter setzten fich in Bewegung. Ein zweites Telegramm von 10 Uhr 45 Miu. vormittags berichtet, daß die Burenartillerie zum Schweigen gebracht wurde. Die

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Der Pla« rntb die Aussichten der Buren.

(Nach englischen Meldungen.)

London, 20. Oktober. In hiesigen Militär- kreisen wird die Lage in Südafrika wie folgt be­urteilt: Die Buren bringen in vier Kolonnen vor, die Hauptkolonne mit General Joubert im Norden, zwei andere im Westen und die letzte im Osten. Man weiß im hiesigen Kriegsamte nichts Genaues Über Die effektive Stärke dieser Kolonnen, aber die Regierung ist überzeugt, daß die Stärke derselben die der englischen Abteil­ungen bedeutend übersteigt. General White verfügt über 9000 Mann bei Ladysmith und über 4000 Mann bet Glencoe. Die Verstärkungen, welche dieser Tage in Durban eingetroffen sind, belaufen sich auf 4000 Mann. Es wäre daher thöricht von feiten des Generals White, die Buren augenblicklich anzugreifen, obgleich die ihm zur Verfügung stehenden Mannschaften bester organisiert sind, als die der Buren. Er würde nur durch die Uebermacht erdrückt. Wenn die in Aussicht genommene Schlacht bei Ladysmith zu ungunsten der Buren auö- fällt, wird ihre Lage eine äußerst kritische, denn sie befinden sich 30 Meilen von den östlichen Bergen und 100 Meilen von der nördlichen Gebirgskette entfernt. Em Rückzug der Buren würde für sie verhängnisvoll werden. Die Taktik des Generals White ist augenblicklich die des Abwartens, und diese Taktik wird im hiesigen Kriegsamte gebilligt. Es fragt sich nur noch, ob General Joubert die englischen Verstärkungen herankommen läßt oder ob er die englischen Truppen vorher angreift.

Loudon, 20. Oktober. Die Blätter kommentieren das Ausbleiben der Nachrichten aus Südafrika. Daily Telegraph" sagt, es lägen vorläufig noch keine Meldungen über Gefechte vor. Der Grund hierfür sei allein darin zu suchen, daß keine der beiden Armeen zuerst los­schlagen wolle. Wir haben keine Eile, .so sagt das Blatt, den Buren kann ihr Zögern nur schad en. Wir werden den Angriff nur bei günstiger Gelegenheit unter­nehmen.

Keine Dnm Dum-Geschosse?

Army and Navy Gazette" versichert, daß die von Indien nach Südafrika entsandten Truppen mit der Gewehr- ; Munition Marke II anstatt mit Dum Dum-Geschossen aus­gerüstet seien, weil letztere auf größere Entfernungen schlechte Treffergebniffe haben. Auch wäre für den Kampf gegen civilisierte Gegner die Marke II geeigneter, weil das Dum Dum Geschoß seine zerstörende unb niederwerfende Wirkung besonders im Kampf englischer Truppen gegen fanatische Wilde äußern solle. Träfe diese Versicherung zu, so wäre im Interesse der Menschlichkeit zu hoffen, daß auch d,e anderen englischen Truppen jetzt mit Marke II versehen sind und nicht mit Gewehrmunition IV, die in ihrer scheußlichen Wirkung auf den menschlichen Körper dem Dum- Dum Geschoß sehr ähnlich ist. Von Marke IV sind aber »och vor wenigen Monaten große Mengen nach Afrika ab­gesandt worden.

Bom östlichen Kriegsschauplatz.

Die mit Spannung erwarteten Drahtberichte vom südafrikanischen Kriegsschauplatz über eine für vorgestern angekündigte große Schlacht sind ausgeblieben. Sie ist offenbar noch nicht geschlagen (überholt); vielmehr hat man es immer noch mit mehr ober weniger belangreichen Vorposten­gefechten zu thun, worüber folgenbe Meldungen zu verzeichnen ^nb London, 19. Oktober. Der .Standard" berichtet aus Lady­smith: Die berittenen Schützen des Bezirkes Um- w o t i, die sich hauptsächlich aus holländischen Kolonisten rekrutieren, haben gemeutert.

Umnoti in Natal liegt nördlich von Pietermaritzburg »nd südöstlich von Ladysmith. Ist die Landes-Miliz, deren die Engländer sich zu bedienen gezwungen sind, so unsicher, so wächst für sie die Gefahr in Natal in besorgniserregender Weise Oberst Joubert hat das Hauptquartier nach Dann- Hausen verlegt, ein Zeichen, daß die Buren immer mehr Terrain in Natal gewinnen.

Laaer von Glencoe (Natal), 20. Oktober. Einige Buren- Abteilungen, die mit der östlichen Hauptmacht der Buren von Newcastle gegen Dundee vorrückten, haben sich von dieser abgezweigt unb finb auf dem Wege, sich mit der bedeutenden, am Doornberg bei der Landmans- Drift stehenden Streitmacht zu vereinigen. Dieser Punkt liegt 12 Meilen ostwärts von Dundee.

London, 20. Oktober. Ans Ladysmith wird gemel. petr Die Oranjeburen trieben am Mittwoch vormittag die Kavallerie WhiteS aus die Straße von Acton HomeS