Ausgabe 
22.9.1899 Erstes Blatt
 
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aus Stuttgart zum Stellvertreter des Vorstandes des bau- technischen Bureaus bei der Abteilung für Bauwesen unter Verleihung des Titels und Ranges eines Bauinspektors, den Bauinspektor für besondere Bauausführungen Wil­helm Diehl zu Darmstadt zum Bauinspektor des Hoch­bauamts Bensheim, den Bauassessor, Bauinspektor August Becker zu Gießen zum Bauinspektor für besondere Bau­ausführungen. die Regierungsbaumeister Gustav Plock aus Salzhausen und Paul Kubo aus Landsberg a. d. W. zu Bauassessoren unter Verleihung des Titels und Ranges eines Bauinspektors sämtlich mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. an, den Hauptsteueramtsassistenten bei dem Haupt­steueramt Bingen, Regierungsassessor Heinrich Schwarz, und den Regierungsasseffor Hermann Schreiner aus Als­feld zu Steuerkontrolleuren zu ernennen; den Distrikts- einnehmer der Distriktseinnehmerei Groß-Gerau II Nikolaus Werner in gleicher Diensteigenschaft, mit Wirkung vom Tage feines Dienstantritts, in die Distrikts-Einnehmerei Nieder Wöllstadt, mit dem Amtssitz Friedberg, den Distrikts­einnehmer der Distrikts-Einnehmerei Groß-Gerau I Fried­rich Meißinger in gleicher Diensteigenschaft, mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts, in die Distrikts-Einnehmerei Friedberg zu versetzen.

Militärdienstnachrichten. Seine Majestät der K a i s e r und König haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 18. ds. Mts.: 1) den General der Kavallerie, Wernher, Generaladjutant Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein in Genehmigung seines Abschieds­gesuches unter gleichzeitiger Stellung A la suite des 2. Großh. Drag.-Regts. (Leib-Drag.-Regts^ Nr. 24, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt, 2) den Oberst Freiherrn v. Senarclens-Grancy, Flügel­adjutant Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein mit den Funktionen des General-Adjutanten Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs beauftragt, 3) den Rittmeister Kraemer, Eskadronchef im 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23, zum Flügel­adjutanten Seiner Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen und bei Rhein ernannt, vr. Maßkow, Unterarzt vom Inf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, mit Wahrnehmung je einer beim genannten Regiment offenen Asfistenzarztstelle beauftragt. Völker, Kaserneninsp. in Mainz, auf den Truppen-Uebungsplatz Elsenborn; Köhler, Kaserneninsp. in Metz, nach Mainz versetzt.

** Militärisches. Hier angekommen und im Hotel zum Großherzog von Hessen abgestiegen sind: Exzellenz v. Lindequist, General der Infanterie und kommandirender General des 18. Armeekorps, Oberstleutnant Scholtz, Major v. Guretzki, Major v. Matheson, Major Hildebrandt, Leutnants v. Auer, Sermont.

Recht kriegsmäßig sieht es zurzeit in der Umgebung Gießens aus, und das Bild, welches sich bisher unfern Nachbarn auf dem Lande bot, wird sich auch bald vor den Blicken der Städter entrollen, soweit diese sich entschließen sollten, einen Gang ins Freie zu machen. Einen Vor­geschmack erhielten wir schon zu Ende der vorigen Woche, als in der Nähe der Haas'schen Kalköfen am Leihgesterner Weg eine recht leistungsfähige und von dem Gießener Publikum eingehend besichtigte und vollauf gewürdigte Feld­bäckerei errichtet wurde. Es wurden dortselbst in den letzten Tagen Tausende von Dreipfündern gebacken und mittelst wohlbespannter Fuhrwerke den Truppenteilen zugeführt. Auch das neben der schönen Aussicht errichtete Proviant­magazin barg ungeheure Mengen von allem, was ein deutscher Soldatenmagen aufzunehmen vermag: Konserven mannig­facher Art, Kaffee, Hülsenfrüchte usw. Ob aljk diese Kostbar­keiten immer nach den vornehmsten Regeln der Kochkunst zubereitet wurden, ist freilich eine andere Frage, manches hätte ohne Zweifel seinen Zweck verfehlt, wenn nicht rührige" Hausfrauen und -Töchter den besser mit der Flinte wie mit dem Kochlöffel vertrauten Kriegern den letzteren rechtzeitig aus der Hand genommen hätten. Wie uns berichtet wird, hatten sich die Soldaten in den ober­hessischen Gefilden einer durchweg guten Ausnahme und 93er» Pflegung seitens ihrer Quartiergeber zu erfreuen; viele brave Krieger zeigten sich auch dafür erkenntlich; sie halfen ihren Quartierwirten bei den häuslichen und Erntearbeiten oder vergalten das Gute von ihrem nächsten Quartier aus durch Postkarten. Unsere hessische Division manövrierte in den letzten Tagen in dem Gelände zwischen Grünberg und Lich; sie setzt ihren Marsch nach der Lahn zu fort, um zunächst mit der 21. Division, die bisher in der Umgebung von Wetzlar übte, zusammenzustoßen, dann aber vereint mit dieser gegen einen markierten Feind vorzugehen. Das Haupttreffen wird danach am Freitag in der Umgegend von Großenlinden stattfinden; Hochelheim und Hörnsheim werden Stützpunkte des markierten Feindes sein. Der Generalstab des 18. Armeekorps, welcher mit der Eisenbahn bis Langgöns fährt, wird dem Manöver beiwohnen. In dem bezeichneten Gelände wird das Gefecht amSamstag abgebrochen, worauf der größte Teil der Truppen nach Gießen ab- marschiert, um von hier aus mit der Eisenbahn in die Garnisonen befördert zu werden. Vor der Abfahrt erhalten ine Soldaten noch Mittagessen aus einer großen, mit acht Riesenkesseln ausgestatteten Küche, die eigens für diese Zwecke nn der Crednerstraße bei der Ueberfahrt nach dem Güter­bahnhofe errichtet wurde. Gießen selbst soll bei ungünstiger Witterung mit 6500 Mann Einquartierung belegt werden.

Z. Vom Lande, 21. September. Folgende köstliche thatsächliche Geschichte wird uns aus dem Kreis ge­meldet: Daß die Nachkommen der Schildbürger, von denen sich unser Volk so manch drolliges Stückchen erzählt, noch vorhanden sind, ist wohl allen bekannt, daß aber die­selben auch in der Nähe Gießens zu finden sind, dürfte nicht jeder wissen. Nachstehende heitere Geschichte beweist nns, wie die Schildbürger auch heute noch florieren. In dem Dorfe X. herrschte schon seit einiger Zeit Mangel an

tüchtigen Zuchtziegenböcken. Es wurde darum beschlossen, zwei Böcke von der Zuchtstation zu S. zu kaufen. Im Auftrag des Ortsvorstands reiften denn auch zweiKenner" dorthin. Sie machten sich früh auf den Weg, um möglichst zeitig auf dem Ziegenmarkt zu S. zu sein. Unseretüchtigen Kenner" waren auch recht bei der Hand. Gar bald hatte ihr scharfer Verstand und ihr alles durchdringender Kenner­blick zwei prächtige Tiere entdeckt, und sie wußten sich bei allerdings etwas hohem Preise den Besitz der Tiere zu sichern. Aus Freude über den guten Kauf wurden schnell noch einige GläschenBockbier" getrunken und dann mit dem nächsten Zug nach Hause gefahren. Dort hatte man die Käufer schon sehnsüchtig erwartet. Arn anderen Tage trafen die Böcke ein, zwei prächtige Tiere. Das Ortsoberhaupt unter­zog sogleich die angekauften Zuchtböcke einer eingehenden Besichtigung. Nach kurzer Zeit entdeckte er aber einen Zu­stand an dem einen Tier, der dem Leser etwas später mit­geteilt werden soll, abgesehen davon, daß sich der Bock merk­würdigerweise immer auf drei Beine stellte. Stillschweigend ging er von bannen. Gelegentlich einer Gemeinderats­sitzung wurden dann demselben die Tiere vorgeführt. Wohl- bewaffnet mit Brillen und Zwickern standen die Herren da, um die Musterung abzuhalten. Keiner von ihnen merkte anfangs etwas. Endlich, nachdem der Bürgermeister, wie man zu sagen pflegt, zuerst mit dem Scheuerthor gewunken hatte, da entdeckte man, daß das eine Tier überhaupt kein Ziegenbock, sondern nur eine Ziege war. Groß war das Erstaunen. Aber was war jetzt zu machen, man hatte die Katze im Sacke gekauft. UnsereKenner", die darüber zur Rede gestellt wurden, konnten es kaum glauben. Zudem gab noch einer von ihnen an, der Bock sei ja doch bei einer Aus­stellung mit dem 4. Preis bedacht worden. Daß der Spott dietüchtigen Kenner" ziemlich mitnahm, ist wohl leicht zu begreifen. Inzwischen bestellte man den Herrn Kreisveterinär­arzt, der auch die Tiere besichtigen soll. Was er dazu sagen wird, das kann man sich leicht denken. Unfern Kennern aber als Anerkennung für ihre echte Schildbürger- that einen kräftigen Schluck echtenBockbiers".

Darmstadt, 20. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog besichtigten gestern die ihrer Vollendung ent­gegengehende russische Kapelle auf der Mathildenhöhe. Ihre Königl. Hoheiten die G r o ß h e r z o g i n und die K r o n - Prinzessin von Rumänien, Höchstwelche inzwischen nach Wolfsgarten zurückgekehrt ist, statteten gestern Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichs- Hof einen Besuch ab. Zur Dienstleistung bei Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland für die Dauer Allerhöchst- dessen Aufenthalts wurde Major v. Esebeck vom Stab des Leibdragoner-Regiments befohlen.

Darmstadt, 20. September. Fürdiebevor stehende Ankunft des russischen Kaiserpaares sind jetzt in Darmstadt und im Schloß Wolfsgarten die Vorbereitungen nahezu vollendet. Dieses Schloß, in welchem das Kaiser- Paar für die erste Zeit seines Ausenthalts wohnen wird, hat vor allen Großherzoglichen Sommerresidenzen den Vor­zug, große, bequeme, an einander hängende und Praktisch eingerichtete Räumlichkeiten zu besitzen. In Darmstadt ist für die hohen Gäste das Neue Palais eingerichtet worden, dessen Gemächer nach der Krankheit des Großherzogs eine völlige Renovierung erfahren haben. Ebenso eifrige Vor­bereitungen werden im Alten Palais am Luisenplatz ge­troffen, wo ein Teil des Gefolges des Zarenpaares wohnen wird. Man sieht es dem alten Gebäude, das früher einmal Post, bann Garbeunteroffizierskaserne gewesen ist unb im Laufe ber Zeiten verschiedene bauliche Veräuberungen er­fahren hat, gar nicht an, baß es eine so stattliche Flucht herrschaftlich unb fürstlich eingerichteter Gemächer birgt. In ben Kavalierszimmern werben jedenfalls bie Damen und Herren aus der unmittelbaren Umgebung des Zarenpaares Quartier nehmen. Ebendort befinden sich eine Menge Porträts unb Antiquitäten, welche an bie frühere Äera unter Alexander II unb seiner Gemahlin Marie, einer hes­sischen Prinzessin, gemahnen. Von ihr selbst befindet sich ein Oelporträt im Palais, gemalt von Boß, das sich Groß­fürst Sergius vor einigen Jahren von dem inzwischen ver­storbenen Hofmaler Hartmann kopieren ließ. Die griechisch­russische Kapelle im Mathildengarten steht jetzt fertig ba bis auf bie Vergolbung im Innern.

nn. Darmstadt, 21. September. Die Agitation für bie demnächst stattfindenden Landtagswahlen für den Wahlbezirk Darmstadt-Land, der seither durch den Landtags- abgeordneten Prof. Friedrich vertreten war, ist jetzt leb­haft im Gang. Während die Sozialdemokraten überall bereits länger an der Arbeit sind, haben jetzt auch die Handwerker unb insbesonbere ber Verbanb ber Arbeitgeber für bas Baugewerbe einen eigenen Kanbibaten in der Person des Stadtverordneten und Zimmermeisters W i 11 m a n n - Bessungen aufgestellt. Auch Prof. Friedrich wird voraussichtlich für das Mandat kandidieren.

nn. Darmstadt, 21. September. Die Ankunft des russischen Kaiserpaares, welche am nächsten Samstag mittag hier erfolgt, wirft ihre Schatten bereits voraus, in­dem eine große Anzahl russischer Geheimpolizisten bei uns eingetroffen ist. Dieselben haben sich sofort nach dem Jagdschloß Wolfsgarten begeben, wo die russische Kaiserfamilie mehrere Wochen wohnen wird. Schloß und Umgebung von Wolfsgarten ist seit gestern gegen bie Außen­welt völlig abgeschlossen und zur Bewachung des Parks ist außer einem starken Aufgebot von Gendarmerie auch noch ein Detachement Kavallerie für den Tagesdienst und eine Kompagnie Infanterie für den Nachtdienst herangezogen worden. Die Einweihungsfeierlichkeiten für die auf ber Mathilbenhöhe bei Darmstabt erbauten russischen Kapelle, sollen bem Vernehmen nach amMontag,bem 2. Oktober stattfinben, trotzdem bas Innere ber Kapelle, insbesonbere bie prächtigen Malereien noch nicht fertiggestellt sinb. Gestern nachmittag besichtigte Seine Kgl. Hoheit ber Groß- Herzog bas bereits vollständig von ben Gerüsten freigelegte

herrliche Bauwerk, welches mit seinen vergolbeten Kuppeln unb Dacheinfaffungen einen imposanten Einbruck macht.

Wetzlar, 20. September. Se. Exzellenz ber Kommandeur ber 21. Division, Herr Generalleutnant Perthes hat heute vormittag in Begleitung einer Anzahl anberer höherer Offiziere bie neuen großen Werkstätten ber Firma M. Hen- solbt u. Söhne in Augenschein genommen. Se. Exzellenz nahm hierbei Gelegenheit, einen von ber Firma als Spezi­alität hergestellten Distanzmesser ganz neuer Konstruktion, sowie beren neues Doppelfernrohr einer eingehenben Be­sichtigung unb Prüfung zu unterwerfen. Sowohl bie Ein­richtungen ber Fabrik, welche in jeber Beziehung auf ber Höhe ber Zeit stehen, wie auch ihre Fabrikate hatten sich babei ber ehrenvollsten Anerkennung Sr. Exzellenz zu er­freuen. (933. A.")

Hochwasser.

Aus Raab wirb gemelbet, baß bie Gemeinbe Szoegye überflutet ist. Die Rettung ber Einwohner und eine all­gemeine Hilfsaktion ist eingeleitet. Die Gemeinbe Goeuyor wibersetzte sich ben Rettungsarbeiten, sobaß Militär beorbert werben mußte. Trotz angestrengter Arbeit burchriß das Wasser bie Dämme unb fließt mit rapiber Gewalt gegex Szent-Jvan. In Preßburg ist bas Magazin ber Schiffahrts­gesellschaft ber Südbahn von ben Fluten weggeschwemmt worben.

Wie aus Gmunde» gemeldet wirb, ist in Ebensee baS Greisenasyl, bas burch Hochwasser des Langbaches ganz unterwaschen war, eingestürzt, als italienische Arbeiter bie Stützung bes Gebäubes vornahmen. Drei Arbeiter sinb schwer, ein vierter tätlich verletzt worben.

In Schaerfling am Attersee ist bie Villa ber Kammer­sängerin Frau Lili Lehmann-Kalisch, wo sie mit ihrer Schwester Marie ben Herbst zubringt, so tief unter Wasser gesetzt, baß beibe Damen bie Villa verlassen unb anbere Unterkunft suchen mußten.

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Straubing, 20. September. Gestern würben vom fgL Oberbahnamte etwa 200 Bahn- unb Telegraphenarbeiter mit mehreren Waggons Gerätschaften nach Plattling trans­portiert zwecks Erbauung eines Notgeleises, welches wegen Einsturz eines Wiberlagers unb Pfeilers ber Flutbrücke er- forberlich ist. Die eiserne Eisenbahnbrücke blieb unversehrt. Die Linie Plattling-Passau wirb voraussichtlich bis Samstag toieber bem Betrieb übergeben werben können.

Papenburg, 20. September. Die Ems unb ihre Neben­flüsse sinb stark angeschwollen unb über bie Ufer getreten.

Ebensee, 18. September. Die Donau hat gestern abenb mit 5 Mtr. 66 Ctm. über normal ben höchsten Wasser- stanb erreicht. Im Laufe ber Nacht ist ber Wasserstanb um 2 Ctm. gefallen. In ber Brigittenau würben gestern abenb viele Straßenteile vom Wasser erreicht.

Rosenheim, 20. September. Die Leiche bes Heizers Obermaier würbe gestern bei Rohrbach geborgen unb nach Rosenheim überführt, wo bie Beerdigung nachmittags 4 Uhr ftattfanb. Passagiere waren nicht im Unglückszuge, was jetzt sicher festgestellt würbe.

Bad Reichenhall, 20. September. Gestern nachmittag traf hier eine Abteilung Pioniere ein, um bie beschädigte Luitpold-Brücke, bie ben Verkehr mit Kirchberg vermittelt, provisorisch toieber herzustellen. Außer einigen starken Uferbeschädigungen unb ber Vernichtung eines Teiles ber Triftanlage ist bie Stabt sonst verschont geblieben, basür litten aber bie Nachbargemeinden umsomehr. Der Schaben beziffert sich auf eine Million. Am Montag finbet ei« Wohlthätigkeitskonzert statt.

Vermischter.

* Berlin, 20. September. Heute früh hat in Rixbors eine folgenschwere Benzin-Explosion ftattgefunben, durch welche ein Fabrikgebäude vollständig einstürzte. Drei Personen erlitten schwere Verletzungen. Der eine ber Ver­letzten, ber Gerber Müller, konnte erst nach anberthalb Stunden aus bem Schutt hervorgeholt werben. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Dadurch, daß bie Trümmer bes einstürzenden Hauses bis zum Kellergeschoß durchschlugen, sind bie Maschinen unb sonstigen Einrich­tungen breier Fabriken vernichtet worben. Neun Schweine liegen noch unter bem Mauerwerk. Die Ursache bes Ein­sturzes ist bie Explosion eines Benzinbehälters. Wie ver­lautet, soll biefelbe burch eine rachsüchtige Person, ein ent­lassenes Dienstmäbchen, hervorgerufen sein. Das Mäbchen konnte bis jetzt nicht gefunden werden.

* Frankfurt a. M., 20. September. Der Dreyfus- fall äußert seine Wirkungen jetzt auch auf die standesamt­lichen Eintragungen. Ein in ber Brückhofstraße wohnenbes Ehepaar namens Schenkel hat seinem neugeborenen Sohne bie Vornamen Hans Labori beigelegt.

* Kassel, 20. September. Wie berichtet wirb, ist Oberbürgermeister Westerburg feit einiger Zeit sv schwer erkrankt, baß bie Frage seiner Pensionierung in Erwägung gezogen worben ist. Er befinbet sich in einer Nervenheilanstalt in Gobesberg.

* Magdeburg, 20. September. Landgerichtspräsi- bentBeleites-Norbhausen verstarb während einer Gerichtsverhanblung am Herzschlag, 65 Jahre alt. Lanb- gerichtspräsident Beleites war allgemein beliebt.

* Halle a. S., 19. September. Die stäbtischen Be- horden beschlossen bie Eingemeindung ber Vorort­gemeinden Giebichenstein und Trotha mit 20000 Einwohnern und genehmigten die mit den Gemeinden ver­einbarten Verträge, lieber die Eingemeindung des Vor­ortes Cröllwitz wird in ber nächsten Sitzung ber Stadt­verordneten Beschluß gefaßt werden.

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