des Hauses enthielt die Schlafsäle für 90 Kinder. 84 schliefen daselbst in jener Nacht und von denen konnten nur 54 gerettet werden, während 30 der armen Geschöpfe, trotz aller Anstrengung der Feuerwehren, teils durch Verbrennung, teils durch vorausgeaangene Erstickung ein qualvolles Ende fanden
• Bismarckfäulen. Der Aufruf der deutschen Studentenschaft, dem Andenken de» Fürsten Bismarck überall in Deutschland gewaltige Btsmarcksäulen zu errichten, von heten Spitze am abend des 1. April Feuerfanale weithin durch das Land leuchten sollen, hat im ganzen R iche be« geisterten Widerhall gefunden. Außer in den 27 Hochschul- städten, wo die Studentenschaft selbst die Errichtung einer Säule betreibt, haben sich bisher in nicht weniger als 46 Städten angesehene Männer zusammengefunden, um der Verwirklichung der Ideen näher zu treten. Tagtäglich wächst ihre Zahl, und kaum zu bewältigen ist die Menge der brieflichen Anfragen, die an den Ausschuß der deutschen Studentenschaft, in^dessen Händen die Leitung der ganzen Angelegenheit liegt (Sitz in Bonn), gerichtet werden. Sein Interesse für den Plan hat in fr undlichen Worten Fürst Herbert Bismarck zu erkennen gegeben. Das Ehrenpräsidium des Ausschusses der deutschen Studentenschaft hat der greise Patriot Oberpräsident a. D. von Bennigsen angenommen, und der Deputation der deutschen Studentenschaft, die ihn dieserhalb aufsuchte, feine lebhafte Freude über das nationale Unternehmen ausgesprochen. In den nächsten Tagen wird zur Erlangung eines würdigen Entwurfes für die Bismarckfäule ein Wettbewerb aller deutschen Künstler eröffnet werden. Das Präsidium des Preisgerichtes hat Geheimrat Wallot übernommen. Als Preise sind für die 10 besten Entwürfe eiserne Lorbeerkränze ausgesetzt worden. Den Entwurf, den das Preisgericht als den besten und die Idee am würdigsten verkörpernden bezeichnet, wird die deutsche Studentenschaft überall zur Ausführung empfehlen. Allen Jntenssenlen werden zu diesem Zweck Pläne und Kostenanschläge kostenlos übersandt werden, die man von stud. med. G. Ellermann, Bonn, Schänzchen, verlangen wolle. Da der Termin für die Ablieferung der Entwürfe auf den I. April festgesetzt ist, werden bis Ende desselben Monats diese Pläne in aller Händen fein, und es steht zu hoffen, daß die Ausführung einer großen Zahl von Säulen dann nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Mögen alle Städte und Gemeinden, die die Errichtung eines Erinnerungszeichens für unseren Heldenkanzler planen, die großartige und volkstümliche Idee in Erwägung ziehen, damit am 1. April 1900 von allen Höhen die Flamme lodere, unserem Altreichskanzler zum Gedächtnis.
* Teuere Bücher. Vor einiger Zeit wurde auf der Sothebyfchen Bücherauklion in London ein Exemplar der ersten Folio-Ausgabe der Shakefpearefchen Werke von 1623, obgleich nicht gut erhalten, für 31 Pfd. Sterl. verkauft. Ein Exemplar der zweiten Folio Ausgabe, gleichfalls nicht gut erhalten, brachte 22 Pfd. Sterl. 10 Sh. und die erste Aus« gäbe von Lord Tennysons „Gedichte, meistens lyrische, (1830)" brachte 10 Pfd. Sterl.
* Dem chinefischen Kusse widmet der französische Forschungsreisende und Anthropologe Paul d'Enjoy in der „Revue Scientifique" eine sehr eingehende, interessante Studie. Danach küssen die Chinesen — überhaupt die mongolische Raffe — gar nicht in unserem Sinne, sondern sie riechen nur. Der chinesische Kuß setzt sich nämlich aus folgenden drei Bewegungen zusammen: Zuerst legt der Chinese die Nase auf die Wange der geliebten Person, dann folgt eine lange Ein» atmung mit der Nase, wobei die Augenlider fest geschlossen werden, und endlich ertönt ein leichtes Klatschen der Lippen, ohne daß jedoch der Mund die Wange berührt. Diese Art des Küssens ist, so zeigt d'Enjoy, indem er sie vom anthro pologischen Standpunkt deutet, ursprünglich au» dem Trieb, den Appetit zu stillen, hervorgegangen. Die Chinesen aber halten sie für die idealste Art, einer Person Lübe zu bezeigen, während sie den europäischen Kuß roh und tierisch nennen und meinen, daß ein Europäer, der in unserem Sinne küßt, einem Menschenfresser ähnlich sehe. Als die Franzosen Cochin- china erobert hatten, suchten dessen Bewohner ihre Frauen und Mädchen zu verhindern, sich den französischen Soldaten zu nähern, indem sie ihnen sagten, daß die Europäer ihre Frauen-umarmen und beifeen, und noch heute drohen die Einwohner von Anam ihren Kindern, wenn sie ungezogen sind, mit einem „europäischen Kuß". Selbst die Litteraten Chinas habln heute noch nicht aufgrhört, den europäischen Kuß als eine brutale, jeder Phantasie entbehrende Geste anzufeben.
• Tunnel durch den Quirinalhügel. Der Plan der Stadt Rom, durch den Quirinalhügel einen Tunnel zu bohren, um die Verkehrsverhältnisse der Stadt zn verbessern, wird in absehbarer Zeit verwirklicht werden. Der Tunnel soll 16 Meter breit werden und für Fußgänger, Wagen und eine elektrische Straßenbahn dienen. Er wird nicht horizontal geführt, sondern ansteigend, sodaß er durch den Quirinalhügel hindurch die Höhe des Viminal und des Esquilin gewinnt. Auf diese Weise wird es möglich, eine elektrische Straßenbahn zu erbauen, die das auf den Hügeln gelegene Rom mit den in der Ebene sich ausbreitenden Stadtteilen verbindet.
* Amerika ist nicht mehr das Land der vollkommensten und packendsten Reklame. Jetzt marschiert Belgien an der Spitze der Nationen. Im Eden-Theater zu Charleroi spielte sich in diesen Tagen während einer Aufführung von „Monte- Christo" eine hinreißende Szene im Saale ab. Während einer Zwischenpause erhob sich plötzlich in einer Loge ein ziemlich beleibter Zuschauer und hielt folgende Ansprache an das Publikum: „Meine Damen und Herren! Ich heiße so und so und handle mit emailliertem Geschirr. Mich kennt jedermann, meine Damen und Herren, mein Ruf braucht nicht erst begründet zu werden. Nirgends kauft man so billig und gut wie bei mir. Morgen werde ich aus dem Markte der oberen Stadt sein. Kommt alle und ihr werdet dort unglaubliches sehen: herrliche Eimer verkaufe ich nicht zu 5 Franken, nicht zu 4 Franken, nicht zu 3 Franken,
nicht zu 2 Franken, sondern zu 1 Frank das Stück und gebe noch einen Schmortopf zu. Kommt alle und benützt die Gelegenheit." Sprachs und setzte sich nieder. Das Publikum aber, das anfangs sehr erstaunt war, wurde durch die unerwartete Rede bald in die fröhlichste Stimmung versetzt. Reicher Beifall wurde dem trefflichen Redner zu teil und ermutigte ihn, den wesentlichen Teil seiner Ansprache zu wiederholen. Es war ein richtiges „Da capo“, wie es im Theater üblich ist. Wir können nur wünschen, daß diese Art der Theater-Reklame bald auch bei uns eingeführt werden möge. Sie ist entschieden wirksamer, als die bunten Anpreisungen auf dem Vorhang und bietet den Zuschauern während der langen Pausen eine angenehme Unterhaltung.
* Sport und Athletik in der Weltausstellung 1900. Ans Paris wird gemeldet: Der Handelsminister hat das Dekret unterzeichnet, das die Sport- und athletischen Preisbewerbungen regelt, die während der Ausstellung im Gehölz von Vincennes organisiert werden sollen. Diesem Erlasse zufolge werden diese Preisbewerbungen in zehn Sektionen geteilt: 1) Athletische Spiele, 2) Turnen, 3) Fechten, 4) Schießübungen, 5) Rennsport, 6) Radfahren, 7) Automobilwagen, 8) Wassersport, 9) Rettungswesen, 10) Luftschiffahrt. Die drei ersten Preisbewerbungen werden um den Lac Daumesnil hemm stattfinden; von der Schießsektion, die in dem Gehölze selbst ihre Veranstaltungen treffen wird, soll das Taubenschießen (!) abgetrennt werden. Der Rennsport wird natürlich auf dem Hippodrom von Vincennes und das Radfahren auf dem städtischen Velodrom stattfinden, während das Automobilwettfahren außen um die Ausstellungssektion von Vincennes herum abgehalten werden wird. Der Wassersport wird sowohl auf dem Lac Daumesnil als in der Seine und Marne organisiert sein, während für die Sektion 9 noch kein bestimmtes Terrain angewiesen ist. In diesen Teil der Ausstellung wird man gegen Eintrittskarten eingelassen werden, wogegen die verschiedenen Sondersportveranstaltungen Eintrittsgelder zu erheben berechtigt sind. Mit der Ausarbeitung des endgiltigen Programms wird eine Kommission betraut, die es noch vor October d. I. der Verwaltung vorzulegen hat. Es soll auch ein internationaler Hygiene- und Physiologieausschuß ernannt werden, um den Hebungen der internationalen Sport- und athletischen Preisbewerbungen zu folgen. Sie werden von dem Handelsminister auf Vorschlag des Generalkommiffärs bezeichnet werden.
* Ein Pariser Kritiker über deutsche Maler. Der Pariser Kunstkritiker Arsene Alexandre veröffentlicht im „Figaro" eine sehr scharfe Kritik der offiziellen deutschen Kunst, würdigt dagegen eingehend und wohlwollend die Thätigkeit der unabhängigen deutschen Maler. Arsene Alexandre schreibt u. a.: „Nicht nur sind für ganz Zentraleuropa die jährlichen Berliner und Münchener Kunstausstellungen künstlerische Ereignisse von bedeutender Tragweite geworden, sondern die deutschen Künstler beginnen auch bereits auf dem amerikanischen Markte den unseren eine ernsthafte Konkurrenz zu machen. Das sind Wahrheiten, die einmal ausgesprochen werden müssen, und es nützt nichts, uns selbst schale Komplimente zu machen, nach denen wir stets so eifriges Verlangen tragen .... „Die deutsche Schule ist sehr lebenskräftig; sie entfaltet großen Eifer und viel Initiative". Alexandre tadelt sodann die Unkenntnis, die in Frankreich hinsichtlich der deutschen Künstler herrsche und führt aus: „Was kennen wir von Hans Thoma und seinen historischen Landschaften, die so farbenreich und so packend in der Erfindung sind?' Was haben wir von den Maler, Bildhauer und Kupferstecher Max Klinger gesehen? Was wissen wir viel von Lenbach, dem Porträtisten, der unter anderem das so außerordentliche Porträt Bismarcks, das sich im Leipziger Museum befindet, gemalt hat? Andere sind uns freilich etwas vertrauter, so Uhde und seine tief sich einprägenden Szenen bei denen der Mysticismus mühelos mit dem Realismus verschmilzt; Rühl und seine Interieurs alter Schänken oder alter Bürgerwohnnngen . . . Alle diese Leute bilden eine Schule und sogar, was viele in Erstaunen setzen wird, eine wichtige Schule, in der, wie in allen Schulen, frische Lebenskräfte neben Zeichen des Verfalls sich geltend machen. Man findet in ihr schöne einfache und schlechte akademische Werke, ganz wie bei uns."
• Kaiserin Augusta Handschristensammlung. Die Großherzogin von Baden, als Tochter des verstorbenen Kaisers Wilhelm, hat die Absicht, eine Sammlung der Handschreiben ihrer verewigten Mutter anzulegen, und zwar vornehmlich solcher Schreiben, welche die Kaiserin Augusta in den langen Jahren ihrer Wirksamkeit in der Nheinprovinz (1840 bis 1890) an Städte, Korporationen, Anstalten usw. gerichtet hat. Zu diesem Zweck sind seitens der Großherzogin von Baden die einzelnen königlichen Regierungen gebeten worden, ihr bei Erlangung derartiger Schriftstücke, Telegramme usw. behilflich zu sein.
• ES geht auch fo! Aus Berlin, 16. Januar wird geschrieben: Die beim Festessen im königlichen Schloß am gestrigen Krönungs- und Ordensfeste aufgelegte Speisekarte, deren Gerichte nach der Gepflogenheit der kaiserlichen Familie sämtlich deutsck) bezeichnet sind, lautet folgendermaßen: „Berlin, den 15. Januar 1899. Königliche Mittagstafel. Gärtnersuppe. — Gedämpfte Steinbutten. — Schmorfleisch mit Gemüsen. — Hummern-Auflauf mit Edelpilzen. — Wildschweinskopf. — Metzer Hühner, Früchte, Salat. — Biskuit-Sahnenspeise. — Nachtisch". Hoffentlich findet dieses von höchster Stelle gegebene Beispiel in allen deutschen Kreisen endlich Nachahmung. Man sieht — und man wird bei ernstlichen Versuchen allemal sehen —: es geht auch so!
* Der Ehrensabel, welchen das amerikanische Volk durch Kongreßbeschluß für Admiral Dewey den Sieger von Manila, bestimmt hat, ist vor einigen Tagen nach Washington abgeschickt worden. Der Säbel, dessen Zeichnung von Herrn Taulding Farnham entworfen wurde, besteht, mit Ausnahme der Klinge, aus 22farätigem Golde. Am Degenknopf ist das Admiralschiff „Olimpia" und das Zodiakalzeichen des
Dezember, des Monats, in dem Admiral Dewey geboren wurde, angebracht, Dann folgen die Wappen der Vereinigten Staaten und von Vermont, dem Geburtsstaate des Admirals, mit der Aufschrift: „Freedom and Liberty“. Der Korb wird durck) einen Adler verziert; die Klinge tragt auf der einen Seite die Widmungs-Inschrift. Auf der anderen Seite erblickt man einen die Fittige zum Fluge ausbreitenden Adler mit Lorbeerzweigen im Schnabel. Die Scheide besteht aus Stahl und ist reich mit Gold verziert; sie läuft in einen aus Gold hergestellten Delphin aus.
* Deutsche Offiziere in Wien. Eine Abordnung des Offizierkorps des preußischen Kaiser Franz-Garde-Grenadier- Regiments Nr. 2 unter Führung, des Obersten v. Schwartz- koppen wurde Mittwoch vormittag von dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Die Abordnung überbrachte die Glückwünsche des Regiments zu dem 50jährigen Inhaber - jubilänm des Kaisers, eine Huldigungsadresse, sowie eine in der Berliner königlichen Porzellan-Manufaktur angefertigte kunstvolle Porzellanvase als Jubiläumsgabe des Regiments. Der Kaiser, der die Oberstuniform des Kaiser Franz-Garde- Grenadier-Regiments mit dem Bande des Schwarzen Adler- Ordens angelegt hatte, nahm die Glückwünsche huldvollst entgegen.
* Verkehrswesen. Im Bereiche der badischen Staatsbahnverwaltung wurden nach einer Mitteilung der „Zeitung d. Vereins deutscher Eisenb." an Kilometerheften im Jahre 1898 abgesetzt: in Karlsruhe 15,524, Mannheim 12,243, Freiburg 10,456, Heidelberg 7209, Pforzheim 3838, Konstanz 3013 usw. Die Kilometerhefte waren an der Zahl der beförderten Personen mit 11 v. H. und an der Summe der Einnahme und der gefahrenen Personenkilometer mit 27,6 v. H. beteiligt.
* Das Schiff Johann Orths. Durch die Presse ging dieser Tage die Meldung, daß das Schiff Johann Orths zum Verkaufe stände, lieber das Zustandekommen dieser Meldung und ihre Bedeutung wird der „N. Fr. Pr." mit- geteilt: Johann Orth besaß zwei Schiffe. Als er im Dezember 1889 in Hamburg das jetzt wieder zum Verkaufe ausgebotene eiserne Segelschiff „Cäsarea" kaufte, befand sich dieses Schiff noch unterwegs nnd die Rückkehr des Schiffes wurde erst zum Frühjahr 1890 erwartet. Dies dauerte aber Johann Orth zu lange und so kaufte er ein anderes Schiff, die etwas größere „Santa Margherita". Die „Cäsarea", welche dann der bevollmächtigte Vertreter Johynn Orths, I. Havenit in Birstein (Hessen-Nassau), zum Verkaufe stellte, ging an die Hamburger Rhedereifirma C. M. D. Jürgensen über, welche das Schiff jetzt durch Hamburger Schiffsmakler wieder zum Verkaufe stellen läßt. Eine solche Firma versah, wahrscheinlich der Empfehlung halber, die nach dalmatischen Hafenplätzen gehenden Angebote mit der Bemerkung, daß die „Cäsarea" einmal das Schiff des Johann Orth gewesen, und so gelangte von Triest aus die eigenartig klingende Meldung in die österreichische und die deutsche Presse. Das Schiff befindet sich zurzeit auf der Rückreise von der Westküste Südamerikas mit Salpeter befrachtet uno wird Mitte März erwartet. Das Schiff, mit welchem Johann Orth feine letzte Fahrt antrat, hieß, wie bekannt, „Santa Margherita". Johann Orth fuhr auf dieser von Dünkirchen nach 'Argentinien nnd wollte von dort mit Ballast nach der Westküste Südamerikas fahren, um Salpeter einzunehmen. Seitdem ist er verschollen. An dem Untergange des Schiffes wird schon lange nicht gezweifelt,, die Versicherungssumme für das verloren gegangene Schiff wurde auch schon von den beteiligten Hamburger Versicherungs-Gesellschaften an den juristischen Vertreter Johann Orths ausbezahlt. Um das Schiff „Cäsarea" hatte sich fast 10 Jahre hindurch niemand gekümmert, und jetzt wurden durch eine harmlose Reklame-Nachricht noch einmal bei manchem trügerische Hoffnungen erweckt.
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1899
Auf'189 .„.begeh'“
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