Ausgabe 
21.5.1899 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

dabei den schweren Stand, welchen Bayerns Großindustrie habe, da es ihr an genügenden Wasserstraßen und an billigem Bezüge von Kohlen fehle, während sie andererseits hohe Löhne zahle. Nur der Tüchtigkeit der Leiter und Arbeiter sei es gelungen, die Großindustrie auf ihrer jetzigen Höhe zu erhalten. In seiner zweiten Rede sprach Prinz Ludwig über die Lage der bayerischen Mühlen­industrie und befürwortete einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen der Großmühlen und denen der Kleinmühlen.

AuÄsnd.

Wien, 19. Mai. Der Landtag nahm einen Dringlich­keits-Antrag an, damit vr. Lueger Vorkehrungen treffe, daß die Redefreiheit im Landtage gewahrt bleibe. Weiter erklärte vr. Lueger, Pflicht der Negierung sei es, solche Beamte, wie den Hofrat Heiterer, welcher sich durch die Heraus­forderung des Landmarschalls eines Verbrechens schuldig gemacht hat, nach den bestehenden Gesetzen zu bestrafen.

Wien, 19. Mai. Das von den deutschen Vertrauens­männern mit Ausnahme der Nationalradikalen soeben be­schlossene national-politische Programm der Deutschen Oesterreichs fordert an erster Stelle, daß die deutsche Sprache als allgemeine Vermittlungssprache, daher als Sprache der Armee, des Parlaments und der Zentralbehörden gesetz­lich festgestellt werde, ferner die Jnartikulierung des deutsch­österreichischen Bündnisses im Wege der Gesetzgebung und die Schaffung einer mitteleuropäischen Zollunion, in welche die ehemals dem deutschen Bunde angehörigen österreichischen Länder einzutreten hätten. Für Böhmen wird außer der Bildung nationaler Landtagskurien die Verwaltungs-Trennung des deutschen Gebiets und für dieses die ausschließliche Geltung der deutschen Sprache in Schule und Amt gefordert, wobei für das tschechische Gebiet die innere tschechische Dienst­sprache zugestanden wird.

Graz, 19. Mai. Der Gerichtsbeamte Brais, welcher wegen Beteiligung an derL o s - v o n - R o m" - B e w e g u n g verhaftet worden war, wurde seiner Stellung für verlustig erklärt.

Budapest, 19. Mai. In der Ferenzer Zucker-Fabrik entdeckte ein Gerichtsbeamter im Hofe ein Packet, welches beim Aufheben explodierte. Der Beamte wurde furchtbar verstümmelt. Alle Fenster des Fabrikgebäudes sind zer­trümmert. Man glaubt, daß einige fremde Arbeiter eine Bombe in das Packet gepackt haben.

Rom, 19. Mai. Der Kassationshof entschied, daß die 1860beschlagnahmten Güter der Bourbonen denselben wieder zurückzustellen sind.

London, 19. Mai. Aus Shanghai wird telegraphiert: Die chinesischen Truppen haben sich nach Schetung begeben, um die Italiener am Landen zu verhindern. Die chinesischen

neuen Kreuzer haben in der Bay von Wei-hai-wei Auf- j stellung genommen, um ebenfalls eine Aktion der Italiener gegen die San-mun-Bay zurückzuschlagen. Die italienischen Kreuzer sind in der Bay von Wusang stationiert, und es ist vorauszusehen, daß die Chinesen den Italienern einen verzweifelten Widerstand leisten werden. England wird Italien keine Hilfe leisten.

Petersburg, 19. Mai. Zwei bedeutsame Reformen werden, wie der Draht aus Petersburg wohl nicht ganz unabsichtlich gerade zum Beginn der Friedenskonferenz und anläßlich des Geburtstages des Zaren meldet, in Rußland geplant. Die erste betrifft die Anpassung des russischen Kalenders an den in fast allen gesitteten Staaten ge­bräuchlichen julianischen Kalender. Das Ministerium der Volksaufklärung ist nämlich amtlich davon benachrichtigt worden, daß bei der unter dem Vorsitz des Kaisers stehenden russischen astronomischen Gesellschaft ein besonderer Ausschuß zur Beratung der Kalenderreform eingesetzt sei. Man darf wohl annehmen, daß damit nun einmal Ernst gemacht werde. Weiter wurde unter dem Vorsitz des Kaisers in Peters­burg eine Konferenz zur Beratung der Deportationsfrage abgehalten. Dabei zog der Kaiser nachstehendes in Er­wägung: Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Art der Verschickung von Verbrechern nach Sibirien hat sich, je mehr das Land durch freiwillige Ansiedler besiedelt wird, nicht nur als unnütz, sondern sogar als schädlich für Sibirien erwiesen. Mit der Verbesserung der Verkehrsmittel und der fortschreitenden kulturellen Entwickelung Sibiriens hat die Verschickung allmählich die Bedeutung einer Strafe ver­loren, während der Schaden, der dem Gebiete durch die Verbannung von Verbrechern dorthin zugefügt wird, mit jedem Jahre größer wird. Nachdem sich mit der Frage der Aufhebung der Verschickung und der Zwangsarbeit bereits die Kaiser Alexander II. und Alexander III. beschäftigt haben, betrachtet Kaiser Nikolaus diese Angelegenheit als ein Vermächtnis seiner Vorfahren und erblickt in der Ver­schickung ein schweres Hindernis für die Entwicklung Sibiriens. Er hat daher soeben (an seinem Geburtstage) befohlen, daß unter dem Vorsitz des Justizministers ein Ausschuß zusammen­trete, der über den Ersatz der Verschickung durch andere Strafen und über die damit zusammenhängenden Angelegen­heiten beraten soll.

Ein Aufsatz derTimes" besagt, daß die 'vom Präsidenten Krüger zugesagten Reformen völlig illu­sorisch und nicht vom geringsten Werte seien, die von ihm gemachten Konzessionen hinsichtlich des Wahlrechts feien offenbar ungenügend. Ferner äußerte der Erste Lord der Admiralität, Goschen, in einer Rede auf einem Fest­mahle, daß die Lage in Afrika zwar noch zu Befürchtungen Anlaß gebe, daß er aber trotzdem hoffe, Präsident Krüger werde den Teil der Bewohner der Südafrikanischen Republik

zufriedenstellen, welcher zu chrem Wohlstand beigenrr habe, und die Zufriedenheit und Loyalität im ganzen^, herbeiführen, wodurch die Unabhängigkeit des Lands n i besten gewahrt werde.

Vermischtes.

* Volksheilstätten für Lungenkranke. Der Verein Begründung und Unterhaltung von Volks heilst;^ für Lungenkranke im Königreich Sachsen zählt nah r, eben erstatteten Jahresbericht 1399 Mitglieder mit 14 Beiträgen. Von den 362 in die Heilstätte für mfantig Lungenkranke in Albertsberg aufgenommenen schiede 11,16 v. H. ungebessert aus, während 88,84 v. H. gebessert die Anstalt verließen, und zwar 65,26 v. H erwerbsfähig, 17,79 als teilweise erwerbsfähig und J v. H. als erwerbsunfähig. Ein Todesfall kam nicht.- Die recht guten Erfolge würden noch zufriedenstellendir wenn nicht viele Kranke die Behandlung vorzeitig aufg^ weil ihre Angehörigen nicht ausreichend versorgt fink, Bau einer Anstalt für weibliche Lungenkranke hat Albert aus der Jubiläumsstiftung der Stadt 100000 Mk. überwiesen.

* Gründung einer schiffsbautechmschen Gesellschaft dem NamenSchiffbautechnische Gesellschaft^ am Dienstag, dem 23. Mai, in Berlin eine Gescllsh- begründet werden, die für Deutschland dieselben Zweckt:: folgen soll, wie dieInstitution of naval architects Großbritannien. Die Gründung ist, nachdem ein in: Vorversammlung am 19. Februar d. I. gewählter fc schuß alle vorbereitenden Schritte bewirkt, hat, völlig gesichc da bereits namhafte Beträge, auch von Hamburgs Schiffswerften und Rhedereien gezeichnet sind. Der Z« der Gesellschaft, mit dem Sitz in Berlin, ist der ZusE schluß von Schiffbauern, Schiffsmaschinenbauern, Htdra Ofsizieren der Kriegs- und Handelsmarine u. s. w. jurt örterung wissenschaftlicher und praktischer Fragen Hinsicht: der Förderung der Schiffbautechnik.

* Ein erfreuliches Zusammentreffen. Von Frant l erzählt derHann. Courier" nach einer italienifdjien 3ritirq folgende Anekdote: Liszt begab sich zurzeit, da sm Aw schon allbekannt war, aufs Land in einen Badeort ul wollte in einem Hause mieten. Bei der Unterredu'^7 dem Portier fragte ihn dieser:

Entschuldigen Sie, was haben Sie für einen 8mip Ich bin Klavierspieler", antwortete Liszt.

Ach, wie sich das trifft", ruft der andere ersm Ich spiele Klarinette, da werden wir zusammen musiziere

Ob Liszt schließlich in dem Hause gemietet hat,- nicht bekannt.

Bekanntmachung.

Die Heberolle über die Beiträge zur land- und forst­wirtschaftlichen Berufsgeuofseufchaft für das Jahr 1898 liegt von heute an während 14 Tagen auf der unterzeichneten Bürger­meisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch genommene gegen die Beitragsberechnung bei dem Vorstande der land, und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft Ein­spruch erheben, (f. § 21 der Verordnung vom 11. Juli 1888, Regierungs­blatt S. 83).

Gießen, den 19. Mai 1899.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnautb. 4102

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Ttaats und Gemeindesteuer-Zettel in den nächsten Tagen den Steuer­pflichtigen durch die Schutzmannschaft zugrstellt werden.,

Diejenigen Einwohner, welche bis zum 1. Juni keine Steuer» zettel erhalten haben, ihren Verhältnissen nach aber annehmen müssen, daß sie steuerpflichtig sind, werden hiermit aufgefordert, hiervon alsbald bei Vermeidung nachteiliger Folgen auf dem Bürgermeisterei Büreau Zimmer Nr. 15 Anzeige zu erstatten.

Gießen, den 19. Mai 1899.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

4103 Gnauth.

Bekanntmachung.

Da seitens des Stadtbauamts Gießen mit dem Ausbau der Bürgersteige in der Bahnhofstraße, zwischen der Wolkengasse und dem Bahnhofe, in der Fraukfurterstratze, zwischen dem Selters- thore, und der Wilhelmstraße, in der Steiustratze, zwischen der Nordanlage und der Dammstraße und zwischen dem Asterwege und der Schottstrabe, und in der vorderen Wilhelmstraße in nächster Zeit be­gonnen wird, so ersuchen wir die anliegenden Hauseigentümer der betr. Straben auch auf diesem Wege, uns bis Ende dieses Monats gefl. mitteilen zu wollen, ob jetzt ober in nächster Zeit ihre Häuser, welche zwar Wasser- aber noch keinen Gasanschluß b. sitzen, mit Gas versorgt werden sollen, damit wir die Gaszuleituugen vor Aus­führung der Bürgersteige herstellen können. Nach Fertigstellung der Bürgersteige sind solche Anschlüsse mit technischen Schwierigkeiten und großen Kosten verbunden.

Gießen, den 20. Mai 1899.

Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen.

4080 Otto Bergen.

Evang. Gottesdienste der Method. Kirche

Neuenweg Nr. 9, Hinterhaus 1. Stock, Eingang Erlengasse. Sonntag de« 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Predigt.

Jeden Mittwoch abend Bibelstunde. Herr Pred. Barnickel.

1M9~~ Jedermann freund!, willkommen. "9M1

« Schützen-Verein.

Mittwoch den 24. Mai, abends 9 Uhr:

General-Ansammlung

im Schützeuhaus. 4094

Kttlimslhk KkbkllS-UerßlhkttlUgg-GrseWast (grgränb. 1836). Zweiundsechszigster Geschäfts-Bericht.

Im Jahre 1898, dem 62. Geschäftsjahre der Gesellschaft, wurden abeschloffen 3920 Aokizen mit........... Mk- 16251925 Kapital

und Mk. 22251,50 Rente.

Gesamte Aahres-Ginnahme pro 1898 ......Mk. 9 331027.

Angemeldet 504 Steröesälle über.......Mk. 2 745 744»/7 Kapital.

Geschäftsstand Ende 1898:

RerstcherungsveSaud 39 636 Personen mit ... M8. 185663540 Kapital und Mk. 376245 Mente.

Hesamt-Harantiefonds...........Mk. 65 372169.

Anverteilter Reingewinn der lehte« 5 Jahre . Mk. 6152 270.

Die Dividende pro 1899 beträgt für die nach Berteilungs-Modus I Ver­sicherten 31% der 1894 gez. Jahresprämien und für die nach Verteilungs- Modus II Versicherten 3% der in Summa gez. Zahresprämieu.

Berlin, den 12. Mai 1899. 4073

Direktion der Berlinischen Lebeus-Berficheruugs Gesellschaft

Weitere Auskunft wird gern erteilt, auch werden Anträge auf «Zevens-, Spar- und Leivrenten-Aerficheruugen entgegengenommen von

August Struck in Gießen, Bi-marckstrahe 6.

Allein-Vertrieb für das Grossherzogtum Hessen:

Brühlsche Univ.-Buch- und Steindruckerei,

Ft u. automatischer flbstendherstelLinq.

KÖLN.Schildergassa 78.

Berlin,Mohrenstr. 21.

MK

Weitaus vollkommenste Schreibmaschine, die HJaupIVorzüge sämtlicher Systeme vereinigend.

;___-----

Ei nziqe Ohr sichtbarer

Giessen.

Mein reich assortiertes Lager in

echte« Schmtzn Ätrtitu Wr

halte ich in Stücken von 4.20 Meter zu anherordentlich billigen

Preisen bestens empfohlen. 633

J. Kaan jr., am Kttur.

SRcbacrise: l. Burthartzr. Ikrteg Wt vrü'ql'tchen llm»ersttit--Buch- und ©teinbnxderei (Pietsch Erbe«) in Gießen.

Verdingung.

Die sämtlichen Arbeiten einschl-Ma lieferung zur Erweiterung der Errpicy I gebäude zu Langsdorf, Mittel-Gr^ und Garbenteich sollen im ©anjen geteilt nach Haltestellen öffemlit v. düngen werden. Die Zeichnungm c Verdingungsunterlagen liegen im Sün­der unterzeichneten Inspektion nu; Sr sicht aus und sind letztere baftlbftgw 50 Pfg. erhältlich. Die Angebot t tr bis zum Eröffnungstermin Krettai w 2. Ju«i 1899, vormittags U'/.Utz, postsrei hierher einzureichen.

Zuschlagssrist 4 Wochen.

Gießen, 19. Mai 1899. ,th Großh. Eisenbahn-Betriebs-Inipeku^

Die Dampfstraßenwalze <rIr­in bet Gemarkung Krofdorf-- wie folgt:

Dienstag den 2S. d. M, KrofdorfFellingshausen

Mittwoch de» 24 d. A i

KrofdorfRodheim, Donnerstag den 25. d. k

KrofdorfGleiberg,

Freitag nud Tamsteg den 26. und 27. d. »

KrofdorfGießen.

Die benannten Straßen W diesen Tagen für den Fuhnr verkehr gesperrt.

Krofdorf, 19. Mai 1899.

Die Polizeiverwaltnil

Der Bürgermeister: I Lichtenthäler. ' Fm Pnvimch

Die Herstellung einer pumpe, mit 16 laufenden Bleirohr, hölzerne Stöcke, Donnerstag den 25. d. > nachmittags 4 'M, auf dem hiesigen Rathause iw $ gegeben.

Großen-Livden, am 19. I

Gr. Bürgermeisterei Großen^

Leun.

Sie ®*®

bnzelegt.

«onahvk vor

Agenden f

Mktion, M

betteffend:

Die Gemi ist aufgehoben geordnet word< Gi ßen, Gr

r-s t?r.

Wer da gee bet im Haag zr Spital Magen Die dir ganze scheinen sich nie Feinde jeder Ut sind sie in die ftituiert und ft selligkcit gewid Beratungen eir es wird ganz i Menden Fra; mutiert sind.

Dars man Bettrauen [djetil gramms des ßai tritt einer Sonfer in diiüendes Schi eine friedliche Bei rnfnng diefes Sil es doch möglichst spricht sich von je einzelnen Regier letztere nur auf brauchen. Man bei seinem M denn er etwas Erreichbc bietet, daß , geschafft n Mitscheidung gt Kriege nicht voi -Verringerung t 8'eichkommen ai Irschen modern «erlufte von M

Es bedarf r i« Za«« mH ? Ilst bann ia .1 bitaits fite *

re

SruMh-K

Delegit

Abenden J ^rden, ba6 / Attischen

'ff' 60g^teti

ÄS