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«Ihr. 118 Erstes Blatt.
Sonntag den 21. Mai
1899
Gießener A nzeiger
General-Anzeiger
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
Z2czugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Briugerlohn.
tügtick ui Ausnahme des Moutogs.
Alle Anzeigen.BcrmittlungSsteNen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.
Ittahmr von Anzeigen zu der nachmittags für den ftl-m»ie» tag erscheinenden Rümmer biß »orm. 10 Uhr.
8ie Gäehener
! H,»l.kie»StSt1er • eske de» Anzeiger »lch'iÄich viermal drrgelegt.
Aints- und Anzeigeblutt für den Ktetf
Auktion, Expedition und Druckerei:
Zchntstraße Ar. 7.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Blätter für hessische Volkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Teil.
Gießen, den 19. Mai 1899.
Scttt.: Die Ablieferung der Vakanzüberschüsse erledigter Schulstellen in den ProvinzialschulfoudS.
Großherzogliche Kreisamt Gießen
u He Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.
Insoweit Sie noch mit der Erledigung unserer Ver- f Hunz vom 30. März I. Js. (Kreisblatt Nr. 79) im Rück- Hinbe sind, werden Sie mit acht Tagen Frist hieran er» i mnt. (Vorlage der Berechnung oder Fehl-Anzeige.)
v. Bechtold.___________________
Bekanntmachung.
§k wird hierdurch zur allgemeinen Kenntnis gebracht, d «tz boc Feld- und Waldweg auf der Erbach bei Lumda r-wgen der erforderlichen Herstellungsarbeiten vom 1. Juni bÄ anss weiteres gesperrt ist.
E ießen, am 18. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisautt Gießen.
__v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung, bistkchaad: Den Umbau der Kreisftraße Gießen-Hausen oberhalb des ForstgartenS.
D egen Umbaues der Kreisftraße Giefteu-Hansev kiärb dne zwischen dem Forstgarten und dem Forsthaus L-mmgmrten gelegene Strecke derselben von Mittwoch, die« L4. Mai l. I. ab für den Verkehr gesperrt?'
Gießen, den 17. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
__v. Bechtold.___________________
Einladung
zur
W. ordentlichen Generalversammlung des ßOis-Pfttdkriichtvttei«r im ßra^rrjogtam Hesse» zu Mainz
m Sonntag dem 28. Mai 1899, nachmittags 3 Uhr, in „Kasino zum Gutenberg", Große Bleiche 29.
Tagesordnung:
1 Bericht des Vorstandes über die Wirksamkeit des Vereins im Jahre 1898.
2,. Vorlage der Jahresrechnung und Entlastung des Schatzmeisters.
3,. Zusatz zu § 3 der Statuten.
4. Stutenkörung in 1899; Referent: Herr Land» stallmeister v. Willich.
5. Stutenkörung: Prämiierung der aus gekörten Stuten gefallenen Fohlen betr.
6.. Bestimmungen für die Stutenkörung.
7.. Wahl der Mitglieder zu den Fohlenankaufs-Kom- misfionen für Belgien und Oldenburg.
8„ Vortrag des Herrn Ober-Roßarzt Höhnke - Darmstadt : „Das Auge vom anatomischen Standpunkte betrachtet mit Demonstrationen und die hauptsächlichsten Augeukrankheiten der Pferde".
Der Präsident:
v. W e st e r w e l le r.
NagelL.
P. 8. Mittagessen, das trockene Gedeck zu 2 Mk., um im „Kasino zum Gutenburg". Bestellungen zur TiLÄchme am Essen wollen zwei Tage vorher an die Re- fttwulwe im Kasino, Frau H- Bruch in Mainz, Große Blfafy 29, gerichtet werden._____________________________
Bekanntmachung.
Der nächste Amtstag findet nicht Dienstag den 23. l. M., sl.wSm Mittwoch den 584. l. M. statt.
6iiefjen, den 20. Mai 1899.
Oroßherzogliches Steuerkommissariat Gießen.
___________________Bähr.________
Hitfunden: Geld, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Nasenspitze mit Etui, 2 Taschenmesser, 1 Regenschirm, 1 Hmmischuh, 2 Handschuhe, 1 Weste, 1 Koppel ohne LaLch, 1 Kappe, 1 Peitsche und 1 Segeltuchreisetasche.
8iießen, den 20. Mai 1899.
Großherzogliches Polizeiamt.
I. V.: Roth.
Pfingsten.
Geist der Pfingsten! rausche herab aus heiliger Höhe und fahre dahin über das Menschenfeld! Entzünde das Feuer der göttlichen Liebe unter hadernden Brüdern. Laß, wo alles sich liebt und nahe kommt, wo Abgründe sich die Hände reichen, die Gestade der unermeßlichen Meere durch die schnellen Schiffe sich nahe rücken, und der elektrische Funke von Weltteil zu Weltteil fliegt, nicht den Menschen, die Krone der Schöpfung, in Haß und Selbstsucht allein stehn. Schmelze die stolze Gestalt des Kulturmenschentums um in das Bild jener Psingstgemeinde, deren Glieder ein Herz und eine Seele waren.
Geist des Herrn, du allerheilsamster Tröster! wehe mit sanftem Hauch über die Häupter, die sich in Nöten und Schmerzen beugen, gieb ihnen den Frieden des Auferstandenen und lehre sie mit Geduld nach Bewährung trachten.
Geist der Hilfe und der Erbarmung! Tauche tief herab in unser Volksleben, wo aus verborgenen Gründen Seufzer des Elends dringen, und des Reiches Herrlichkeit aus tausend Schäden und Wunden blutet; laß erkennen, daß die Sünde der Leute Verderben, die Quellen der Armut und Not, und erwecke auch die Hartherzigen und Geizigen, daß sie lernen Werke der Barmherzigkeit und Liebe üben.
Geist der Wahrheit! Wirf dein Flammenschwert in die Welt der Lüge und des Heuchelscheins. Hilf jedem Mund, der dem Recht und der Wahrheit Zeuge ist, jedem Herzen, das in Treue schlägt, zu seiner Ehre. Zerreiße die Irrtümer, die wie Berge um uns her sind, als ob nichts bestände, was nicht die sinnlichen Sinne erfassen können, und das Heil der Seelc, das wir von Gott dem Vater in Christo erflehen, ein Wahnbild schwacher Thoren wäre. Erwecke den Hunger nach einer ewigen Errettung in dem gottfremden Geschlecht, wirf ein Grausen vor dem Todesschicksal, das es sich selbst bereitet, auf die ermatteten Seelen, — und laß Ströme des Lebens und der Gnade über die dürren Auen dahinfluten.
Geist der Pfingsten, heiliger Geist! Erfülle uns mit deinem Freudengut. Laß am lieblichen Feste Herz, Mut und Sinn ruhen in deinem Licht, der du von dem Himmel bist! Lehre uns wandeln und kämpfen, lieben und glauben, deine Kraft sei in uns mächtig, dein Friede mache Wohnung in uns, dein Trost erquicke uns.____________________________
Fokales und PrsvinMes.
Gießen, 20. Mai 1899.
** Ans dem Justizdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz wurde der Gerichtsassessor Hamburg er in Fürth vom 1. k. Mts. an mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts bei Großherzoglichem Landgericht der Provinz Rheinhessen beauftragt.
•* Ernannt wurden die Finanz»Accessisten Christoph Grünig aus Eberstadt bei Darmstadt, Karl Lindenstruth aus Atzenhain und Ludwig Wallenfels aus Gießen zu Steueraffefforen und Johann Jakob Heinrich Birner zu Alzey zum Steuerkommiffariatsgehilfen.
*♦ Kriegervereinsfest. Am 3., 4. und 5. Juni ds. Js. feiert der hiesige Kriegerverein das Fest seines 25 jährigen Bestehens. Als der Verein sich bildete, da gingen die Wogen der patriotischen Begeisterung, welche uns die großartigen Erfolge des großen Krieges 1870/71 errungen haben, noch hoch; auch konnte der Verein noch die letzten Kämpfer aus den Freiheitskriegen in Gießen als Ehrenmitglieder aufnehmen. Es waren dies der allgemein beliebte Rendant Bieler und Schürz. Sie sind nun heimgegangen; aber ihr Gedächtnis ist in Ehren gehalten worden im Verein. Der Verein beschränkt sich nicht auf diejenigen, welche den Krieg mitgemacht haben, sondern seine Ziele und Ideale waren andere. Alle, welche in Ehren ihrer Militärpflicht Genüge geleistet haben, werden als Mitglieder ausgenommen, damit die Ideen, welche uns 1870 begeisterten, auf die Jugend übergehen sollen, durch die Erzählungen und den Einfluß der alten Kämpfer. Durch den jungen Nachwuchs soll es auch ermöglicht werden, daß die alten Krieger, wenn sie nicht mehr ihre Thätigkeit ausüben können, in Bedürfnisfällen unterstützt werden. Nur dadurch, daß jüngere Kräfte herangezogen werden, ist es möglich, Unterstützungs- und Sterbekaffen lebensfähig zu erhallen. In treuer Fürsorge hat der Verein seine bedürftigen Kameraden und Waisen Heimgegangener Mitglieder unterstützt. Trotz der geringen
Beiträge sind nahezu 8000 Mk. für Unterstützungszwecke ausgegeben worden. Bezüglich der Sterbekasse können wir noch mitteilen, daß sich eine Anzahl der Mitglieder in die Kaffe des deutschen Kriegerbundes aufnehmen ließ, der Vertreter derselben in unserem engeren Vaterlande ist der Vorsitzende des Vereins. So wie in unserer Armee alle Stände vertreten find, so auch in den Kriegervereinen. Wohl keine andere Vereinigung zeigt so ein Bild unseres gesamten Volkslebens, als die Kriegervereine. Zu beklagen ist, daß Absonderungen, wie es ja leider in unserem deutschen Charakter liegt, auch hier stattgefunden haben. Das Bewußtsein, daß vereinte Kräfte weit mehr leisten können, als Zersplitterung, ist noch nicht Gemeingut geworden. Die Festfeier wird im Oswalds Garten abgehalten und verspricht eine schöne und würdige zu werden. Der Eintrittspreis ist sehr gering und beträgt nur 20 Pfg. Wünschen wir dem Verein, daß ihm Jupiter pluvius und auch die Bewohner unserer Stadt ein freundliches Gesicht zeigen, damit seine Kasse nicht Not leidet; ganz besonders schon deshalb, weil allenfallsige Ueber- schüffe zu Unterstützungszwecken dienen und ein Teil derselben der Ernst Ludwig Victoria Melitta-Stiftung zufließen soll, aus welcher Waisen und Halbwaisen, ohne Ansehung der Konfession, bei ihrer Konfirmation unterstützt werden. Der Verein hat sich im Laufe der Jahre recht stattlich entwickelt und zählt genau 300 Mitglieder. An der Feier nehmen, soweit es zur Zeit übersehen werden kann, 64 Vereine teil. Die Spitzen der Behörden haben in liebenswürdigster Weise ihre Beteiligung am Festausschüsse zugesagt.
** Feuerbestattung. Der „Darmst. Tgl. Anz." schreibt: Bei der im nächsten Monat zu erwartenden Beratung des Hessischen Gesetzentwurfes über Zulassung der Toten- Einäscherung ist eine Zuschrift des Stadtrates von Gotha, wo bekanntlich bereits seit 1878 ein Krematorium in Betrieb ist, an den Vorstand des Hessischen Landesvereins für Toteneinäscherung insofern von Interesse, als darin mitgeteilt wird, daß künftighin die Erklärung, wonach der Verstorbene selbst, oder diejenigen Personen, die für die Bestattung zu sorgen haben, die Einäscherung gewählt haben, einer Beglaubigung der Unterschrift nicht mehr bedarf. Wir ersehen hieraus, daß gerade die zunehmende Erfahrung an Orten, wo sich schon lange Krematorien im Betrieb befinden, zur Anwendung liberalerer Bestimmungen führt, und erblicken darin einen Beweis dafür, daß den kriminalistischen Bedenken praktisch unschwer in durchaus befriedigender Weise auch ohne zweckwidrige, engherzige Bestimmungen Rechnung getragen werden kann.
*♦ Der diesjährige Fortblldungskursus für Organisten und Kantoren des Großherzogtums Hessen soll, l. „D. Z.", unter Herrn Kirchenmusikmeister Professor Arnold Mendelsohns Leitung in den Tagen vom 18. September bis 7. Oktober hier abgehalten werden.
** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Floßmeister Johann Behüt aus Eltmann wegen Sittlichkeits- Verbrechens von der Staatsanwaltschaft Mainz; Dienstknecht Jakob Kant aus Nieder-Wöllstadt wegen Diebstahls und Ernst Nausocks aus Uszeszern wegen Körperverletzung, beide von der Staatsanwaltschaft Gießen: Dienstknecht Franz Lennig aus Halle wegen Diebstahls vom Amtsanwalt Fürth; Dienstmagd Elise Mayer aus Dürkheim wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Mainz; Dienstknecht Wilhelm Schäfer aus Hasselbach wegen Diebstahls vom Amtsanwalt Gießen; Techniker Willibald Westphal aus Berlin wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Darmstadt; Konditor Johann Georg Zorn aus Günzburg wegen thätlicher Beleidigung von der Staatsanwaltschaft Mainz; Dienstknecht Ernst Reifschneider aus Wolferborn wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; ferner wegen Strafverbüßung: Maximilian Burkhardt von Karlsruhe vom Amtsgericht I Darmstadt; Metzger Johannes Egner aus Ober-Beerbach vom Amtsgericht Zwingenberg; Seiltänzer Leopold Adolf Krämer aus Heidesheim vom Amtsgericht Lorsch; Taglöhner Philipp Kraus aus Weisenau, Schmied Albert Greifender aus Stefansdorf, Heizer Heinrich Weis- mann aus Xanten, sämtlich vom Amtsgericht Mainz; Korbmacher Philipp Schmelzer aus Ober-Hilbersheim vom Amtsgericht Bingen; Ziegler Johannes Czapiewski aus Prond- zonka vom Amtsgericht Worms; Taglöhner Jakob Lorenz Schmitt aus Drais wegen Betrügereien vom Polizeiamt Mainz.________________________________________________
Aus der Zeit für die Zeit.
Vor 50 Jahren, am 21. Mai 1849, erstürmte der ungarische Revolutionsgeneral Görgey die Stadt Ofen.


