bedauert, daß man einen Mann, der große Verdienste um das hessische Schulwesen habe, ohne Anerkennung kurzer Hand bei Seite geworfen habe. Man könne der Meinung sein, daß es einem Beamten nicht zustehe, in dieser Weise an die Oeffentlichkeit zu treten. Nach den Aeußerungen des hessischen Staatsministers entsprach das Auftreten Schillers nicht der Staatsräson; dabei frage es sich aber, ob das Vergehen so grave gewesen sei, daß eine solche Sühne eintreten mußte. Von Dienstgeheimnis könne hier keine Rede sein, da er ja dem hessischen Staatsminister nach der „Frkf. Ztg." Mitteilung gemacht und ihm die Artikel zur Verwendung anqeboten habe. Wenn man daher in Betracht ziehe, daß Schiller mit dem Staatsminister vorher konferiert habe und er müsse annehmen, daß es wahr sei, so sei das schnelle Vorgehen der Regierung nicht zu verstehen. Schuld und Sühne sei hier nicht mit dem richtigen Maß gemessen worden. Im Falle Dettweiler war die Negierung zu langsam und hier zu schroff vorgegangen. Redner schildert hierauf die Vorzüge Schillers als Schulmann und Pädagoge und stellt fest, daß der Weggang einen unersetzlichen Verlust für Hessen bedeute. Auch die lex Knorr wird noch hervorgeholt und breit getreten und eine Reihe pädagogischer Schäden vom Redner beleuchtet. Auf einzelne Mißstände will er erst bei der Budgetberatung zurückkommen. Auch in anderen Ländern bestehen die gleichen Mißstände, und Hessen brauche sich nicht zu schämen. Reformiere die Regierung aber jetzt gründlich, so werde sich dieselbe den Dank des ganzen Landes erwerben. — Die Abgg. Schmeel, Osann, Jöckel, Schmitt und Bähr betonen, daß es absolut zu verurteilen sei, wie der Oberschulrat Schiller aufgetreten sei, zu einer Zeit, wo man Ruhe erwartet habe. Warum sei Schiller nicht schon vor elf Jahren mit seinen Reformplänen hervorgetreten. Das feste Vorgehen der Regierung sei mit Freuden zu begrüßen denn das Verfahren, welches Schiller eingeschlagen, sei verwerflich und sei eine direkte Verletzung des Dienstgeheimnisses. Das dürfe sich eine starke Regierung nicht bieten lassen. — Abg. Schmitt ruft noch dem Staatsminister unter Anerkennung der Wahrung des richtigen Taktes und des Eintretens der Kammer mit Ausnahme der Sozialdemokraten zu „Landgraf werde hart". Ministerialrat Braun, Eisenhuth und Oberschulrat Nothnagel widerlegen Wort für Wort die dem Staatsminister in den Mund gelegten Aeußerungen über die Audienz Schillers. Damit ist die Interpellation um 9 Uhr abends beendet.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Juli. Dem Vernehmen nach hat der Kaiser die Absicht, neben seinem Gute (Sabinen eine weitere Gutsherrschaft in Westpreußen zu erwerben, nämlich das bei Schwetz gelegene Sarto Witz. Aus diesem Anlasse sollen bereits zwischen dem Besitzer dieses Gutes und dem Kaiserlichen Hofmarschallamt Verhandlungen schweben.
Berlin, 18. Juli. Ueber die Thätigkeit unseres Kreuzers „Geier" und die ihm von einigen Blättern zugeteilte Rolle zur Erledigung des Streitfalles zwischen Deutschland und Guatemala" melden die „Berl. Neuest. Nachr.", daß der Kreuzer während der letzten Monate bereits mehrfach den Haupthafen von Guatemala, San Joss, angelaufen hat; so zuletzt während der ersten Tage dieses Monats. Die seitens der Regierung von Guatemala abgegebenen Versprechungen wegen Zahlung der berechtigten Geldansprüche an Reichsangehörige müssen vorderhand das Kommando des „Geier" befriedigt haben, denn das Schiff ist die westliche Küste der mittelamerikanischen Staaten nördlich entlang gedampft und in dem mexikanischen Hafen Akapulco zu Anker gegangen.
Berlin, 18. Juli. Französische Auszeichnung eines Deutschen. Die französische Negierung hat einem deutschen Schiffsarzt das Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Die näheren Umstände verleihen der Sache einen politischen Beigeschmack. Der Ausgezeichnete ist der gegenwärtig in Nordamerika angesiedelte deutsche Reichsbürger Max Breuer, ' der 1891 als Schiffsarzt der „Russia" vom Norddeutschen Lloyd auf hoher See mit Lebensgefahr an Bord der „Wild- flower" ging, um dem französischen Matrosen Clement einen brandig gewordenen Vorderarm zu amputieren. Als damals der Schiffsführer dem tapfern deutschen Arzt ein Honorar anbot, sagte Breuer: „Für Pflichterfüllung unter Lebensgefahr nimmt man bei uns kein Geld. Ich freue mich, einem Franzosen beigestanden zu haben." Die Beteiligten, schreibt der „Figaro", regten gleich die Auszeichnung Breuers an, allein acht Jahre lang hatten die Minister des Auswärtigen und die Präsidenten der Republik nicht den Mut zu dieser Höflichkeit, selbst als Delcassö vor einigen Monaten die Maßregel beschloß, mußte er gegen gewaltige Widerstände ankämpfen, welche die Feigheit gewisser Politiker ihm in den Weg legte.
— Ein Gesetz über das Rechnungswesen im Reiche. In den nächsten Tagen werden, wie alljährlich um diese Zeit, die Zahlen des am 31. März beendeten Rechnungsjahres der Reichsfinanzwirtschaft veröffentlicht. Es darf bei dieser Gelegenheit wohl die Bitte um ein übersichtlicheres Rechnungswesen des Reichs wiederholt werden. Ein Gesetz darüber thut not, um den allgemein durchgeführten Brutto-Etat sicherzustellen, wie er in Preußen entworfen wird. Daneben könnte sich das Reichsschatzamt endlich das Verdienst erwerben und einen Netto-Etat zur Erläuterung beizugeben, wie er in Preußen ebenfalls seit Jahren schon beigegeben wird, damit die Oeffentlichkeit auch erfährt, wie viel das Reich überhaupt zu Lasten der Steuerzahler verbraucht. Nicht minder wichtig erscheint das Bedürfnis einer Reform der sinanzrechtlichen Beziehungen des Reiches zu den Einzelstaaten, die sogenannte Reichsfinanz- reform. Durch sein gesetzgeberisches Vorgehen von 1886 hat das Zentrum selbst eingeräumt, daß die Franckensteinsche Klausel zur Plage geworden ist, und selbst Hand angelegt,
um dem Gegenteil der Klausel so nahe als möglich zu kommen. Aber dann sollte man auch auf die dichten Staubwolken verzichten, hinter denen einstweilen geschieht, was der klerikal-partikularistische Gesetzgeber von 1879 für alle Zeiten verhüten wollte. Wenn Ende der Woche die Rechnungs- ergebniffe veröffentlicht werden, wird sich wieder einmal zeigen, wie lästig jener Wolkenschleier ist, wie der (voraussichtliche) Ueberschuß von 80—90 Millionen hin- und hergezerrt wird, bis jeder Anteilsberechtigung entsprochen ist, wie die Vergangenheit dabei noch mit ihren Einflüssen nachwirkt, wie die Zukunft im voraus dadurch beeinflußt wird, kurz, welcher Widersinn bei uns im Reiche zur finanziellen wirtschaftlichen Ordnung erhoben ist.
— Zur antisemitischen Bewegung. Der Reichstagsabgeordnete Liebermann von Sonnenberg schreibt in den „Deutschsozialen Blättern": „Es unterliegt keinem Zweifel, und es wäre thöricht, wenn man sich in unseren Parteikreisen darüber einer Selbsttäuschung hingeben wollte, daß die große nationale antisemitische Bewegung im Deutschen Reiche augenblicklich auf einem toten Punkte angekommen ist, der überwundenGverden muß."
— Die überseeische Auswanderung hat wieder etwas zugenommen. Sie übersteigt im ersten Halbjahre 1899 mit 79 367 von Bremen und Hamburg beförderten Personen weitaus die betreffenden Zahlen für die Periode 1. Januar bis 30. Juni in den vier vorausgegangenen Jahren (1895: 54 151, 1896: 69 884, 1897: 39 684, 1898: 51 432). 1899 wanderten also im ersten halben Jahre gerade doppelt so viele Personen über Bremen und Hamburg aus wie 1897.
Kiel, 17. Juli. Sieben junge Bauarbeiter, welche gestern eine Bootfahrt nach Holtenau unternahmen, brachten auf der Rückfahrt durch übermütiges Schaukeln das Boot zum Kentern. Drei von ihnen ertranken, die übrigen konnten durch herbeieilende Fischerboote gerettet werden.
— Bayerische Landtagswahlen. Bei der Hauptwahl zur Zweiten Kammer erhielten am Montag von insgesamt 159 Mandaten das Zentrum 83, die Liberalen 45, die Konservativen 4, der Bauernbund mit seinen verschiedenen Schattierungen (südbayerische 6, unterfränkische 2, mittel- fränkische 5) zusammen 13, die Sozialdemokraten 11, die Demokraten 1 Mandat, außerdem wurden 2 Wilde gewählt. Nach einer Meldung aus Nürnberg haben die Freisinnigen sieben Mandate verloren und nur je eins in Ansbach, Bayreuth und Fürth behauptet. Danach scheint die Niederlage der Liberalen noch weit schlimmer zu sein, als die Nachrichten über die Wahlmännerwahlen befürchten ließen. Das Gesamtergebnis der Wahlen ist ein vollkommener Sieg des Zentrums, das sieben Stimmen über die absolute Mehrheit in der Kammer hat, und ein Vordringen der agrarischen Bestandteile in der liberalen Partei, das hauptsächlich auf Kosten der Freisinnigen geht — auch auf Kosten der Demokraten, die in Ansbach-Schwabach ihr einziges bisheriges Mandat verloren und nur in Würzburg mit Hilfe der Liberalen ein anderes gewonnen haben. Der eigentliche südbayerische Bauernbund hat zwei Mandate eingebüßt.
— Personentarif- Reform in Süddeutschland. Die Finanzkommission der Kammer in Württemberg beschloß, der Kammer vorzuschlagen, das geplante Zusammengehen der süddeutschen Verwaltungen in der Personeutarif- Reform im wirtschaftlichen und sozialen Interesse zu begrüßen. Die Kommission erblickt in diesen Zielen einen weiteren Schritt zur Herbeiführung eines einheitlichen Personentarifs für ganz Deutschland. Ministerpräsident Dr. Freiherr von Mittnacht erklärte in der Kommission, es sei eine wesentliche Ermäßigung des Schnellzugszuschlags sowie im Nahverkehr ein Zweipfennigsatz für den Kilometer in Aussicht genommen.
— Von der deutsch-französischen Grenze. Aus Deutsch-Avricourt wird der „Straßb. Post" geschrieben: Der Zuzug der Elsaß-Lothringer zu dem am 14. b. M. in Frankreich gefeierten Nationalfeste war bieses Mal ganz außergewöhnlich gering. Währenb früher Hunberte aus ben Grenzorten, sowie aus Saarburg unb aus bem Elsaß an biesem Tage hier burchkameu, um nach Nancy zu fahren, waren es heuer nur einige Dutzenb, welche bie Grenze passierten. Auch ein Zeichen ber Zeit, bas ber Beachtung wert ist.
M.P C. Die Vorgänge bei ben Lanbtagswahlen in Bayern sinb bazu angethan, auf bie parlamentarische Lage in Preußen zurückzuwirken. Das Zusammengehen bes Centrums mit ben Sozialbemokraten hat bie Position ber- jenigen Parteigruppen in Preußen verstärkt, welche von ber vorgeschlagenen Veränberung bes Gemeinbewahlrechts besorgen zu müssen glauben, es werbe burch bieselbe bas Heft in einer Reihe von erstlichen Kommunen bem Centrum unb ber Sozialbemokratie in bie Hänbe gespielt werden. Speziell im Wupperthal z. B. wo eine Centrumsmehrheit nicht zu befürchten ist, war eine Stadt schon unter bem jetzigen Wahlgesetz in Gefahr, baß bie 3. Klasse ben Sozialbemokraten verfallen würbe. Es wirb befürchtet baß biefe Gefahr sich vergrößern werbe, wenn nach ben neuen Verfahren bie Zahl ber Wähler ber 3. Klaffe von 15 000 auf über 18 000 wachsen bürste. Jebenfalls werben bie Verhanb- htng im Abgeorbnetenhause über bie Gemeinbewahlreform heftige Kämpfe zeitigen.
M.P.C Man schreibt uns aus London: In ber City, auf bereu Stimmung bie englischen Staatsmänner Rücksicht nehmen, erhält sich der Glaube, es werde möglich sein, über die Schwierigkeiten ber Transvaal-Krisis ohne Krieg Hinwegzukommen. Die englische Politik hat baburch, daß sie als eine zum Aeußersten entschlossene auftrat, in letzter Zeit wiederholt so eklatante Erfolge davon getragen, daß auch jetzt nicht daran gezweifelt zu werden braucht, sie werde zu einem unblutigen Ende führen. Als ein wenig teuer stellt sich ja das Verfahren heraus, der wirkliche Krieg könnte aber schließlich dem großbritannischen Reiche doch noch I teurer zu stehen kommen.
Ausland.
Budapest, 18. Juli. Die großen Magazine am hiesigen Westbahnhofe stehen in vollem Brand. Da viele Explosivwaren sich dort befinden, finden fortwährend Explosionen statt. Die gesamte Feuerwehr arbeitet vergeblich an der Löschung des Feuers; die umliegenden Häuser schweben in der größten Gefahr. Man befürchtet Menschenverluste.
Paris, 18. Juli. In diplomatischen Kreisen verlautet, die holländische Regierung verhandle augenblicklich mit den Kabinetten von Paris, Berlin und Petersburg, um diese zu veranlassen, im Falle einer Kriegs-Erklärung Englands an Transvaal auf England wegen der Annahme der Einsetzung eines Schiedsgerichtes zur Lösung der streitigen Fragen einzuwirken. Soweit bisher verlautet, soll eine Einigung zwischen den vier Staaten bereits dahin erzielt worden sein, die Anwendung der Dum-Dum-Geschosse seitens Englands gegen bie Buren nicht zu bulben unb sofort einen internationalen Kongreß einzuberufen, um bie Verwenbung ähnlicher Geschosse zu untersagen.
Belgrad, 18. Juli. Nunmehr wurden auch ber Geheim- Agent bes Prinzen Karageorgievic, namens Stakovics sowie ber bekannte Journalist Regnerovic verhaftet.
Belgrad, 18. Juli. Die Untersuchung wegen bes Attentates erstreckt sich, wie der Belgrader Korrespondent der „Köln. Ztg." erfährt, auch auf alle mit dem Attentat nicht zusammenhängenden verdächtigen Verbindungen der Verhafteten. So wird jedermann eingezogen, von dem es sich herausstellt, daß er mit irgend einem Freunde der Karageorgewitsch oder mit dem bekanntlich in Cetinje weilenden radikalen Bauerntribunen Ranko Tajsitfch in letzter Zeit brieflich oder sonstwie verkehrte. Ueber die Untersuchung bringt nichts in bie Oeffentlichkeit, bie Blätter schweigen unb melden nicht einmal bie Verhaftungen, bie vorgenommen würben. Die Aufsehen erregenbe Verhaftung bes Vetters bes Fürsten von Montenegro, bes Wojwoben Blazo Petrowitsch Njegusch, erfolgte, weil er eine verbächtige Korrespondenz zwischen dem Petersburger Gesandten, General Gruitsch, und bem Exminister Wesnitsch vermittelte. Blazo Petrowitsch hat sich mit seinem fürstlichen Vetter vor Jahren überworfen unb mußte beshalb Montenegro verlassen. @r kam nach Serbien zur Zeit als General Gruitsch Minister- präsibent war, unb erhielt eine Unterstützung aus bem Dis- positionsfonbs, bie ihm Milan, weil er in ihm einen Gegner bes Fürsten Nikolaus erblickte, bebeutenb erhöhte. Ferner würben ein rabifaler Rechtsanwalt unb zwei Belgraber Ge- meinberäte, beibe ehemalige Fortschrittler, verhaftet.
Madrid, 18. Juli. Der Ministerrat beschloß auf Antrag bes Finanzministers, ber mit seiner Demission brohte, ben Kampf im Parlament aufzunehmen, nachbem bie Opposition vorläufig nur bie Rentensteuer bewilligt hat. Der Hof reift morgen ab.
Konstantinopel, 18. Juli. Aus bem süblichen Armenien wirb hierher berichtet, baß bort neuerbings Streitigkeiten entstauben sinb, unb zwar wegen ber Steuern, welche angeblich ungleich zwischen Kurben unb Armeniern verteilt seien.
Males und Provinzielles.
Gießen, ben 19. Juli 1899.
• • Ordens-Verleihungen. Seine Königliche Hoheit ber Großherzog haben Allergnäbigst geruht, am 23. Juni bem Lehrer am Gymnasium unb an ber Realschule zn Offenbach, Philipp Vogt, aus Anlaß seiner Versetzung in ben Ruhestanb, bas Ritterkreuz 2. Klasse, — an bemselben Tage bem Schullehrer an ber Volksschule zu Mainz, Jakob Goertz, aus Anlaß seiner Versetzung in ben Ruhestanb, bas Silberne Kreuz bes Verbienstorbens Philipps bes Großmütigen, — am 28. Juni bem seitherigen Kommandanten der Festung Mainz, Generalmajor Volk, das Komturkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.
* * Ernannt wurden am 4. Juli l. I, die Vorarbeiter bei der Main-Neckar-Eisenbahn: Heinrich Behrmann, Ludwig Bi eg er, Peter Krenkel, Gottlieb Schneider, Peter Thomas, Heinrich Wolff, sämtlich zu Darmstadt, zu Monteuren bei ber Main-Neckar Eisenbahn.
♦ * Ausflug des Oberhessischen Geschichtsvereins. (Verspätet.) Letzten Samstag, ben 19. ds. unternahm ber Oberhessische Geschichtsverein seinen heurigen Sommerausflug, an bem etwa 40 Personen, Damen unb Herren, teilnahmen. Das Ziel bes Ausfluges war biesmal bie alte Reichsstabt Wetzlar. Im schattigen Garten bes Hotel Kessel begrüßten bie Wetzlarer Mitglieber bes Vereins, an ihrer Spitze die Herren Rektor L u e r s s e n und Gymnasialoberlehrer Dr. Hofmann die Gießener Gäste. In schwungvoller Rede entwarf der letztere ein kurzes, inhaltreiches Bild von der reichen historischen Vergangenheit Wetzlars und bereitete die Versammlung auf die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt vor, der bann die nächste Stunde gewidmet war. Im Rathause endete bann bie Wanberung. Hier bewill- kommte Herr Bürgermeister Moritz mit herzlichen Worten bie Mitglieber bes Oberhessischen Geschichtsvereins, benen sich inzwischen eine größerer Anzahl Wetzlarer Freunbe zugesellt hatte. Dann ergriff Herr Rektor Luerssen bas Wort unb erläuterte eine Anzahl für bie Geschichte Wetzlars be- beutsamer frühmittelalterlicher Urlauben. Die wichtigsten kaiserlichen Privilegien für bie alte Reichsstabt, etwa 40 an ber Zahl, waren in bem großen Saal bes Rathauses zur Schau gestellt. Nachbem der Vorsitzende des Vereins, Herr Professor Dr. Höhlbäum, dem Danke der Versammlung für die Begrüßung Ausdruck gegeben hatte, begab sich die Versammlung in den schattigen Garten des Wetzlarer Kasinos, um dort an reichbesetzter Tafel nach so bedeutenden geistigen Genüssen auch bem Magen zu seinem Rechte zu verhelfen. Ernste unb heitere Trinksprüche würzten bas Mahl. Dann


