daß er als Bureauches, dem Rat seines älteren Collegen Cordier folgend, eine italienische Abenteuerin, die ihre albernen Erfindungen lächerlich teuer verkaufen wollte, abgewiesen habe. Zeuge, der seine Aussagen mit deutlicher und klarer Glimme machte, sprach alsdann die Hoffnung aus, daß jedesmal, wenn er Angriffen gegen sich begegne, es ihm erlaubt sein werde, in voller Freiheit zu antworten. Der Präsident nickte hierauf. Des weiteren bekundete Picquart, er habe damals, als er Dreyfus zu plazieren hatte, schon die antisemitischen Vorurteile, die im Generalstab zu herrschen begannen, gekannt; deshalb habe er Dreyfus so plaziert, daß er mit dem Geheimdienst nichts zu thun hatte. Auf die Entdeckung des Bordereaus eingehend, bekundete Zeuge, daß alles aufgeatmet habe, als das Bordereau entdeckt gewesen sei. Man habe du Paty gerufen, weil dieser sich auf Handschriften verstand. Dieser habe die Schrift mit derjenigen Dreyfus' verglichen und eine Aehnlichkeit zwischen den beiden Schriften gefunden; er (Zeuge) habe diese Aehnlichkeit nicht schlagend finden können. Während des Prozesses Dreyfus, dem Zeuge beiwohnte, habe er den Eindruck gehabt, daß die Schuldbeweise nicht genügten, daß eine Verurteilung möglich oder sogar wahrscheinlich sei. Picquart gab weiter eine lebendige Darstellung der Aussagen Henrys und du Patys vor dem Kriegsgericht, wobei er Henrys theatralische Haltung nachahmte. Um 11 Uhr 40 Minuten wurde die heutige Verhandlung geschloffen. Morgen findet Fortsetzung des Verhörs Picquarts statt.
Die Aussagen Picquarts erregten im ganzen Saale lebhafte Bewunderung; nur die Nationalisten und Generale teilten dieselbe nicht. Die Diskussion über das Bordereau war eine meisterhafte.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. August. Der Kaiser hat an den ältesten Sohn des verstorbenen langjährigen Abgeordneten v. Benda ein Beileidstelegramm gerichtet.
Berlin, 17. August. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Wien gemeldet, daß daselbst im Ministerium des Aeußern von einer angeblichen Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland, Rußland und Oesterreich, welche der Petersburger Korrespondent des „Daily Teleg." für Oktober in Skierniewice ankündigt, nichts bekannt sei.
Berlin, 17. August. Die „Post" meldet aus Marienburg: Hier herrscht große Aufregung, da mehrere offenbar angelegte Brände erfolgten; auch gelangten anonyme Brandandrohungen an angesehene Personen. Man nimmt an, daß die Brandstifter einer Diebesbande angehören, welche die entstehende Verwirrung zum Stehlen benutzen will.
Anstand.
Budapest, 17. August. Der hiesige Advokatenklub sandte an Labori folgendes Begrüßungstelegramm: „Das abscheuliche Attentat hat auch uns ins Herz getroffen. Die Kugel war gegen das heiligste Recht der Menschheit, gegen die Freiheit und den Schutz der Gerechtigkeit gerichtet. Wir zittern für Sie und die Gerechtigkeit. Wir wünschen beiden innigste Heilung."
Paris, 17. August. Gestern abend fand eine Versammlung der Freunde DSrouledes statt, welcher 3000 Personen beiwohnten. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher gegen die Verhaftung Döroulödes protestiert wird.
Nenues, 17. August. Der Sicherheitsdienst in den Straßen von Rennes, besonders an allen Brücken, ist erheblich vermehrt. Ueber die Veranlassung dieser Maßnahmen kursieren die verschiedenen Gerüchte. Die einzige Auskunft, welche auf Befragen erteilt wurde, lautete: „Es ist notwendig."
London, 17. August. Von unterrichteter Seite verlautet, daß seit dem 2. August keine Depeschen zwischen den Regierungen Englands und Transvaals gewechselt worden sind. Die gestrige Mitteilung des Standard and Diggers News ist damit als eine abermalige Erfindung gekennzeichnet. — Die Times meldet aus Pretoria vom 16. August, die schließliche Annahme der Vorschläge Milners werde als sicher betrachtet. Köln. Ztg.
Serbien. Die deutsche Kolonie in Belgrad hat beschlossen, an die Blätter des deutschen Reiches eine Kundgebung zu richten, in der gegen die Art und Weise, wie ein Teil der deutschen Presse die gegenwärtigen serbischen Vorgänge behandelt, protestiert und die fortgesetzte Veröffentlichung tendenziöser Nachrichten aus Serbien, die der Wahrheit nicht entsprechen, mißbilligt werden soll. Ferner haben sämtliche Serben in Belgrad, die ihre Studien in Rußland absolviert haben, in einer gestern abgehaltenen Versammlung, unter Hinweis auf die Jahrhunderte alten brüderlichen Bande zwischen den beiden orthodoxen Staaten und Völkern, ihrer Verwunderung über die Sprache Ausdruck gegeben, die die russische Presse über Serbien führt. In einer von der Versammlung beschlossenen Resolution wird die Hoffnung ausgesprochen, oaß die russische Presse ihren Kommentaren nicht länger falsche, alarmierende und feindselige Nachrichten zu gründe legen, sondern sich bemühen werde, die in Serbien bestehenden Verhältnisse, sowie das Attentat auf König Milan in korrekter Weise zu beurteilen.
Pretoria, 16. August. Die für die Prüfung der Dynamitfrage eingesetzte Kommission hat jetzt ihren Bericht vorgelegt. Es wird ein neuer Vertrag mit der Dynamit- Gesellschaft empfohlen, wodurch der Verkaufspreis des Dynamits herabgesetzt würde.
Die Streitkräfte in Südafrika. Die „Fortnighily Review" bringt einen sehr interessanten Bericht aus der Feder eines „reichstreuen Konservativen", H. A. Bryden, über die Verteilung der Streitkräste in Transvaal im Fall eines Krieges, der umsomehr Beachtung verdient, als der Ver
fasser seine im Laufe eines 23jährigen Aufenthaltes in Südafrika persönlich gesammelten Erfahrungen dem Aufsatz zu Grunde gelegt hat. Er führt aus, daß der Thatsache besondere Wichtigkeit beigelegt werden müsse, daß die holländischen Afrikander den englischen an Zahl bei weitem überlegen wären, denn die Boercn des Transvaals, Oranje-Freistaats und der Kapkolonie fühlten sich durch Bande des Blutes eng mit einander verbunden und seien ausnahmslos „tüchtige Kerle". Die holländische Bevölkerung des Transvaals beträgt 80;—85 000, davon können 22000 sofort im Feld stehen. Die gesamte britische Bevölkerung, die sich hauptsächlich in Johannesburg konzentriert, beläuft sich auf nicht mehr als 9000 Männer, Frauen und Kinder, darunter befinden sich nur 3000 wirkliche Soldaten. Im Fall eines allgemeinen „Rassenkrieges" würden sich nun die Streitkräfte folgendermaßen verteilen: Kapkolonie 17 000 Engländer — 50000 Holländer, Oranje-Freistaat 1000 Engländer— 18000 Holländer, Transvaal 3000 Engländer — 22000 Holländer, Natal 6000 Engländer — 1500Holländer, Britisch Betschuanaland 500 Engländer — 500 Holländer, Rhodesia 2000 Engländer — 300 Holländer, zur Zeit in Südafrika stationierte englische Truppen 10000 Mann. Es stehen also insgesamt 39500 Engländern 92 300 Holländer gegenüber. Man sieht daraus, daß der status quo für England sehr ungünstig ist. Die Engländer würden wohl die festen Plätze halten können, aber bei einem Generalaufstand wären die Holländer Herren des Landes. Mr. Bryden zweifelt natürlich nicht daran, daß Großbritannien die Macht hätte, die Boeren zu unterjochen und Südafrika zu erobern. Dazu müßten aber die jetzigen Streitkräfte durch eine „vorzüglich" ausgerüstete Armee von 50000 Mann ergänzt werden unter der Leitung der „fähigsten" Offiziere, und selbst dann noch würde es ein Kampf werden, wie wir ihn bis jetzt jemals weder in Indien noch in der Krim geführt haben. Dieser von einem guten Engländer ausgehenden Schilderung kann man wenigstens nicht den Vorwurf mangelnder Objektivität machen.
Lokales und MoomMes.
Gießen, den 18. August 1899.
* * Gewerbe-Inspektion. Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern dem Chemiker Dr. Franz Gerhard aus Friedberg die Stelle eines Assistenten bei der Gewerbeinspektion Darmstadt provisorisch übertragen.
* * Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 12. August den evangelischen Pfarrer Georg Wilhelm Otto zu Maar, Dekanat Lauterbach, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 31. August l. I., aus dem Pfarramt innerhalb der Hessischen evangelischen Landeskirche zu entlassen.
* * Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schiffskapitän Arnold Stenz zu Mainz, in Anerkennung der von demselben am 14. Juni d. I. mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Hermann Josef Nikolaus Ritz, Sohn des Taglöhners Stephan Nitz zu Mainz, vom Tode des Ertrinkens, die Rettungsmedaille zu verleihen geruht.
* * Schenkungen und Stiftungen wurden von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog im 2. Quartal 1899 142,647 Mk. genehmigt, und zwar für die katholische Kirche 85,085 Mk., die evangelische Kirche 21,896 Mk. und die israelitische Religionsgemeinde 800 Mk., Bildungsanstalten 12,500 Mk., Gemeinden 10,200 Mk., Kranken-, Armen« und Waisen - Anstalten 9965 Mk. und für Sonstiges 3200 Mk.
* * Steins Garten. Das gestrige Konzert der Kapelle des Königs-Ulanen-Regiments Nr. 13 aus Hannover war in Anbetracht der herrschenden Kühle gut besucht, und fanden die durchweg meisterhaft ausgeführten Vorträge lebhaften und zum Teil nicht enden wollenden Beifall seitens der Zuhörer. Aus dem gewählten Programm ragten besonders hervor: Der Parademarsch der Königsblauen, „Ich sende diese Blumen Dir!" (Lied von Wagner), „Ich und Du!" (Konzertpolka für zwei Trompeten jSoloj) von Fischer, „Herzkönigin", Gavotte von Thiöre, „Goldelse", Fantasie für Cornet (Solo) von Köpke, vorgetragen von Herrn Fr eise. Einen eigenartigen Reiz übten die Fanfaren aus der altritterlichen Trompeter- und Paukerkunst aus. Zu vollendetem Vortrage gelangte „Auf der Wacht!" Solo für Piston (in der Entfernung geblasen). Von altbewährtem Zauber endlich war Retraite (Zapfenstreich und Gebet der Kavallerie) von Wieprecht, das in dem ergreifenden „Ich bete an die Macht der Liebe" friedlich ausklingt.
* * Tod durch Hihschlag. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Vom Exerzieren auf dem ungewohnten großen Sande heimkehrend, wurde gestern mittag- auf der Eisgrube Musketier Fiedler von der 5. Kompagnie des 2. Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 116, Gießen (das zurzeit hier kantonniert), von einem Hitzschlage betroffen. Mehrere seiner Kameraden trugen den Besinnungslosen in das nahe St. Rochus-Spital, wohin auch der Compagnie-Chef und der Feldwebel, sowie der Bataillons-Stabsarzt folgten. Sämtliche Hospitalärzte waren anwesend und gemeinsam wurden die Wiederbelebungsversuche gemacht. Sie hatten den Erfolg, daß der Soldat die Besinnung wiedererlangte, leider aber nur auf sehr kurze Zeit. Um 4 Uhr schon verstarb der im ersten Jahre dienende Musketier. Seine Leiche wurde abends in die Leichenhalle des Garnisonlazaretts überführt und morgen nachmittag um 5 Uhr erfolgt von da aus die Beerdigung. Der Verlebte war aus Lanzenhain im Kreise Lauterbach. Er war freiwillig ein- gttreten, um recht bald wieder vom Militär abzukommen und dann seine Mutter unterstützen zu können. Die Ausführung dieser edlen Sohnespflicht hat jetzt ein unerbittlicher,
frühzeitiger Tod vereitelt. Ueber das thatkräftige Eingreifen der Hospitalärzte, sowie über die sorgsame Pflege des Schwererkrankten durch die ehrwürdigen Schwestern im Spital sprach sich der Kompagnie-Chef sehr lobend aus.
* * Wer damit umgeht, sein Haus zu verkaufen, ist leicht geneigt, es mit notwendig gewordenen Ausbesserungen nicht so genau zu nehmen, um die Kosten zu sparen. Das neue Bürgerliche Gesetzbuch für das Deutsche Reich, das von Neujahr ab gilt, enthält aber in § 936, Absatz 2, eine Bestimmung, die so denkenden Hausbesitzern recht gefährlich werden kann und deshalb Beachtung verdient. Nach dieser Bestimmung ist nämlich derjenige, der sein Grundstück an einen anderen verkauft, für den Schaden verantwortlich, der dadurch entsteht, daß durch Einsturz des Gebäudes oder durch Ablösung von Teilen des Gebäudes (Dachschiefern, Simsen und dergleichen), ein Mensch getötet oder verletzt oder eine Sache beschädigt wird, wenn der Einsturz oder die Ablösung die Folge fehlerhaften Bauens oder mangelhafter Unterhaltung ist. Die Verantwortlichkeit dauert ein Jahr von der Uebergabe des Grundstücks an den neuen Besitzer. Nur wenn der frühere Besitzer nachweisen kann, daß er während seines Besitzes die gehörige Sorgfalt beobachtet hat, kann er sich von der Verantwortung freimachen.
• • In Amerika verstorbene Heffcu. In Johnstown^ Pa., Georg Kurz, 76 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. — In Pittsburg, Pa., Kapitän Kaspar Kaufmann, 60 Jahre alt, aus Hessen Darmstadt. — In Credition, Ot., Elisabeth Wolf, geb. Hartmann, 89 Jahre alt, aus Rudingshain. — In Farmers Retreat, Jnd., Anton Opp aus Freimersheim.
X Von der Lahn, 17. August. (Ein lohnender Ausflug). Unter der liebenswürdigen Führung von Herr» Kammerrat Bingel aus Braunfels unternahmen eine Anzahl Damen und Herrn am 16. d. Mts. von Braunfels aus einen herrlich gelungenen Ausflug teils zu Fuß teils zu Wagen über den Flecken Leun an der Lahn, zur Diana- burg und nach Schloß Greifenstein. Wenngleich manchen diese Stätten mit Prächtiger Rundsicht wohl bekannt fein mögen, so lenken wir doch in dankbarer Erinnerung an den gestrigen Tag wieder einmal die Aufmerksamkeit vieler (wie wir wünschen), auf diese genußreiche Tour. Es war der Fürst Ferdinand zu Solms (die Fürstin eine geb. Gräfin Laubach), der in der herrlichen Waldluft dem edlen Waidwerk fleißig obliegend oft wochenlang auf der Dianaburg (ca. 2 Stunden von der Station Braunfels entfernt) zubrachte, und bis heute geben die mannigfachen Jagdtrophäen innerhalb der Burg von jenen Zeiten beredtes Zeugnis. — Dem Hause Solms galt vor allem, inmitten dieser wunderbar erquickenden und anmutenden Wälder und fürstlichen Besitzungen ein mit lebhafter Zustimmung ausgebrachtes Hoch, woran sich später ein solches auf den vortrefflich orientierenden und unermüdlich sürsorgenden Leiter der Partie (Rat Bingel) anschloß. Hier bei einer solchen Rundsicht auf unendliche prächtige Waldungen, durch deren Wipfel der Wind sie hin und herwiegend hinrauschte, gedachten die Mitgenießenden des Goethe'schen: „Ueber allen Wipfeln ist Ruh", und der Uhland'schen Lieder: „Im Walde geh ich wohlgemut", und: „Kein' bessre Luft in dieser Zeit, als durch den Wald zu dringen", und sofort. Da man bei der Dianaburg willkommene Gelegenheit hat, sich zur Weiterwanderung zu stärken und die Lebensgeister anzufrischen, so erreicht man leicht von ihr aus — durch den Waldesschatten pilgernd — in ca. 2 Stunden die Ruinen der Burg Greifenstein, die seinerzeit einen so große» Umfang hatte, wie ein bekanntes Wort von den vielen Thoren des alten Greifenstein uns überliefert hat, und i» deren Ruinen noch heute die herrliche Kirche erhalten ist. Hier kann man die schöne Aussicht ins Dillthal mit Behagen genießen, und gelangt in 1 Stunde zur Station Katzenfurt (zwischen Herborn und Wetzlar). Die Tour ist nicht zu anstrengend, auch Damen können sie bewältigen.
t* Gin einheitlicher Mietsvertrag für ganz Deutschland ist das Ziel, nach dem der Centralverband der deutschen Haus- und Grundbesitzervereine schon seit längerer Zeit strebt. Auf dem diesjährigen Verbandstage in Elberfeld hat man die Sache in Form von 18 Paragraphen gebracht. Es ist darin auch nicht eines der Rechte übrig geblieben, welche das Bürgerliche Gesetzbuch dem Mieter gibt; auf jedes Recht muß der Mieter verzichten, nur nicht auf das Recht Miete zu zahlen. Von den Pflichten der Hausbesitzer ist aber auch nicht viel Übrig geblieben, denn der Hausbesitzer übernimmt nicht einmal die Pflicht, die Wohnung unter allen Umständen gebrauchsfähig dem Mieter zu liefern. Daß die Aftermiete ausgeschlossen ist, obgleich so viele Mieter heutzutage nur auf diese Weise die hohen Miete» erschwingen können, ist selbstverständlich. Aber auch die Aufnahme von Verwandten soll dem Mieter nicht ohne schriftliche Genehmigung des Vermieters möglich sein. DaS Bürgerliche Gesetzbuch befreit die Frau davon, daß ihre Habseligkeiten ohne weiteres für die Verpflichtungen des Mannes mit haften. Die Hausbesitzer erkennen diese Fortbildung des Rechtes nicht an, sie verlangen die Mitunterschrift der Frau unter den Mietsvertrag, die damit zur- Mitmieterin wird und im Falle des Todes oder der Versetzung des Ehemannes das Recht verliert, den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Eine Ehefrau, deren Mann z. B. ei», großes, kostspieliges Geschäftslokal gemietet hat, kann bei ihrer Mitunterschrift vom Kontrakt nicht loskommen, sie muß ihn innehalten, auch wenn sie gar nicht im stände ist, das Geschäft des Mannes weiter zu führen. Die Aufrechnungen von Forderungen des Mieters gegen Forderungen des Hausbesitzers soll ausgeschlossen werden; die Miete muß prompt vorausbezahlt werden; auch wenn der Mieter als Schneider, Schuster rc. vom Hausbesitzer Geld zu fordern hat, darf er es nach dem neuesten Vertragsformular nicht abziehen von der Miete. Wenn die Wohnung unbrauchbar wird, so ist der Hausbesitzer nicht verpflichtet.


