Ausgabe 
19.7.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

nicht zum Abschluß gediehen sind. Sobald dies der Fall sein wird, was bei dem günstigen Stand derselben zu er­warten steht, unterliegt es keinem Zweifel, daß die unein­geschränkte Anerkennung des von den nichtpreußischen Uni­versitäten des Reichs verliehenen medizinischen Doktortitels für die Anstellung als Kreisarzt im Wege genereller Anordnung des Ministers der Medizinalangelegenheiten erfolgen wird. Daß die anderen deutschen Staaten mit dieser Erklärung nicht gerade zufrieden sein werden, liegt auf der Hand. DieAllgemeine Zeitung" schreibt denn auch: Wenn es sich nur um eine Vereinbarung über gewisse, auch in Preußen erst einzuführende Veränderungen handelt, so hat eigentlich wohl auch kein Grund vorgelegen, durch die Aufkündigung einer seit lange bestehenden Reziprozität einCompelle" zu schaffen. Die preußische Negierung sollte, um nicht den Vorwurf unmotivierter Schroffheit auf sich zu laden, gleich beim Inkrafttreten des Gesetzes erklären, daß die außer­preußischen (reichsdeutschen) medizinischen Doktortitel bis auf weiteres angerechnet werden würden. Sie würde dann ja immer noch für künftige Fälle freie Hand behalten.

Die sozialdemokratische Presse. Sozial­demokratische Zeitungen erscheinen jetzt in Deutschland 73, davon 44 täglich, 14 wöchentlich dreimal, 7 wöchentlich zwei­mal, 7 wöchentlich einmal und eine Zeitung (für die Land­bevölkerung) monatlich. Außerdem erscheint eine wissen­schaftliche Wochenschrift (Die Neue Zeit"), zwei Partei- Witzblätter und 2 illustrierte Unterhaltungsblätter, letztere als Beilagen sozialdemokratischer Zeitungen. Die Gewerk­schaftspresse der sozialistischen Gewerkschaftsorganisationen ist durch 57 Blätter vertreten, von denen eins dreimal wöchentlich, 29 wöchentlich einmal, eins monatlich dreimal, 22 vierzehntägig und 4 monatlich einmal erscheinen.

Militär und Erntearbeiten. Ein rheinischer Landwirt soll auf die Bitte um Leute zur Aushilfe bei der Ernte von einem Regimentskommando in Köln folgenden mündlichen Bescheid erhalten haben:Der Regiments­kommandeur gäbe keine Soldaten ab, weil diese nur zwei Jahre dienten. Zudem würde von den Sozialdemokraten, wenn es sich um Heeresverstärkungen handelte, im Reichs­tage stets hervorgehoben, das Militär würde gebraucht, um den Landwirten die Ernte einzubringen."

Ein Bund der Kleinmüller hat unter dem Namen Deutscher Müllerbund" mit dem Sitze in Leipzig die behördliche Genehmigung erhalten. Der neue Bund will verschiedene Mißstände des Mühlengewerbes bekämpfen, be­sonders sich gegen die Begünstigungen der Großbetriebe wenden, die Mahllöhne regeln und dergleichen mehr. Es liegen bereits gegen 4000 Anmeldungen aus allen Teilen des Reiches vor.

Aus Detmold wird gemeldet, daß der fürstliche Archivrat Berkemeier unter Belassung seines Ranges von seinem bisherigen Amte als Vorstand des fürstlichen Haus- und Landesarchivs entbunden worden ist.

Die Bauarbeiter in Hamburg beschlossen, die Arbeit auf allen Bauten e in zu st elle n, wo bis zum 1. August der geforderte Stundenlohn von 60 Pfennig nicht bewilligt wird.

Reuß ä. L. ist zwar nicht mit dem Deutschen Reich in allem einverstanden, wacht aber peinlich über den Geist der von dem Reich geschlossenen Verträge. Und so ist denn nun auch die Gründung einer Zweiggruppe des alldeutschen Bundes von der dortigen Regierung ver­boten worden, weil der von den Alldeutschen geführte Kampf für das Deutschtum in Oesterreich einer Verletzung der Integrität und Selbständigkeit des verbündeten österreichischen Staates gleich zu erachten sei.

Die Hamburger Handelskammer hat u. a. vorgeschlagen, statt den Mittellandkanal zu bauen, den Dort- mund-Ems-Kanal für Seeschiffe fahrbar zu machen. Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamts­bezirk Dortmund antwortete darauf etwas kurz: Diese mit den Verkehrs- und Absatz-Verhältnissen des hiesigen Bezirks nicht genügend vertraute Anregung hat in den langaus­gedehnten Verhandlungen zur Kanalvorlage nie irgend welche Bedeutung gewonnen. Ungeachtet aller Schwierigkeiten hat die preußische Staatsregierung die Mittellandkanal-Vorlage, sessen Baukosten mit 261 Millionen die Ausgaben für die Vertiefung des Dortmund-Ems-Kanals völlig verschwinden lassen, festgehalten und ausdrücklich und feierlich bekundet, welch hohen Wert sie auf den Bau dieses Verkehrsweges legt. Die Regierung des Königreichs Preußen aber, das zugleich drei Fünftel der gesamten Reichskosten trägt, dürfte bester und klarer als irgend jemand sonst innerhalb oder außerhalb Preußens die Bedeutung dieses Verkehrsweges für das Gesamt-Interesse Deutschlands übersehen können.

Die Herzogin von Albany wird mit ihrem Sohn, dem zukünftigen Thronfolger, nach Dresden über­siedeln, wo der Herzog das Vitztum-Gymnasium besuchen soll.

Homburg v. d. H., 17. Juli. Der von Frankfurt kommende erste Güterzug fuhr heute morgen 4 Uhr den steilen Bahndamm hinab in den Bahnhof gegen eine Straßen­mauer, wobei sich die Lokomotive tief in den Straßendamm hineinwühlte und drei Wagen, die dabei zum Teil zer­trümmert wurden, sich übereinanderschoben. Der Lokomotiv­führer und Heizer retteten sich durch Abspringen. Der Verkehr ist nicht gestört.

Leipzig, 17. Juli. Während eines heftigen Gewitters schlug der Blitz in den zwischen Pirna und Stolpe ver­kehrenden Personenzug, wodurch unter den Passagieren eine große Panik entstand, obgleich niemand getroffen war. Einige Personen erlitten durch das in den überfüllten Koupees herrschende Gedränge, Verletzungen; Materialschaden ist nicht angerichtet.

Ausland.

Wien, 17. Juli. Bei den gestrigen Demonstra- Lionen gegen das tschechische Turnerfest wurde

der christlich-soziale Reichstagsabgeordnete Mittermayer wegen Einmengung in die Amtsgewalt verhaftet.

Wien, 17. Juli. Graf Thun wird demnächst die Führer der Linken und die der Rechten zu einer Konferenz einberufen, in welcher neuerdings der Versuch gemacht werden soll, den parlamentarischen Frieden herbeizuführen. Die Absicht, ein neues Sprachengesetz durch den § 14 zu dekre­tieren, hat Graf Thun fallen gelassen.

Wien, 17. Juli. Das Regieren mit dem § 14 in Oesterreich bedeutet jetzt schon den unverhüllten Absolu­tismus. Klar und deutlich bestimmt der vielgenannte Paragraph, daß die Regierung nur dann, wenn sich zu einer Zeit, da der Reichsrat nicht versammelt ist, die Not­wendigkeit zu Maßnahmen herausstelle, welche staatsgrund­gesetzlich nur dem Reichsrate zustehen, berechtigt ist, kaiser­liche Notverordnungen anstelle der Gesetze zu setzen. Nie darf aber das geschehen, wenn durch derartige Verord­nungen der Staatsschatz belastet wird. Immer weiter, immer rücksichtsloser ist die Negierung in der mißbräuchlichen An­wendung des Notverordnungsrechtes gegangen, sie hat sich den Staatsvoranschlag genehmigt, hat sogar Staatsanlehen ausgenommen, indem sie dieselben Vorschüsse nannte. Staats- Verträge mit anderen Staaten wurdenauf Grund des § 14" abgeschlossen, der Ausgleich mit Ungarn erfolgt auf dieselbe gesetzwidrige Weise, und im Zusammenhang mit dem Ausgleich schickt sich jetzt, wie man aus Wien schreibt, die Regierung an, sogar eine Steuer im Wege des Not­verordnungsrechtes einzuführen. Mit 1. August tritt das neue Zuckersteuergesetz in Kraft, das den Preis des Zuckers um 6 Kreuzer für das Kilo erhöht, und gerade die un­bemittelte Bevölkerung hart trifft, ja sogar eine Nachbesteue­rung einführt. Große Geldstrafen sind auf die Nichtbeach­tung der Vorschriften gesetzt. Und all dies erfolgt in voll­kommen gesetzwidriger Form, die Regierung hat nicht das Recht, Steuern einzuheben, da die Zustimmung des Neichsrates fehlt, noch viel weniger hat sie das Recht, neue Steuern auszuschreiben. Um in diesem Falle einmal das Urteil der Gerichte über das Vorgehen der Regierung heraus­zufordern, wendet sich die deutschnationale WienerOst­deutsche Rundschau" an die deutsche Bevölkerung mit einem Aufrufe, der Steuerverweigerung empfiehlt. Es sollen mög­lichst viele Personen bis zum 1. August den Finanzbehörden bekannt geben, daß sie zwar Zuckervorräte besitzen, aber sie grundsätzlich nicht anmelden, da die Aufforderung hierzu ge­setzwidrig ist. Wenn dann Nachforschungen versucht werden, Steuern vorgeschrieben und Strafen auferlegt werden, dann wird von allen gebotenen Rechtsmitteln der umfassendste Gebrauch gemacht. Deutsche Rechtsanwälte haben sich bereit erklärt, die Parteien in diesen Fällen gegen den Staat zu vertreten. Es kann unmöglich geschehen, daß die Gerichte das Vorgehen der Regierung als rechtmäßig erklären. Tritt dann der Fall ein, daß die Regierung sachfällig wird, so zerfällt die ganze Wirtschaft mit dem § 14, die Anarchie ist da. Die Bevölkerung darf sich die Verhöhnung ihrer Rechte, den Mißbrauch eines klar umschriebenen Notrechts durch die Regierung nicht gefallen lassen. Der angekündigte Aufruf derOstd. N." wird zwar mit Beschlag belegt werden, es ist aber vorgesorgt, daß die Bevölkerung dennoch Kenntnis von demselben erlange, und eine große Zahl von Steuer­verweigerungen steht in Aussicht. Mit den Protesten und Reso­lutionen ist nichts gethan, es muß einmal gehandelt werden.

Triest, 17. Juli. In der Artillerie-Kaserne sind 36 Soldaten an Vergiftungs-Erscheinungen erkrankt. Durch Zufall war Arsenik unter das Kochsalz geraten.

Rom, 17. Juli. Blättermeldungen zufolge trifft Graf Goluchowsky im August mit Visconti Venosta zu­sammen, um mit demselben zu konferieren.

Brüffel, 17. Juli. Eine ungewöhnliche Verabredung hat Bürgermeister Buls mit der Brüsseler Sozialisten­partei getroffen. Der Generalrat der Partei soll fortab bei allen sozialistischen Straßenaufzügen und Versammlungen unter freiem Himmel selbst die Polizei ausüben, er soll eine bestimmte AnzahlZu Hütern der Ordnung" machen, alle die Zerstörer und besonders diejenigen, welche Privat­eigentum angreifen, au§ den Reihen der Partei heraus­treiben und nötigenfalls der Polizei übergeben. Dagegen gestattet der Bürgermeister alle sozialistischen Straßenkund­gebungen ohne weiteres. Die Sozialistenführer haben den Antrag angenommen und einen Ausschuß von fünf Mit­gliedern ernannt, um alle Einzelheiten mit Herrn Buls zu vereinbaren. Die erste Zusammenkunft zwischen Buls und der fünfgliedrigen Kommission fand bereits statt.

Rennes, 17. Juli. Frau D r ey fus stattete auch gestern in Begleitung eines Freundes der Familie ihrem Manne im Gefängnis einen Besuch ab. Sie erzählte, daß sich ihr Mann guter Gesundheit erfreue und das geheime Dossier jetzt vollkommen durchgesehen habe. Frau Dreyfus ist fort­gesetzt Gegenstand sympatischer Kundgebungen.

London, 17. Juli. Aus Kapstadt wird gemeldet, daß die Uitländer in Johannisburg große Meetings ab­gehalten haben, worin sie gegen die Haltung der Regierung und gegen einen eventuellen Krieg mit Transvaal pro­testieren.

Warschau, 17. Juli. In Nikolajewskoje wurden durch einen furchtbarenOrkan 205 Wohnhäuser zertrümmert. 16 Personen wurden getötet, 33 verletzt.

Belgrad, 17. Juli. Die Unruhen dauern noch immer an. Es werden fortgesetzt Verhaftungen angeblich kompro­mittierter Personen vorgenommen.

Bilbao, 17.Juli. Der Ausstand der Bergwerks­und Hafenarbeiter nimmt einen großen Umfang an. Die Stadt und die umliegenden Ortschaften wurden militärisch besetzt, um Ausschreitungen zu verhindern.

Kopenhagen, 17. Juli. Die Vermittelungs­versuche in der großen Aussperrung im Bau­gewerbe und in der Eisenindustrie sind gescheitert.

Das Einigungsamt hat sich heute, ohne Erfolg erzielt zur haben, aufgelöst.______________________________________________

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 18. Juli 1899.

** Hohe Gäste. Auf der Durchreise von der Schaum­burg kommend, trafen Seine Durchlaucht der Fürst von Waldeck nebst Gefolge und Dienerschaft mit einem Sonderzuge hier ein, nahmen in dem Fürstenzimmer der Bahnhofsrestauration das Diner ein, und setzten nach 1 Viftünbigem Aufenthalt die Weiterreise nach Arolsen fort.

** Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten. Wie aus der Bekanntmachnng in der heutigen Nummer unseres Blattes ersichtlich, haben die im April dss. Js. von der Stadt- verordneten-Versammlung festgestellten Satzungen, betr. die Dienstverhältnisse der Gemeindebeamten der Stadt Gießen, nunmehr auch die ministerielle Ge­nehmigung erhalten, und es ist damit die Neuregelung dieser Angelegenheit zum erwünschten Abschluß gelangt. Neben den Aufbesserungen, welche danach die Gehalte der Betei­ligten erfahren, und dem Wegfall der seitherigen Unter­scheidung zwischen definitiv und widerruflich angestellttn Gemeindebeamten hat bei diesem Anlaß auch die Bedeutung des städtischen Bauwesens insofern ihre Würdigung gefunden, als für die Folge dem Vorgang anderer Städte ent­sprechend der Leiter des gesamten städtischen Bauwesens, zurzeit Herr Stadtbaumeister Schmandt den Amtstitel Stadtbaurat" zu führen hat.

** Die Schützenfest Halle niedergebranut. Der Unstern^ der über unserem S ch ü tz e n f e st bei Beginn desselben waltete, indem die vier ersten Festtage total verregneten, hat nunmehr auch das sonst programmgemäß verlaufene Fest zu einem fast tragischen Abschluß gebracht, wenn diesen auch ein anderes Element herbeiführte. Die große Festhalle, die während des ganzen Festes Gegenstand des Entzückens der Besucher war, in welcher so mancherlei Genüsse materieller wie geistiger Art geboten wurden, in welcher tausende und abertausende in froher Festesstimmung sich bewegten, ist in vergangener Nacht gegen >/z3 Uhr ein Raub der Flammen geworden. Nur ein Gewirr verkohlter Balken und Eisenstäbe, ver­mischt mit zerbrochenem Geschirr und geschmolzenem Glas, kennzeichnet die Stätte, an welcher der stolze Bau gestanden. Das leichtere Holzwerk, Bretter, Tische und Bänke, die schönen Giebelmalereien, der innere Schmuck an Wappen, Fahnen usw. sind innerhalb einer halben Stunde in Asche verwandelt worden. Ueber die Entstehung des Brandes bestehen natürlich nur Vermutungen, doch ist wohl Fahrlässigkeit, wenn nicht böswillige Brandstiftung die Ursache des Brandes, der nicht nur die Einwohner der Stadt aus dem Schlaf weckte, sondern auch seinen Schein weit ins Land hinaus warf. Das Feuer scheint in der Nähe der Küche oder in derselben zum Ausbruch gekommen zu sein, hat sich dann mit rasender Schnelligkeit über die ganze Halle verbreitet, ist auf den Balser'schen Postkarten-Kiosk übergesprungen und von da auf den Gabentempel, von dem nur ein Teil gerettet werden konnte. Bei der Ueberfülle von Brennstoff, den die letzten heißen Tage überdies noch gehörig aus­getrocknet, und bei der weiten Entfernung des Festplatzes von ber Stabt war an Löschen nicht zu benken, trotzbem an Wasser kein Mangel; die ersten, bie an bie Branbstelle geeilt, mußten zusehen, wie ber stolze Bau in ben Flammen zusammenbrach. Die Hunbeausstellung, welche sich in ben an ber Norbseite bes Festplatzes entlang errichteten Bierhallen befanb, und bis auf bie Käfige bereits am gestrigen Tage geräumt war, ist vom Brande nicht betroffen worben; ein wertvoller Wachthund verbrannte in ber Festhalle bis auf bie Knochen. Das wichtige Aktenmaterial ber Hunbeausstellung war vor­sichtigerweise aus ber Halle entfernt worben. Der heutige Branbfall hat wieberum ben Wunsch nach geeigneteren Alarmeinrichtungen unb zweckmäßigerer Organisation des Signalistendienstes laut werden laffen. In einzelnen Straßen dauerte das ohrenbetäubende Trommeln beinahe eine halbe Stunde, weil zwei bis drei Tambours kurz hintereinander trommelten. Die Anlage der Feuermelde­stellen, deren Einrichtung schon vor längerer Zeit be­schlossen wurde, sollte nicht länger verzögert werden. Wie wir vernehmen, ist die Halle, deren Gesamtbaukosten etwa 2022 000 Mk. betragen, gegen Feuer versichert ge­wesen. Der Schaden an Wirtschaftsmobilien, Gläsern, Flaschen u. s. w. dürste bedeutend sein, auch mehrere Kisten teurer Weine wurden vernichtet. Die Acetylen-Beleuchtungs- apparate und Anlagen des Herrn Welkoborsky, welchem für die letzten Tage noch die Beleuchtung übertragen worden war, wurden zum Teil vernichtet, zum Teil beschädigt.

+ Alsfeld, 17. Juli. Der hiesige Turnverein be­absichtigt, in diesem Sommer das 50. Stiftungsfest zu feiern. Anläßlich desselben soll ein Sommerfest, mit dem ein Musterriegenturnen verbunden sein wird, veranstaltet werden. An die Nachbar-Turnvereine sind bereits Ein­ladungen zur Teilnahme an der Jubiläumsfeier ergangen, und es ist zu hoffen, daß das Fest unter zahlreicher Be­teiligung von hier und auswärts einen schönen und würdigen Verlauf nehmen wird.

+ Aus dem nördlichen Oberheffeu, 17. Juli. Es ist eine bekannte Erscheinung, daß sich auf dem Lande die sogen. Vereinsfestlichkeiten mit jedem Jahr bedeutend mehren. Am gestrigen Tage fanden im Umkreis von wenigen Stunden zwei Sänger- und zwei Kriegerfeste statt, nämlich zu Bersrod, Nordecken, Homberg und Freienseen. Unwill­kürlich fragt man sich: Wie reimt sich die allenthalben sich äußernde Festfreudigkeit mit den ständigen Klagen über die schlechten Zeiten zusammen?

n. Friedberg, 16. Juli. Die Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins wurde gestern hier im HotelZu den drei Schwertern" unter großer Be­teiligung abgehalten. Der Präsident, Herr Geh. Regierungs­rat Dr. Braden, eröffnete kurz nach 3 Uhr mittags die Ver-