Ausgabe 
19.7.1899 Zweites Blatt
 
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sammlung, der auch Herr Landesökonomierat Müller bei­wohnte. Der Direktor der Geschäftsstelle, Herr Dr v. Peter, verlas dann den sehr eingehenden Rechenschaftsbericht für 1898/99. Die Abnahme der Mitgliederzahl ist nach dem Bericht leider noch fortgeschritten, indem sie im verflossenen Jahr von 4558 auf 4307 sank. Dieser Rückgang erstreckt sich auf die Kreise Alsfeld, Büdingen, Gießen, Lauterbach und Schotten; im Kreis Friedberg ist eine erfreuliche Zu­nahme zu konstatieren. Man hofft, die Annahme verschiedener Anträge durchzuführen, z. B. die Pflege der Gemeinde­bäume nur den geprüften Baumwärtern anzuvertrauen, den Titelgeprüfter Baumwart" nur den Schülern der hiesigen Obstbauschule zu verleihen und für diese einige Stipendien zu erhalten. Der Sekretär des Vereins, Herr Reichelt, referierte dann eingehend über seine und der Techniker Thätigkeit im abgelaufenen Jahr. Der Obstbaumpflege wurde wie seither große Aufmerksamkeit gewidmet. Der Versuchsgarten in Alsfeld gedeiht und gibt gute Anregungen, die Anlegung eines solchen für Büdingen soll im Herbst in Angriff genommen werden. Die Obstverwertung war eine gute, da die Preise hohe waren. Namentlich reich war die Zwetschenernte in einem Teil der Provinz ausgefallen. Die Vereinszeitschrift wirkt fortgesetzt segensreich. $etr Reichelt erwähnte noch, daß ein Antrag seitens des Ausschusses da­hin ginge, die Regierung möge 6000 Mk. zu Versuchs­anpflanzungen von Obstbäumen im Vogelsberg bewilligen, um erfahren zu können, was dort anbaufähig und anbau­würdig sei. Aus der nun folgenden Nechnungsablage für 1898/99 führen wir aus der 16456 Mk. 7 Pfg. be­tragenden Einnahme folgende Rubriken an: Kassevorrat 4859 Mk. 83 Pfg., Mitgliederbeiträge 4307 Mk., Vereins­zeitschrift 2243 Mk. 20 Pfg., Staatszuschuß zur Förderung des Obstbaues durch den landwirtschaftlichen Provinzial­verein 3100 Mk., Zuschüsse der Kreise rc. 1500 Mk. Die Ausgaben betrugen 4876 Mk. 39 Pfg. weniger als die Einnahme. Wir greifen folgende Rubriken heraus: Vereins­zeitschrift 1977 Mk. 62 Pfg., Vorträge, Versammlungen, Demonstrationen, Informationen 2429 Mk. 85 Pfg., Ge­halte bezw. Funktionszulagen der Techniker einschl. Alters­und Jnvaliditätsversicherung 2902 Mk. 53 Pfg., Geschäfts­stelle, Bureaukosten, Schreibmaterialien 766 Mk. 11 Pfg., Verlosungen bei Versammlungen 483 Mk. 58 Pfg., Zu­schuß zur Obstverwertungsstelle in Frankfurt 100 Mk., Kassenführung und Einkassieren der Mitgliederbeiträge in den Orten 665 Mk. 90 Pfg., Porti und Frachten 254 Mk. 6 Pfg., Prämiirung und Reisestipendien für Baumwärter 226 Mk., Ausstellungen 100 Mk., Versuchsgärten in der Provinz und Vereinsbezirksbaumwarte 977 Mk. 66 Pfg. Der Voranschlag für 1899/1900 wurde in der vom Ausschuß in der gestrigen Vormittagssitzung angenommenen Aufstellung, die sich auf das vorstehende Rechnungsergebnis stützt und die Förderung des Obstbaues in den Vorder­grund stellt, anstandslos genehmigt. Zu Punkt 4 der Tagesordnung übergehend, verbreitete sich Herr Dr. v. Peter über die Aufgaben der Vereinsbaumwarte, die hauptsächlich in die Gemeinden ohne Baumwarte geschickt werden sollen. Der 5. Punkt lautete: Antrag über Abhaltung von Obst­ausstellungen im Vereinsgebiet und Beteiligung an auswärtigen. Der Referent, Herr Reichelt, redet den Lokal-Aus­stellungen warm das Wort, weil sie geeignet sind, das Interesse am Obstbau zu fördern, die Kenntnis der Sorten zu erweitern, den Lokalsorten mehr Rechnung zu tragen und bei Neuanpflanzungen darum gute Fingerzeige zu geben. Für dieses Jahr sind zwei Ausstellungen geplant, wovon die eine im Kreis Büdingen, die andere im Kreis Friedberg abgehalten werden soll. Die Anfrage des Land­wirtschaftsrats, ob sich der Oberhessische Obstbauverein an der Ausstellung des deutschen Pomologenvereins in Dresden, die vom 14. bis 19. Oktober ds. Js. stattfindet, beteiligen wolle, wird bejaht. Herr Reichelt glaubt, daß unser Verein dort einen viel schwereren Stand haben werde, als auf früheren Ausstellungen, die so ehrend für unseren Obstbau verlaufen seien. Es sei darum eine genaue Revision des auszustellenden Obstes nötig, und soll dieses darum auf den beiden erwähnten Ausstellungen ausgesucht werden. Für Beschickung der Ausstellung sind 300 Mk. vorgesehen, damit der Obstbauverein die Kosten des Transportes und des Verpackungsmaterials tragen kann. Der Verein wird auch eine Kollektivausstellung veranstalten und ein Sortiment zu- sammenstellen und nach Lage Gebirg und Ebene gruppieren, so daß ein Bild der gesamten Anlagen gewonnen wird. Bei der nun folgenden Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses wurden die seitherigen Mitglieder durch Akklamation wieder gewühlt. Herr Dr. v. Peter ver­teilte dann noch 11 Diplome an folgende Baumwarte: Damer-Rödges, Bender-Grüningen, Feuerbach-Oberwöllstadt, Friedrich-Laubach, Huber-Alten-Buseck, Dort-Höchst, Jung- Großen-Eichen, Eller-Muschenheim, Kammer-Obbornhofen, Lind-Wölfersheim, Pippel-Niederseemen.Mit einem kräftigen Hoch auf den Obstbau, vom Herrn Grafen Oriola aus­gebracht, schloß die diesjährige Hauptversammlung.

Aus der Zeit für die Zeit.

Vor 29 Jahren, am 19. Juli 1870, erfolgte die Kriegs­erklärung Frankreichs an Preußen. In dieser hieß es, daß man dem Plane, einen preußischen Prinzen auf den Thron von Spanien zu erheben, als ein gegen die terri­toriale Sicherheit Frankreichs gerichtetes Unternehmen be­trachten und in der Weigerung des Königs, dem französischen Botschafter eine die künftige Möglichkeit einer solchen Kan­didatur ausschließende Zusage zu geben, einen Frankreich bedrohenden Hintergedanken erblicken müsse.

Vermischtes.

., . Unglück ans der Zeche Recklinghausen ist wahr- schetnltch durch ein Erdbeben verursacht worden, da die

Erschütterung 20 Sekunden andauerte und bis Münster verspürt wurde. Ohne Zweifel hängen Erdbeben und Zu­sammensturz eng zusammen. Aber ist das Erdbeben die Veranlassung gewesen oder umgekehrt? Hierüber sind die Meinungen sehr geteilt. Die höheren Beamten der Zeche halten dafür, daß der Zusammenbruch des Flötzes auf einen gewaltigen Druck des Gebirges zurückzuführen sei, und daß hierauf auch die auf der Oberfläche verspürte Erschütterung zurückgeführt werden müsse. Andere sind jedoch der Meinung, daß durch eine Erdbewegung, wie man sie im Kohlenrevier in letzter Zeit mehrmals wahrgenommen hat, der Zusammen­bruch des Flötzes veranlaßt worden ist. Denn thatsächlich ist die Erderschütterung sogar in Gelsenkirchen und Catern- berg zu verspüren gewesen, was im ersteren Falle nicht hätte geschehen können. Es wird auch die Frage aufge­worfen, ob nicht unterirdische Hohlräume eingestürzt sind. Denn bekanntlich befinden sich im Ruhrkohlenbezirk in be­deutender Teufe gewaltige Salzlager, welche durch das fort­währende Auspumpen des Wassers allmählich ausgelaugt werden. So könnte es leicht kommen, daß plötzlich einmal das Gewicht der Gebirge zu stark wird und unterirdische Verschiebungen eintreten. Die wirkliche Ursache wird sich wohl schwerlich mit Bestimmtheit ermitteln lassen. Jedenfalls hat dasZu-Bruchegehen" in dem FlötzSonnenschein" in sehr bedeutendem Umfang, angeblich auf 500 bis 600 Meter, stattgefunden. Im Umkreise von tausend Metern sind zahlreiche Schornsteine eingestürzt und Wände gerissen. Auch die Verwüstungen an den Häusern in Herne, Baukau und Bruch sind ganz bedeutend. Bis jetzt werden noch fünf Mann der Belegschaft vermißt, die sämtlich durch die Gesteinsmassen erschlagen sein dürften. Die Aufräumungs­arbeiten werden sehr erschwert durch die enormen Gesteins­massen und das nachbrechende Gebirge. Samstag mittag wurde noch mit Aufbietung aller Kräfte gearbeitet, um zu den bis dahin noch vermißten vier Knappen vorzudringen. Durch den gewaltigen Gesteinbruch gehen die Arbeiten sehr- langsam vorwärts, doch hofft man noch heute Gewißheit über das Schicksal der Eingeschlossenen zu erhalten. Man hofft, daß die Knappen noch leben und ohne Ausweg ein­geschlossen sind. Von den verletzt im Krankenhaus Liegenden ist noch keiner gestorben. Es besteht die Hoffnung, daß alle am Leben bleiben werden.

* Der Student Pfluegmacher, der in Hannover dem Gelbgießereigehilfen einen Messerstich in den Hals versetzte, behauptet, daß er das in der Notwehr gethan habe. Er schreibt demHann. Kour.", die Arbeiter hätten ihn ohne Grund arg mißhandelt und ihm mehr als ein Dutzend kleiner Wunden zugefügt. Um sich ihrer zu erwehren er glaube in der Hand des einen Arbeiters ebenfalls ein Messer gesehen zu haben, habe er dann sein Messer ge­zogen und in der Aufregung den Stoß ausgeführt. Der Getroffene sei mit seinem Genossen fortgelaufen, als von der Bödekerstraße her zwei Schutzmänner herbeigekommen seien, und erst, nachdem er vierzig Schritte zurückgelegt, zusammengebrochen.

* Wachet über Euere Kinder! Die Zahl der im Jahre 1897 in Preußen tötlich verunglückten Kinder bis zu 15 Jahren betrug 3626. Davon waren 2315 Knaben und 1311 Mädchen. Unter fünf Jahre alt waren 1245 Knaben und 926 Mädchen. Es ertranken 1381 (316 allein beim Baden, fast ausschließlich an verbotenen Orten), ver­brannten 742, wurden überfahren 418, sind abgestürzt 330, erstickten 304 (109 durch Rauch oder Gase, 61 in Betten, 11 wurden von den Müttern im Schlafe erstickt, 56 er­stickten an verschluckten Gegenständen, unter diesen befand sich zwölfmal der Saugpropfen); es wurden erschlagen 768, wurden vergiftet 78, kamen auf andere Weise ums Leben 205. Von diesen wurden erschossen 44 Kinder, teils durch eigenes Verschulden infolge Spielens mit Schußwaffen, teils durch Fahrlässigkeit anderer Personen; durch Insektenstiche starben 16 Kinder, durch den Biß toller Hunde 3, durch Schlangenbisse 2, durch Schlag, Stoß oder Biß anderer Tiere 2. Erfroren sind 2 Kinder, 23 wurden durch Blitz­schlag gelötet, 15 erlagen dem Sonnenstiche und verhungert ist 1 Kind, ein dreijähriger Knabe, welcher sich in einem Walde verirrt hatte.

Gingesandt.

Girtzen, 17. Juli 1899.

Nach einer bahnpolizeilichen Bestimmung ist den Passagieren bei Strafe verboten, sich während der Fahrt auf der Plattform auf- zuhalten. Diese Bestimmung scheint man aber aus der Oberhesstschen Eisenbahn nickt zu kennen. Wer en doch da zumeist auf Station Großen-Buseck bei dem um 10 Uhr in Gießen eintreffenden Personen­zug eine ganze Anzahl von Personen von den Bahnbeamten ange­wiesen, auf der Plattform Platz zu nehmen. Derarttge Mißstände sind wohl nur auf die Bequemlichkeit der Bahnbeamten zurückzu­führen, die doch sehr wohl schon in Giunberg in der Lage sein müßten, beurteilen zu können, ob die angebängten Wagen außreichen oder nicht. Es ist nun ein derartiger Mißstand umsomehr zu bedauern, als die Verwaltung der hier in Frage kommenden Bahn nunmehr vom preußischen Staate, der doch schon manchen Uebelständen der Kleinstaaten abgeholsen, mitübernommen worden ist. Schreiber dieser Zeilen machte gestern eine solch lebensgesährltche Fahrt, bei welcher oft mebr alS acht Personen auf der Plattform Platz nehmen mußten, mit. Derartige Mißstände sollten doch schleunigst beseitigt werden.

W. 8.

Temperatur der Lahn und Luft

nach Reaumur gemeßen am 18. Juli, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag-: Wasser 17°, Lust 18'/»°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Verkehr, Iand und Volkswirtschaft.

Gietzen, 18. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. A 0.901.20, Hühnereier per St. 67 H, 2 St. 1113 H, Enteneier 1 St. 78 Gänse« eiet per St. 1011 H, Käse 2 St. 56 H, Käsematte per St. 3 H, Erbsen per Liter 22 H, Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.750.90, Hühner per St. A 1.001.50, Hahnen per Sluck X 0.650.90, Enten per St. A 1.501.70, Gänse per Pfund

A 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 6874 4, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 Schweinefleisch per Pfd. 6072 Schweine­fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 6066 Hammelfleisch per Pfd. 5070 H, Kartoffeln per 100 Kilo 7.00 biß 8.00 A, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Str. A 8.509.00, Milch per Liter 16 H, Kirschen per Pfd. 20 bis 25 Pfg.

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgen- bis 1 Uhr nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.

tfltlttie, 15 Juli. Fruchtpreife. Weizen 16,2416,40, Korn A 16,48-16,60, Gerste15,00-00,00, Hafers. 14,88-15,20, Erbsen A 00,00-00,00, Linsen A 00,0000,00, Wicken A 00,00, Lein A 00,00, Kartoffeln A 7,24-7,50, Samen A 00,0000,00.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 18. Juli. Trotz der starken Beaufsichtigung der Grenze durch eine doppelte Beamtenkette wird der Viehfchmuggel von Holland nach Deutschland, wie man demBerliner Tageblatt" schreibt, nach wie vor in flotter Weise weiter betrieben. Wie jetzt mitgeteilt wird, beabsichtigt die Regierung zur Unterdrückung des Viehschmuggels eine Verstärkung des Grenz-Personals vorzunehmen. Eine all­gemeine Ueberwachung der Grenze sei aber bei den aus­gedehnten Moorflächen des Grenzgebietes nur dann möglich, wenn man, wie das beim Ausbruch der Rinderpest stets geschehe, einen militärischen Grenz-Kordon ziehe.

Leipzig, 18. Juli. Ueber einen Aufsehen erregen­den Vorfall wird aus Limbach berichtet: Nachdem be­reits am Donnerstag den 12. Juli von der Polizei mehrere Schüler des Technikums auf Grund einer anonymen De­nunziation, welche sie der Urheberschaft der Brandstiftung vom 2. Juni beschuldigt, in vorläufige Haft genommen waren und die sofort eingeleitete Untersuchung die Wahrheit dieser Angaben bestätigt hatte, wurde die Verhaftung von fünf Technikern vorgenommen. Dieselben haben in gradezu frivoler Weise am Abend des 2. Juni nach einer wüsten Kneiperei eine Wette geschlossen, wonach derjenige, welcher den größten Mut bei einem Brande zeige, ein Jahr lang umsonst an allen Trinkgelagen teilnehmen sollte. Zu diesem Zweck steckten sie sogleich die große in der Nähe des Bahn­hofes stehende Scheune des Limbacher Rittergutes iu Brand. Der Arbeiter Freitag, welcher in der Scheune sein Nacht- Quartier hatte, wurde ein Opfer der Flammen. Der Brand bedrohte den Bahnhof, welcher nur durch gewaltige Anstrengung vom Feuer verschont blieb. Die jugendlichen Verbrecher wurden bereits vom Untersuchungsrichter ver­nommen.

Wien, 18. Juli. DerNeuen Freien Presse" wird aus Belgrad gemeldet, hier wurde das Gerücht verbreitet, die Untersuchung habe ergeben, daß die Fäden der Ver­schwörung bis Cettinje reichen und das der Fürst von Montenegro der Verschwörung nicht sern stehe. Darauf deutet namentlich die Ausweisung von Blazo Petrovic hin. Fürst Nikolaus sei ferner bekannt, als der größte Feind König Milans. Dazu komme seine zweideutige Haltung bei der Ausweisung des Bauernführers Ranko Taitic, der nach Montenegro flüchtete und vom Fürsten in Schutz genommen wurde.

Lemberg, 18. Juli. Bei der Kassen-Revision in der Pfand-Abteilung der galizischen Kreditbank wurden Unterschleife in Höhe von 70,000 Gulden entdeckt.

Budapest, 18. Juli. Nachdem der demonstrative Umzug am Sonntag ruhig verlaufen war, überschwemmten die Sozialisten gestern die Hauptstadt mit aufreizenden Auf­rufen, weil in der Provinz einige Versammlungen verboten worden waren. Für Donnerstag ist wiederum ein Protest- Meeting einberufen.

Venedig, 18. Juli. Während der Ueberfahrt des Uebungsgeschwaders nach Ancona geriet auf dem Panzerschiff Sardague" das Pulverdepot in Brand, konnte aber noch rechtzeitig gelöscht werden.

Paris, 18. Juli. DemTemps" zufolge wird die Militärbehörde gegen die Soldaten, welche in Cherbourg die Straßentumulte verursacht hatten, strenge Maß­regeln in Anwendung bringen.

Paris, 18. Juli. Im Am Auswärtigen Amt verfolgt man die Entwickelung der Dinge in Süd-Afrika mit größter Aufmerksamkeit. Eine in diesem Amte täglich verkehrende Persönlichkeit soll sich einem Freunde gegenüber unzwei­deutig über die Stellung Frankreichs zu England und Transvaal wie folgt geäußert haben: Delcasss erwägt augenblicklich, auf welche Weise er die Faschoda Nieder­lage wieder wett machen kann. Etwas später ließ die betreffende Persönlichkeit das bedeutungsvolle Wort fallen: Ja, was die Kolonial-Angelegenheiten anbelangt, so sind Frankreich und Deutschland ganz einig, den Beweis hierfür wird die nächste Zukunft liefern."

Madrid, 18. Juli. Das neue Budget soll nun doch zur Verhandlung gelangen, und um jeder Obstruktion vor­zubeugen, beruft die Regierung alle ihr ergebenen Kortes- Mitglieder, welche außerhalb weilen, nach Madrid zurück. Der Kampf um Sein oder Nichtsein der neuen Steuern, sowie des Finanzministers und wohl auch des ganzen Kabinetts wird also wieder ernstlich beginnen.

nn. Darmstadt, 18. Juli. (Privat-Telegramm.) Abge­ordneter David fragt bei der Negierung an, ob sie ge­neigt sei, noch dem Landtag Auskunft zu erteilen, aus welchen Gründen die Pensionierung des Geh. Oberschulrats Schiller erfolgt sei, und, falls das eingeleitete Disziplinar­verfahren einen ausreichenden Grund nicht ergiebt, die Wiederanstellung Schillers in Aussicht genommen ist; ferner, welche Maßregeln die Regierung ergreift, um die Heilung der Schäden auszuführen.