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-lr. 43 Zweites Blatt Sonntag den 19. Februar
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Uklrer die Kanalisation der Stadt Marburg. Bottrag, gehalten am 7. Februar im Nationalliberalen Verein zu Gi-ßen von Herrn G. Sardemann, Regierungs-Baumeister a. D., z. Z. Mitglied des Magistrats in Marburg.
(Nachdruck nur mit Angabe der Quelle gestattet.)
A«r Herr Vortragende führte zunächst aus, daß es weder seine Aufgabe sei, technische Einzelheiten zu geben, weil ja ein Blick in die freundliche und wohlgepflegte Stadt (Siegen zeige, daß sie ein vorzügliches Bauwesen besitze, noch daß es seine Aufgabe sei, vergleichende Theorien über Wehende Kanalsysteme oder Klärungsmethoden zu geben, da die Universität Gießen einen Lehrstuhl für öffentliche Gcsundheitspflege besitze, dessen Inhaber weit über die Grenzen des Landes bekannt sei.— Redner habe geglaubt, daß die Gießener einmal einen Techniker über die Kanalisation hören möchten, der als leidtragender Steuerzahler und Hausbesitzer sich die Kanalprojekte und Ausführungen auch einmal in tieflug auf ihre finanzielle Wirkung auf das städtische Budget und die Hauseigentümer ansieht. Er wolle sich desh.alb eine größere Einleitung ersparen und direkt zur Sache übergehen. — Auch dieser im wesentlichen auf stenographischen Aufzeichnungen beruhende Bericht über den nahezu zweistündigen hochinteressanten Vortrag mußte entsprechend gckiirzt werden, doch glauben wir, das für Gießen zu- liich st Wlssenswerte aus demselben zusammengefaßt zu haben.
Der Herr Redner fuhr etwa fort: „Ich will zunächst «zahlen: „Wie es kam". Die Stadt Marburg krankte an Her ganz ungenügenden alten Wasserleitung, bis es unferm Herrn Oberbürgermeister gelang, oberhalb Marburgs in Wehrda eine Mühle mit 80 Pferdestärken zu erwerben, Mlche mit Turbinenbetrieb aus reichlicher Quelle ihr Wasser «in den Hochbehälter auf dem Schloßberg und von da in die 'Stobt ergießen konnte. Aus zahlreichen Häusern, Wasser- lloselts und Badeeinrichtungen, namentlich der Bergstadt, "Nfen die Wassermengen behaglich herunter nach der Thal- -Mt und der Lahn zu, — Rinnen, Kanäle und Behälter Achten zuletzt nicht mehr aus zur Wasseraufnahme, allerlei Notbehelfe waren nur für kurze Dauer. Namentlich die Mlstadt hatte dieserhalb viel Unangenehmes zu erleiden, äic Schlammfänge verstopften sich, die Keller wurden über- idmxmmt und entwickelten unangenehme Gerüche, — kein Wunder, daß die Negierung ein ganz bedenkliches Gesicht !,zu dieser Entwickelung unseres Wassersegens machte; den Hmsbesitzern für welche die Bekämpfung dieser Unvoll- fiü;nrncnl)citen mit großen Kosten verbunden war, wurde klar, ! N es so nicht mehr weiter gehen könne, alles drängte ' wj Abhilfe! — Hier half kein Tonnen- und kein Liernür- ^gftem, es mußte eine „Schwemmkanalisation" gemacht i l woben; — denn wo eine reichliche Wasserzuleitung'ist, da Nig auch eine gute Wasserableitung eingerichtet werden; I Mst können Verhältnisse eintreten wie in Bombay, wo eine sA reichliche Wasserzuführung, aber ein ganz ungenügender Muß vorhanden ist, infolgedessen dort die Pest periodisch «nitritt und Jmnn Hunderttausende die Stadt verlassen Wissen, und diese verödet."— Ich will Ihnen nun erzählen: •i®ie wir unsere Kanalisation angelegt haben?" Sir Schloßberg tritt halbinselförmig in die Lahnebene vor. ?-11 einem 110 Meter hohen Plateau führen die Straßen, die Kanäle auf einzelnen Terrassen durch Querstraßen urbunben, hinunter in die Thalstadt. — Das Ideal der Wage würde nun eine um den Schloßberg herumliegende 5yii Igafterie fein, von wo aus alle Kanäle durch reines, o^cr gesammeltes schmutziges Wasser, von oben anfangend, 6ij jum Hauptsammler zu Thal gehend, gespült würden. Mr Marburg hat aber der Mangel einer solchen höchst- jiügenen Verbindung die Anlage von 18 Spülbezirken ■itig gemacht. — Auf dem Seltersberg und in der oberen Nephansmark rc. ließen sich in Gießen z. B. verhältnis- leicht solche Spüleinrichtungen anlcgen. — Viel fefmieriger ist es, in der Ebene solche Spülungen einzu- ' weil die Straßen zu wenig Gefälle haben, wie z. B. in be-r Tiefstadt Marburg. Das sich dortfelbst ansammelnde Lchikilltzwasfer kann aus technischen Gründen nicht etwa auf liwem Weg in die Lahn geführt werden, wie auch die L°liz«ivorschrift verlangt, daß das sämtliche ans der Kanali- «Olivm sich ergebende Schmntzwasser erst in einem tiefliegen- «a Sammler abzufangen und aus demselben unterhalb des räabiigebiet§, entsprechend geklärt, in die Lahn zu führen ~ In Marburg wird ein gemeinschaftlicher Sammler ini !^och- und für die tiefliegende Stadt benutzt. Der- M bringt für die im Ueberschwemmungsgebiet liegenden 2gHen wohl einige Unbequemlichkeiten mit, denn bei uns 1 4 tiie betreffenden Keller gegen das Eindringen des Hvch- «v'^euls der Lahn zwar durch Dämme geschützt, doch kann
das Schmutzwasser aus solchen tiefergelegenen Straßen nicht durch Kanäle in den Fluß abgeführt werden, denn dieselben Verbindungen würden das Hochwasser des Flusses auch zurück in die Häuser führen. Das Abwasser muß deshalb in solchen Fällen in einem tief liegenden Graben unter dem Schutz der Dämme auf entsprechend langen Strecken mittelst natürlichen Gefälles zum Abfluß gebracht, oder aus der tieferen Sammelstelle des Kanals mittelst Pumpen in den abführenden Flnßlanf gehoben werden, wie eine ähnliche Einrichtung bereits in Gießen am Ausgerinne des Stadt- baches besteht.
In Marburg sind 320 Hektar bebauungsfähiges Gelände, die Dichtigkeit der Bebauung ist zu 250 Personen pro Hektar anzunehmen, und auf jede Person 100 Liter Wasserverbrauch pro Tag zu rechnen, welche wieder als Schmutzwasser aus den Haushaltungen, Küchen, Bade- und Wascheinrichtungen, Klosetts rc. herrührend, in den Kanülen zum Vorschein kommen. — Ein Landregen bringt in Marburg etwa 12 bis 13 Millimeter Rcgeuhöhe pro 24 Stunden, ein gewaltiger Sturzregen dagegen 35 Millimeter in einer Stunde, alles abzuführende Wasser ist demnach mit 100 Lit. pro Sekunde und Hektar voll gerechnet und diesen Mengen abzüglich etwa 2/8 derselben für Einsickcrn und Verdunsten, müssen die Einrichtungen der Kanalisation entsprechen.
Schmutzwasser und Mcteorwasscr (Regen, Schnee rc.) sind in der Menge ihres Erscheinens und in der Konsistenz ihrer Verunreinigung so verschieden, daß es wohl zu prüfen ist, ob man diese Wasser in gemeinschaftlichen Kanälen oder in getrennten Systemen abführen will. — Als Schmutzwasser ist alles aus den Hänsern, von den Dächern und aus den gepflasterten Höfen kommende Wasser zu betrachten, wird dieses mit dem Meteorwasser in einer Kanalanlage vereinigt, wie es in dem genehmigten generellen Projekt für Marburg von Baurat Lindley vorgesehen ist, so haben wir das kombinierte System. Das sogen. Trennsystem dagegen führt das Schmutzwasser, die Fäkalien rc. mittelst besonderer Kanäle, welche weit enger bemessen werden können, sowie gleichfalls in besonderen Kanälen das Meteorwasser ab, welch letzteres unter besonders günstigen Verhältnissen sogar teilweise in offenen Straßen- rtnucn erfolgen kann. Dieses wenig verunreinigte Meteorwasser kann ohne Schädigung direkt in die Flüsse geleitet werden.
„Welches System in einer Stadt auszu- führen?" ist durch sorgfältige Untersuchung aller in Betracht kommenden örtlichen Verhältnisse konstruktiv und rechnerisch zu untersuchen. In Marburg ergab die spezielle Bearbeitung des Projekts, daß bei der bedeutenden Wassermenge des 500 Hektar messenden Niederschlagsgebiets am Nordabhang des Schloßbcrgs (Ketzerbach) hier sehr viel vorteilhafter das Trenn sy st em zur Ausführung kommen würde, womit — gegenüber dem kombinierten System — eine Ersparnis von rund 120000 Mk. verbunden war.
In Gießen wird es voraussichtlich leicht werden, durch den Stadtringgraben, die Wieseck und den Bruchgraben große Mengen Meteorwassers in die Lahn zu schicken, um nicht das Kanalnetz ungebührlich belasten zu müssen. Es ist Aufgabe der lokalen Beobachtung und Berechnung, ob nicht für einzelne Stadtlagen richtiger das kombinierte System zu gebrauchen wäre, wie dies z. B. in Marburg in der Altstadt möglich war, wo die Gefällverhältnisse solche sind, daß die geringst zulässigen Rohrdurchmesser in diesen Straßen von 20 Centimet. lichter Weite ausreichend waren, um Meteor- und Schmutzwasser aufzunehmen.
Das Kanalnetz in Marburg beträgt 20100 Meter Länge und kostet rund 950000 Mk., etwa 46 Mk. pro laufenden Meter Kanalbau, einschließlich Fortschaffen der alten Kanäle, während beispielsweise in Köln in einzelnen Straßen den Grundeigentümern pro laufenden Meter Kanal 80 Mk. in Rechnung gestellt wurden. — Namentlich aus der Bergstadt führte eine große Zahl alter Kanäle in die Lahn, was die Ausführung der neuen Kanäle besonders erschwerte. — Unsere Marburger Kanalisation besteht, wie schon erwähnt, aus einem Berg gebiet und einem Thalgebiet. In dem Berggebiet kommt das ganze Schmutzwasser mit dem Meteorwasser vereinigt in die Röhren und gelangt an der Grenze zwischen Berg- und Thalgcbict — um nicht in zu gewaltige Kanal-Dimensionen zu geraten, mittelst sog. Notauslässe auf kurzem Weg direkt zum Ausfluß in die Lahn. Diese Notauslässe sind so eingerichtet, daß alle Waffermassen, welche die vierfache Schmutzwassermenge übersteigen, durch besondere Stichkanäle in die Lahn geführt werden. — In der Tiefstadt Marburgs ist die Entwässerung mit mehr Schwierigkeit verbunden, namentlich bei
einem Sturzregen ober bei großem Hochwasser, wenn dasselbe über den Scheitel des Kanals steigt und die Notaus- lässe deshalb nicht mehr anwendbar sind.
Gegen das Eindringen des Hochwassers der Lahn in die Häuser sind Sicherheitsverschlüsse in den tiefliegenden Kellern anzubringen, umsomehr als der Wasser- stand der Lahn längs der Stadt Marburg infolge einiger Mühlwehre eine verschiedene Höhe hat und z. B. am niederen Südende der Stadt das in die Hänser eindringende Lahnwasser nach dem Gesetz der kommnnicierenden Rohren die Höhe des Wasserspiegels des Nordendes zu erreichen strebt. — Aehnliche Vorsichtsmaßregeln gegen Hochwasser werden in Gießen auch nicht erspart bleiben."
Der Herr Redner ^schilderte alsdann den zweckmäßig organisierten Spüldienst in ausführlicher Weise. Derselbe umfaßt periodisches Ansammeln (Anstauen) des Wassers in einzelnen höher gelegenen Sammel-Gallerien durch Absperren mehrerer Schieber und das „Hinein-San sen-Lassen" dieses angesammelten Wassers in tieferliegende Kanal-Bezirke, welche den Schmutz in den Tiefsammler bringen. Dieses Schwemm Verfahren genügt für die Rohrkanäle, für die gemauerten begehbaren- und beschlupfbaren Kanäle mnß noch eine mechanische Reinigung mittelst Bürsten rc. nachfolgen. Die Kosten der Reinigung der Kanäle mit Kläranlage betragen jährlich etwa 12500 Mk. Geschilderte interessante Einzelheiten der Anlage, so die Revisions- und Ventilations- einrichtungen müssen wir hier Raummangels wegen übergehen.
Die Hausanschlüsse wurden in Marburg durch die Stadt auf Kosten der Hauseigentümer ausgeführt. Die Bestimmung, daß jedes Grundstück eine besondere Ableitung haben muß, hat in Marburg die sog. „Winkel" überflüssig gemacht und wird in Gießen diese mittelalterliche Einrichtung auch verschwinden machen. — Marburg besitzt bei etwa 1000 Häusern 2000 solcher Anschlüsse. Ein Hausanschluß kostet im Durchschnitt 40 Mk. — Diese Hausanschlüsse werden durch Fortlassen der Wasserverschlüsse auch mitbenutzt zur Ventilation der Hauptkanäle. Um eine sorgfältige Ausführung der Abwasserleitungen in den Häusern zu sichern, wurden entsprechende baupolizeiliche Bestimmungen erlassen. Pes Redners Bemerkungen über Klosettanlagen, Fettfänger, Schutzvorrichtungen gegen Eindringen des Wassers bei Kanalausspülungen müssen wir überspringen, es sei noch erwähnt, daß sich die Kosten einer vollständigen Hausentwässerungs-Anlage je nach Wunsch und Bedürfnis auf 300 bis 1 200 Mk., im Durchschnitt auf 5 50 Mk. für ein Haus gestellt haben."
Nachdem der Herr Redner noch den Hauptkanal, welcher in einem Gefälle von 1 : 1 500 gebaut, besprochen, dessen Bedienung, namentlich die Fangvorrichtungen für den von dem Plateau kommenden, massenhaft eingeführt werdenden feinen Sand beschrieben, ging er über zur Beschreibung der Klärbecken au läge. — Der Redner fuhr etwa weiter fort: „Als f. Z. unsere städtische Verwaltung mit der Negierung wegen der Klärbecken-Anlage verhandelte, erhielt unser Herr Oberbürgermeister auf feine an die Regierung gerichtete Anfrage: „Was dürfen wir einführen?" die Antwort: „Alles, bloß keine Fäkalien!" Gerade die Fort- schaffung der Fäkalien verursachte aber den Hausbesitzern die größten Kosten. Auf Anregung der Stadt und im Auftrag der Regierung nahm deshalb Professor Fränkel vor und hinter Marburg bakteriologische Messungen des Lahnwassers vor, um festzustellen, wieweit dasselbe verunreinigt fei. Der Gelehrte kam zu dem Gutachten, daß es im allgemeinen einwandfrei sei, auch Fäkalien in den Fluß von der Wassermenge der Lahn einznsühren, wenn die Abwässer nur, bevor sie in die Lahn eingeführt werden, einer mechanischen Reinigung unterworfen würden. In dem von Lindley ausgearbeiteten Projekt waren große Sedimentierungs-Becken (Niederschlags-Einrichtungen) vorgesehen. — Wir machten nun eingehende Studien und sahen uns namentlich Klärbecken in Rheinland und Westfalen an; dort wie in Wiesbaden und Frankfurt a. M sahen wir nichts Erfreuliches, andere Systeme waren nicht viel besser und kosteten sehr viel Geld. Das einzig Beachtenswerte, was wir auf der Reise fanden, war eine von Ingenieur Rienfch in Wiesbaden versuchsweise aufgestellte maschinelle Sieb Anlage, im wesentlichen eine drehbare Anordnung aus Rostgittern mit einer Reinigungseinrichtung ans Rechen bestehend, sowie mit einem Transportband versehen zur Fortschaffung des sich ergebenden Schlammes. — In Homburg hat man bezüglich der Klärung mit bc sonders großen Schwierigkeiten zu kämpfen, dort kommt man mit dem Wasserabfluß ziemlich nahe an Darm- städtisches Gebiet, an den Erlenbach, in welchen das Ab-


