Ausgabe 
18.7.1899 Erstes Blatt
 
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Matrosen bemannt sein werden. Nicht mit Unrecht sieht derHerald" in der besseren Qualität der Bemannung einen beneidenswerten Vorzug der amerikanischen Marine vor der englischen. Dafür, daß gerade auf diesem Gebiet eine wesentliche Schwäche der englischen Flotte liegt, werden die amtlichen Aeußerungen des Lord Brassey, Gouverneurs von Victoria, angeführt, die auch uns sehr beachtenswert erscheinen. Lord Brassey, einstiger Gatte der verstorbenen sehr bekanntenSunbeam"-Reisenden und Schriftstellerin, war früher Lord, dann Sekretär der Admiralität in London und Präsident desInstitute of Naval Architects; in diesen Stellungen und in längerer praktischer und parla­mentarischer Thätigkeit hat er sich eine Sachkunde erworben, die ihn zur Autorität macht. Lord Brassey fragt, wo soll England Menschen zur Bemannung seiner Kriegsschiffe her­nehmen? Dann fährt er fort:Während die Marine- Reserven aller europäischen Großmächte aus Matrosen be­stehen, die eine zweijährige aktive Dienstzeit durchgemacht haben, müssen wir in England uns mit unausgebildeten Mannschaften begnügen. Wir beklagen tief, daß die Quellen für die Ergänzung unserer Marine-Reserven aus Hochsee- Matrosen mehr und mehr versiegen. Der Dampf und der Suez-Kanal haben die Zahl der Ausländer auf britischen Schiffen auf 40 Prozent gesteigert. Es ist klar, daß in dieser Beziehung etwas Durchgreifendes geschehen muß." Unter den verschiedenen Abhilfsmitteln erscheint dem Lord die von derNavy-League" vorgeschlagene Einrichtung von staatlich subventionierten Schulschiffen für Handelsmatrosen am zweckmäßigsten. Zwar macht ihm die staatliche Unter­stützung einige prinzipielle Skrupel, doch meint er, die Aus­bildung von Seeleuten sei eine viel zu wichtige und be­deutungsvolle Angelegenheit für Staat und Volk, um sie auf dem unsichern Boden privater Fürsorge zu belassen. Mehr als bei irgend einer anderen Klasse von Menschen bedarf es bei Matrosen der Fürsorge einer väterlichen Regierung, und britische Matrosen sind nun einmal für britische Schiffe nötig." Tempora mutantur!

Bulgarien. Der Schluß der bulgarischen Kam­mer. Die Obstruktion der oppositionellen Parteien ist be­kanntlich in der Hauptsache dem Kampfe um die Finanz­verträge wirkungslos geblieben. In letzter Stunde spielte die Opposition noch eine Karte aus, indem sie de­monstrativ von der üblichen Schlußfeier durch den Fürsten fernblieb, damit aber nur erreichte, daß letzterer, der seinen fürstlichen Dank für die erfolgreiche Lösung der wirtschaft­lichen Krise vor halbleeren Bänken sprach, sich sichtlich ärgerte. Der Minister des Aeußern, Grekoff, hatte in einer der letzten Sitzungen der nun wieder bis Oktober zur ordentlichen Session vertagten Sobranje noch Gelegenheit, sich in Beantwortung einer Interpellation über die maze­donische Politik der Regierung zu äußern. Ohne sonderlich neues vorzubringen, aber auch ohne den nationalen Gelüsten der Bulgaren zu schmeicheln, erklärte Grekoff ganz offen- mutig, daß die bulgarische Regierung in richtiger Erkenntnis ihrer Ohnmacht gegenüber der Türkei und den dortigen Vorfällen, keinerlei Schritte zu Gunsten der Bulgaren in Mazedonien bei der Pforte unternommen habe und daß er die besten Beziehungen zu letzterer zu unterhalten als seine politische Aufgabe erachte. Je aufrichtigere, bessere Be­ziehungen Bulgarien zur Türkei erhalte, desto mehr werde das Mißtrauen der letzteren gegen die bulgarische Politik und Regierung schwinden und damit sich auch die Lage und Behandlung der Bulgaren in Mazedonien bessern, welche aus dem Gesichtspunkte, daß Bulgarien als Feind des Be­standes der Türkei gilt, unter dem Drucke der türkischen Behörden zu leiden haben. Die Erklärungen Grekoffs über seine mazedonische Politik werden überall, wo man ihnen Glauben zu schenken vermag, einen guten Eindruck Hervor­rufen. Unter den verschiedenen anderen Interpellationen der Opposition, welche eine Spitze gegen den Fürsten und die Regierung hatten, jedoch zumeist an einen geringfügigen Vorteil anknüpften, befand sich auch eine an den Kriegs­minister, über die jüngste Stiftung und Verleihung einer Erinnerungs-Militärmedaille durch die Fürstin-Mutter Cle­mentine von Koburg an das ihren Namen tragende bul­garische Regiment. Laut Verfassung könne nur der Fürst und auch dieser nur mit Zustimmung der Kammer irgend einen Orden ober ein Ehrenzeichen in Bulgarien stiften. Die Antwort des Kriegsministers war teilweise von unfreiwilliger Komik gewürzt. Nachdem Oberst Paprikoff die fragliche Medaille als keine Medaille, sondern als Er­innerungszeichen in Medaillenform definiert hatte, erklärte er, es sei ursprünglich die Absicht der greifen Fürstin als Regimentschef gewesen, allen Offizieren und Soldaten ein Andenken zu verleihen und habe man an eine an der Uhr- tette zu tragende Medaille gedacht. Aus der Erwägung, daß jedoch ein größerer Prozentsatz der bulgarischen Krieger weder Uhr, noch Uhrkette besitzen, sei dann die Medaille am Bande geworden. Dafür, daß diese Medaille nicht an einer anderen Stelle der Uniform, als an der für Orden und Ehrenzeichen üblichen, getragen werden konnte, war, nach den Worten des Kriegsministers, die Rücksicht auf das mi­litärische decorum maßgebend. (!!) Wenig befriedigt von dieser Antwort, welche jedoch das Haus zur Kenntnis nahm, zog sich der Interpellant grollend zurück. Im übrigen be­faßte sich die Kammer in dieser Nachwoche, welche der be­kannten Abstimmung über die Finanzverträge folgte, mehr mit der Abschaffung und Aufhebung früherer Gesetze und Einrichtungen, als mit der Neueinführung von solchen. Vor­läufig überwiegt noch der lange verhaltene Zerstörungstrieb der an die Macht Gelangten alle vernünftige Thätigeit.

M. N. N.

Belgrad, 16. Juli. Der König verfügte gestern, daß der ehemalige Adjutant und Vertreter des Fürsten von Montenegro, Blascho Petrovic, der gestern in häus­liche Haft genommen wurde, wieder entlassen werde, Serbien aber mit seiner Familie augenblicklich zu verlassen habe. Wie verlautet, soll diese Enthaftung auf die Intervention

der russischen Gesandtschaft zurückzuführen sein. Diese hat Petrovic mit den nötigen Geldmitteln versehen. Es ver­lautet, daß er sich mit seiner Familie sofort über Semlin nach Rußland begeben habe.

Türkei. Der türkisch-serbische Grenzstreit. Wie man derP. K." aus Salonichi berichtet, dürfte die türkisch-serbische Grenzkommission, die mit der Untersuchung des letzten Grenzzwischenfalles betraut wurde, ihre Arbeiten in acht bis zehn Tagen abgeschlossen haben. Die infolge dieser Vorkommnisse an der Grenze dislozierten türkischen Truppen sollen schon in den nächsten Tagen in ihre früheren Garnisonen zurückkehren. Der zum Truppeninspektor im Vilajet Koffowo ernannte Seifulla Pascha hat ausgedehnte Vollmachten erhalten, um die Ruhe an der Grenze dauernd zu sichern. Seifulla Pascha hat mehrere arnautische Führer zu sich berufen und ihnen erklärt, daß er gegen Ruhestörer unnachsichtlich vorgehen werde.

Ostafien. Dampferkonkurrenz auf dem oberen Jangtse. Eine britische Gesellschaft hat sich zu dem Zwecke gebildet, eigens konstruierte Dampfer für den Ver­kehr und Transport auf dem oberen Iangtseflusse zu bauen und so schnell als möglich in Betrieb zu stellen. Diese Dampfer sollen zuerst zwischen Jtschang und Tschungking laufen und womöglich bis nach Snisu stromaufwärts gehen. Der Zweck ist, den deutschen Dampfern dort Konkurrenz zu bieten. Als lokaler Leiter dieser neuen Linie ist der bekannte Mr. Archibald Little in Tschungking bestellt. Die neue Linie soll angeblich schon im nächsten Frühjahr in Betrieb treten.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 17. Juli 1899.

* Aus dem Gerichtsdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 15. Juli den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Nieder-Olm, Karl Ludwig Dapper, zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht zu ernennen, sowie dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II, Friedrich Tenner, und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, Edmund Beyke, den Charakter alsAmtsgerichtsrat" zu erteilen.

* * Kirchliches. Seine Königliche Hoheit der Groß- i Herzog haben Allergnädigst geruht, am 15. Juli den Pfarr­verwalter Wilhelm Fischer in Trais-Horloff zum Anstalts­geistlichen am Landeszuchthaus Marienschloß, mit Wirkung vom 1. August 1899, zu ernennen.

* * Ernennung. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern ist der seitherige Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Bernbeck zu Friedberg zum Regierungs- assesior ernannt worden.

* Wechselstempelstener. Im Oberpostdirektionsbezirke Darmstadt ertrug die Wechsel st empelsteuer im Juni ds. Js. 15,690 Mk. 90 Pf., zusammen mit den Vormonaten des laufenden Etatsjahres (ab 1. April er.) 46,339 Mk. 60 Pfg. oder 3095 Mk. mehr als im entsprechenden Zeit­räume des Rechnungsjahres 1898.

Kaiserquartett. Ein seltener Kunstgenuß steht uns bevor. Das durch seine Konzertreisen im In- und Ans- lande rühmlichst bekannte Kaiserquartett aus Berlin wird am Freitag Abend in Steins Garten konzertieren. Die Mitglieder des Quartetts sind Königliche Kammer­musiker, Mitglieder des Hof-Oper-Orchesters in Berlin, mithin ist die Gewähr für Musterleistungen geboten. Die BezeichnungKaiser-Cvrnett Quartett" wurde demselben^in früheren Jahren nach seiner Gründung durch den derzeit berühmtesten Cornet ä Piston-Sßirtuofen, Professor der Hochschule Kos leck, bei einer musikalischen Abend- unterhaltung im Palais des Kronprinzen Friedrich von Seiner Majestät dem Kaiser Wilhelm I., in Anerkennung vollendeter künstlerischer Leistungen beigelegt. Das Quartett besteht aus Sopran-, Alt-, Tenor- und Vaß-Cornett. Die Zusammenstellung der Instrumente ist eigenartig ; die Vor­träge bestehen zum größten Teil aus vierstimmig gesetzten, nach Art des gemischten Chores eingerichteten Liedern. Das Zusammenspiel ist ungemein genau, und die verständ­nisvolle Fertigkeit in der Behandlung der Instrumente so meisterhaft, daß der Eindruck dieser vornehmlich im Piano so wunderbar berührenden Klänge ein tiefergreifender ist, der der Wirkung des Gesanges fast gleichkommt, sodaß man kaum zu glauben vermag, daß die Töne Metallinstrumenten entlockt werden. Das Gießener Publikum dürfte diese will­kommene Gelegenheit, seinen Kunstsinn zu betätigen, sicher nicht ungenutzt vorüberlasien.

In Sachen Schillers. DerFrankfurter Zeitung" wurde wie auch uns unterm 15. Juli gemeldet: Dem jetzigen Rektor der Landes-Universität, Professor Dr. Löhlein, ist auf seine im Auftrage des gesamten Senats an das Großherzogliche Staatsministerium ge­richtete Anfrage soeben der Bescheid geworden, daß durch die am 12. Juli erfolgte Pensionierung des Geheimen Oberschulrats Professor Dr. Schiller das Halten von Vorlesungen an der Univ er sität und damit die Ausübung der akademischen Lehrthätigkeit durch ihn nicht ausgeschlossen ist und seitens des Ministeriums nicht beanstandet wird.

* Die zweite internationale Hundeausstellung ist gestern abend geschlossen worden. Der Besuch derselben war ein guter. Daß auch das ausgestellte Hundematerial durchweg ein vorzügliches, beweisen die zahlreichen Auszeichnungen. Wir werden in einer der nächsten Nummern darauf zurück- kommen. Der von den Mitgliedern des Stadtverordneten- Kollegiums gestiftete Ehrenpreis wurde dem schönsten Jagd­hund der Ausstellung, Bella-L, Besitzer Heinr. Baumann- Frankfurt a. M., zuerkannt. Der Ehrenpreis für besten Luxushund erhielt der russische Windhund Champion Tartar, Besitzer H. M ö ckel-Homburg v. d. H. Nach Aussage hervorragender Kynologen war die diesjährige Gießener Ausstellung in Bezug auf Einrichtung und Wert der aus­

gestellten Tiere, mit die schönste der bisherigen Ausstellungen. Eine Anzahl Tiere, die gewiß der höchsten Preise für würdig erachtet worden wären, standen außer Konkurrenz, u. a. auch die Jagdhunde des Ausstellungsleiters, Herrn Ad. Bieler-Gießen.

** Meldungen und Nennungen zur 9. Ruder Regatta in Gießen am 30. Juli 1899. 1. Junior-Einer. 1. Bonner Ruder-Verein. 2. RudergesellschaftRhenauia" Koblenz. 3. Gießener Ruder-Gesellschaft. 2. Großer Vierer (Wanderpreis der Stadt Gießen). 1. Wetzlarer Ruderklub. 2. Gießener Ruder-Gesellschaft. 3. Doppel-Zweier ohne Steuermann. 1. Gießener Ruder-Gesellschaft. 2. RudergesettschaftRhenauia" Koblenz. 4. Junior- Achter. 1. Gießener Ruder-Gesellschaft. 2. Frankfurter Ruder-Verein. 5. Einer, Lahn-Pokal. Gießener Ruder-Gesellschaft. 6. Z w e i t e r V i e r e r. 1. Offenbacher RudergesellschaftUndine". 2. Frankfurter Ruder-Verein. 7. Dvllen-Zweier. 1. Ruder-Verein Ems. 2. Kre­felder Ruder-Klub. 3. Bonner Ruder-Verein. 4. Ruder­gesellschaftRhenauia" Koblenz. 8. Junior-Vierer. 1. Frankfurter Ruderverein. 2. Offenbacher Ruderverein. 3. Wetzlarer Ruderklub. 9. Z w e i t e r E i n e r. 1. Bonner Ruderverein. 2. RudergesellschaftNhenania", Koblenz. 3. Gießener Rudergesellschaft. 10. Akademischer Vierer. 1. Heidelberger Ruderklub. 2. Gießener Rudergesellschaft. 11. Dollen-Vi er er. 1. Bonner Ruderverein. 2. Gießener Rudergesellschaft. 3. RudergesellschaftRhenauia", Koblenz. 12. Großer Achter (Wanderpreis). Ehrenpreis, gestiftet von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein. 1. Gießener Rudergesellschaft. 2. Frankfurter Ruderverein. 13. Ermunterungs- Vierer. 1. Offenbacher Ruderverein. 2. Frankfurter Ruderverein. 3. Ruderverein Ems.

* * Polizeibericht. Am Samstag dem 16. l. Mts. ging ein Pferd einer hiesigen Brauerei mit Gefährt in der Grünbergerstraße durch und riß eine Straßenlaterne um. Der Wagen blieb am Kandelaber hängen, während das Pferd davon lief, um später, ohne weiteren Unfall angerichtet zu haben, aufgefangen zu werden. Wegen fahrlässiger Körperverletzung kam ein hiesiger Radfahrer zur Anzeige, der am Neuenweg zu rasch fuhr und dabei eine Dame umrannte und derartig verletzte, daß sie verschiedene nicht unerhebliche Wunden davon trug. Auch ihre Kleidung litt dabei Schaden. Von den zu der hiesigen Hunde­ausstellung gesandten Hunden, waren einige bereits bei Ankunft in den Transportbehältern verendet. (!) Am Samstag wurde einem Herrn in einer hiesigen Bade- anstatt, während des Badens aus seinen Kleidern das Portemonnaie mit Inhalt entwendet. Zwei bis jetzt noch unermittelte Jungen sind dieses Diebstahls ver­dächtig.

* Eine lange Reise hat eine Ansichtspostkarte hinter sich, die an Fräulein Schmidt in Weimar gerichtet war. Die Karte ist laut Poststempel in Gießen am 1. Januar 1897, 1011 Uhr vormittags, aufgegeben, und enthält einen Neujahrsglückwunsch. Zwei und ein halbes Jahr später, am 5. Juli 1899, ist sie glücklich in die Hände der Adressatin gekommen.

* Erledigte Stellen für Milit'äranw'ärter im Bezirk deS 18. Armeekorps. Frankfurt, Polizei-Präsidium, Polizeibote, 9001500 Mk. Im Bezirk der Kaiserlichen Ober- Postdirektion Darmstadt, zwei Landbriefträger, je 700 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Im Bezirk der Kaiserlichen Ober-Postdircktion Frankfurt, ein Briefträger und Postschaffner und zwei Landbriefträger, 900, bezw. je 700 Mk. und der gesetzliche Wohnungsgeld­zuschuß. Wiesbaden, Polizeidirektion, Schutzmann, 1200 bis 1600 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeld- zuschuß. ____________

R. Aus der östlichen Wetterau, 16. Juli. Die Raps­ernte hat bei uns begonnen; man hat den Raps geschnitten und, entgegen der früheren Uebung, nicht reihenweise auf den Acker gelegt wie das Halmgetreide, sondern sogleich kleine Garbenbündel etwa so stark, wie man sie in zwei Hände fassen kann angefertigt und diese Bündel neben einander gestellt. Auf diese Weise muß der Regen stets rasch aus den Schoten abfließen, und es kann nicht leicht Verderbnis entstehen. Wir haben verschiedene Rapsgarben vorgenommen und fanden, daß die Körner wohlgebildet und ölreich sind. Der Erlös aus Raps ist einer der ersten Er­träge aus der Landwirtschaft und wird stets sehr angenehm empfunden. Der Rapsbau ist immer noch einträglich, wenn er richtig betrieben wird.

4- Eichelsdorf bei Nidda, 16. Juli. Bei der gestern dahier vorgenommenen Beigeordneten-Wahl erhielten die drei aufgestellten nachbenannten Kandidaten folgende Stimmen: Christian Würz 53, Heinrich Alt 42 und Peter Wilh. Würz 33. Da keiner derselben die gesetzliche Majorität bekommen hat, muß in Kürze eine Stichwahl bezüglich der beiden erstgenannten stattfinden, die sehr lebhaft zu werden verspricht, während es gestern verhältnismäßig ruhig herging.

-i- Salzhausen, 16. Juli. Die kürzlich gebrachte Nach­richt aus hiesigem Bade: Das Wasser sei ausgeblieben, hat im Publikum unrichtige Ansichten hervorgerufen und zwar dahin gehend, daß die Leute glaubten, die Badesoole wäre ausgeblieben und mit dem Baden sei es nun vorbei, oder es könne nur noch in sehr beschränktem Umfang aus­geübt werden. Glücklicherweise handelt es sich aber gar nicht um das Badewasser, die s. g. Badesoole, denn von dieser ist reichlich vorhanden, und wenn die drei Quellen, die die Soole liefern nicht reichen sollten, so sind drei weitere vorhanden, die jedem Bedürfnisse genügen. Es handelte sich vielmehr um das Wasser, welches das Pumpwerk zu treiben hat, und dieses Wasser war zu gering, das Pumpwerk ging zu lang­sam und schaffte zu wenig Soole nach dem Badehaufe. Durch Aufstellung einer Lokomobile kann, wenn es not-