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Dienstag den 18. Juli
Nr. 166
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Amtlicher Feil.
Nr. 28 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 12. d. M., enthält:
(Nr. 2593.) Bekanntmachung, betreffend die Führung eines Genossenschaftsregisters und die Anmeldungen zu diesem Register. Vom 1. Juli 1899.
(Nr. 2594.) Bekanntmachung, betreffend die Handelsbeziehungen zum Britischen Reiche. Vom 7. Juli 1899.
(Nr. 2595.) Bekanntmachung, betreffend das Inkrafttreten des Handels- und Schiffahrtsvertrags und des Konsularvertrags zwischen dem Deutschen Reiche und Japan. Vom 4. April 1896. Vom 7. Juli 1899.
Gießen, den 17. Juli 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen.
Nachdem sich mehr wie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, welche mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen, bei der am 15. Mai d. I. stattgehabten Abstimmung für die Feldbereinigung der Gemarkung Daubringen erklärt haben, und nachdem keine Einwendung gegen die Zulässigkeit bezw. Rechtsbeständigkeit des Abstimmungsergebnisses erhoben worden ist, hat die Großh. Obere landwirtschaftliche Behörde den Beginn der Feldbereinigungsarbeiten angeordnet und den Unterzeichneten zum Bereiriigungskommiffär ernannt.
Indem ich dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, lade ich in Gemäßheit des Art. 16 des Gesetzes vom 28. September 1887 die sämtlichen beteiligten Grundbesitzer zu einer am
Samstag, dem 5. August 1899, Vorm. 9l/2 Uhr, im Schulsaale zu Daubringen stattfindenden Versammlung ein.
Diese Versammlung hat:
1. darüber zu beschließen, ob die im Grund-(Flur-) Buch enthaltenen Größenangaben, oder ob die durch eine Vermessung zu ermittelnden Flächengehalte der Bereinigung zu Grunde zu legen find;
2. zu bestimmen, wie die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächengehalt, oder den Abschätzungswert der Grundstücke, oder durch Bildung und Verkauf von Massengrundstücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapitalaufnahme aufgebracht werden sollen;
Z. die zur Vollzugskommission zu berufenden Sachverständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mitglied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen.
Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Beteiligten vorgebracht und beraten werden.
In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende beteiligte Grundeigentümer eine Stimme; die Beschlüsse erfordern zu ihrer Giltigkeit eine Mehrheit von Zweidrittteilen der Anwesenden und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nichterschienenen Beteiligten verbindlich. Kommen giltige Beschlüsse nicht zu stände, so hat
zu 1.: durch Vermessung der Grundstücke die Ermittelung des Flächengehaltes derselben zu erfolgen, zu 2.: die Vollzugskommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen,
zu 3.: die Großh. Obere landwirtschaftliche Behörde die Sachverständigen und Schiedsrichter zu ernennen. Friedberg, den 15. Juli 1899.
Der Großh. Bereinigungskommissär:
______Süffert, Kreisamtmann._____________
Bekanntmachung,
betreffend: Schießübungen.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie Regiment „Kaiser Wilhelm" am 19., 20., 21., 22., 24. n. 25. Juli 1. I jedesmal von morgens 8 bis nachmittags 4 Uhr Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände des Wißmar-Baches, aufaugend vou dem Wege der von Krofdorf kommend, das Wißwar-Bachthal vou Südwesten nach Rordosteu durchschncidet mit allgemeiner Schießrichtuug vou dem Schnittpunkt diefes Weges mit dem Wiß-
mar-Bachthal aufwärts in der ungefähren Richtung auf Kirchvers abhalten wird.
Die Straße Wißmar—Forsthaus—Waldhaus—Schmelz—Salzböden — Odeuhaus en—Rut- tershaufeu—Wißmar sind ungefährdet. Die Wege, welche in das von vorgenannte« Straßen umgrenzte Gelände führen, werden während der Dauer des Schießens durch Posten gesperrt «ud dürfen daher nicht betreten werden.
Besonders wird noch darauf hiugewieseu, daß au den oben genannten Tage» während der Dauer des Schießens sich keine Holzhauer und Holzsammler in den gefährdeten Waldungen aufhalten dürfen.
Gießen, am 14. Juli 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Juli. Mit der Wahrnehmung der Ober- präsidialgeschäste für die Mark Brandenburg ist nach dem Tode des Herrn Dr. v. Achenbach der Oberpräsidialrat v. Bethmann-Hollweg beauftragt worden.
Berlin, 15. Juli. Prinzessin Heinrich von Preußen wollte Samstag früh nach ihrem Gute Hemmelmark fahren. Ende Juli begiebt sie sich auf vier Wochen zum Besuch an den russischen und englischen Hof.
— Schiffsbauten für die kaiserliche Marine. Die vier schweren Lknicnschiffe, welche die deutsche Marine jüngst ausgeschrieben hat, sind jetzt endgiltig bestellt. Die Privatwerften Vulkan-Stettin, Germania-Tegel und Schichau- Elbing haben je ein Schiff erhalten, während die Ausführung des vierten Schiffes der kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven übertragen wurde. Die endliche Erledigung dieser Angelegenheit hat sich wegen des Entscheides über die Kessel- frage bis jetzt verzögert. Die Fahrzeuge erhalten, wie die jüngst bestellten Kreuzer und Linienschiffe, Kessel nach dem sogen, gemischten System, das heißt: */2 bis 3/i der Kessel sind- Rundkessel (Großwasserraumkessel), während % bis V< sogen. Wasserrohrkessel sind. Im vorliegenden Falle hat man dazu das System Thornycroft verwandt. Die Röhrenlieferungen hierzu sind dem Blechwalzwerk Schulz-Knaudt in Essen zugefallen. Bei zwei anderen schon im Bau befindlichen Schiffen ist die Ratinger Kesselfabrik vormals Dürr die Lieferantin der Kessel. Beim Umbau der beiden ältern Panzerschiffe „Bayern" und „Baden" hat man auch diese Kesselform allein benutzt, doch sind die Kessel hier von den betreffenden Privatwerften, welche den Umbau übernommen hatten, ausgeführt. Bei den erwähnten vier neuen Panzern hat man sich dagegen anstatt des zuerst ins Auge gefaßten Dürr-Systems zu dem gemischten System entschlossen und hierbei Thornycroft verwandt.
— Die Sozialdemokratie in den Landtagen der Einzel st aaten. Während die Sozialdemokratie in der bayerischen Abgeordnetenkammer bisher durch 5 Abgeordnete (4 für Nürnberg und 1 für München II) vertreten war, dürfte sie nach den Ergebnissen der jetzigen Wahlen in der neuen Kammer 11 Mitglieder zählen, da nach dem mit dem Centrum getroffenen Uebereinkommen in München I 3, in Speyer-Ludwigshafen 2 und in Pirmasens ein sozialdemokratischer Abgeordneter gewählt werden soll. Die bayerische Abgeordnetenkammer würde dann von allen einzelstaatlichen Landtagen die meisten sozialdemokratischen Abgeordneten aufweisen. In der sächsischen zweiten Kammer hatten es die Sozialdemokraten bereits auf 15 Abgeordnete gebracht; aber seit der Wahlrechtsünderung (Einführung eines Dreiftassenwahlsystems nach preußischem Muster) ist diese Zahl auf 8 gesunken, und sie dürfte noch weiter sinken, da ein Teil der sächsischen Sozialdemokraten wegen der Wahlverschlechterung sich nicht mehr an der Landtagswahl beteiligt. Im übrigen gestaltet sich die sozialdemokratische Vertretung in den Landtagen, wie die „Köln. Volksztg." angiebt, also: Württemberg 1 sozialdemokratischer Abgeordneter, Baden 3, Hessen 4, Weimar 1, Gotha 7, Meiningen 4, Reuß j. L. 3, Altenburg 4, Schwarzburg-Rudol- stadt 1. An den preußischen Landtagswahlen hat sich die Sozialdemokratie im vorigen Jahre zum erstenmale, aber nicht geschlossen und nicht überall, beteiligt. Der Erfolg blieb aus. Den günstigsten Boden findet die Sozialdemokratie in den thüringischen Kleinstaaten, die ja auch fünf Sozialdemokraten in den Reichstag geschickt haben (Weimar, Gotha, Meiningen, die beiden Reuß). In Bayern sind die Reichstagswahlkreise München II, Nürnberg, Erlangen-
Fürth und Speyer ebenfalls durch die sozialdemokratische Partei, vertreten.
— vr. Karl Peters erklärt in einem Schreiben an das Reichspostamt von Tajakafura, daß er sich in einem Irrtum befunden habe, als er annahm, die auf dem Hamburger Bahnhof in Berlin gestohlene Kiste sei der Reichspost übergeben worden. Vielmehr habe sie ein Speditionsgeschäft zur Beförderung bekommen. Peters fährt dann fort: „Wenn ich ferner von Briefen spreche, welche mit allen Zeichen des Erbrochenseins im Winter 1896/97 an mich gelangten, so hat es mir durchaus fern gelegen, die kaiserlich deutsche Post anzuklagen, diese Briefe eröffnet zu haben. Ich habe eben nur festgestellt, daß ich in Kensington, London SW. Briefe erhielt, welche meinen Freunden und mir die Ueberzeugung erweckten, daß sie geöffnet und wieder geschlossen gewesen waren. Von wem und wo dies geschehen sein mochte, habe ich nicht ermitteln können. Jedenfalls habe ich die deutsche Reichspost mit meiner Mitteilung nicht beleidigen wollen.
Köln, 15. Juli. Das Befinden des Weihbischofs Dr. Schmitz ist fortgesetzt befriedigend. Der Patient kann sich bereits geistig beschäftigen; gestern empfing er den Besuch des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Exzellenz Nasse.
Ausland.
Wien, 16. Juli. Anläßlich der von den tschechischen Vereinen in Wien gestern abend abgehaltenen großen Festlichkeiten kam es zwischen deutsch-nationalen Studenten, welche gegen diese Festlichkeiten demonstrierten, und den tschechischen Festteilnehmern zu wiederholten Zusammenstößen, sodaß die Polizei energisch einschreiten und viele Verhaftungen vornehmen mußte.
Lewberg, 16. Juli. Die in Lemberg versammelte Lehrerschaft beschloß, eine Petition einzureichen, in welcher ersucht wird, die seiner Zeit abgeschaffte körperliche Züchtigung in den Schulen wieder einzuführen.
Rom, 15. Juli. Vierzig der bei den Revolten auf Tivoli verhafteten Auf ständigen brachen aus ihren Zellen aus, bewaffneten sich mit Holzstücken aus den zerschlagenen Thüren und schlugen die machtlosen Wächter nieder. Gleichzeitig verbarrikadierten sich die gefangenen Kranken mit Betten, Tischen und Stühlen. Die Carabinieri stellten nur mit großer Mühe die Ordnung wieder her. Sämtliches Inventar des neuen Gefängnisses wurde zerstört. Mehrere Wärter sind schwer verwundet.
Rom, 15. Juli. Der Ernst der inneren Lage ist, nach einer römischen Zuschrift der „Wiener Polit. Nachr.", durch die Suspendierung der Kammern nicht gemildert, im Gegenteil gesteigert worden. Darüber herrscht nirgends mehr Ungewißheit, als höchstens bei der Krone. Immer unverblümter wird in der Presse dem General Pelloux der Vorwurf gemacht, daß er dem König die Gefahr, in welcher die Ruhe des Landes schwebt, verhehle. Die Opposition wird in dem entbrannten Kampfe nicht nachgeben, und wenn das Ministerium gleichfalls nicht vom Platze weichen will, dürften schwere Stürme schon in kurzer Zeit an allen Ecken des Landes ausbrechen. Wirklich ergebene Freunde der Dynastie raten Herrn Pelloux, der ja in Ergebenheit gegen das Königshaus von niemandem im Lande übertroffen wird, an, auf das Jnkraftsetzen der politischen Ordonnanzen vom Juni zu verzichten. Es wäre vom staatsmännischen Standpunkte das Weiseste, was General Pelloux unternehmen könnte, und vom Standpunkte der internationalen Politik wäre es das Wünschenswerteste.
Paris, 16. Juli. Das Gerücht, daß Pellieux, welcher vorgestern bei der Revue nicht an der Spitze der Truppen erschien, disziplinarisch bestraft worden ist, bestätigt sich. — Die Behauptung von der bevorstehenden Ankunft des deutschen Kaisers auf der „Hohenzollern" in Dinard wird aufrecht erhalten.
London, 15. Juli. Der wunde Punkt der englischen Seemacht. Der „New Jork Herald" vom 13. Juli berichtet mit Genugtuung, daß die Vereinigten Staaten acht Schulschiffe für die Heranziehung des Nachwuchses für die Kriegsmarine besäßen und außerdem drei Schulschiffe, in denen der Nachwuchs für die Handelsmarine unter staatlicher Aufsicht erzogen würde. Er hofft, daß bei der durch den letzten Krieg gesteigerten Neigung der Bevölkerung zum Dienst sich nun eine für jede Eventualität ausreichende Zahl von ausgebildeten Reserve-Mannschaften für die Kriegsmarine ergeben werde, sowie daß in wenigen Jahren amerikanische Schiffe nur noch mit amerikanischen


