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18.6.1899 Drittes Blatt
 
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1899

Sonntai, den 18. Zum

Drittes Blatt

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111 Leonidas. Wie Athener Blätter

melden, soll es gelungen sein, das Grab des Königs Leonidas, der mit seinen dreihundert Spartanern dre Tkermopylen gegen die Uebermacht der Perserver etdig^ hat, zu entdecken. Schon während des griechisch-türkischen

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zuzuschreiben. Die beiden Kondukteure, die allem um das . Vorhandensein einer Dame in jenem mit dem Postwagen verbundenen Coupö wußten, und deren emewl Frl-Roth besonders zum Schutze empfohlen war, wurden bei der Katastrophe sofort getötet. Den Beamten, die den Wag I untersuchen wollten, versicherte der Postschaffner m gutem I Glauben, daß kein Passagier sich dann befunden habe. I Trotzdem leuchteten die Angestelltert forschend hinein konnten aber das beklagenswerte Opfer nicht sehen, weil Frl. Roth durch den Stoß vom Sitze heruntergeschleudert, am Boden lag, von Polstern und Trümmerstucken zugedeckt. Sv I unterblieb die Entdeckung, bis der Wagen zum Zweck: der Reparatur hervorgezogen und ganz genau untersucht I Herr Roth versichert uns, daß er den Beamten der Bahn- Verwaltung für die Aufmerksamkeit und das ^utgegew I kommen, die sie ihm nach dem UnglückiNiederWeffe prmiefen den höchsten Dank wisse, und er bittet Die | schweizerischen und deutschen Blätter, die an dem Verhalten

der Bahnoerwaltung Kritik geübt, auch von seiner richtig« | stellenden Auffassung freundlich Notiz 5" nehmen.

* DerDeutsche Verband Kaufmännischer Vereine , Der z. Z. 98 Vereine mit rund 127000 Mitgliedern, darunter rund 100000 Gehilfen, umfaßt, h^lt am 5 ^um zu Eisenach unter Teilnahme der staatlichen und städtischen Behörden und unter sehr zahlreicher Beteiligung der Verbandsvereine,

I seine Jahresversammlung ab. Den wichtigsten Gegenstand | der unter dem Vorsitz des Herrn Carl Ludwig Schäfer, Präsident des Kaufmännischen Vereins "t Frankfurt a. M., stattfindenden Verhandlungen bildete die Novelle zur Gewerbeordnung. Der Verband hielt an dem von ihm

I seit Jahren vertretenen 8 Uhr-Ladenschluß als der besten Form der Verkürzung übermäßiger Arbeitszeiten "Laden- qeschäften einmütig fest. Lediglich für den Fall, daß dieser einheitliche gesetzliche Ladenschluß z. Z. nicht erreichbar sein

I sollte, nahm er eine wesentliche Erleichterung ber freiwilligen I Einführung einheitlicher lokaler Ladenschlußstunden dadurch in Aussicht, daß auf Antrag einer namhaften Auzahvon Geschäftsinhabern eine Abstimmung hierüber herbeigeführt

I wird. Ein zweiter Beschluß betont die unabweisbare Notwendigkeit der endlichen Errichtung selbständiger kaufmännischer Schiedsgerichte^ Diese wünscht der Verband

I seit Jahren an die Amtsgerichte angegliedert. Die Rechts I sprechunq soll unter Mitwirkung eines Prinzipals und eines I Gehilfen erfolgen und das Verfahren möglichst rasch und | billig sein. Ein weiterer Punkt war die geregelte Unter; stütznnq bei Stellenlosigkeit, die auf Grund der namentlich von den württembergischen Verbands-Vereinen gemachten Erfahrungen in der dort bestehenden Form empfohlen wurde, da eine allgemeine und unbeschränkte wirkliche Versicherung gegen Stellenlosigkeit vorerst undurchführbar ist. Die für eine solche Versicherung erforderlichen Grundlagen zu beschaffen bezweckt unter anderem auch die vom Verband vorgeschlagene Abänderung der Berufs- und Arbeitslosenzählung, durch die eine genaue Uebersicht über die Zusammensetzung des Handels­standes ermöglicht wird. Der in den Handlungsgehilfen­kreisen herrschenden Unzufriedenheit mit der staatlichen Jnvaliditäts- und Altersversicherung wurde durch die Wiederholung des Ersuchens um Befreiung ^r Angehörigen des Kaufmannsstandes von dieser Versicherungspflicht Rechnung getragen. Bereits erworbene Rechte sollen hierbei gewahrt bleiben und die freiwillige Fortsetzung der Versicherung gestattet sein. Ueberdies wurde die Errichtung emer be­sonderen Versicherungsanstalt für die kaufmännischen An- | gestellten gewünscht. Der letzte Punkt der Verhandlungen betraf die Sonntagsruhe. Für diese wurde thunlichs Beschränkung der zulässigen ^§1*611 unbjöeil^r^nfung der Sonntagsarbeit auf die Vormittagsstunden beantragt und die Verbandsvereine aufgefordert, auf die Gemeinde­verwaltung in dieser Richtung nachdrücklichst emzuw rken In den Derbandsvorstand wurden die Herren Carl Ludwig Schäfer als Vorsitzender, H. Albert-München, Oswald Backasch^wickau, Oskar Bieber-Hamburg, E. Haak-Danzig, Hugo Pfitzner-Apolda, O. Voigt-Berlin, Jul. Witzigmann- Mannheim als Beisitzer wiedergewahlt. Vor den Verhäng langen desDeutschen Verbandes Kaufmännischer Vereine fand die Hauptversammlung desDeutschen Vortrags. Verbandes" unter dem Vorsitz des Herrn Erstund Lotz, Coburg statt. Beide Verbände werden im nächsten ^ahre

Krieges hatten griechische Soldaten, als sie in den Ther- mopvlen Schanzen bauten, ein Grab bloßgelegt, m dem sich menschliche Knochen, altertümliche Waffen und Schmucksachen vorfanden Der Sache wurde damals keine Aufmerksamkeit geschenkt. ' Erst jetzt hat der Direktor des Museums m Lamia das Grab genau untersucht und glaubt nun, das Grab sei jenes des Leonidas.

* Glaspflaster hat man jetzt probeweise m Lyon an­gewandt. Seit November vorigen Jahres ist die Rue de ?a Röpublique mit Glas gepflastert Das neue Pflaster besteht aus Würfeln von acht Kubikfuß Volumen, die aus ae chmolzenen Glasabfällen unter hohem Druck gepreßt merben und auf der Oberseite mit kleinen Rillen versehen sind. Die einzelnen Blöcke schließen sich so dicht aneinander dasi Wasser nicht dazwischen hindurchdringen kann. Als I besonderer Vorzug des neuen Pflasters gilt der Umstand daß Glas ein schlechter Wärmeleiter ist; außerdem ist es bedeutend sauberer, haltbarer und dabei nicht teurer als

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beigesetzt.

* Ein gelostes Problem. Wer Durst leidet, dem empfehlen wir aus guten Gründen die kohlensäurehaltigen Getränke. Solche stellen Sie sofort, an jedem Orte und m jeder Art beguem und billig mittelst Sodor her. ^Ueber BAg und Preis der Sodor verweisen wir auf den Inseratenteil.) Es sind dies jene kleinen mit flüssiger Kohlensäure S^utlten Stahlkapseln, welche die Sodorfabrik Zurich ^it Jah^s- frist mit ausgezeichnetem Erfolg auf den Weltmarkt brachte. Mit Sodor und einer immer verwendbaren Spezialflasche haben Sie nun die Mittel an der Hand, künstliches Selters­wasser, die verschiedensten Limonaden, hochfeinen Cham­pagner 2C. 2C. herzustellen. Sie füllen z. B. in die Spezial- flasche gewöhnlichen Tischwein geben etwas Zucker bei und las en einen Sodor seine Wirkung thun und ein flotter I Ehampagner ist fertig. Auf ähnliche Weise erhalten Sie aus gewöhnlichem Brunnenwasser künstliches Selterswasser, aus Fruchtsäften Limonaden usw. Die: Vorzüge dmes Ver­fahrens sind so in die Augen springend, daß man begreift, weshalb die Sodor in zahllosen Familien sozusagen unent­behrlich geworden sind.

* Leonardo da Vinci, Erfinder der camera obscura. Euqöne Müntz hielt in der Academie des Inscnptiens I in Paris einen Vortrag, in dem er mitteilte, baß er nach seinen neueren Forschungen ermittelt habe, Leonardo da Vmcr ei der eigentliche Erfinder der Camera obscura. In einer seiner bisher noch nicht bekannt gewordenen Schriften findet sich eine genaue und ausführliche Beschreibung und Er- I klärunq der Camera obscura. Der bisher als ! Sifinbet der Camera obscura angesehene Leon Battista Alberti und der Benediktiner-Mönch Don Paonuzio können bei Aer unvollkommenen Kenntnis Der Konstruktion nur als

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Vermischtes. \

M den Vogesen. Kürzlich ist die erste Bergbahn m hpn-t «niwfpn die Drei-Aehren-Bahn, feierlich eröffnet I roomfa -Die Buhn führt von d-r Bahnstaüvn Tnrch-.rn bet: «Dlinar im Elsaß nach Dre.-A-Hren dem 6->8 M -r übte t> Meere gelegenen Luftkur- und allberuhmten^ z|ll - 1491 gegründeten Wallfahrtsorte, die Perle Der |

lic in Die elektrische Bergbahn ermöglicht es nunmehr, D>i«chren von Colmar aus in einer Stunde zu erreichen. Bi,1811m, nach dem Plane des Geh. Bnurats^Wallach, zu Eo»I«,oon der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft zu Nürnberg erbt..." 1t eingeleisig, mit 1 Meter Spurweite und 8 1 K, laino Oie Wagen haben im Innern 18 Sitzplätze unD I au An Plattformen 16 Stehplätze in solcher Anordnung, tnil bie vielen schönen Ausblicke ungehindert zu gcnie6cn fitii'A leder Motorwagen ist mit zwei starken Elektromotoren I veM,r und zur Erzielung völliger Betriebssicherheit nut I roiiln einander unabhängigen, kräftig "'senden Br^mien aoiÄiiUtet. Bon Jahr zu Jahr erschließen sich die Boge. ei n nebr dem Fremdenverkehr. Seit Jahrzehnten hat IN I aniimibolicher Arbeit der Vogesenklub sie durch Anlegung voiiikememen Fußpfaden und Einrichtung von W°gw-,sern, B Mnnind Tafeln dem Naturfreund immer bequemer gangbar ge «du Nunmehr bringt die Elektrizität den Re'sendcn ohne lebe i,W! Anstrengung zu einem der fchonsten Punkte des Grenz ne Ibirn^c der für rabllose Fußwanderungen die beste Aus- Asi-ll. bi-t-t. ' Zur Eröffnungsfeier der Dre.-Ae ren- bci'":bn b: achte ein Sonderzug die Fejtteünehmer bui-jg und Colmar nach Türkheim, an deren Spitze den sa ''Wichen Statthalter, die drei Unterstaatssekretare, den OMMdesgerichtspräsidenten und den Vezirksprasidenten | ieiÄOb'.-relsaß. Die Volksvertretung war durch den Landes- ar MMpräsidenten und Abgeordnete vertreten. Der Burger- .n Mr entbot dem Fürsten-Statthalter den herzlichsten Will- tahun bin der alten freien Reichsstadt Türkheim. In den fe [»«quemen Wagen der neuen elektrischen Bahn ging die

mach Drei-Äehren hinauf. Bnm Festbankett brachte d.n laiiserliche Statthalter, an die jüngste Vogefenreise des erinnernd, Dem ..Burgherrn im Elsaß" em drei aches SM das jubelnden Widerhall fand, ^besausfchuß- v 3d eint Dr. v. Schlumberger feierte ^begeisterten Worten d iiiHoictschritte, die die Eifenbahn der Menschheit gebracht, u Äonte in«6e(onbete, daß di- schnellen Schienenver m- d « die durch Dampf oder Elektrizität getrieben werden, d ^menschliche Leber verlängern, indem sie uns gestatten, T in Stunden zu vollbringen, für bie wir früher . 7 hM selbst Wochen brauchten. Sein Hoch galt »allen, die I b mM'cnbahn und Elektrizität der Menschheit dienlich sind; v c.jnk unkre besten Aerzte." Bei der Rückkehr nach I 3ii»)rim wurden dem kaiserlichen Statthalter von der SMIlerunq stürmische Huldigungen -ntgeg-ng bracht

» Ein neues Gewebe. Gelegentlich des Ausfluges der a IAie dmer an der Jahresversammlung des o^rschlesischen @ eibtütaaed nach Schloß Neudeck zeigte Graf Henckel I vm Donnersmarck aus N°ud°ck seinen Gästen wie em i-^li-^si'sifckes Blatt meldet, ein Gewebe, das duftig und I !I Baftst anssich , geschmackvolle Muster ausweist V* Ins Nrnholz' hergestellt ist. Es .st tes em nach 3 exiliertem Verfahren hergestellter Stoff aus Cellu- I Il.nb der bestimmt scheint, in die Manufaktur- und Schmtt- i oviüibranche einschneidende Veränderungen zu bringe . i» Henckel wird Ende dieses Monats m semer Holzstoff-

Mr ik Stahlhammer mit der Herstellung dieses neuen §H-s beginnen. Das vorgelegte Muster stellt einen NÄiirstoff dar, der vortrefflich waschbar und mlndestens

haltbar ist, wie Nessel oDer sonstiges dünnes Gewebe

*b von dem der Meter nur 2 Pfennige kostet. Für werden schon jetzt in England zahlreiche derartige

Bffle gefertigt, von denen Anzüge hergestellt werden, die ifccßuf 17 Pfennige stellen. ..

** Eine Ehrenrettung. DieNeue Züricher Ztg.

Die Thatsache, daß die Leiche des bei, dem Kiie'nbahnunglück in Dlissingen getöteten Fraulem Zj l lh der Tochter des schweizerischen Gesandten m Berlin, Mil Jmci Tage nach dem Unglück im Eisenbahnwagen ent-

wurde, hat der inländischen und ausländischen Presse zu charfer Kritik an der Verwaltung der meder-

Sdien Bahnen gegeben. Wie es scheint, mit Unrecht. Ä unser Land hochverdiente Vater der Verunglückten, t'ir'Minister Roth, ersucht uns mttzuteilen, daß ine genaue -Buchung tt)xn die Ueberzeugung verschafft habe, jene !ki furchtbare Unglück so überaus pemüch erschwerend UMache sei einzig einer Verkettung unglücklicher Umstande

jede andere Pflasterart. .

* Nach 32 Jahren. Bor einem Jahre, so berichtet die in Genf erscheinende Suisse, wurde am Fuße des Mont­blanc die Leiche des englischen Kapitäns Arkwright, melcker vor 32 Jahren ver chwunden war, entdeckt. Am Leichnam fehlte ein Fuß und ein Teil des Schädels Em Teil der Kleider befand sich in gutem Zustand und der Körper war sozusagen unversehrt. Kapitän Arkw^ght war ftin°rz°"iu u-rnSchruud mit drei Führern ver,chwunden. D?e L ich u der Führer wurden fchon zwei Tug- noch dem SZ aber trotz aller Nuchs°r,chnng°n war es unmöglich, den Leichnam des Kapitäns zu bergen. Am 25. Mai dieses Jahres unternahm nun der ^hrer Desaillou mit drei Touristen eine Besteigung des Bossonsgletschers.

I Ungefähr 30 Meter oberhalb der Bossonshütte entdeckte er in einer Gletscherspalte einen beschuhten menschlichen Fuß, welcher genau in der Höhe des Schuhwerks vom Schenkel abgetrennt war. In einiger Entfernung davon fand der Führer ein verrostetes Gletscherbeil mit zerbrochenem Sttel und ein großes Messer mit mehreren Klingen, ferner einen großen Schädelknochen und eine nicht sehr beschädigte goldne Uhd Die Räder waren verrostet, die Schale aber war sehr gut erhalten. Desailloud brachte den Fund nach I Chamonix, wo diese Gegenstände als dem vor 32 Jahren am Montblanc verschwundenen englischen Kapitan Arkwnght angehörend erkannt wurden. Man hat berechnet, daß die Entfernung, welche diese Fundstücke von dem Unglucksorte ous rurückaelegt haben, zwölf Kilometer betragt. Zwölf Kil°m°7°r in 32 Jahren, danach läßt sich die Bewegung der Gletscher b-m-sfen. Di- g-sund-nen L°ich°nt-il-^wurden I im Friedhöfe von Chamonix an der gleichen Stelle, wo der vor einem Jahre gefundene Körper Arkwrights hegt,

Metzener Anzeiger

Aeilerfil-/AiHeiger

An.tr- nnd Anzcis-i'lntt für den Nr«ir G.etz-n.