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18/05/1899 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 18. Mai

Erstes Blatt.

180»

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Auzeigeblutt für den Ifcek Gieszen.

Dieser Ausgleich sei eine

notleidenden Anstalten.

Feuilleton

1ue>me »o* «v,eigen |a der nachrnittag- ftr tat

>|ii|ttfben £«t erschnnmden Nummer bi» vor«. 10 Uhr.

Alle Anzeigen.BermittlungSstellen de« An» und Aullaabe» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh.

Nezng-preiL vietteljährltch 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 $fj, mit vringcrloha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. viertelfährlikch

zhBgemde Notwendigkeit. Werde der Zweck nicht erreicht, b i» »Meidenden Anstalten zu sanieren, so müßten seine Fsmndse gegen das ganze Gesetz stimmen.

Nbg. Zehnter (Centr.) empfiehlt seinen Antrag, der -Mi geht, die Gemeinlast und Gemeinmasse nicht auf dMgamze Reich zu erstrecken, sondern diese ganze Ein- rr'Lsiunzg territorial zu gestalten, sodaß also jeder einzelne MwdeSstgat mit mehreren Versicherungsanstalten für sich dM System der Gemeinlast einführt.

beQ tits. Stein. i rt>an] n

Ute

Die Gießener 3i>eHt<*lt6ttcr eab<n dem Anzeiger »lhtätlich viermal beigelegt.

itbottion, Expedition und Druckerei:

Och.kfirihe Nr. 7.

ist gefährlich, sie nach der großenGötterdämmerung" von neuem auf die Bühne zu zitieren, sie dürften am Ende dem Beschwörungswort der jungen Meister nicht gehorchen. Da­für sucht man denn die anspruchslosen Figuren des deutschen Märchen- und Zauberstückes musikalisch neu zu beleben.

. Das Textbuch zumBärenhäuter" hat übrigens schon eine polemische Vorgeschichte, die sich dem Kern nach folgendermaßen darstellt: Der Kölner Librettist Hermann Wette, der schon in seinen westfälischen Dialektdichtungen einen frischen, volkstümlichen Zug offenbart, hat für seinen Freund, den Kirchenmusikdireklor Arnold Mendelssohn in Darmstadt, den altenBärenhäuter"-Stoff in der Form einesTeufelsmärchens" zu Kompositionszwecken bearbeitet, und von dieser Arbeit auch seinem Schwager Humperdinck, dem Lehrer Siegfried Wagners, Mitteilung gemacht, welcher dann gelegentlich im Kreise der Frau Cosima Wagner gleich­falls von diesem Kompositionsplane erzählte, und zugleich sein Bedauern äußerte, daß er den schönen Stoff, den Wette aber eigens für Mendelssohn behandle, nicht kom­ponieren dürfe. Siegfried Wagners Aufmerksamkeit sei nun erst durch diese Mitteilung Humperdincks auf das Thema geleitet worden, das ihm gleichfalls sehr einleuchtete. Die Herren Wette und Mendelssohn haben natürlich nicht ver­fehlt, in der Presse das Recht der Zuerstgekommenen zu betonen und den Hergang zu veröffentlichen.

Um einigermaßen das Prevenire spielen zu können, stellte ihnen im vergangenen Frühjahr der Darmstädter Zweigverein desRichard Wagner-Vereins" sogar einen Abend zur Verfügung, an welchem Herr Wette seine Dichtung, die auch bereits im Druck erschienen ist, deklamierte

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

MS

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Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Bekanntmachung.

Hermann Schulz aus Branitz wurde heute als .Wh üter in Diensten des Herrn Rechtsanwalts Grüne- r vald dahier verpflichtet.

Gießen, den 16. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Ein Amendement Schmidt-Elberfeld will dasselbe bezüglich des zurzeit der Neuregelung angesammelten Vermögens.

Es folgen die Abstimmungen. Der Antrag Zehnter wird abgelehnt; ebenso die Anträge Albrecht und von Richt Hofen. Die drei ersten Absätze des § 20a werden unverändert in der Kommissionsfassung angenommen. Ab­satz 4 wird in der vom Abg. Müller-Fulda beantragten und vom Abg. Schmidt-Elberfeld amendierten Faffung zum Beschluß erhoben.

Nunmehr schreitet das Haus zur Abstimmung über § 8 und die dazu vorliegenden Anträge.

§ 8 wird in der Kommissionsfassung, nur mit einer redaktionellen Aenderung, angenommen; die Anträge Richter und Albrecht werden abgelehnt.

§ 16, dessen Beratung gestern ausgesetzt worden war, handelt von der Wartezeit.

Entsprechend einem Anträge v. Richthofen wird die Wartezeit, wenn mindestens für 100 Beitragswochen auf Grund der Versicherungspflicht Beiträge geleistet worden sind, auf 200 Wochen, andernfalls auf 400 Wochen festgesetzt.

Morgen 1 Uhr: Fortsetzung der Beratung.

Schluß 53/4 Uhr.

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lrtnund 11

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Deutscher Reichstag.

83. Sitzung vom 16. Mai. 1 Uhr.

D>ie Beratung des Jnvalidenversicherungs- gl'ksetz'es wird fortgesetzt beim § 20a, der von derGe- und Sonderlast" handelt. Es wird zunächst über b:k.t brei ersten Absätze diskutiert, welche das Prinzip dieser EKchkidiung in Gemein- und Sonderlast festlegen.

Ein Antrag Richter (frs. Vp.) will diesen Para- garchhen ganz streichen.

Außerdem liegen 3 Abänderungsanträge vor: Allbriecht, Zehnter und v. Richthofen.

Abg. v. Staudy (kons.) erklärt, die Vorlage habe f An Freunden viele Enttäuschungen gebracht. Aber einen Mmzugi bringe dieselbe, einen Vermögensausgleich zugunsten

und Herr Mendelssohn aus dem instrumentalen Teil seiner Oper einige Nummern auf dem Klavier vortrug. Als die Herren sich über große Rücksichtslosigkeit seitens der Familie Wagner öffentlich beklagten, hat Siegfried Wagner zur Antwort gegeben: man möchte doch den leidigen Wette- Streit in einen Wettstreit verwandeln. Etwas anderes kann auch kaum geschehen. Denn, wenn die Sache für Mendelssohn und Wette auch recht fatal ist, zumal sich ihnen die Bühnenwelt nicht so leicht erschließen wird, wie dem Sohne eines weltberühmten Vaters, so kann doch von einem Plagiat" nimmer die Rede sein, weil der Stoff des Bärenhäuter" zu dem großen Freiland gehört, auf dem jeder sich ansiedeln kann.

lieber den Kunstwert der Wagner'schen Schöpfung gehen die Urteile eigentlich wenig auseinander. Die Kritiker, welche verbindlich sein wollen und dem Hause Wagners gerne etwas angenehmes sagen möchten, sprechen von gesunden, innigen Empfindungen, von leicht faßbaren Melodieen. Die andern, welche einen rein ästhetischen Maßstab anlegen, konstatieren: Mangel an Originalität und verjährte Em­pfindungs-Sphäre.

Jedenfalls hat die Frankfurter Oper sich mit dem Bärenhäuter" kurz vor Ausgang der Saison noch ein Zugstück geschaffen. Von Hauptkräften sind in ihm be­schäftigt: die Herren Pichler, Baumann und Pröll und Frl. Scharko.

Hans Krafts undLuise" heißen die Hauptfiguren bei S. Wagner,Ruppert" undAnnchen" im Wette'schen Textbuch.

ZioilÜtG avni olj l

Bekanntmachung.

Nus Anlaß des am 8. Pftugstfeiertage zu Lich "Wtfbibenben Schweiuemarktes weisen wir darauf hin, : Diß «us keinen Orte» und Gemarkungen, in denen Maul- rnd Klauenseuche herrscht, Schweine zum Markt gebracht «ab iaß ebensowenig Schweine durch eine gesperrte Ge- Mrkrmg, wie Hof-Albach, nach dem Markte hin oder zurück- 1 gtlriel*en werden dürfen.

Gießen, am 16. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Ht. 115

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Montag».

Arankfurter Aries.

Originalbericht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

Siegfried Wagner und seinBärenhäuter".

I>ir. M. DerBärenhäuter" hat jetzt auch im Frank- fwjirti Opernhause seine Visitenkarte abgegeben, und der Mj^rige Richard Helferich Siegfried Wagner (geb. ß.Iijairi 1869), der eben ein Kurhaus-Konzert in Wiesbaden rnnitttrjsolg dirigiert hat, ist zwar kein großer, aber immer- hi:Lu recht gefeierter junger Mann, dem man in der gesamten mmKliischen Welt schon um des Vaters willen mit den gAHAen Meinungen entgegengetreten ist.

viie neu begründete, unter Gustav Dahms Leitung ftdfotnbe ZeitschriftDie Woche" brachte jüngst die Bild- »Wbewtscher Kapellmeister in Schattenrissen. In dieser Serie befand fsich auch die Silhouette Siegfried Wagners, die einte me rkwürdige Ähnlichkeit mit der seines Vaters erkennen läM. Als Dirigent hat er viel von Hans Richter ange- Moiwni. Auffallend ist, daß Siegfried den Taktstock in der Lick'trn stührt. Bekanntlich war er ursprünglich Architekt, untohtt sich erst nach dem Tode des Bayreuther Meisters beut komkunst zugewandt. In der Hauptsache verdankt er seiD« musikalische Ausbildung Engelbrecht Humperdinck, mit derma sich auch in der Wahl der Stoffe berührt. Götter rrmrvhMen werden einstweilen in Ruhe gelaffen; denn es |

Deutsches Reich.

M.P.C. In Bezug auf die Jnvaliditätsver- sicherung hat es die Reichs-Regierung außerordentlich schwer, das Zustandekommen eines befriedigenden Resultats zu erreichen. Ein Teil der Bundesregierungen ist nach wie vor gegen bestimmte integrierende Bestandteile des Entwurfs in hohem Grade eingenommen. Als wir s. Z. von der bayerischen Regierung behaupteten, sie sei Gegnerin der Errichtung örtlicher Rentenstellen, versuchte man uns mit Hilfe eines Dementierungssystens ins Unrecht zu setzen, dessen Räderwerk nicht zu kompliziert war, um sich nicht leicht in seinem Jneinandergreifen begreifen zu lassen. Selbst wenn sich bei Beratung der bezüglichen Paragraphen im Plenum des Reichstags bei der zweiten Lesung Herausstellen sollte, daß die bayerische Regierung ihren Widerspruch auf­gegeben oder herabgemindert habe, würben wir noch nicht entfernt ins Unrecht gesetzt sein. Einstweilen aber wollen wir abwarten, welche Haltung von der bayerischen Regierung beim Fortgang der Beratungen im Reichstag dem betreffen­den Teil des Gesetzentwurfs gegenüber wirb eingenommen werden. Eine weitere Schwierigkeit erwächst für das Zu­standekommen des Gesetzes daraus, daß das letztere von der sozialdemokratischen Richtung benutzt wird, um eine Anzahl Machterweiterungsansprüche der Partei durch­zudrücken. Wenn auch im allgemeinen die anderen Parteien

Staatssekretär Graf Posadowsky legt dar, wes­halb man s. Zt. von der Errichtung sowohl einer allgemeinen Reichsanstalt, wie auch einer einzigen Landesanstalt für Preußen abgesehen habe. Es handele sich hier um einen Reichszweck, und er, Redner, würde es sehr bedauern, wenn irgend ein Staat, eine Provinz ober Kommune glaube, es handele sich hier um staatliches oder provinzielles ober kommunales Vermögen. Das Vermögen gehöre den ver­sicherten Arbeitern des ganzen Reiches. Auch die Regie­rungen von Bayern, Württemberg, Baden ständen genau auf demselben Standpunkt. Er bitte, den Antrag Zehnter abzulehnen.

Abg. Richter (frs. Vp.) geht ausführlich auf die In- Validitätsversicherung von 1889 ein, und bekämpft sodann die hier geplante Vermögens-Zentralisierung namentlich aus der Erwägung heraus, daß sich noch mehr als etwa schon bisher Mißbräuche einschleichen würden. Die Wirtschaft werde eine weniger sparsame, die Kontrolle bei den einzelnen Anstalten eine weniger sorgfältige sein, wenn man wisse, daß zu großem Teile die Gesamtheit der Anstalten für die Rente aufkommen müffe. Er bitte, den Paragraphen zu streichen.

Abg. Molkenbuhr (Soz.) befürwortet den Antrag Albrecht, demzufolge die Gemeinlast lediglich gebildet werden soll durch die Grundbeträge der Altersrenten, wo­gegen die Steigerungen der Altersrenten über die Grund­beträge hinaus sowie die gesamten Invalidenrenten als Sonderlast den einzelnen Anstalten verbleiben sollen.

Abg. Lehr (natl.) erklärt, seine Freunde erblickten in den Kommissionsbeschlüsseu einen gangbaren Weg. Sämt­liche 3 Anträge bitte er abzulehnen.

Abg. Schmidt -Elberfeld (frs. Vp.) plaidiert für die Kommissionsbeschlüsse, die einen durchaus zweckmäßigen Weg bildeten, bei dem auch die Selbstverwaltung der An­stalten keineswegs beeinträchtigt werde.

Abg. v. Richthofen (kons.) empfiehlt seinen Antrag, die Gemeinlast noch etwas über den Kommissionsbeschluß hinaus zu erhöhen und zu dem Behuf nicht 40 Prozent, sondern 45 Proz. der Beiträge dem Gemeinvermögen zuzu­führen.

Die Debatte wird geschloffen.

Absatz 4 des § 20a betrifft die Neuregelung der dem Gemeinvermögen zu überweisenden Beitragsquote, falls eine solche anderweite Regelung nach Ablauf der ersten zehn­jährigen Periode erforderlich erscheint. Der Bundesrat soll über die Quote beschließen; wird diese erhöht, so bedarf es der Zustimmung des Reichstages.

Ein Antrag Müller-Fulda will, daß von der Neu­regelung das bisher angesammelte Vermögen der Anstalten unberührt bleiben muß.

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