Ausgabe 
18.1.1899 Zweites Blatt
 
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Berlin, 15. Januar. Mit dem Verkauf der Karo­linen scheint es der spanischen Regierung Ernst zu sein. Die MadriderReforma" meldet, die Regierung werde bei den Kortes die Ermächtigung zum Verkauf der Marianen-, Karolinen- und Palau-Inseln nachsuchen, denn man würde dort sonst 4000 Mann Truppen und mehrere Kriegsschiffe unterhalten müssen. Wie es mit den etwaigen Aussichten Deutschlands auf Erwerb dieser Inseln steht, ist natürlich jetzt noch nicht Gegenstand öffentlicher Erörterung. Doch scheint man sich in England bereits mit diesem Gedanken vertraut zu machen, und zwar in dem Sinne einer freund­lichen Vermittlung zwischen Deutschland und dem ungeber­digen und unmanierlichen Bruder Jonathan. DieTimes" spricht in einem Artikel ihr Bedauern darüber aus, daß die unverantwortliche Leidenschaftlichkeit einiger Politiker in Washington sie zu einer unnötig beleidigenden Sprache gegen­über einer Macht wie Deutschland führen konnte, die natür­liche Beziehungen sowohl zu den Vereinigten Staaten wie zu Großbritannien habe. DieTimes" ist überzeugt, daß Deutschland nicht daran denke, sich der Besetzung und Be­siedelung der Philippinen durch die Vereinigten Staaten zu widersetzen. Hinsichtlich der Meldung, Deutschland beab­sichtige die- Karolinen zu erwerben, sagt dieTimes", Eng­land habe keinen Grund, sich dem Uebergange dieses Besitzes von Spanien an eine andere europäische Macht ^zn wider- setzem welche besser im Stande sei, den Schwierigkeiten, die sich oer Aufrechterhaltung einer ordnungsgemäßen Verwal­tung entgegensetzen, zu begegnen. Die Karolinen hätten für Großbritannien keinen Wert, und es würde deshalb thöricht und unwürdig sein, dem Verlangen eines anderen Volkes, aus den Karolinen Nutzen zu ziehen, sich zu widersetzen.

Berlin, 15. Januar. Die Aerzte beginnen dahin zu wirken, daß auch die Negierungen der einzelnen Bundes­staaten ihren Einfluß für eine Aenderung des Kranken­versicherungsgesetzes geltend machen. Bei der Plenar­versammlung des königl. sächsischen Medizinalkollegiums ist ein Antrag eingereicht worden, die Plenarversammlung wolle erklären:Eine baldige Revision des Krankenversicherungs­gesetzes ist erforderlich in der Richtung, daß Bestimmungen in das Gesetz ausgenommen werden zum Schutz der Aerzte gegen Maßnahmen der Krankenkassen, die geeignet sind, die Existenzbedingungen für den ärztlichen Stand zu gefährden. Die Plenarversammlung bittet die königl. Staatsregierung, im Bundesrat eine Revision des Krankenversicherungs­gesetzes im vorstehenden Sinn anzuregen und die hierauf gerichteten Bestrebungen der Aerzte unterstützen zu wollen." ImAerztl. Vereinsblatt", dem Organ des Deutschen Aerztevereinsbundes, werden dieärztlichenStandesvertretungen der anderen Staaten aufgefordert, auch bei ihren Regierungen im gleichen Sinn vorstellig zu werden. In Preußen ist die Bewegung schon im Gang.

Berlin, 16. Januar. Gestern Nachmittag erschoß der Lackierer Anton Wolsztynsky in seiner in der Lothringer­straße belegenen Wohnung eine Frau Charlotte Teichler, mit welcher er ein Liebesverhältnis unterhielt, und sodann sich selbst mit einem Revolver.

In Potsdam ist der Generalmajor a. D. Freiherr Willibald v. d. Goltz im 70. Lebensjahr gestorben. Er war ein eifriger Förderer der Bestrebungen der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Deutschen Schulvereins, des Deutschen Sprachvereins, des Alldeutschen Verbandes und des Vereins zum Schutz der Ostmarken.

Die französischen Annäherungsversuche an Deutschland sind psychologisch um so interessanter, weil sie das lebhafteste Echo gerade in der chauvinistischen Presse finden, die doch eben erst in der Dreyfus-Kampagne den Deutschenhaß geradezu wild ausbeutete. Den politischen Wert dieser Kundgebungen hat derTemps" in seiner feinen Klugheit sofort abgeurteilt; er führte jener Presse zu Gemüte, daß die Zeit vorbei ist, wo Frankreich seine Freundschaft hinwirft, wie eine schöne Frau ihr Taschentuch; die fremden Völker würden sich nicht zu sehr beeilen, den Fund aufzu­heben. Herr Paul de Cassagnac, der zuerst die Allianz­idee offen und ohne Rückhalt predigte, machte übrigens, wie eine Pariser Korrespondenz derFrkf. Ztg." hervor­hebt, schon in seinem ersten Artikel das Zugeständnis, daß sein Beweggrund alles Andere eher sei, als deutsche Sym­pathie; er stellte die einfache, deutliche Formel auf: Ein Haß verdrängt den anderen; das heißt, da wir gegenwärtig die Engländer am meisten zu hassen haben, wollen wir über unseren Haß gegen die Deutschen für einen Monat zur Tagesordnung übergehen, wie man sich im Palais Bourbon auszudrücke« pflegt. Im Haß gegen England ist Cassagnac gewiß in Uebereinstimmung mit der großen Gemeinde der Chauvinisten. Aber Cassagnac ist zugleich ein Parteigänger des Bonapartismus, und es mag darum nicht ausgeschlossen sein, daß für diese kleinere Gemeinde dem deutschen Allianz­gedanken eine gewisse innere Sympathie zu Grunde liegt; nicht eine Sympathie mit dem deutschen Volke, sondern mit einer einzelnen Persönlichkeit. Eine repräsentative Er­scheinung, wie diejenige Kaiser Wilhelms II., imponiert dem Franzosen an und für sich, und da er sein Urteil gegen­über solchen Erscheinungen weniger auf eine tiefer dringende Charakteranalyse als auf äußere Offenbarungen gründet, so verfolgte er die Entwicklung des jugendlichen Monarchen mit steigendem Interesse. Er entdeckte in ihm bald eine verwandte Eigenschaft: das impulsive Naturell, den Drang, nach der Stimmung des Augenblicks zu handeln und zu reden. Zuerst mag diese Erscheinung eine gewisse Furcht gezeitigt haben, dann aber wandte sie sich in ihrer liebens­würdigsten Form an Frankreich selbst, und es läßt sich heute nicht abstreiten, daß die Persönlichkeit Wilhelms II. hier eine gewisse Popularität besitzt und vor allem beweist die überreiche Karikaturenliteratur, daß diese Popularität nicht allein aus Haß entsprang. Diese geheime Sympathie offenbart sich am köstlichsten in der Geburt frommer Wünsche, die eben in der Karikatur ihren sprechendsten Ausdruck finden. Dem deutschen Kaiser dichtet man so die unbändige Sehn­

sucht an, einmal in das schöne Land Frankreich zu wall­fahrten, insdesondere zur bevorstehenden Weltausstellung. Charles Leandre hat diese Idee vor Monaten schon zum Clou* der Ausstellung verarbeitet. Und wenn cs den bösen Engländern gelingen sollte, das große Weltfest zu stören, so werden die Franzosen, nicht zuletzt vielleicht, auch den deutschen Kaiser bedauern. Der andere fromme Wunsch, den manche Franzosen sich selbst andichten, ist die Hoffnung, daß Kaiser Wilhelm einst, in einer guten Laune des Augen­blicks, ihnen Elsaß-Lothringen schenke. Während der Palästinareise des Kaisers brachte die chauvinistischePatrie" eine besonders drastische Darstellung dieses Gedankens: Vor dem betenden Kaiser öffnet sich das Grab Christi und der Wiederauferstandene erhebt die mahnende Hand, rufend: Gieb Elsaß-Lothringen zurück! Der Betende fährt entsetzt zurück, seine Haare sträuben die Pickelhaube empor. Die monarchistische Presse hat einen besonderen, naheliegenden Zweck im Auge, wenn sie mit der Person des fremden Fürsten liebäugelt. Aber in ihr, wie in der politischen Karikatur ist die Sympathie immer nur persönlich, und der Haß gegen den Deutschen wird dadurch nicht beeinträchtigt; er flammt um so wilder auch gegen die Person des Kaisers auf, wo die politischen Interessen des Landes in Frage kommen.

In Krefeld haben nunmehr sämtliche Sa mm etw e ber die Arbeit niedergelegt; die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf nahezu 2000.

Ausland.

Prag, 16. Januar. Nach Meldungen eines tschechischen Blattes stehen neue Aktionen in Sachen Bosniens und der Herzegowina bevor. Da England, Deutschland und Rußland vollauf in Asien beschäftigt seien, so glaube das Auswärtige Amt, die Situation sei günstig, um in der Richtung nach Saloniki freie Hand zu bekommen.

Budapest, 16. Januar. Der Kassierer der Kisgterrener Kohlenwerke, welcher sich mit zwei Begleitern auf der Fahrt nach dem Kohlenwerke befand, wurde von Räubern überfallen und ihm 10 000 Gulden, welche zur Lohnzahlung bestimmt waren, geraubt.

Rom, 16. Januar. Die Regierung beschloß, sich bei den Feierlichkeiten anläßlich der lieber führ ung der Gebeine Kolumbus in der Kathedrale zu Sevilla offiziell vertreten zu lassen.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 17. Januar 1899.

** Postschein als Quittung. Vielfach findet man auf Postanweisungen den Vermerk des Absenders:Post­schein dient als Quittung". Hiergegen richtet sich, wie der Internat, techn. Cour." ausführt, eine Entscheidung des Reichsgerichts, wonach der Postschein über eine durch Post­anweisung gemachte Zahlung noch nicht als Quittung, bett, die Tilgung einer Schuld, anzusehen ist. Der Post­schein gelte in diesem Fall vielmehr nur als Beweis, daß ein gewisser Betrag an eine bestimmte Person eingezahlt worden ist. Da aber der Postanweisungsbetrag nicht immer an den Adressaten selbst, sondern auch an die Ehefrau usw. ausgeliefert werde, so habe iyi Streitfälle der Absender den Beweis zu führen, daß der eingezahlte Betrag richtig in die Hände dessen gelangt sei, der zur Forderung be­rechtigt war, was nicht in allen Fällen leicht auszuführen sein dürfte. Unter solchen Umstünden sei es dringend geboten, sich nicht mit dem oben erwähnten Vermerk auf dem Abschnitt zu begnügen, sondern vom Adressaten eine Empfangsbescheinigung über den Postanweisungsbetrag ein­zufordern, und zwar möglichst umgehend, damit etwaigen Unregelmäßigkeiten bei der Bestellung der Postanweisung rechtzeitig begegnet werden kann.

** Das Reichs Postamt ist mehrfachen, aus den Kreisen des Handels und der Industrie kundgegebenen Wünschen auf Einführung von Briefmarken in höheren Wert- betrage«, als bisher ausgegeben sind, näher getreten. Da­bei ist eine vollständige Umgestaltung des Freimarkenwesens in Erwägung gezogen worden. Die Schaffung höherer Post­markenwerte, als sie jetzt dem Publikum zugänglich sind, be­dingt aber eine Art der Herstellung, die einen wirksamen Schutz gegen Nachahmungen und Fälschungen bieten muß und deshalb noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Bis dahin ist die Postverwaltung außerstande, die gegenwärtig im inneren Postbetrieb gebräuchlichen Marken im Betrage von 2 Mark gleich den übrigen Postwertzeichen durch die Postanstalten an das Publikum abgeben zu lassen. Wie weiter mitgeteilt wird, steht noch eine Aenderung des Post- gesetzes hervor, wonach im Verkehr zwischen engbenachbarten Orten, die aber verschiedene Postämter haben, das für den örtlichen Verkehr festgesetzte Briefporto von 5 Pfennig zur Anwendung kommen soll. Die Gesetzesvorlage wird sicherlich allgemein beifällig begrüßt und vom Reichstage angenommen werden. Ihre Verwirklichung wird voraussichtlich eine er­hebliche Vermehrung des Postverkehrs innerhalb der zu gemeinschaftlichen Postgebieten zu vereinigenden Ortschaften zur Folge haben und der Postverwaltung dadurch einen Ersatz für den Ausfall au den Einnahmen aus dem höheren Gebührensätze bieten.

* Verkehrswesen. Von denPost- und Telegraphen- Nachrichten für das Publikum" ist eine neue Ausgabe erschienen. Die bei dem Publikum längst bekannte und be­liebte Zusammenstellung enthält in bequemster Uebersicht alle wesentlichen Tarif- und Versendungs-Bestimmungen für den Post- und Telegraphenverkehr. Da am 1. Januar zahlreiche und wesentliche Aenderungen in den Bestimmungen über Postsendungen eingetreten sind es sei hier nur an die Erhöhung des Meistbetragcs bei Postanweisungen und bei Nachnahmen, an die Erweiterung der Gewichtsgrenze bei Warenproben u. a. m. erinnert so wird das Erscheinen

dieser neuen Ausgabe sehr willkommen sein. DiePost- und Telegraphen-Nachrichten" sind bei allen Reichs-Post- und Telegraphen-Anstalten, sowie durch Vermittlung der Briefträger und Landbriefträger zum Preise von 15 Pf. zu haben. Wie bereits gemeldet, sind Moskau und Peters­burg jetzt auch telephonisch verbunden. Um die Einrichtung recht beliebt zu machen, hat die Postverwaltung bis auf weiteres gestattet, die Telephonverbindung zwischen den beiden Städten unentgeltlich zu benutzen. Der Erfolg ist großartig. Die Leitungen werden unausgesetzt von 9 Uhr morgens bis 8 Uhr abends benutzff Später wird für ein Gespräch auf die Dauer von nicht mehr als drei Minuten 1 Rubel 60 Kopeken erhoben werden.

+ Burgbracht, 15. Januar. Gestern abend brach in der Hofraite des Konrad Weber Feuer aus, das mehrere Gebäude einäscherte. Da zu Weihnachten v. I. in der Hofraite des I. A. an zwei Stellen Feuer angelegt worden war, das aber noch rechtzeitig entdeckt und gelöscht wurde, und zu Weihnachten 1897 die Hofraite G. niederbrannte, so kann man nicht anders annehmen, als daß hier ein ruchloser Brandstifter sein Unwesen treibt. Die Einwohner befinden sich deshalb in großer Aufregung und wird sich dieselbe nicht eher legen, bis die eingeleitete Untersuchung von Erfolg sein wird.

4- Büdingen, 16. Januar. Herr Bczirksfeldwebel und Gerichtsvollzieher-Aspirant Rollen Hagen dahier erhielt heute den Auftrag, die Dienstverrichtungen eines Gerichts­vollziehers bei dem Amtsgericht Hungen (an Stelle des vermißten Gerichtsvollziehers Schaubach) bis auf weiteres wahrzunehmen.

Vermischtes.

* Karlsruhe, 16. Januar. Die Leichen eines Liebes­paares, des Optikers Gaysert und der Pauline Deuschle aus Eßlingen wurden in der Alb' gefunden. Die Ursache des Selbstmordes ist Liebeskummer. Beide wollen, wie aus einem hinterlassenen Schreiben hervorgeht, in Eßlingen be­erdigt sein.

* Mannheim, 16. Januar. Wegen Zweikampfes standen heute zwei Heidelberger Studenten vor der hiesigen Strafkammer, der 21 Jahre alte Louis Schlüter von Görlitz und der 24 Jahre alte Ernst Amels von Krefeld, beide Kandidaten der Medizin. Mitangeklagt waren wegen Beihilfe zum Zweikamps der Restaurateur Josef Erlenwein von Duttenberg, wohnhaft in Heidelberg, und wegen Kar­telltragens der Student der Medizin Adolf Trenklein, 23 Jahre alt, von Würzburg. Den Anlaß zu dem Duell bildete ein Wirtshausstreit, in dessen Verlauf Amels den Schlüter beschimpfte, worauf dieser den ersteren ohrfeigte. Am anderen Tage ließ Amels dem Schlüter durch den mit­angeklagten Trenklein eine Forderung auf Säbel unter schwere« Bedingunge« zugehe«. Das Duell wurde, nachdem ein Versöhnungsversuch erfolglos verlaufen war, im Keller des Erlenweinschen RestaurantsZur Philosophenhöhe" am 28. Juli v. I. ausgefochten. Der Keller war durch zwei Petroleumlampen erleuchtet. Im vierten Gang erhielt Schlüter einen Hieb über die linke Gesichtsseite, wobei auch das linke Auge verletzt wurde. Die Sehkraft dieses Auges wurde zwar infolge Eintritts des Wundstaares auf ein Minimum eingeschränkt, dürfte jedoch zum größten Teil wieder gewonnen werden. Das Gericht verurteilte Schlüter zu 4 Monaten, Amels zu 6 Monaten, Trenklein zu 10 Tagen und Erlen- wei« zu 24 Tagen Festung.

* Eine sehr schwierige Landung hatte dieser Tage der LuftballonDohle", von der Berliner Luftschifferabteilung. Der Ballon, in dessen Gondel sich ein Hauptmann, ein Ober-Leutnant und ein Leutnant befanden, war gegen 11 Uhr mittags vom Tempelhofer Felde aus aufgestiegen und «ahm südöstlichen Kurs. Um 3 Uhr nachmittags wollten die Luftschiffer zur Landung schreiten, nachdem sie eine Höhe von 4500 Fuß erreicht hatten. Bei dem Niedergehen geriet der Ballon indessen in eine zu niedrige Luftströmung, weß- halb sich das 300 Meter lange Schlepptau in den Zweigen einer Buche verwickelte. Der Ballon setzte sich schließlich auf einer 10 Meter hohen Fichtenschonung fest. Durch Waldarbeiter erfuhren die Offiziere, daß sie sich in der Forst zwischen Nuhbauk und Schweidnitz (Schlesien) befanden. Der von der gefährlichen Lage der Luftschiffer benachrichtigte königliche Förster Kühnel ließ sofort die Waldstelle im Um­kreise von 10 Meter abholzen, worauf der Ballon ohne Schaden zur Erde gelassen werden konnte. Nach Verpackung des Ballons kehrten die Offiziere mittels Eisenbahn von der Station Ruhbank aus nach Berlin zurück.

* Ein neues Unternehmen in Kamerun. DieHamburg. Börsenhalle" meldet: Unter dem NamenMolisepflanzungs- Gesellschaft" wird sich ein neues Unternehmen für das Kamerun-Gebiet mit dem Sitz in Hamburg konstituieren. Die Form der Gesellschaft wird eine Kolonialgesellschaft sein nach dem Gesetz vorn 15. März 1888. Das Kapital, welches ganz gezeichnet ist, beträgt 1 Million Mark. An der Spitze der Gesellschaft werden die Herren Sholdo Douglas, Adolf Wörmann, Dr. Wohltmann, Dr. Warburg (Berlin), Graf v. Tiele-Winkler, Generalkonsul Dollmann sowie eine Anzahl anderer Herren stehen. Die Leitung der Gesellschaft wird Johannes Thormählen (Hamburg) über­nehmen. Der Zweck der Gesellschaft wird die Anlegung von Kakaopflanzungen und, wenn möglich, Kaffeepflanzungen in dem Kamerungebiet sein, wozu bereits 1618000 Hektar Land in der Nähe des Ortes Viktoria und am Sannaga- Fluß erworben sind.

* Für Südwestafrika angeworben sind wiederum zwölf Mädchen, die am Dienstag von Hamburg nach der neuen Heimat abdampfte«. Außer freier Hin- und Rückfahrt ist ihnen zunächst ein Monatsloh« von 20 Mk. zugesichert, der nach sechs Monaten auf 25 Mk. und nach einem Jahr auf 30 Mk. steigt. Bedingung ist jedoch eine Verpflichtung auf