Ausgabe 
18.1.1899 Zweites Blatt
 
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zwei Jahre. Aus Südwestafrika zurückgekehrt ist dagegen der Lehrer Lederbogen aus Staßfurt, um in der Heimat Heilung von einer schweren Lungen- und Nierenkrankheit zu suchen. Lederbogen nahm drüben am 1. März 1896 auf die Dauer von drei Jahren im Reichsdienst eine Lehter- stelle, er mußte aber jetzt, vor Ablauf des Kontraktes, seine Stellung verlassen.

* Das nunmehr in Bau und Anlage fertiggestelte neue Hippodrom in Frankfurt a. M., wie man sagt der größte und schönste Tattersall des Kontinents, soll im März durch ein großangelegtes Reit er fest seine feierliche Weihe er­halten. Außer den Sport- und Offizierskrersen der Stadt Frankfurt selbst haben die Kavallerie- und Feldartillerie- Regimenter der benachbarten Garnisonen ihre Mitwirkung zugesagt, und es gestaltet sich infolgedessen dieses durch die Uneigennützigkeit Frankfurter Finanzkreise reichlich unter­stützte Fest zu einem reiterlichen Schaustück, wie es um­fassender, abwechselnder, kostümprächtiger und Laien wie Kenner, anziehender wohl noch selten in eine glänzende Er­scheinung getreten ist. Das Fest spielt sich in zwei Ab­teilungen ab. In der ersten Abteilung ziehen in historischer Reihenfolge Reiter- und Kostümbilder der verschiedensten Völker und Zeiten an unserem Auge vorbei, dargestellt durch Szenen, Aufzüge und Quadrillen, dem Gepräge und der Eigenart der betreffenden Zeit entsprechend. Ein Hunnenritt beginnt. Ihm folgt die Darstellung der Be­gegnung Rich. Löwenhcrz' mit Sultan Saladin. Das dritte Bild versetz! uns in die Wallensteiner Zeit, um einer Lager­szene der Truppen des Großen Kurfürsten bei Warschau Platz zu machen. In den drei nächsten Bildern reiten die Ofsizierkorps der Darmstädter Garnison: Siegesfest Prinz Eugens nach Einnahme Belgrads (Großh. Hess. Kavallerie- Brigade), Friedericianische Kavallerie-Quadrille mit Damen, Fahr-Quadrille Napoleonischer Garde-Artillerie 4 Geschütze, Bespannung, reitende Bedienung und Chargen, alles von Offizieren besetzt beide letztere ge­ritten vom Großh. Artillerie-Korps. In der nun folgenden Pause soll in den Nebenräumen des großen Gebäudes ein Bazar stattfinden, wo die elegante Damenwelt Frankfurts Erfrischungen und Photographien der Quadrillen zum Kaufe bieten wird. In der zweiten Abteilung des Festes werden die 4 Jahreszeiten versinnbildlicht. Eine Frühlings-Qua­drille im Blütenschmuck lebender Blumen beginnt. Der Sommer versetzt uns in eine ungarische Pusta mit Czigos- Reiten. Der Herbst bringt uns das lebhafte Bild einer Parforce-Jagd mit Hunde-Meute und roten Rock-Reitern. Eine Schlitten-Fahr-Quadrille endlich, den Winter, dar­stellend, beschließt das glanzvolle Fest. Es sollen drei Auf­führungen stattsinden, deren Ertrag einer wohlthätigen Stiftung zufließt.

* 500 Pfd. Sterl. für einen Foxterrier. Hohe Preise für wertvolle Hunde sind in England etwas Gewöhnliches, allein 500 Pfd. Sterl. für einen Foxterrier war bis in die letzten Tage doch noch nicht bezahlt worden. Es ist der stichelhaarige HundGo Bang", der, nachdem er auf einer Menge von Hunde-Ausstelluugen und neuerdings auch wieder in Liverpool die ersten Preise davongetragen hat, am Schluffe der Ausstellung für die genannte Summe in den Besitz eines amerikanischen Liebhabers übergehen und mit seinem neuen Herrn nach den Vereinigten Staaten auswandern wird. Bisher war als höchster Preis 470 Pfd. Sterl. für den glatthaarigen FoxterrierBice Regal" gezahlt worden. Die ungeheuren Sütnmen, die man hier zuweilen in Ausstellungs­katalogen als Verkaufspreise für preisgekrönte Hunde ver­merkt sieht, sind gewöhnlich reine Phantasie-Notierungen, die nur bedeuten, daß der Hund in Wirklichkeit nicht ver­käuflich ist.

* Elsässer Französisch. Mll. CLcille (zu ihrer Mutter, die im Begriff ist auszugehen): Tu va en ville, mam an, oui? gell de bringsch mer schwarzes ruban mit für ze-n-ere aeinture; nimmsch aber von dere große gros-grain Seid', iautre nest pas assez forte. Aber net vergesse, jen ai besoin. Mme. Z. (zu ihren Kindern: Mon Dien, ces enfants! 'S Ucheni (Eugenie) oublie am Sonntag sin parasol im train, daß mer bis zum chef de gare müsse geh'n, für zu reklamiere. Jetzt kommt der Camille und het ftiic parapluie im Gymnase gelasse! (sich zu dem Jungen wendend): est-ce que tu Fas oublie oder isch er von de andere gar^ons weggenomme worde? (Jugend.)

* Eine Erinnerung aus dem Leben eines Grenzers. Folgende Begebenheit, die sich an der WefermÜndung vor vielen Jahren thatlächlich zugetragen haben soll, glaubt die ,/Tägk. Rundschau' um so mehr der Vergessenheit entreißen m dürfen, als die dabei beteiligten Beamten längst aus dem Zolldienste ausgeschieden oder gestorben sind. Es war eine wunderbar schöne Sommernacht, die Wesermündung lag spiegel- glatt im hellsten Mondenschein, eine erquickende Kühle war an die Stelle des erdrückenden Sonnenbrandes getreten. Im Vollgenusse dieses herrlichen Abends traten zwei am Deiche beschäftigte Gren,auff,h-r pflichtg-ireu ihren Nachtdienst an. Lustig dampften fie au« itmn frisch gestopften Pfeifen und nachdem sie sich zunächst darüber geeinigt halfen, daß in dieser Rächtdie Lufc rein sei, d. h. daß der gestrenge Herr Lberkontroleur nach ihrer sonst ziemlich untrüglichen Meinung nickt zu erwarten sei. begannen sie scelenoergnügt ihren Gang nach der Wesermündung. Sie mochten so etra rin Stündchen im Ielfen Zwiegespräche dahingeschritten sein, ohne daß es kyren -Lpähcraugen gelungen wäre, auch nur eine Schmuggler- sn> JrU e."idtcken. War nun die herrliche vor ihnen liegende Mondlandschaft so verlockend, oder war es die nachträgliche Wirkung von des Tages Last und Hitze, genug, sie wider« »anden d r Versuchung nicht, setzen sich am Deiche nieder Sf l?uge dauerte es, so waren beide friedlich ein3e« Jima mcrt in bcm Bewußtsein, sowohl vor Schmugglern, als uV?x ^gesetzten sicher zu fein. Merkwürdigerweise traf

Nacht jedoch die Vermutung der beiden Grenzer wnh k gestrengen Herrn Vorgesitzten nicht zu. Entzückt ymgerissen von der schönen Sommernacht hatte auch er

der Verlockung nicht widerstehen können, noch spät abends einen kleinen Gang am Deiche entlang zu unternehmen und gar bald hatte er die Stelle erreicht, an der seine Unter­gebenen friedlich bei einander im Grase schlummerten. Hatte er soeben noch die Schönheit der in geradezu feenhaftem Reize vor seinen Blick n ausgebreitclen Landschaft in vollen Zügen genossen, so war jetzt auf einmal die ganze bestrickende Poesie für ihn dahin: er sieht nur noch das schwere Dienst« vergehen der beiden Schläfer. Schon will der aus allen Himmeln gestürzte Vorgesetzte sie sofort wecken und die volle Schale seine« gerechten Zorns über sie ausschütten; doch nein, ihm erscheint es rötlicher, zunächst einmal mit der Uhr in der Hand festzustellen, wie lange die beiden Sünder sich der süßen Ruhe wohl hingeben werden! Ganz vorsichtig setzt er sich dah?r unmittelbar neben seine Opfer und verfolgt nun sorgfältig die nur langsam vorwärts gehenden Zeiger der Uhr. So verfloß etwa ein weiteres Stündchen, als plötzlich einer der beiden Aufseher erwacht und zu seinem nicht geringen Schrecken den dritte-! im Bunde, der mit der Uhr in der Hand ebenfalls sanft und fest eingeschlafin war, neben sich liegen sieht. Schnell weckt er nun leise seinen Genossen, worauf beide sich noch leiser erheben und sodann in anfangs beschleunigter Gangart ihren Weg fortsetzen. Wiederum mochte eine kleine Weile vergangen fein, als der jetzt verein« samte Schläfer ebenfalls erwachte. Erst allmählich soll ihm das Urkomische seiner Lage klar geworden fein. Jedenfalls aber war unter diesen Umständen seinerseits von einer be­hördlichen Anzeige und Bestrafung der Aufseher nicht tmhr die Rede, und ein gegenseitiges, verständnisinniges Schmunzeln bei dem nächsten Zusammentreffen war alles, was später auf das nächtliche Erlebnis hindeutete.

* Französische Wortfpielereien. Man schreibt derFrkf. Ztg." au« Paris, 12. Januar: Die französische Sprache eignet sich besser, als irgend eine andere zu Wortspielen. Der Grund davon ist nicht im natürlichen Esprit der Fran« zosen zu suchen, sondern in der starken Abschleifung der lateinischen Stammwörter, die eine große Menge gleichlauten­der Nachkommen hinterlassen haben. Man erinnere sich z. B. an vert, vers, verre, vor, vair, die alle gleich gesprochen werden. Das Wortspiel ist den Franzosen so sehr zur andern Natur geworden, daß sie sogar praktische geschäftliche Ver­wendungen dafür gefunden haben. Wenn Sie z. B. in Paris in einem der dreißig oder vierzig Restaurant« Duval speisen und Ihr Mahl nur mit der hochfeinen Marke Aqua Fontana begießen, so bringt die Aufwärterin auf Ihrem persönlichen Bulletin die Zahl 120 an. Sie denken vielleicht, daß Sie von der hundertundzwanzigsten Dienerin bedient worden find oder daß Sie der hundertundzwanzigste Gast des Tages oder der Woche waren. Aber diese ominöse Ziffer ist blos ein Freimaurerzeichen für die Kasse, wodurch die Aufwärterin zu verstehen gibt, daß fie den Strich für die Getränke nicht vergaß, sondern der Gast tatsächlich nichts Zahlbares ge­trunken hat.Cent-vingt ist nämlich in diesem Falle als »sans vin (ohne Wein) zu lesen. Das Wortspiel findet sich auch auf Pariser Fiimentafeln. Auf dem Weg zum Sacre Coeur findet sich z. B. eine Winkellne'pe, deren Schild die Musiknote d (re) zwischen einem Sock und einem Herzen aufweist. Das will heißenau Sacre Coeur. Ein Holz« Händler führt als Ladenaufschrift die WorteAu grand J. Dieses J ist grün gemalt. Das Geschäft heißt alsoau Grand Hiver (zum großen Winter). Selbst in der so ernsten DreysuS-Affaire ist das frivole Wortspiel nicht ganz ausgeschlossen worden. Als jüngst die Patriotenliga für die feinere Welt, d. h. dieLiga für das französische Vaterland" zustimmende Unterschriften sammelte, bemerkte man in einer Liste einen Anwalt, der den aristokratischen Namen Chevalier du Fau führte. Hätten die Professoren und Akademiker, welche etwas für die Armee thun zu müssen glaubten, indem fie jene Subskription eröffneten, das Register der Pariser Anwälte befragt, so würden sie den aristokratischen Namen nicht gefunden haben, denn derChevalier du Fau, avou6 war nichts anderes, als eine Mystifikation der bösen Drey fusianer. Diese Worte sind nämlich alsChevalier du faux avoue (Ritter der eingestandenen Fälschung) zu lesen und dabei ist natürlich an diepatriotische Fälschung" Henrys zu denken. Sehr beliebt sind die Wortspiele auch bei der Wahl von Pseudonymen. Einer der findigsten Enthüller des Siöcle" unterschreibt z. B. feine Artikel mit G. Divret. Das ist zu lesen:Jai dit vrai. Wenn man aber ein ganzes Nest solcher sinnreicher Pseudonyme finden will, muß man zu einem populären Familienblatt greifen und sich in die Rätselecke vertiefen. Die meisten Einsender von Lösungen führen einennom de guerre dieser Gattung. In der letzten Nummer der seit kurzem bestehenden auch rasch beliebt gewordenenVie Illuströe finden wir z. B. Jean N6chot (jen ai chaud, es hat mir warm gemacht), Jean Neace (jen ai assez, E. d'Hyppes (Oedipe) G Devine (jai d6vin6), E. 1000 A trou V (Emile a trouvö), K. 1000 (Camille), Un rue sot file (un russophile), K. Poral et 8. Pagnol (caporal et espagnol), K Licot (calicot, ein Handlungs-Kommis), Le sir Hodegomme (le sirop de gomme). Schließen wir mit einem sinnreichen Buchstaben- rebus der gleichen Zeitschrift! Eine Schiffersfrau läßt aus ihren Grabstein die Buchstaben setzen: --q Was bedeutet das? Diese mehr als lapidarische Inschrift soll sagen:Elle a vecu sur 1 eau® (L avec U sur 1 0).

Eine erklärliche Verwechslung. In einem fränkischen Dorf, dessen Name besser nicht genannt sei, hatte kürzlich ein Bäuerlein des Guten zu viel gethan, sodaß ihm ratsam schien, einen Rausch an Ort und Stelle auszuschlafen. Er bettete ich im Viehstall auf ein Strohlager, und eine Minute darauf ertönte ein so mächtiges, rasselndes Schnarchen über der Tenne, daß die Rinder erschreckt die Köpfe hoben. Den Ochsen de» Stalles ergriff die Neugierde und es gelang ihm, dem Schläfer o nahe zu kommen, daß er diesem mit der rauhen Zunge über das Gesicht fahren konnte. Der gute Mann erwehrte

sich den Liebkosungen, ohne aufzuwachen, durch Stoßen mit den Händen und Füßen, und dis hmzugekommenen Festgäste hörten ihn dem Ochsen eindringlich zurufen:Langsam, Herr Müller, das Messer kratzt!" Der Dorfbarbier, Herr Müller, soll über diese Verwechslung noch beute entrüstet ie n.

Der Fremdenverkehr in den europäischen Großstädten. DieRevue Scientifique stellt fest, daß Berlin weitaus die stärkste Zunahme des Fremdmzuflosses aufzuweisen hat. 1884 nahm die deutsche Hauptstadt 268 000 Fremde auf, 1897 fast die doppelte Zahl, nämlich 517 000; genau ge­rechnet hat der Berliner Fremdenverkehr also in 13 Jahren um 93 Prozent zugenommen. Vergleichen wir damit die Steigerung des Fremdenverkehrs in Paris und in Wien, so zeigt sich, daß die französische Hauptstadt die geringste Zu nähme (210000) in dem jährlichen Fremdenverkehr erhalten hat; in Wien stieg die Zahl um 280000. Immerhin nahm 1897 Paris noch weitaus die größte Zahl der Fremden von allen europäischen Städten auf (890000), Berlin 517 000 und Wien 364000. Seit 1884 empfing die französische Hauptstadt 8-/2 Millionen, die deutsche 4/2 Millionen und die österreichische 3 Millionen Fremde.

* Ein Mekka sirr Bierbrauer. Man schreibt aus London, 11. Januar: Die neue Unwersität Birmingham, für d:e sich Mr. Chamberlain interessiert, soll, wie dieWestminster Gazette" hört, einen Lehrstuhl für die Wissenschaft des Bier brauens a Chair of Brewing and Malting erhalten. Birmingham hat die große Bierbrauerstadt Burton-on-Trent zur Nachbarin, und die Idee eines Birrbraurrlehrstuhles hat feinen Bürgern so eingeleuchtet, daß sie bereits 445000 Mk. zu ihrer Verwirklichung gezeichnet haben. Was werden Oxford und Cambridge zu diesem Sakrileg sagen?

* Verdeutscht soll, wie verlautet, auch der Vizefeldwebel werden, und zwar gründlich durch vollständige Beseitigung. Die bisherigen Vizefeldwebel würden einfach Feldwebel, die bishertgenetatsmäßigen" dagegen Oberfeldwebel werden.

Mteratur, Wissenschaft und Kunst.

Der unter dem Protektorat Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen stehende, über 15,000 Mitglieder zählende Deutsche Flotteu-Bereiu hat durch die von ihm im Dezember vorigen JayreS her ausgegebene, reich illustrierte WeihnachtS- festschrift auf das schlagendste bezeugt, in wie vornehmer und ge­diegener Weise er sein nationales Ziel zu verwirklichen bestrebt ist, dem deutschen Volke die Bedeutung der Kriegsflotte für die Welt- .stellung des deutschen Reiches in Wort und Bild vor Augen zu führen. Von Hoch und Niedrig, von Nah und Fern sind ihm Worte des Dankes uno der Anerkennung zugegangen, die ihn bestälken, auf dem beschrittenen Wege um so eifriger fortzuwandeln. Seine Majestät der Kaiser äußerte sich sehr befriedigt und außerordentlich anerkennend über Inhalt und Ausführung dieser ersten Weihnachts- nummer. Dem einleitenden Hefte folgt nun mit Beginn des Jahres 1899 die Herausgabe des eigentlichen Vereinsorganes. Die Zeit­schrift, von Korvetten-Kapitän H. Gercke redigiert, trägt den Namen Ueberall", weil dies der Ruf ist, mit dem an Bord der deutschen Kriegsschiffe die Revetlle bezeichnet und abgeschlossen wird. DaL in den nächsten Tagen erscheinende erste Heft überragt an Vielseitigkeit deS Inhaltes noch die eröffnende Wethnachtsvummer. An der Spitze steht ein Aufsatz, der dm inneren Zusammenhang von Seemacht und Volkswirtschaft im Leben einer Nation und die Notwendigkeit für Deutschland vor Augen führt, immer mehr seine Wirtschafts­politik zu einer Weltpoltttk zu gestalten, die sich auf eine starke, allezeit wehrhafte Kriegsflotte stützt. SDL folgenden Briefe aus der Fremde berichten über Kiautschou, ein weiterer Aussatz behandelt 1 LinienschiffKaiser Friedrich III/', den ersten fertiggestellten Re­präsentanten deü neuen LinienschifftypS unserer Schlachtflotte. Be­sonders lehrreich find die vergleichenden Darstellungen der Kriegs­marinen sämtlicher Großmächte im Jahre 1898, deren Reihe zunächst mit England eröffnet wird. Bemerkenswert sind ferner die Mit­teilungen über die deutsche Hochseefisch.ret, deren wettere Entwickelung hoffentlich eine Einfuhr von Fischen aus dem AuSlande überflüssig macht. Eine fesselnde Erzählung von Johannes Wilda bildet den Schluß. Das Heft ist mit vortresflichen Abbildungen reich geschmückt, von denen S. M. S.Kaiser Friedrich III.", mehrere englische Schlachtschiffe, die Enthüllung des Iltis Denkmals in Shanghai, deutsche Torpedoboote rc. heroorgehoben zu werden verdienen. DaS Ziel desDeutschen Flotten-Vereins", mit der neuen Zeitschrift den Ansprüchen des Fach- wie des Ntchifachmannes zu genügen, dürfte, nach dem vorliegenden Hefte zu urteilen, erreicht sein. Sie ist derart gestaltet, daß sie eine Zierde des Salons wie der einfachen Wohnung werden wird. Insbesondere soll durch farbige Kunstbetlagen den Abonnenten ein wertvoller Zimmerschmuck geboten werden. Der JahrespretS der im Verlage von E. S. Mtitler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung in Berlin, in Monatsheften erscheinenden Zeitschrift betragt Mk. 10,.

Theaterdirektor Dr. Krückl. Aus Straßburg schreibt man derFranks. Ztg.": Nach kurzem, durch Ueberanstrengung herbetgeführtem Unwohlsein ist diese Nacht der Direktor unseres Stadttheaters, Dr. Franz Krückl, an Herzschlag plötzlich gestorben, tn einem Alter von etwas über 57 Jahren. Seit 1892 steht er an der Spitze unseres Stadttheaters, um daS er fich unvergeßliche Ver­dienste erworben hat. Vorher war er als hervorragend begabter Sänger an den Bühnen zu Brünn, Kastel, Augsburg, Hamburg, Köln und nochmals tn Hamburg thätig gewesen, 616 er 1885 als Gesanglehrer beim Dr. Hoch'schen Konservatorium zu Frankfurt a. M. etntrat. Die Thättgketl alS Gesanglehrer hat ihn besonders befähigt, späterhin als Theaterdirektor sich der Pflege und Förderung junger Talente zu widmen, was er in zahlreichen Fällen mit unermüdlicher Hingebung und vollendeter Uneigennützigkett durchgeführt hat. Ueber- haupt stand er seinem ganzen Theater personal mit so ausgesprochenem väterlichem Wohlwollen gegenüber, daß er sich bei diesem durchweg aufrichtiger Verehrung erfreute. Aber auch über dre eigentliche Theaterwelt hinaus, tn den gesamten Kreisen der Gesellschaft, hat sich Krückl großes Ansehen und allgemeine Beliebtheit tn kürzester Zett zu erwerben gewußt, alS Mann von geradem, biederem Charakter, von tiefer und vielsetttaer Bildung, von fistelnder LtebenSwürdtgketr tn seinem persönlichen Auftretm. Wenn man jetzt tn diesen Kreisen mit tiefempfundener, aufrichtiger Teilnahme an der Bahre des viel zu früh Verstorbenen steht, so mischt sich darein gleichzeitig eine leb­hafte Befürchtung, ob es der Stadtverwaltung gelingen wird, in kurzer Zeit eine Kraft zu finden, die das Theater auf der künstler­ischen wie auf der gesellschaftlichen Höhe zu erdaltm imstande ist, auf der es sich gegenwärtig zur Freude aller Kunstfreunde befindet.

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