Ausgabe 
17.10.1899 Zweites Blatt
 
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Klinik brachte der schwer Erkrankten baldige Beflerung. Man unterzog sie der Röntgen-Photographie und entfernte darauf weitere 30 Nadeln. In unbewachten Augenblicken unterliegt das unglückliche Mädchen regelmäßig seinem patho­logischen Triebe. Trotz der ziemlich ungünstigen Prognose hofft man die Kranke retten zu können.

Lauterbach, 14. Oktober. In der Großh. Molkerei­schule dahier werden junge Mädchen zu Meierinnen aus­gebildet. Diese sind in Molkereien sehr gesucht und werden gut bezahlt. Die Molkereischule Lauterbach hat kürzlich drei Meierinnen in andere Stellen entlassen und es bezieht bei vollständig freier Station die eine ein Gehalt von 600 Mk. die beiden anderen ein solches von je 480 Mk. Jungen Mädchen, welche einen Beruf ergreifen wollen, kann deshalb der Besuch der Schule warm empfohlen werden, und es bietet sich für die Herren Pfarrer und Lehrer hier eine gute Gelegenheit, ihre Zöglinge paffend unterzubringen. Die aufzunehmenden Mädchen müssen aus guter Familie, gesund und kräftig sein und eine 1 bis 2jährige Lehrzeit durchmachen. So lange nicht alle Plätze besetzt sind, er­halten die Schülerinnen neben freier Kost und Wohnung einen entsprechenden Lohn für die zu leistende Arbeit. Die Direktion der Schule ist zu jeder weiteren Auskunft bereit.

Mainz, 14. Oktober. Von einem bedauerlichen Schick­sale wurde eine hiesige Familie betroffen. Das bereits erwachsene Mädchen der Familie wiegte sich, wie dies so häufig Kinder thun, zwischen zwei Stühlen; plötzlich kam einer der Stühle ins Rutschen, das Kind stürzte zu Boden und fiel so unglücklich auf den Hinterkopf, daß es alsbald betäubt war. Der Arzt konstatierte einen Schädel­bruch und in einigen Tagen war das Kind tot. Möge das eine Warnung für Eltern und Kinder sein.

0 Mainz, 15. Oktober. Eine für Mainz und ganz Rheinhessen höchst wichtige Frage beschäftigt zur Zeit die städtische juristische Kommission. Es ist die Frage der Ein­führung der Ortsgerichte auf Grund des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches. Für Rheinhessen, in dem das Notariat schon seit langem besteht, ist die Einrichtung eine ganz neue, während sie in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen schon seit vielen Jahren besteht und nur den gesetzlichen Bestimmungen angepaßt zu werden braucht.

Mainz, 14. Oktober. Untersuchung gegen einen Schutzmann. Vor einigen Tagen wurde mitgeteilt, daß gegen einen hiesigen Schutzmann eine Untersuchung einge­leitet sei, weil er eine Dame ohne genügenden Grund zum Bezirk sistiert hätte, was sich die Dame so zu Herzen ge­nommen, daß sie drei Wochen später deshalb Selbstmord verübt habe. Nach den bisherigen Feststellungen hat der Beamte aber Grund genug gehabt, die Dame zur Wache zu sistieren, und war es seitens der Dame völlig falscher Ehrgeiz, sich deswegen das Leben zu nehmen. Der Vorfall, wie er der Untersuchung zu Grunde liegt, soll sich, uns gewordener Mitteilung nach, folgendermaßen zugetragen haben: Der betr. Schutzmann beobachtete am Nachmittag des 15. September, gegen 4 Uhr, von seinem Posten am Fischthor aus, die, übrigens sehr auffallend gekleidete Dame, wie sie annähernd eine Stunde lang in der Rheinstraße auf- und abging. Auf einmal mußte die Dame wohl ge« merkt haben, daß der Schutzmann sie, wenn auch unauf­fällig, beobachtete und nun ging sie auf ihn zu und fragte, was es hier für Sehenswürdigkeiten gäbe. Der Schutzmann wäre kein Polizist gewesen, wenn ihm das nicht aufgefallen wäre. Er mußte annehmen, besonders in Bezug auf die auffallende Kleidung der Dame, daß ihm diese mit ihrer Frage zuvorkommen wolle. Trotzdem gab er die verlangte Auskunft, unterließ es aber auch nicht, nebenbei nach dem Wohnorte der Dame zu fragen. Dies geschah zur ge­botenen Information. Als er dann auch nach dem Namen der Dame fragte, da soll diese, welche auf einmal ängstlich geworden war, ihr Portemonnaie aus der Tasche gezogen haben und dem Beamten wie von einem zweiten, in der Nähe stehenden Schutzmanne ebenfalls bezeugt werden kann einen Thaler angeboten haben, indem sie gesagt haben soll:Was wollen Sie eigentlich von mir, lassen Sie mich doch gehen!" Der Schutzmann lehnte das Geld ab und fragte, für was ihm die Dame denn eigentlich das Geld anbiete. Zur Antwort bekam er darauf:Sie sind ein ge­meiner Mensch." Nun erst forderte der Schutzmann die Dame auf, mit auf den Bezirk zu gehen, was geschah. Dem Bezirks-Kommissär, dem die Sache zur Entscheidung vorgestellt wurde, zeigte die Dame auf wiederholtes Ersuchen, sich doch irgendwie zu legitimieren, eine Kurkarte von Wies­baden, worauf die Dame sofort entlassen wurde. Erst nach acht Tagen erschien die Dame später auf dem Polizeiamte und beschwerte sich, wobei sie aber das Anbieten von Geld und die Beleidigung des Schutzmannes eingestand, auch daß dieser erst nach diesen Geschehnissen sie sistiert hätte. Wenn sich die Sache so verhält, bemerkt derM. A." wird man dem Schutzmann wohl nichts anhaben können.

Bingen, 14. Oktober. Vor 14 Tagen zog ein etwa 40jähriger Mann aus Böhmen mit einer 20jährigen Frauens­person, gleichfalls Ausländerin, die er für seine Frau aus­gab, hierher und mietete eine Wohnung, sowie einen Laden, angeblich um hier ein Bijouteriegeschäft einzurichten. Nach­forschungen ergaben,^ daß der saubere Patron zu Anfang dieses Jahres seine Heimat und Frau und Kinder bös­willig verlassen und mit seiner Geliebten nach Amerika verduftet war. Drüben ließen sie sich trauen, um bann nach mehrmonatltchem Aufenthalt ihr Glück wieder in Deutschland zu versuchen. Dieses Glück war jedoch nur von kurzer Dauer, dem gestern wurden beide f e st g e n o m m e n.

= Aus dem Rheingau, 15. Oktober. Ueber den Johannisberg beziehungsweise dessen angeblich bevor­stehende Verpachtung sind in den letzten Tagen zahlreiche Mitteilungen durch die Presse gegangen, die, wie wir aus genau informierter Quelle wissen, größtenteils der Richtigkeit entbehren. Zunächst ist bei den Beteiligten nie­mals die Verpachtung des berühmten Weingutes Johannisberg

zur Sprache gekommen, sondern wurde lediglich bei einer vor einigen Wochen stattgehabten Anwesenheit des Prinzen von Metternich neben andern administrativen Erwägungen die Frage einer eventuellen Verpachtung des Schlosses Johannisberg, dessen ausgedehnte, prachtvolle Räume Jahr ein Jahr aus unbewohnt sind, angeregt. Vom dem Wein­gut ist dabei so wenig die Rede gewesen, wie von einer Verpachtung der dazu gehörenden Waldungen und Aecker. $rgenb ein Entschluß ist noch nicht gefaßt und läßt sich auch nicht so kurzer Hand fassen. Der gesamte Johannis­berg, dessen gegenwärtiger Besitzer ein Bruder des Fürsten Metternich ist, der unter Napoleon III. erster Gesandte in Paris war, ist als sogenanntesLehnsgut" in den Besitz der Familie Metternich gekommen und wird darum heute noch ein Zehntel des Jahresertrags an den Kaiser von Oesterreich abgeführt und der deshalb bei einer eventuellen Verpachtung auch mit zu reden hat. Unter dem vorigen Besitzer vor dem Jahre 1870 war die Kaiserin Eugenie von Frankreich häufig Gast auf dem Johannisberg.

? Aus dem Großherzogtum Hessen, 15. Oktober. Der Wahlaufruf der hessischen Zentrumspartei für die bevorstehenden Landtagswahlen ist erschienen und sind in demselben folgende Grundsätze für die Wahl aufgestellt: zunächst keinen Abgeordneten zu wählen, der nicht unbe­dingter Anhänger des direkten Wahlrechtes ist. Ferner soll bei der Reform der Wahlgesetzgebung für Vermehrung und gerechte Verteilung der Wahlkreise unter Beseitigung jeder Wahlkreisgeometrie für Sicherung des Wahlgeheimnisses durch Einführung der Wahlkouverte und für Einführung der Wahlpflicht und der Proportionalwahl eingetreten wer­den. Bei der Uebernahme der Kosten der Fortbildungsschule durch den Staat soll die vollständige Verstaatlichung der Volksschule bekämpft werden. Für die Volksschullehrer wird gefordert, eine dem Beamtengesetz entsprechende Erhöhung ihrer Gehälter, Beseitigung der Beiträge zur Witwen- und Waisenkasse, und Erwerb aller Rechte definitiver Lehrer spätestens 5 Jahre nach bestandener Schlußprüfung. Der Weinsteuer wird nach wie vor Widerstand entgegen gesetzt und für Landwirtschaftskammern, Handwerkskammern und Arbeitskammern in jeder Provinz eingetreten werden. Weiter wird verlangt eine vom Staate geleitete Viehversicherung und eine staatliche Mobiliarversicherung, sowie man auch bereit ist, für jede Forderung der bäuerlichen Genossen­schaften einzutreten und die verderbliche Wirkung der großen Warenhäuser zu beseitigen. Für die Entwickelung der Nebenbahnen, Beseitigung des Brückengeldes, Erbauung ge­sunder Arbeiterwohnungen und Ausbau der Fabrik-Inspektion soll eingetreten werden. Endlich soll jeder Versuch, die Koalitionsfreiheit zu beschränken, bekämpft, jeder Antrag zur Besserung der gedrückten Lage des Arbeiterstandes unterstützt und mit größtem Nachdrucke die Beseitigung der Schranken, welche der katholischen Kirche in den Zeiten des Kultur­kampfes auferlegt wurden, gefordert werden.

Krofdorf, 13. Oktober. Des Kaisers und Königs Majestät haben dem Förster Storck zu Forsthaus Waldhaus aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums den Königlichen Kronenorden 4. Klasse mit der Zahl50" Allergnädigst zu verleihen geruht. Durch Herrn Ober­förster Busold wurde Herrn Förster Storck im Beisein der Beamten die Allerhöchst verliehene Auszeichnung heute überreicht.

Frankfurt, 14. Oktober. Die Fernsprechleitungen zwischen Berlin und Frankfurt a. M. waren in vergangener Woche auf längere Zeit unterbrochen. Diebe hatten die wertvollen Kupferdrähte auf etwa 50 Meter in der Nähe von Marienfelde gestohlen, sind aber bald darauf gefaßt worden.

Rauschenberg, 14. Oktober. Dem Landwirt Johannes Wittekindt auf dem benachbarten Hofe Zitritzhausen wurden in den letzten Tagen 300 Mk. aus einer verschlossen Ober­stube entwendet, ohne daß es bis jetzt den Polizeiorganen gelungen ist, etwas näheres über den oder die Thäter zu ermitteln. Die Frau des Wittekindt, welche das Geld zuerst vermißt hatte, soll den Verlust einige Tage ihrem Ehemann verschwiegen haben, was wohl auch dazu beiträgt, daß der Thäter noch nicht ermittelt ist. Hoffentlich entgeht derselbe aber doch nicht seiner gerechten Strafe.

Bad Salzschlirf, bei Fulda, Oktober 1899. Die Saison ist vorbei. Dem viel ausgesprochenen Wunsche mancher Kurgäste, den Betrieb des Bades auch für den Winter einzurichten, ist aus mancherlei Gründen vorderhand nicht zu entsprechen. Gerade bei den Krankheiten wie Gicht, Rheumatismus, Stein-, Nieren- und Stoffwechsel­eiden, welche der Solzschlirfer Bonifacius spezifisch intensiv ausheilt, spielt auch die Jahreszeit eine gewisse Rolle. Im Übrigen ist ja auch durch den Vrunnenversand dafür ge- orgt, daß die Kranken das Wasser im Winter nicht ganz zu entbehren brauchen. Abgesehen davon wirkt der Boni­facius in Flaschen genau so günstig, wie direkt von der Quelle. Das Wasser konserviert sich ausgezeichnet und übt eine Wirkung, besonders ambulando vor dem Frühkaffee genossen, in wünschenswerter, nicht allzu drastischer Weise. Wer nun Gelegenheit hatte, im Laufe der verflossenen Saison zu beobachten, welch' verändertes Aussehen das Bad von Jahr zu Jahr gewinnt, muß seiner Freude darüber Ausdruck geben, daß Salzschlirf immer mehr neue Freunde an sich zieht. Das Fremdenalbum weist wieder eine stattliche Reihe neuer Namen auf, deren Träger sich verpflichtet fühlen, einem engeren Kreise die Wiedererlangung ihrer Gesundheit in ausführlicher Weise darzulegen. Ein besonders interessanter Fall betrifft einen Lokomotivführer in Westfalen, welcher infolge gichtischer Beschwerden früher nicht im Stande war, weder die Seiten eines Buches um­zublättern, noch feine Beine im Kniegelenke zu bewegen, und welcher heute seinen schwerer Beruf in voller Rüstig­keit versieht, ohne auch nur einen Tag aussetzen zu müssen.

Aehnliche Fälle wiederholten sich in den verschiedensten Formen. Die Folge davon ist, daß Aerzte, welche die Vorzüge der Brunnen. Salzschlirfs nur aus den Merken medizinischer Autoritäten wie Mering, Kunze, Seitz, Nie- meyer, Cantani, Senator usw. kannten, durch ausgesprochene Heilungen, welche sich an ihren eigenen Patienten vollziehen, das Bad in neuerer Zeit vielfach aufsuchen, um an Ort und Stelle zu konstatieren, daß Salzschlirf dieselben Heil­erfolge wie Karlsbad und Kissingen aufweist, die Gefahren der genannten Bäder aber ausschließt. Patienten, bei denen sich nach dem Gebrauche einer Kur in anderen Bädern die alten Schmerzen im Winter einftcHten, blieben nach dem Gebrauche einer Salzschlirfer Kur zum erstenmale während der Wintermonate von Schmerzen verschont. All­gemein anerkannt wurden die von der Kurverwaltung zum erstenmale gebotenen, meist improvisierten und un- gezwungenen Veranstaltungen, ebenso die Thätigkeit des neugegründeten Verschönerungsvereins, welcher es sich in dankenswerter Weise zur Aufgabe machte, die zahlreichen Spaziergänge in den Wäldern durch Markierungen zu be­zeichnen. Das im vorigen Jahre in verschiedenen Zeitungen mißfällig beurteilte Zerwürfnis zwischen Bad und Gemeinde ist bereits seit Beginn der Saison mit dem Eintritt eine« neuen Badekommissars behoben, und es vereinigt sich dort jetzt alles nur in dem einen Bestreben, das Wohl und die Bequemlichkeit der leidenden Kurgäste zu fördern und das Bad auszubauen als heilkräftige Oase in der Wüste des nervösen Treibens unserer zahlreichen großen und kleinen Luxusbäder.

Hanau, 14. Oktober. Ob er meister wähl. Inder am 12. d. M. in derSchwedischen Krone" ftattgefunbenen stark besuchten Generalversammlung der Fleischer-Innung wurde Herr Metzgermeister Andreas Schindler zum Ober­meister der Fleischer-Innung gewählt. Daß der Genannte, eine beliebte und in hoher Achtung stehende Persönlichkeit, die erforderliche Bestätigung erhält, darf wohl als sicher angenommen werden.

Vermischtes.

Berlin, 14. Oktober. In dem Spielerprozeß be­kundete Rechtsanwalt Wronke als Rechtsbeistand des ge­flohenen Wolff, daß sich dieser nach Beendigung des Pro­zesses dem Gerichte freiwillig stellen werde.

* Spandau, 14. Oktober. Der Schauplatz einer Zigeunerschlacht war gestern eine Vorstadt von Spandau. Wegen eines Handels auf dem letzten Spandauer Pserde- markt waren Zwistigkeiten entstanden, die bald in Thätlich- leiten ausarteten. Es bildeten sich zwei feindliche Parteien, und auch Weiber und Kinder beteiligten sich an dem Kampf, der in der Nähe von Wohnhäusern an der Potsdamer Chaussee ausgefochten wurde. Die Schlacht dauerte ge­raume Zeit und zog auch die Bewohner einiger Häuser in Mitleidenschaft, in die ein paar hart bedrängte Zigeuner geflüchtet waren. Der Gastwirt Sorau schloß sein Lokal, weil ein Zigeunertrnpp es zu stürmen begann; Thüren und Fenster sind demoliert worden. Da es wegen der großen Entfernung vom Rathause unmöglich war, sofort polizeiliche Hilfe zu erlangen, so schickten die geängstigten Bewohner nach der benachbarten Trainkaserne, von wo bald einige Mannschaften herbeikamen. Diesen gelang es, die Ruhe wieder herzustellen, nachdem sie drei Zigeuner festgenommen hatten, die vorläufig in der Kaserne interniert wurden. Die später eintreffende Polizei verhaftete noch einen vierten Zigeuner; alle vier wurden in Untersuchungshaft abgeführt. Mehrere Teilnehmer an der Schlacht, darunter auch Weiber, find arg zugerichtet worden.

Koburg, 14. Oktober. Die Leiche des Erb­prinzen Alfred ist in aller Stille von Gotha hierher übergeführt worden. Heute vormittag 10 Uhr fand im Mausoleum die Beifttzung statt.

" Bremen, 14. Oktober. Der Mörder Kost, welcher im März b. Js. in Bremen die Köchin Vodicka aus Wie» ermordete und mit seiner Geliebten nach Chicago entfloh, wurde von Amerika ausgeliefert und ist in Bremerhaven eingeliefert. Die schwurgerichtliche Verhandlung ist bevor­stehend.

* Lübeck, 14. Oktober. Beim Glücksspiel von der Polizei überrascht. Die Kriminalpolizei über- raschle im HotelGermania" zehn Personen bei verbotenem Glücksspiel. Ein Teilnehmer wurde wegen Falschspiels verhaftet, die übrigen auf freiem Fuße belassen; die Kasse wurde beschlagnahmt.

* Elberfeld, 14. Oktober. Der Notariatsgehülfe Fischer, der dem Notar Rneter 17000 Mk. stahl und damit entfloh, hat sich in Batavia dem deutschen Konsul gestellt, nachdem ihm bei einer Ruberpartie die Brieftasche mit 10000 Mk. ins Meer gefallen war. Gestern abend wurde Fischer hier wieder eingeliefert.

* Münster i. W., 14. Oktober. Ein schwerer Unglücks- fall hat einen Postillon auf dem Wege von Wolbeck nach hier betroffen. Außer dem Postillon saßen noch zwei Mädchen auf dem Bock. Da die Pferde scheuten, sprang der Kutscher ab, fiel aber so unglücklich, daß die Räder ihm über den Kopf gingen An dem Aufkommen des Unglücklichen wird gezweifelt. Das ältere der beiden Mädchen, welches den Versuch machte, von dem Wagen abzuspringen, erlitt einen Schädelbruch infolge Anprallens an einen Baum und liegt hoffnungslos darnieder. MU leichteren Verletzungen kam das jüngere der beiden Mädchen davon.

* Wandsbeck, 14. Oktober. Zu der Liebestragödie, über welche wir schon kurz berichtet haben, teilen wir folgende Einzelheiten mit: Die blutige Szene hat sich in Mariendorf bei Alt-Rahlstedt abgespielt. Die beteiligten Personen sind der frühere 19jährige Student der Medizin Otto Hinze aus Berlin und die 21jährige Artistin Ella Günther. Der Vater des jungen Mannes ist Gutsbesitzer in Finkenwalde bei Stettin; der Vater der jungen Dame, ein früherer