Ausgabe 
17.1.1899 Erstes Blatt
 
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lorps, Generalleutnant v. Langenbeck, der kommandierende General des 9. Armeekorps, v. Massow, der kommandierende General des 7. Armeekorps, Mikusch-Buchberg. Den Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub: der Ministerialdirektor im Kultusministerium, Dr. Althoff, der Oberlandesgerichtspräsident von Frankfurt a.M., I)r. Hagens, die Direktoren der Reichspost, Krätke und Sydow, der Unterstaatssekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen, v. Schraut. Den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichen­laub : der Präsident des Reichsversicherungsamtes Gäbel, der Geh. Oberfinanzrath und Mitglied des Reichsbankdirektoriums Dr v. Glasenapp, der Gesandte in Lissabon, Graf v. Tatten- bach. Den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife: der vortragende Rat im Ministerium des Innern, Holleuffer, der Geh. Obersinanzrat und Mitglied des Reichsbank­direktoriums v. Klitzing. Den Rothen Adlerorden 3. Klasse: der Prinz Georg v. Schöneich-Carolath. Den Roten Adler­orden 4. Klasse: der Hofschauspieldirektor a. D. Haase, der Bankdirektor und Reichstagsabgeordnete Dr. Heiligenstadt, der Reichstagsabgeordnete Prof. Kropatschek, der Amts­gerichtsrat und Reichstagsabgeordnete Letocha, der Ober­landesgerichtsrat und Reichstagsabgeordnete Rören. Den Kronenorden 1. Klasse: der Viceadmiral Tomsen und der Gesandte in Belgrad, Frhr. v. Waecker-Gotter. Den Stern zum Kronenorden 2. Klasse: der Direktor des kaiserlichen Gesundheitsamts Dr. Köhler. Den Kronenorden 2. Klasse: der Bischof Dr. Weber zu Bonn und den Kronenorden 3. Klasse der Bankier Hugo Landau in Berlin.

Zum Wettstreit deutscher Männer gesang- 0 er eine wird aus Kassel geschrieben: Wie bereits jetzt feststeht, wird das Kaiserpaar am 26. und 27. Mai hier in Kassel wohnen, um dem Wettstreit der deutschen Männer­gesangvereine beizuwohnen. Die Ueberreichung des Preises an den siegenden Verein wird diesmal persönlich durch die Kaiserin erfolgen. Es wird, nach allen geplanten Veran­staltungen zu schließen, dieser Wettgesang ein Fest werden, wie es Kassel noch nicht gesehen hat. Es werden an 10,000 Sänger erwartet. Die musikalische Kommission in Berlin, die das Ganze leitet, besteht außer dem General­intendanten Grafen Hochberg noch aus den Herren Hof­musikalienhändler Bock, Prof. v. Herzogenberg, Profesior Vierling, Musikdirektor Herrn. Prüfer, Geheimer Ober- Regierungsrat im Kultusministerium, Erich Müller. Der Wettgesang wird in der Hauptsache zwei Nummern um­fassen; er beginnt mit einem zu diesem Zwecke eigens kom­ponierten längeren Tonwerke (Preischore) und endet mit dem Vortrag eines Liedes im Volkston. Ein dritter Ge­sang ist der freien Wahl eines jeden Vereins überlassen. Natürlich müssen die Gesänge ohne jegliche Instrumental­begleitung sein; sie dürfen ferner keine Soli enthalten und höchstens zehn Minuten dauern. Das Preisrichteramt werden, wie schon erwähnt, neun hervorragende Musiker, Komponisten und Dirigenten ausüben. Sie müssen erst noch gewählt werden. Der vom Kaiser gestiftete Wander­preis wird derNat.-Ztg." zufolge aus einem Kleinod in Gold bestehen, wahrscheinlich einer goldenen Kette mit Schild, die von dem Vorsitzenden des siegenden Vereins bei allen festlichen Anlässen um den Hals zu tragen ist.

Der lippische Landtag ist alsbald wieder ge­schlossen worden und soll Ende Februar wieder zu einer längeren Tagung einberufen werden. Ueber diese auffallende Anordnung bringt ein Berliner Blatt folgende Mitteilungen: Der Landtag mußte seine Beratungen über das Eisenbahn­projekt Paderborn-Niehaben, zu denen er einberufen war, abbrechen, weil bei der Regierung ein Telegramm der Westfälischen Eisenbahn: Gesellschaft,' mit welcher der Bau vereinbart war, einlief, daß sie den Bau ablehne. Mußte es schon überraschen, daß die Gesellschaft erst den Landtag zusammentreten und seine Beratungen nahe bis zum Ab­schluß gelangen ließ, bevor sie ihre Absage mitteilte, so ist die Begründung, die ihr so spät erst eingefallen ist, noch sonderbarer : die Gesellschaft lehnt den Bau ab, weil der größere Teil der Strecke auf lippischem Boden liegt. Es darf nicht Wunder nehmen, wenn man in dem Ländchen diesen Handstreich auf eine Seite zurückführt, wo man ihm gegenwärtig nicht wohl will. DieLippische Landesztg.,, bemerkt:Der Grund der Ablehnung ist ein recht eigen­tümlicher und weckt lebhaft die Gedanken an politische Gegensätze."

Sozialdemokratisches. Wenn ein Arbeitgeber einmal gezwungen ist, seinen Betrieb einzuschränken und Arbeiter deshalb zu entlassen, dann erhebt sich in der sozial­demokratischen Presse gewöhnlich großes Geschrei über den schwarzen Undank der Kapitalisten"; daß aber Sozial­demokraten, wenn es sein muß, noch viel rücksichtsloser vorgehen können, als der rücksichtsloseste Geldsackmensch, das ist ja auch schon zur Genüge bekannt, wird aber aufs neue glänzend illustriert durch zur Zeit sich in Chemnitz zwischen der Partei und dem Verleger des Parteiblattes abspielende Vorgänge. In Chemnitz erscheint seit 14 Jahren im Verlage des Buchdruckereibesitzers Ludwig der sozialdemokratische Chemnitzer Beobachter". Das dreimal wöchentlich erschei­nende Blatt konnte nicht im entferntesten mit den am Orte erscheinenden sogenannten bürgerlichen Blättern konkurrieren, und daß deshalb die Parteigenossen mit ihrem Organ nicht zufrieden waren, darf nicht wunder nehmen, wie auch das nicht, daß sie Schritte unternahmen, das Blatt zu heben, es vor allem täglich erscheinen zu lassen. Befremdlich bleibt nur die Art und Weise, wie mit dem bisherigen Verleger umgesprungen wird. Abkaufen will man dem Manne feine Druckerei nicht, weil angeblich das Material zu alt ist; den Druck des Blattes will man ihm auch nicht weiter lassen, obwohl die Preßkommission selber zugesteht, daß seine Druck- oyjcrteziemlich annehmbar und billig" ausgefallen sei der Mmin soll mit allen Mittelnabgesägt" werden, wie es in solchem Falle im Parteijargou heißt. Daß der Verleger vierzehn 3* treuim Parteidienste stand, daß er der Partei wegen alle Privatkundschaft aufgeben mußte und jetzt auch solche

nicht mehr erlangen kann, das macht alles nichts;wenns ans Bezahlen geht, könne man nicht mit Gefühlsduseleien und Gutmütigkeit vorgehen", sagte der Vorsitzende der Agitationskommission in einer Volksversammlung, welche über die Zukunft des Verlegers vor einigen Tagen ent­scheiden mußte. Der Verleger wehrt sich aus Leibeskräften gegen eine völlige Kaltstellung; aber es wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als seine Druckerei als altes Eisen zu verkaufen und nach vierzehnjähriger Arbeit für die Partei sich einen anderen Erwerb zu suchen.

Ausland.

Wien, 15. Januar. Wie das Amtsblatt bekannt giebt, sind die Geschworenengerichte im Kreisgerichts-Sprengel Neu-Sandeck aufgehoben worden.

Wien, 15. Januar. Der Grillparzer-Preis im Betrage von 2400 Gulden wurde wiederum Gerhart Hauptmann für fein Drama Fuhrmann Henschel zu­erkannt.

Wien, 15. Januar. Die Baumwollspinner haben be­schlossen, die beabsichtigteBetriebseinschränkungnichtein­treten zu lassen, weil die Absatz-Verhältnisse sich inzwischen gebessert haben.

Wien, 15. Januar. In der letzten Nacht nahm der Sturm, der im Laufe des gestrigen Tages etwas nach­gelassen hatte, wieder an Gewalt zu. Nach den schon heute früh aus der Umgegend eingelaufenen Nachrichten ist be­deutender Schaden angerichtet worden.

Budapest, 14. Januar. Die Situation ist andauernd eine gespannte. Banffy, Lukacs und Fejervary reiften heute nach Wien und werden Dienstag zurückkehren, an welchem Tage die Opposition die Antwort auf ihre Forderungen erhält.

Paris, 14. Januar. Der Telephon-Verkehr ist noch vielfach gestört, da der in den letzten Tagen herr­schende Sturm zahlreiche Telephonstangen umgeworfen hat.

Rotterdam, 14. Januar. Infolge des Sturmes sind gestern mehrere Barken gesunken. Vier Personen ertranken.

Namur, 14. Januar. Die Maas ist aus ihren Ufern getreten. Weite Streben stehen unter Wasser.

Brussel, 14. Januar. Es unterliegt keinem Zweifel, daß infolge der Siege seitens der Aufständischen Batetelas im Mangome-Gebiet auch am Lomani Kwango und Kassai Gährungen begonnen haben. Der Kongostaat dirigirt zahl­reiche Truppen dorthin, zum Schutze seiner Handels- Faktoreien.

Antwerpen, 14. Januar. An Schiffsunfällen während des Sturmes der letzten Tage werden noch ge­meldet : Der DreimasterFrania" scheiterte bei Vlissingen, der DampferTamdam" scheiterte6ei Maasluis und der DampferNeutral" bei Rotterdam. Die Besatzung wurde gerettet.

London, 15. Januar. Den Gerüchten über Verhand­lungen betreffend Kompensationen, durch welche über die englisch-französischen Streitfragen hinweggekom­men werden soll, liegt bisher nichts Greifbares zu Grunde. Keineswegs kann von schon eingeleiteten Verhandlungen die Rede sein. Alles hierauf bezügliche ist auf bloße Fühler zurückzuführen; daß aber solche stattfinden, gilt nach einer Londoner Meldung als ein Beweis dafür, wie wenig man daran denkt, die Schwierigkeiten auf anderem als auf fried­lichem Wege zu lösen. Man ist überzeugt, daß es unter Schonung der Empfindlichkeit Frankreichs gelingen werde, sowohl bezüglich Madagaskars als bezüglich der Fischerei­frage in Neufundland' zu einer Ausgleichung zu gelangen, ohne Maßnahmen ergreifen zu müssen, die bei Frankreich die noch keineswegs beseitigte Verstimmung, welche die Er­ledigung der Faschodafrage hinterlassen, verschärfen könnten.

New-York, 14. Januar. Hier hat sich ein Tabaks- Syndikat gebildet, welches ein Regierungs-Monopol für Havanna-Cigarren und Havanna-Tabak fordert.

Alle ostasiatischen Kenner der Verhältnisse auf den Philippinen stimmten darin überein, daß die Amerikaner vor Manila und Jlo-Jlo große Fehler begingen. Ein Uebereinkommen mit Aguinaldo wäre der beste Ausweg. Aguinaldo fordert eine Verfassung entsprechend der kubanischen. Angeblich behaupten die Amerikaner die Herrschaft auf den Philippinen nur im Gebiet der Bai von Manila. Alles Uebrige, mit Ausnahme von Mindanao, wo die Spanier bleiben, ist in der Gewalt der Aufständischen. Die amerikanischen Freiwilligen sind durch das Klima und die schlechte Nahrung entmutigt und bekunden das Verlangen, nach den Ver­einigten Staaten zurückzukehren. Die deutsche Regierung hat vor einiger Zeit bereits in Washington amtlich erklären lassen, daß sie in Bezug auf die Philippinen auf jeden Wunsch verzichtet und nicht einmal eine Kohlenstation für sich in Anspruch nehme. Hiernach müssen alle von englischen Blättern verbreiteten entgegengesetzten Gerüchte, die dann zum Teil von den amerikanischen Blättern übernommen werden, als tendenziöse Erfindungen bezeichnet werden, vor allem die tolle Nachricht, Prinz Heinrich selber habe Aguinaldo die Versicherung übermitteln lassen, die deutsche Regierung sei entschlossen, die Aufständischen gegen die Zusicherung einer Kohlenstation auf den Philippinen zu unterstützen.

Die Lage auf den Philippinen. Der Sonderberichterstatter des New-York Herald in Manila, dessen Berichte bisher rosig gefärbt waren, meldet am Donnerstag nun auch Sturm. Die Lage, telegraphiert er, wird stündlich schlimmer. Ein zweiter Ausruf Aguinaldos erklärt, daß die Feindseligkeiten beginnen würden, wenn die Amerikaner versuchen sollten, Jlo-Jlo zu nehmen. Ich besuchte Aguinaldos Außenposten, die um Manila herum aufgestellt sind, am Samstag und Sonntag. Die Truppen der Eingeborenen sind begeistert bei dem Gedanken eines Angriffs auf Manila. In allen Häusern werden Anschläge verteilt mit der Aufschrift: Unabhängigkeit ober Tod! Es

heißt, daß die Eingeborenentruppen in der Umgebung von Manila 30,000 betragen. Alle legen glühenden Haß gegen die Amerikaner an den Tag. Ich wurde häufig auf den Verdacht hin, ein Amerikaner zu fein, angehalten, aber wieder freigelaffen, wenn ich meinen vom Konsul ausge­stellten Paß vorzeigte. Aguinaldos Soldaten verlangen insgesamt Manila angreifen zu können. Sie erklären, sie würden keine andern Bedingungen, als die vollständige Un­abhängigkeit annehmen. Tausende von Eingeborenen ver­lassen Manila; die Märkte sind von Vorräten entblößt. Das 1. kalifornische Regiment, das vor einer Woche mit Bestimmung nach Jlo-Jlo in 5 Steamer eingeschifft wurde, wird gerade jetzt wieder ausgeschifft; ein Zeichen dafür, daß General Otis seine Absichten auf Jlo-Jlo aufgegeben hat und alle seine Truppen zur Verteidigung von Manila sammelt. Die neuesten Berichte aus Jlo-Jlo vom 11. ds. besagen, daß die amerikanischen Truppen noch nicht gelandet sind. (Sie sind inzwischen zurückberufen worden, um General Otis in Manila zu stützen.) Die Weiber und Kinder haben Jlo-Jlo verlassen, und die Banken haben ihre Kassen auf bje Kriegsschiffe geschafft. Die Eingeborenen haben Petro­leum über alle Häuser in der Stadt gegossen, um sie in Brand zu stecken, wenn die Amerikaner eine gewaltsame Landung versuchen sollten.

Lokales und MovinMes.

Gießen, den 16. Januar 1899.

* * Die Mittwochs-Vorträge des Herrn Professor- Philippi überGrundsätze der Kunstbetrachtung und Rich­tungen der modernen Kunst" in der Aula des Gymnasiums beginnen am 18. Januar um 5 Uhr. Sie sind unent­geltlich, und wer sich für den Gegenstand interessiert, kann, wie wir auf mehrfache Anfragen nochmals mitteilen, ohne besondere Anmeldung teilnehmen.

P. Stadttheaten Das Regenwetter beeinflußt augen­scheinlich ben Theaterbesuch in ungünstiger Weise, denn in. der gestrigen Sonntagsvorstellung war das Haus in allen seinen Teilen nur schwach besetzt. Vielleicht trug auch die Wahl des Stückes schuld daran, denn Moser, dessenBiblio­thekar" gegeben wurde, übt, wie wir schon gelegentlich des Stiftungsfestes" feftfteüten, nur noch geringe Anziehungs­kraft aus. Unser vieraktiger Schwank ist, wie so viele seines­gleichen zusammengewürfelt, aber ganz vergnüglich, und ent­hält verschiedene dankbare Aufgaben. In der Titelrolle wirkte Herr Wilhelmi namentlich durch Erscheinung und Spiel ergötzlich, sein Ton hätte noch verschüchterter sein dürfen. Den mit Größenwahn behafteten Schneider gab Herr Direktor Helm recht gut, desgleichen Herr Liebscher den polternden Onkel aus Indien. Die Charaktere der Liebenden, die am Schlüsse zu zwei Paaren vereinigt werden, (Herr Dietz sch und Frl. Schuhmann, Herr Merker und Frl. Pauli) waren richtig von einander abgetönt. Als Gouvernante durfte Frau Kruse noch schwärmerischer sein; einige ihrer Pointen, z. B. das mehrfach wiederholte Dekorum", gelangten nicht zur vollen Geltung. Die kleineren Rollen waren durch Frl. Rux und die Herren Walter und Werner genügend besetzt.

* Kaufmännischer Verein. Eines recht zahlreichen Besuches erfreute sich das gestern Abend im hiesigen Vereins­haufe veranstaltete Konzert. Die Leistungen unserer Regimentsmusik waren vorzügliche und fanden auch den ver­dienten Beifall. Zur Hebung der Geselligkeit innerhalb des Vereins werden von jetzt ab jeden Sonnabend musika­lische Unterhaltungsabende stattfinden; hoffentlich entschädigen die Mitglieder durch zahlreiches Erscheinen den Vorstand für die entstandenen Mühen und Kosten.

* * Einbruch. In der Nacht von Samstag zum Sonntag wurde in einer Metzgerei in der Neustadt eingebrochen und die Ladenkasse mit 5.80 Mk. sowie einige Pfund Wurst gestohlen. Die Diebe wurden in der Person des Dienst­knechts Kaspar Baitz aus Windhausen und des Tag­löhners Peter Ortmüller von hier ermittelt-und ver­haftet. Beide hatten auch in derselben Nacht in einer weiteren Metzgerei einzubrechen versucht, es gelang ihnen jedoch nicht, den Rollladen zu öffnen. Die beiden Einbrecher sind Gewohnheitsdiebe, haben beide schon mehrfache Strafen wegen Diebstahls erlitten und dürften jetzt auf eine Reihe von Jahren unschädlich gemacht sein.

* Unfall. Ein an Epilepsie leidender Handwerks­bursche stürzte gestern Abend auf dem Marktplatze zusammen und mußte in die Klinik gefahren werden.

* Ein Wütender. In verflossener Nacht belästigte ein Student, nachdem er wegen einer Übertretung notiert worden war, die patrouillierenden Schutzleute fortgesetzt in einer Weise, daß er, da wiederholte Verwarnungen unbeachtet blieben, verhaftet werden mußte. Im Arresthause griff er sogar die Beamten thätlich an und beleidigte sie, zertrümmerte auch die Thüre der Zelle, sodaß er sich demnächst wegen Widerstand, Beleidigung und Sachbeschädigung zu ver­antworten haben wird.

* * Aus dem Justizdienst. Nach einer unterm 7. Januar ds. Jahres erlassenen Bekanntmachung des Großh. Mini­steriums der Justiz sind die seitherigen Bestimmungen über ben Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher aufgehoben und durch neue ersetzt worden, aus denen wir folgendes entnehmen: Wer Gerichts­schreiber bei einem Amtsgericht, oder Hilfsgerichtsschreiber bei einem Gericht werden will, muß 1. wenigstens zwei, (seither drei) Jahre mit Erfolg im Vorbereitungsdienste be­schäftigt gewesen sein; 2. hiernächst eine Prüfung bestanden haben. Während des Vorbereitungsdienstes darf dem Aspiranten keinerlei Vergütung geleistet werden (seither war eine geringe Bezahlung zulässig). Zu dem Vorbereitungs­dienste darf nur zugelaffen werden, wer 1. das 18. (seither 16.) Lebensjahr vollendet hat, 2. sich über ben erfolgreichen Besuch einer höheren Schule bes Großherzogtums Hessen