mit dem Interesse von Industrie und Allgemeinheit vereinbar sei. Dann nenne er sich mit Stolz Agrarier. (Beifall.) Daß er beim Kaiser den unverantwortlichen Ratgeber gespielt hätte, erwecke in ihm nur moralischen Widerwillen; widerlegen könne er das kaum in parlamentarischer Form. Was die Sache selbst anlange, so strhe die Flottenvermehrung in keiner Weise im Widerspruch zu der Leistungsfähigkeit, zu den Kräften des deutschen Volkes Durch die Flotte werde die politische Macht Deutschlands gehoben. Eine negative Haltung in Bezug auf die Flotte würde nicht nur Deutschland gefährlich werden, sondern auch der Partei, die diese negative Haltung treibe. Deutschland brauche nicht nur eil» starkes Landheer, sondern auch eine starke Flotte. Rückwärts werde man doch nicht wollen, und vorwärts müsse man doch. Fürsten und Regierungen wollten diese Opfer bringen, die das Volk auch tragen könne. Hier sei kein Gegensatz zwischen Staat und Reich. Möge doch auch der Reichstag dieses Opfer bringen! (Beifall rechts).
Abg. Lieber (Zlr.) hofft, day das irühere gute Einvernehmen zwischen ihm und dem Fman»minis1.r wieder hergefteUt werde. Dem Herrn v M quel wolle er erwidern, dah er sich auch ftrnerhin nicht abhalten lassen werde, in aller Ehrerbietung zu sagen, was man im Volke denkt. Mit den unverantwortlichen Raigebe n habe er nicht an den verehrten Herrn gedacht, der ja allerdings sein Portrait tn der Sch lderung, die er gestern gegebm, zu erkennen die Güte gehabt habe. (Heiterkeit.) Woher der plötzliche Zo>n gegen den verehrten Herrn komme, wolle er ihm gern sagen. Er (Redner) erkenne an, daß er in konfesstonellen F-agen schon zu Zeiten mit gröhier Obj kttvitäk gehandelt habe, wo es bet anderen noch daran gefehlt. W r plauden, so fährt Redner fort, dah Herr v Miquel als preuhischer Fmanz- uiLirter immer und immer gegen die Finanzpolitik des Zentrums im Reich mobil gemacht hat. Das war ein verhängnisvolles Thun. Wir hatten mit vieler Mühe vor zwei Iihren das F.ottenpesetz zu stände gebracht unter Mithilfe des Drckungc Paragraphen. In und auf diesen entstanden damals viele Schwierigkeiten. Erst spater wurde uns die Lösung, dah der preußische Ftnanzmintster an diesen Schwierigkeiten nicht unschuldig war. Und »eiter, bet der Militär- vorlaae im Vo-jahre entstanden über die 7000 Ma^n ganz urplötz lich Schwierigkeiten, nachdem schon alles gereoelt »chien. Und auch da erfuhren wir hinterher wieder, daß die Ou lle der Schwierigkeiten beim Ftnanzmintster lag. Ich gebe zu: Namen kann ich hier nicht nennen, da kann er mich eher totschlagen! (Heile kett.) Und weiter, als die Kanalov'lage gefallrn war, hat derselbe Herr dem ersten Berichterstatter, der ihm begegnete, gesagt: „Daran ist das Zentrum schuld!" DaS alles erklärt wohl genügend, wer halb unsere politische Freundschaft geendet hat (Bti'aU.)
Minister von Miquel bezeichnet sämtliche gegen ihn vom Vorredner gemachten Vorwürfe als falsch. (Heiterkeit.) Uebrigens würde auch durch diese Vorwürfe nicht der plötzliche Zorn erklärt, denn alle diele Dinge lägen Jahre zurück. (Widerspruch.) Der Minister tritt sodann dem Widerspruche des Centrums gegen den Bau der neuen Schiffe aus Anlechen entgegen.
Abg. Sattler (nl.) bespricht die Angriffe, die nach dem Scheitern der Kanalvorlage nicht nur gegen das Centrum, sondern auch gegen die Nationalliberalen gerichtet worden seien. Man habe offiziös die Nationalliberalen als Totengräber der Kanalvorlage bezeichnet, weil sie aus Herrschsucht uvb Herrschbegier selbst den Teilkanal zu Fall gebracht hätten Was die Kaiserreden in Dordmund und Homburg anlange, so seien die Nationalliberalen dem Kaiser dankbar dafür, daß er dem deutschen Volke so offen und klar die Aufgaben, die zu erfüllen seien, gezeigt habe. Auf Etat und Finanzlage eingehend, wünscht Redner ein Reichskomptabilitätsgesetz und strenge Scheidung außerordentlicher Ausgaben. Mit Erhöhung des Betriebsfonds aus den diesjährigen Ueber- «eisungen, seien seine Freunde einverstanden. Was die auswärtige Politik anlange, so muffe er die Aufrechterhaltung der alten Bismarck'- schen Dreibundspolitik als erfreulich bezeichnen. Die Politik, welche die deutsche Regierung in den letzten Monaten gegenüber England eingeschlagen, sei nur zu billigen. Der Flottenvermehrung stünden seine Freunde freundlich gegenüber, sie hielten sie gar für notwendig. Vor Maßlosigkeiten und Uebertreibungen sei allerdings zu warnen, deshalb sei auch den Leitern des Flottenvereins zu raten, sich nach geeigneteren Vertretern umzusehen. Herrn Bebel wolle er, Redner, antworten, daß in keinem Lande so viel für die Arbeiter geschehe, als in Deutschland.
Abg. von Kardorff (Rp.) widerspricht der Auffaffung der Abgg. Lieber und Graf Limburg, daß die Einnahmeoeranschlagungen diesmal etwas zu optimistisch aufgestellt seien und beklagt die fvitgesetzt mißliche Lage der Landwirtschaft. In Bezug auf die auswärtige Politik schließe er sich Herrn Sattler an. An einen Zerfall der englischen Macht, selbst nach einem unglücklichen Kriege mitTransvaal, glaube er nicht. In der Sozialpolitik der Regierung finde er nur abwechselnde Bücklinge vor dem Großkapital und vor der Sozialdemokratie. Die Hereinziehung der Person des Monarchen in die Debatte des Parlaments mißbillige er. Reden des Monarchen würden erst dann diskutabel, wenn sie vom gesamten Staatsministerium gegengezeichnet seien, das sei nötig, denn sonst verflüchtige sich die ganze Mmisterverantwortlichkcit. Was die Beamtenmahregelung anlange, so werde man sich wohl im Landtage noch näher darüber unterhalten. Der Krieg in Südafrika sei das Werk der Londoner Börsemänner und eine Konsequenz der allgemeinen Einführung der Goldwährung. (Große Heiterkeit.) Von den Flottenplänen wiffe man noch sehr wenig; er hoffe aber, daß dieselben zu einem Abschluffe kommen möchten, der dem Vaterlande zum Segen gereiche.
Vizepräsident Dr. Frege bemerkt, der Redner habe von der Un- stthigkeit einer ganzen Beamtenkategorie gesprochen; et nehme an, daß dies nur im objektiven Sinne gemeint gewesen sei. (Stürmische Heiterkeit)
Staatssekretär Graf Posadowski verteidigt einigen Bemerk- Mngen des Abg. v. Kardorff gegenüber die Haltung der verbündeten Regierungen in der Vereinsverbindungsfrage. Was die Erörterung über Aussprüche des Kaisers anlange, so glaube er, werde an dem Grundsätze festgehalten werden müssen, daß die Verantwortung von den Vertretern der Regierung zu tragen fei, daß die Person des Monarchen unter allen Umständen aus den Erörterungen des Parlaments fern gehalten werden müsse.
Abg. Motty (Pole) vertritt die Meinung, daß beffer als große Rüstungen der Friede durch Bündnisse erhalten werden könne. Weiter betont Redner die den Pol n garantierten Rechte und die ihnen gegebenen Versprechungen und beschwert sich namentlich über das Ansiedelungsgesetz.
Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tagesordnung: Weiterberatung des Etats.
Schluß 51/2 Uhr.
* Vom Kriegsschauplatz liegen heute so entscheidende und wichtige Nachrichten vor, daß dieselben ohne Kommentar für sich selbst sprechen. — Wir begnügen uns mit der einfachen Registrierung der ein- gegangenen Meldungen und Telegramme:
London, 13. Dezember, lieber das letzte Gefecht am Modder River ist einer offiziellen Depesche Melhuens noch zu entnehmen, daß die englische Artillerie die Stellung des Feindes bis Montagnachmittag beschoß. Die Attaque der Hochländerbrigade mißlang vollständig. Am Dienstag war Methuen im Begriff sich zu verschanzen. Die Stärke der Buren beträgt nach seiner Angabe mindestens 12000 Mann. Die englischen Verluste sind groß. — General Gatacre berichtet in einem weiteren Telegramme, daß die von den Buren besetzten Höhen fast uneinnehmbar sind. Ihre Geschütze sind vortrefflich bedient und auf 5000 Meter noch von größter Treffsicherheit.
— Der „Central News" wird von ihrem am Modder- flusse besindlichen Korrespondenten von Dienstogmorgen gemeldet, daß General Methuen die verschanzten Positionen der Buren bombardierte, welche sich bei MagerSsontein be
fanden. Darauf ließ Lord Methuen am Montag die Infanterie gegen die Buren vorgehen. Letztere trotzten jedoch dem mörderischen Feuer der Engländer und ließen sich aus ihren Stellungen nicht vertreiben. Als die englische Infanterie avancieren wollte, wurde sie vom Feinde mit einem totbringenden Gewehrfeuer empfangen und erlitt schwere Verluste, besonders die Highland-Brigade.
— Nach einer Meldung aus Molteno vom 11. d. M. hält sich -Gatacre in Cypkergat auf, um Verstärkungen zu erwarten. Die Buren werden Molteno wahrscheinlich besetzen.
— Wenngleich die angebliche Vernichtung einer weiteren Burenhaubitze auf Surprise Hill in London große Freude entfacht, sinden Sachverständige, daß die englischen Verluste dabei — 1 Offizier und 11 Mann tot, 3 Offiziere und 41 Mann verwundet, 6 Mann gefangen — ermäßig für ungefähr 500 Mann seien. Es fragt sich noch, ob die Haubitze auch thatsächlich zerstört ist. Die Sache hat vielmehr den Anschein, als sei sie eine Falle für die Engländer. Es dürften, da sechs Mann bei den Verwundeten zurückgeblieben sein sollen, viel mehr gefangen genommen worden sein.
— Gerüchtweise verlautet, daß General Gatacre seines Postens enthoben werden wird, weil man ihm in höheren militärischen Kreisen praktische und taktische Fehler zur Last legt.
— Im Auftrage des Präsidenten Krüger veröffentlicht die Vertretung Transvaals in Paris einen Aufruf an alle Staatsangehörigen, sofort ihre Dienstpflicht zu erfüllen: Freiheitsstrafe und Einziehung der Güter wird denjenigen angedroht, welche dem Aufrufe nicht folgeleisten.
Ciue schwere Niederlage der Engländer
wird uns noch in letzter Stunde gemeldet:
London, 14. Dezember. General Methuen erlitt am Montag eine vernichtende Niederlage vor Magerfoutein. Seine Elite wurde von der Artillerie des unsichtbaren Feindes decimiert. Die Trümmer seines Heeres flüchteten in das Lager südlich vom Modderflusse, wo sie in Delarey und Prinslov im Osten und Süden eingefchloffen wurden. Die Verluste der Eng- lander sind enorm, die Demoralisation ist vollst äu di g. — General Gatacre hat auf dem Rückzüge von seiner schweren Niederlage am Stormberg auch die sehr wichtige befestigte Stellung von Bushmannshok geräumt. Der Verlust der Buren in dieser Schlacht soll nur 9 Tote und 11 Verwundete betragen. Die Engländer machten überhaupt keinen geregelten Angriff, da sie vom Feuer der Buren überrascht wurden, als sie sich noch in Marschkolonne befanden. Die Leute warteten gar keine Befehle ab. — „Daily Mail" bringt nähere Einzelheiten über die Schlacht bei Magerfonteia. Am Sonntagnachmittag begann Lord Methuen die Beschießung der verschanzten Buren. Am nächsten Morgen ging die Hochläuder-Brigade vor. Als sie über das freie Feld rückte, erhielten sie ein mörderisches Feuer. Sie erlitten innerhalb weniger Minuten furchtbare Verluste und mußten sich zurückziehen, sammelten sich aber wieder. Nun ging die Garde-Brigade vor und focht 15 Stunden gegen den unsichtbaren Feind. Das Gordon-Regiment wurde um 11 Uhr vorgeschickt. — Wie aus Kapstadt gemeldet wird, find ernste Differenzen zwischen General - Gouverneur Millner und dem Kap-Ministerium ausgebrochen und es gilt eine Ministerkrifis als bevorstehend.
— Die Aufstellung eines Reservekorps von 500 0 0 Mann ist für Weihnachten vorgesehen. Am Weihnachtstage wird ein Auftuf an Freiwillige von 20 bis zu 50 Jahren erfolgen, welche in Friedenszeiten einmal jährlich einberufen werden sollen. Diese Idee stammt von Weruyn, dem ehemaligen Schatzmeister. Das Kriegsamt ist mit diesem Plan einverstanden.
Loudon, 14. Dez. Das Kriegsamt veröffentlicht folgendes Telegramm über das Gefecht bei Magerfontein. Das Telegramm ist aufgegeben in Modder River am 6. Dezember 1 Uhr 15 Mm. nachmittags. Ein Gefecht hat bei Magerfontein vor Sonnenaufgang begonnen. Die Brigade der Hochländer unter General Warton drang bis 30 Meter an die Verschanzung des Feindes heran. In diesem Augenblick eröffnete der Feind ein verheerendes Feuer, welches die Hochländer zwang, sich zurückziehen, nachdem sie auf dem Kampfplatze etwa 100 der ihrigen zurück- gelassen hatten. Sobald der Tag anbrach, eröffnete unsere Artillerie ein konzentriertes Hochfeuer, welches dem Feinde, wie wir von Ambulanzen hörten, große Verluste bei- brachle. (??) Dem Kriegsamt ist ein weiteres Telegramm vom General Methuen vom 12. ds. 1 Uhr 30 zugegangen, worin er sagt, daß er sich zurückgezogen habe, weil der Feind neue Verstärkungen in seine Verschanzungen geworfen habe.
— Der Brigade-General Wauchope, Kommandeur der Hochländer-Brigade, welcher am Montag vor Magerfontein gefallen ist, war einer der verdientesten Generale der britischen Armee. Er kommandierte die erste Brigade im Sudan-Feldzug im vorigen Jahre und wurde viermal, darunter dreimal schwer verwundet.
— Ein Telegramm aus dem Lager von Frere berichtet vom 12. d. M., daß einige Marine-Geschütze dort aufgestellt worden sind.
Koluües und Vrovinstettrs.
Gießen, den 14. Dezember 1899.
** GefchichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 115 Jahren, am 15. Dezember 1784, wurde zu Berlin der Schauspieler Ludwig Devrtent g-doren. Sein großer Erfolg lag in einer genialen, natu, wahren Charakteristik, die ihn aufgeben ließ in seiner Rolle und den Z iscbauer in die bärgest, llten Vorgänge mitten hineinritz, dazu in dem sprudelnden Humor, der ihm eigen war. In Ber in als Franz Moor mit unerhörtem Beifall ausgenommen, dankte er tum Schluß also: „Vorher drückte ich auS, waS ich nicht fühlte: j.tzt fühle ich, waS ich nicht ausdrücken kann."
*• „Strenge Herren regieren nicht lange", sagt man mit Bezug auf den Plötzlich eingetretenen scharfen Frost. Nach unseren langjährigen Aufzeichnungen und Erfahrungen dürfen wir uns jedoch auf einen kräftigen Winter aus folgenden Gründen gefaßt machen: Erstlich haben wir seit zehn Jahren exzessive Witterungserscheinungen, wenn es einmal anfängt zu toben, pflegt es eine Reihe von Wochen anzuhalten. Dann: hatten wir zwei schlackige, regnerische W nter, denen, da sich nichts mehr ausgleicht, als die Witterung, wahrscheinlich ein kalter folgen wird. Endlich pflegt Kälte, die in der ersten Dezemberdekade eintritt, gewöhnlich bis zum 28. Dezember anzuhalten, wenigstens in unserer Gegend. Auch einige andere Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt deuten auf einen gesunden, frostigen Winter. Wie dem auch sein mag, es empfiehlt sich, die Ställe und Keller sorgfältig zu wahren; die Ruhe in der Atmosphäre bei wolkenlos heiterem Himmel erinnert an den kalten Winter 1879 auf 1880, der bekanntlich nicht gespaßt hat.
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•• Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 13. Dezember u. a. den Pfarrer Naumann von Siefersheim, den Oberamtsrichter Rabenau und den Schulrat Buß von Büdingen, den Rechtsanwalt Katz von Gießen, den Professor Ottmann vom Realgymnasium zu Gießen, den Lehrer Griedel von Petterweil, den Medizinalrat vr. Balser von Mainz, den Gerichtsschreiber Orth von Gießen.
** Ans dem Theaterbureau. Betreffs der morgen (Freitag) abend stattfindenden Aufführung von „Tasso iu Darmstadt" und der Operette „10 Mädchen und kein Mann" machen wir noch bekannt, daß, ungeachtet der hohen Kosten, eine Preiserhöhung nicht stattfindet und die Vorstellung im Abonnement gegeben wird. — Am nächsten Sonntag beginnt ein dreimaliges Gastspiel von Fräulein Lucie Vier na aus München. Die vortreffliche Künstlerin wird zuerst als „Frau Eva" in dem Lustspiel „Die goldne Eva" und ferner noch in „Frou-Frou" und Schillers „Kabale und Liebe" gastieren.
** Der Einbruchdiebstahl, welcher in der Nacht vom 1L zum 12. Dezember zum Nachteil der Firma Carl Nowack, Seltersweg ausgeführt wurde, ist bis jetzt nach keiner Seite aufgeklärt, trotzdem die Polizei angestrengt nach den Dieben fahndet. Leider ist der Geschädigte nicht versichert gewesen, und dürfte wohl kaum auf Herbeischaffung der gestohlenen Waren zu rechnen sei. Der Fall zeigt so recht wieder die Notwendigkeit der Versicherung gegen Diebstahl, welche in England schon lange Jahre populär und ebenso selbstverständlich wie die Feuerversicherung ist. — Unter den deutschen Versicherungsanstalten, die diesen Zweig der Versicherung ausgenommen haben, ist es in erster Linie die altbewährte Frankfurter Transport-Unfall- und Glasversicherungs-Gesellschaft (Vergl. Inserat in heutiger Nummer), welche durch praktische, den Beoürfnissen der Interessenten angepaßte Einrichtungen sicheren und ausreichenden Schutz gegen die Folgen von Diebstählen gewährt.
** Christbescherung für brave, bedürftige Kinder. (Eingesandt.) Unterzeichneter hat auch in diesem Jahre wieder eine Christbescheerung (51.) für bedürftige Kinder veranstaltet, und mit großer Freude bekennt er hiermit öffentlich, daß es in seinem lieben Gießen noch recht viele edle Menschen giebt, die ein warmes, fühlendes Herz für die Notleidenden im Busen tragen, die daher gerne bereit find, ihre milde Hand aufzuthun, wenn es gilt, Dürftige zu unterstützen. Die Gaben sind namentlich in diesem Jahre wieder in so reichem Maße gespendet worden, daß ich in die angenehme Lage versetzt wurde, 266 Kindern eine recht schöne Weihnachtsfreude bereiten zu können, und ich spreche hiermit allen edlen Geberinnen und Gebern meinen herzlichsten Dank aus. Es wäre mir jedoch nicht möglich gewesen, eine so große Anzahl von Kindern zu beschenken, wenn ich nicht dabei auch die Zinsen aus meiner Stiftung und aus der der verstorbenen Elisabethe Schmidt, zusammen 196 Mark betragend, hätte verwenden können. Daher spreche ich auch den edlen Bürgern, die meine Stiftung bewirkt haben, und der hochverehrlichen Stadtverordnetenversammlung, die das Stiftungskapital in so hochherziger Weise erhöht hat, und die die Güte hatte, mir die Schmidt'sche Stiftung zur Anschaffung von Schuhen zu überweisen, abermals meinen wärmsten Dank aus. Ich danke auch noch der verehrliche« Redaktion dieses geschätzten Blattes, die wie alljährlich, so auch diesmal dieserEinladung unentgeltlicheAufnahme gewährte. — Zur Bescherung, mit der auch zugleich eine Christseier verbunden ist, und die in der Turnhalle der Stadtmädchenschule (Westanlage) am kommenden Sonntag, dem 17. Dezember, nachmittags 4 Uhr stattfinden wird, lade ich hiermit freundlichst ein. Die Gaben für die Kinder können schon von vormittags 10 Uhr an in Augenschein genommen werden, und bin ich mit Vergnügen be- bereit, über deren Verteilung nähere Auskunft zu geben. H. Curschmann, Lehrer i. P.
— Wiefeck, 13. Dezember. Gestern abend stürzte hier die 78jährige Wittwe Döringer so unglücklich die Treppe hinunier, daß der Tod sofort ein trat.
A Vom Lande, 13. Dezember. Die Tagesblätter berichten neuerdings wieder über die im deutschen Heere im Ersatzjahre 1898 eingestellten Analphabeten. So gering auch der diesmalige Prozentsatz der Analphabeten im Heere und in der Marine ist, nämlich 0,03 Prozent, so sehr mag es auffallen, wie es überhaupt möglich ist, daß trotz der günstigen Schulverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten immer noch Analphabeten Vorkommen können. DeS Rätsels Lösung ist aber sehr leicht zu finden, wenn man die Umstände ins Auge faßt, unter denen die Kinder der als Nomaden umherziehenden „Künstler" und einheimischen «Zigeuner" 2c. aufwachsen. Wohl find dieselben zum Schuld


