Ausgabe 
15.12.1899 Zweites Blatt
 
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besuche verpflichtet, aber sie wandern fast täglich von einer Dorfschule zur andern, sitzen die Schulstunden ab von Lernmitteln ist meist gar keine Rede und wandern wieder weiter. D« sie auch im Winter kein Standquartier haben, kann ein planmäßiges, lückenloses und einigermaßen erfolg« reiches Lernen unmöglich aufkommen. Zuweilen suchen die Eltern auch derartige Kinder der Schulpfl cht zu entziehen, bis die Polizeiorgqne einschreiten und den Schulzwang durchs setzen. Unlängst wurden zwei Knaben einer Seiltänzer« familie zwangsweise der Schule zugeführt. Sie standen im Alter von etwa 9 und 10 Jahren, hatten aber bis dahin auf ihren Wanderungen noch keine einzige Schule besucht. Bei dem einen der Knaben vermochte die Mutter weder Zeit noch Ort der Geburt anzugeben. Aus solchen Leuten rekrutieren sich dann vorzugsweise die Analphabeten. Die Schule aber kann hierfür keine Verantwortung treffen. Wer heutzutage bei geregeltem Schulbesuche ein Analphabet bleibt, der ist eben einfach bildungSunfähig und jedenfalls auch militäruntauglich.

Mühlheim a. M., 13. Dezember. Oberhalb des Frankfurter Schlacht- und Viehmarktes wurde am Sonntag die Leiche eines jungen Mannes geländet, welcher 62,49 Mk. bei sich trug. Dieselbe ist inzwischen identifiziert worden. ES ist der unverheiratete, 24 Jahre alte Tag- löhner Franz Anton Keller, Sohn des verwitweten Tag löhners Konrad Keller zu Seligenstadt. Derselbe beendete erst kürzlich seine Militärzeit und stand zuletzt bei einem hiesigen Zimmermeifter in Arbeit. Es liegt zweifelsohne Selbstmord vor, dessen Motive auf Liebeskummer zurück« geführt werden.

Wiesbaden, 13. Dezember. Wie in der heutigen Magistratssitzung mitgeteilt wurde, zählt die Stadt nach der Personenstandsaufnahme vom 27. Oktober d. I. 27,143 männliche, 35,657 weibliche Personen über und 19,262 unter 14 Jahren, im Ganzen also 8 2,062 Ein­wohner, gegen das Vorjahr mehr 2305.

Vermischtes.

* Koburg, 13. Dezember. Der Schnellzug 192, der nachmittags 2 Uhr 36 Minuten von hier abgefahren ist, entgleiste bei Weilsdorf aus noch nicht festgestellter Ursache. Nennenswert ist niemand verletzt. Der Material­schaden ist bedeutend. Das Geleis ist auf eine Strecke von 100 Meter zerstört. Der Personenverkehr wird durch Um­steigen aufrecht erhalten. Mehrere Waggons, die sich lcks- rissen, stürzten die Böschung hinab.

* Berlin, 12. Dezember. Der stärkere Schneefall und die damit verbundene Glätte bereiteten heute morgen dem Straßenverkehr die grüßen Schwierigkeiten und brachten die empfindlichsten Störungen. Die großen elek­trischen Sammelwagen kamen bei den ersten Fahrten auch auf ebener Erde kaum von der Stelle. Wo Aber Steigungen zu nehmen sind, blieben nicht nur die Sammler, sondern anch die Wagen mit oberirdischer Stromzuführung stecken. Auf den glatten Schienen drehten sich die Räder, ohne daß die Wagen sich von der Stelle rührten. Bei den Weichen haperte es ebenfalls nicht selten. Zwischen den Zangen und den Schienen bildete der Schnee Erhöhungen, über die die Wagen, wenn sie einmal im Gange waren, auf falsche Strecken hinüberrollten. Die Folge aller dieser Hindernisse war ein Wirrwarr, wie man ihn im Straßenbahnverkehr noch nicht gesehen hat. Die Wagen verschiedener Linien machte« allerhand Umwege und gerieten so in Stadtgebiete, die ihnen sonst ganz fern liegen, zum nicht geringen Er­staunen und Verdruß der Fahrgäste. Erst nach und nach überwand man die Schwierigkeiten, indem man genügend Sand auf die Schienen streute. Es dauerte wohl bis in die zehnte Stunde, bis alles wieder im richtigen Geleise war.

Zürich, 12. Dezember. Kürzlich ist hier, wie schon wutgeteilt wurde, der Franzose Charles Bernard verhaftet worden. Der wegen eines bei einem Rentier in RosiHreS bei Nancy begangenen Einbruchdiebstahles von den französischen Behörden steckbrieflich verfolgt wurde. Dem Einbrecher fielen russische und französische Wertpapiere im Betrage von 120000 Franken in die Hände. Nun ist auch der Komplize des Bernard, ein gewisser Charles Messer, der hiesigen Polizei ins Garn gegangen, als er, ohne Kunde von der Verhaftung des Bernard aus Paris hierher zurück­kehrte, wo er bei einem Italiener Unterschlupf gefunden hatte. Seiner Verhaftung suchte sich Messer mit Dolch und Revolver zu widersetzen und während dessen entfloh der italienische Gastgeber der Gauner, der wohl von diesen ins Vertrauen gezogen war. Wie es bei Leuten dieses Schlages der Fall zu sein pflegt, so waren sie auch Liebhaber des Ewig-Weiblichen; die Polizei hat sich der beiden Frauen­zimmer der Gauner gleichfalls angenommen. Jrn Besitze der einen wurde ein kleiner zerlegbarer Koffer gefunden, der allerhand Einbrecherwerkzeug enthielt. Es hat den Anschein, daß die Verhafteten wie auch der flüchtige Ita­liener, Mitglieder einer größeren Einbrecherbande sind. Heber den Verbleib der in Rosiöres geraubten Wertpapiere verweigern die Gauner jede Auskunft. Die Auslieferung der Verbrecher an Frankreich wird erfolgen.

Die Strafanstalten in Gießen.*)

Nach den Mitteilungen, die H. B. Wagnitz über die Strafanstalten in Gießen giebt, befanden sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts dort ein Zucht- und ein StockhauS, beide nebeneinander unweit des Walles und des Stadtflutgrabens gelegen. Während die Zimmer in dem

) Wir entnehmen vorstehenden Artikel der soeben bei G. Weiß in Heidelberg erschienenen neuen Jnaugural-Dissertation d>S Geriärtb-

acccsfisten E. Hoffmann tn Darmstadt, betitelt:Das Ge­fängniswesen in Hessen. Seine geschichtliche Entwickklung und jetzige Lage." Wir werden auf einzelne Abschnitte dieser.interessanten Broschüre noch zurückkommen. D. Red.

Stockhause dunkel waren, enthielt das damals neuerbaute Zuchthaus außer der Wohnung des Verwalters fünf große, helle Gefängnisräume, in denen die Züchtlinge, nach dem Geschlechte getrennt, arbeiteten und schliefen. Die in opere pablico stehenden Gefangenen mußten herrschaftliche Arbeit verrichten, während die zu Zuchthaus Verurteilten stricken und Flachs und Wolle spinnen mußten. Ferner wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts als Strafanstalten benutzt: das Gefängnis auf der Neustädter Pforte, das zur Einsperrung von Forftfrevlern und Verbüßung von Polizeistrafen diente, das Gefängnis auf der Wache des Selterser Thores, welches wesentlich für Vagabunden bestimmt war, jedoch auch als Gefängnis für das Stadtgericht benutzt wurde, und das Gefängnis auf der Wache des Neustädter Thores als Ge­fängnis für das Landgericht.

Das alte Stock- und Zuchthaus seit 1825Arrest­haus" genannt entsprach in den 20er Jahren den Anforderungen nicht mehr. Obwohl etwa seit 1820 die schweren Verbrecher in dem Zuchthause Marienschloß und die leichten Sträflinge in dem Korrektionshause in Darm- stadt untergebracht wurden, war das Arresthalls in Gießen stets überfüllt, Entweichungen und Kollusionen kamen wieder­holt vor, die Militärwache vermittelte den unerlaubten Verkehr mit der Außenwelt. In den Jahren 183638 wurde daher auf dem Selterser Berg neben dem Universitäts­gebäude ein neues Arresthaus errichtet. Das alte Gebäude wurde alsBezirksgefängnis" dem Stadtgericht, dem Land­gericht und dem Kreisamt zugewiesen und außerdem zur Unterbringung der Schüblinge und der nicht fluchtverdächtigen Honoratioren benutzt.

Nachdem die beiden Anstalten im Laufe der Jahre mehrfach kleinere Veränderungen erfahren hatten, brachte die Justizorganisation von 1879 außer einem Gerichts­gebäude auch ein neues Arresthaus nach Gießen, das un­mittelbar hinter ersterem liegt und am 25. Februar 1880 bezogen wurde. Während das alte-Arresthaus auf dem Selterser Berg seitdem als Hauptsteueramt und Lagerhaus benutzt wird, that das Bezirksgefängnis noch einige Jahre als Haftlokal seine Dienste. Doch bald erwies es sich auch hierfür als unzureichend und nicht mehr verbefferungSfähig. Es wurde daher 1882 die Vergrößerung des neuen Pro« vinzialarresthauseS durch dreistöckige Anbauten auf beiden Seiten beschlossen, und die Gefangenen wurden aus dem Haftlokal dorthin verlegt. Letzteres ist jetzt der Polizei überlassen, nachdem es im Laufe eines Jahrhunderts als Stock- und Zuchthaus", alsArresthaus", alsBezirks­gefängnis" und alsHaftlokal" gedient hat, in diesen Namen die Entwicklung des hessischen Gefängniswesens wider­spiegelnd.

In dem Provinzial-ArresthauS sind nunmehr die Straf- und Untersuchungsgefangenen von Gießen vereinigt, teils in Einzel«, teils in Gemeinschaftshaft. Die Anstalt genügt dem gegenwärtigen Bedürfnisse.

Gerichtssaal.

Wetzlar, 17. Dezember. Am 21. August ds. Js. war in Her­born Markt gewesen, wozu viele Leute aus der Umgegend herbeigeströmt waren. In den Wirtschaften ging es infolgedessen sehr lebhaft zu, so namentlich in dem Lokale von Haselhuhn, wo Tanzmusik abgehalteu wurde. Um 12 Uhr wurde in dem letztgenannten Lokale Feierabend geboten, aber ein Teil der Gäste weigerte sich, diesem Gebot Folge zu leisten. Diese Weigerung hatte die Wirkung, daß nunmehr der städtische Polizeidiener und Gendarmen gegen die Sitzenbleibenden einschritten. Allein auch dieses Vorgehen hatte die gewünschte Wirkung nicht. Mehrere der widerspänstigen Gäste, namentlich die Former Heinrich R. und Jakob P. aus Haiern und Wilhelm B. aus Kölschhausen setzten dem Einschreiten dec Beamten thätlichen Widerstand entgegen. Sie wurden infolgedessen festgenommen Diese Verhaftung rief großen Lärm hervor, der sich noch steigerte, als die drei Verhafteten nach dem Gefängnis gebracht wurden, allwo sie einen Mordspektakel verübten und sich auch noch sonst recht wüst benahmen. Von den an­dern Lärmmachcrn stehen heute noch drei mit vor Gericht und zwar die Former Wilhelm H. aus Niederlemp, Louis R. aus Haiern und Heinrich B. aus Amdorf. Die Verhandlung, für welche eine Menge von Zeugen aufgeboten ist, endet damit, daß der Angeklagte H. R. zu 6 Monaten Gefängnis und 2 Wochen Hast, L. R. zu einem Monat Gefängnis, I. P. zu 5 Monaten Gefängnis und einer Woche Haft, SB. B. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wird. W. H. und H. B. werden frei- gesprochen.

Chemnitz, 12. Dezember. Vor dem hiesigen Geschworenengericht hatten sich an mehreren Verhandlungstagen 12 meistens dem Arbeiter­stande angehörige Personen zu verantworten, die hervorragend an den großen Straßenkrawallen beteiligt waren weiche hier am Vorabend des Sedantages und an diesem selbst stattfanden. Zehn von den Angeklagten wurden des Aufruhrs schuldig gesprochen und zu Strafen von acht Monaten Gefängnis bis zu zwei Jahren Zuchthaus und mehrjährigem Verlust der Ehrenrechte verurteilt. Die insgesamt verhängten Freiheits­strafen betragen 2 Jahre Zuchthaus und 10 Jahr 7 Monat Gefängnis.

Universität und Hochschule.

Ernannt: Zum Direktor der jetzt der Züricher Universität angegliederten zahnärztlichen Schule der Denatoioge Professor Dr. F. Billeter.

Bern, 13. Dezember. Dem Kanton Bern ist eine Erbschaft zugefallen mit der Zweckbestimmung, daraus einen Stipendienfonds zu bilden für b dürftige Studentinnen schweizerischer Nationalität, die an der Hochschule in Bern Medizin, Pharmazie oder Chemie studieren wollen. Eine solche Stipendienstlftung für Studentinnen dürfte an einer europäischen Universität kaum noch existieren.

Verschiedenes r An dem Berliner Institut für Infektions­krankheiten sind in letzter Zeit mehrere wichtige Personalveränderungen vor sich gegangen. Die National-Zeitung berichtet darüber: Während der Direkior Prof. Robert Koch seit Monaten behufs Fortsetzung seiner Malariaforschungen in der Südsee weilt, ist der Vorsteher der wiffen- schaftlichen Abteilung des Instituts, Prof. Richard Pfeiffer, zum Profesior der Hygiene nach Königsberg berufen und zu seinem Nach­folger der bisherige Assistent Prof. Frosch ernannt worden. Auch der Vorsteher der Ktankenabteilung des Koch'schen Instituts, Geh Medizinal- rat Prof. Ludwig Stieget, rottb von diesem Amte zutücktreten, da er mehr für den m-dizinischen Unterricht an bet Universität herangezogen unb ein neues Lehrfach in bet Mebizin Iteiten soll. Dies ist zwar noch nicht entschieben, aber wohl mit Sicherheit bemnächst zu erwarten, denn zu seinem Nachfolget ist bereits bet Geh. Mebizinalrat Professor Dönitz ernannt worden. Die Zahl der Damen, welche im Wintersemester an bet Kieler Universität Vorlesungen hören, beträgt 24. Davon find 16 unverheiratet, 8 verheiratet unb 4 Wittwen, 5 stehen im Alter von 50 bis 70 Jahren. Die theologische Fakultät bet Universität Zürich «eist in diesem Winter einen so niebrigen Bestand an Studenten a*f,

wie er wohl kaum noch an einer Universität zu verzeichnen war. Sie zählt nur 6 immatrikulierte Studenten, wozu noch 2 Hörer kommen; dagegen setzt sich der L.hrkörper der Fakukläl aus 10 Personen zusammen, aus 6 otdentl. Prof«stören, 1 auß<rorde»tl. Professor und 3 Privat­dozenten. Der Professor für Agrarpolitik unb Statistik an der Uni­versität Freiburg in ber Schweiz, Dr. Karl Büchel, wirb mit Ende dieses Wintersemesters aus seinem Lehramte ausscheiden, um die Stelle eines Direkiots des neugeg'ündeten>-statistrsch«n Amtes d r Stabt Nürn­berg zu übern«hmtN. Proseffor Büch»! war früher bereits in bet prak­tischen Statistik als Assistent beim statist schen Amt bet Stabt Straß­burg i. E. thätig. Prof. Dr. Georg Krukenbetg in Bonn, besten Hinscheiben angezeigt würbe, wat ein geschätzter Frauenarzt. Er war am 16. Dezember 1855 zu Kalbe a. o S. geboten, als Ablömmlin einefl Stammes, welchem hetvorragenbe Aerzte eigen waten, so Peter Krukenberg unb Peter Neil in Halle, Kieser in Jena

Werntur.

Ein Weihnacht-lied von Humperdinck, gebetet von Abelheib Wette, bet Textverfasterin vonHänsel unb Gretel", erschien soeben bei Max Brockhaus in Leipzig. (Preis 1 Mk.) Das schlichte, stimmungsvolle Lied sei den zahllosen Verehrern des Kom­ponisten warm empfohlen. Da die Schlußverse nach Belieben auch von mehrstimmigem Chor gesungen werden können, eignet sich die schöne Komposition ganz besonders zum Vortrag in gesilligem Kreise.

* Geist. Wie führt Goethe fein tiranltfches Faust­problem, das Bild seines eigenen Lebenskampfes, voll­kommen einheitlich durch? (Verlag von Hcrmann Böhlau- Nachfolger Weimar, Preis M 6. Goethe hat nach seiner genialer, ti.f einbringenben unb allamfvssenben Weise in ber bramaitschen Person befi Faust seine eigene titanische, von göttl chen Kräften er­füllte Natur, in ber bramatischen Handlung ber Faustdichtung ben gewaltigen g iftigen Bttbungvgang unb zum Teil tragischen Ent- rmckelungsgang seines eigenen Lebens mit seinem Genuß-, Schön - Heils» unb Thatendrang im Silbe, symbolisch bargefteUi. Gemäß seinen ausdrückl chen Erklärungen hat Goethe ben einheitlichen Plan ber ganzen Faustdichtung von Anfang an festgehalten. Auch wirb diese Einheitlichkeit von einer erhaltenen, im Gotthe-Archtv vor­handenen frühen Skizze der dramaiischea Entwickelung des ersten unb zweiten Teils, unb ferner burch ben U> faust, ber b e Keime ber ganzen weiteren zusammenb2"genben Entwickelung behält, bewi'sin. Trotz biefer Sach.age mb Erklärungen be8 Dichters finbtt man Un­gleichmäßigkeiten unb Wiberlprüche i.i ber Dichtung, beionbers im zweiten Teil trotz Goethes absichtlicher Wahl ber symbolischen Dar­stellung, trotz ber genialen, lebensvolle unb anschaulich dramatischen Durchführung derselben, trotz seines freien Verzichtes auf e'n bühnen- gei echtes Drama, Mängel, Fehler, Schwächen b<r Dichtung in Mmge; der zweite Teil gilt in den weitesten Kreisen heute als ein ungesagtes, überladenes, unverständigches, ja ziemlich verlorenes Werk. Der Verfasser erörtert die Einheitlichkeit der Dichtung im ganzen und einzelnen, in Charakteristik, Handlung und Idee, ent­wickelt auSsüh lich namentlich die ersten drei Akte des zweiten Teils nach dem von Goethe zusammen mit Schiller ausdrücklich fest­gestellten einheitlichen G undthema ber lebenswirklichen idealen Schönheit, und zeigt überall den zusammenhängenden Fo'tschrrtt der dramatischen Handlung und den Faust als Träger derselben, feinen Sieg über den Teufel unb bie volle befdigenbe Sühnung seines menschliches Irrtums als ben von Goethe ausdrücklich be» zeugten folgerichtigen Schluß bes Dramas. Tas höchste Interesse ber Dichtung liegt in bem engen Zusamminhang bes eb'en macht­vollen titanischen Strebens Fausts mit beS Dichters eigenem Wesen, Geistesgang unb Schicksal.

Gottesdienst in der Synagoge.

Samstag den 16. Dezember 1899.

Vorabend 43 Uhr, morgens 9 Uhr, nachmittags 3 Ubr Schrifterklörung, Sabbathausgang 5" Uhr.

NB. Herr Rabbiner Dr. Sander wohnt jetzt Ludwig- strafte 37, I.

Neueste Meldungen

Depeschen deS Bureautierolb*.

Berlin, 14. Dezember. Eine Jahrhunderts feier der deutschen Hochschule wird auf Wunsch des Kaisers veranstaltet werden.

Ein großer Fabrikbrand, bei welchem Menschen von Schutzleuten mit eigener Lebensgefahr gerettet worden und ein Feuerwehrmann in Ausübung feines Berufes ver­unglückte, ereignete sich gestern auf dem Grundstück Münz- straße 11.

DasBerliner Tageblatt" meldet aus Rom: Im heutigen Konfistorium werden die Erzbischöfe von Köln und Prag zu Kardinalen ernannt werden.

Wien, 14. Dezember. Nachdem alle Versuche, die Jungtschechen von ihrer Obstruktion abzubringeu, ge­scheitert sind und ein großer Teil der Rechten offen die Jungtschechen unterstützt, so wird die Situation alS sehr ernst ausgenommen. Graf Clary, welcher gestern vom Kaiser in Audienz empfangen wurde, soll, wie in parla­mentarischen Kreisen verlautet, in dieser Audienz seine Be­reitwilligkeit, zurückzutreten, ausgesprochen haben. Der Kaiser habe jedoch den Wunsch geäußert, daß das Ministerium vorläufig noch im Amte bleibe.

Brüssel, 14. Dezember. In den Kreisen der Transvaal- Gesandtschaft wird die Meldung von der bevorstehenden Friedensvermittlung des Präsidenten Mac Kinley als völlig unglaubhaft bezeichnet. Jedenfalls erteilte Präsident Krüger dem scheidenden amerikanischen Konsul in Prätoria keinerlei Auftrag, bei Mac Kinley die Vermittlung anzustreben. Die beiden Präsidenten Krüger und Stein nehmen eine Vermittlung nur an, wenn die volle Unabhängigkeit der beiden Staaten gewahrt bleibt.

Rom, 14. Dezember. Der Papst hat der gestrigen Predigt beigewohnt und wird heute das Konsistorium ab- haltcu, obwohl der Leibarzt des Papstes entschieden sich dagegen erklärte. Der Papst ließ keinerlei Einwendungen gelten.

Mailand, 14. Dezember. Die Verhaftung eines im Maffia-Prozeß kompromittierten Senators steht bevor. In Sizilien wurden gestern 10 Verhaftungen vorgenommen und man spricht bereits von der bevorstehen­den Verhaftung einer ganzen Reihe von Mitgliedern dieses Geheimbundes.

Kopeuhage«, 14. Dezember. Der schwedische Dampfer Maria" mit Roggenladung von Reval nach Jütland unterwegs, ist bei Rügen gestrandet. Die ganze Be­satzung, 12 Mann, ist ertrunken.