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ud) Heuer wieder die Bitte an in hiesigen Kindern ohne Rua- eilen, güttgst zu unlerstützen. nehmen gerne an unsere vor- Icndanl Loering, S-blM ®1|W »r.
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1899
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Nr. 269 Erstes Blatt.
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an der Gratis-Verlosung teil.
Den Herren Bürgermeistern resp. Obmännern der betr. Ortsgruppen geben besondere Mitteilungen zu.
Gießen, den 14. November 1899.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.
___ Frhr. Schenck.___________________
norddeutsche Artikel von den wertvollen Freundschaftsbe- i Ziehungen zwischen dem deutschen und dem russischen Reiche | spricht, wenn er den Zaren als den erprobten Träger I der altüberlieferten und oft bewährten Freundschaft zwischen I Deutschland und Rußland begrüßt und zum Schluß noch I unter Hinweis auf das durch die herzlichen Beziehungen I der beiden Herrscher verbürgte segensreiche Einvernehmen I zwischen Rußland und Deutschland hervorhebt, daß, gestützt I auf dieses Einvernehmen, beide Mächte sich außerhalb dieses I Weltteils vertrauensvoll weiteren Aufgaben zuwenden können, I so entspricht er damit galiz unseren Anschauungen und den I Grundsätzen, die zurzeit Kaiser Wilhelm I. und I des Fürsten Bismarck maßgebend waren." Hierzu I erklären die auf dem Gebiete der auswärtigen Politik gut orientierten „Berliner N. N.": „Wir können versichern, daß die Kaiserbegegnung einen Verlauf genommen hat, der I der obigen Charakterisierung in jeder Richtung entspricht." I Die „Nalionalzeitung" betont den herzlichen familiären Ton, indem die beiden Kaiserpaare verkehrt haben, und die „Köln. I Zeitung" war schon kurz nach der Abreise der russischen Gäste in die Lage gesetzt, der hohen Befriedigung über den ganzen Verlauf des Besuches Ausdruck zu geben.
Sehr bemerkenswert ist es, daß diesmal auch die I russische Presse denselben Eindruck widerspiegelt. Gerade in solchen Blättern, die uns gegenüber sonst recht zurück- I haltend und überhaupt sehr vorsichtig sind, finden wir der- I artige Ausführungen. Wir berichteten bereits von den I Aeußerungen der „Rowoje Wremza", der „Nowost" und der „Rossija"; ergänzend fügen wir hier noch einen Satz der I „Nowosti" an. Sie sagen: das Einvernehmen zwischen Deutschland und Rußland gebe beiden Mächten die Mög- | lichkeit, gemeinsam in Europa und außerhalb Europas zu |
I handeln. Angesichts derartiger Uebereinstimmung der öffentlichen Organe beider Länder haben wir gewiß alle Veranlassung, mit dem Verlauf des Besuches zufrieden zu sein und seinen Erfolgen mit vollem Vertrauen entgegenzusehen. I
Samoa deutsch! Man würde dem Zufall zu viel I zugestehen, wenn man ihm das Zusammentreffen des Zarenbesuchs mit der Verzichtleistung Englands auf Samoa aufs Konto setzen wollte. Mit großer Zähigkeit hatte England an der Vorherrschaft auf dieser Inselgruppe festgehalten. Das Benehmen aller seiner Vertreter in Apia und im Hafen
I von Apia hat von jeher den Eindruck gemacht, als betrachte I Großbritannien den künftigen Alleinbesitz der Insel für sich I gesichert und sei der deutsche Einfluß dort nur ein nahezu über- I wundenes Stadium. Ja, noch wenige Tage vor der Entscheidung I glaubte man sogar in Berliner amtlichen Kreisen das deutsche
Volk auf den Verlust vorbereiten zu müssen, so trübe waren | I unsere Aussichten. Da gab England plötzlich nach. Mr. I Chamberlain kalkulierte unzweifelhaft richtig, daß die Freude darüber den Kaiser Wilhelm und den Grafen Bülow für die Unterhandlungen mit den östlichen Nachbarn etwas
I milder gegen England stimmen würde. Sonst legten die englischen Staatsmänner darauf nicht so großen Wert. Heute ist das anders. England steht eingestandenermaßen ganz allein. Da galt es, nicht auch den letzten Rest deutscher Sympals n zu verscherzen, d. h. amtlicher
I Sympathien, nationale ,nr England giebt es in Deutschland I nicht. Wem haben wir das zu verdanken? Allein der
Tapferkeit und dem Kriegsglück der Buren. Und so ist es I im Grunde genommen gar nicht so unrichtig, daß die Buren
Samoa für uns herausgehauen haben.
Will man den Wert, den das deutsch-englische Abkommen über Samoa für uns hat, richtig beurteilen, so darf man I nicht Quadratkilometer und Einwohner und Aus- und Einfuhr zählen. Der Wert liegt auf politischem Gebiet und ist größtenteils ideeller Natur. Herr Eugen Richter, der I Jubilar des Freisinns, schwingt sich zu folgender Aeußerung I auf: „Wir unsererseits begrüßen diese, wie jede andere I Lösung der Samoafrage mit Genugthuung, weil die Samoainseln seit langen Jahren ein Zankapfel waren zwischen I Deutschland, England und Nordamerika und Verstimmungen I hervorriefen, die ganz außer Verhältnis standen zu der Be- I deutung der Samoainseln." Nun, das ist ungefähr der dürftigste Standpunkt, den man sich denken kann; er ist
I nicht viel höher als der des „Vorwärts", der rundweg erklärt: die ganze Geschichte ist für Deutschland ohne jede
I Bedeutung. .
Nein, die Entscheidung ist sehr bedeutungsvoll in politischer Hinsicht. Sie zeigt aller Welt, daß England nicht allmächtig ist und nicht alle seine Wünsche durchsetzen
I kann. Deutschland hat da draußen in der Südsee lange genug die Rolle des Aschenbrödels gespielt zum Spott des gesamten
I Auslandes. Nun endlich aber hat deutsche Zähigkeit den Sieg
Zur politischen Lage.
Gießen, 14. November 1899.
Eine bedeutungsvolle Woche liegt hinter uns: Der Besuch des Zaren in Potsdam und die Entscheidung der Samoafrage geben ihr vor allen anderen Ereignissen das charakteristische Gepräge. , , . ,
Der Zar in Potsdam. Es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß der russische Zar und der Deutsche Kaiser die beiden mächtigsten Monarchen des europäischen Kontinents sind. Eine Begegnung zwischen ihnen Beiden bleibt daher, wenn es sich nicht um eine flüchtige Begrüßung von einer oder zwei Stunden handelt, wie in Wiesbaden, unter allen Umständen ein politisches Ereignis, auch wenn halbamtliche englische Kreise das im eigenen Interesse tn Zweifel zu ziehen sich bemühen. Was die beiden Herrscher mit einander verhandelt haben, das weiß natürlich außer den allernächst beteiligten Personen niemand. Daß sie die brennenden Fragen des Tages berührt und wohl auch erwogen haben, ist so selbstverständlich, daß das Gegenteil auffällig wäre. Aller Welt ist Kunde davon geworden, daß Kaffer Wilhelm den Leiter der russischen Auswärtigen Angelegenheiten in halbstündiger Audienz empfangen hat. Vom Wetter werden sie nicht eben geredet haben; dafür bürgt der Umstand, daß Graf Bülow bei dem ganzen Empfange zugegen gewesen ist. Und daß die Unterredung, der mehrstündiges Beisammensein der beiden Diplomaten vorangegangen war, nicht gerade einen Mangel an Uebereinstimmung zwischen der deutschen und der russischen Diplomatie gezeigt hat, dürfte auch sicher sein; denn schon in der nächsten halben Stunde überreichte unser Kaiser seinem Staatssekretär des Auswärtigen das Großkreuz des Roten Adlerordens. Der ganze Zusammenhang der Ereignisse macht auf uns den Eindruck, als habe diese hohe Auszeichnung nrcht nur dem erfreulichen Ausgange der Samoafrage gegolten, sondern auch der Harmonie, die zwischen Deutschland und Rußland in der Behandlung der großen Fragen der Gegenwart sich ergeben hatte. . r
Vor dem Besuche des Zaren berichteten wrr die freundlichen Worte, mit denen die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." sein Kommen begleitete. Dazu bemerkte das Blatt des „alten Kurses", die „Hamburger Nachrichten": „Wenn Der
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung,
betreffend: Vortrag über Obstbau.
Der Obstbautechniker des Oberhessischen Obstbauvereins, Herr Metz aus Friedberg, beabsichtigt, die nachstehend verzeichneten Orte des Kreises Gießen zu besuchen, um Vorträge über Obstbau zu halten und praktische Unterweisungen an Obstbäumen zu erteilen. An Wochentagen beginnen die Borträge abends 8 Uhr, an Sonntagen nachmittags 3 Uhr, die praktischen Unterweisungen nach Maßgabe der besonderen
Klein-Linden und Allendorf a. Lahn teilnehmen. Mitgliedskarten sind vorzuzeigen. Neu zutretende Mitglieder nehmen
in Wieseck, mit Verlosung von Obstbäumen;
.. Hausen, desgl.;
„ Heuchelheim, desgl.
können die Mitglieder aus
Bekanntmachung.
Die unterm 25. Oktober l. Js. angeordnete Sperre des Großen Steinwegs wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 13. November 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Langsdorf, desgleichen;
Bettenhausen „
Muschenheim „
Dorf-Gill;
Grüningen;
Watzenborn-Steinberg, mit
Verlosung v. Obstbäumen;
Sonntag, „ 26. „
An letzterer Verlosung
doch noch davon getragen, und da wo der „Falke" such ohnmächtig dem übermütigen Vorgehen der englischen unb nordamerikanischen Kapitäne fügen mußte, ist jetzt der Union Jack und ist das Sternenbanner verschwunden, da weht jetzt die deutsche Flagge, umjubelt von den Eingeborenen, zu denen am Sonntag ober Montag — 5 Tage braucht, eine Nachricht im günstigsten Falle — die Kunde bringen wird: Samoa deutsch! Eine ganze Reihe politischer Scharten ist mit diesem Erfolge deutscher Politik wieder ausgewetzt.
Aber noch eine andere Bedeutung hat das Abkommen, das ist die ideelle. Samoa ist das erste Versuchsfeld deutscher Kolonialarbeit, es ist dem Weltverkehr durch Deutschland erschloffen, durch deutschen Fleiß zu Kultur unb Wohlstand gekommen, durch deutsche Missionare dem Christentum gewonnen. Deutsches Blut hat den Boden von Samoa getränkt, deutsche Seemänner haben in der Bucht von Apia ihr Grab gefunden. Das alles wirkte zusammen, um der Inselgruppe im Bewußtsein und im Gefühl del Volkes einen besonderen Wert zu verleihen, einen Wert, der sich in Ziffern nicht ausdrücken, in Bücher nicht eintragen läßt, einen Wert, der tief in bie Herzen geschrieben ist. Darum kam so viel darauf an, daß die Inseln deutscher Alleinbesitz wurden, und darum fragen wir auch nicht kleinlich, was dafür gegeben ist. Wir sind ja so oft Idealisten am verkehrten Orte gewesen, hier können wir es mit Recht sein und voll dankbarer Freude triumphieren: Samoa ist deutsch!
Noch auf einen Punkt müssen wir bei diesem Abkommen Hinweisen. Es nimmt Bezug auf das deutsch-englische Abkommen vom 1. Juli 1890, indem Deutschland auf das Recht der Exterritorialität in Sansibar schon vor Ende 1902 Verzicht leistet. Der Blick auf jenes 90er Abkommen unb das 99er fordert direkt zum Vergleiche heraus; wir wollen uns daraus aber nicht einlassen, sondern nur wiederholt feststellen, daß die deutschen Interessen diesmal in viel ge- | schickteren und darum auch glücklicheren Händen ruhten als vor 9 Jahren. Damals wurden nur die Jntereffen der deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft berücksichtigt, um die der anderen Deutschen kümmerte man sich gar nicht Diesmal ist ausdrücklich die volle Freiheit des Grundbesitzes, Handels, Kolonisierens und Leutewerbens für die Deutschen gesichert worden. Da nun einmal in den jetzigen Vertrag eine Ergänzung des 90er Vertrages ausgenommen ist, so sollte man noch einen Schritt weiter gehen und eine schwere Unter» I lassungssünde wieder gut machen. Wir meinen die Ange- I legenheit der Brüder Denhardt. England hat ihnen I weite Gebietsstrecken genommen, hat Kulturen unb Bauten I der beiben Deutschen verwüsten lassen, ohne einen Pfennig I von Entschäbigung dafür zu gewähren. Jetzt möge das Deutsche Reich die Denhardtschen Ansprüche an England mit Nachdruck unterstützen? Da der Vertrag von 1890 I einmal angeschnitten ist, so ist die Gelegenheit dazu denk- I barst günstig, sie kehrt so bald nicht wieder.
* Bom Kriegsschauplatz.
Nach Ankunft der ersten englischen Ersatz- I truppen in Südafrika gewinnt man Klarheit über bet I Kriegsplan General Buller's, des englischen Höchst- I fommanbierenben. Wir teilten bereits mit, baß brei Trans- I portschiffe mit 3676 Mann in Kapstabt angekommen unb I zwei von diesen nach Natal weitergefahren seien, ferner I meldeten wir die Ankunft des Transportdampfers „Roslm Castle" mit dem 2. Bataillon des West Yorkshire-Regiments I in Natal, und heute berichtet man uns:
Kapstadt, 12. November. Das Transportschiff „Gascon" ist mit zwei Bataillonen der Coldstream- Garde unb anberen Truppen am Nachmittag hier eingetroffen unb geht nach Natal unb bet Delagoa-Bai I weiter. „
Was bas Schiff in ber Delagoa'Bai will, ist vorläufig noch unverstänblich. Die Bai unb bas spanische Gebiet I sinb neutral, unb erst in ben letzten Tagen ist wiederholt von spanisch-offiziöser Seite versichert worben, baß bie Neutralität streng werbe aufrecht erhalten werben. Ein Gewaltstreich wäre England freilich zuzutrauen. Wie dem aber auch sei, der Plan Buller's ist der, die neu ankommende Streitmacht nicht in ihrer Gesamtheit nach dem westlichen und südlichen Kriegsschauplatz zu werfen, sondern sie zu teilen und zunächst die Scharte in Natal durch die Entsetzung von Ladysmith ^/^uwetzen. Wie die Lage in Natal sich gestaltet hat, läßt sich leider auch nicht mit annähernder Gewißheit sagen, da zureichende Meldungen fehlen, resp. von dem englischen Kriegsamt unterdrückt werden. Am 8. November wurde aus Durban ge-


