Ausgabe 
15.9.1899 Erstes Blatt
 
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Vertrauensvotum erteilt hat, ist der Regierung, welche dem Klerus die weitgehendsten Zugeständnisse gemacht hat, in höchstem Maße peinlich und läßt für die allernächste Zukunst das Schlimmste befürchten. Der Kongreß in Burgos be­gnügte sich nämlich nicht mit der Protestkundgebung gegen den höchsten Geistlichen Spaniens, sondern erklärte in offenster Weise der jetzigen Dynastie und der Verfassung den Krieg. Zwei Universitätsprofessoren und ein Carmelitermönch besorgten diese revolutionäre Arbeit und fanden dafür nicht allein den einstimmigen Beifall des Kongresses, sondern wurden von zahlreichen Prälaten in stürmischer Weise umarmt; sie hatten den Fanatikern und ihren kirchlichen Vertretern, die es nicht wagen, ihre inneren Gesinnungen in eigenen Worten zum Ausdruck zu bringen, aus der Seele gesprochen.

New-York, 13. September. Es wäre nicht zu ver­wundern, wenn der Fall des Hauptmanns Oberlin M. Carter im heraufzichenden Präsidentschaftsfeldzug eine hervorragende Rolle spielen sollte. Carter, ein glänzend begabter und beliebter Offizier, sehr angesehen in der Ge­sellschaft, 1897 zum Attachs in London ausersehen, dann aber der Nikaraguakanal-Kommission zugeteilt, wurde im März 1898 vor ein Kriegsgericht gestellt und nach zwei­monatiger Verhandlung für schuldig befunden, zwischen 1892 und 1896 mehrere Millionen Dollars der Bundesregierung veruntreut zu haben. Er hatte sich als Leiter der Hafen- und Kanalanlagen im Bezirk von Savannah mit betrüge­rischen Gesellschaften eingelassen und im Komplott mit ihnen das Land um ungeheure Summen für schlecht oder gar nicht geleistete Arbeiten geprellt. Gleich nach seiner Ver­urteilung machte, wie dieK. Z." schreibt, eine geheime mächtige Klique ihren politischen Einfluß beim Präsidenten geltend, die Bestätigung des Urteilssprnches zurückzuhalten, die Angelegenheit der höheren militärischen Gerichtsbehörde zu entziehen und sie in einen andern Kanal, das Justiz­ministerium, zu leiten. Diegelbe Presse" hatte schon im Mai des vorigen Jahres das Verdienst, diese rechtswidrigen Versuche aufzudecken, ohne Glauben zu finden. Aber die gelbe Presse, die in den Vereinigten Staaten die Ausgabe der römischen Volkstribunen übernommen hat, hatte nicht nur recht, sondern es begab sich auch, daß der Präsident sich thatsächlich von jener Klique überreden ließ. Zunächst wurden zwei der angesehensten Rechtsanwälte des Landes, G. F. Edmunds und W. Mac Veagh, von Mac Kinley beauftragt, zu untersuchen, ob während des Verfahrens Rechtsirrtümer vorgekommen seien. Edmunds konnte keine darin entdecken; Mac Veagh, den Carter darauf zu seinem Verteidiger bestellte, argumentierte, daß die Privatpapiere des Angeklagten zu Unrecht als Beweismaterial benutzt wurden, da nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch niemand ge­zwungen werden kann, gegen sich selbst Zeugnis abzulegen (!). Nach diesem Kniff könnte jeder Mörder sich dagegen ver­wahren, daß man aus Blutflecken an seinen Händen Schlüsse zöge; denn von seinen Händen, die ja auch^zu ihm gehören, dürfte man keinZeugnis" verlangen. Mac Kinley aber übergab nunmehr den Prozeß dem Justizminister Griggs, bei dem er jetzt seit Monaten liegt. Die Entscheidung soll vor Ende September nicht zu erwarten fein. Was schließ­lich herauskommt, ist noch völlig dunkel; selbst Regierungs­blätter sind auf das Schlimmste gefaßt und sehen mit Bangen dem Tag entgegen, an dem die Negierung offen und unzweideutig das Recht beugen wird. Den Demo­kraten kommt die Geschichte natürlich sehr gelegen; sie sollen eine Flugschrift in 500000 Exemplaren vorbereiten, in der der Fall erklärt wird. Aber auch die Regierung will Kapital aus der Sache schlagen. Als Griggs von dem demokra­tischen Plane hörte, entfuhr es ihm:Wissen denn die Leute nicht, daß die Arbeiten vergeben wurden vom Kriegssekretär Lamont und unter einer demokratischen Verwaltung?" In der Thal fanden die Veruntreuungen statt zwischen 1892 und 1896, begannen also, bevor die zweite Clevelandsche Verwaltung einsetzte. Aber darauf kommt es gar nicht an, und mit dieser Verdrehung wird Griggs kein Glück haben.

Males und UrovmMes.

Gießen, den 14, September 1899.

Auszeichnung. Dem Vorstand des hiesigen Bahnhofs, Stationsvorsteher Fro wein, wurde von Sr. Königlichen Hoheit dem Fürsten von Bulgarien das Ritterkreuz des Sankt Alexander-Ordens verliehen.

* * Omnibusverkehr Schiffenbergerwald. Der Vor­stand der Omnibus-Gesellschaft teilt uns mit, daß von heute ab die Linie 0 von und nach dem Schiffenbergerwald an Wochentagen nicht mehr gefahren wird. Dagegen werden die Wagen bei günstiger Witterung Sonntags, und zwar bis zum 1. Oktober in bekanntem Fahrplan, verkehren.

* * Radrennen am Sonntag dem 17. September auf dem Sportplatz an der Hardt. Die Preise für die Amateur­rennen werden von heute ab in dem Schaufenster der Firma Ernst Vlödner ausgestellt fein. Wir machen an dieser ©teile nochmals auf den Vorverkauf der Eintrittskarten aufmerksam, welcher sich bei den Herren Heinr. Noll, Mäusburg, und Heinr. Hettler, Südanlage, befindet.

* Die gegenwärtig zur Ausgabe gelangenden definitiven Stucke der 4prozentigen Großh. Hessischen Staatsanleihe von 21,500,000 Mark für Eisenbahnzwecke vom 16. Juni 1899 sind nicht verlosbar, und können daher nach dem Gesetz vom 27. März 1898, die Einrichtung eines Staatsschuld­buches betreffend, in Bvchschulden des Staates umgewandelt werden. Indessen kann die Eintragung in das Staats - schuldbuch nur bei Vorlage der eigentlichen Schuld­verschreibungen nebst Zinsscheinbogen, nicht aber auf Ein- reichung der Jnterimsscheine erfolgen.

* * Die Vorlage über die Kanalisation der Stadt Gießen von Herrn Oberbürgermeister Gnauth im Verein mit Herrn Stadtbaurat Sch man dt bearbeitet, ist soeben im Druck erschienen, und an die Mitglieder der Stadtverord­

neten-Versammlung zur Ausgabe gelangt. Die stattliche, 60 Druckseiten Aktenformat fassende Denkschrift, giebt über den bisherigen Verlauf der Angelegenheit, die einzelnen Projekte und Sachverständigenurteile übersichtlich Auskunft, und liefert einen neuen Beweis, wie gründlich unsere städti­schen Angelegenheiten erwogen, und wie umsichtig gefaßte Beschlüsse von der Stadtverwaltung ausgeführt zu werden pflegen. Wir beschränken uns heute auf eine kurze In­haltsangabe, behalten uns indes vor, eingehend auf die Vorlage zurückzukommen. Nach einer Einleitung durch Herrn Oberbürgermeister Gnauth, und einer Schilderung von Verlauf und Inhalt der Arbeiten betr. die Kanalisie­rung der Stadt Gießen enthält die Schrift folgende sechs Anlagen. 1. Antrag des Beigeordneten Gnauth vom April 1888 betr. Aufstellung eines festen Entwurfes für die syste­matische unterirdische Entwässerung der Stadt Gießen nach den Prinzipien der Neuzeit und zu diesem Zweck Einstellung eines Betrages von 5000 Mk. in den städtischen Voranschlag für 1888/89. 1. Gedrängter Auszug aus dem Erläute­rungsbericht des Stadtbauinspektors Steuernagel in Köln betr. Die Kanalisation der Provinzialhauptstadt Gießen vom Juni 1890. 3. Auszug aus dem Bericht des Civil-Jngenieurs Lindley in Frankfurt a. M. betr. Ent­wässerung der Provinzialhauptstadt Gießen, d. d. 25. März 1895. 4. Genereller Vorbericht des König!. Baurats Herz­berg in Berlin betr. Kanalisation der Stadt Gießen, d. d. 26. Januar 1898. 5. Promermoria des Stadtbaurats Schm and t über den heutigen Stand der Frage der Ent­wässerung der Städte, insbesondere mit Bezug auf die Stadt Gießen, vom Juli 1898. 6. Gutachten des Stadt­verordneten, Geh. Medizinalrates Prof. Dr. Gaffky, betr. die Kanalisation der Stadt Gießen, d. d. 26. No­vember 1898.

* * Eine wichtige Entscheidung hat das Reichsgericht gefällt. In derselben heißt es:Für Unfälle auf der Straße, welche durch den schlechten Zustand des Pflasters oder mangelhafte Beleuchtung entstehen, ist die betreffende Gemeinde haftbar."

nn. Die Verhandlungen der evangelischen Laudessynode wurden Mittwoch morgen um V210 Uhr fortgesetzt. Zur Be­ratung steht die Gesetzes-Vorlage die Gehalte der Geist­lichen und der im Geschäftskreis des Oberkonsistoriums und des Predigerseminars angestellten Beamten und Bediensteten. Die Generaldebatte wird über diese Vorlage eröffnet. Die Synodalen Dornseiff und Wiener drücken ihre Befriedigung aus, daß man bei der Regierung und in der Volksvertre­tung zur Ansicht gekommen sei, daß auch die Gehalte der Geistlichen aufbesserungsbedürftig seien. Thatsache sei, daß auch die Bevölkerung der Gehaltserhöhung der Geistlichen sympathisch gegenüber stehe und dieselbe freudig begrüße. Der Regierung gebühre Dank für das energische Eintreten für die evangelische Geistlichkeit, wenn auch nicht verkannt werden dürfe, daß man alles vorerst nur als ein Darlehen be­trachten müsse. Synodaler: Brand ist mit der Haltung der Regierung in der Gehaltsaufbesserungsfrage nicht zufrieden, da sie eine bestimmte Stellung zu dieser Frage nach den Erklärungen des Hessischen Staatsministers bis jetzt nicht genommen. Der evangelischen Geistlichkeit des Landes, der Stütze des Staates dürfe man kein Almosen in Form eines rückzahlbaren Darlehens bieten. Die Negierung habe die Pflicht, die Gehalte der Geistlichen, welche doch wahrlich nicht auf Rosen gebettet seien, ebenso aufzubessern wie die­jenigen ihrer Staatsbeamten. Die Aufbesserung der Gehalte der Geistlichen sei schon lange ein frommer Wunsch gewesen und es sei erfreulich, daß man jetzt endlich zum Ziel ge­lange. Dieses Ziel müsse aber auch selbst auf das Risiko einer Kirchensteuer-Erhöhung festgehalten werden, lieber diesen Punkt müsse man sich erst klar werden, wenn der Zeitpunkt herankomme. Er empfiehlt die Vorlage des Kirchen-Regiments zur Annahme. Die Generaldebatte be­wegt sich sodann noch über die Gehaltsskala und scheint es außer Zweifel, daß die Vorlage nach den Vorschlägen des Ausschusses in der Synode Annahme findet. Schluß der Sitzung um 1 Uhr. Donnerstag srüh findet die Spezialde­batte statt.

Bad-Nauheim, 14. September. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist heute nacht nach fünfwöchentlichem Kurgebrauch von hier über Koburg nach Wien abgereist. Aus Anlaß seiner Abreise wurden zahlreiche Ordens-Aus­zeichnungen verliehen. Unter anderen erhielten der be­handelnde Arzt, Medizinalrat Dr. Grödel und der Vorstand der Bade-Direktion Geheime Rat Weiß das Komthurkreuz 2. Klasse des bulgarischen Civil-Verdienst-Ordens, der Vor- stand des Polizeiamts, Dr. Ortwein, der Badekommissär von Grolmann und der Post-Direktor Münch das Ritter­kreuz desselben Ordens mit der Krone.

Mainz, 13. September. In Bezug auf die von uns bereits erwähnte Zusammensetzung der Festausschüsse für die Gutenberg-Feier fei noch folgendes Kuriosum mit« geteilt: Eine Reihe von Personen ist in verschiedenen Aus­schüssen vertreten. Um aber auch darin etwas Abwechselung zu bringen, hat man den Ausschußmitgliedern verschiedene Prädikate beigelegt. So erscheint z. B. der sozialdemo­kratische Landtagsabgeordnete, Stadtverordnete und Redak­teur Haas im Ehren-Ausschuß als Landtagsabgeord­neter, im Ausschuß für das Gutenberg-Museum und die Ausstellung als Stadtverordneter und im Zentral- Ausschuß als Redakteur.

* Gelnhausen, 12. September. Der Arbeiter Schlegel, der Fuhrleuten beim Holzladen auf der nahenAurora" half, verunglückte auf schreckliche Weise. Als er auf der Heimfahrt das Hemmwerk des ersten Wagens bediente, schoß der zweite Wagen auf den ersten, und die Deichsel desselben bohrte sich dem Schlegel in den Leib. Nach einigen qual­vollen Tagen wurde der Verunglückte gestern durch den Tod erlöst.

* Fulda, 12. September. Gestern abend brach in Ziegel bei Bronzell ein nicht unbedeutendes Schaden­feuer aus, dem das Wohnhaus nebst den vollgepfropften Scheunen und Stallungen des Bauern Vogel vollständig zum Opfer fielen. Das Vieh konnte gerettet werden. Ein Junge von Bronzell, welcher Hilfe leisten wollte, stürzte, am Platze angekommen, tot nieder; ein Schlaganfall hatte seinem jungen Leben ein jähes Ende bereitet

Vermischtes.

* Berlin, 13. September. Aus verschiedenen Teilen des Landes und auch aus dem Nachbarlande laufen Nach- richten über Hochwasserschäden ein. Im Vogtlande in Sachsen hat das Hochwasser der Mulde bedeutende Ver­wüstungen verursacht. Mehrere Brücken sind weggeriffen und der Bahnverkehr ist von Kirchberg bis Rothenkirchen gestört. Recht betrübend lauten die Nachrichten aus Schlesien. Die Katzbach, die Neisse, die Weistritz, des Queis und die Gebirgsbäche sind aus ihren Ufern getreten und haben große Verheerungen angerichtet. In Warmbrunn ist der Verkehr nach dem Bahnhofe durch Ueberschwemmung unterbrochen. Die Häuser stehen unter Wasser. Bei Neustadt in Ober­schlesien sind die Fabrikgebäude gefährdet. Die GaSbahn zwischen Hirschberg und Hermsdorf mußte den Verkehr ein­stellen. Heute mittag wurde amtlich gemeldet, daß dasHochwasser in dem Quellengebiete der Oderzuflüsse zu fallen beginnt. Auch aus Oberbayern kommen Hiobsposten über Über­schwemmungen. In München stehen einzelne Teile der Allgemeinen deutschen Sport-Ausstellung unter Wasser. Auch die Elektrizitätswerke sind bedroht. Die Isar führt Baum­stämme und Gegenstände aller Art mit sich. Die Salzach hat mehrere Brücken fortgeriffen. Der Eisenbahn-Verkehr wurde teilweise eingestellt. Der Verkehr zwischen München und Innsbruck ist infolge einer Dammrutschung bei Fisch­bach unterbrochen. Auch zwischen Rosenheim und Salzburg hat eine Dammrutschung stattgefunden. Der Regen dauert seit Samstag an. Auch vom Rhein wird Hochwasser ge­meldet. Bei Maxau ist der Rhein um 20 Zentimeter ge­stiegen. In Oberösterreich steigen die Enns und die Traun rapide. Der Bahnhof in Ebensee steht unter Wasser. In Ischl find die niedrig gelegenen Stadtteile überschwemmt, ebenso in Gmunden. Wie aus Teschen gemeldet wird, ist auch die Oppa aus ihren Ufern getreten und hat weite Länderstrecken überschwemmt. Sämtliche Brücken und Stege sind fortgeriffen, und der Bahnverkehr ist unterbrochen.

* Berlin, 13. September. Vor Aufregung ge­storben ist die 62 jährige Witwe Ledig. Sie sollte in einer Privatbeleidigungssache geringfügiger Art als Zeugin vernommen werden und hatte zum ersten Male in ihrem Leben vor Gericht zu erscheinen. Schon bei dem Hinweise auf die Wichtigkeit und Heiligkeit des Eides, der in üblicher Weise seitens des Vorsitzenden an sämtliche Zeugen erging, verriet die Ledig so große Aufregung, daß sie sich kaum auf den Beinen zu halten vermochte. Während sie dann auf dem Flur des Aufrufs harrte, brach sie plötzlich zu- sammen und starb infolge eines Gehirnschlages. Die Meldung hiervon wirkte auf die prozeßführenden Parteien derart, daß sie es vorzogen, die Streitaxt zu begraben und einen Vergleich zu schließen.

* Berlin, 13. September. Dem Brand des Hotels Windsor in New-York ist, wie jetzt erst feftgestellt ist, auch ein Berliner Liebespaar zum Opfer gefallen. Anfang dieses Jahres verschwand ein junger Berliner Arzt, der 28jährige Dr. E., in Begleitung einer Chansonette, der 23jährigen Tochter eines Gutsbesitzers G., die sich gegen den Willen der Eltern demBrettl" gewidmet hatte. Der junge Arzt hatte auch die feste Absicht, die Sängerin zu heiraten, trotz des Widerstandes, den seine Eltern ihm ent­gegensetzten. Dieser Umstand veranlaßte das Liebespaar, Berlin zu verlassen, um nach den Vereinigten Staaten aus­zuwandern und dort die Trauung vornehmen zu laffen. Bei den Meldungen über den Hotelbrand war auch mitge- teilt worden, daß ein junges Ehepaar, das erst zwei Tage vorher aus Deutschland eingetroffen war, gemeinsam zum Fenster hinausgesprungen fei, um sich dem Flammentod zu entziehen. Die Dame fei schon wenige Stunden darauf an den erlittenen Verletzungen gestorben, der Mann mehrere Tage später im Krankenhause. Wiewohl der Name des Ehepaares nicht festgestellt war, wurde von den Angehörigen hier doch vermutet, daß es sich bei dem Unglücksfall um dieses handele. Schriftliche Anfragen bei den zuständigen Behörden in New-York haben zur Bestätigung der Annahme geführt.

* Potsdam, 12. September. Von einemgewissen­losen Lehrer" war aus dem hinter dem Neuen Palais gelegenen Dorfe Eiche in Nr. 214 desG. A." gemeldet worden. Diese Mitteilung bedarf in mehreren Punkten der Richtigstellung. Der Lehrer Pflug in Eiche ist zwar be­schuldigt worden, sich an den Schulmädchen versündigt zu haben, die Untersuchung hat jedoch Beweise dafür nicht erbracht; auch hat der Staatsanwalt ein gerichtliches Ein­schreiten abgelehnt. Entlassen wurde der Lehrer aus anderen Gründen. Im übrigen ist die Schule dort nicht längere Zeit geschlossen gewesen, die Eltern haben nichtLynchjustiz an dem Sittenverderber" üben wollen, der Lehrer hat selbst­verständlich nichtsgeahnt" und ist auch nichtentflohen".

* Kiel, 12. September. Heute Vormittag fand auf dem zur Herbstflotte gehörigen KreuzerWacht" eine Explosion im Backbordvorderkessel statt. Es wurden getötet: Oberfeuermeistermaat Schneider, Oberheizer Geichler, Heizer Timmler und Heizer Meier.

* Steglau, 13. September. Gräfin Stosch auf Manze, Kreis Nimptsch, wurde bei einer Ausfahrt mit einem Ein­spänner schwer verletzt. Das Pferd scheute und ging durch; die Gräfin stürzte aus dem Wagen, wurde gegen die Schloßmauer geschleudert und blieb bewußtlos liegen.

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