Händen, als die Gemeinden durch Umlagen aufzubringen haben.
Berlin, 13. Juli. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I fand heute die Verhandlung gegen fünf wegen Landfriedensbruch angeklagte Arbeiter statt. Es handelt sich um ein Renkontre, welches die fünf Angeklagten am 1. Mai nachmittags, als sie von der Maifeier kamen, mit einer Kolonne Steinsetzer hatten. Die Feiernden machten den Steinsetzern Vorwürfe, daß sie arbeiteten. Dabei kam es zu Streitigkeiten, welche in eine Prügelei ausarteten. Es entstand eine förmliche Schlacht, bei welcher mit Pflastersteinen geworfen wurde. Eine große Anzahl Polizeimannschaften wurde requiriert, um die Ruhe wiederherzustellen. In der heutigen Verhandlung bestritten die Angeklagten, daß sie irgendwie die Absicht gehabt hätten, Gewaltthätig- keiten zu begehen. Sie seien schwer betrunken gewesen und könnten über die Einzelheiten keine Auskunft geben. Das Urteil steht noch aus.
Marburg, 13. Juli. Der Direktor der mediznnschen Poliklinik, Professor Müller, hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft nach Basel erhalten und angenommen.
— lieber die bayerischen Wahlen wird heute gemeldet: Nach den Urwahlen wird sich die Abgeordnetenkammer wie folgt zusammensetzen: Zentrum 81 Sitze (bisher 73), Sozialdemokraten 11 Sitze (bisher 5), Bauern- bündler 7 Sitze; die übrigen 59 entfallen auf die Liberalen, den Bund der Landwirte und die Konservativen.
— König Albert von Sachsen über den modernen Kaufmann. Bei der Uebernahme des Protektorats über die „Deutsche Stiftung zur Ausbildung junger Kaufleute" wies König Albert von Sachsen darauf hin, wie der deutsche Kausmannsstand durch die an seinen Nachwuchs gestellten höheren Anforderungen sich selbst am besten ehre und seine allgemeine bürgerliche Position erhöhen würde. Er habe deshalb die Errichtung einer Handelshochschule mit Freuden begrüßt, und der Erfolg, den die erste derartige Anstalt in seinem Lande bereits aufzuweisen habe, spreche dafür, daß der Gedanke ein gesunder gewesen sei. Er habe sich in Leipzig persönlich von den Einrichtungen der ersten deutschen Handelshochschule überzeugt und könne nur sagen, daß ihn das hohe Maß der Anforderungen, welche der Kaufmann heute an die ersten seines Standes stelle, mit Befriedigung erfülle. Er sei auch überzeugt, daß mit der höheren Ausbildung des Geistes eine straffere Zucht der Charakterbildung Hand , in Hand gehen werde. Ihm sei es bei den ihm vorgelegten Begnadigungsgesuchen öfters schmerzlich ausgefallen, wie stark der Prozentsatz der Kaufleute unter den mit den Gesetzen in Konflikt Geratenen vertreten sei. Auf die Charakterbildung müsse gerade auch bei der Ausbildung des jungen Kaufmannes, der so vielseitigen Versuchungen ausgesetzt sei, besonderes Gewicht gelegt werden. Mit den Worten: „Ich freue mich, mit Ihnen, meine Herren, künftig zusammen arbeiten zu können" verabschiedete der König die aus dem Vorsitzenden des deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen, Reg.-Rat Dr. Stegemann-Braunschweig und den Vorstandsmitgliedern der „Deutschen Stiftung" (Vizepräsident Uebel-Plauen, Vizepräsident Dr. Schmidt-Braunschweig und Handelskammerpräsident von Cölln-Hannover) bestehende Abordnung.
— Die ganze Presse bespricht die Meldungen aus England, denen zufolge die berüchtigten Dumdum- Geschosse jetzt im Zeitalter der Haager Friedenskonferenz im größten Maßstabe in der englischen Armee eingeführt werden. Nach der einen Nachricht ist in Birmingham eine neue Kugel derzeit der Gegenstand umfassender Proben, wodurch derselbe Erfolg erzielt werden soll, der mit der berüchtigten Dumdum-Kugel beabsichtigt wird, nämlich den Getroffenen sofort kampfunfähig zu machen, anstatt ihn blos zu durchbohren. Das Projektil ist eine Erfindung des Mr. Leslie Taylor, des Direktors der Firma Westley, Richards & Co. Das neue Geschoß bringt auf kurze Entfernungen eine größere Wunde hervor, als es mit dem gewöhnlichen englischen Armeegeschoß möglich war. Es hat einen flachen, unbedeckten Bleikern, der aus der Nickelhülle hervorragt. Weiter wird gemeldet, daß auch die Patronen der Maschinengewehre nach der Theorie der Dumdum- Geschosse hergestellt und nach Afrika geschickt werden.
Austmd.
Brussel, 13. Juli. Der Wahl-Reform-Ausschuß hält morgen seine erste Sitzung ab. Die Sozialdemokraten werden morgen sofort eine Erklärung abgeben, daß sie keiner Wahl-Reform zustimmen, falls nicht vorher die Verfassung geändert und das Plural-Stimmrecht abgeschafft wird. — Der Pap st verweigerte trotz dringender Vorstellung der Regierung jede Intervention bei den katholischen Demokraten wegen ihrer Haltung während der letzten Krise.
Belgrad, 13. Juli. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung in der Attentats-Angelegenheit werden streng geheim gehalten, doch verlautet, Knesevic habe alle Mitschuldigen genannt, und es sei erwiesen, daß das Attentat lange vorbereitet war. Daher erklärt sich die Proklamation mit der Todesnachricht. Gestern wurde neu verhaftet der Advokat Nuja Martinac. Der Verhaftete Milikovic verbrannte alle Papiere, ehe die Haussuchung durchgeführt wurde.
Washington, 11. Juli. Handelsverträge werden jetzt mit fliegender Hast erledigt, da am 24. Juli die Frist für den Abschluß von solchen abläust. Allerdings ist die Regierung der Ansicht, daß auch nach diesem Zeitpunkt Verhandlungen geführt und Verträge eingegangen werden können — beides ist ja ein Verfassungsrecht des Präsidenten —, man ist aber wenigstens bemüht, dem ausgesprochenen Wunsch des Kongresses nachzukommen. So wurden denn mit den britischen Kolonien hintereinander Abkommen erzielt, am 16. Juni mit Barbados, am 21. mit Guyana, am 27. mit Bermuda. Nur noch Jamaica
ist übrig, und dessen Abordnung ist viel gnädiger empfangen worden, als es jüngst geheißen hatte. (Der Abschluß ist bereits erfolgt). Alle vier Kolonien hatten ihre eigenen Vertreter nach Washington geschickt. Die Abmachungen werden geheim gehalten, bis sie dem Senat vorgelegt werden können, doch verlautet, die Grundlage für den Vertrag mit Barbados, also auch wohl mit Guyana, sei eine Zollherabsetzung von 12 Prozent; worauf, wird nicht gesagt, aber es ist natürlich der Zucker; der Dingleytarif erlaubt eine Verminderung um 20 Prozent. Verhandlungen schweben mit Brasilien, dessen Kaffee mit einem Kampfzoll von 3 Cents das Pfund bedroht ist, falls es nicht erhebliche Nachlässe gewährt, die man hier besonders für Nahrungsmittel, Maschinen, Werkzeuge und Baumwollwaren haben möchte. Portugal hat ein vorläufig geheim gehaltenes Abkommen getroffen, wonach ihm die Begünstigungen des Sondervertrags mit Frankreich zugestanden worden sein sollen. Frankreich wünscht gegenseitige Bewilligung des Mindesttarifs, während Kasson meint, Frankreich mache dabei ein zu gutes Geschäft. Die Verhandlungen mit Deutschland sollen erst wieder ausgenommen werden, wenn das Schicksal der Vorlage für Fleischbeschau besiegelt ist. • «Köln. Ztg."
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 14. Juli 1899.
* * Der Jahresbericht der Großherzoglichen Handelskammer Gießen für 1898 ist erschienen. In der Einleitung besagt der Bericht: Mit Befriedigung können wir auch in diesem Jahre von einer weiteren günstigen Entwickelung der Industrie unseres Bezirkes berichten. Die Metall- und Gießerei waren fabrikation sowie die Fabrikation von Badeeinrichtungen blicken wiederum auf einen sehr lebhaften Geschäftsgang zurück, wie dieses auch bezüglich der in unserem Bezirke neu entstandenen Acetylen-Apparate-Fabrikation zn- trifft, welche einen sehr befriedigenden Erfolg ihrer erst« jährigen Thätigkeit zu verzeichnen hat. In der Rauchtabak- und Cigarrenfabrikation liegen dagegen die Verhältnisse weniger günstig. — Besonders machte sich die durch den verschäften Wettbewerb hervorgerufene Ueberproduktion fühlbar, welche naturgemäß preisdrückend wirkte. Der frühere Geschäftsumschlag konnte nur durch angestrengteste Thätigkeit und Vermehrung des Reisepersonals aufrecht erhalten werden. Als großer Mißstand wird sodann empfunden, daß das in dieser Branche übliche sechsmonatliche Ziel von der Kundschaft vielfach nicht eingehalten wird. Die uns erstatteten Spezialberichte besagen das Nähere. Aus ihnen geht auch hervor, daß die Verhältnisse im Groß- und Kleinhandel nach wie vor wenig günstig liegen. Letzterer hat vielfach unter der Konkurrenz der großen Versandgeschäfte, Einkaufsgenossenschaften und Konsumvereine zu leiden, wie wir dieses bereits in unserem Jahresbericht für 1897 des näheren ausgeführt haben. — Die Erhebungen über die Lage des Kleinhandels sind — soweit uns bekannt — noch nicht von den Gr. Kreisämtern, welche hiermit von Gr. Negierung beauftragt werden sollten, in Angriff genommen worden. Sehr erfreulich ist die Thatsache, daß bereits für 1898 aus dem Kreise Alsfeld mehrere Geschäftsberichte uns erstattet worden sind. Sie beweist, daß die Interessen jener Gegend ihre natürliche Vertretung in unserer Kammer suchen. Die geplante Einteilung des ganzen Großherzogtums Hessen in Handelskammerbezirke steht uns in 1899 bevor; sie wird — wie bestimmt zu erwarten ist — eine außerordentliche Vergrößerung unseres Wirkungskreises im Gefolge haben, der sich hierdurch auf die Kreise Alsfeld und Lauterbach, sowie den ganzen Kreis Gießen ausdehnen wird. Was die auswärtigen Handelsbeziehungen des Deutschen Reiches betrifft, so ist zunächst die durch Gesetz vom 13. April 1898 geschaffene Vermehrung und Beschleunigung der Postdampfschiffverbindungen, ihre Unterstützung aus Reichsmitteln auf weitere 15 Jahre und die Erweiterung des Postdampfer- dienstes nach Ost-Asien zu erwähnen. Die Entsendung einer Kommission aus kaufmännischen und industriellen Kreisen nach jenen Gegenden zeigte das Interesse unserer Reichsregierung an der Erweiterung und Stärkung der deutschen Handelsbeziehungen nach überseeischen Ländern. Der zum Zwecke der Vorbereitung künftiger Handelsbeziehungen eingesetzte „Wirtschaftliche Ausschuß" hat seine Thätigkeit begonnen, welche sich naturgemäß der Oeffentlichkeit entzieht. Für den Abschluß von Handelsverträgen hat der Deutsche Handelstag sich in folgender Resolution ausgesprochen: „Der Abschluß von Handelsverträgen hat hauptsächlich den Zweck, den Absatz deutscher Erzeugnisse im Ausland zu fördern und vor Störungen durch die Gesetzgebung des Auslandes nach Möglichkeit zu bewahren. Die Erfüllung dieses Zwecks ist um so wichtiger, als Deutschland bei stark wachsender Bevölkerung zur Bezahlung der notwendigerweise vorn Ausland zu beziehenden Waren und zur lohnenden Beschäftigung seiner Arbeiter in hohem Maße darauf angewiesen ist, die Erzeugnisse seines Gewerbfleißes dem Ausland zu verkaufen. Nur bei kräftiger Entwickelung feiner Ausfuhr, bei erfolgreicher Teilnahme am Weltverkehr, wird Deutschland wirtschaftlich gedeihen und politisch seine Machtstellung behaupten können. Die feit 1891 mit einer Reihe europäischer Staaten geschlossenen Handelsverträge haben bei allen Mängeln, die im einzelnen vielleicht ihnen an- hasten, und allen Fehlern, die wegen ungenügender Zuziehung von Vertretern des Erwerbslebens begangen sein mögen, grundsätzlich richtige Wege eingeschlagen. In Ueber- einftimmung mit der in ihnen befolgten Politik ist für künftige Handelsverträge dahin zu streben, daß die auswärtigen Staaten für eine längere Reihe von Jahren die Zölle auf die hauptsächlichsten von uns bei ihnen eingeführten Waren ermäßigen oder wenigstens nicht zu erhöhen sich verpflichten, und uns die Meistbegünstigung gewähren. Können in einem Handelsvertrag keine Zugeständnisse in Bezug auf die Zollsätze erreicht werden, so ist auch die
Meistbegünstigung allein ein wertvoller Gewinn. Die Entscheidung über einen Handelsvertrag muß davon abhängen, ob er bei sorgfältiger Abwägung Der gegenseitigen Zugeständnisse im ganzen als vorteilhaft erscheint. Kein einzelner Erwerbszweig, und wäre er auch noch so bedeutend, darf den Anspruch erheben, daß die Rücksicht auf ihn allein maßgebend sei und hinter seine Interessen alle anderen zurückgesetzt werden müßten. Nur das Wohl der Gesamtheit darf die Richtschnur der Handelspolitik bilden. In dieser Ueberzeugung spricht der Deutsche Handelstag den Wunsch aus, daß es Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser unter Zustimmung des Bundesrats und Genehmigung des Reichstags gefallen und gelingen möge, die wirtschaftliche Entwickelung Deutschlands durch den Abschluß solcher Handelsverträge zu fördern,die den entwickeltenGrundsätzen entsprechen." Die handelspolitischen Beziehungen zu England sind vorläufig durch das Gesetz vom 11. Mai 1898 und den Bundesratsbeschluß vom 11. Juni 1898 geregelt, der besagt, daß den Angehörigen und den Erzeugnissen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland sowie der britischen Kolonieen und auswärtigen Besitzungen mit Ausnahme von Kanada vom 31. Juli 1898 ab bis auf weiteres diejenigen Vorteile einzuräumen sind, die seitens des Reiches den Angehörigen und Erzeugnissen des meistbegünstigtsten Landes gewährt werden. Der in 1896 mit Japan abgeschlossene Handels- und Schiffahrtsvertrag wird am 17. Juli 1899 in Kraft treten. Der 30. Juli brachte für Deutschland einen Tag tiefer Trauer durch den Heimgang des großen ersten Kanzlers Fürsten Otto von Bismarck, des verdienstvollen geistigen Schöpfers unserer politischen Einheit. Sein Name gehört in unvergänglichen Lettern der Geschichte an und späteste Geschlechter werden zu diesem genialen Mitbegründer unseres Reichs mit Verehrung und Dankbarkeit aufblicken.
* * Witwenkasse. Nachdem von der Regierung beabsichtigt ist, auch die Beiträge der Volksschullehrer zu deren Wittwenkasse aufzuheben, so sind die Mitglieder der Großh. Hess. Offiziers- und Unteroffiziers-Witwen- taffe noch die einzigen Beamten, welche zu einer hessischen Witwenkasse beitragspflichtig sind. Nach dem Expos« des Finanzministers über die Finanzlage steht wohl auch deren baldige Aushebung zu erwarten, zumal alle betreffenden Mitglieder (ältere Offiziere, Aerzte, Militärbeamte und Unteroffiziere) schon vor 1872 eingetreten sind, und deren Zahl so abgenommen hat, daß die gegenwärtige Jahresausgabe etwa 9 bis 10 000Mk. beträgt, welche sich naturgemäß weiter alljährlich durch Todesfälle, Austritt rc. verringern muß, da seit 1872 ein Beitritt zu der Kasse nicht mehr stattfinden kann.
* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schneider Johannes Erbes aus Lehnheim wegen Bettelns vom Staatsanwalt in Büdingen; Taglöhner Karl Grübner aus Sodeiken wegen Diebstahls und Kaufmann Moritz Speier aus Melsungen wegen Pfandveräußerung von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dreher Karl Rabe aus Schmölln wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Mainz; Weißgerbergeselle Gustav Schäfer aus Friedberg wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Russenmacher Anton Sabiwolsge aus Daschwitze wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; ferner wegen Strafverbüßung: Weißbinder Christoph Barthel aus Neu-Isenburg vom Amtsanwalt in Offenbach; Reisender August Heinecke aus Marienhof und Taglöhner Johann Bauer aus Mittereich vom Amtsgericht Bingen, Bierbrauer Wilhelm Hroneck aus Worms vom Amtsgericht Lorsch, Bäcker Heinrich Lehn- hardt aus Caub, Joseph Nerici, Gipsfigurenhändler, aus Craßciania und Schmied Albert Greifender aus StefansDorf, sämtlich vom Amtsgericht Mainz; Korbmacher Georg Linder aus Abenheim und Dienstmagd Alwine Schönbdube aus Varsleben vom Amtsgericht Osthofen, Knecht Karl Litschke aus Kamnitz vom Amtsgericht II Darmstadt, Fabrikarbeiter Christian Stolz aus Weinheim vom Amtsgericht Alzey.
* * Große Ersparnis auf Reisen erzielt jeder Reisende, welcher sich mit Karl Riesels Hotelführer versieht. Derselbe enthält ein Verzeichnis guter und empfehlenswerter Hotels für alle bedeutenden Städte und Touristenplätze, bringt für jeden Ort eine kurzgefaßte Beschreibung aller hauptsächlichen Sehenswürdigkeiten, und gewährt dem Inhaber eine erhebliche Preisermäßigung auf die Hotelrech- nuug. Gegen Einsendung von 10 Pfg. Porto ist der Hotelführer durch Karl Riesels Reifebureau, Berlin, Unter den Linden 57, gratis zu beziehen.
§ Vom nordwestlichen Vogelsberg, 13. Juli. DieHeu- ernte ist nun als beendigt anzusehen. Sie hat volle fünf Wochen lang gedauert, gewiß eine lange Zeit. Bei anhaltend gutem Wetter macht man das Heu in 14 Tagen. Im oberen Vogelsberg, wo die Heuernte später ihren Anfang nimmt, wird man später damit fertig. Das schöne Wetter dieser Woche hat noch eine recht gute Qualität Heu ernten lassen. Das Gesamtergebnis der Heuernte muß, abgesehen von dem Verregnen eines großen Teiles als ein reiches bezeichnet werden; der Landmann kann mit dieser ersten Dörr-Futterernte wohl zufrieden sein. Der Preis für unberegnetes Heu dürfte indessen doch etwas höher sich stellen, als seither, wo man letzthin seitens der Heuhändler nur 1.50 Mk. für den Centner gab. Daß es „Hafer ins Heu" geregnet hat, zeigt der sich viel gebesserte Stand des Hafers und der Gerste. Ebenso wachsen die Hackfrüchte recht üppig. An den Setzpflanzen haben die Raben wiederum, wie es nun seit einigen Jahren fast zur Gewohnheit geworden ist, mitunter namhaften Schaden angerichtet. So fehlen nicht selten auf einem Acker bis zu 400 Stück der eingesetzten Pflänzchen. Es ist doch eigentlich eine eigentümliche Erscheinung, daß das Rabenvolk erst in neuester Zeit — früher nicht — die Setzpflanzen auszieht.
S.W. Ans der südlichen Wetterau, 13. Juli. Wie sehr die zweite Juliwoche mit ihren warmen, sonnigen Tagen auf


