Aus -er Zeit für die Zeit.
Vor 417 Jahren, am 15. Januar 1482, wurde zu Weinsberg der Schweizer Reformator Johann Oeko- lampadius, eigentlich Huß genannt, geboren. In Basel, Ulm und anderen Städten nahm er an dem Werke der Reformation thätigen Anteil, das er neben Zwingli mit
Males und MsoinMes.
Gießen, den 14. Januar 1899.
’ Gendarmeriekorps. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 16. November 1898 den Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Ober- I Hessen, Oberstleutnant Karl Cullmann zu Gießen, zum Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Rheinhessen, und den I Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Rheinhessen, Major Friedrich Herpel zu Mainz, zum Kommandeur des! Gendarmeriedistrikts Oberhessen, beide mit Wirkung vom I 1. April 1899, zu ernennen.
Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit I der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 7. Januar I dem Pfarrverwalter Valentin Brück zu Groß-Eichen, I Dekanat Grünberg, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu I übertragen.
P. Stadttheater. Vielleicht die gewaltigste Aufgabe I dieser Wmterspielzeit galt es gestern Abend zu bewältigen: I Shakespeares erhabene Tragödie „König Lear". Als In- I Haber der Titelrolle schloß Herr Karl Pepp ler vom Hof- I theater in Hannover sein Gastspiel mit dem denkbar größten Erfolge ab, indem er den königlichen Greis mit unübertrefflicher Meisterschaft darstellte. Jene eigentümliche Mischung von Heldenkraft und Hilflosigkeit, von männlicher Leidenschaft und kindischem Eigensiiln glückte nicht minder gut, wie die Umnachtung, die mit den Worten: „Mein Geist beginnt zu schwärmen" zu erschütterndem Durchbruch gelangte. Ebenso rührend war das letzte Aufflackern der Vernunft beim Wiedererkennen der heißgeliebten Tochter Cordelia. Die Behandlung des Organes, dem während des ganzen Abends eine rauhe Klangfarbe eigen war, die Heraus- »rbeitung der so unendlich verschiedenen Einzeleffekte, die überwältigende Erscheinung und das realistische, doch stets ben Gesetzen der Schönheit huldigende Spiel, ließen in Herrn Peppler einen hochbedeutenden Künstler erkennen, den wir sehr gern in Gießen, seiner Vaterstadt, späterhin Wiedersehen möchten. Der Abend bot gleichzeitig Gelegenheit für die Prvbegastspiele der Herren Alfred Bernau vom Stadt- thcater in Crefeld, und Joseph Co mm er vom Stadttheater in Hanau. Der letztere spielte den Narren in durchaus verständiger Weise und mit der erforderlichen Gewandtheit;
Phantasie erst umdenken. Die Wut der Elemente wurde mit leidlicher Täuschung dargestellt, und daß der künstliche Sturm den natürlichen der vorhergehenden Nacht an Stärke lange nicht erreichte, war für schwache Nerven gut.
** Stadttheater. Montag den 16. und Dienstag den 17. Januar wird der Komiker Karl William Büller als „Cäsar Wichtig" in „Registrator auf Reisen" und als Amtsvorsteher Wehrhahn in Gerhardt Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz" in unserem Theater gastieren. Bei der großen Beliebtheit, deren sich Büller auch in unserer Musenstadt erfreut, wird es den hiesigen Theaterfreunden von Interesse sein, etwas über seinen Lebensgang zu erfahren. Büller ist als Sohn des Rechtsanwalts L)r. C. W. Büller am 23. Februar 1853 in Hamburg geboren, bildete sich zum Ingenieur aus, war 1874 in Leipzig I als solcher thätig und spielte dort im Verein „Thalia" als Dilettant öfter Komödie. Bei dieser Gelegenheit wurde Friedrich Haase, der damals Direktor in Leipzig war, auf Büller aufmerksam ; kurz entschlossen, kam dieser einer Aufforderung, einmal im Alten Theater aufzutreten, nach und spielte die komische Rolle des Kellners in „Wenn Frauen weinen". Der Erfolg war ein sehr schöner und Büller ging darauf endgiltig zur Bühne. Nach der sogen. Sturmund Drangperiode, die aber nur ein Jahr dauerte, kam Büller bald in geregelte Verhältnisse, spielte zwei Jahre lang jugendliche Helden und Liebhaber und widmete sich dann ganz dem komischen Fach. Büller war an den Theatern in Halle, Zürich, Kassel (Hoftheater), Dresden (Hoftheater), Leipzig (sechs Jahre als Regisseur und erster Komiker), Berlin (Wallnertheater) engagiert. Seit acht Jahren gastiert er; man darf wohl mit recht behaupten, daß er zu den gesuchtesten Schauspielgrößen zählt. Sein Domizil war I während dieser Zeit sechs Jahre Berlin, zwei Jahre Wien, und jetzt ist er wieder nach Leipzig übergesiedelt, da diese Stadt im Zentrum Deutschlands liegt und er von dort aus alle Städte des Nordens und Südens, wie des Ostens und Westens bequem erreichen kann. Seine Gastspiele erstrecken sich ans Deutschland, Oesterreich, Rußland und die Schweiz. Für diesen Winter ist seine ganze Turnee schon festgestellt. Büller hat u. a. für diese Saison Gastspiele an folgenden Theatern mit großem Erfolg vollendet, teils noch zu leisten: Leipzig (Stadttheater), Petersburg (Alexandertheater vier Wochen), Riga (Stadttheater 14 Tage), Frankfurt a. M., Nürnberg, Freiburg i. B., Basel, Augsburg, Mannheim (Hoftheater), Kassel (Hoftheater), Halle, Elberfeld, Stuttgart (Hoftheater), Köiiigsberg rc. Im Mai v. I. spielte I er in seiner Vaterstadt Hamburg am Thalia-Theater. Er | war dort ein vollständig Fremder. Der künstlerische Erfolg war aber ein derartiger, daß Büller zehn Abende spielen I mußte und zwar bei ausverkauften Hausern. Bei dem am 11. November v. I. veranstalteten Subskriptions-Ball des Albert-Zweigvereins wurde Büller durch eine Ansprache der I Königin von Sachsen ausgezeichnet. Die „Leipziger Ztg." schreibt hierüber: „Da erhebt sich der Vorhang aufs neue. Direktor Striese tritt auf, kein Geringerer, als unser altbekannter William Büller, der mit verblüffender Geschwindlg- keit und Geschicklichkeit, bei gewandtester Unterhaltung, allerhand Taschenspielerknnststücke zum besten giebt. Das war i keine bloße Unterhaltung mehr; das war wirklicher Zauber, zwerchfellerschütterndes Amüsement. Büller ließ seinem unverwüstlichen, immer zündenden Humor so recht nach Herzens-
| lust die Zügel schießen. Das Publikum kam aus dem Lachen | I nar nicht heraus, und auch Ihre Majestät die Königin sah man wiederholt herzlich lachen. Während des Balles befahl Ihre Majestät den Zanberkünstler „Striese" und ließ sich von ihm die vorgeführten Kunststücke erklären, ihm unter herzlichem Lachen versichernd, daß ihr dieselben großes Ver-
I gnügen bereitet hätten."
I ** Der große Maskenball des Gießener Turnvereins, der bekanntlich möglichst alle Jahr in den Vereinslokali- I täten abgehalten wird, dürfte auch wieder in dieser I Karnevalsaison der Hauptanziehungspunkt seiner Mitglieder I sein. Schon seit Wochen ist der Vorstand des Vereins mit den Vorbereitungen beschäftigt Um nun gewiß in jeder Beziehung den Wünschen der Mitglieder zu entsprechen, ist eine besondere Kommission gewählt worden, bestehend aus I geeigneten bewährten Mitgliedern, denen das ganze Arrangement übertragen ist. Wie ja unseren Lesern, soweit sie I Mitglieder des genannten Vereins sind, bekannt ist, bieten I gerade zu den Karnevalsfestlichkeiten unsere Turner alles I auf, um den Teilnehmern nicht allein zu einem genußreichen I Abend, sondern auch einem solchen, der lange in der Er- I innerung derselben bleiben soll, zu verhelfen.
*• Strafkammer. Gestern verurteilte die Strafkammer I den Schreiber Ehr. Herbert, sowie den Tapezier Hrch.
die Vereinigung von bitterem Ernst und angelernter Schalkheit wurde richtig getroffen, die Stimme klang manchmal etwas dünn, aber nicht unschön. Kaum vermochte dagegen Herr Bernau als Edgar zu befriedigen. Er machte nur schwache Versuche zu charakterisieren, Haltung und Bewegungen waren meist steif, die schrillen Töne, die er in der Narrenszene anschlug, beleidigten das Ohr. Die neu eingetretene jugendliche Liebhaberin, Frl. Alice Schloß, machte als Cordelia einen günstigeren Eindruck wie am Mittwoch als Dina Dorff. Die beiden unmenschlichen Töchter Lears, (Frl. Cronegg und Rux) vermochten es wenig glaubhaft zu machen, daß sie von königlicher Abstammung sind. Die Rolle des Grafen Gloster sagt Herrn Liebscher wenig zu, immerhin wurde ihr der Künstler einigermaßen gerecht. Ganz wacker war Herr Walter als Kent, auch Herr Dietz sch bot als Edmund in mancher Hinsicht tüchtiges, hätte indes die Verworfenheit und Schurkerei dieses entarteten Sohnes weit mehr betonen müssen. Die kleinen Rollen waren durchschnittlich angemessen besetzt; auch die Regie des Herrn Direktor Helm ist zu loben. Bei dem häufigen Wechsel der Szene, der sich leidlich rasch abspielte, kam man mit den vorhandenen Dekorationen ins Gedränge. Die Heide des dritten Aktes mußte sich der Zuschauer mit freischaffender
uns beschäftigen müssen." (Beifall.) — Der vormalige ; Kriegsminister Cavaignac erklärt, die Achter hatten Plcquart gegenüber zu viel Entgegenkommen gezeigt (Lebhafte Zwischenrufe auf der äußersten Linken), und verlangt Maßregeln, xm der richterlichen Gewalt Achtung zu verschaffen. Von vielen Seiten wird hierauf Mitteilung des Berichtes des Hauptmanns Herqne verlangt. Der Justizminlster verliest den Bericht, in welchem großes Entgegenkommen gegenüber Picqnart festgestellt wird, dem man Grog habe reichen lassen. (Gelächter.) Dupuy erklärt, die von der Linken eingebrachte einfache Tagesordnung zu billigen, die allein die Debatte beendigen könne. Cavaignac steigt noch einmal auf die Tribüne, kann aber wegen heftiger Zwischenrufe nicht zu Worte kommen. Hierauf wird die einfache Tagesordnung angenommen mit 423 gegen 124 Stimmen. — Die meisten republikanischen Blätter bezeichnen die Kammersitzung als eine neue Brandmarkung Baurepaires. Die nationalistischen Organe dagegen erklären, die Angelegenheit sei durch die von der Kammer angenommene Tagesordnung keineswegs erledigt, sondern werde demnächst in der Kammer neuerdings zur Sprache kommen, so daß man sich dort schon bald auf neue Tumulte gefaßt machen kann. (T. R.)
Paris, 13. April. Zu: „Quesnay de Beaurepaire und die Deputiertenkammer" schreibt die „Köln. Ztg.": „Es muß weit gekommen sein mit Frankreich, wenn man in dem einst so lustigen Lande des leichtgeschürzten Witzes über den Klatsch und Tratsch Beaurepaires nicht mehr aus vollem Halse zu lachen wagt. Die gestrige Epistel in seinem Leibblatte „Echo de Paris", das seine Feder um 50 000 Franken jährlich gewonnen haben soll, widmete Quesnay de Beaurepaire einem Aufruf an die Volksvertreter, in dem er sagte: „Ich wollte Ihnen gegenüber die Rolle der bescheidenen Turmwächter spielen, die ehedem das Nahen des Feindes von der Ringmauer ankündigten; sie stießen den Alarmruf aus, um dann zu verschwinden, während die Leiter der Stadt sich znm Rettungskampfe rüsteten." Was anders sollte der Vertreter der Grog- und Biltterbrotgeschichten des Jnstiz- palastes damit in unfreiwilliger Selbstkritik gemeint haben als das Geschnatter der Wächter des Kapitols? Trotzdem ist sein Ruf gehört worden, und die Folge war gestern eine an die Revolutionszeit erinnernde Sturmsitzung der Deputiertenkammer. Zwar werden die republikanischen Blätter, die für jeden Strohhalm dankbar sind, der sich ihrem versinkenden Ideale rettend entgegenstreckt, einen Jubelgesang darüber anslimmen, daß es der Regierung gelungen ist, über Quesnay de Beaurepaire hinweg mit 423 gegen 124 Stimmen zur Tagesordnung überzugehen. Aber es ist nicht genug, daß sich 124 Volksvertreter auf die Seite dieses Boulanger in der Richterrvbe schlagen, den die Kammer noch im vorigen Jahre einstimmig verurteilt hatte; ist eS nicht einer ernsten Regierung unwürdig, daß sie den Präsidenten der Kriminalkammer dem Hasse seines unbotmäßigen Kollegen preisgiebt und statt seiner dem ersten Vorsitzenden Mazeau die Leitung der Verhandlungen überträgt, daß der Jnstizminister feierlich ankündigt, es werde wegen der Grogs und der Butterbrote eine neue Untersuchung eingeleitet werden? Das einzige erfreuliche Ergebnis der gestrigen Aussprache war eine reinliche Scheidung in Freunde und Feinde der Republik und die klare Erkenntnis, daß die Gefolgschaft de Beaurepaires lediglich aus Leuten besteht, die kein Hehl daraus machen, daß sie der Republik an Hals und Kragen wollen, aus Monarchisten, Nationalisten und Antisemiten. Wie lange diese Sammlung der republikanischen Kräfte vorhalten wird, muß die Zukunft lehren, denn seinen letzten Trumpf wird Quesnay de Beaurepaire noch nicht ausgespielt haben."
R-nner unb Sibert Bill, sämtlich u°n Gießen, wegen Körperverletzung zu 6, 5, bezw. 4 Monaten Gesangnts. Dem Bill, der von anfang an geständig war, wurde die zweimonatliche Untersuchungshaft aus die zu verbüßende Strafe angerechnet; der vierte Mitangeklagte, Sp-ngler G o g Eisenbrandt, wurde sreigesprochen. Es handelte sich um die Asfaire, welche in der nacht vom 29. auf den 30. Oktober v. I. am Seltersweg, in der Nahe von Teufelslustgärtchen, sich abspielte, wobei der cand. med. Sager fünf Wunden, darunter vier am Kopfe, erhielt, ^ager ist einige Tage darnach, wie gerichtsärztlch festgestellt wurde, aber nicht an den erhaltenen Wunden, gestorben.
* • Dem beantragten Wiederaufnahme-Verfahren^des vom Schwurgericht zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilten Schlossers Hrch. Schmidt ist vom Landgericht stattgegeben worden. Die vom Verteidiger, Rechtsanwalt Katz, gleichzeitig beantragte Haftentlassung wurde jedoch abgelehnt.
* • Besitzwechsel. Der Mechaniker WilhelmS ch m i d t (Seltersweg 30) kaufte das dem Kaufmann Schmidt gehörige, Goethestraße 35 belegene Besitztum für 39 000 Mk
* ' Auf dem Transport gestorben. Von Reichenborn aus sollte gestern nachmittag der 70jährige August Seim aus Gießen, der als Handwerksbursche umherzog und krank geworden war, in die hiesige Klinik gebracht werden, verstarb aber auf dem Transport im Eisenbahnwagen. Die Leiche wurde in die Leichenhalle auf dem Friedhöfe gebracht.
"" Der gestrige Sturm riß an der Marburgerstraße eine Feldscheune, sowie ein Staket an Steins Garten um und entwurzelte verschiedene Bäume in der Stadt.
** Abfertigung und Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder. Die Abfertigung und Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder auf den preußischen Staatseisenbahnen ist in einer vom 1. Januar d. I. ab gütigen Dienstanweisung einheitlich für das ganze Staatsbahnnetz geregelt worden Ans diesen Bestimmungen ist besonders hervorzuheben, daß nunmehr die Auflieferung einsitziger Zweiräder bei den Gepäckabfertigungsstellen als Expreßgut — ohne gleichzeitige Lösung von Fahrkarten — wieder zu- gelassen ist. Es gelangt alsdann die Gepäckfracht für mindestens 20 Kilogramm, und zwar bei Beförderung in gewöhnlichen Personenzügen mit wenigstens 50 Pfg., in Schnellzügen mit wenigstens 1 Mk. zur Erhebung. Die Auflief^ rung unverpackter einsitziger Zweiräder als Gepäck hat durch den Reisenden unter Vorweisung seiner Fahrkarte, sowie der Fahrradkarte beim Packmeister am Packwagen des Zuges zu geschehen. Auf einen Fahrtausweis können höchstens drei Fahrräder aufgegeben werden. Die Beförderung findet im Direktionsbezirk Mainz und Frankfurt a. M. mit sämtlichen Zügen — ausgenommen die O-Züge 5/6, 109/110, 163,164 und die Schnellzüge 113/114 zwischen Frankfurt und Koblenz und 43/44 zwischen Frankfurt und Mannheim — statt. Will ein im Besitze eines für alle Züge gültigen Fahrtausweises befindlicher Reisender einen von der Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder ausgeschlossenen Schnellzug benutzen, so kann das Rad mit einem diesem Schnellzuge voraussahrenden oder nachfolgenden Personenzuge befördert werden. In diesem Falle ist es rechtzeitig vor Abgang des Zuges bei der Gepäckabfertigungsstelle gegen Gepäckschein aufzugeben. Der Fahrtausweis und die Fahrradkarte sind bei Auflieferung der Gepäckabfertigungsstelle vorzuzeigen. Auf jede Fahrradkarte ist eine einmalige Fahrtunterbrechung gegen Bescheinigung des Stationsvorstandes gestattet. Die Weiterreise muß jedoch spätestens am nächstfolgenden Tage erfolgen. Beim Uebergang des Reisenden unterwegs von Zug auf Zug ist es seine Sache, sich das Zweirad aus dem Packwagen zurückgeben zu lassen und es zum Packwagen des neuen Zuges zu bringen. Das gleiche gilt, wenn der Packwagen aus dem von dem Reisenden benutzten Zuge in einen anderen übergeht.
i Meldet sich auf einer Zug-Endstation niemand zur Abnahme eines noch im Packwagen befindlichen Zweirades, so wird es der Gepäckabfertigungsstelle dieser Station übergeben. Falls es dann innerhalb 24 Stunden nach Ankunft des Zuges nicht abgeholt ist, wird das tarifmäßige Lagergeld dafür erhoben. Hat ein Reisender versehentlich unterlassen, das Rad am Packwagen abzuholen, so ist zu seiner Wiedererlangung die Abgabe von Depeschen auf den Bahntelegraphen zulässig. Wird die Fassung der Depesche dem Stationsbeamten überlassen, so ist ohne Rücksicht auf deren Wortzahl eine Gebühr von 50 Pfg., andernfalls die tarifmäßige Depeschengebühr zu entrichten. Die Dienstanweisung kann auch bei unseren größeren Fahrkarten- | ausgabe- und Gepäckabfertigungsstellen eingesehen und von I diesen kostenfrei bezogen werden.
•• Wetterbericht. Von dem Minimum, welches gestern I im Norden der britischen Inseln lag, ist ein Teil nordostwärts nach der mittleren norwegischen Küste abgezogen, während das Haupt-Centrum äußerst rasch bis zur südlichen I Ostsee hereingedrungen ist, und zugleich einen Ausläufer in I südlicher Richtung bis zur Adria entsendet. Da zugleich im I Südwesten hoher Druck nahezu unverändert fortbesteht, sind I nunmehr über Central-Europa die Druckunterschiede sehr I bedeutend geworden, und wehen heute vom deutschen Küsten- I gebiete bis zu den Alpen herab böige Winde, welche zeit- I weise volle Sturmesstärke erreichen. Dabei liegen die I Temperaturen andauernd sehr hoch. Nachts sind in Süddeutschland zumeist Niederschläge gefallen, im Flachlande I als Regen, in den höheren Lagen als Schnee. — Voraus- I sichtliche Witterung: Zunächst noch ziemlich mildes I Wetter mit unbeständigem, zeitweise regnerischem Charakter.


