liche» Länge. Herr Lieber sprach heute scharf. Line bestimmte Stellungnahme zu den Flottenforderungen vermied er natürlich, schon weil sie noch gar nicht Vorlagen. Ader das Drum und Dran geißelte er mit so scharfen Worten, daß die äußerste Linke ihm mehrfach geradezu zujubelte
Freilich glaubte nachher Bebel aus Liebers Rede bereits die Zustimmung des Centrums zu den weitestgehenden Flottenforderungen herauslesen zu können, aber das that der sozialdemokratische Lolkstribun wohl nur, um die Mitte „scharf zu machen", wie ja jetzt der technische Ausdruck lautet. Mit feiner Satire geißelte Lieber die Stimmungsmacherei der Schatzverwaltung; jetzt sei die Finanzlage rosig, während ste bei näherem Hinsehen eine ganz andere Färbung annehme. Die 16 Jahre lang fortgesetzte Schuldenvermehrung um 50 Millionen pro Jahr allein für die Marine erklärie er für geradezu unmöglich, neue Steuern würden also kaum vermeidbar sein. Vor allem wandte er sich gegen die »unwürdige Agitation", die getrieben worden sei, und gegen den Versuch, von außen her eine unsachliche Einwirkung auf das Haus auszuüben. Dabei kam er auf die verschiedenen Kaiserreden zu sprechen, »ersuchte eine Reihe von Widersprüchen in ihnen nachzuweisen und zog daraus den Schluß, daß unverantwortliche Ratgeber das deutsche Volk bei seinem Kaiser verdächtigt hätten; der Monarch sei falsch belehrt worden, und er werbe das hoffentlich auch noch einmal einsehen.
Mit außerordentlicher Schärfe wandte er sich gegen das Treiben der offiziösen Preffe und wies nach, daß über So Prozent der in den letzten Jahrzehnten geforderten Schiffsbauten bewältigt worden seien, daß also von einer „beharrlichen Verweigerung der Flottenverstärkung" keine Rede sein könne. Zum Schluß verwahrte er seine Partei schon im voraus dagegen, als Reichsfeinde bezeichnet zu werden, wenn sie nach sachgemäßer Prüfung zu einer negativen Entscheidung kommen sollte.
Die Konservativen hatten eine sehr bezeichnende Wahl getroffen. Graf Limburg-Stirum ist lange nicht ihr bester Redner, aber vermöge seiner Vergangenheit ist er derjenige, der am wenigsten Anlaß hat, Rücksicht auf die Regierung zu nehmen. Wohl aus diesem Grunde schickte ihn seine Partei in diesem Moment vor. Und er nahm auch keine Rücksicht. Er sagte der Regierung Grobheiten, die oben schon angedeuttt sind und die die Antwort auf die Aufhebung des Verbindungsverbots für politische Vereine bilden sollten. Seinen höchsten Trumpf spielte der Graf aber wohl damit aus, daß er dem Kanzler die Eigenschaft als Agrarier absprach, da man ein solcher nicht schon dadurch werde, daß man Güter besitze, sondern erst dadurch, daß man die Bedeutung der Landwirtschaft erkenne und darnach handle. Notwendige Flottenverstärkungen will der Redner bewilligen, aber von einer besonders freudigen Sttmmung ließ er dabei nichts merken. Er zeigte sich im Gegenteil recht spiöde, erklärte die Finanzlage für keineswegs glänzend und zur Vorsicht mahnend und schloß mit dem Ausspruch: „Unsere Zukunft liegt auf dem Lande!"
Bebel (Soz.) sprach sehr geschickt und in seiner bekannten feurige«, seine Parteigenossen zu immerwährendem tosendem Beifall hinreißenden Manier. Er negierte natürlich die Flottenforderungen vollständig, versuchte die Flottenbegeisterung auf eigennütz'ge Motive der Großindustrie zurückzuführen und erinnerte an die unendlich vielen Kulturaufgaben, die noch ihrer Erfüllung harren, für die aber niemals Geld da sei, wie Schulen und Heilanstalten. Sehr scharfe Angriffe richtete er gegen Admiral Tirpitz, der im vergangenen Januar im Reichstage erklärt habe, kein Mensch denke an eine weitere Vermehrung über den Rahmen des Flottengesetzes hinaus, im Dezember vorher aber bereits beim Kaiser Vortrag über eine solche gehalten habe. — Morgen Fortsetzung der Diskussion.
Deutsches Keich.
Berlin, 12. Dezember. Zur gestrigen Frühstückstafel beim Kaiserpaar war Prinz Max von Baden, der Statthalter Fürst zu Hohenlohe Langenburg und der Chef des Civilkabinetts v. Lucanus geladen. Heute vormittag nahm der Kaiser die Meldung der nach Argentinien gehenden Offiziere entgegen und hörte darauf die Vorträge des Chefs d-S Militärkabinetts v. Hahnke und des Generals Grafen Haeseler. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Admiralstabes, Vize Admirals Bendemann, »ud nahm die Meldung der zu Direktoren im Reichsschatzamt und in der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes ernannten Herren von Fischer und von Körner entgegen. Heute abend wird das Kaiserpaar sich «ach Berlin begeben und der Vorstellung des „Don Juan" im Opernhause beiwohnen.
— Nach der „Elbinger Ztg." wird zum Sekretär des Flottenvereins der Oberleutnant Frhr. von Beaulieu-Marconnay berufen werden, der zu diesem Zwecke seinen Abschied nehmen und sich ganz dem Flottenverein widmen wird.
— Bei dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe fand gestern abend zu Ehren des aus dem Dienst geschiedenen Wirkl. Geh. Rats Reichardt und des nach dem Haag versetzten Gesandten Grafen v. Pourtalös ein Diner statt, zu welchem der Unterstaatssekretär und Mitglieder der politischen und handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes geladen waren.
— Die „Deutsche Tageszeitung" berichtet heute, daß der Reichskanzler Herrn von Kröcher gesagt habe, Herr von Miquel sei besonders für die Beamtenmaßregelungen eingetreten. Dieses Gerücht sei weder vom Reichskanzler noch vom Abgeordneten v. Kröcher in Abrede gestellt worden.
— Die Kommission zur Ausarbeitung einer neuen Felddienstordnung, die schon seit einigen Wochen unter Vorsitz des Generals Grafen v. Haeseler im Kriegs Ministerium tagt, hat gegenwärtig ihre Beratungen eingestellt. Heber die bisherigen Ergebnisse ist dem Kaiser Vortrag gehalten worden, sodaß noch im Laufe dieser Woche die Beratungen fortgesetzt werden können.
— Die Kommission für Arbeiter statt st i k trat heute unter dem Vorsitz des Unterstaalssekretärs im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Fleck, zusammen. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Die Vernehmung von Auskunftspersonen über die Sonntagsruhe in Binnenschiffahrts- und Fährbetrieben. 2. Die Beratung des Berichts Über die Erhebungen, betr. die Verhältnisse der in Gast- und Schank- wirtschasten beschäftigten Personen.
— In der Budgetkommission des ReichstageS wurde heute der Entwurf einer Reichsschulden- ordnung beraten. Die 22 Paragraphen der Vorlage gelangten durchweg mit ganz unwesentlichen redaktionellen Aenderungen zur Annahme. Eine Redaktionskommission soll noch heute zusammenlreten, um den Wortlaut festzustellen, da auch dieses Gesetz zugleich mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch am 1. Januar 1900 in Kraft treten und deshalb vom Reichstag noch vor Weihnachten — durch enblov-Annahme — in 2. und 3. Lesung erledigt werden soll.
München, 12. Dezember. De» „Münch. N. Nachr." zufolge verlobte sich heute Prinzessin Mathilde von Bayern, dritte Tochter des Prinzen Ludwig, mit dem Prinzen Ludwig, jüngstem Sohne des Prinzen August von Sachsen-Koburg Gotha. Prinz Ludwig steht als Oberleutnant im 4. Regiment der Tyroler Kaiserjäger in Tyrol.
Ausland.
Wien, 12. Dezember. Der Kaiser Franz Josef stattete heute dem Herzog von Orleans im Hotel einen Besuch ab. Der Herzog begab sich gleich darauf nach der Hofburg, um den Besuch zu erwidern. Auch der Erzherzog Salvator und die Erzherzogin Valerie machten dem Herzog einen Besuch.
Wie», 12. Dezember. Wie das „Neue Wiener Abendblatt" meldet, wird in nächster Zeit ein gemeinsames Generalstabskorps gebildet werden. Dasselbe wird dem Heere und der österreichischen sowie ungarischen Landwehr gemeinsam sein und einen großen Status bilden, innerhalb dessen aus Gründen militärischer Zweckmäßigkeit Verschiebungen möglich sind. Auf die staatliche Bürgerschaft der Offiziere wird aber nur bei der Landwehr Rücksicht genommen werde».
Petersburg, 12. Dezember. Von kompetenter Seite wird die Meldung der „Nowoje Wremja", Rußland erhebe Anspruch auf den Hafen von Burgas behufs Errichtung eines Ankerplatzes für die Schwarze Meer-Flotte als Kompensation für die Bagdadbahn, kategorisch dementiert.
Males und Uromiyielles.
Gießen, den 13. Dezember 1899.
• * Hessische Landeslotterie. Am Montag wurde die endgiltige Bestimmung Über die Gestaltung der hessischen Landeslotterie getroffen. Es werden danach jährlich zwei Ziehungen zu je 5 Klaffen stattfinden. Der Preis eines Voll loses ist auf 165 Mk. festgesetzt. Neben den Volllosen werden Vs und Vie Lose ausgegeben. Die Gesamtzahl der Lose beträgt pro Ziehung 33,000, die Zahl der Gewinne 11,000. Das Gewinnverhältnis 1:3, das hier zum ersten Male in einer staatlichen Lotterie eingeführt ist, ermöglicht die Einsetzung höherer Gewinne. Die Kollekteure sind bereits ernannt. (Siehe zweites Blatt.)
* * Landtags-Ersatzwahl. Bei der heute morgen stattgehabten Ersatzwahl eines Abgeordneten für die Stadt Gießen zum hessischen Landtag wurde Herr Justizrat Dr. Gutfleisch mit 37 abgegebenen Stimmen einstimmig gewählt. Derselbe nahm die Wahl an.
* * Taffo in Darmstadt. Gelegentlich der ersten Aufführung von „Tasso in Darmstadt" *im Stadttheater zu Chemnitz schrieb die Kritik des dortigen „General- Anzeigers" folgendes: Das Stück ist eine schon an sich hübsche Verwechselungskomödie, die dadnrch, daß der Autor den 25jährigen Goethe in den Mittelpunkt der Handlung stellt, um so anziehender ist. Verbürgt die Fabel des Stückes allein schon vollstes Jntereffe, so wird das Lustspiel durch die sichere, an Situationskomik reiche, und dabei doch jede Effekthascherei vermeidende Durchführung der Handlung, und die vornehme, von echt nationalem Geiste durchhauchte Sprache zu den besten seiner Art erhoben . . . und wir sind überzeugt, daß das Lustspiel nicht nur den Weg über alle deutschen Bühnen siegreich zurücklegen, sondern sich auch auf deren Repertoire erhalten wird.
* * Das Engagement des Fräulein Triesch, die kürzlich hier in so vollendeter Weise die „Nora" gab, vom Frankfurter Schauspielhaus an das Münchener Hostheater vom Herbst 1901 an auf drei Jahre ist, wie mitgeteilt wird, genehmigt worden.
* * Akademischer Konzertverein Marburg. Wie aus dem Inseratenteile der heutigen Nummer ersichtlich ist, findet am Donnerstag dem 14. Dezember ein Chor- und Orchester-Konzert im Museumssaale in Marburg statt, worauf wir Konzertfreunde auch an dieser Stelle aufmerksam machen.
- r. Stadttheater. Gastspiel von Frau Auguste Prasch-Grevenberg aus Berlin. Die gefeierte Künstlerin, deren Auftreten für unser Publikum ein um so höheres Interesse gewann, als sie, wie bereits früher erwähnt, schon im vorigen Jahre hier reiche Lorbeeren geerntet, hatte für ihr leider nur für einen Abend berechnetes Gastspiel die Titelrolle in dem französischen Sittendrama „Zaza" von Pierre Verton und Charles Simon, deutsch von Bolten- Baeckers gewählt, welches Stück am Berliner Theater monatelang mit derselben Künstlerin in der Hauptrolle in Szene ging und ebensolange eine gewaltige Zugkraft auf das Publikum der Reichshauptstadt auSgeübt hat, — ein Erfolg, der in der geistreich pikanten Handlung des etwas gewagten Stoffes, in der bewegten, an wirksamen Szenen reichen Handlung, der scharfen Zeichnung der Charaktere und dem naturalistischen Milieu seine Erklärung findet; Vorzüge, welche die freilich nicht unerheblichen Schwächen — die recht deutliche Anlehnung an berühmte Muster, bekannte Konflikte und verbrauchte Situationen — immerhin überwiegen. Das volle Verständnis des Stückes hat die Kenntnis der Pariser Sitten zur Voraussetzung. Zara, eine berühmte Volkssängerin in St. Etienne, durch Zufall mit einem Pariser Kaufmann, Bernard Dufresne, bekannt geworden, faßt zu diesem eine glühende Leidenschaft. Sie veranstaltet in ihrem Ankleideraum eine Verführungsszene, die zunächst ihren Erfolg verfehlt; Bernard hält fick vorerst noch verlegen zurück, um ihr dann um so rascher zu unterliegen. Nach 6 Monaten unendlichen Glücks für Zaza erfährt sie, daß Bernard noch eine Geliebte oder gar eine Frau in Paris habe. Von Eifersucht zernagt reist Zaza nach Paris, macht Beruards Wohnung ausfindig und spricht dort vor.
Sie erfährt dort, daß Bernard verheiratet ist, trifft aber dessen Frau nicht an, sondern deren Töchterchen Toto. Durch das unschuldige Geplauder des Kindes ergriffe», giebt Zaza ihre Rachcpläne auf und faßt den Entschluß der Entsagung. Als sie aber Bernard, der nichts von ihrem Schritt ahnt, wiederfieht, vermag sie ihren Vorsatz nicht aufrecht zu erhalten; aber im Zustand höchster Erregung gesteht sie ihm ihren Besuch bei seiner Familie und giebt vor, seiner Frau alles mitgeteilt zu habe». In maßlosem Zorne nennt sie der Schuft eine Dirne, um sich ihr, als sie ihm sagt, daß sie ihn nur auf die Probe stellen wollte, widerlicherweise alsbald wieder zu näher«. Sie weist ihn zurück und er geht, um nimmer wiederzukehren. Hier hätte eigentlich der Schluß erfolgen können, doch haben die Verfaffer noch einen fünften Akt angefügt, der drei Jahre später spielt. Dufresne trifft Zaza in Paris abends vor der Großen Oper und zeigt nicht übel Lust, wieder mit ihr anzuknüpfen. Aber auch jetzt weist sie ihn wieder zurück und Beide scheiden in Frieden. Der lokale Erfolg des Stückes war zum größten Teil der Kunst unserer Gästin, Frau Prasch-Grevenberg z« danken, die in der Zaza eine Gestalt schuf, voll prächtigsten Naturalismus und voll sprühenden Temperaments — so war die Szene im Garderobezimmer verblüffend lebenswahr herausgearbeitet, ergreifend gab die Künstlerin sich in der Szene mit Toto und erschütternd in der dramatisch am höchsten stehenden der Auseinandersetzung mit Dufresne. Nicht minder traf Fr. Prasch die warmen Herzenstöne echten Liebesglücks und den tiefen Schmerz des Kampfes in den widerstrebensten Empfindungen. Es war alles in allem eine Glanzleistung voll echt künstlerischer Abrundung in allen Zügen. Die gefeierte Künstlerin hatte in Herrn Steinert einen recht brauchbaren Partner, der die so unsympathische Figur des Dufresne so annehmbar zu gestalten wußte, daß das Abstoßende eine wohlthuende Milderung fand. Frau Helm entwickelte als trunkfeste Mme. Anais eine Fülle drastischer Komik; Herr Rolan gab in charakteristischer Weise den anhänglichen Cascart, und allerliebst war Frieda Helm als kleine Toto. Herr Walter bot als Varietö Theater-Direktor einen sehr wohl gelungenen Typ; nur die Stimme ist oft etwas wenig angenehm. Ferner waren ja auch die Vertreter und Vertreterinnen der übrigen Rollen, die Herren Henry (Buffe), Par;n (Lartignon), Joost (Duclou), Helm (Dubuiffon); sowie die Damen Fräulein Haussig (Frau Dufresne), Frl. Eichenwald (Floriane) ausgezeichnet auf ihrem Posten. Auch die beiden anderen Volkssängerinnen, Fräulein Kugler und Knösei waren in Kostüm und Wesen von reizendem Realismus. Die Ausstattung des Stückes, dessen Regie Herr Direktor Helm mit gewohnter Umsicht geführt hatte, war würdig. Es versteht sich von selbst, daß das Publikum der verehrten Gästin so reiche« und stürmischen Beifall zollte, daß sie nach jedem Aktschluß 4 bis 5 Mal erscheinen mußte, um sich immer und immer wieder für die spontanen Huldigungen zu bedanken. Ei» mächtiger Lorbeerkranz wurde ihr überdies zu teil. Morgen (Donnerstag) abend giebt Frau Prasch - Grevenberg am Meiniger Hoftheater, dessen Ehrenmitglied sie ist, die „Nora".
** Polizeibericht. Einbruchsdieb st ah l. Nachdem in letzter Zeit von bis jetzt unbekannten Dieben in Kassel für 6000, sowie in Worms für 90,000 Mk. Seide gestohlen wurde, haben auch hier allem Anscheine nach dieselben Gauner in der Nacht vom 11. auf den 12. l. M. in einem Geschäft am Seltersweg für 3000 Mk. beste schwarze Seide gestohlen. Die Diebe sind von dem Garten aus in den Hausflur, haben die Haus- nebst Ladenthür mittelst Dietrichs oder Nachschlüffel geöffnet und sind, ohne im geringsten Schade» anzurichten oder Gewalt auszuüben, in den Besitz der Seidenstoffe gelangt. Nachdem sie die Laden- thüre wieder prompt verschlossen, sind die Gauner auf demselben Wege wieder zurückgekehrt. Am Sonntag gegen Abend waren in den Laden zwei Individuen gekommen, welche Fußlappen kaufen wollten. Ohne Zweifel waren dies die Spitzbuben, welche erst Umschau hielten, um dann in der anderen Nacht ihr Vorhaben auszuführen.
B. Mainz, 13. Dezember, 10 Uhr 15 Min. (Telegramm des „Gieß Anz.") Der Rhein geht seit ver- floffencr Nacht stark mit Treibeis. Die Schiffe eilen nach dem Hafen.
Mainz, 12. Dezember. Ein hiesiger Brauereibesitzer, der verschiedene Verwandte in Transvaal hat, beantragte im vorigen Monat beim deutschen Reichs Postamt, daß die von Transvaal ankommenden Brief-Posten bereits in Neapel zur Ausschiffung gelangen sollten. Auch empfahl lerselbe eine Vermehrung der deutschen Dampferfahrten zwischen Sansibar und der Delagoa-Bay. Für diese Maßnahmen war eine um etwa 14 Tage schnellere Beförderung der gegenwärtig ungefähr 35 Tage unterwegs befindlichen Briefposten als Berechnung zu Grunde gelegt. Hierauf hat das Reichspostamt am 6. Dezember erwidert, daß die Beförderung der deutschen Post nach und von Transvaal schon jetzt in der gewünschten Weise stattfinde, indem die gesamte Transoaalpost von den )eutschen Reichspostdampfern hinwärts in Neapel übernommen und heimwärts in Neapel gelandet wird. Zu einer Vermehrung der deutschen Dampferfahrten zwischen Sansibar und der Delagoa-Bay liegt ein dringendes Bedürfnis nicht vor, da die alle 14 Tage von Hamburg über Neapel nach Sansibar abgehenden NeichSpostdampfer ns Delagoa-Bay fahren und über Sansibar zurückkehre«, )ie Vermehrung demnach im wesentlichen nur dem Lokalverkehr an der ostafrikanischen Küste dienen würde. Hierzu lemertt der Korrespondent der „Franks. Ztg.", daß durch eine öftere Verbindung von Sansibar mit Lorenzo-Marque- )ie Möglichkeit geboten wäre, die Briefschaften von Sansibar aus auch mit anderen, nicht englischen Schiffen (z. B. französischen, italienischen) nach Europa zu schaffen, so daß


