Ausgabe 
14.12.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 294 Erstes Blatt Donnerstag den 14. December

ZSezugrpreir

Heneral-An^eiger

Anrts- und 2lnzeigeblntt für den Tireis Gieren

Annahme von Anzeigen zu bet nachmittag» für den -»lgend« Lag erscheinenden Nummer bi4 vorm. 10 Uhr.

Xflc Anzeigen-Berm'ttungSstellen de» In« und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntflcgaL

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

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Mik Ausnahme de»

Montag»

Die Gießener

Namtlieuö lütter werden dem Anzeiger wüchentUch viermal b «gelegt.

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Fernsprecher Nr. 51.

Ktbahto«, Expedition und Druckerei:

Schutstraße Nr. 7.

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Gratisbeilagen: Gießener Familienbtätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische UotbsKunde._____________

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Betreffend: Schießübungen.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, dast das 1., 2. uno 3. Bataillon des Infanterie - Regiments Kaifer Wilhelm am 14., 15., 16., 18. und 19. laufenden Monats, morgens von 930 bis nachmittags 330 Uhr, Tchieft- Übungen mit scharfen Patronen in dem Gelände zwischen Alteu-Buseck, Grosteu-Buselk, Beuern, Climbach, Treis a. d. Lda., Maiuzlar und D"ub« ringen abhalten wird, und dast dieses Gelände durch Poften abgespe-rt werden wird.

Die Schußrichtung läuft von der Strafte Alten BuseckDaubringen in östlicher Richtung. * Die Ltrasten Treis a. Lda-, Mainzlar, Daub- ringen, Alten Buseck, Großen Buseck, Beuern und AllertShauseu siad ungefährdet.

Giesteu, den 12. Dezember 1899. Grostherzogliches Kreisamt Giesteu. v. Bechtold.

Giesteu, 6. Dezember 1899.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die G'vsth. Bürgermeiftereien Alten-Baseck, Allertshausen, Beuern, Climbach, Daubriugeu, Großen Buseck, Maiuzlar und Treis a. d. Lda.

Die vorstehende Bekavutwachnug wollen Tie alsbald auf ortsübliche Weise veröffentlichen und vor dem Betreten des abgesperrteu Geländes warnen nnd insbesondere daraus Hinweisen, dast au den betreffenden Tagen sich keine Holzarbeiter und Holzsawmler in den gefährdeten Waldungen und Steinbrücheu aushalteu dürfen.

V. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Ausführung des Jnvalidenversicherungsgesetzes vom 13 Juli 1899; hier: Wahl der Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten bei den unteren Verwaltungsbehörden.

Nachstehend wird die Liste der als Vertreter der Arbeit­geber und der Versicherten bei der unteren Verwaltungs­behörde des Landkreises Gießen gewählten Personen und deren Ersatzmänner zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Die­selben sind auf 5 Jahre gewählt und in der nachbezeichneten, durch das Los festgesetzten Reihenfolge zu den Sitzungen heranzuziehen.

A. Vertreter der Arbeitgeber:

1. Gemeindeeinnchmer und Landwirt Ludwig Seipp IV. zu Lollar.

2. Bürgermeister und Landwirt Ludwig Klinke! zu Rutters­hausen.

3. Hüttenbeamter Johs. Lenz zu Lollar,

4. Bürgermeister und Gastwirt Christian Rein zu Men­dorf a. d. Lda.

Deren Ersatzmänner:

1. Zimmermeister Balthasar Nuhn zu Lollar,

2. Hüttenbeamter Wilhelm Bartholomae zu Lollar,

3. Bürgermeister und Landwirt Heinrich Stein zu Keffelbach, 4. Apotheker Reinhold Welcker zu Allendorf a. d. Lda.

B. Vertreter der Versicherte«.

1. Fuhrmann Wilhelm Wagner zu Heuchelheim,

2. Cigarrenmacher Philipp Becker zu Heuchelheim,

3. Fabrikarbeiter Wilhelm Volkmann zu Heuchelheim,

4. Maurer Ludwig Schneider zu Heuchelheim.

Deren Ersatzmänner:

1. Cementarbeiter Ludwig Sack V. zu Heuchelheim,

2. Baumwärter Johannes Germer zu Klein-Linden,

3. Straßenwärter Johannes Germer zu Klein-Linden,

4. Zimmermann Karl Rinn zu Heuchelheim.

Gießen, den 13. Dezember 1899.

Der vom Landesversicherungsamt bestellte Wahlkommiffär: Frhr. Schenck.

Bekanntmachung.

In Folge eines Beschluffes des Vereinsausschusses vom 4. ds. Mts. ist die Beschaffung landwirtschaftlicher Arbeiter für die Landwirte der diesseitigen Provinz beabsichtigt. Es wird daher in Kürze eine geeignete Persönlichkeit in die öst­lichen Provinzen reisen, um solche Arbeiter kontraktlich an­zumieten. Es sollen vermittelt werden: Groß- und Klein­knechte und Mägde, mit Diensteintritt in der ersten Hälfte des Januar, Erntearbeiter mit Diensteintritt im Frühjahr. Die Kosten des vom Verein Beauftragten trägt dieser, die Reisekosten für den betr. Arbeiter nach hier und die Pro­visionsgebühren für Agenten usw. tragen die Besteller, und dürften sich dieselben für Knechte auf 30 bis 35 Mk., für Mägde aber höher stellen. Die Lohnsätze werden für Knechte auf 180 bis 300 Mk., für Mägde auf 150 bis 200 Mk. angegeben.

Ich ersuche diejenigen Landwirte, welche von dieser Vermittlung Gebrauch machen wollen, ihren eventuellen Be­darf unter Angabe der Art der Arbeiter bis spätestens den 20. ds. Mts. bei der Geschäftsstelle deS Vereins in Alsfeld anzumelden. Die endgiltige Anmeldung von Erntearbeitern kann auch noch später geschehen.

Laubach, den 10. Dezember 1899.

Der Präsident des landwirtschaftl. Vereins von Oberhessen. Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

*Deutsche Mietlinge".

Gießen, 13. Dezember 1899.

Dem Aerger darüber, daß eine große Anzahl Deutscher in Transvaal, wo sie eine zweite Heimat gefunden haben, zu deren Verteidigung in die Reihen des Burenheeres ein­getreten ist und nun gegen England im Felde steht, glaubt, die bekannte militärische WochenschriftArmy and Navy, von der man sonst noch eine gewisse Vornehmheit der Ge­sinnung vorauszusetzen gewohnt gewesen ist, nicht anders Luft machen zu können, als daß sie einen längeren Aufsatz überdeutsche Mietlinge" veröffentlicht. Da es sich um eins der ersten militärifchen Fachvlätter handelt, kann dieser Angriff nicht unberücksichtigt gelassen werden.Deutschland war, so schreibt daS Blatt, immer der große Markt für den Mietling, schon von den Tagen an, wo die Römer für ihre Legionen sich die Rekruten von jenseits des Rheines holten, genau wie man jetzt Afghanis und Askaris anwirbt. Wer im Mittelaller eine Truppe schlachtbei eite Leute mieten wollte, brauchte nur auf die Marktplätze deutscher Städte zu gehen, um zu finden, was er wollte, und später gab es in ganz Europa von Spanien bis Schweden, keine Armee, die nicht ihre Regimenter von Deutschen hatte. In der alten königlich französischen Armee waren eine Anzahl dieser Regimenter, und jedermann weiß, wie ausgedehnten Ge­brauch wir von ihnen im 18. Jahrhundert in unseren Kriegen in Amerika und Indien und selbst in England machten. Augenblicklich ist Transvaal mehr oder weniger in der Lage dieser Länder, die aus einem oder dem anderen Grunde nicht alle die Soldaten, die sie gebrauchen, zu Hause finden können; es wendet sich nach Deutschland, als nach dem Lande, wo das Kriegshandwerk noch die Haupt- sächlichste Nationalindustrie (!) ist und mietet dort, was es gebraucht, wie es scheint, in unbegrenzter Zahl". Das ist eine absichtliche Verdrehung der Thatsachen. Der Trans­vaalstaat hat sich keineswegs nach Deutschland gewandt. Die Deutschen, die im Heere Ohm Krügers fechten, sind in Transvaal ansässig und eS ist ihnen nicht zu verdenken, daß sie ihr Gut und Leben, das ebenso wie das der Buren von den englischen Truppen bedroht wurde, mit den Waffen in der Hand verteidigen.Die Politik hat, so fährt das Blatt fort mit dieser Bereitschaft des Deutschen, sich für Gefechte zu vermieten, nichts zu thun, denn wenn Nationalgefühl etwas mit der Anwesenheit von Oberst Schiel und seinesgleichen in den Reihen der Transvaal buren zu thun hätte, würden wir erwarten, dort ebenfalls Franzosen zu finden. Aber trotzdem ein großer Teil der­selben uns tötlich haßt und der andere Teil keineswegs an uns schätzenswerte Zuneigung verschwenden, finden wir sie doch nicht dort."

DieArmy and Navy täuscht sich darin, nicht nur Franzosen und Italiener, sondern auch Oesterreicher, Holländer, Schweden, Nordamerikaner und Iren befinden sich in der Transvaalarmee. Uebrigensvermieten" sich diese Krieger nicht, sondern kämpfen freiwillig, obwohl sie als Bürger des Staates zum Dienst verpflichtet find; was die Irländer anlangt, so haben sie, nebenbei bemerkt,

aus altem angestammten Haß gegen die Engländer zu den Waffen gegriffen.

Es ist nun nicht möglich, all diesen Unsinn im einzelnen zu widerlegen, vor allem aber kann man sich mit einem Blatte des Landes, dem der feine militärische Ehrbegriff so vollständig abhanden gekommen ist, daß das Waffentragen zum Schütze der Heimat dort bezahlten Söldnern anvertraut ist, die auf einer sehr niedrigen Achtungsstufe stehen, wagt doch in England der Offizier seine Uniform außer­dienstlich kaum zu tragen auf keine Debatte über mili­tärische Dinge einlassen. In den Einem hat dieArmy and Navy allerdings leider Recht, daß Deutschland früher die meisten Truppen für die fremden Heere gestellt hat, aber diese Soldaten haben sich stets und überall tapfer ge­schlagen, tapferer als jene englischen Bataillone, die jetzt in Südafrika die Waffen gestreckt haben. Recht hat ferner das Blatt, wenn es behauptet, daß England sich häufig deutscher Söldner bedient hat; sie haben ihm Kanada und Indien usw. erobert. Recht hat das Blatt auch insofern, als Wellington in der Schlacht bei Waterloo mit einem meist aus Deutschen bestehenden Heere focht und sie verloren hätte, wenn nicht, als die Feldherrnkünste Sr. Langweiligkeit ver­sagten, Blücher, der am Tage vorher von ihm so schmählich im Stich gelassene, im rechten Augenblick zur Hilfe erschienen wäre. Der kindische Aerger des Blattes versteigt sich zum Schluffe zu der unerhört frechen Behauptung:

Wenn wir Luft dazu hätten, könnten wir die absolute Unparteilichkeit der Deutschen gegenüber den Engländern und den Buren oder irgendwen sonst noch, mit voll­kommenem Erfolg beweisen: Wir brauchten nur anzu­kündigen, daß wir eine deutsche Legion zu errichten wünschen und tausende von Rekruten würden sich melden für 1 Sh. den Tag, freie Verpflegung, einer Ausrüstung und das Versprechen, ihnen 10 Lstrl. zu zahlen, wenn man sie entläßt".

Das ist die Haltung der sogenannten vornehmen Preffe kurz nach der Kaiserreise. Das ist die Bethätigung der heuchlerischen Freundschastsphrasen. Nun, englische Werber haben bereits ihr Heil in Deutschland versucht, sie haben aber nur den Erfolg erzielt, daß in einem elementaren Ausbruch des Volksunwillens deutsche Fäuste mit deutscher Kraft und Ausdauer den Engländern den Körperteil be­arbeitet haben, der sich am besten zur Empfangnahme der- artiger Huldigungen eignet, sodaß deren Besitzer das Wieder­kommen vergaßen.

Aus dem Reichstage.

nh. Berlin, 12. Dezember 1899.

Eine erste Etatberatung wie die diesjährige dürfte noch kaum je­mals dagewesen fein. Die gestrigen Vorgänge haben alle Dispofitionen und die ganze Geschäftsordnung über den Haufen geworfen. In be­sonders drastischer Weise kam das heute bei einer kleinen Episode zu« Ausdruck, die wieder einmal die geradezu verblüffende Schlagfertigkeit deS Präsidenten Grafen Ballestrem bewies. Bebel bemerkte während seiner Rede, daß die Minister gestern gar nicht zur Sache gesprochen, also die Geschäftsordnung verletzt hätten. Prompt ertönte, wie stets bei solchen Vorwürfen, die zugleich eine Kritik der Präsidialführung enthalten, die Glocke des Präsidenten. Aber statt der allgemein erwarteten, bei solchen Anlässen üblichen Aeußerung:Die Ordnung des Hauses z» wahren ist meines Amtes!" sagte Graf Ballestremzu seiner Recht- fertigung", daß nach der Verfassung die Mitglieder des Bundesrates stets zu hören seien und daß ihm nicht die Befugnis zustehe, sie zu ver­anlassen, zur Sache zu reden. Auch noch an einer zweiten Stelle erregte Graf Ballestrem heute bedeutendes Aufsehen, insofern als er sich in direkten Gegensatz zum Reichskanzler stellte. Dr. Lieber hatte einige Kaiserreden zitiert, und Fürst Hohenlohe nahm selbst Gelegenheit, sein Bedauern darüber auszusprechen. Dem gegenüber erklärte der Präsident, daß er nach wie vor kein Mitglied daran hindern werde, authentisch im Reichsanzeiger" publizierte Worte des Kaisers in angemessener Weise zu erörtern. Man wird sich noch des berühmtenFalles Konack" er­innern, in dem es sich gleichfalls um dieselbe Sache handelte, lieber« Haupt hatte der Reichskanzler heute Pech. Noch ein zweites Mal griff er ex tempore in die Debatte ein, um einem Mißtrauensvotum des Grafen Limburg-Stirum entgegenzutreten Dabei sprach er die Vermutung aus, daß diese Enttäuschung, die der Gras über seine Amtsführung empfinde, vollkommen verständlich fei, daß aber die Mehrheit feiner Partei sie wohl nicht teilen werde. Das war nicht sonderlich geschickt von de« Fürsten, denn es konnte nicht ausbleiben, daß Graf Limburg darauf erklärte, er habe im Namen feiner Fraktion gesprochen.

Selten ist wohl bei einer ersten Etatsberatung so wenig über den Etat gesprochen worden wie heute, von gestern natürlich abgesehen. Die neue kommende Flottenvorlage stand dominierend im Vordergründe der Erörterungen. Das äußere Aussehen des Hauses entsprach denn auch vollständig dem gestrigen, nur daß die Tribünen noch mehr überfüllt waren. Zu Haus waren die Zuhörer gekommen, angelockt durch die gestrigen Ereignisse, und allenthalben war das Auditorium gespickt mit Marineunifomun. Die drei größten Parteien kamen heute zum Wort; ihre Redner habe ich oben bereits genannt.

Dr. Lieber (Centr.), der Repräsentant der größten und auk- schlagqebenden Partei, leitete die Debatte em. Er sprach in seinem ge­wohnten salbungsvollen Tone, nur kommen die Sätze heute oft noch wuchtiger heraus als sonst, und die Kunstpausen dehnten fich zu unend»