Ausgabe 
14.1.1899 Erstes Blatt
 
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Truppen und Offiziere aus allen Armeekorps, die sich bis zu dem Augenblick der Landung in Afrika nicht kennen, zusammenzuwürfeln und in Hast und Eile hinüberzuwerfen'? Beruht die Zeitungsnachricht, daß dieNavigazione Generale Jtaliana" telegraphisch von der Regierung Befehl erhalten hätte, zwei Dampfer zur Einschiffung von Soldaten und Kriegsmaterial bereit zu halten, auf Wahrheit? Und ist also der Augenblick, eilig die Kolonie in Verteidigungs­zustand zu setzen, herangekommen? Auf alle diese Fragen läßt sich nichts antworten. Man tappt hier völlig im Dunkeln darüber, was eigentlich in Afrika vorgeht. Die Regierung läßt alle schwarzfärbenden Telegramme beschlag­nahmen und versichert andererseits mit Standhaftigkeit, daß in der Kolonie alles eitel Friede und Freude sei. Ein Endurteil muß man sich aufsparen, bis die Sache zum Klappen kommt.

Prag, 12. Januar. Mit der teilweisen Vertschechung der Gerichte in Deutschböhmen gemäß den Folgen der Sprach-Verordnungen wird es jetzt Ernst. Anläßlich des Reichenbacher Falles hat der Oberste Gerichtshof in Prag entschieden, daß die Parteien bei allen Gerichten Böhmens berechtigt seien, sich sowohl der deutschen wie auch der tschechischen Sprache zu bedienen, ferner daß der Grundsatz der Unmittelbarkeit und Mündlichkeit des Ver­fahrens die volle Gleichwertigkeit beider Landessprachen bei sämtlichen Gerichten erheische, sowie daß die Sprachen- Verordnungen vom 24. Februar 1898 den Gebrauch beider Landessprachen vor Gericht durchaus innerhalb jener Grenzen regelten, welche für diesen Fall schon in der kaiserlichen Entschließung vom 8. April 1848, also in einem noch heute geltenden Gesetze gezogen wurden.

Paris, 12. Januar. Eine unangenehme Vermischung von Politik und Rechtspflege macht sich jetzt in Frankreich geltend. Quesnay de Beaurepaire, der als Kammerpräsident des Pariser Kassationshofes dieser Tage zurücktrat, ist eine typische Persönlichkeit im Richterstande der Republik, wo die monarchische Ueberlieferung rechtlicher Strenge nicht mehr geschätzt wird. Die Politik überwuchert die Rechtspflege Frankreichs mehr und mehr und an jeder Wendung des Weges, wo Staats- oder Parteiraison in die Justiz eingreift, taucht Quesnay de Beaurepaire auf. Er arbeitete früher für die damals vorherrschende Partei der liberalen Hochfinanz gegen die Nationalisten und Antisemiten. Jetzt ist er ins andere Lager übergegangen und attackiert seine ehemaligen Freunde Reinach und Genossen zum Vorteil seiner bisherigen Feinde. Das ist in den Augen der Dreyfusleute natürlich einnamenloser Skandal". In Wirklichkeit thut Quesnay de Beaurepaire aber nur mit Eclat, was andere Richter im stillen besorgen. Die Straf­kammer des Kassationshofes mit dem Vorsitzenden Loew und dem Berichterstatter Bard nahm vom Anfang der Dreyfus- sache an parteilich Stellung. Das Urteil des Schwurgerichts über Zola kassierte sie widerrechtlich, indem sie den Gesetzes­text verstümmelte. Jetzt glaubt Quesnay de Beaurepaire eine Reihe von Punkten gefunden zu haben, in welchen seine Kollegen von der Strafkammer in der Dreyfus-Enquete den Oberst Picquart parteiisch bevorzugt und die zum Verhör gezogenen Generale benachteiligt haben. Was im einzelnen davon wahr ist, entzieht sich der Beurteilung, allgemein aber klingen Quesnays Behauptungen wahrscheinlich. Als nun der Justizminister die Klagen nicht berechtigt finden wollte, kam es zum offenen Bruch. Quesnay de Beaurepaire gab nach einem heftigen Wortwechsel, den er mit Lehret im Ministerium führte, seine Entlassung und begann sofort im Echo de Paris", einem Organ der Generalstabspartei, einen Feldzug gegen die Regierung und den Kassationshof. So abfällig nun die Regierungsblätter dieses Vorgehen behandeln, hat Quesnay de Beaurepaire doch unmittelbar schon etwas erreicht: der Oberpräsident des Kassationshofes, Mazeau, macht bekannt, daß er beim Revisionsverfahren in Dreyfussachen, sobald dieses beginnt (bis jetzt läuft nur die Voruntersuchung), den Vorsitz selbst übernehmen werde. Der Präsident Loew wird also von seinem eigenen Vorgesetzten als nicht hinreichend unparteiisch und vertrauenswürdig betrachtet. Inzwischen setzt Quesnay de Beaurepaire seinen Zeitungs- feldzng gegen den höchsten Gerichtshof fort und entwickelt ein förmliches Programm zu einer Umwälzung des bisherigen Rechtszustandes. Der Rest dieses Appells besteht in Klagen über den Verfall der Sitten und in patriotischen Wendungen, teilweise an die Adresse der Offiziere, denen Beaurepaire sagt:Ihr lieben armen Offiziere, deren Uniform ein Opferschmuck ist" u. s. w. lieber den Ausgang der auf den heutigen Donnerstag angesetzten Verhandlungen der Deputiertenkammer, denen man anfangs einen stürmischen Verlauf voraussetzen wollte, herrscht völlige Ungewißheit. Man weiß nur, daß die Regierung eine neue Ermittelung über die Behauptungen Beaurepaires anstellen will.

Petersburg, 12. Januar. Ein neulich gebrachter Auf­satz der LondonerTimes" über dieNeidhammelpolitik" Frankreichs in Ostasien ist in Petersburg zum Anlaß ge­nommen worden, in die erregten Debatten der Londoner und Pariser Blätter mit einigen Warnungen an die Adresse Großbritanniens einzugreifen. Mit be­merkenswerter Deutlichkeit ließ sich namentlich dieNowoje Wremja" vernehmen.Dieser streitsüchtige Ausfall der Times", heißt es in dem genannten Blatte,bestätigt die komfortable" kriegerische Stimmung der Engländer. Die Times" schleudern Frankreich direkt den Fehdehandschuh ins Gesicht, indem sie mit sofortigem energischen Wider­stände in der Frage von der Erweiterung der französischen Konzession in Shanghai drohen. Aber nicht erst seit heute gilt das Wortne bis in idem. Das Zeitungspulver darf nicht zu stark mißbraucht werden. Alles hat Maß und Grenzen, auch dielegitimen" Interessen Englands, welche nicht allein durch die Meldung der Engländer darüber, sondern auch durch das Urteil der Völker über ihregesetz- lichen' Interessen umgrenzt werden. In den Londoner Reglerungskreisen weiß man gut, daß Frankreich nicht ver­

einsamt ist, und man kann dort schwerlich überzeugt davon sein, daß Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan die Rolle spielen werden, welche dieTimes" ihnengroß­mütig zuerteilen." So dieNowoje Wremja". Nach dem neuen Angriff derTimes" auf dieschäbige" Politik der französischen Negierung,die unter großsprecherischen Phrasen gewohnheitsmäßig mit der Gier und List eines Bauern handle", zu urteilen, haben jedoch die Petersburger Auslassungen ihre Wirkung auf das Cityblatt verfehlt.

M.P.C. Rußland. Die Durchführung der Gehalts­erhöhungen im russischen Heere ist im allgemeinen gesichert. Die Erhöhung erstreckt sich hauptsächlich auf die Fähnriche und Leutnants, da dieselbe bei diesen 38 bis 61 Proz. beträgt. Das der Hauptleute wird um 22 Proz., das der Bataillonskommandeure um 26 Proz. erhöht. Was die höheren Grade anbelangt, so ist der Vorteil kein so besonders großer: Regimentskommandeure 5 Proz., Brigade­kommandeure 13 Proz., Divisionskommandeure 14 Proz., Kommandirender 11 Proz. Die Gesamtmehrausgabe beträgt ca. 11 Millionen Rubel.

lieber afghanische Verhältnisse wird derKöln. Ztg." unterm 11. Januar aus London geschrieben: Hier wie in Indien gibt man sich seit einigen Wochen ernsten Be­sorgnissen wegen der weiteren Entwicklung der Dinge in Afghanistan hin. Der afghanische Herrscher scheint sich in sehr bedauerlichem Gesundheitszustand zu befinden, so daß sein Tod binnen kurzem zu erwarten wäre. Von der kleinen europäischen Kolonie in Kabul zieht einer nach dem andern ab. Abdurrahman zahlt den Leuten ihre Gehälter nicht mehr aus. Die meisten sind seit einer Reihe von Monaten im Rückstände. Sir ©alter Pyne, der Leiter der Arsenal­werkstätten des Emirs, befindet sich schon seit geraumer Zeit in Indien; anfangs hieß es, auf Urlaub, aber neuerdings verlautet, er werde nicht mehr auf feinen Posten zurück­kehren. Neuerdings ist auch Herr Clements, der Tierarzt des Emirs, und mit ihm Fräulein Daly, die als Aerztin des Harems zu Kabul Fräulein Hamilton, die Verfasserin mancher interessanter Schilderungen über Land und Leute in Afghanistan, ersetzt hatte, von dort nach Indien zurückgekehrt. Gegenwärtig befinden sich nur noch drei Europäer in der Hauptstadt der Afghanen, der Engländer Frank Martin und zwei deutsche Handwerker, deren Namen auch bei Anfragen an kundiger Stelle nicht festzustellen waren. Falls Abdurrahman wirklich in nächster Zeit abgerufen werden sollte, wären die in dem wilden Lande bei Thronerledigungen hergebrachten Wirren mit annähernder Sicherheit wieder zu erwarten. Die Erbfolge ist dort sogar im besten Falle eine ziemlich unge­wisse und regelmäßig scharf bestrittene Machtfrage. Der Emir selbst hat seinen ältesten Sohn Habiballah zum Nach­folger bestimmt und, soviel in seiner Macht stand, auch dazu vorbereitet und herangezogen. Habiballahas Mutter war aber, um mit unserem Sprachgebrauch zu reden, keine Prinzessin von Geblüt, und die heutige Fürstin ist im In­teresse ihres eigenen minderjährigen Sohnes Mahomed Omar eine erbitterte Gegnerin der Nachfolge Habiballahs. In den meisten Fällen würde eine solche Gegnerschaft nicht allzuschwer ins Gewicht fallen, obschon auch im Osten die gewöhnlichen weiblichen Einflüsse nicht zu unterschätzen sind. Die Gemahlin des Emirs ist aber keineswegs eine der ge­wöhnlichen Haremspersönlichkeiten, sondern ein Weib von kühnem Mute und ungewöhnlicher Thatkraft. Es ist den­jenigen, die sich für zentralasiatische Ereignisse interessieren, noch in lebhafter Erinnerung, wie vor mehreren Jahren, als in Abwesenheit des Emirs in Kabul ein sehr ernster Aufstand entbrannte, die Fürstin diese Bewegung mit großer Schuldigkeit niederschlug. Sie warf sich in Männer­kleider, stellte sich in Wehr und Waffen an die Spitze der wenig zahlreichen Truppen, fuhr wie ein Sturmwind unter die Empörer, verbreitete Furcht und Entsetzen und stellte in kürzester Zeit die Ruhe wieder her. Der zweite Sohn des Emirs, Nasrullah, der vor einigen Jahren in England war, gilt als eine Null und kommt für die Thronfolge einstweilen nicht in Betracht. Selbst fein Vater gab ihn auf und hat ihm nie verziehen, daß es ihm nicht gelang, die Ernennung eines englischen Gesandten für Kabul zu erwirken. Bisher ist nämlich Afghanistan stets im Ge­schäftsbereich der Regierung in Kalkutta geblieben, die sich durch einen ihrer Beamten, zumeist durch Eingeborene, in Kabul vertreten läßt. Die Thronfolgefrage wird diesmal besonders interessant durch die unmittelbare Annäherung der russischen Bahnlinie bis auf wenige Kilometer von Kuschk.

Amerika. Die Besitzergreifung der Philippinen solle nur eine vorläufige fein so verlautete mit etwas dunklen Hinzufügungen am Mittwoch im Senate zu Was­hington. Der Senator Foraker erklärte nämlich und zwar, wie man annimmt, den Ansichten Mae Kinleys Aus­druck gebend, die Vereinigten Staaten seien entschlossen, die Philippinen so lange in Besitz zu nehmen, bis die Be­wohner imstande seien, die Regierung selbst zu führen. Wenn auch die Vereinigten Staaten volles Recht hätten, die Philippinen dauernd zu behalten, so erstrebe dies doch weder Mae Kinley, noch irgend ein Mitglied des Senats. Auf die Frage, weshalb mit den Philippinen nicht ebenso verfahren werden könne, wie mit Kuba, erwiderte Foraker, bei der kubanischen Frage kämen nur die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Spanien in Betracht, während bei den Philippinen andere Verwickelungen in Frage kämen, über die nur in einer geheimen Sitzung des Senats Auf­schluß gegeben werden könne.

Ackales und Provinzielles.

Gießen, den 13. Januar 1899.

**n. Vierte Vorstellung des Theatervereins. Aufgeführt wurde IbsensStützen der Gesellschaft". Den Konsul Bernick spielte Herr Karl Peppler vom Hof­

theater in Hannover. Wir lernten in ihm einen überau^ bühnengewandten und feiner Sache sicheren Künstler kennen* dessen durchdachtes Spiel und dessen charakteristische Er­fassung seiner Aufgabe einen großen Eindruck machten. Der geschätzte Gast betonte in seiner Darstellung, was nach der Absicht des Dichters vorzugsweise in dem Konsul Bermck zu suchen ist, den brutalen, rücksichtslosen Willen nach Macht, das Jmperatorenhafte, das in der Enge einer kleinen Stadt zu der Politik der kleinen Mittel und der krummen Wege verurteilt ist. Weniger Wert legte Herr Peppler darauf, jene dem Konsul ebenfalls eigentümliche Anziehungskraft zu unterstreichen, durch die er einst als vollendeter Weltmann und Kavalier besonders die Frauen zu bezaubern verstand. Wohl etwas zu kräftig trug Herr Peppler gegen Schluß des Dramas die Farben bei des Zeichnung des von Gewissen- unb Todesangst Gequälten auf. Allerdings hat ja der Dichter dem Schauspieler die folgerichtige Durchführung feiner Auf­gabe dadurch erschwert, daß er der Tragödie die Spitze ab­gebrochen und den versöhnlichen Schluß aufgesetzt hat. Die Mitglieder unseres Stadttheaters standen diesmal im all­gemeinen dem Gast wacker zur Seite. Die Krone des Abends gehört hier Fräulein Würdig, die mit erfreulicher Frische und Entschiedenheit, in der Maske etwas zu jugendlich, das mahnende Gewissen des Konsuls in der Gestalt der Lona Hessel verkörperte Weniger gut fanden sich die übrigen Damen mit ihren Rollen ab. Frau Kruse (Frau Rummel) sprach viel zu leise, so daß fast alles von der wichtigen Vor- gefchichte verloren ging. Frau Helm (Frau Bernick), Frl. Cronegg (Frl. Bernick) Frl. Schloß (Dina Dorff) waren zu farblos. Von den Herren verdienen besondere Anerkennung Herr Dietzsch, der den Hilfsprediger Rohr­land maßvoll und ohne Uebertreibung spielte, ferner Herr Merker für feine warmherzige Darstellung des edelmütigen Johann Tönnefen; nicht minder zu loben ist Herr Walter, der in der Rolle des Schiffbauers Auler für die Herzens­not des kleinen Mannes, der sich gegen die Zumutungen des Konsuls zuerst empört und sich zuletzt schmerzlich fügt, die entsprechenden Töne fand. Etwas zu viel Karrikatur war der Hilmar Tönnesen des Herrn Köhler. Die Ver­treter und Vertreterinnen der anspruchsloseren Rollen (die Damen Schuhmann, Pauli, Sitardi, Lahmann, Isenburg, die Herren Li eb sch er, Werner, Wilhelmi, Casterra) fügten sich befriedigend in das Zusammenspiel ein, wie sich überhaupt diese Vorstellung zu ihrem Vorteil auszeichnete und auch verdienten Beifall fand.

Stadttheater. Es ist der Leitung unseres Stadt­theaters gelungen, den berühmten Charakterkomiker Carl William Büller für ein zweimaliges Gastspiel zu ge­winnen. Dasselbe findet am Montag den 16. und Dienstag den 17. d. Mts. statt. Der Künstler spielt hier zwei seiner hervorragendsten Rollen, in denen derselbe überall die größten Triumphe feierte, nämlich denCäfar Wichtig" inDer Registrator auf Reifen" und denWehr- hahn" inBiberpelz" von Gerhart Hauptmann. Wir lassen einen Bericht über Büllers Gastspiel am Mainzer Stadttheaterfolgen:Der Registrator auf Reifen." Posse mit Gesang von L'Arronge und Moser. Musik von Bial. Gastspiel des Herrn Carl William Büller. Herr Büller ist einer von denjenigen Gästen, die man mit Freuden aufnimmt, und deren Abreise man schmerzlich empfinden wird. Das ist ein ganzer Künstler! Herr Büller ist einer der immer seltener werdenden echten Komiker L la Schweig­hofer. Was der Gast bringt in Rede und Geste, zeugt von Geist, und, was die Hauptsache ist, von unverfälschtem, herzerfreuendem Humor. Kann es da Wunder nehmen, daß jeder einzelne der Zuschauer den vortrefflichen Künstler so­fort ins Herz schloß und seine herrlichen darstellerischen Künste durch den feurigsten Applaus ausgezeichnet? Herr Büller ist mit seinem gestrigen ersten Gastspielabend hier schon durchaus beliebt geworden. Der Registrator Cäsar Wichtig ist eine mit treffendster, feinster und dabei dezentester Komik in Darstellung und Rede gleich vorzüglich gegebene Figur des Herrn Büller, dessen hohe Kunst uns selbst über den faustdicken Schartekenstaub, der auf dem L'Arronge- Mofer'fchen Buche ruht, hinwegschauen ließ. Herr Büller sei uns also willkommen. Unseren Lesern raten wir, wenn sie einmal von ganzem Herzen lachen wollen, dem Künstler int Theater einen Besuch zu machen.

* * Vortrag. Der gestern Abend im Cafs Leib statt- gefunbene Vortrag des Herrn Franz Fürsten berg er­freute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Redner ver­stand es in allgemein verständlicher Weise, das Interesse für feine Ausführungen wachzuhalten, und erläuterte an der Hand gut gelungener Aufnahmen die Entstehung und Weiterentwickelung der lebenden Photographien. Anhaltender Beifall lohnte den Redner am Schluffe dieses äußerst in­teressanten Vortrages, und dürfte für die veranstaltenden Vereine wohl Veranlassung sein, derartige Vorträge fort­zusetzen.

* * Milde Stiftung. Am 5. Januar d. I. war ein Vierteljahrhundert verflossen, seit die in unserer Stadt errichtete Stiftung der verewigten Gräfin von Görlitz für Augen-, Krebs- und Knochenfraß-Leidende ins Leben getreten ist. Zur Erinnerung an diesen Gedenktag fand in ben Räumen ber Balser'ischen Stiftung eine kleine, er­hebende Feier statt. In schlichten, herzerfreuenden Worten gedachte zunächst der Geistliche des Sprengels, in welchem die Krankenanstalt sich befindet, Herr Pfarrer Euler, der hochherzigen Stifterin der Frau Gräfin Görlitz, des unvergeßlichen Meisters der medizinischen Wissenschaft, des Geh.-Rats Professor Dr. Balser, dessen Name die Anstalt trägt, um das Andenken an den Berater und Helfer so vieler Leidenden auf lange Zeiten hin fortzuerhalten. Die Worte des Geistlichen klangen, nachdem er noch rühmend ber Thätigkeit bes verewigten Herrn Professors Dr. med. Winther, welchem ben Beginn ber ihm zugedachten ärztlichen Thätigkeit zu erleben leiber nicht vergönnt war, erwähnte, in einem Gebete aus, wie bies bie Stifterin ausdrücklich-