Ausgabe 
13.12.1899 Erstes Blatt
 
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Innern v. Holleufer zum Regierungspräsidenten in Düsieldorf.

Der Seniorenkonvent des Reichstages war heute mittag 1 Uhr, kurz vor Beginn der Plenar­sitzung, zusammengetreten und hat sich über die Geschäfts­lage schlüssig gemacht. Bis zu den Weihnachtsferien soll nur noch der Etat und das Telegraphenwegegesetz erledigt werden. Letzteres soll am Dienstag in zweiter Beratung, am Mittwoch in dritter Beratung vor dem Etat auf die Tagesordnung gesetzt werden. Bon der Durchberatung der Reichsschuldenordnung soll aber abgesehen werden, weil die­selbe, da am Dienstag die Budgetkommission zusammentretcn soll, mehrere Tage erfordern würde. Die Weihnachtsferien dürften am Freitag, dem 15. d. MtS., beginnen und sollen am 9. Januar endigen, sodaß an diesem Tage die erste Plenarsitzung im neuen Jahre stattfinden wird.

Die Frage der Errichtung einer päpstlichen In ter nuntiatur in Berlin ist, wie derLokal-Anz." aus München meldet, noch keineswegs fallen ge­lassen worden, nur hat der in Rom weilende Freiherr v. Hertling nichts damit zu thun.

Minister v. Miquel veröffentlicht in derBerl. Korr." eine Erklärung, in welcher er die in letzter Zeit durch die Preffe gegangenen Erzählungen über angeblich von ihm gemachte Aeußerungen zur Kanalvor - läge und den Beamtenmaßregelungen als absolut falsch und unwahr bezeichnet, daß er aber als Minister sich nicht berechtigt halte, die wirklichen Hergänge in die Oeffentlichkeit zu bringen. DieGermania" bemerkt dazu, mit diesem allgemeinen Dementi werde Herr v. Miquel schwerlich den politischen Eindruck verwischen können, den die detaillierten Mitteilungen derFreisinnigen Zeitung" hervorgerufen haben. Alle Mitteilungen könne Herr v. Miquel unmöglich alsabsolut falsch und unwahr" hinstellen wollen; es hätte ihm also, wenn er nicht gerade denwirklichen Hergang" positiv an die Oeffentlichkeit bringen wollte, mindestens eine Eiklärung darüber obgelegen, was im einzelnen an den Mitteilungen derFreis. Ztg." falsch und unwahr sei. Bielleicht habe Herr v. Miquel mit seiner Erklärung einer Diskussion im Reichstage vorbeugen wollen, aber dieser Schachzug dürfte sich bald als ein ver­fehlter erweisen. Auch derReichsbote" nimmt in derselben Angelegenheit das Wort. Er sagt am Schluffe seiner Bemerkung: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Daß diese Zustände zwischen Ministerpräsident und Vizepräsident nicht so bleiben können, ist zweifellos, und deshalb wird einer der beiden Herren wohl vom Schau­platze abtreten müssen.

DieDeutsche Tageszeitung" erklärt, was sie über die Unterredung des Reichskanzlers mit Herrn v. Kröcher gerüchtweise vernommen habe, beschränke sich darauf, daß der Reichskanzler Herrn v. Kröcher gegenüber den Minister v. Miquel als den Anreger der Beamten­maßregelungen bezeichnet haben soll. Wir konstatieren wiederholt, so schreibt das Blatt weiter, daß für die Be­amtenmaßregelung als eine Maßnahme des Gesamt­ministeriums dieses in seiner Gesamtheit und selbstverständ­lich einschließlich seines Präsidenten und Vizepräsidenten die Verantwortung trägt, Mit Bezug auf die Mitteilungen derFreisinnigen Zeitung" erklärt Herr Schweinburg, daß er seit Jahr und Tag nicht auf der Redaktion derKrenz- zeitung" gewesen sei.

Aus Reuß älterer Linie. Der Kuriosität halber erwähnt dieMagdeb. Ztg.", daß in einem deutschen Bundesstaat die Aufhebung des Verbindungsverbots poli­tischer Vereine nicht in Geltung treten kann und zwar in Reuß älterer Linie. Dort sind durch Landesgesetz politische Vereine überhaupt verboten, und diese Bestimmung wird durch den Antrag Bassermann nicht aufgehoben. Also unter­einander verbinden dürfen sich auch iy Reuß älterer Linie politische Vereine, aber bestehen dürfen sie nicht!

Hamburg, 11. Dezember. In der heutigen Bürger­meisterwahl wurde für den verstorbenen Dr. Versmann der bisherige Leiter der Polizei, Senator Dr. Hachmann zum zweiten Bürgermeister gewählt.

Ausland.

Wien, 11. Dezember. Gerüchtweise hat Ministerpräsi­dent Szell mit Clary vereinbart, den rückständigen Ausgleichsangelegenheiten auf Grund des § 14 unverzüglich im Plenum näher zu treten, falls die öster­reichische Regierung die Ausgleichsvorlage bis zum 28. d. M. auf parlamentarischem Wege nicht zu erledigen vermag.

Die Jungczechen machten den Versuch, die heutige Sitzung des Budgetausschuffes durch Obstruktionsreden zu verhindern. Es gelang trotzdem, das Budgetprovisorium in die Verhandlung zu ziehen.

Mailaud, 11. Dezember. Bei der Eisenbahnkata­strophe im Tunnel von Albengo ist nach der bisherigen Feststellung weder em Reichsdeutscher noch ein Oesterreicher verunglückt. Unter den Schwerverwundeten befindet sich ein italienischer Marineleutnant, zwei Engländer, ein Amen- kaner und ein Deutsch-Amerikaner mit Namen William Berger. Von den übrigen Passagieren ist niemand unver­letzt davongekommen.

Paris, 11. Dezember. In der heutigen Kammersitzung erklärte der Kolonialminister, die Regierung sei darin einig, keine weiteren Kolonieen zu erwerben und sich ausschließlich mit der wirtschaftlichen Ausbeutung der in ihrem Besitz befindlichen Kolonieen zu befassen. Er wies auf die mißlungene Mission des Hauptmanns Chanoine hin.

Paris, 11. Dezember. In der heutigen Sitzung des Staatsgerichtshofes kam eS zu einem großen Skandal, der anscheinend von den Angeklagten Cailly, Dubuc und Brunet, sowie einigen Zeugen vorher verabredet worden war. Dieselben brachten Hochrufe ans auf Dörou- löde und Schmähruse auf die Juden. Der Generalanwalt

I forderte die Kundgeber auf, sich ruhig zu verhalten, da er I sonst bei ihnen das Gesetz in Anwendung bringen würde. I Eine Anzahl Royalisten, die als Zeugen vernommen werden I sollten, weigerten sich, zu schwören unter Hinweis auf die I Thatsache, daß die Richter Freimaurer seien. Der Skandal I war derart heftig, daß der Vorsitzende die Sitzung unter- I brechen mußte. Nach Wiederaufnahme beschloß der Senat, I Cailly bis zum Urteilsspruche von der Sitzung auszuschließen. I Die anderen beiden Angeklagten werden von zwei Sitzungen I ausgeschlossen. Das Staatsgericht beschäftigte sich alsdann I mit der Beratung über die Gefängnisstrafen, welche gegen I die Kundgeber angewendet werden sollen.

Bagdad, 11. Dezember. In hiesigen Kreisen, welche mit den Vorgängen am persischen Golfe sehr vertraut sind, I hält man die Anwesenheit der beiden dort befindlichen I englischen Kriegsschiffe für ein sicheres Symptom dafür, I daß England sich den Hafen von Kneit an der I Ostküfte Arabiens sichern wolle. Dieser wichtige Hafen, I dessen Besitz der Türkei stets streitig gemacht worden ist, I soll die erste Etappe für die projektierte Eisenbahn nach I Suez bilden.

Aus dem Reichstage.

nh. Berlin, 11. Dezember 1899.

Die Flottenschlacht hat begonnen! Und zwar ist die Regierung gleich von vornherein mit einer geradezu verblüffenden Energie und mit einem ganz gewaltigen Kraftaufwande in den Kampf gezogen. Man merkte ei sofort, daß für sie diese diejenige Frage ist, die ganz kon- | kurrenzloS im Vordergründe steht und hinter der Zuchthaus-, Kanal- i und sonstige Fragen ohne weiteres in den Hintergrund treten. Das heutige Vorgehen der Regierung war für den Reichstag eine der größten Ueberraschungen, die er je erlebt hat. Man war ja darauf gefaßt, und es war auch vorher bekannt geworden, daß der Reichskanzler heute im Reichstage eine Erklärung über die Flottenvorlage abgeben würde, aber man hatte sich dies als eine zwar ganz intereffante, aber zunächst wenig ins Gewicht fallende Episode gedacht. Statt deffen prasselten ganze Breitseiten von flottenbegeisterten Satzgefügen von der Bundesratsbank her auf die verdutzt dreinschauenden Volksvertreter hernieder, und das Schütteln der Köpfe unten im Saale wurde immer allgemeiner, sobald wieder ein Mini,ter oder Staatssekretär das Wort ergriff, bis der letzte sogar mit lautem Halloh und großer Heiterkeit empfangen wurde.

Sechs Reden vom Bundesratstische her und keine aus dem Hause, das ist die Summa der heutigen Sitzung. Ma« wird lange in den Annalen des Reichstages zurückblättern können, bis man aus eine Sitzung mit ähnlichem Verhältnis trifft. Und dabei muß man noch berücksichtigen, .daß nur eine dieser sechs Reden, und zwar wohl die kürzeste, mit der eigentlichen Tagesordnung, der ersten Lesung des Etats, sich beschäftigte, während die übrigen fast ausschließlich einer Regierungsvorlage galten, die nicht nur noch nicht an den Reichstag gelangt ist, sondern die auch noch nicht einmal dem Bundesrate vorgelegen hat, ja, die sogar noch gar nicht fertig ist, sondern sich erst im Stadium der Vorbereitung be­findet. Wenn man sich alle diese Umstände vergegenwärtigt, dann kann man sich erst ein ungefähres Bild davon machen, welch ein ungeheurer Wert an maßgebender Stelle auf das Zustandekommen des neuen Flotten­gesetzes gelegt wird.

Aeußerlich bot die heutige Sitzung das typische Bild der großen Tage: das Haus war verhältnismäßig gut besetzt; die allgemeinen Tri­bünen und die Preffeloge überfüllt; die Hof-, Diplomaten- und Vundes- ratslogen stark besucht, auf der vorderen Bundevratsbank ein Parterre von Ministern und Staatssekretären, und dahinter eine Armee von Unter« staatssekretären, Ministerialdirektoren, geheimen und nicht geheimen Räten. Besonders in die Augen fallend war die starke Durchsetzung der Bunde sratstische wie der Tribünen mit der Marineuniform. Auf dem sonst für die Kommisstonsreferenten bestimmten Sitze hatte kampfbereit der stiernackige Eugen Richter Platz genommen, der die Absicht zu haben scheint, wieder einmal eine seiner altbcrühmten großen Etatsreden zu halten, nachdem er in den letzten beiden Jahren die Zuhörer etwas ent­täuscht hat.

Als der Präsident die Sitzung eröffnet, hängen aller Blicke an der kleinen in sich zusammengesunkenen, gänzlich teilnahmlos aussehenden Gestalt des Fürsten Hohenlohe, denn jeder erwartet sitzt die angekünd'gte Flottenerklärung des Kanzlers Zu allgemeiner Ueberraschung erhält das Wort jedoch der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Graf Bülow, der kein Sterbenswörtchen über die Flotte vorbringt, sondern in etwas ermüdender Breite einen Bericht über die verschiedenen Samoa­konventionen »erliest, der nur längst bekannte Dmge enthält. Und darauf nimmt, als wenn nichts Außergewöhnliches vorläge, der Reichs- schatzsekreiär Frh. v. Thielmann daü Wort, um anläßlich der Vorlegung des Etats das übliche Finanzexposä zu geben. Dieses war ebenso kurz wie erfreulich. Auf allen Gebieten der Reichseinnahmen haben sich zum Teil sehr bedeutende Steigerungen ergeben, so daß also der Höhepunkt der wirtschaftlichen Entwickelung noch nicht überschritten ist. Neuigkeiten enthält der Etat herzlich wenig, nur das Reichsmilitärgericht, der Post­checkverkehr, eine Gehaltserhöhung der Kolonialbeamten, und ein spe­zialisierter Etat für Kiautschau, das sich gut entwickelt, sind zu nennen. Die Forderungen für die Marine halten sich innerhalb des Flottengesetzes von 1898.

Man hielt bereits vielfach die Absicht der Regierung, das neue Flottengesetz anzukündigen, für aufgegeben; mancher parlamentarische Feinschmecker hatte während des Finanzexposös die Tribüne verlassen. Da geschieht das Unerwartete. Der Kanzler erhebt sich und verkündet in seiner Rede, daß sich eine Novelle zum Flottengesetz in Vorbereitung befindet, und er sügt auch gleich hinzu, daß eine Verdoppelung der Schlachtflotte und der großen Auslandsschiffe in Aussicht genommen ist, eine Beschaffungsfrist aber gesetzlich nicht sestgeleqt werden soll. Dem Kanzler folgt Graf Bülow, um die politische Notwendigkeit der von jenem angekündigten Vorlage darzuthun. Er ihut das in seiner beliebten, bilderreichen und markigen Sprachweise, die stets wenigstens des äußeren Erfolges sicher ist. Nach ihm ergibt sich auS der gegenwärtigen allge­meinen Weltlage und aus den besonderen Bedürfniffen unserer über­seeischen Politik die absolute Notwendigkeit der Flottenverdoppelung; ohne diese können wir unsere Weltstellung nicht mehr behaupten, wir würden zurücksinken auf den früheren Stand unseres Vaterlandes, wo andere Völker auf unS herabsahenwie hochnäsige Kavaliere auf einen einfachen Hauslehrer". Endlich kamen dann noch Admiral Tirpitz und Frhr. v. Thielmann, um die militärische und finanzielle Möglichkeit der Maßregel nachzuweisen. Tirpitz hatte dabei die etwas unangenehme Aufgabe, seine Erklärungen von >898 zu desavouieren, welche das gel­tende Flottengesetz für ausreichend bezeichnet hatte. Die einmaligen Aus­gaben werden 783 Millionen betragen, die durch Anleihen aufgebracht werden sollen; die fortdauernden Ausgaben werden sich 16 Jahre lang um je 91/. Millionen, im ganzen um 153*/, Millionen vermehren und durch die laufenden Einnahmen gedeckt werden können. Auf Antrag des Dr. Lieber vertagte sich das Haus nach diesemungewöhnlichen Vorgang", um den Rednern Zeit zu lassen, sich in die neue Situation zu finden, und die heutigen Erklärungen zugeben.

Lokales und Vrovinfielles.

Gießen, den 12. Dezember 1899.

* Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 9. Dezember dem Lehrer am Gymnasium zu Gießen Ludwig Hüter, sowie dem Lehrer am Realgymnasium zu Gießen Dr. Philipp Wicderhold den Charakter als Professor zu verleihen. Ferner haben Seme Königliche Hoheit der Großherzog

I Allergnädigst geruht, in Gemäßheit der Artikel 3 und 16 des Gesetzes vom 17. Juni 1874, die Landstände Geschäfts« ordnung betreffend, den Geh. StaatSrat Krug von Nidda zum landesherrlichen Kommiffar für die Erste Kammer, so­wie den Geheimerat Emmerling und den Ministerialrat Dr. Breidert zu Mitgliedern der landesherrlichen Ein- weisungS-Kommission für die Zweite Kammer zu ernennen.

Provinzialausschuß-Sitznng. Samstag, 16. De­zember l. I., vormittags 9 Uhr, findet im Regie- rungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhesse» mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erbauung einer Kreisstraße von Staufenberg nach der Landesgrenze gege» Odenhausen betr. (Weigerung der Gemeinde Staufenberg I zur Beitragsleistung). 2. Gesuch des Peter Herr zu Gießen ! um Erlaubnis zum BranntweinauSschank. 3. Gesuch des Konrad Seipp III. auf der Rindsmühle bei Leihgestern um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft. 4. Gesuch des Friedrich Link II. zu Alt Wiedermus um Erlaubnis zum Ausschank von Flaschenbier. 5. Gesuch des Bürgervereins zu Udenhausen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb. 6. Gesuch des Adam Carle zu Ehringshausen um Erlaubnis zur Errichtung einer Dampfkeffelanlage. 7. Nebenbahn FriedrichsdorfFriedberg; hier: Enteignungin Gemarkung Rodheim (Urteilsverkündung).

* * Tagesordnung für die Sitzung der Etadtverordnetrn- Versammlung am Donnerstag dem 14. Dezember 1899, nachmittags 3»/, Uhr pünktlich: 1. Gesuch des Adolf Braun um Erlaubnis zur Legung einer Drainage von seinem Grundstück in der Lichtenau nach der städtischen Wiese am Schäferbrunnen. 2. Baugesuch des Karl Puth für den Wieseckerweg. 3. Desgl. des Kommerzienrats Heyligenftaedt für die Liebigftraße. 4. Desgl. des Wilhelm Schomber für die Schottstraße. 5. DeSgl. des A. Dennig- hoff für die Nordanlage. 6. Grenzregulierung mit dem Kaiserlichen Postamt in der Bahnhofstraße. 7. Baugesuch des H Kockerbeck für die Schulstraße; hier: Gelände­austausch. 8. Gesuch des Georg Hilgen um Austausch von Gelände am alten Steinbachcrweg. 9. Gesuch des Real- gymnasiallehrers Dr. Pitz um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände. 10 Die Eröffnung der Stephan- straße; hier: Bordsteinlieferung 11. Den öffentlichen Zettelanschlag in der Stadt Gießen. 12. Anschaffung von Kleidern für die Friedhofsarbeiter. 13. Das Personal des Stadtgeometers; hier: EntlaffungSgesuch des Gehilfen Werkmann. 14. Die Verwertung der Nutzholz-Ernte pro 1900/1901. 15. Die Verpachtung eines Steinbruchs an den Unternehmer Johs. Nickel und eines solchen an Philipp Pfeffer von Annerod. 16. Gesuch des L. Hahn III. von Steinbach um Ueberlassung von Sand. 17. Die Ent­leerung und Abfuhr der Senkgruben und Aborte. 18. Vor­lage der Rechnung der Armenkasse pro 1898/99. 19. Vor­lage des Voranschlags der Armenkasse pro 1900/1901. 20. Vorlage derRechnungderPlockischen Stiftung pro 1898/99. 21. Vorl des Voranschlags der Plockischen Stiftung pro 1900/1. 22. Gesuch des Heinrich Prieß zu Gießen um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein in seiner Wirtschaft Ebel­straße 2. 23. Desgl. des Balthasar Melior zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb mit Branntwein­ausschank im Hause Mardurgerftraße 29. 24. Desgl. des Ferdinand Schott zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft im Hause Wolkengasse 27. 25. Desgl. des Philipp Bauer zu Gießen um Erlaubnis zum Wirt­schaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße 57. 26. Gesuch des Christoph Arnold zu Gießen um Erlaubnis zum Wirt- schaftsbctrieb im Hause Stephangasse 42. 27. Desgl. de» Ludwig Löb zu Gießen im Hause Neuenweg 62. 28. Desgl. des Heinrich Schäfer zu Gießen im Hause Nordanlage 1. 29. Desgl. des Louis Bourgeois zu Gießen im Hause Brandgasse 3. 30. Desgl. des Louis Feldhaus zu Gießen im Hause Wallthorstraße 6. 31. Desgl. des Heinrich Aff zu Gießen im Hause Wolfstraße 21. 32. Desgl. des Joh. Häuser XIII. zu Klein-Linden im Hause Liebigftraße 64. 33. DeSgl. des Ludwig Kratzer zu Friedrichsdorf im Hause Dammstraße 39. 34. Desgl. des Georg Jörger zu Darm­stadt im Hause Neustadt 14. 35. DeSgl. des Wilhelm Ullrich zu Gießen im Hause Schloßgaffe 7. 36. Desgl. des Heinrich Nau zu Gießen im Hause Steinstraße 76. 37. Desgl. des Georg Stiehl zu Gießen im Hause Krof- dorferstraße 13. 38. Desgl. des Joseph Seeler zu Gießen im Hause Ludwigstraße 20.

-r. Stadttheater. Die Leitung unseres Stadttheaters bietet uns in dankenswerter Weise in letzter Zeit ein recht abwechselungsreiches Programm. Erst kürzlich ging die OperettenposseDie wilde Katze" in vorzüglicher Aus­stattung und Darstellung über die Bretter und am ver­gangenen Sonntag hatten wir das Vergnügen, in gut be­setztem Hause Kyritz Pyritz, die lustige dreiaktige Poffe von Oscar Justinus und Heinrich Wilcken in Szene gehe» zu sehen. Nach den vielen, sehr seichten, sehr tiefsinnige» und oft sehr humorlosen Stücken, die uns derRealismus" in den letzten Jahren bescherte, war es vorgestern wirklich eine Erfrischung, eine fröhliche, übermütige Posse zu sehen, die, ohne jeden Anspruch auf vornehme Lehrhaftigkeit, nur den Zweck erfüllen will, das Publikum mehrere Stunden lang bestens zu unterhalten. Und dieses amüsierte sich auch vorzüglich; die komischen Situationen, die poffenhaften Miß­verständnisse, die guten schlagenden Witze und Kalauer, die aufgefrischten Couplets mit den scharfen Pointen und die Possenfiguren wirkten alle in der flotten Darstellung so frisch, daß ein vollkräftiges, herzliches Lachen fortwährend das Haus durchdiöhnte und der Beifall nach den Aktschlüffe» einen stürmischen Charakter annahm. Im Spiel war freilich jeder Darsteller an seinem Platz. Herr Helm, der Dar­steller des lustigen Bäckermeisters Rux, zeigte sich wie immer als ein vortrefflicher, humorbegabter, kerniger Komiker, der scharf zu charakterisieren versteht. Eine Soubrette mit Talent, Temperament und Stimme ist Fräulein Eichen-