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13.12.1899 Erstes Blatt
 
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wald, welche die Nolle des übermütige» Sekundaners Emil Thülecke zu voller Wirkung brachte, und enthusiasti­sche« Beifall erntete. Auch in den anderen größeren Rollen zeigten sich Damen wie Herren vollkommen ihrer Aufgabe gewachsen. Das Zusammenspiel war wie die Einzeldar­stellungen flott und lebhaft und auch der Kapelle unter der sicheren Leitung des Herr» Direktor Kruse verdient alles Lob. Hoffentlich wird das mit so freundlichem Beifall auf­genommene Stück noch einmal in dieser Saison über die Bretter gehen.

Stadttheater. Morgen, Mittwoch, findet, wie bereits bekannt gegeben, wiederum Bolks-Vorstellung statt, und kommt als solche das SchauspielNora" von Ibsen zur Aufführung. Neber die nächsten Freitag außer der Operette10 Mädchen und kein Mann" zur Erstaufführung kommende Lustspiel NovitätTasso in Darmstadt" werden wir morgen ausführlicher berichten.

* Nsdfahr Veretu. Samstag Abend feierte der Gießener Radfahr Verein 1885 sein diesjähriges Winterfest und Ball im Cafe Leib. Schon früh füllte sich der festlich geschmückte Saal, und es dauerte nicht lange, bis alle Plätze besetzt waren. Auch der Gau und der Bezirk des Gaues 9 des D. R.-B. hatten ihre Vertreter gesandt. Das Programm war sehr mannigfaltig: exakt gefahrene Reigen, besonders der gemischte Damen- und Herren Reigen wurden brillant gefahren, wechselten ab mit Musikstücken der Bauer'schen Kapelle, humoristischen Vorträgen, Duetts und last not least trug der hübsch gespielte EinakterVerbotene Wege", nicht wenig zur Erheiterung des Abends bei. Der nun folgende Ball zeiate erst recht, wie rege die Beteiligung war, denn an der Polonaise nahmen über 100 Paare teil. Daß der Ball ein wohlgelungener war, daß alles in schönster Ord­nung verlief, davon legt die Thatsache Zeugnis ab, daß bei Schluß des Festes, der sich bis weit in den Morgen hinzog und am Ende die Beteiligung noch fast ebeso stark war, wie bei Beginn des Festes. Ein weiteres Zeichen, daß es allen recht gut gefallen, bot die äußerst starke Beteiligung un dem Sonntagnachmittag stattgefundenen Ausflug auf die Liebigshöhe, wo wieder Vorträge, sowohl musikalische wie humoristische, abwechselnd mit Tanz, die Teilnehmer bis in die elfte Stunde festhielt.

Lrubach, 12. Dezember. Der Stadtvorftand hat einen Beitrag für die Buren bewilligt, auch sind von einzelnen Gebern hier nicht unbedeutende Summen abgelicsert worden, auch im christlich-sozialen Verein wurden in dessen letzter Versammlung 23 Mark gesammelt. Ein schönes Zeichen des auch hier vorhandenen patriotischen Geistes ist der Umstand, daß Amtsrichter Zimmermann eine größere Zahl von Mitgliedern für den deutschen Flotten- »erein erworben hat.

= Laubach, 12. Dezember. Der dicht bei der Stadt gelegene, von der Gräflichen Kammer gepachteteObersee" bietet eben die schönste Eisfläche. Dem Eisoerein ge­hören viele Mitglieder an.

O Laubach, 11. Dezember. Der hiesige Krieger­verein hielt gestern abend imSchützenhof" seinen ersten Vortragsabend in diesem Winter Pfarrer Volp hielt einen Vortrag über die Erlebnisse des elsässischen Dorfes Fröschweiler auf Grund der rühmlichst bekannten Frösch weiter Chronik, in welcher der damalige Ortsgeistliche von Frvschweiler die erschütternden E-lebnisse niedergcschrieben hat. Der von christlich patriotischem Geist erfüllte Vortrag erntete reichen Beifall. Der Präsident des Kriegervereins, Kaufmann Ritter, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Sehr animiert verlief der übrige Teil des Abends, wozu der Gesang des Burenliedes und die Verlesung zweier auf den Burenkrieg bezüglicher Lieder aus demVolk" und dem Hess. Sonntagsblatt" durch den Redner des Abends be­sonders beitrugen. Kaufmann Riter betonte unter herzlichen Dankesworten an den Redner, daß nicht Feste, sondern ernste Arbeit Aufgabe des Kriegervereins sei, und wünschte, daß oft solche Vortragsabende stattfinden möchten.

Politische Satire in Wort und Bild.

(AuS der Nowoje Wremja.)

Uri

General Buller: Ich glaubte, Ihr hättet im Kampf mit den Buren gesiegt!?

^.Sir George White: Das glaubte ich auch, aber hier seht Ihr das Resultat! Ich vermute, Euch wird es nicht viel besser ergehen.

Gingesandt.

(FLr Form und Inhalt aHer unter dieser Rubrik stehenden ArÜkel Übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 6. Dezember 1899.

Die Gießener Ortskrankenkasse früher und jetzt.

Ein hiesiges Blatt bringt einen Artikel über die Verhältnisse der Ortskrankenkasse, welcher bei Uneingeweihten den Eindruck hervorgerusen hat, als leiste die Kasse erst die erhöhten Unterstützungen durch dav Ein- greifen der organisierten Arbeiter.

Es bedarf wohl keiner Erörterung und sind sich Eingeweihte da rüber längst klar, daß die Führung der Kaste, nachdem ein Kupital von ca- 80 000 Mk. vorhanden und der gesetzlich zurück,ulegende Reserve­fonds ziemlich erreicht ist, eine sehr einfache Sache »st, und der Er­bringung ein.-6 glänzenden Befähigungsnachweises nicht bedarf.

Die Geschäfte der Kaffe werden nicht von den organisierten Ar­beitern, sondern von dem früheren Bureauvorsteher eines hiesigen Rechts­anwalts geleitet, von dem man doch zum wenigsten erwart-n muß, daß er den Anforderungen einer geregelten Kaffenführuna entspricht.

Sollten durch die früh.re Führung des Geschäftsführers und zu­gleich Rechners der Kaste, welcher ebenfalls dem Arbeiterstande angehörte und uur Bäcker war, vor dem man jedoch alle Achtung haben muß, daß er sämtliche Kastengeschäfte, welche ihm oblagen, und deren Leitung in früheren Jahren eine recht schwierige war, da sich ein Jeder mit deu Bersicherungsgesetzen und deren Ausführungen erst einmal vertraut machen mußte, trotz gar keiner Vorbildung, so gut geleitet hat, wirklich Miß­stände sich ergeben haben, bann aber trägt die jetzige Führung genau dieselbe Schuld, wie jeder Andere, da sie der s. Z- angeregten An­stellung eines besonderen Geschäftsführers und Umgestaltung der Kaste einfach nicht die Hand geboten hat.

Daß die Kaffe, nachdem der Reservefonds erreicht ist, ihren kranken Mitgliedern erhöhte Unterstützungen bietet, ist ganz selbstverständlich und eine ganz natürliche Folge.

Denn was soll denn mit dem (Selbe angesangen werben, wenn solches gesetzlich nicht mehr zurückgelegt werben kann?

An den Erweiterungen der Unterstützungen haben bie Arbeitgeber ebenso gut ihren Anteil wie bie Arbeitnehmer unb kann sich hier Nie­mand besonderer Verdienste rühmen.

Wetterbericht. Der Norden des Erdteils steht andauernd unter der Herrschaft hohen Druckes, deffen Kern über Finnland liegt. Ueber Central-Europa ist das Barometer etwas gesunken und ist daselbst der Luftdruck bei geringen Unterschieden unregelmäßig, so daß an vielen Orten trübes Wetter und stellenweise Schneefälle eingetielen find. Die Temperaturen liegen andauernd sehr tief. Die gestern über dem Süden gelegene Depreffion zieht sich oslwäns, während von dem gestrigen Minimum ein Teil sich abgelöst hat, welcher nach dem Mrttelmeergebiet abz'eht. Voraussichtliche Witterung: Wolkiges bis trübes Frostwetter mit stellenweisen Schneefällen.

Dandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gietze«, 12. Dezember. Marktbericht. Äuf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 1/0-1.15, Hühnereier per St. 89 H, 2 St. 0000 Enteneier 1 St. 00 4- Gänse­

eier per St. 000 H, Käse 1 St. 58 H, Käsematte 2 St. 56 4, Erbsen per Liter 20 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar

v* 0.701.00, Hühner per St. AL 0.901/0, Hahnen per Stück je 0.600.90, Enten per St. AL 1.802.20, Gänse per Pfund vN. 0 460.58, Ochsenfieisch per Pfd. 6874 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 6264 H, Schweinefleisch per Pfd. 6072 H, Schweine- fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 6466 Hammestleisch per Pfd. 5060 4, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biS 4 50 AL, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln per Etr. AL 5.005.50, Milch per Liter 16 5,.

Frankfurter Börne vom 11. Dezember.

"Wechsel auf New-York za 4.20l/z-21>/z.

Prämien auf Kredit per ult. Dezember 1.25%, do. per ult. Januar 8%, Diskonto Kommandit per ult. Dez. 1.05%, do. per. ult. Jan. 2.50, Lombarden per ult Dez 0 55 /», do. per ult. Jan. 0.00%, Staatsbahn per ult. Dez.% erhältlich.

Notierungen: Kreditaktien 235.30-10-40, Diskonto-Komman- dit 192 90-193-20, Staatsbahn 138.10, Gotthard 143 20 Lombarden 31.5 400 Ungar. Goldrente 97.55, Italiener 93 70, 6proz. Mexikaner 00.00, 3proz. Mexikaner 25.30, Oeeterr. Coupons 84%, Amerik. Coupons 4.19, Privat-Diskont 5%%.

1% bis 2% Uhr: Kredit 235.40, Diskonto Kommandit918.20-193, Staatsbahn 188.10, Lombarden 31.40.

Neueste Meldungen.

Depeschen deS BureauHerold'.

Berlin, 12. Dezember. Der Kaiser hat, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, dem Reichstags-Ab­geordneten und Direkior der Deutschen Bank, vr. Siemens in Anerkennung seiner Verdienste um den Bau der anatolischen Bahn den preußischen Adlerorden verliehen.

Berlin, 12. Dezember. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Flotten - Vereins hat in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Fürsten zu Wied das Ent- lassungsgesuch des Sekretärs Sch wein bürg eiin stimmig genehmigt.

Berlin, 12. Dezember. Der konservative Reichstags- Abgeordnete von Löbell erklärt in derKreuzzeitung", daß er am 27. September allein und nicht auf Wunsch oder Anregung des Ministers von Miquel in der Redaktion derKreuzzeitung" war und dort seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Mitteilung des Blattes, Herr von Miquel habe zur Zuspitzung der Meinungs- Verschiedenheiten zwischen den Konservativen und der Re­gierung beigetragen, unzutreffend sei.

Berlin, 12. Dezember. Die Morgenblätter bezeichnen es als ein ganz seltenes Ereignis, daß in einer Reichstags­sitzung, wie es gestern der Fall war, die Erörterung haupt­sächlich einem Gesetzentwurf galt, der dem Hause Überhaupt noch nicht vorgelegt ist und daß hinter­einander vier Mitglieder des Bundesrats zum großen Teile über eine Materie das Wort ergriffen haben, die mit der Tagesordnung selbst in keinem direkten Zusammenhänge steht. In der heutigen Sitzung wird Dr. Lieber zuerst im Namen des Centrums das Wort ergreifen, ferner Graf Limburg Stirum für die Konservativen. Als Redner sind werter eingeschrieben die Abgeordneten Richter, Bebel, von Kardorff, Graf Arnim, Graf Stolberg. Die Debatte dürfte kaum vor Donnerstag oder Freitag zu Ende kommen.

Amsterdam, 12. Dezember. Die Zahl der ausstän- digeu Diamantschleifer beträgt augenblicklich 1600. I Einige hundert sind nur noch einige Tage in der Woche beschäftigt. Anfangs Januar dürste die Zahl der Aus ständigen 3000 betragen.

Bukarest, 12. Dezember. In ganz Rumänien ist ei« kolossaler Schneefall eingetreten. Die Bahnverbind­ungen sind zum größte» Teile unterbrochen.

Vom Kriegsschauplatz.

London, 12. Dezember. Die Morgenblätter veröffent­lichen einen Brief des Generals White, worin dieser die Miliztruppen, welche gewillt sind, sich unter die Fahnen zu stellen, auffordert, sich zu melden. Diese Freiwilligen würden alsdann die Garnisonsdieste im ganzen Reiche versehen und auf diese Weise könnten sämtliche noch verfügbaren Truppen der aktiven Armee nach Südafrika eingeschifft werden.

London, 12. Dezember. Die Zahl der Toten und Verwundeten bei Stormberg ist bedeutend höher, als das gestrige Telegramm dieselben angegeben hat. Wie verlautet, entstand in den Reihe« der Engländer eine Panik, wodurch das Gefecht mit einer Niederlage endete. Die Regierung hat nach Kap­stadt telegraphisch Befehl gegeben, sofort dem General Methuen Verstärkungen zuzusenden. In Kapstadt ist aber nur eine Batterie Artillerie zur Verfügung. Dieselbe wurde sofort nach dem Oranjeflusse abgesandt. Die Buren sind in starken Abteilungen im Oranjefluß-Thale ausgestellt. Die Kolonne des Generals Methuen ist jeder Bewegungsfreiheit beraubt. Ihr Vorrücken wird durch große Buren-Abteilungen, welche bei Jakobsdal aufgestellt sind, gehemmt. Der Gesundheitszustand der Truppe» läßt viel zu wünschen übrig. In der Nähe deS Oranje-Flnsses ist die Luft durch Ausdünstungen verpestet, da der Fluß zahlreiche Leichen mit sich führt. General Methuen wird außerdem unablässig von den Afrikandern angegriffen. Seine Bewegungen sind den Buren sofort be­kannt, da er von Spionen umgeben ist. So wurde z. B. eine Kavallerie Abteilung, welche einen Kundschafterritt unternahm, plötzlich umzingelt. Dieselbe mußte sich er­geben, ohne einen Schuß abgegeben zu haben.

Brüffel, 12. Dezember. Nach den hier cingetroffenen authentischen Nachrichten verlor General Gatacre in der Schlacht bei Stormberg von seinen 2700 Mann 1200, darunter 700 Gefangene. Die Division ist vollständig aufgerieben. Gleichzeilig treffen hier Nachrichten Über da« Anwachsen des Aufstandes der Holländer in der Kap- Kolonie ein.

London, 12. Dezember. DerTimes"-Korrespondent meldet: Der Angriff GatacreS schlug deshalb fehl, weil er gegen die falsche feindliche Bure«- stellung gerichtet war, wo die Hügel ganz uneinnehm­bar waren. Die Truppen zogen sich in größter Ordnung zurück. Mit der zunehmenden Ermüdung wuchs jedoch die Unordnung. Dieselbe wurde noch vermehrt durch das be­ständige Granatfeuer der Buren. General White tele­graphierte an das Kriegsamt aus Ladysmith die Verlust­liste vom 11. November bis 1. Dezember. Danach wurde« 12 Mann gelötet und 44 verwundet. 9 Mann starben a« Unterleibs Typhus. Das Vertrauen zur Heeres­leitung ist hier stark erschüttert.

Brussel, 12. Dezember. Dr. LeydS wurde offiziell da­von verständigt, daß auch die Vereinigten Staate» von Nordamerika einen Militärattache in« Lager der Buren entsenden würden. Es sind damit fünf Mächte im Burenlager durch Militärattaches vertrete«.

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