Ausgabe 
13.7.1899 Erstes Blatt
 
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Einmütigkeit nicht überall ermöglicht. Ist dies im Reichs­tag, im preußischen Abgeordnetenhause anders? In der nationalliberalcn Partei entscheidet nicht der Standpunkt der wirtschaftlichen Interessen rc. Es war dies bislang nicht der Fall und wird auch künftighin nicht sein können. Die nationalliberale Partei hat ihr Ziel im Gesamtwohl des Landes stets gesucht, und wenn auch über die Wege mannig­fach verschiedene Ansichten sich geltend gemacht haben, immerhin hat man sich auf dem gemeinsamen Boden der Vaterlandsliebe wieder vereinigt.

Unzeitige Angriffe und Vorwürfe verbittern und ver­stimmen am allermeisten. Wie wird sich denn die Erste Kammer zu der Stcuervorlage stellen, wird sie dieselbe schlank nach der Vorlage der Regierung annehmen, der Zweiten Kammer überall beistimmen oder Abänderungs­vorschläge machen? Wer vermag dies zu sagen? Und wie wird sich die Zweite Kammer zu den Beschlüssen der Ersten Kammer stellen? Wer möchte deshalb schon jetzt wissen, daß die Reform gescheitert sei und gar durch wessen Schuld!

Hat denn die Regierung in ihrer Vorlage überall das absolut, ja selbst das relativ Richtige getroffen? Ist sie unfehlbar? oder muß sie nicht auf der in allen Staaten betretenen Bahn der Verständigung folgen. Damit kommt man im politischen Leben weiter, als mit Vorwürfen und Verdächtigungen, welche von offiziösen Federn oder denselben doch nahestehenden Kreisen ausgehen. Die Schulmeisterei wird man mit der Zeit auch müde, fehlen kann jeder, auch im politischen Leben, und man nimmt recht gerne, auch im politischen Leben Rat an allein die nicht anerkannte vor­nehme Üeberlegenheit, wenn sie sich breit macht, erreicht ge­wöhnlich das Gegenteil des Gewollten.

Mit Vergnügen kann bestätigt werden, daß derFrank­furter Ztg." gegenüber aus offiziösen Kreisen in ganz anderer Weise begegnet wird. Dieser gegenüber wird die Zweite Kammer fest in Schutz genommen und deren Einsicht in das beste Licht gestellt. Wenn Uebereifer die Schale des Zornes über die Zweite Kammer und namentlich die National­liberalen ausschütten will, so wird dies zwar vorübergehend verstimmen, niemand aber abhalten, in reifer Erwägung seiner Stellung und Verantwortlichkeit seine vollständige Schuldigkeit zu thun.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Wie gemeldet wird, wurde der chinesische Gesandte in Berlin vom Tsung li Damen beauftragt, mit der GesellschaftVulkan" in Stettin den Bau von zwei Panzerschiffen und sechs Kreuzern abzu­schließen. Die Kaufsumme soll 10 Millionen Taels be­tragen. Desgleichen soll ein Auftrag von 50 Schnellfeuer- Geschützen von China nach Deutschland gegangen sein.

Berlin, 11. Juli. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." mitteilt, wird am 13. Juli d. I. imReichs-Anzeiger" der Gesetzentwurf betreffend das Urheberrecht an Werken der Litteratur und Tonkunst veröffentlicht werden, welches die Revision unseres literarischen und künstlerischen Urheberrechts einleiten soll. Der Gesetzentwurf ist inner­halb der Reichsverwaltung ausgearbeitet und zunächst dem Bundesrat zugegangen, um von diesem an der Hand seiner Erfahrungen beurteilt zu werden. Seine bevorstehende Bekanntmachung bezweckt, die öffentliche Kritik für die wichtige gesetzgeberische Aufgabe zu verwerten. Auf Grund der so gewonnenen Gutachten soll der Entwurf im Spätherbst dem Bundesrat vorgelegt werden.

Berlin, 11. Juli. Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Nachweisung sind auf den deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayerns im Monat Mai d. I. 191 B e - triebsunfälle vorgekommen, bei denen 60 Personen getötet und 152 verwundet wurden.

Berlin, 11. Juli. Wie aus Kiel gemeldet wird, ist die Kaiserin in Begleitung ihrer drei ältesten Söhne heute mittag nach Berchtesgaden abgereist. Wie nachträglich bekannt wird, besuchte die Kaiserin am Samstag mit den kaiserlichen Prinzen das Bismarck-Denkmal auf dem Knivs- berge.'

Berlin, 11. Juli. DerReichsanzeiger" widmet dem verstorbenen Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin, Dr. v. Achenbach, einen warmen Nachruf.

Berlin, 11. Juli. Heute mittag 12 Uhr fand in der hiesigen russischen Botschaft anläßlich des Ablebens des Großfürsten-Thronfolgers ein Trauergottesdienst statt.

M P.C. Wenn jetzt wieder einmal im Anschluß an den Besuch unseres Kaisers auf derIphigenie" von einer Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich gesprochen wird, so darf wohl, ohne daß die Besorgnis rege zu werden braucht, es sollen die Verdienste anderer in den Schatten gerückt werden, daran erinnert werden, daß einen ganz hervorragenden Anteil an den deutscherseits im Laufe der Zeit immer wieder erneuerten Bemühungen, das Ver­hältnis zwischen Frankreich und Deutschland so gut wie möglich zu gestalten, der dermalige deutsche Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hat. Im Mai 1874 überreichte dieser als Nachfolger des Grafen Harry v. Arnim in Paris sein Beglaubigungsschreiben. Gelegentlich der Eröffnung der 1878er Pariser Weltausstellung war zum erstenmale wieder von herzlichen Beziehungen die Rede, welche zwischen Deutsch­land und Frankreich beständen. Zunächst hatte die deutsche Reichsregierung im Dezember 1876 auf die auch an sie er­gangene Einladung Frankreichs zur Beschickung der Aus­stellung aus industriellen und politischen Gründen ablehnend geantwortet. Als später die französische Regierung den dringendsten Wunsch aussprach, daß Deutschland sich wenig­stens an der Ausstellung der wirkenden Kunst beteiligen möchte, gab der Kaiser seine Zustimmung, daß die deutschen Maler und Bildhauer ihre Werke in Paris ausstellten und beauftragte den Direktor der Akademie der bildenden Künste in Berlin, Anton von Werner mit der geschäftlichen

Leitung der Sache. Fürst Hohenlohe eröffnete am 11. Mai die deutsche Ausstellung, bei welcher 115 Ge­mälde und 23 Skulpturwerke ausgestellt waren, und sprach dem französischen Minister Teisserenc de Bort den Dank Deutschlands aus für den Empfang, der den Deutschen in Paris zu teil wurde. Dieser bezeugte seine Freude über die Beteiligung Deutschlands und sah darin ein Unterpfand der herzlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Ländern beständen. Gleichzeitig mit der Weltaus­stellung fanden unter anderen Kongressen in Paris auch der am 1. Mai vom Finanzminister Leon Say eröffnete Weltpostkongreß, bei welchem sich auch der Generalpostmeister des deutschen Reiches Dr. Stephan beteiligte, die deutsche Münzkonferenz und der gleichfalls von deutschen Delegierten besuchte internationale Kongreß für gewerbliches und für künstlerisches Eigentum statt. Beim Neujahrsempfang im Elysee l880 konnte Fürst Hohenlohe dem Ministerpräsidenten Freycinet sagen, er habe soeben ein Telegramm des Fürsten Bismarck empfangen, mit der Aufforderung, dem Minister­präsidenten seine persönlichen Glückwünsche auszudrücken und ihm mitzuteilen, daß er dringend wünsche, die freund- chaftlichen und friedlichen Beziehungen, welche zwischen leiden Ländern beständen, aufrecht zu erhallen. Freycinet rankte dem Botschafter und äußerte seinen aufrichtigen Wunsch für Erhaltung des freundschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland. Als Fürst Hohenlohe im vorigen Jahre in Paris war und das AusstellungSterrain besichtigte, wurde von der französischen Presse darauf hingewiesen, daß der deutsche Reichskanzler erhebliche Verdienste um die möglichst gute Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich habe. In politischen Kreisen möchte man meinen, raß die augenblickliche Anwesenheit des Fürsten Hohenlohe in Paris nicht ganz außer Zusammenhang mit der neuen Phase stehe, in welche das deutsch-französische Verhältnis getreten sei.

Frankfurt a. M., 11. Juli. DerFranks. Ztg." wird aus Bielefeld gemeldet: Kaiser Wilhelm hat dem Geheimrat Hinzpeter, der ihm über das Anbringen einer Erinnerungstafel an der Sparrenburg Mitteilung gemacht hatte, folgendes Telegramm gesandt: Von der hervorragend gelungenen Statue des Großen Kurfürsten für die Sieges- Allee beabsichtige ich eine Reproduktion in Bronze der Stadt Bielefeld zu schenken und auf dem Sparrenberg im Burg­garten aufstellen zu lassen. Dies soll ein Zeichen sein dank­barer Erinnerung für die Aufnahme seitens der Stadt und ein Mahnzeichen bilden, daß wie in diesem Ahn auch in mir ein unbeugsamer Wille ist, den einmal als richtig er­kannten Weg, allem Widerstande zum Trotz, unbeirrt weiter­zugehen. Wilhelm, I. R.

Breslau, 11. Juli. Die hiesige Strafkammer verurteilte heute den Redakteur Löbe von der sozialdemokratischen Volksmacht" wegen Beleidigung des Herrenhauses bei Be­kämpfung von dessen Bestreben, die Freizügigkeit zu be­schränken, zu einem Monat Gefängnis.

Vor kurzem ist deutscherseits bekanntlich eine Kabel Verbindung mit Deutsch-Südwestafrika hergestellt worden; die Landung des betreffenden Kabels in Swakop- mund ist am 5. April erfolgt. Der KabeldampferAmber" hatte zuvor, da dem Kapitän die Landung des eigentlichen Seekabels in Swakopmund nicht thunlich erschien, dieses Seekabel am Strande zwischen Swakopmund und Walfisch­bai, etwa 10 Kilometer vor Walfischbai, gelandet und war dann auf die hohe See hinausgefahren, um das 125 See­meilen von der Küste entfernt liegende Hauptkabel aufzu­fischen und mit diesem Kabel zu verbinden. Man hat so eine Kabelverbindung mit Deutschland durch Einschaltung eines kurzen Zweigkabels von Swakopmund in das durch­gehende Kabel Mossamedes - Kapstadt bewirkt. Dadurch ist eine Verbindung von Deutschland bis EmdenVigo SuezAden östlich von Afrika herum, bezw. über Madeira- Teneriffa westlich um Afrika herum nach der Kolonie Deutsch- Südwestafrika geschaffen.

Ausland.

Wien, 11. Juli. Die klerikalen Blätter, die mit den maßgebenden kirchlichen Kreisen enge Fühlung haben, be­haupten, daß für das erledigte Erzbistum Prag als erster Prinz Maximilian von Sachsen als Kandidat in Frage komme. Der Umstand, daß der Prinz Ausländer sei, würde keinen Hinderungsgrund bilden, und bei seinem ausgesprochenen Sprachtalent werde es ihm leicht fallen, sich die nötige Fertigkeit im Tschechischen anzueignen. Be­sondere Aussichten eröffneten sich dem Prinzen deshalb, weil er mit dem österreichischen Kaiserhause nahe verwandt sei.

Paris, 11. Juli. Der Reichskanzler Fürst Hohen­lohe ist heute nach Colmar abgereist.

Paris, 11. Juli. Die Untersuchung gegen General Pellieux ist seit einigen Tagen beendet. Der General ist benachrichtigt worden, daß die Untersuchung für ihn günstig ausgefallen ist. Infolge dessen hat Pellieux an den Kriegsminister einen Brief gerichtet, worin er diesen ersucht, die Untersuchung zu veröffentlichen, damit die Angelegenheit endlich beendet werde.

Frankreich. Durch Verletzung des Amtsgeheimnisses will dieGaz. de France" in den Stand versetzt sein, einen Geheimbericht des Polizeipräfekten an den Ober­staatsanwalt vom März d. I. zu veröffentlichen, der, wenn es sich um keine Fälschung handelt, interessante Streiflichter auf die gemeinsame Agitation der Royalisten, Antisemiten und der Patriotenliga werfen würde. Aus den Mit­teilungen des genannten Blattes müßte man in dem Fall auch den Eindruck gewinnen, daß die royalistische Agitation nicht nur ungeschickt geleitet wurde, sondern zum Teil mit geradezu albernen Mittelchen gearbeitet hat, obwohl große Summen für sie verausgabt wurden; der Bericht behauptet, daß z. B. Dölourödes Theaterstreich, als er nach Loubets Wahl den bekannten Marsch nach dem Elysee in Szene zu

setzen suchte, nicht weniger als 50 000 Fr. gekostet habe Der angebliche Polizeibericht meldet u. a., daß in 8 von den 20 Pariser Stadtbezirken ständige Ausschüsse die roya­listische Bewegung schürten und leiteten, und daß besondere Verbände bestanden, die Bilder des Prinzen von Orleans, sowie Broschen und Nadeln mit seinem Namenszug von Belgien her vertrieben. Etwas ernster, wenn schon in An­betracht der ungeschickten Ausführung ungefährlich, wäre der erwähnte Putsch des Herrn Dsroulöde gewesen. Das orleanistischc Bureau in der Rue Saint Honors wußte an­geblich von ihm, und wollte im Fall des Gelingens sofort den Thronforderer, der sich bereits von San Remo nach Brüssel begeben hatte, nach Paris führen. Von der Grenze bis zur Hauptstadt sei ein Automobildienst eingerichtet ge­wesen. Das ganze verunglückte Stückchen habe den Roya­listen 300 000 Fr. gekostet. Döroulöde erklärt in seinem Blatte heute mit aller Bestimmtheit, er sei nie ein Agent des Prinzen von Orleans, sondern ein aufrichtiger Freund der Republik gewesen. Den Putsch habe er mit eigenem Gelde in Szene gesetzt. Bei den mancherleiScherzen"^ die mau sich in dieser ernsten Zeit in Paris erlaubt, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Geschichte mit demGeheim­bericht" auf Kosten eines zweitenKarl" zu setzen ist, dessen Namensvetter Herr de Beaurepaire zum Opfer fiel.

Rennes, 11. Juli. Dreyfus ist heute seine neue Uniform angemeffen worden.

London, 11. Juli. In politischen Kreisen wird auf das bestimmteste versichert, daß man sich unmittelbar vor einer Ministerkrise befinde. Die Mehrzahl der Mit­glieder des Kabinetts soll nämlich Chamberlain in seiner Politik gegen Transvaal nicht folgen. Chamberlain seiner­seits droht im Falle einer Krise, sich mit seinen Anhängern zurückzuziehen, sodaß das Kabinett keine Mehrheit zählen würde. Die Lage soll sehr ernst sein.

Madrid, 11. Juli. Die Krisengefahr ist wieder geschwunden. Die Liberalen verständigten sich gegen gewisse Zugeständnisse mit der Regierung, und der Kriegsminister willigte in Ersparnisse ein.

Petersburg, 11. Juli. Die Nachricht von dem Tode des Großfürsten Georg ist hier allen Kreisen völlig unerwartet gekommen. Die Trauer um den sehr beliebten Prinzen ist allgemein, lleberall werden Totenmessen für den Verstorbenen abgehalten. In der Isaaks-Kathedrale fand heute eine Trauerfeier statt. Armee und Flotte legen für drei Monate Trauer an, ebenso der Hof.

Aus Petersburg kam am 16. d. M. die traurige Nachricht:

Nach amtlicher Meldung aus Abbas-Tuman von. heute vormittag 9 Uhr 30 Minuten ist der Großfürst- Thronfolger Georg infolge einer plötzlichen starken Blutung in die Kehle gestorben.

Der schmerzliche Verlust trifft das russische Kaiserhaus nicht unerwartet. Seit lange hatte man keine Hoffnung, mehr, das Leben des Thronfolgers, der wegen seines un­heilbaren Leidens im Süden weilen mußte, zu erhalten. Großfürst Georg, am 9. Mai 1871 geboren also zwei Jahre jünger, als der Zar war das Schmerzenskind der Kaiserin Maria Feodorowna, die am Krankenlager dieses, ihres zweiten Sohnes einen großen Teil des letzten Jahrzehnts hingebracht hat. Beim Regierungsantritt des jetzigen Zaren ging auf ihn der Titel Zesarewitsch und die Anwartschaft auf die Thronfolge über. Da bisher dem Zaren Nikolaus kein Sohn geboren wurde, fällt Anwart­schaft und Titel auf den jüngsten noch lebenden Sohu Alexanders II., den Großfürsten Michael, geboren am 4. Dezember 1878. Die Aussichten des Verstorbenen, je zur Regierung zu gelangen, waren schon auf Grund seines Körperzustandes nie ernst zu nehmen. Aber auch Großfürst Michael ist nur Zesarewitsch in partibus, denn sein Bruder, der regierende Zar, hat das 31., die deutsche Fürstentochter an seiner Seite das 27. Lebensjahr kaum vollendet, so daß die Rechnung auf männliche Sprossen des Kaiserpaares nicht abgeschlossen ist. DerRegierungsbote" ver­öffentlicht nachstehenden Erlaß des Kaisers:Am 28. Juni (a. St.) verstarb in Abdas Tuman Unser geliebter Bruder, Thronfolger Großfürst Georg Alexandrowitsch. Die Krankheit, von der der Großfürst befallen war, konnte vielleicht, wie es schien, der eingeleiteten Kur und dem Ein­fluß des südlichen Klimas weichen, doch Gott hat cs anders beschlossen. Indem Wir Uns ohne Murren dem Beschluß Gottes unterwerfen, fordern wir alle getreuen Unterthanen auf, den tiefen Kummer mit Uns zu teilen und herzlich um die Seelenruhe Unseres verewigten Bruders zu beten. Von nun an, so lange es Gott nicht gefällt, Uns durch die Ge­burt eines Sohnes zu segnen, gebührt das Recht der Thron­folge auf genauer Grundlage des Erbfolgegesetzes Unserem geliebten Bruder Michael Alexandrowitsch. (gez. Nikolaus."

Belgrad, 11. Juli. Die Untersuchung in der Attentats-Angelegenheit nimmt große Dimensionen an, da festgestellt ist, daß die Partei Karageorgevics den Attentäter gedungen hat, um durch eine Revolution die gewaltsame Entfernung der Dynastie Obrenowitsch durchzu­führen.

Afrika. Ueber die Transvaal-Angelegenheit liegen heute nur Nachrichten von geringer Bedeutung vor. Die Uitlanders nahmen in Johannesburg eine Resolution- an, in der sie erklärten, daß sie durchaus nicht der Ansicht des Ministerpräsidenten der Kapkolonie, Schreiners, seien, der bekanntlich die Zugeständnisse Transvaals als völlig genügend anerkannt hat. Sie äußerten vielmehr die Ansicht, daß die neuen Vorschläge der Transvaal-Regierung weit hinter dem zu fordernden Mindestmaß zurückblieben. Nun,, das war vorauszusehen. Interessant ist eine Aeußerung, Chamberlains, der im Unterhaus auf eine Anfrage gestern erklärte, er könne sich über die Lage in Südafrika zurzeit nicht äußern, da der Zustand dort konfuser sei als je. Offenbar hat das Entgegenkommen Transvaals dem Herrn. Staatssekretär seine Zirkel arg zerstört und er weiß äugen-