Einmütigkeit in den zielbewußten Bestrebungen zu erkennen I war. Im wesentlichen ist hervorzuheben, daß zur Errichtung eines Pensions-, Witwen- und Waisenfonds praktische Vorschläge gemacht wurden. Dieselben gipfeln in dem Punkt, jenen Fonds aufzubringen: a. durch ein allgemeines Eintrittsgeld seitens der sämtlichen Rechner von Gemeinden, Kirchen, Sparkassen mit Gemcindebürgschaft, Orts-, und Landeskrankenkassen; b. durch jährliche Beiträge derselben Rechner mit ein Drittel des nach mehrjährigen Erfahrungen festzustellenden Erfordernisses, das mutmaßlich mit l1/, Prozent des Einkommens zu bemessen sein möchte; c. ein Drittel durch Beitrüge in gleicher Höhe seitens der bezüglichen Kassen; d. ein Drittel Zuschuß in gleicher Höhe seitens des Staates. Die Notwendigkeit einer solchen Fürsorge, wie hier angestrebt, wurde des längeren erörtert; u. a. dabei betont, von den Gemeinde- usw. Kassebeamten werde in der Hauptsache dasselbe verlangt, wie von den fiskalischen Kassebeamten (Kautionen, die mitunter unverhältnismäßig hoch verlangt würden, Kasseverwaltung fast genau nach den Dienstinstruktionen der Großh.Distriktseinnehmer usw.) Auch die mitunter geringe Qualifikation der Rechner, und wie solche durch Hebung des ganzen Standes zu verbessern sei, kam zur Sprache, und wurde dabei die Einführung einer Fachprüfung als unerläßlich bezeichnet. Auch eine entsprechende Witwen- und Waijenversorgung sei gleichzeitig bei Bildung jenes Fonds ins Auge zu fassen. Der Verbandsausschuß wurde beauftragt, bei den gesetzgebenden Faktoren das Erforderliche in die Wege zu leiten. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde noch die Iahresrechnung für 1898/99 geprüft und dem Verbandsrechner, Herrn Gemeinde-Einnehmer Looö von Lampertheim, Entlastung erteilt und ihm für seine Bemühungen der lebhafte Dank der Versammlung gezollt. Es konnte noch die Bildung zweier neuer Kreisverbände, Bingen und Friedberg — sowie weiter mitgeteilt werden, daß zwei Kreisverbände, Lauterbach und Gießen, in der Bildung begriffen
68, „Die Entführung" mit 49 Wiederholungen). Von Schillers Dramen stand unter Goethes Regime „Don Carlos" mit 47 Repetitionen obenan, fast eben so viele errangen sich daneben Stücke wie „Die Hagestolzen", „Die Schachmaschine" und „Die Jäger"! In diesen authentischen Thatsachen offenbart sich der damalige Zeitgeschmack und mit diesem hat Goethe rechnen müssen. Hätte er es nicht gethan, so würde sein Gesamt-Etat — derselbe betrug in 26 Jahren nur 450,000 Thaler! — sich noch ungünstiger gestellt haben, und Goethe würde fraglos die Flinte schon viel früher ins Korn geworfen haben. Wie hoch bei jener Summe sich die Einnahmen beziffern, läßt sich nicht sagen; den Hauptanteil an diesem trug übrigens nicht das Publikum von Weimar, sondern dasjenige im Bade Lauchstädt sowie die jeweiligen Filialen in Halle, Leipzig, Erfurt und Rudolstadt; nur in Naumburg wurde ein finanzielles Fiasko erlebt, an dem Goethe selbst jedoch nicht die Schuld trug. Da man bei jenen Gastspiel-Expeditionen fast ausschließlich solche Stücke wiederholte, welche man zuvor in aller Ruhe und Muße in Weimar einstudiert hatte, so erlitt das Ensemble durch diese vielen Kreuz- und Querzüge wohl keine wesentliche Beeinträchtigung. Jedenfalls war es aber für die feinere Schulung des darstellerischen Zusammenspiels ein großer Vorteil, als jene gänzlich aufhörte. Dies geschah, als das Erzherzogtum Weimar zum Großherzogtum erhoben ward. Karl August, der anfänglich diesem gewagten Experiment etwas skeptisch gegenüberstand, wurde später, zumal nachdem die harten Kriegsjahre vorüber waren, dem Institut ein opferbereiter Mäcen und nach der oben angegebenen Quelle deckte der Zuschuß des Hofes ein Drittel der Gesamtkosten der Goethe'schen Theaterleitungs- Epoche. In Bezug auf die glänzende Finanzwirtschaft derselben wie in Bezug auf den Ernst, die Gründlichkeit und die Umsicht, mit der man damals jede einzelne Vorstellung vorbereitete, folgt auch heute noch die Oberleitung der Weimarischen Hofbühnen jenen Ueberlieferungen; was aber den „Hund des Aubry" anlangt, so bleibt ihm und seinesgleichen „der Scene heiliger Bezirk" durchaus verschlossen!
seien; es ist danach zu hoffen, daß sich bis zur nächsten Generalversammlung alle Rechner der Landgemeinden dem Landesverbände, der jetzt über 500 Mitglieder zählt, angeschlossen haben. Die statutengemäß durch Los zum Austritt bestimmten Ausschußmitglieder, die Herren Rentmeister Ehrhardt von Viernheim und Gemeinde-Einnehmer Reu- ning von Nidda wurden durch Zuruf wieder gewählt; zum Vorsitzenden wurde an Stelle des Herrn Rentmeisters Ehrhardt, der seines hohen Alters wegen eine Wiederwahl ablehnte, Herr Rendant Wolfschmidt von Schotten gewählt. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Kastel bestimmt.
* Darmstadt, 11. September. Morgen, Dienstag den 12. September, findet in Kassel die Enthüllung des Denkmals des Landgrafen Philipps des Großmütigen statt, welches dem Ahnherrn unseres Fürstenhauses auf dem St. Martinsplatz daselbst errichtet wurde. Die Feier wird eröffnet nach einem Bericht der „N. H. Vbl." durch das vom verstärkten Posaunenchor des Ev. Jünglingsverein geblasene: „Herr Gott, dich loben wir." Darauf folgt der Vortrag des Psalms „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre", gesungen von den Vereinen des hessischen Sängerbundes. Die Weiherede hält Herr Superintendent Wissemann aus Hofgeismar. Nach einer Trompeten- Fanfare wird die Hülle des Denkmals fallen und werden die Vereine des Sängerbundes den Choral „Lobet den Herren" singen. Nachdem die Uebergabe des Denkmals seitens des ausführenden Ausschusses an die Stadt geschehen ist, erfolgt die Uebernahme des Denkmals durch einen Vertreter der Stadt. Nach dem Gesang des Liedes „Eine feste Burg ist unser Gott" bringt der Vorsitzende des Ge- schäftsausschnsfks Generalleutnant z. D. v. Schmidt ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den Kaiser aus, worauf unter Musikbegleitung der erste Vers der Nationalhymne von allen Festteilnehmern gesungen wird. Unter dem Geläute der Glocken der St. Martinskirche wird ein Lorbeerkranz mit Schleife in den hessischin Farben am Fuße des Denkmals niedergelegt und bildet die Besichtigung des Denkmals den Schluß der Feier.
? Mainz, 10. September. Für den nächstjährigen Anwaltstag sind von den Städten Danzig und Leipzig Einladungen ergangen, doch wurde die Entscheidung dem Vorstande anheimgegeben. Nach Schluß der geschäftlichen Verhandlungen des Anwaltstags hatte der letztere noch eine ganze Reihe von Vergnügungen zu absolvieren und zwar zunächst eine Besichtigung der Kellereien der berühmten Kupferbergischen Champagnerfabrik, bei welcher die Teilnehmer und zahlreichen Teilnehmerinnen ein echtes Stück rheinischen Lebens kennen lernen konnten. Dem Kellerfeste schloß sich eine Schiffpartie nach dem Niederwald an, nach deren Beendigung ein Kommers erfolgte. Heute wurde noch eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Mainz vorgenommen, worauf „musikalischer Frühschoppen" und dann als Schluß des Ganzen ein Ausflug nach Wiesbaden stattfand. Die Stimmung unter den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des diesmaligen AnwaltstagS war eine derartige, daß man sich nur sehr ungern von Mainz zu trennen vermochte.
0 Mainz, 10. September. Laut Beschluß des hiesigen Gartenbauvereins findet das nächste Frühjahr hier eine allgemeine Blumen- und Pflanzenausstellung statt. Dieselbe soll in der Stadthalle und in der Umgebung derselben abgehalten werden.
= Bad Salzschlirf bei Fulda, 12. September. Die seitens des Königlich Preußischen Kriegsministeriums mit dem Bade schwebenden Verhandlungen bezwecken, solchen aktiven und inaktiven Militärs, welche staatliche Fonds zu Kurzwecken anzusprechen berechtigt sind, Kurerleichterungen in ähnlichem Sinne zu gewähren, wie dieselben in Wiesbaden und anderen bedeutenden Badeorten den Militärkurgästen geboten werden. — Die Bauthätigkeit im Orte war in diesem Jahre eine den Verhältnissen entsprechend äußerst rege. Eine große Anzahl neuer Häuser gehen ihrer Vollendung entgegen. Einem Wohnungsmangel ist damit für die nächste Saison hinreichend vorgebeugt. Der recht er
hebliche Versandt des Bonifaciusbrunnens entspricht der diesjährigen gesteigerten Frequenz des Bades.
* Frankfurt, 9. September. In der Vogelsbergstraße wurde in einem Hauseingange ein in Lappen gehülltes, etwa 14 Tage altes Kind aufgefunden, das ausgesetzt worden war. Die unnatürliche Mutter blieb bisher unentdeckt. Der Findling wurde zur weiteren Pflege einer Anstalt überwiesen.
* Kassel, 9. September. Der 40jährige Bürgermeister Schirmer aus der benachbarten Garnisonstadt Hofgeismar, der zum Besuche Kassels hierher gekommen war, stürzte in der Theaterstraße plötzlich, vom Herzschlag getroffen, nieder und verstarb auf der Stelle.
Unioersttäts Nachrichten.
— Marburg. Prof. Kretschmer von der diesigen Universität wurde zum Professor der vergleichenden Sprachwissenschaften an der Wiener Universität ernannt.
— Berlin, vr. Schumacher, Hilfsarbeiter im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin, ist als außerordentlicher Pro- sesior an die Universität Göttingen berufen worden, wo er Nachfolger des Nattonalökonomen Ehrenberg wird, der einem Ruf nach Rostock
gefolgt^ist. b^blberg. Bei der hiesigen Universität ist der Privat- dozent für Strafrecht Dr. Wolfgang Mittermaier, zum außerordentlichen Professor befördert worden.
— München. Am 1. September beging der Rechtslehrer Ernst August v. Seusfert seinen 70. Geburtstag.
Unterhaltungen in Bad-Nauherm
vom 12. September bis 16. September.
|| Die Kurkapelle spielt täglich morgens von 7»/i bis 8'/, Uhr am Kurbrunnen, nachmittags und abends siehe unten. Bei weniger als 100 R. Wärme im großen Spetsesaale des Kurhauses.
DtenStag den 12. September, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 8«/r bis 97-Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle. Abends Sinfonie G-dur von Jos. Haydn. Mittwoch den 13. September, nachmittags von 4'/i bis 7 und abends von 8 b.s 9Ve Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kapelle de« Großb. Hess. Leib-Drag.- R<gts. Nr. 24 (Kaiser Nicolaus) aus Darmstadt. Bei gutem Wetter spielt die Kurcapelle nachmittags von 5 bis 7 Uhr am Teiche. Abends 8 Uhr: Theatervorstellung. Flattersucht. Donnerstag den 14. September, nachmittags von 4»/, bis 7 Uhr: Konzttt der Kurkapelle auf der Terrasse. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale. Tanz. Freitag den 15. September, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 7«/, bis 9</t Uhr auf der Terrasie: Konzert der Kur- kaprlle. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Eine Tasse Thee. Hierauf: Die Hochzeitsreise. (Letzte diesjährige Theater- aufführung). SamStag den 16. September, nachmittags von 4 bis 6 und abends von 77, bis 97« Uhr auf der Terrasse: Konzert der Kurkapelle.
Spielplao der vereinigten Frankfurter StaLtthealer.
Opernhaus.
Dienstag den 12. September: Freischütz. Mittwoch den 13. September: Lohengrin. Donnerstag den 14. September: Aida. Freitag den 15. September: Faust, erster Teil. SamStag den 16. September: Trompeter von Säkkingen Sonntag den 17. September: Prophet. Montag den 18. September: Meistersinger.
Schauspielhaus.
Dienstag den 12.September: Fromont junior und RtSler senior. Mittwoch bm 13. September: Biberpelz. Donnerstag den 13. September: Fuhrmann Henschel. Freitag den 14. September: Das Pensionat. Hierauf: Die Verlobung bet der Laterne. SamStag den 16. September: Matthias Göttinger. Sonntag den 17. September: Biberpelz. Montag den 11. Sep- tember:.Torquato Tasso.
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