Ausgabe 
12.7.1899 Zweites Blatt
 
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die kirchenpolitischen Gesetze. Am 13. Mai 1873 wurde er zum Handelsminister ernannt. Er hatte dieses Amt nahezu fünf Jahre inne. Meinungsverschiedenheiten mit dem Reichs­kanzler in Eisenbahnfragen veranlaßten ihn im März 1878 seine Entlassung zu erbitten, worauf er zum Oberpräsidenten von Westpreußen ernannt wurde, eine Stellung, die er schon nach einem Jahre mit dem gleichen Amt für die Provinz Brandenburg vertauschte. In seinem 20jährigen Wirken an dieser Stelle hat dieser hervorragende Beamte noch mannich- fache Auszeichnungen und Vertrauensbeweise erfahren. Er war es,auch, dem im Jahre 1882 die praktische Einführung des damaligen Prinzen Wilhelm, unseres jetzigen Kaisers, in die Staatsverwaltung übertragen wurde. Kaiser Friedrich verlieh ihm nach Antritt seiner Regierung den Adel.

Berlin, 9. Juli, Die offizielle Schlußsitzung der Haager Friedenskonferenz ist auf den 28. d. Mts. festgesetzt worden. Die Konferenzmilglieder, die sich je länger je mehr bewußt geworden sein werden, daß ihre schönen Reden mit der thatsächlichen Wirklichkeit doch nur gar zu wenig gemein hatten, werden herzlich froh sein, wenn sie ihre Koffer packen können.

Der bekannte Margarinefabrikant Mohr über­schwemmt, wie derD. Tagesztg." mitgeteilt wird, das Posener Land mit polnischen Reklamen für seine Margarine, die er den polnischen Zeitungen beilegen läßt. Von nationalen Vorurteilen scheint diese deutsche Firma frei zu sein.

Villach, 10. Juli. In einem zwischen Oßlach und Sattendorf verkehrenden Personenzuge wurde nachts ein Gerichts-Adjunkt namens Hallada von einem unbekannten Mitreisenden erdolcht und beraubt. Er wurde dann von dem Attentäter aus dem Coupesenster geworfen. Man fand Hallada am andern Morgen auf dem Bahngeleise sterbend vor.

Die neuen Beamten für die Verwaltung der mikronesischen Inseln reisen schon am 25. Juli von Genua mit dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd nach Ostasien ab. Der Assessor Dr. Hahl begibt sich heute nach seiner bayerischen Heimat, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Er wird als Vizegouverneur seinen Sitz in Ponaps nehmen; der Assessor Fritz, dem die Marianen als Ver­waltungsbezirk überwiesen sind, ist ein geborener Hesse und hat sich in Argentinien aufgehalten; er ist in den Reichs­dienst übergetreten. Der Sekretär Senfft, der den Bezirk der Westkarolinen in Iap verwalten soll, war seit 1895 der Landeshauptmannschaft der Marschall-Inseln zugeteilt. Von Singapore begeben sich die Beamten nach dem Bismarck- Archipel, wo der mit Land und Leuten vertraute Dr. Hahl eine Schutztruppe aus Melanesiern anwerben und einüben wird. Einige Monate nachher wird alles mit einem ge­charterten Dampfer nach den Bestimmungsorten gebracht.

Ausland.

Wien, 9. Juli. Die gegenwärtige österreichische Politik hat sogar am Gründer der habsburgischen Dynastie, an Kaiser Rudolf, etwas auszusetzen. Vermutlich weil man ihm den Sturz Ottokars glaubt nachtragen zu müssen, ist ihm ein Denkmal verweigert, das ihm auf Anregung des Erzherzogs Franz Ferdinand aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubiläums des jetzigen Kaisers errichtet und von Mitgliedern des Kaiserhauses dem Monarchen gewidmet werden sollte. Wie dieN. Fr. Pr." meldet, ist die Denkmalserrichtung, nachdem sie schon soweit gediehen war, daß Professor v. Zumbusch mit der Ausführung beauftragt wurde, endgiltig aus politischen Gründen auf­gegeben.

Die slov enischen Studenten beabsichtigen, hinfort der deutschen Universität Graz den Rücken zu kehren, und fordern auch die slovenischen Abiturienten, die demnächst Aussicht haben, Muli zu werden, eindringlich auf, des­gleichen zu thun. In Graz wird man sich darüber freuen, daß die deutsche Hochschule von den Söhnen des Pervaken-

Festungstid" (1863), denen sich später anreihten:Dörchläuch- ting" (1866) undDe Meckelnbörgschen Montecchi und Capu- letti oder de Reis' nah Konstantinopel" (1868).

So war wider Erwarten schnell das längst ersehnte Ziel erreicht; das Dichterehepaar brauchte nicht mehr über kein Hüsung" zu klagen und sah sich nach einem grünen Erdenwinkel um, wo es sich sein Nest bauen könnte, um seinen Lebensabend in Frieden zu beschließen. Aber wo? Wi söchten äwerall herum in de Welt: in de Schweiz, an'n Neckar un an'n Rhein und fernen tauletzt doch wedder nah uns stilles, gräunes un de oll Wartborg taurügg und dor sünd wi denn blewen un't is uns noch kein Stund let word'n"..... Reuter erwarb

also im Jahre 1866 einen Bauplatz auf einem Aus­läufer des Hainsteinfelsens da, wo das Hellthal in das Marienthal einmündet, ein entzückendes, wenn auch zu­nächst noch recht wüstes Plätzchen, das die ausgehende Sonne mit ihren ersten Strahlen küßt. Ein ganzes Jahr verstrich, ehe die Bodenschwierigkeiten behoben und der erforderliche Baugrund auch für den geräumigen, terrassen­förmig anzulegenden Garten hergestellt war. Run ging's an das Entwerfen von Bauplänen, wobei der Dichter mit seinemLowising" tüchtig mitwirkte. Endlich, Ostern 1868, konnte das Haus, ein wahres Schmuckkästchen, bezogen werden, und bald hatte sich das Ehepaar in sein erträumteshäus­liches Glück" hineingefunden. Ueber den Geist aber, der in diesem deutschen Dichterheim fortan walten sollte, gab Reuters Dichter- und Lebensmotto Aufschluß, das über der Thür uns entgegenleuchtete:

Wenn einer kümmt und tau mi seggt: I! mal bat allen Minschen recht . . . Dann segg ik: Leime Fründ, mit Gunst O lihr'n S' mi doch de swere Kunst!" . . .

völkleins verschont bleibt, und Bruder Tschech wird sie in Prag mit offenen Armen empfangen. So ist allen Teilen geholfen.

Wien, 10. Juli. Der Bund der deutschen Land­wirte in der Ostmark hielt gestern in Eger eine Versamm­lung ab, woran Schönerer teilnahm. Der Abgeordnete Jro erklärte, wenn im Herbst der österreichische Reichsrat einbe­rufen werde, so sei das Ironie und da müsse das Beispiel, was Belgien gegeben habe, befolgt' werden. Redakteur Heber wies auf das alte reichsstädtische Wappen Egers mit dem deutschen Reichs-Adler hin, dessen untere Hälfte zum Zeichen der Verpfändung an Böhmen verkittet sei. Heber sagte, dieser Adler muß befreit werden, wir Deutsche folgen dem einköpfigen, nicht dem zweiköpfigen Adler. Bei diesen Worten löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf.

Paris, 9. Juli. Die Dreyfus feindlicheLibertö" glaubt zu wissen, daß die Ersetzung Zurlindens in­folge einer Forderung des Handelsministers Millerand er­folgt sei. Dieser soll seinen Kollegen Waldeck-Rousseau und Gallifet erklärt haben, daß das Kabinett zu dieser Maß­regelung greifen müsse, wenn es noch länger die Unter­stützung der radikalen und sozialistischen Presse haben wolle.

Paris, 10. Juli. Das Hauptereignis am Samstag war ein unpolitisches, das indes in der Geschichte von Paris roth angestrichen zu werden verdient. Seit Samstag wälzen die Kanäle der Hauptstadt ihren Unrat nicht mehr in die Seine, töten dadurch nicht mehr deren Fische und ver­giften ihre blühenden Ufer nicht mehr mit höllischem Ge­ruch. Das Thor des großen Sammelkanals in der Clichy- Vorstadt wurde mit besonderer Feierlichkeit im Beisein des Bautenministers Baudin, des Ackerbauministers Jean Dupuy und sämtlicher städtischen und Departementsräte geschlossen, und die 500 000 Raummeter Abwässer, die Paris täglich hervorbringt, fließen nun 20 Kilometer weit weg auf die Rieselfelder der GemeindenMery, Colombes undAchöres. So wollte es ein Kammerbeschluß vom 10. Juli 1894, der die Stadt zur Aufnahme einer Anleihe von 117 Millionen ermächtigte, damit sie die Bauten zur Verbefferung ihrer Gesundheitsverhältnisse unternehmen könne. Das Riesel­werk ist nun nach genau fünf Jahren vollendet. Und das Modell dazu lieferte die deutsche Reichshauptstadt.

Paris, 10. Juli. General Brugere ist als Nach­folger Zurlindens zum Gouverneur von Paris ernannt. Zurlinden büßte also feine Parteinahme in der Dreyfus- affatre mit dem Verlust seines einflußreichen Amtes. Als man ihm nach dem Bekanntwerden der Fälschung Henrys das Kriegsministerium anbot, war er für die Revision scheinbar sehr eingenommen, kaum aber war er Kriegs­minister geworden, als er der Revision die größten Schwierig­keiten machte; das brachte ihn um sein Portefeuille, aber das Kabinett wagte ihn nicht ganz zu beseitigen und machte ihn zum General-Gouverneur von Paris. Er trat seinen neuen Posten gleich mit einer Handlung an, die ihm von allen, außer den Nationalisten, sehr Übel vermerkt wurde. DerGeneral-Gouverneur" Zurlinden fand einen Befehl desKriegsministers" Zurlinden vor, gegen Picquart militärgerichtlich vorzugehen und zögerte natürlich nicht, diesem seinem eignen Befehl nachzukommen. Mit großer Rücksichtslosigkeit gegen Picquart verband Zurlinden die größte Nachsicht gegen Esterhazy. Sein Nachfolger Bru- göre ist jetzt 58 Jahre alt und hat seine militärische Lauf­bahn in Afrika begonnen, wo er noch ganz jung beinahe an der Cholera gestorben wäre, als er Opfer dieser Seuche pflegte. Im Kriege von 1870 bewies er große Tapferkeit in den Schlachten um Metz, namentlich bei Gravelotte und Borny. Es gelang ihm, aus der Gefangenschaft zu ent­weichen. Als Schwadronschef nahm er an der Nieder­schlagung des Kommune - Aufstandes unter dem jetzigen Kriegsminister Gallifet teil. Im Jahre 1884 machte er, nachdem er aus dem Militärstaat des Präsidenten der Republik ausgetreten war, den Feldzug in Tunesien mit. Er kehrte 1885 nach Paris zurück, um der Generalsekretär Grsvys zu werden. Auch unter Carnot versah er dieses

So waren in trautem Zwiegespräche, während dessen uns der Hausherr im beseligenden Hochgefühl feiner Würde im parkähnlichen Garten herumführte, uns da und dort auf besonders erwählte Lieblinge, wie verlockende Erdbeeren, üppige Spargelkulturen, fruchtbehangene Zwerg- und Spalierobstbäume u. a. aufmerksam machend, die Minuten verrauscht, da es uns vergönnt war, einen der gemüth- vollsten und edelsten deutschen Dichter von Angesicht zu Angesicht schauen zu dürfen. Ein markiger, deutscher Hände­druck und ein freundlicher Geleilswunsch des greifen Jünglings und fröhlich zogen wir unsere Straße weiter hinein ins herrliche Thüringerland! Eins war es, was uns fort und fort beschäftigte, der Gedanke nämlich, daß Fritz Reuter mit seiner Lebensgefährtin nirgends besser hineinpaßte, als in das Herz des Thüringerlandes. Denn wir schweigen von den allbekannten wissenschaftlichen und litterarischen Verdiensten des Dichters das, was dessen Schöpfungen dem deutschen Volke so lieb gemacht hat, das ist das wahr­haft deutsche Herz, dessen warmer Schlag alle seine Helden im Augenblicke zu unseren erkorenen Lieblingen macht. Nomina sunt odiosa darum wollen wir von einer Auszählung der bekannten Hauptfiguren Reuter'scher Dich­tungen absehen. Eins aber wollen wir hervorheben, weil es notwendig hergehört und zugleich mit der Eigenart unseres Dichters den grundlegenden Unterschied Reuter'scher Dichtungen von den verwandten Schöpfungen Klaus Groths, des jüngst verstorbenen Hauptvertreters des holsteinischen Plattdeutsch, u. a. jüngerer Poeten des Nordens (John Brinkmann, Johann Meyer, H. Allmers, Sophie Detleffs u. a.) bezeichnet: das ist der gemütstiefe Humor, der seither noch von keinem seiner Nachahmer und stammver­wandten Mitbewerber um den olympischen Lorbeer erreicht

Amt. Seither spielte er eine glänzende Rolle in den hohew Armeekommissionen, auch veröffentlichte er bemerkenswerte technische Werke.

Belgrad, 10. Juli. Viele Professoren und hohe Beamte, welche der radikalen Partei angehören, wurden entlassen. Nicola Pasic wurde von Poscharevac in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Die Disciplinierung der geistlichen Beamten Vasa Milic soll nicht im Zusammenhänge mit dem Attentat gegen Milan, sondern wegen Bestechlichkeit in einer Ehescheidungssache erfolgt sein.

London, 10. Juli. Zwischen der englischen und russi­schen Negierung finden Verhandlungen wegen der Thron­folge in Afghanistan statt.

Males und Provinzielles.

Gießen, 11. Juli 1899.

** Vom Sprachvereine. In der letzten Zeit des Sommer­urlaubs begegnet man oft der Verwechslung der Wörter wöchig und wöchentlich, monatig und monatlich und bergt Wenn wir diese Formen vernünftig scheiden wollen, so ver­wenden wir die Silbe ig zur Bezeichnung einer Dauer, lich zur Angabe der Häufigkeit einer Wiederholung. So kann eine ärztliche Untersuchung halbstündig fein, die Arznei wird vielleicht halbstündlich genommen. Ein täglicher Spazier­gang mag jedesmal ganz kurz sein, eine fünftägige Reise füllt aber fünf Tage vollständig aus. Sechswöchentliche Uebungen wären solche, die alle sechs Wochen wiederkehren, in der Regel sind aber sechswöchige gemeint. Eine zwei­monatliche Auszahlung geschieht alle zwei Monate, der Lohn ist dann zweimonatig. Ebenso ist eine Versammlung etwa dreijährlich, d. h. sie tritt alle drei Jahre zusammen; ein Krieg aber kann dreijährig fein, d. h. drei Jahre dauern. Unsere Behörden haben angefangen, in ihren Aus­schreiben diese Unterschiede richtig inne zu halten. Anderwärts finden sich Verstöße dagegen noch ziemlich häufig. So werden z. B. die gegenwärtigen Schulferien oft vierwöchent­liche genannt. Unsere Jugend hätte gegen solche, d. h. alle vier Wochen eintretende Ferien vielleicht nichts einzuwenden - sie wird sich aber mit vierteljährlichen, zwei- bis vier­wöchigen Ferien begnügen müssen.

** Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirk des 18. Armee-Korps. Biebrich, Magistrat, Schul- Pedell an der Elementarschule, 600 Mk. Gehalt nebst freier Wohnung und Heizung. Im Bezirk der Kaiserlichen Ober- Postdirektion Darmstadt, 1 Briefträger und 1 Landbrief­träger, 900 bezw. 700 Mk. Gehalt und der gesetzmäßige Wohnungsgeldzuschuß. Im Bezirk der Kaiserlichen Ober- Postdirektion Dortmund, Landbriefträger, 700 Mk. Gehalt und der gesetzmäßige Wohnungsgeldzuschuß. Niedermars­berg,Kommunalkasse, VollziehungSbeamter,nurMahngebühren, die etwa 450 Mk. im Jahre betragen.

Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Tot- geborenen, betrug in der Woche vom 25. Juni bis 1. Juli in Mainz 22, in Darmstadt 22, in Offenbach 20, in Worms 11 und in Gießen 4, zusammen 79, davon 25 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Ein­wohner kamen auf Mainz 14,2, Darmstadt 16,5, Offen­bach 24,4, Worms 15,3 und auf Gießen 8,2. Die Todesursache anbelangend, verstürben an Scharlach 1 (Darmstadt), an Rachenbräune 1 (Offenbach), an Keuch­husten 1 (Offenbach), an Diarrhöe und Brechdurchfall 15 (je 2 in Mainz^und Darmstadt, 8 in Offenbach, 3 in Worms), an Lungenschwindsucht 7 (1 in Mainz, 3 in Darmstadt, 2 in Offenbach, 1 in Gießen), an entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 10 (je 1 in Mainz und Offenbach, 4 in Darmstadt, je 2 in Worms und Gießen), an Gehirn-Apoplexie 8 (4 in Mainz, 2 in Darmstadt, je 1 in Offenbach und Worms), an sonstigen Krankheiten 33 (13 in Mainz, 10 in Darmstadt, je 5 in Offenbach und Worms; gewaltsamen Tod erlitten 3 Personen (je 1 in Mainz, Offenbach und Gießen).

wurde. Als Probe hierfür diene das nachstehende, weniger bekannte Gedicht:De Koppweihdag" (Kopfschmerzen, im Erzgebirge u. a.Kopfwehding" genannt). Es lautet:

Gu'n Morgen, Herr Apteiker! Seggen S' mal, Wat is woll gaub vor Koppweihdag'?" Min Sühn, bat is de büllste Qual, Dat is 'ne niebertrücht'ge Plag'!

Na fett Di man en Beten bal.

Du büst woll her ut Frugenmark?"

Ja, Hevr! Ik bein boar up ben Hoff!" Na, fünb be Koppweihbag' benn stark?" Ja, Herr! Sei malent goar to gros." Na, benn lumm her un bauh Mal ierst bin beiben Ogen tau SÜH, so is't recht! Nu rük*) mal froinn**) All wat bu kannst, in bisse Bubbel 'rin!" De Bengel bett ok ganz genau, Wat hei em heit: malt ierst be Ogen tau. Unb ruft recht buchtig rinnet bunn.

Bautz! fällt hei rügglings von bem Staul herun. As hei nu roebber sik besunn, Seggt bet Apterker:Sahn, nu segg, Sünb bine Koppweihbag, nu weg?" Jh, Herr, von mi is nich be Frag', Uns' Ftölen heft be Koppweihbag'!"

Das ist der unverfälschte deutsche Humor, der mit der Thräne im Auge lächelt und der, wenn er auch als Freund der ungeschminkten Wahrheit und Offenheit die Dinge stets beim rechten Namen, ohne Schönfärberei, nennt, doch nir­gends mit Absicht verletzt und giftige Pfeile versendet. Hierin war Fritz Reuter unbestritten Meister, und das deutsche Volk wird, zumal seit seinPlatt" wesentlich durch unseres Dichters Verdienst aufs neue wie ehedem vergl. u. a. den niederdeutschenHeliand" aus dem 9. Jahrhundert litteraturfähig geworden ist, das Andenken des ebenso als Dichter wie als Mensch trefflichen Wartburgeinfiedlers allezeit in Ehren halten.