Richtig ist, daß die Hauptbedenken, die vom philolo« gischen Standpunkt gegen das technische Doktorat ins Feld geführt werden, daß nämlich ein Wort, das mit den humanistischen Studien zusammenhängt und aus der Entwicklung der Universitäten hervorgegangen ist, auf die viel jüngere Hochschule übertragen werden solle, nur einer zwar begreiflichen Empfindlichkeit, zum Teil mangelhaft historischen Anschauungen, aber keinem gesunden Gefühl entspringen; aber ebenso unrichtig ist es, wenn die junge Hochschule ihre eigenen bisher gewandelten und zu den größten Erfolgen führenden Wege verläßt und um einen ihrem innersten Wesen fremden Titel buhlt.
Die Absolventen der technischen Hochschule sind nicht nur, was allgemeine Bildung betrifft, den Hörern der Universität ebenbürtig, sondern in wissenschaftlicher Beziehung ihren Kollegen zuweilen überlegen, und recht und billig ist es nur, wenn man auch für den geprüften Techniker einen rechtsgeschützten Titel — falls man überhaupt von besonderen Rechten des Doktors heute noch sprechen kann — fordert. Warum soll aber die technische Hochschule nicht jenen aus den von ihr gegründeten und ausgebauten Wissenszweigen — den Jngenieurwissenschaften — hervorgegangenen Titel, den „Ingenieur", für sich beanspruchen, und für ihn die gleichen Rechte verlangen, wie für den von der Universität verliehenen „Doktor"? Es hieße die Berücksichtigung verlangende, natürliche Entwickelung der Technik über den Haufen werfen, wenn man ihr den „Doktor" schenken wollte; Schreiber dieses, der den Anforderungen der Hochschule vollkommen entsprochen hat, dem also die Doktortrauben sicher nicht zu hoch hängen, hielte es für eine Herabsetzung der Technik, dem Stande einen Titel aufzudrängen, der bei der heutigen ungeteilten Anerkennung der Technik und ihrer Erfolge nicht mehr bedeutet als der rechtlich geschützte „Ingenieur". Man erhebt von gegnerischer Seite den Einwand, daß der „Ingenieur" immer wieder irrtümlicher Auffassung preisgegeben sei, indem man mit diesem Worte gleichzeitig eine Bernfsthätigkeit und einen erworbenen Grad bezeichne; dieser Einwand ist, wie die Praxis zeigt, gänzlich unhaltbar.
Es wird natürlich nach wie vor eine Menge Techniker geben, die ohne akademische Vorbildung hohe Stellen erlangen und den „Ingenieur" mit mehr oder weniger Recht angenommen haben. Für solche Nichtakademiker lassen sich aber nach vorliegender praktischer Erfahrung leicht Namen finden, welche ihren Berufsstellungen entnommen sind: „der Bureauchef", „der Werkstättenchef", „der Konstrukteur", „der technische Zeichner", „der technische Hilfsarbeiter" sind heute schon gäng und gäbe und bewähren sich. Daß man dabei einer Menge älterer verdienter Herren durch Wegnahme des langjährig geführten Titels vor den Kopf stoßen würde, ist selbstverständlich, das wird sich aber stets dann ergeben, wenn neue Namen und neue Rechte geschaffen werden sollen.
Daß der „Doktor der Technik" als ein „Fortschritt im Sinne unserer geistigen Entwicklung" und als „Befriedigung eines praktischen Bedürfnisses" anzusehen sei, wird nur von einer geringen Zahl der davon Betroffenen zugegeben werden. Nach diesem Titel können nur jene verlangen, die das stille Bewußtsein einer gewissen Unsicherheit haben und sich gegen die Gefahren der Feuerprobe der Praxis durch ein auf ihre Visitenkarten gesetztes „Dr." die unverletzbare Siegfrieds- Haut erringen wollen. Der Titel könnte ferner einige von falschem Ehrgeiz erfüllte junge Leute befriedigen und endlich einer Reihe von rein technisch gebildeten Professoren auch äußerlich die Gleichberechtigung mit den Kollegen der Universität geben; einem „praktischem Bedürfnisse" entspringt er sicher nicht, und um einen „Akt der Gerechtigkeit" zu vollführen, genügt es, den „Ingenieur" ebenso zu schützen wie den „Doktor". Daß der Doktortitel auch gar zu leicht dem hemmenden Bureaukratismus in der Industrie Eingang verschaffen, daß sich der Assessorismus auch im Fabrikbetriebe einschleichen könnte, soll hier nur nebenbei erwähnt werden. Der Himmel schütze uns jetzt vor „Schiffbaudoktoren" ebenso wie vor dem einst glücklich abgewehrten „Maschinenbau- Assessor". Will jedoch der absolvierte Techniker seine besondere Befähigung auf rein wissenschaftlichem Gebiete nachgewiesen bekommen, so hindert ihn nichts, nach vollendetem
bei jeder passenden Gelegenheit und zumal wenn der Zar sie um ihren Rat befragt, zur Milde rät. Sie hat dadurch für Rußland schon viel gutes gethan, und mancher, der es wohl gar nicht ahnt, verdankt ihr seine Freiheit, sein Leben. So wurde vor einiger Zeit der Cornet Volkow vom Wos- nezenskischcn Dragonerregiment zum Verluste sämtlicher Rechte, Degradierung und Ansiedelung in Sibirien verurteilt, weil er seinen Vorgesetzten, den Leutnant Michaelow, getötet hatte. Eine Liebesaffaire war der Grund. Als die Zarin von dem Geschicke des jungen Offiziers erfuhr, bat sie den Zaren, ihm die Strafe zu mildern, worauf Nikolaus II. nicht säumte, den Cornet zu acht Monaten Festungshaft und fünfjährigem Avancementsverlust zu begnadigen.
Leider sollen sich, nach der Mitteilung eines Kenners des Lebens am russischen Hofe,*) in neuerer Zeit Bestrebungen geltend machen, welche dahin zielen, das Verhältnis, das zwischen Nikolaus II. und seiner Gemahlin besteht, zu trüben. Die liberalen, von Alexandra Feodorowna geteilten und begünstigten Tendenzen des jungen Kaisers sind der Pobjedonoszew'schen Klique ein Dorn im Auge. Aber der Einfluß, den die Kaiserin auf ihren Gemahl thatsächlich ausübt, ist ein starkes Hindernis für die nicht rastende Maulwurfsarbeit der Pobjedonoszew'schen Klique.
Und so wird es Kaiserin Alexandra Feodorowna vergönnt sein, an der Seite ihres Gemahls noch recht lange als weitblickende Landes- und zärtliche Familieumutter zu walten.
*) Zar Nikolaus IL und sein Hof »s« 1. o. Sydacoff (Fr Luck-ard-Brrlin und SrtPiig).
Studium an der technischen Hochschule die verschiedensten Gegenstände an den verschiedenen Fakultäten einer Universität zu hören und dann seinen Doktor der Philosophie oder wie er sonst heißen mag, zu erwerben. Ob ihm und dem Stande der Techniker dadurch beffer gedient ist, als mit dem „Ingenieur", soll hier nicht weiter berührt werden, doch möchte ich diese Frage verneinen.
Zum Schluffe möchte ich allen jenen warmen Fürsprechern für den erborgten Titel die Worte zurufen, welche ein hervorragender Vertreter der deutschen wissenschaftlichen Technik einer Abordnung von Studierenden sagte, die sich gelegentlich der Titelfrage an ihn wandte: „Meine Herren, lassen Sie ab vom Doktortitel; James Watt und Stephen- son sind keine Doktoren, sie sind vielmehr die größten Ingenieure aller Zeiten gewesen, und ich sage Ihnen, so wie Sie heute den Doktortitel gern erwerben möchten, so werden vielleicht diejenigen Kollegen von der Universität, die uns am nächsten stehen, die Mediziner des nächsten Jahrhunderts, zufrieden sein, sich etwa „Ingenieure der Anatomie" nennen zu dürfen."
Wir geben vorstehenden der „Köln. Ztg." zugesandten Artikel mit dem Bemerken wieder, daß wir Aeußerungen aus akademischen Kreisen zu dieser Frage gern Aufnahme gewähren. Selbstverständlich geben die folgenden Auslassungen nicht die Ansichten der Redaktion wieder, wir überlassen vielmehr cv. schriftliche Meinungsäußerungen Für und Wider Männern vom Fach aus unserem Leserkreise.
Kokries und Krsmumües.
Gießen, den 10. Oktober 1899.
*- Hunde und Radfahrer können sich selten vertragen. Die größeren Hunde suchen mit Vorliebe den Fahrern den Weg zu versperren und in die Speichen oder Pedale einzubeißen. Auch sonst treiben große Hunde manche Allotria, durch die den Betroffenen mehr oder minder erheblichen Schaden geschieht. Die Herren Hundebesitzer machten sich, bisher wenig aus den Passionen ihrer Hunde, da sie nach dem bestehenden Recht für den Schaden nur dann haften, wenn ihnen ein Versehen (versäumte Aufsicht) nachgewiesen werden kann. Das wird mit dem 1. Januar 1900, an welchem Termin bekanntlich das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft tritt, anders. Dieses gewährt in seinem § 833 nämlich einen hinreichenden Schutz gegen derartige Attentate, indem es den Besitzer ohne weiteres verpflichtet, den durch seinen Hund angerichteten Schaden zu ersetzen.
•• In Amerika verstorbene Hesten. In New-Ham- burg, Kanada, Pauline Franke, geb. Plätzer, 63 Jahre alt, aus Appenrod. — In Kenosha, WiS., Konrad Münzenberger, 79 Jahre alt, aus Mainz. — In Chicago, Jll., Katharina Ditewig, 75 Jahre alt, aus Nieder-Saulheim.
-e- Vom Laude. Dem nassen September ist ein kühler Oktober gefolgt. Bereits am verflossenen Samstag zogen die erstenScharenKraniche nach dem warmen Süden. Diesen Vorboten ist denn in der letzten Nacht bereits die erste Kälte gefolgt, denn heute morgen lag der Reif überall ausgebreitet. Unsere Landleute sind eifrig mit dem Ausstreuen der Wintersaat beschästigt. Die Knollengewächse, wie Kartoffeln, Dickwurz und Kohlraben liefern eine reichliche Ernte. Letztere sind von enormer Größe, und müssen daher unsere Landleute dieselben aus Mangel an Räumlichkeit in Erdgruben versenken.
X Vom Lande, 9. Oktober. Den Schluß der Ernte macht die Kartoffel. Sie, das Brot der Armen, ist in ihrem Ertrage für das Gesamternteergebnis fast noch bedeutungsvoller als die Getreideernte. Das ausgezeichnete Ergebnis der letzteren in allen Gattungen ist genugsam gelobt worden. Aber der diesjährige segensreiche Jahrgang erhält erst seine Krone durch die vortreffliche Kartoffelernte. Die langen Reihen weißer Säcke in den Feldern, die schwerbeladenen Wagen, die zum Feierabend in die Dörfer kommen, die zufriedenen Gesichter der Landleute, sie sagen deutlich, was für einen Herbstsegcn der allgütige Schöpfer geschenkt hat. Des Jahrgangs Fruchtbarkeit tm ganzen ist eine so große, wie sie in den letzten drei Jahrzehnten kaum dagewesen sein dürfte. Dazu wirft noch die strahlende Oktobersonne ihren glänzenden Schein über die Felder, daß auch die Winterbestellung der Felder gut von statten gehen kann. Vergessen wir eins nicht: „Gebt unserm Gott die Ehre!"
4- Aus Daubrmgen, 9. Oktober, wird uns geschrieben: Unseren verehrten Herrn Lehrer Weinsheimer, welcher sich in den zwei Jahren, in denen er hier die zweite Schulstelle bekleidete, die Liebe und Achtung sämtlicher Einwohner erworben, nun aber von uns scheidet, um eine Lehrerstelle in Allendorf a. d. Lda. anzunehmen, wird die Einwohnerschaft in gutem Andenken behalten. Besonders die Eltern der Schulkinder werden es nicht vergessen, wie er die Klasse den heutigen Anforderungen entsprechend zu erhalten gewußt hat, was auch mehreremal von seinen Vorgesetzten anerkannt wurde. Möge Herrn Weinsheimer in seiner neuen Stellung nur Glück beschieden sein.
△ Aus Oberhesse«, im Oktober. Es ist allgemein bekannt und auch von jedem Unbefangenen anerkannt, welch' gefährlicher Feind der Volkswohlfahrt der Alkohol ist. Wieviel Existenzen in einem einzigen Jahre ihm zum Opfer fallen, wieviel unglückliche Familienverhältnisse auf ihn zurückzuführen sind — wer kann es ausrechnen? Genug, daß sich im „Verein vom blauen Kreuz" Männer zu seiner Bekämpfung zusammengethan haben; daß sogar die Aerzte unter sich einen Verein ins Leben gerufen haben, um dem verderblichen Einfluß des Alkohols entgegenzutreten. Ist es doch offenkundig, daß an Krankheiten der Atmungsorgane Erkrankte im vorgerückten Lebensalter dann die Krankheit leichter überstehen, wenn sie sogen. Abstinenzler find! Wird doch jetzt gerade Hexans behauptet, daß bei der vor noch
nicht allzulanger Zeit üblichen Behandlung der Diphteritis mit Arak und ähnlichem sicher mehr Kinder an Alkoholvergiftung als an Diphteritis gestorben seien. Gerade bei Kindern wirkt er vergiftend. Und gerade da wird besonders auf dem Land furchtbar gesündigt. Dort gehören die stumpfsinnigen Kinder meist Eltern an, die dem Alkoholgenuß zu- gcthan sind. Diese Kinder sind aber nicht bloS erblich belastet, sondern sie werden noch stumpfsinniger gemacht dadurch, daß die Eltern, wenn sie ihren Fusel trinken, das Kind mittrinken laffen, besonders aber, wo beim Kartoffelausmachen der Kühle wegen der Schnaps nicht fehlen darf, muß auch das Kind mittrinken. Noch mehr, wenn Sonntags der Vater auf die Kegelbahn geht und das Kind ihn aufsucht, geht es ohne Trinken nicht ab. Man braucht nur Montags solche Kinder in der Schule zu beobachten, daun sieht man genau, wo sie Sonntags gesteckt haben. Der Lehrer kann nur froh sein, wenn es ohne Eruptionen abläuft. Das Gesetz bestimmt, daß Kinder ohne Begleitung der Ellern oder deren Stellvertreter (das kann aber jeder beliebige sein) kein öffentliches Lokal besuchen dürfen. Dieses Gesetz hat gar keinen Erfolg. Sollte es nicht möglich sein, dahin auf gesetzlichem Weg zu wirken, daß Kinder bis zu einem gewissen Alter überhaupt in kein Wirtshaus ausgenommen werden dürfen, wenigstens im Heimatsort; und daß der Wirt für Kinder bis zu diesem Alter nichts verabreichen darf? Man ist ja leider in unseren Tagen gegen alle Einschränkungsmaßregeln; aber diese Politik des „laisser aller, laisser passer", d. i. des Geschehenlaffens, hat bis jetzt nichts gutes gebracht. Wo die Schäden so augenscheinlich sind, sollte man sich nicht passiv verhalten nur um der Doktrin halber.
0, Aus Oberhesseu, 9. Oktober. Es existiert eine G. W. Küchlers Waisenstiftung, aus deren Zinsen alljährlich eine namhafte Summe an Waisenkinder ausgezahlt wird. Diese Waisenkinder werden durch das Los bestimmt, und es haben in unserer Gegend W. Leidner in Hungen und Luise Höres in Helpershain je 171 Mk. (nach früherem Gelbe — 100 Gulden) gewonnen, welche demnächst zur Auszahlung gelangen.
B. Aus dem Kreise Büdingen, 9. Oktober. Man hat den Versuch gemacht, das Obst an den Kreisstraßen zu brechen und möglichst selbst durch die Verwaltung verwerten zu lassen. Für die Bäume ist diese Verwertungsart sehr zuträglich, weil sie dadurch bedeutend geschont werden. Das finanzielle Ergebnis scheint jedoch hinter den Erwartungen zurückzubleiben; denn es wurde vieles Obst entwendet, wodurch der Ertrag bedeutend zurückging. Auch an Privatobstbäumen wurde viel gefrevelt, und nicht minder wird über Diebstähle an allen Gemüsesorten geklagt. Es ist dringend zu wünschen, daß der Feldschutz in Zukunft von Mitte September an wesentlich verstärkt und verschärft wird. — Gegen Ende der vergangenen Woche wurden Versuche zur Bildung eines Obstringes gemacht, der seinen Sitz in Frankfurt gehabt zu haben scheint, er ging jedoch in die Brüche. — Heute morgen hatten wir scharfen Reif; die Bäume entblättern sich rasch und das letzte Obst muß geerntet werden.
R. Reichelsheim i. d. W., 9. Oktober. Vom herrlichsten Oktoberweiter begünstigt, wird gestern und heute unsere Kirch weihe gefeiert. Wenn man gestern die Menschenmasse betrachtete, die uns die Bahn zusührte, hält man c8 kaum für möglich, daß wir früher ohne Eisenbahn auskommen konnten; besonders lebhaft ist jetzt der Güterverkehr, der durch die Verfrachtung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen hervorgerufen wird. Der Bau der Zuckerrüben läßt sehr nach, weil sie zu viele Menschenhände erfordern, die in unserer Gegend nicht mehr aufzutreiben sind. Dagegen werden Runkelrüben und Kartoffeln, die auch dieses Jahr trefflich geraten sind, massenhaft erzeugt, und gehen meisten« nach Westfalen und dem Odenwald, wo sie sehr gelobt werden. — Man plant in der hiesigen Gegend ein Elektrizitätswerk, das auf 30 Kilometer Umkreis die Ortschaften mit elektrischem Lichte versorgen will. — In Bezug auf die Landtags wähl verdient hervorgehobe« zu werden, daß man den seitherigen Vertreter, Herrn Weith, der sich entschiedene Verdienste um seinen Bezirk erworben hat, wieder wählen will.
Schotten, 9. Oktober. Am vergangenen Donnerstag ist hier einem auswärtigen Viehhändler ein Rind durchgegangen, das trotz gemachter Anstrengung bis heute noch nicht eingefangen werden konnte. Das wild gewordene Stück Vieh soll sich in den Wäldern bei Schotten aufhalten.
§ Aus dem Ohmthal, 9. Oktober Die erste Frostnacht liegt hinter uns. Weiß bereifte Dächer, eisfunkelnde Wiesen und eisbedeckte Wasserpfützen kündeten heute morgen den ersten Oktoberfrost. Das Thermometer zeigte noch morgens um 7 Uhr 2 Grad unter Null nach Reamnur. Die Bäume, Obst- wie Waldbäume, standen seither noch in vollem Laubschmuck, ja die Blätter zeigten ein saftstrotzendes Aussehen wie im Sommer. Heute morgen begann der erste allgemeine Blattabfall. Bald werden die Bäume kahl stehen, mahnend an die Vergänglichkeit des Irdischen. Die Trauben, die bei uns bekanntlich nur an die Hauswände gepflanzt werden können, scheinen nicht reif werden zu wollen; sie sehen noch meist ganz grün aus, während sie der Zeit nach sich blau — es sind fast nur diese Sorten — gefärbt habe« müßten. Die Obsternte ist vorüber. Sie ist im allgemeine« recht zufriedenstellend gewesen. Sie hat wieder klar dem Landmann gezeigt, welchen großen Wert es hat, der Obft- baumzucht und Obstbaumpflege seine Aufmerksamkeit et« klein wenig zu widmen. Wie fast immer, so ist auch in diesem Herbste der Obstsegen kein allgemeiner. Die eine Gemarkung hat volle Obsterträge, die andere weniger, leer aber geht wohl keine aus. Gar vielfach ist der Glaube verbreitet, im oberen Ohmthal, das ist im Vogelsberg, wächst kein Obst. Wenn wir sagen, daß in Unter- Seibertenrod in einem Garten fast bis zu 100 Körbe voll Aepfel geerntet werden konnten, so ist das der beste Beweis
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