Ausgabe 
10.10.1899 Zweites Blatt
 
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Treffen; die nötige Jagdbeute für Muttern könnten sie ja beim Wildhändler mitnehmen. Rührend finden wir es, daß dieses Musterexemplar von Rebhuhn auch der armen, ge­fährdeten Dorskinder und Kartoffelsucher gedenkt, und uns bittet, dieselben rechtzeitig zu warnen. Wir thun es hier­mit, indem wir gleichzeitig damit den Rat verbinden, die Kleidung nicht leicht zu wählen. Es ist immerhin ange­nehmer, die Schrotkörner aus einem dicken Rock, als aus der Haut zu entfernen.

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* Ermächtigung zur Annahme nnd zum Tragen fremder Orden. Seme Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 6. Oktober Aller- gnädigst geruht, den nachstehend Benannten die Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Seiner König­lichen Hoheit dem Großherzog von Baden verliehenen Ordensdekorationen zu erteilen: das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen dem Sattelmeister'Robert Müller, der Silbernen Verdienstmedaille den Hofreitknechten Peter Stein und Adam Kilian.

* Charaktererteilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 27. Sep­tember dem Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, Friedrich Loch mann, den Charakter alsRegierungsrat" zu verleihen.

Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 6. Sep­tember d. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Hechtsheim: Peter Joseph Schmitt, Johann Lind- roth II., Peter Keim III., Joh. Martin Schuhmacher, Pankraz Schreiner, Sebastian Wilhelm Klein, Wilhelm Kerz XL, Pankraz Knab, Nikolaus Engelschall, Hein­rich Keim I. und Jakob Schneider II.

* Sektion Gießen des deutschen und österreichischen Alpen- Vereins. Wundervolle Klarheit der Atmosphäre begünstigte den gestrigen Ausflug der Sektion Gießen nach dem Frauenberg und nach Marburg. Schon als die stattliche Touristenschar um 9 Uhr bei Nieder-Weimar den Zug verließ, um sich der wie die Inschrift rühmt Touristen und Kaufmann den Gefahren des Weges und der Wogen enthebenden" Nähebrücke zuzuwenden, zeigten die blankgeputzten Konturen der Höhen von Dünsberg bis zur Spiegelslust, wessen man auf dem Berge gewärtig sein durfte. Wer den bequemen, kurzen Weg durchs idyllische Waldthälchen über _ Ronshausen und Bortshausen schon kennt und eine größere Anstrengung nicht scheut, dem sei der prachtvolle Waldweg über die südlich davon gelegene Höhe empfohlen, den die Sektion einschlug. Man verließ dicht südlich der auf dem linken Lahnufer an der Brücke stehenden Häuser die Chaussee und strebte nun in südöst­licher Richtung bis zum Waldrand vorwärts, um sich den herrlichen Blick auf den Ebsdorfer Grund nicht entgehen zu lassen. Dann erst wandte man sich links, wo der Frauen­berg, scheinbar nun ganz nahe, überraschend erscheint, eine Berggestalt, die sich aus den Nordvogesen Phantasie­begabtere meinten, aus den Dolomiten hierher verirrt jii haben scheint. Das spärliche Mauerwerk ist neuerdings wieder zurechtgeflickt worden, sodaß es noch manchem Jahr­hundert trotzen kann. Allerlei Gräbchen scheinen auf jüngst vorgenommene baugeschichtliche Forschungen hinzudeuten. Zum Greifen nahe liegt nun die Amöneburg, besonders aber fesseln den Blick die Berge zwischen dem deutlich sicht­baren Gerüst auf der Sackpfeife und dem Vogelsberg. Zwischen Kellerwald und Knüll, von dem rechts einige den Jnselsberg erkennen wollten, ragt die charakteristische Ge­stalt des Meißner so klar in die Lust, daß er trotz seiner 90 Kilometer Entfernung deutlicher zu sehen ist, als bei gewöhnlichem Wetter etwa von Gießen aus der Rutters- hauser Altenberg. Da es über all dem Schauen 12 Uhr geworden war, sagte man der Ritterburg Lebewohl und vertraute sich dem kürzesten farbbezeichneten Weg an. Er geleitete mit der an seinesgleichen gewohnten Unfehlbarkeit unsere Karawane nach Marburg, wo sie ebenfallsritterlich" empfangen wurde. Der Nachmittag war einem kleineren sehr lohnenden Ausflug über die Augustenruhe, die Kirchspitze, die Marbach und das Schloß gewidmet. Wer Zeit hat, benutze die schönen Herbsttage und thue desgleichen.

* * Aus dem Theaterbureau. Der mit so großem Beifall aufgenommene Schwank:Der Schlafwagen-Kon­trolleur" wird morgen, Dienstag, nochmals zur Auf­führung gebracht, worauf wir besonders diejenigen aufmerk­sam machen, welche die Premiere versäumten. Bezüglich der am Mittwoch stattfindenden ersten Volks-Vor. ftellungDon Carlos" werden Arbeitgeber, Krankenkassen, Gewerkschaften und ähnliche Vereinigungen darauf aufmerk« sam gemacht, daß Eintrittskarten für Arbeiter von Dienstag früh ab bei Herrn Chall ier in Empfang genommen werden können. Die Preise sind für Loge 1 Ml., Saalplatz 40 Pfg. und für Gallerie 20 Pfg.

- ** Ueber deu Zirkus Lobe, welcher dieser Tage hier Vorstellungen geben wird, schreiben Mannheimer Blätter n. a.: Neustadt, 12. September. Der Zirkus Lobe gab \ a seine Eröffungsvorstellung bei einem sehr zahlreichen Besuch. Der Zirkusbau, der mit einer erstaun- UchenFixigkeit" aufgerichtet wurde, macht in feinem Innern den besten Eindruck. Bei den Sitzplätzen nehmen sich namentlich die ersten, mit rotem Plüsch ausgestatteten Reihen recht vornehm aus, den ganzen Raum erhellt elektrisches Licht, kurz, die ganze Ausstattung ist eine recht vorteilhafte. Aber auch mit den Leistungen be;w. mit dem Programm wenn das eine und andere auch nicht gerade eine sensationelle Neuheit war, konnte man recht zufrieden sein. Das Pferde­material ist im ganzen ein recht stattliches, ebenso wies auch das Künstlerpersonal entschiedene bemerkenswerte Kräfte auf. Das Programm war ein sehr reichhaltiges und ab­wechslungsreiches. Nach dem Einleitungskours über Hecken und Barriören, den Frl. Margarethe auf ungesatteltem

Pferde ausführte, führte Direktor Lobe seinen prächtigen Jsabellenhengst vor, worauf sich eine originelle Wagen­promenade von vier Pferden anschloß. Mit großer Ge­wandtheit wurden dann von vier Künstlern Hüte hin- und hergeworfen und aufgefangen. Auf den vorzüglichen Jong­leur und Equilibristen folgten die ausgezeichneten Pro­duktionen derAlvinos". Mit großem Beifall produzierten sich ferner ein Turnertrio und die Akrobatentruppe Gebr. Odol. Einen Glanzpunkt bildete seitens des Direktors Lobe die Vorführung von vier russischen Fuchshengsten, die auf den beiden Hinterbeinen marschierend ein wahres Meister­stück der Dressur darboten. Mit großer Eleganz führte Frl. Eugenie Vor- und Rückwärtstouren zu Pferde aus. Anerkannt muß besonders werden, daß das ganze Programm sehr flott erledigt wurde.

Polizeibericht. Der zweite Diener des Gesellschafts­vereins wurde am verflossenen Samstag wegen Urkunden­fälschung und Unterschlagung in mehreren Fällen verhaftet.

* Berichtigung. In der politischen Wochenschau der Sonntagsnummer muß es wie die meisten unserer Leser wohl selbst sofort gemerkt haben werden statt preuß. Finanzministerium Staats Ministerium heißen.

Nidda, 7. Oktober. Der Faktor der Druckerei L. Kloos zu Nidda, Herr Lehr, feiert heute sein 50jähriges Jubiläum. Demselben wurde heute abend aus diesem Anlasse von Turnern und der Feuerwehr ein Fackelzug ge­bracht, dem sich eine große Menschenmenge angeschlossen hatte. Die Kapelle der Feuerwehr spielte. Seitens des Turnvereins brachte Herr Renerz, seitens der Feuerwehr Herr Vetzberger die Glückwünsche dar, worauf Herr Lehr dankte. Er war Mitbegründer des Turnvereins und gehört ihm nunmehr 40 Jahre an.

Nidda, 6. Oktober. In der zu Ende gehenden Woche war die Verladung von Aepfeln auf hiesigem Bahnhofe so stark, daß es an Wagen mangelte, um allen Anforderungen zu genügen. Erst jetzt zeigt es, welch' schönes Stück Geld der Obstbau in diesem Jahre abwirft. Nur Zwetschen gab es hier gar keine, während z. B. Ober-Lais, das voriges Jahr eine Mißernte hatte, in diesem Jahre eine reiche Ernte in Zwetschen hatte. Die Kartoffelernte war seither durch die wechselnde Witterung sehr beeinträchtigt, und infolge dessen sind auch die übrigen Feldarbeiten sehr im Rückstand. Die Kartoffeln fallen durchweg gut aus.

Mainz, 9. Oktober. Der König von Serbien hat Herrn Geheimen Kommerzienrat Feldheim hier das Kommandeur­kreuz des Serbischen St. Sava-Ordens verliehen. Bei den hiesigen Losehändlern fanden polizeiliche Nach­forschungen statt, ob bei denselben solche Lose zum Verkauf ausgestellt sind, welche im Großherzogtum Hessen verboten sind. Es ist den Polizeiorganen überhaupt nahegelegt worden, eine größere Wachsamkeit in Bezug auf den Verkauf als auch auf das Spielen unerlaubter Lose zu haben. Gestern fand eine Sitzung des Ob st Marktkomitees statt. Es wurde beschlossen, in diesem Jahre 3 Obstmärkte abzu­halten und zwar Freitag, den 20. Oktober, Freitag, den 17. November und Freitag, den 15. Dezember.

Worms, 7. Oktober. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sowie der Großherzog und die Groß­herzogin sind heute vormittag zur Besichtigung hiesiger Sehenswürdigkeiten eingetroffen. Die Rückkehr nach Schloß Wolfsgarten soll nachmittags erfolgen.

Vermischtes.

* Berlin, 8. Oktober. Eine folgenschwere Ex­plosion hat gestern in der Anilin-Fabrik zu Rummelsburg stattgefunden. Fünf Arbeiter wurden durch eine heiße Masse, welche unter starkem Druck aus einem der Induk­tionsapparate ausströmte, stark verbrüht.

* Elbing, 6. Oktober. Die Stadtverordneten haben heute zum zweiten Bürgermeister der Stadt den Assessor Sause-Elbing gewählt.

* Koblenz, 7. Oktober. Nachmittags l/2 Uhr brach im Spielwaren-Engroslager von Demmer & Hartmann Großfeuer aus. Der Kaufmann August Baun ach, welcher bei dem Fabrikanten Wilkens in Wallersheim als Buchhalter beschäftigt war, wurde gestern von der hiesigen Strafkammer wegen Unterschlagungen und Fälschungen im Betrage von 9000 Mk. zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt.

* Osnabrück, 8. Oktober. Die Konsekration und In­thronisation des Bischofs Voß hat heute vormittag stattgefunden. Anwesend waren Oberpräsident Graf Stol­berg, sowie die Bischöfe von Münster, Kopenhagen und Stockholm. Heute abend wird ein glänzender Fackelzug ver­anstaltet werden, an welchem sich tausende zu beteiligen gedenken.

* Saarbrücken, 7. Oktober. Der auf Grube Göttel­born beschäftigte Bergreferendar Eckhardt hat sich in seiner Wohnung daselbst erschossen. Die Veranlassung zum Selbstmord ist noch nicht aufgeklärt.

Schöllkrippen, 7. Oktober. Auf den hier belegenen Höch' schen Kupfergruben ist ein schreckliches Un­glück passiert. Ein Schacht ist zusammengestürzt und hat sämtliche Arbeiter mit dem Verwalter verschüttet, von denen nicht einer lebend herauskommen dürfte. Der Schacht war in sehr weichem Gestein abgesenkt und soll viel Wasser enthalten haben. Ob dies die Schuld ist, oder ob eine Vernachlässigung beim Verbauen vorgekommen ist, wird wohl nicht mehr festgestellt werden können. Ein Arbeiter hinterläßt sechs, der Verwalter zehn unversorgte Kinder, die andern fünf Arbeiter waren noch ledig. Es find also sieben Menschen verschüttet.

* Hamburg, 7. Oktober. Eine Gasexplosion hat eine Anzahl Personen schwer körperlich geschädigt. In der Neuen Straße, Stadtteil St. Georg, entstand in einer leer­stehenden Parterrewohnung, welche renoviert wurde, nach­

mittags eine heftige Gasexplosion, bei der fünf Persone» verunglückten. Durch Brandwunden am ganzen Körper lebensgefährlich verwundet wurde der Malergehilfe Jochens; leicht verletzt sind die Maler Heise, Maehl, der Maler­lehrling Emil Schnaack und der Vizewirt Buck.

* Lodz (Ruff. Polen), 6. Oktober. Eine Mißgeburt, ein Gegenstück zu den Siamesischen Zwillingen, ist in dem Vorort Valetz dieser Tage zur Welt gekommen. Die Frau eines dortigen Fabrikarbeiters hat ein mit den Körperseiten eng zusammengewachsenes Mädchenpaar geboren. Das sonderbare Paar hat nur ein Herz, und jedes der Mädchen nur eine Brusthälfte. Mutter und Kinder befinden sich wohl.

* Wien, 8. Oktober. Die Polnaer-Mädchen- mordaffaire zieht immer weitere Kreise. Gestern abend fand im großen Musikvereinssaal eine große Protestver­sammlung der Wiener Juden statt, welche in solche» Mengen erschienen waren, daß alle Räume des Gebäudes gedrängt voll waren. Es handelte sich darum, einen feier­lichen Protest einzulegen gegen die in den Kuttenberger Prozeß hineingetragene tendenziöse Beschuldigung, daß da- Judentum den Ritualmord oder den rituellen Gebrauch vo» Menschenblut lehre oder übe. Gemeinderat Dr. Stern als Vizepräsident der Kultusgemeinde führte den Vorsitz. Ober­rabbiner Dr. Güdemann hielt eine schwungvolle Rede, welche großen Eindruck machte. Er führte alle geschichtlichen Be­weise gegen den Ritualmord an und sagte:Der echte Ritualmord ist nicht der, den Juden begangen, sondern der, beit sie tausendfach erlitten." Nachdem noch ein Redner speziell den Prozeß besprochen, wurde folgende Resolution aeclamiert: Durch die im Kuttenberger Gerichtssaal unverhüllt gegen die jüdische Glaubensgemeinschaft erhobene Blut-Beschuldigung wurde unser altehrwürdiger Glaube in seinen Grundlehren beschimpft und unsere Menschenwürde und bürgerliche Ehre besudelt. In dem Gefühl tiefster Empörung erheben wir öfter» reichischenStaatsbürgerjüdischerKonfessionlautenProtestgegen die uns angethane Schmach, die zugleich eine Erniedrigung bet Wahrheit, Gerechtigkeit und Humanität ist unb eine Er­schütterung der Rechtsgrundlagen in Oesterreich bedeutet. Wir fordern als unser staatsbürgerliches und natürliches Recht, daß die Regierung durch die volle Anwendung des Gesetzes solchen lügenhaften, barbarischen und fluchwürdige» Beschuldigungen entgegentrete."

* Polua, 8. Oktober. Hier zirkuliert das Gerücht, der Bruder der Hruza hätte eingestanden, seine Schwester ermordet zu haben.

* Paris, 7. Oktober. Eine deutsche Bombe aus dem Jahre 1870 wurde bei den Erdarbeiten in Notsy-le- See, einem östlichen Vororte von Paris, zu Tage gefördert. Das Geschoß, das noch nicht krepiert war, wurde mit großer Vorsicht in die Artillerie-Sektion der Avenue be Saxe überführt.

Theater.

Gießen, 9. Otobcr. lieber das am vergangenen Freitag vor nicht gerade gut besuchtem Hause gegebene Günther'sche Lustspiel, .Der neue Stiftsarzt", defsei^eingehende Besprechung wir uns für die ix dieser Woche erfolgende Wiederholung vorbehalten, wollen wir heute nur kurz mitteilen, daß das Stück selbst, sowie die äußerst tempera­mentvolle Darstellung und exakte Regie beifällige Aufnahme gefunden haben. Der Träger der Titelrolle, Herr Steinert bot uns eine nach jeder Hinsicht fleißig und mit gutem Verständnis und Willen ausgear­beitete Medizinerfigur. Bei Herrn Direktor Helm, der den alten Geh. Medizinalrat von Aberdingk verkörperte, setzten wir einen guten Erfolg von vornherein voraus. Auch die Damen Helm, Zimmermann, Kruse, Hammer und Knöfel brachten alles mit, was einen guten Er­folg zu erzielen im stände ist. Man lachte während der 4 Akte oft unv nicht ohne Herzlichkeit und der jedesmalige Aktschluß war freundlicher Beifall. Auf ein ähnliches Gebiet, wie das am Freitag gegebene Stück, führte uns der gestern abend vor gut besuchtem Hause nur die vorderen Parkettreihen wiesen größere Lücken auf gespielteStabström- peter": auf das Gebiet der Moment- und Situationswitze. Die Direk­tion hat mit dieser ersten Aufführung der ziemlich ausgedehnten vier- aktigen Gesangsposse von Mannstädt und Steffens einen starken unbe­strittenen Erfolg errungen, der ihr ohne Zweifel bei Wiederholung in gleidjer Weise abermals zuteil wird. Man muß zugeben, daß die Leitung mit ihren Griffen Glück hat, aber man darf wohl von verdiente« Glück sprechen und auch davon, daß der rauschende Beifall keiner Zu- ..igkeit zuzuschreiben ist, sondern neben den Leistungen der beiden Ver­fasser Mannstädt verbrach die Witze und Gust. Steffens komponierte die prickelnden Melodien der gewandten Regie und der ausgezeichneten Darstellung. Gespielt wurde von allen Kräften ungemein frisch und voll Temperament. Eine echte, lebenswarme Gestalt, von urwüchsigen Humor schuf Herr Helm in seinem Mampe, Gefühl und Humor standen von Anfang bis zu Ende im glücklichsten Zusammenhang. In harmonischem Ver­hältnis zu dieser tüchtigen Leistung stand diejenige von Fräulein Eichen­wald. Als Frau Mampe fand sie sich mit großer Gewandtheit in die extremsten und pardon I oft etwas absurden Situationen und zeigte abermals, daß bei einem tüchtigen Künstler als oberster Grund­satz gilt: Was gemacht werden kann, wird gemacht! Herr Steinert als Stabstrompeter bot eine vorteilhafte Figur, war auch darstellerisch sehr gut aber ein etwas mehr dezenter Verbrauch von Lungenkraft dürfte seinen Erfolgen nicht schaden. Herrn Wilhelmi ist natürlich die Wuppesche Fig-r auf den Leib gepaßt; er dürfte sicher auch als Kautschukmann sein gutes Fortkomm n gefunden haben. Auch die übrigen Darsteller, namentlich diejenigen Damen und Herren, die sich in die drei kleinen hübschen Liebesgeschichten teilen, gaben dem ganzen einen effektvollen Halt und Zusammenhang. Die Gesangs­partien wurden durchweg tadellos gegeben und wir werden die einzelnen Kräfte noch gelegentlich bei lohnenderen Rollen eingehend würdigen. Die Kouplets die ja teilweise wenig ansprechend sind bieten dazu nicht genügenden Anhalt. Die Musik hielt sich unter ihrem trefflich»n Dirigenten von Anfang bis zu Ende wacker.r.

Gerichtssaal.

Darmstadt, 7. Oktober. Am 18. Juli d. IS. morgens ging ein Einwohner von Gräfenhausen von da nach Wixhausen, wo sich derselbe eine zeitlang auf eine Bank am Bahnhofe setzte, um dann mit dem Zug um 10 Uhr 30 Min. nach Darmstadt zu fahren. Auf dem Wege oder an der Bank verlor derselbe eine Brieftasche mit drei Fünfzigmark- scheinen, von welchem Verlust er alsbald Anzeige machte. Es ergab sich, daß kurz hinter dem Manne der schlecht beleumundete Maurer Peter Mahr von Grafenhausen gegangen war, der sich ebenfalls einige Zeit auf die Bank setzte und um 11 Uhr 32 Minuten nach Frankfurt fuhr. Beim Austritt aus dem dortigen Bahnhofe zeigte derselbe zwei Bekannten einen Fünfzigmarkschein und sagte, den habe er soeben gefunden, heut« heiße es die Augen offen zu halten. Später erzählte er den Leuten weiter, er habe Arbeit gefunden und trete andern Tags ein. Dies that er jedoch nicht, trieb sich aber trotzdem und obwohl er vorher kein Geld hatte, einige Tage in Frankfurt herum Erst als ihm der Boden warm.