Ausgabe 
10.8.1899 Erstes Blatt
 
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l)er englischen Botschaft die Smyrna-Aidin-Bahn die Ver­längerung ihrer Linie ohne Garantieleistung bis Boulavadin.

Köln, 8. August. Die Meldung desWiesbadener General-Anzeiger", daß die Krankheit des operierten Weih­bischofs Dr. Schmitz soweit vorgeschritten sei, daß eine Heilung unmöglich erscheine, wird von den den Weih- bischoff behandelnden Aerzten als unwahr bezeichnet und hinzugefügt, daß das Allgemeinbefinden befriedigend sei.

Köln, 8. August. Gegenüber der ablehnenden Haltung mehrerer Handelskammern und des Geheinen Kommerzien­rats van den Zypen zur Beschickung eines internationalen Handels-Kongresses in Philadelphia schreibt die Kölnische Zeitung": Die Auffassung dieser Handelskammern werde von wichtigen Handelsfirmen und hochangesehenen Industriellen nicht geteilt. Diese gingen im Gegenteil von der Annahme aus, daß man die Einladung des Handels- Museums in Philadelphia zur Beschickung des internationalen Handelstages unbedingt annehmen müsse, schon aus dem Grunde, weil die dort ermöglichte Aussprache zwischen amerikanischen und deutschen Vertretern des Handelsstandes nur zur Zerstreuung von Mißverständnissen dienen und dazu beitragen könne, die handelspolitischen Beziehungen zwischen beiden Staaten günstiger zu gestalten. (?)

Ausland.

Wien, 6. August. DieNeue Freie Presse" bespricht die Ordensverleihung an Delcassö und sagt, diese Auszeichnung drücke der Reise unverkennbar einen politischen Stempel auf. Man dürfe in der Ordens-Verleihung einen Beweis erblicken, daß die Gerüchte von einer Abkühlung der französisch-russischen Beziehungen unbegründet sind. Falls infolge der deutsch-französischen Höflichkeiten Mißverständnisse entstanden sein sollten, so wären dieselben durch Delcasses Anwesenheit nunmehr behoben.

Wien, 8. August. Der Abgeordnete Wolff befindet sich dem großen Blutverluste entsprechend wohl. Die Heilung der Wunde wird in etwa acht Tagen erwartet.

Wien, 8. August. DasFremdenblatt" veröffentlicht heute eine offenbar von maßgebendster Seite beeinflußte Nachricht aus Berlin, wonach man dort den Empfang des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe auf dem Bahnhofe in Aussee als einen neuerlichen Beweis der persönlichen Liebenswürdigkeit des Kaisers Franz Josef erblicke. Ob noch eine Begegnung des Fürsten Hohenlohe mit dem Grafen Goluchowski stattfinden werde, sei unbestimmt; jedenfalls sei aber der politischen Zeichendeuterei jetzt jeder Anlaß ge­nommen, aus dem Unterbleiben dieser Begegnung politisches Kapital zu schlagen und daraus etwa eine Verstimmung zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland abzuleiten.

Prag, 8. August. Der Arbeiter Ruhr, welcher vor längerer Zeit den deutschen Studenten Grohme durch sechs Messerstiche sehr schwer verletzte, wurde, weil er angeblich die Thal in der Trunkenheit verübt hat, zu 14 Tagen strengem Arrest und zur Zahlung von 195 Gulden an Grohme verurteilt.

Budapest, 8. August. Am Tage der militärischen Ein­weihung des Hentzi -Monumentes will der oppositionelle Bürgerklub eine Gegendemonstration veranstalten, die in einer Bekränzung des Honveddenkmals bestehen soll.

Budapest, 8. August. Baron Banffy, der ehemalige Ministerpräsident, forderte den Forschungsreisenden Grasen Eugen Zichy zum Duell. Letzterer soll ehrenrührige Be­hauptungen über Banffy verbreitet haben.

Amsterdam, 8. August. Der in Holland in Umlauf gesetzte Aufruf an das britische Volk zur Vermeidung eines Krieges zwischen England und dem Transvaalstaate zählt bereits mehrere tausend Unterschriften.

Paris, 8. August. Zum Prozeß Dreyfus wird noch gemeldet: Die Blätter beider Parteien beschränken sich heute darauf, zu erklären, daß man den Ausspruch des Renner Kriegsgerichtes abwarten müsse. DerGaulois" höhnt über die, wie er sagt, unnützen Ordnungsmaßregeln in Rennes. Paul de Cassagnac definiert in derAutorits" den Prozeß als ein Gottesgericht zwischen Dreyfus und Mercier. Einer der beiden Gegner werde den Kampfplatz nicht lebend verlassen.Wenn Mercier nicht wirkliche Be­weise hat, dann hat er durch Einleitung des Prozesses eine furchtbare Verantwortung auf sich geladen. Man wirft der erregten Menge keinen französischen Ofsizier als Opfer hin, wie die Römer gefangene Gallier den Bestien zuwarfen." In derLibre Parole" bleibt Drumont unerschüttert auf seinem Standpunkt.Jeder Körper stirbt, der gegen die zerstörenden Kräfte nicht mehr Widerstand leisten kann. Wenn Frankreich der jüdischen Macht nicht zu widerstehen vermag, so wird es sterben." Drumont erzält, Delcasss sei nur abgereist, um mit Schwarzkoppen die Rettung von Dreyfus zu vereinbaren. Eigentümlich ist es, wie ver­schieden die Blätter über die Haltung des Angeklagten ur­teilen. Die Abendblätter melden absolut widersprechende Eindrücke, je nach der eigenen Parteischattierung. Der Temps" nennt Dreyfus gerade, fest, korrekt, seine Stimme männlich und sicher, seine Unschuldsbeteuerungen hätten einen ergreifenden Accent. Die halbrevisionistischenDebats" finden den Richter und Kommissar korrekt, die Schuldbelege erschienen offenbar schwach. Sie bemerken ferner, der Präsi­dent habe die Expertisen nicht erwähnt; Dreyfus erwecke wirklich keine Sympathie, sein Gesicht habe einen gefühllosen Ausdruck, seine Stimme klinge in erregten Momenten falsch, Dreyfus besitze nicht die Gabe, zu ergreifen. Natürlich dürfe man daraus keine Folgerungen ziehen, aber dieser Eindruck sei allgemein empfunden worden.Liberte" ent­deckt, Dreyfus schreie, wenn sich in seiner Antwort Ge­legenheit biete, seine Unschuld zu beteuern, er erwidere jedoch leise, sobald die Antwort Schwierigkeiten bereite. MillevoyesPatrie" konstatiert, Dreyfus armselige, ge­brochene, jämmerliche Haltung eines Schuldigen habe einen peinlichen Eindruck hervorgerufen. Dieses Lügenblatt ver­

zerrt übrigens seinen Bericht der Sitzung in schändlicher Weise. DerGaulois" schreibt, Dreyfus stiere steif auto­matisch, er habe die unruhigen Augen eines in der Falle erwischten Wolfes. Hingegen schreibt Cornely imFigaros, von dem Benehmen und den Worten Dreyfus' steige ein Unschuldshauch auf.

Paris, 8. August. Aus bester Quelle verlautet, daß die Enthüllungen, welche durch das Bekanntwerden des ge­heimen Dossiers in Aussicht stehen, einen allgemeinen Ausbruch des Abscheus und der Schande Hervorrufen würde. Denn anstatt, daß man glauben könnte, in dem Dossier be­fänden sich wichtige Staatsgeheimnisse, hat man nur den Inhalt schmutziger Briefe, welche von der Polizei dem ge­täuschten französischen Generalstabe übermittelt worden sind, zu erwarten. Die Tochter des Grafen Münster soll beson­ders in diesen Briefen erwähnt sein und zwar in einer Weise, die überall einen allgemeinen Abscheu Hervorrufen wird.

Paris, 8. August. In Paris hat die gestrige Ver­handlung den Eindruck gemacht, daß der Prozeß ehrlich und gründlich geführt wird. Eine große Erregung ist hier nicht wahrnehmbar, aber sie ist fraglos vorhanden und kann bei jedem Anlaß losbrechen.

Paris, 8. August. Dreyfus wurde heute früh kurz nach 6 Uhr in derselben Weise wie am gestrigen Tage vom Militärgefängnis nach dem Gymnasium gebracht. Um (P/a Ahr hatten sich die Mitglieder des Kriegsgerichts und die Ver­teidiger Dreyfus' eingefunden.

Rennes, 8. August. Zum gestrigen ersten Verhandlungs­tag wird noch gemeldet, daß Dreyfus nach Schluß der gestrigen Sitzung eine Stunde der Ruhe pflegte, dann ar­beitete er, und später empfing er den Besuch seiner Frau. Ein großer Teil der Zeugen hat sich in die nahen See­bäder Saint Malo und Dinard begeben.

Rennes, 8. August. Die Thatsache, daß der gestrige Beschluß des Kriegsgerichts über den Ausschluß der Oeffentlichkeit nicht einstimmig, sondern mit fünf gegen zwei Stimmen gefaßt wurde, wird lebhaft kommentiert. Man will daraus schließen, daß zwei Richter bereits für Dreyfus sind. Heute wurden in mehreren Hotels Kon- ventikel gehalten, an denen sich u. a. Mercier, Boisdeffre, Cavaignac und Gonse beteiligten. Die Revisionisten be­rieten mit Trarieux. Es scheint, daß man versuchen will, durch Ueberraschungen zu wirken.

Rennes, 8. August. (Prozeß Dreyfus). Die Prüfnng des geheimen Dossiers hat heute früh 6X/z Uhr unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ihren Anfang genommen. An­wesend im Sitzungssaale waren die Richter, Dreyfus, die Verteidiger und der Regierungskommissar. Als Dreyfus um 6V4 Uhr zum Kriegsgericht geführt wurde, war wiederum eine zahlreiche Menschenmenge vor dem Lyceum versammelt, welche jedoch den Angeklagten kaum zu sehen bekam, weil Militär Spalier bildete. Mittags wurde eine Pause ge­macht. Dreyfus verließ hochaufgerichtet das Lyceum; Truppen hatten wiederum Aufstellung genommen, um das Publikum fernzuhalten. Auch die Offiziere des Kriegsgerichts verließen mittags 12 Uhr das Gebäude. Es verlautet, bisher habe die Durchsicht des geheimen Dossiers nichts Nennens­wertes ergeben.

London, 8. August. Die über die Transvaal- Angelegenheit hier vorherrschende Meinung ist, daß die Antwort der Buren-Regierung auf den Vorschlag Chamber­lains negativ lautete, da das betreffende Telegramm an die Transvaal-Regierung in solcher Sprache abgefaßt ist, daß die Annahme desselben seitens der Buren-Regierung un­möglich wird.

Bukarest,8. August. Die Bauern-Revolten nehmen infolge des großen Notstandes bedenkliche Dimensionen an. Bei einem Zusammenstoß von Bauern und Militär in der Nähe von Belgrad wurden 20 Bauern getötet, 16 schwer verwundet.

Bukarest, 8. August. Der Dolmetscher und Attache der serbischen Gesandtschaft, Swilcozsiz, wurde unter dem Verdacht, mit dem Attentäter in Verbindung gestanden zu haben, seines Postens enthoben. Der Attache leugnet kate­gorisch jede Schuld.

Belgrad, 8. August. Das Protokoll der Grenz-Kom­mission zwecks Verhütung weiterer Grenz-Kon­flikte ist seitens der serbischen und türkischen Regierung genehmigt worden.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 9. August 1899.

Von der Universität. Vor kurzem hat die Großh. Regierung in nächster Nähe der Universität, jenseits der Stephanstraße, ein größeres Grundstück als Bauplatz für eine neue, den modernen Anforderungen entsprechende Universitätsbibliothek erworben.

* * An der Universität Gießen sollen die nächsten Fort­bildungskurse für Aerzte erst nächstes Frühjahr im Anschluß an das Wintersemester stattfinden.

* * Botanischer Garten. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Direktion des botanischen Gartens einer Anregung der städtischen Vertretung entsprechend in dankenswerter Weise den Garten nunmehr an Sonn- und Feiertagen von vormittags 912 Uhr (statt bisher nur 11 Uhr) dem allgemeinen Besuch geöffnet hat.

* Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Blitzenrod; die mit einem evange­lischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Nösberts-Weidmoos, mit der Stelle ist Lektorendienst verbunden; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gunzen au, mit der Stelle ist Lektorendienst verbunden; die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wald-Erlenbach; die mit

einem katholischen Lehrer zu besetzende 2. Lehrerstelle am der Gemeindeschule zu Ilbenstadt; zwei mit katholischen Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Mühlheim. Sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

* Kirchliche Dienstnachrichten. Ernannt wurden: Pfarrvikar Ludwig Stotz zu Ossenheim zum Pfarrverwalter in Grebenau; Pfarrassistent Körbel zu Offenbach zum Pfarrverwalter in Rumpenheim; Pfarramtskandidat Will- mann zu Steinfurt zum Pfarrverwalter in Trais Horloff;. Pfarrassistent Müller zu Darmstadt zum Pfarrverwalter in Lang-Göns; Pfarramtskandidat Mahr zu Eberstadt zum Pfarrverwalter in Groß-Umstadt; Pfarrverwalter Heinz zu Offenbach a. M. zum Pfarrverwalter in Klein- Umstadt ; Pfarrassistent Offenbächer zu Bessungen zum Pfarrassistenten in Darmstadt; Pfarramtskandidqt Simon zu Münster zum Pfarrvikar in Nieder-Ramstadt.

* Obsternte. Nach Mitteilungen der Zentralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. sind die Aussichten der diesjährigen Obsternte in Deutschland die denkbar ungünstigsten. Gut bis mittel ist nur in einigen Gegenden bei Aepfeln zu verzeichnen, und zwar in Hessen- Nassau, Großherzogtum Hessen, Rheinprovinz, Hannover und Ostpreußen. Alle übrigen deutschen Staaten und preußischen Provinzen verzeichnen in den Obstsorten Aepfel, Birnen, Zwetschen, Nüsse: mittel, gering und sehr gering. Württemberg bedarf einer Summe von 12 Millionen Mark, um seinen Bedarf an Kellerobst zu decken. In Holland ist die Obsternte gut ausgefallen, man offeriert dort schon Kelterobst zu 11 Mk. 50 Pf. für den Doppel­zentner. Bei länger anhaltender Hitze fürchtet man, daß sich die Ernte in Hessen-Nassau und im Großherzogtum Hessen noch sehr verringert.

* * Aerztlicher Landesverein. Wie von auswärts ge­meldet wird, fand vor kurzem in der Rosenau 311 Frank­furt a. M. die konstituierende Versammlung des ärztlichen Landesvereins für das Großherzogtum Hessen statt. Nach eingehender Beratung wurden die Satzungen und die Ge­schäftsordnung des Vereins festgestellt. Der ärztliche Landesverein des Großherzogtums besteht danach aus den Mitgliedern der ärztlichen Kreisvereine, sofern sie Aerzte sind und im Großherzogtum ihren Wohnsitz haben. Einem Kreisverein nicht angehörige, aber im Großherzogtum wohn­hafte Aerzte können ebenfalls die Mitgliedschaft erwerben. Zweck des Vereins ist die Bearbeitung und Pflege aller dem Aerztestande des Landes gemeinsamen Gegenstände und Bestrebungen, vor allem der sog. Standesangelegenheiten, ohne daß die Förderung des kollegialen Lebens und der wissenschaftlichen Fortbildung ausgeschlossen ist. Zu den ständigen Arbeiten des Vereins gehört die Vorbereitung der Verhandlungen des ärztlichen Zentralausschusses für das Großherzogtum Hessen und des deutschen Aerztetages. Der Landesverein hält jährlich zwei ordentliche Hauptversamm­lungen ab, und zwar im Frühjahr und Herbst. Der Vor­stand des Vereins besteht aus 6 Mitgliedern, je 2 aus einer Provinz, und wird jedes Früh)ahr auf die Dauer von zwei Jahren gewählt. In den Vorstand wurden durch geheime schriftliche Wahl folgende Herren gewählt: Medi­zinalrat Dr. Draudt in Darmstadt, Dr. Scharfenberg in Michelstadt, Medizinalrat Dr. Weckerling in Friedberg, Dr. F. Kullmann in Altenstadt, Medizinalrat Dr. Krug in Mainz und Medizinalrat Dr. Salzer in Worms. Der Vorstand des Vereins ist auch bereit, die Geschäftsführung der neu gegründeten ärztlichen Landeshilfskasse zu über­nehmen.

Launsbach, 8. August. Das am Sonntag abgehaltene Radfahrerfest verbunden mit Straßenrennen, des Wanderklubs" Launsbach-Wißmar, nahm unter großer Be­teiligung besten Verlauf. Erfreulich ist, daß ein noch so junger Verein es verstanden hat, ein derart gediegenes Fest abzuhalten. Gefahren wurde eine Strecke über 30 Kilometer und eine Strecke über 15 Kilometer. Das Resultat beider Rennen war folgendes: Beim 30 Kilometer- Fahren errang Philipp Winter aus Wißmar den Wander­preis in 50 Minuten; 1. Preis Willy Hamel-Gießen in 50 Mm. 1/i Sek.; 2. Preis Heinrich Debus in 54 Min.; 3. Preis Louis Hebstreit-Gießen in 54 Min. x/2 Sekunde. Beim 15 Kilometer-Fahren: 1. Preis Heinrich DebuS-Launs- bach, 31 Min.; 2. Preis Willy Hamel-Gießen, 31 Min. 1/2 Sek.; 3. Preis Philipp Winter-Wißmar, 32 Minuten;. 4. Preis Louis Hebstreit-Gießen, 32 Min. x/8 Sekunde. Abends 7 Uhr fand Preisverteilung statt, im Anschluß daran Tanzbelustigung, welche die Besucher bis Mitternacht zusammenhielt. Möge es dem jungen Verein vergönnt sein, noch recht viele derartige Feste zu feiern.All Heil".

Friedberg, 7. August. Während des gestern mittag hier niedergegangenen schweren Gewitters schlug der Blitz in eines der neuen Häuser der Ludwigstraße, glücklicherweise ohne zu zünden. Im Offenheimer Feld schlug der Blitz in einen Fruchthaufen, der niederbrannte und hinter dem steinernen Kreuz in einen Fruchtacker, wo die Frucht auf dem Halm teilweise abbrannte.

E. Echzell, 8. August. Die Hitze erreichte gestern nachmittag eine Höhe von 30 Grad Celsius im Freien, sodaß die Arbeiten in der Sonne sehr anstrengend waren. Gegen 4 Uhr brach ein heftiges Gewitter los, das an mehreren Stellen zündete. Im Reichelsheimer Felde schlug der Blitz in zwei Getreidehaufen, die niederbrannten, und auf der Höhe gegen Blofeld wurde ein anderer Haufen durch einen Blitzschlag entzündet. Glücklicherweise waren es nur Haufen von 10 Garben, also keine großen Schober. Wir machen in unserer Gegend die Erfahrung, daß der Blitz jetzt viel häufiger zündet, als in früheren Jahren. Heute haben wir starken Regen, die Temperatur ist be­deutend abgekühlt. Der gestrige Schweinemarkt verlief ziemlich lustlos, die Ferkel wichen deshalb im Preise, obgleich die Aussichten für eine gute Kartoffelernte rechte