Ausgabe 
9.12.1899 Zweites Blatt
 
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sehen mit dem Begriffe der altenBolkSbibliothek" (Bibliothek für gewisse Kreise, und natürlich nur für dieunteren" Kreise der Bevölkerung, berechnet und eingerichtet, Partei­bibliothek, Tendenzbibliothek).

1) Eltern selbst haben sowohl schon vor meiner Zeit, als auch zu meiner Zeit ihre Kinder in der Lesehalle eingeführt.

2) Ich habe wiederholt, öffentlich und im einzelnen Falle, gebeten, allzu kleine Kinder möchten der Lesehalle fernbleiben.

3) Ich habe wiederholt, öffentlich und im einzelnen Falle, gebeten, Eltern möchten mir nachträglich noch durch ihre Unterschrift ihr Einverständnis damit geben, daß ihre Kinder die Lesehalle benutzen. Das ist auch in mehreren Fällen geschehen, und ich hätte auch für die Dauer die unablässige Wiederholung dieser Bitte für ganz wichtig ge halten. Zu befehlen aber find Leute meiner Art nicht berechtigt.

4) Als ich mein Amt hier antrat, waren auch dem Namen nach die schulpflichtigen Kinder und die Besucher der Mittelschulen als solche von der Benutzung der Lese- Hallenbibliothek ausgeschloffen, in Wirklichkeit waren einige zugclaffen und waren ständige Besucher der Lese­halle. Wo aber einige zugelassen sind, fön * n sich alle berechtigt fühlen, namentlich in einem Institute, das sich äußerlich alsfrei für jedermann" präsentiert. Ich durfte denn auch sehr bald die Entd ckung machen, daß einige Schüler die Lesehalle benutzen konnten, indem sie sich einfach einen anderenStand" beigelegt hatten. Ich sah hierin allerdings einen ganz bedeutenden Widerspruch zu dem sittlichen Charakter einer Lesehalle. Darum: weit entfernt, über diese Logik grimmig zu thun, und völlig über­zeugt, daß das Unrecht in dem Widerspruch des Gesetzes der Ausschließung zur Lesehallenidee liege, habe ich damals meine pädagogischen Bedenken dadurch beseitigt, daß ich Zwang und Beschränkung zunächst für die konfirmierten Schüler aufhob. Solche Gruppenausschließungen sind immer verderblich, wenn sie nicht mit polizeiartiger Strenge durch­geführt werden, das aber geziemt sich wieder für eine Lesehalle nicht. Nach wenigen Monaten hatte ich denn auch die Aufrichtigkeit und das Vertrauen der Jugend für die Lesehalle wiedergewonnen, und ich sehe eben hierin eine der schönsten Früchte, vielleicht die allerschönste meiner kleinen Gießener Arbeit.

_____________________(Fortsetzung folgt.)_____________________

Kokales und Provinzielles.

Gießen, 8. Dezember 1899.

** Ansichtspostkarten. Von den vielen Ansichtspostkarten unserer Stadt ist bereits ein gutes Teil wieder vom Markte verschwunden, nur die besseren Karten, die sowohl hin­sichtlich der Zeichnung, wie auch in der Technik der Aus­führung künstlerischen Ansprüchen genügen, behaupten das Feld. Unter diesen Künstlerkarten ziehen 5 neue soeben von dem Institut für Illustration, Beruh. Wende, Berlin (Allein-Vertrieb Ernst Balser, Mäusburg) heraus­gegebene kleine Kunstblätter vonAlt Gießen" durch ihre stilvolle, gewissermaßen kulturhistorische Ausstattung die Aufmerksamkeit auf sich. Sie datieren aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die Zeichnungen, welche der Dürerschen Holzschnittmanier nachgeahmt sind, bilden die Umrahmung zu einem Miniaturstich des alten Gießen. Die Karten sind auf Büttenpapier gedruckt.

** Herr Zitherlehrer Arnold wird sich einer Notiz der Straßb. Neuest. Nachr." zufolge am 1. Januar n. I. in Straßburg i. E. niederlassen. Herr Arnold führte sich dort, demselben Blatte zufolge, gelegentlich eines am 3. d. Mts. vomStraßburger Zitherklub", dessen Dirigent er wird, veranstalteten Konzert ein, und trug durch seine Mitwirkung als Dirigent sowohl wie als Solo-Virtuose zum allgemeinen befriedigenden Gelingen desselben bei. Wir wünschen Herrn Arnold in seinem neuen Wirkungskreise besten Erfolg.

** Für die au der Seite der Buren kämpfenden Deutschen. Der ehemalige Vorstand des aufgelöstenGemischten

des Prinzen Louis Napoleon durch den Tambourmajor Kern im Jahre 1836 hat in einem Städtchen des Unter» elsaß die Erinnerung an den längst verstorbenen Wirt Lapp wachgerufen, der sich einer intimen Bekanntschaft mit dem Kaiser Napoleon rühmte. Wenn er guter Laune war, er­zählte der alte Bramarbas seinen staunenden Gästen mit dem nötigen Mienen- und Gebärdenspiel, daß er in Paris bei Napoleon frei aus- und eingegangen sei. Die Wacht­posten hatten den Befehl, Freund Lapp jederzeit durch­zulassen.Ja," sagte dann Lapp weiter,wann ich an­geklopft hab', hat der Napoljon glich entrez gerüefe, un no bin ich nin gange un hab' g'sLt: Bonjour Louis. No het er gjät: Tiens, lami Lapp! Wo kümsch Here? D vins-tu donc? Un no het er mich durch alli sini Zimmer g'führt, wo alles von Gold un Marmel glänzt het, bits ins Schlofzimmer vun der Kaisere, die isch noch im Bett geläje. No het er ere uf d'Achscl klopft und het g'sLt: Ugenie, levn-toi, lami Lapp est li! Jetz machsch uns g'schwind e paar Coreletten üwer, un gebrätelt! Grumbsre derzü und holsch uns e Butäll Stöpferle üs 'm Keller eruff. . ." 8nd so ging es weiter, und man versichert, daß der gute «app die Geschichte so oft erzählte, daß er sie schließlich selbst glaubte."

Das Päckchen Chocolade.

Die Königin von Engelland, Sie spricht voll Huld und Gnade; ^Jedwedem Krieger werd' htngesandt Gin Päckchen Chocolade i

Darüber werden sie freu'n sich sehr Und Landesmutter mich heißen, Und sicher fällt es dann Keinem schwer, Für mich in's Gras zu beißen/

(Kladderadatsch.)

ChorS" in Butzbach beabsichtigt, sofern die früheren Mitglieder nichts dagegen einwenden, den Rest des Vereins­vermögens den Buren zu überweisen und zu bestimmen, daß die Gabe den am Kampfe beteiligten Deutschen eingehändigt wird. Bravo!

* Gestorben iu der Ferne. Der Zimmermann Albert Eisenhut in Wieseck erhielt vorgestern die Trauerbotschaft, daß fein am 4. November 1897 bei der 3. Kompagnie des 2. Seebataillons eingetretener und im Dezember desselben Jahres bei Formierung des Piarine-Jnfanterie-BataillonS (3. Seebataillons) zu diesem übergetretene, am 15. De­zember 1877 geborene Sohn Karl am 22. Oktober im Gouvernementslazarett zu Tsintau (Kiautschou) an Darm­typhus gestorben ist. Der Kommandeur des 3. Seebataillons, gez. Frhr. Treusch v. Buttlar-Brandenfels, widmet dem Verstorbenen, der bereits am folgenden Tage auf dem Gouvernementskirchhofe zur ewigen Ruhe gebettet wurde, imWilhelmshavener Tageblatt" einen ehrenden Nachruf. Das gute Verhältnis, in welchem Offiziere und Mann­schaften des gen. Bataillons zu einander stehen, geht aus einem Brief hervor, den Herr Hauptmann Christiani an den Vater des Verstorbenen gerichtet. Der Hauptmann versichert, daß mit dem Vater um den Verstorbenen seine Kameraden, in erster Linie aber er, sein ehemaliger Kom­pagniechef, trauere. Der Sohn sei ein vorzüglicher Soldat gewesen, den alle lieb hatten wegen seinen Fähigkeiten, die er im Interesse der Kompagnie verwendete; er werde von der Kompagnie nicht vergeffen werden.

*' Die Einberufung der Mannschaften im Mobilmachungs- falle. Vom 1. April k. I. an gelangt ein neues Verfahren betreffend Einberufung der Ergänzungsmannschaften für den Mobilmachungsfall zur Einführung, welches von dem seitherigen Verfahren insofern grundsätzlich abweicht, als nunmehr die Gestellungsbefehle, welche sonst im Mobil­machungsfalle an die Einzuberusenden seitens der Bezirks­kommandos ausgehändigt wurden, wegfallen sollen und an deren Stelle sogenannteKriegsbeorderungen" bezw.Paß­notizen" treten, welche bereits im Frieden an die Mann­schaften des Beurlaubtenstandes auszugeben sind.

** Das Wetter im neuen Jahr. Rudolf Falb läßt sich nicht abschrecken. Mag man noch so sehr seine Prophe zeiungen kritisieren und bemängeln, er kehrt doch stets vor Beginn eines jeden Semesters wieder und bietet in Gestalt eines handlichen kleinen Büchleins seine Seherweisheit an. Es ist keineswegs Erschreckendes, was Falb für die erste Hälfte des neuen Jahres prophezeit. Ein milder Winter und ein kühles Frühjahr, so lautet die Quintessenz, aber drohend ragt der 1. März aus den Tabellen hervor, der nicht nur einkritischer Tag erster Ordnung" ist, son­dern der Stärkemeffung nach der allerallerkritischste vom ganzen Jahr. Nachdem wir jedoch kürzlich denWelt­untergang" glücklich überstanden haben, kann uns auch dieser Schreckenstag nicht mehr zum Zittern bringen, zumal da sich im übrigen das neue Jahrhundert mit dem Wettergott auf ganz guten Fuß stellen zu wollen scheint.

** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Kaufmann Heinrich, gen. Hariot Nillius aus Mainz, wegen betrügerischen Bankrotts und Betrugs vom Großh. Untersuchungsrichter I zu Mainz; Dienstmagd Katharina Bockel aus Eichelhain wegen Diebstahls und Hausdiener Heinrich Schwarz aus Frankfurt a. M. wegen Betrugs, beide von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Taglöhner Wilhelm Braunwart aus Würzburg, Russenmacher Adam Faul st ich aus Fulda, Hausierer Julius Klein aus Engel­stein und Adolf Sator aus Hanau, sämtlich wegen Straf­vollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Hand­langer Julius Gustav Drexler aus Essen und Stein­hauer Joseph Kneup aus Marburg in Oesterreich, beide wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft zu Mamz; Christian Füller aus Glashütten wegen Übertretung der Gew'rbeordnung vom Großh. Amtsanwalt zu Büdingen; Maurer Philipp Fröhlich aus Niederwiesen und Maurer Wilhelm Eisenlöffel von da, beide wegen Strafvollstreck­ung vom Großh. Amtsgericht Alzey; Zimmermann Christian Frommhold aus Eisenach wegen Betrugs, Fabrikarbeiter Wilhelm Grauer aus Worms wegen Diebstahls, Modell­schreiner Jakob Häusler aus Luzern und Hausbursche Georg Schlegel aus Worms, sämtlich vom Großh. Amts­anwalt zu Worms; Mechaniker Johann Paul Haaga aus Spaichingen, der auch den Namen Wilhelm Kersting führt, wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt I zu Darmstadt; Ludwig Klein aus Marburg wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt in Gießen; Reisender Theodor Kresse! aus Bessungen wegen Betrugs, Schreinergeselle Karl Simon aus Lippoldsberg wegen Betrugs und Schachtmeister Domeniko Zotti aus Asiago (Italien) wegen Unter­schlagung, sämtlich von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Lorenz Bieber aus Grümmersbach, Josef Gogga aus Alt-Blumenau und Taglöhner Konrad Sittner aus Mittel- Seemen, sämtlich wegen Strafvollstreckung von Großh. Amts­gericht Offenbach; Klemens Thelen aus Köln wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Darmstadt II; Bahnarbeiter Luigi Trussarti aus Clusone wegen Straf­vollstreckung von Großh. Amtsgericht Wald Michelbach; Bäcker Johann Balter aus Vollem, Taglöhner Hugo Warzecher aus Frankfurt a. d. Oder, Tüncher Heinrich Rauschert aus Mainz, Küchenchef Peter Pfad les aus Bonn, Bäckergeselle Max Adler aus Urspringen, Tag­löhner Peter Welsch aus Mainz, Photograph Julius Reuter aus Mainz; die Prostituierte Dorothea Mahr aus Traisa, Metzger Leopold Breuer aus Aachen und Handelsmann Franz Stumpf aus Marxdorf, letztere sämtlich wegen Strafvollstreckung von Großh. Amtsgericht Mainz.

x Dom Laude, 7. Dezember. Endlich scheint der Winter allmählich seinen Einzug halten zu wolle«. Die vergangene Nacht hatten wir den ersten Schneefall;

doch die leichte Schneedecke verschwand im Laufe des Vor­mittags bald wieder. Der scharfe Nordostwind scheint da­ersehnte leichte Frostwetter bringen zu wollen, das sowohl im Interesse der Geschästsleute als auch in gesundheitlicher Hinsicht mit Freuden zu begrüßen ist.

O Mücke, 7. Dezember. Unserem Bericht über die erfolgte Verhaftung zweier Einbrecher ist noch nachzutragen, daß in dem Koffer, welchen einer der Gauner bei sich führte, mehrere Dutzend ganz neuer Meffer und Gabeln, sowie einige Packete Taschenmesser vorgefunden wurden. Offenbar sind die Gegenstände auch nicht auf ehrliche Weise erworben worden und sollten nun im Vogels­berg verkauft werden. Das Schönste bei der ganzen Ge­schichte ist, daß die Frau des Gastwirts K. zu Babenhausen, in deffen Wohnung der Einbruch verübt wurde, in dem einen der Einbrecher ihren eigenen Bruder erkannte, als ihr am Amtsgericht Grünberg die sauberen Burschen gegenüber» gestellt wurden. Derselbe ist schon längere Zeit von zu Hause weg, soll auch bereits wegen ähnlicher Gaunereien eine mehrjährige Gefängnisstrafe verbüßt haben.

Butzbach, 7. Dezember. Ein junger Mensch, der in der Nähe des Windhofes mehrere junge Obstbäume, Pohl- gönser Einwohnern gehörend, zerstörte, wurde von einem hiesigen Gendarmen auf der That ertappt, festgenommen und in das hiesige Haftlokal verbracht, wo er nunmehr seiner exemplarischen Bestrafung entgegensehen kann.

A Gedern, 7. Dezember. Durch die zwei kürzlich hier stattgefundenen Brände hat sich der Verdacht erregt, als ob ein gewisses Jndividium sich hier herumtreibe, welches diese Brandstiftungen veranlaßt hat, und sind unsere Be­wohner deshalb etwas unruhig. Es sollen dem Vernehmen nach nachts über sogenannte Sicherheitswächter patroullieren feit den letzten Tagen. Auch soll schon einmal eine unbe­kannte Persönlichkeit gesehen worden fein.

+ Vom höheren Vogelsberg, 7. Dezember. Heute morgen zeigten unsere Höhen den ersten eigentlichen Schnee; obwohl derselbe für unsere klimatischen Verhältnisse ja sehr spät gekommen, so ist es unfern Landwirten immer noch zu früh zur Einstellung der Feldarbeit. Auch behaupten die Landwirte, daß für sie eigentlich Schnee gar nicht nötig fei. Wenn der gefallene Schnee auch wohl noch fo kein rechtes Bett hat, so scheint es doch, daß derselbe liegen bleibt.

Wetzlar, 6. Dezember. (Schwindler.) Seit etwa drei Wochen hält sich in Wetzlar ein Herr auf und zwar in der Absicht, wie er durch Inserate bekannt macht, größere Grundstücke zur Errichtung einer bedeutenden Verlagsdruckerei zu erwerben. Verschiedenen Besitzern, die sich deshalb mit ihm in Verbindung setzten, erklärte er, er sei Direktor einer Aktiengesellschaft und von letzterer beauf­tragt, Schritte zur Errichtung eines derartigen Etablissements zu veranlassen. Auch hat er sich sonst noch verschiedenen Gewerbetreibenden vorgestellt, so u. a. einem Schneider­meister zwei Anzüge in Auftrag gegeben usw. Die Sicher­heit seines Auftretens zerstreute anfänglich auch jeden Zweifel. Nun ist er in den letzten Tagen mit dem Inhaber eines Friseur-Geschäfts in Verhandlung getreten, um ein diesem gehöriges Rad anzukaufen. Er gab aber vor, noch nicht im Besitze seines Monatsgehalts zu sein und lieh sich daher einstweilen das Rad, um heute morgen eine Geschäftsreise angeblich nach Butzbach anzutreten. Bald merkte man aber, daß derDirektor" gerade die entgegengesetzte Richtung und zwar nach Aßlar einschlug. Der Friseur fuhr ihm deshalb sofort nach und holte ihn auch kurz vor Aßlar ein. Sein Erschrecken ließ deutlich die Absicht erkennen; in Aßlar an­gelangt, rief man sofort den Wirt, bei dem der Flüchtling gewohnt, telegraphisch herbei, und dieser ließ sich zur teil­weisen Deckung seiner Forderung in Höhe von 40 Mark die Uhr seines Mieters aushändigen. Auch der Friseur nahm natürlich fein Rad wieder mit sich, und derGesell­schafts-Direktor" ist seitdem verschwunden. Da es nahe­liegend ist, daß derselbe auch anderwärts ähnliche Manipu­lationen unternimmt, so ist wohl Vorsicht geboten.

Limburg, 7. Dezember. Endlich scheint der lang­jährige Wunsch der ganzen Bevölkerung unserer Stadt ix der nächsten Zeit seiner Erfüllung entgegen zu gehen, wir meinen nämlich die Vervollständigung des Pro- gymnasiums zu einem Vollgymnasium. Am nächsten Donnerstag soll nämlich in der Stadtverordneten­sitzung die Errichtung eines Gymnasiums Gegenstand der Tagesordnung sein. Wie man in Erfahrung gebracht, hat das Kuratorium einen ausführlich begründeten Antrag seinerseits dem Magistrat vorgelegt, worauf dieser denselben nach eingehender Prüfung dem Stadtverordnetenkollegium unterbreitet hat. Was nun der Plan der Erweiterung der hiesigen höheren Lehranstalt angeht, so soll 1) das Progymnasium, wenn möglich schon von Ostern 1900 an, durch eine Obersekunda, Ostern 1901 durch eine Unter­prima, Ostern 1902 durch eine Oberprima bis Ostern 1908 zu einem Gymnasium auswachsen, 2) das bisherige Real­gymnasium in gleicher Weise wie bisher bestehen bleiben.

Gaffel, 7. Dezember. Ein Unglücksfall mit tät­lichem A usqange ereignete sich am gestrigen Abend ix der Eisenbahn Reparatur-Werkstatt zu Rothenditmold. Dort war man beschäftigt, einen zur Reparatur außgefonbertex Waggon durch den Thorweg in die Werkstatt einzuschiebex, in demselben Moment passierte der Vorschloffer Falz von hier den Thorweg, der Waggon faßte den Falz und drückte demselben Den Kopf ein. Falz, ein alter Arbeiter im Dienste der Eisenbahnverwaltung, erlitt hierdurch derartig schwere Verletzungen, die den Tod sofort zur Folge hatten.

Cassel, 6. Dezember. Ein in Krieg und Frieden ver­dienter höherer Militär, der Generalleutnant a. D. Frei­herr von Meerscheidt-Hüllessem, welcher am vor­gestrigen Tage hier in seiner Wohnung verstarb, würbe heute mittag halb 12 Uhr zur letzten Ruhe bestattet. Nachdem eine Trauerfeier im Sterbehaufe in der Albrecht-