Budapest, 7. Dezember. Falls die Delegationsverhandlungen in diesem Monat nicht zu Ende geführt werden sollten, so ist die Regierung entschlossen, eine vier monatliche Indemnität zu verlangen.
Rom, 7. Dezember. Der Papst hatte eine gute Nacht. Jede Gefahr ist ausgeschlossene Die Gerüchte von der Vertagung des Konsistoriums sind falsch.
London, 7. Dezember. Der Herzog und die Herzogin von Orleans treten demnächst eine Seereise nach Indien an. Angeblich soll diese Reise mit politischen Motiven in Zusammenhang stehen.
Belgrad, 7. Dezember. Zwilchen den Chefs der beiden liberalen Parteien hat eine Versöhnung stattgefundeu, welche die Vereinigung aller liberalen Fraktionen zu einer großen liberalen Partei zur Folge haben wird. Dieselbe wird berufen sein, auf die innerpolitischen Verhältnisse einen überwiegenden Einfluß aus- zuüben.______________________ _________________________
Aus dem Reichstage.
nh. Berlin, 7. Dezember 1899.
Je länger die Tagesordnung, desto kurzer die Sitzung. Das ist ein Satz, der auf die Parlamente sehr häufig zutrifft und den man mich auf die heutige Reichstagssitzung in Anwendung bringen kann. Am Montag beginnt die große Elats^Redeschlacht, und da räumte man heute noch, natürlich vor leeren Bänken, mit einigen Ueberbleibseln auf, >amit bei Eintritt der Weihnachtsferien möglichst alles glatt ist.
Auf einen Punkt hatten allerdings manche unkundigen Tribünen- Lesucher einige Hoffnung gesetzt: auf die 3. Lesung des Antrags betr. Aufhebung des Verbindungsverbots für politische Vereine, dieses Antrags, deffen erste Beratung gestern zu so dramatischen Szenen geführt hatte. Die guten Leute täuschten sich gründlich. Ohne eine Spur von Dis- rusfion wurde der Antrag mit der gestrigen Mehrheit endgiltig an- -enommen, ohne daß sich auch nur einer der Volksvertreter in seinen geräuschvollen Privatunterhaltungen stören ließ.
Unter denselben Umständen wurde sodann der Antrag v. Heyl (nl.) tetr. Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf die Heimarbeiter Lebattelos einstimmig in dritter Lesung gebilligt. Bekanntlich werden beide Anträge die Zustimmung der verbündeten Regierungen finden.
Es folgte die Beratung einer großen Zahl von Petitionen, die zum überwiegenden Teil für die Oeffentlichkeit nicht das geringste Jntereffe haben und meistens nach den Anträgen'der Petitionskommission erledigt würben. Nennenswerte Erörterungen riefen nur die erste und die letzte Petition hervor. Bei jener handelte es sich um eine Milderung des Strafgesetzparagraphen betr. die Gefährdung von Eisenbahnen. Dieser Paragraph, der grundsätzlich Gefängnis vorschreibt, hat infolge der Verbreitung der elektrischen und Dampf-Straßenbahnen zu Härten geführt. Darüber war fich das ganze Haus einig, und diese Einigkeit verdichtete stch zu einem Anträge Gröber (Ztr.) und Genoffen, der von allen bürgerlichen Parteien des Hauses unterschrieben war und der neben der Gefängnisstrafe bei mildernden Umständen Geldstrafe bis 900 Mk. zu- laffen wollte. Dieser Antrag wurde nach Ablehnung eines weitergehenden sozialdemokratischen Antrages in 1. und 2. Lesung einstimmig angenommen und hat die beste Aussicht, von der Regierung sanktioniert zu werden. Die zuletzt verhandelte Petition kam von Helgoland und bat um die Beibehaltung der durch das Bürgerliche Gesetzbuch vom 1. Jaguar ab beseitigten sog. Fremdentrauungen, wenigstens noch auf die Dauer von 10 Jahren. Für diese helgoländische Einnahmequelle legte fich besonders, wie neulich schon, Abg. Stadthagen (Soz) ins Zeug, »hne den Uebergang zur Tagesordnung verhindern zu können. Die Helgoländer müssen nun sehen, ob sie von der preußischen Regierung eine Entschädigung für ihren Verlust erlangen können.
Zu Anfang der heutigen Sitzung wurde der Antrag der freisin- »igen Volkspartei, das Mandat ihres eigenen Hospitanten Jacobsen (gewählt für Schleswig-Eckernförde) wegen Konkurses für erloschen zu er- Lären, debattelos der Geschäftsordnungskommission überwicscn. Prinzipiell ist dieser Fall nämlich noch niemals entschieden worden. Graf Posadowsky benutzte die Gelegenheit, um formell der Zeitungsnachricht entgegenzutreten, das Reichsamt des Innern hätte sich für Giltigkeit des Mandats in diesem flalle ausgesprochen. Bekanntlich befindet sich noch rin Mitglied des Reichstags in Konkurs, Abg. Agster (Soz., Pforzheim), eine merkwürdige Dublizilät der Ereignisse I
Lokales und UrovinMes.
Gießen, den 8. Dezember 1899.
** Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 82 Jahren, «m 9. Dezember 1717, wurde zu Stendal der nawha'te Lllertums- unb Kunstforscher Johann Joachim Winkelmann geboren. Wtederbolte R iscn nach Neapel, Herkuianum und Pompeji machten ihn zum Begründer der A-chäologte der klassischen Kunst. Auf einer Reise nach Deutschland begriffen, fiel er zu Triest als Opfer gemeiner Habsucht durch die Hand feines Dieners.
Die Heizung der Stuben hat zwar schon lange begonnen, da wir aber jetzt kältere Witterung bekommen, so möchten wir auch an dieser Stelle auf die richtige Zimmerwärme Hinweisen. Es ist durchaus nicht gleich- giltig, ob man einen Wohnraum mäßig erwärmt oder überheizt. Zu starke Zimmererwärmung ist der Gesundheit entschieden schädlich. Die gesündeste Zimmerwärme ist 13 bis 15 Grad Reaumur. Es giebt jedoch Leute, die in solcher Temperatur erfrieren wollen. Erhöht man die Zimmerwärme über 15 Grad, so steigert sich unser Wärmebedürfnis, und bald genügen uns 17—20 Grad nicht mehr. Namentlich wolle man nicht versäumen, öfters das geheizte Zimmer zu lüften und den Wohnräumen Sauerstoff und Feuchtigkeitsgehalt zuzuführen.
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Von der Universität. Im Winterhalbjahr 1899/1900 sind 802 Studierende immatrikuliert, gegen das Sommersemester 1899 weniger 114, gegen das Wintersemester 1898/99 dagegen mehr 84. Der Zugang betrug 176, der Abgang 190. Die theologische Fakultät zählt 67 Studierende, die juristische 184, die medizinische 251, die philosophische 300. Dazu kommen noch 71 nicht immatrikulierte Hörer, sodaß sich die Gesamtfrequenz auf 873 beläuft. Wir führen zur Veranschaulichung des Wachstums der hiesigen Hochschule die Frequenzziffern der letzten fünf Halbjahre an: Sommersemester 1897: 663, Wintersemeser 1897/98: 674, Sommersemester 1898: 733, Wintersemester 1898/99: 717, Sommersemester 1899: 816.
• * Kirchliche Dieustnachrichten. Seine König!. Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 24.Novbr. den evangelischen Pfarrer Ludwig Hofmann zu Hohen- Sülzen, Dekanat Worms, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Januar 1900 an, in den Ruhestand zu versetzen, und am 29. November dem Pfarrer Dr. Franz Vaconius zn Wald UelverSheim die evangelische Pfarrstelle zu Bauschheim, Dekanat Groß Gerau, z« übertragen.
* * Die Wasserleitung. Wir machen auch an dieser Stelle die Hausbesitzer, resp. deren Stellvertreter, auf die in heutiger Nummer dieses Blattes enthaltene Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks, betreffend Vorkehrungen gegen das Einfrieren der Hauswasserleitungen, aufmerksam; es empfiehlt fich, diese Bekanntmachung aufzubewahren.
* * Zur Beachtung. Wir wollen nicht unterlassen, bei dem nunmehr eingetretenen Frostwetter unsere Leser darauf aufmerksam zu machen, daß weder Wasser aus den Häusern auf die Straße fließen, noch solches geschüttet werden darf. Dies gilt iusdesondere auch für Besitzer von Brauereien in den Hofraiten. Die Schutz- Mannschaft hat strenge Weisung erhalten, auf diese Vorschrift zu achten und Uebertretungen zur Anzeige zu bringen.
• * Stadttheaier. Ueber Frau Prasch-Grevenberg, welche nächsten Dienstag als „Zaza" gastiert, schrieb die „Börsen-Zeitung": Das ganze Sittenbild „Zaza" ist eigentlich nur eine Rolle, die der Zaza. Was sie thut und denkt, ist die Hauptsache, ist das einzige, was uns interessiert. Zaza hat fast alle Empfindungen vor uns anschaulich zu machen: Eifersucht aus Brotneid, heiße Liebe, Schmerz um die eigene Verwahrlosung in der Jugend, Seelengröße und genialen Leichtsinn, Lebensverachtung und Entsagung. Und all' dies hat Frau Prasch-Grevenberg gestern als Vertreterin der Rolle der Zaza mit wahrhaft bewundernswerter Vollkommenheit vor Augen geführt. Sie fand Töne der Innigkeit, die erschütterten, und all die verschiedenartigen Ausbrüche der Leidenschaft waren von elementarer Kraft und fortreißend ehrlich und echt. Es war die vollendetste Leistung, die uns die Künstlerin bot, und wahrlich, keiner von all' den Hunderten, die im ausverkauften Hause ihrer Anerkennung so stürmischen Ausdruck gaben, wird diese, von Frau Prasch-Grevenberg dargestellte, wahrhaft genial angelegte Figur jemals wieder vergessen können. Der Eindruck war denn auch ein überwältigender ; die Hervorrufe und Beifallszeicheu bei offener Szene waren nicht zu zählen.
* * Der Reinertrag des Transvaal-Abends, der am Montag, dem 4. Dezember, im Sladtcheater stattfand, beläuft sich nach Abrechnung sämtlicher Unkosten (wie Miete incl. Heizung und Licht, Drucksachen, Porto, Plakate, Inserate, Sauerstoff für den Projektions-Apparat, Fracht, Botengelder, Diener, Reisekosten rc.) auf ca. 320 Mark. Genaue Angabe folgt noch.
* * Armenpflege. Am 4. lfd. Mts. fand in der Restauration Feidel die Jahresversammlung der Organe der öffentlichen Armenpflege statt, welche von den Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung und der Armendeputation, sowie von den Armenpflegern zahlreich besucht war. Als Vertreter des Kreisamts war Herr Regierungsrat Dr. Wagner anwesend. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Beigeordneter Wolff, begrüßte zunächst die Erschienenen und erstattete dann Bericht über die Einnahmen und Ausgaben der Armenpflege in unserer Stadt während der beiden letzten Rechnungsjahre. Später referierte Herr Pfarrer Schlosser über den im Jahre 1898 abgehaltenen Kongreß des deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit, und Herr Beigeordneter Wolff über die im laufenden Jahre auf dem Kongreß desselben Vereins behandelten Gegenstände. An die einzelnen Referate knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, welche zeigte, daß die Herren Armenpfleger ihren Aufgaben reges Interesse entgegenbringen.
* * Kriegerdenkmal. Nachdem die Fundamentierungsarbeiten und die Wasser-Ab- und Zuführung für das Kriegerdenkmal ihrer Vollendung entgegengehen, fanden in dieser Woche wiederholt Sitzungen des Denkmals-Ausschusses statt, um die Aufschriften für das Denkmal zu bestimmen, sowie über den Zeitpunkt der Einweihungs- bezw. Enthüllungsfeier, endgiltigen Beschluß herbeizuführen. Als Termin für die Enthüllung ist der Tag des Frankfurter Friedensschlusses, 10. Mai k. I., in Aussicht genommen. Voraussichtlich werden am gleichen Tage die von der Stadtverordneten-Versammlung in hochherzigster Weise gestifteten und für die Vorhalle des alten Rathauses vorgesehenen Votivtafeln fertiggestellt sein und ebenfalls geweiht werden. Auf diesen Tafeln sollen zum bleibenden Gedächtnis und als ehrende Anerkennung die Namen der Offiziere des hiesigen Regiments und derjenigen Söhne Gießens, welche den ruhmreichen Feldzug 1870/71 gegen Frankreich aktiv mitgemacht haben, verzeichnet werden. — Abgesehen von den allgemeinen Enthüllungsfeierlichkeiten, beabsichtigt die Vereinigung der hiesigen Krieger- und Vete- ranen-Vereine am gleichen Tage eine Regimentsfeier zu veranstalten und hierzu alle noch lebenden Veteranen des hiesigen Regiments einzuladen. Die Feststellung des eigentlichen Programms ist einer weiteren Beschlußfassung Vorbehalten.
* * Ausstellung von Malereien und Handarbeiten. Im Schaufenster von Frl. H. Fischer, Seltersweg, sind kunstgewerbliche Gegenstände dauernd zum Verkauf ausgestellt. Es ist somit den Damen in Z^nz Hessen Gelegenheit geboten, ihre verfertigten Malereien undHandarbeiten jeder Art zu verkaufen. Anfragen über Ausstellungsbedingungen rc. sind unter Beifügung des Rückportos an die Vorsteherin des Augusta Viktoria-Töchterinstitutes, Gießen, zu richten.
* * Neue Wieseckbrücken. Die beiden Brücken über die Wieseck in der Goethe- und in der Moltkestraße, welche voraussichtlich bald dem Verkehr übergeben werden dürften, sind seitens der Firma Dyckerhofs und Widmann in Biebrich a. Rh. durchaus in Stampfbeton ausgeführt worden. Nur die Stirnmauern wurden des besseren Aussehens wegen mit Quadern verkleidet. Während bei der ersteren Brücke die Betonfundamente direkt auf der Sohle der Baugräben errichtet werden konnten, war in der Moltke
straße die Gründung auf Pfahlrost erforderlich und wurde der weiche Untergrund durch Einrammen von mehr als 70 starken Pfählen von der Dicke leichter Baumstämme gedichtet. Die am weitesten vorgeschrittene Brücke in der Goethestraße von 12,70 m Spannweite wurde vor einigen Tagen einer Probebclastung in der Weise unterzogen, daß auf die eine Brückenhälfte, vom Widerlager zum Scheitel gerechnet, 2 schwer beladene Wagen, sowie die städtische Straßenwalze aufgebracht und in den Zwischenräumen, sowie auf den Bankelen, Personen aufgestellt wurden, während die andere Brückenhälfte unbelastet blieb. Es wurde ft eine für das Brückengewölbe sehr ungünstige Lastverteilunz bewirkt und betrug das Gesamtgewicht auf der einen Brückenhälfte 21700 bis 22000 kg. (Die hier gebrauchten Dampfstraßenwalzen haben 15000 bis 20000 kg Dienstgewicht.) Um auch den durch den Verkehr hervorgerufenen Erschütterungen Rechnung zu tragen, wurden die 5000 kg schwere Straßenwalze und die schwer beladene» Wagen nach einander über die Brücke gefahren, während die anderen Lasten an ihrer Stelle verblieben. Es galt nun, die Formveränderung des Brückenbogens zu messen, denn wenn das Betongewölbe auch ein starrer Körper ift, so wohnt ihm doch noch eine geringe Elastizität inne, infolge deren unter der Einwirkung der Lasten und Stöße des Verkehrs sehr kleine Formveränderungen, meist nur vorübergehend, zu entstehen pflegen. Um sie zu messe», war im vorliegenden Fall unterhalb der Brücke ein Zeiger- werk mit zehnfacher Übersetzung derart angebracht, daß jede, auch die geringste Senkung des Gewölbescheitels ent einer Skala in lOsach größerem Maßstabe abgelesen werden konnte. Es blieb jedoch der Zeiger während der ganze» Belastungsprobe unbeweglich, wie auch die unterhalb des Gewölbes stehenden Personen nicht die geringste Erschütterung verspürten, ein Beweis für die Güte der Arbeit.
* * Evangelischer Arbeiterverein. Unsere Mitglieder seien — unter Hinweis auf die Annonce — nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß der am Sonntag, dem 10. d. M., abends 81/, Uhr stattfindende Vortrag über die Buren nicht im Vereinslokal, sondern ausnahmsweise im Lenz- schen Felsenkeller gehalten wird. Die zu erwartende zahlreiche Beteiligung hat den Vorstand zu dieser Aenderung veranlaßt.
* * Polizeibericht. Beim Abbruch des sogenannten Mordkellers löste sich plötzlich eine größere Masse Erde los und drückte einen 16 jährigen Arbeiter. Derselbe wurde derartig verletzt, daß er nach Hause gefahren werden mußte. — In der Plockstraße fuhr ein Knecht mit seinem Fuhrwerk einen daselbst stehenden ausgesvannten Wagen an, sa daß die Deichsel in eine der Bach'schen Erkerscheibe» stieß, dieselbe zertrümmerte und noch eine Menge ausgestellte Sachen beschädigte.
Darmstadt, 7. Dezember. Wegen eines ihnen zur Last gelegten schweren Sittlichkeitsverbrechens wurde» vier Bursche von Gernsheim namens Vogel, Nagel, Brau» und Muster in Untersuchungshaft genommen. Die drei ersteren waren flüchtig gegangen und wurden gestern in Göttingen ergriffen, während der weniger belastete Muster, der in Gernsheim geblieben war, dort verhaftet wurde. Die an einem 16jährigen Mädchen verübte Thal soll unter ganz empörenden Umständen am 27. v. M. gemeinschaftlich begangen worden fein. Nur Braun ist über 18 Jahre alt, die übrigen stehen erst im 17. Lebensjahr, insbesondere auch Vogel, dem die hervorragendste Rolle an dem Verbreche» zugeschrieben wird.
nn. Darmstadt, 7. Dezember. Nachdem am heutigen Vormittag eine Sitzung des Landesausschusses der Gewerbevereine für das Großherzogtum Hessen im Gebäude der Centralftelle für die Gewerbe stattgefunden hatte, in welcher der Entwurf zur Umgestaltung des VergebungS- wesens zur Beratung stand, sind heute nachmittag um V23 Uhr Vertreter der Gewerbvereine und Innungen des Großherzogtums zur Sitzung zusammengetreten, um über die Ausführungsbestimmungen, insbesondere über die von Großherzoglicher Regierung zusammengestellten Materialien zur Durchführung der Wahlen zur Handwerkerkammer zu beraten. An diesen Beratungen nahmen als Regierungs- Vertreter Ministerialrat Braun und Regierungsrat Usinger, sowie 9 Vertreter der Innungen und 9 Vertreter der ®e= werbvereine des Landes, teil. Ob mit dieser Sitzung eine endgültige Beschlußfassung über alle Fragen zur Durchführung des Handwerkskammer-Gesetzes verbunden sein wird, erscheint fraglich, nachdem in letzter Stunde von Seiten des Handwerkerverbandes und Innungen der Wunsch nach drei Handwerkskammern immer stärker zum Ausdruck gebracht wurde, während die Großherzogliche Regierung an der Bildung nur einer Kammer für das ganze Land festhält. Ueber das Resultat dieser wichtigen Beratungen werden wir demnächst Bericht erstatten.
A Mainflingen, 7. Dezember. Die Höhen des nahe» „Freigerichts", die westlichen Ausläufer des Spessarts, tragen seit heute morgen kräftige Schneehauben, in welche sie sich während der verflossenen Nacht trotz des niedergehenden Regens hüllten.
A Bieber bei Offenbach, 7. Dezember. Die Exzesse gegen Bahnbeamte scheinen neuerdings vielerorts auf der Tagesordnung zu stehen. Zwei Männer von hier beleidigten unlängst einen Bahnbeamten, leisteten ihm Widerstand und gaben schließlich falsche Namen an. Der eine wurde jetzt wegen Widerstands zu 3 Wochen Gefängnis und wegen falscher Namensangabe zu 15 Mk. Strafe, der andere wegen Beleidigung zu 30 Mk. Strafe verurteilt.
A Seligenstadt, 7. Dezember. (Schlecht belohnte Gastfreundschaft.) Ein hiesiger Metzgerbursche erhielt vorgestern abend von einem auswärtigen Kollegen unerwarteten Besuch. Er bewirtete denselben ausgezeichnet und teilte auch seine Schlafstelle mit ihm. Gestern morgen war der Ankömmling, ohne Abschied genommen zu haben, ver-


