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09/12/1899 Erstes Blatt
 
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Samstag den 9 December

Erstes Blatt.

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QircteiiäbrtiS, 2 Mark 20 Pf, movallich 75 Pf^ mit Bringerlvh^

Bei Postbezug 2 Mar? 50 üfg. oiertetjährlich.

Mcherrer Anzeiger

Heneral-'Unzeiger

druck geben und dieselbe als eine für die Entwickelung der deutsch amerikanischen Freundschaft bedeutsame Kund­gebung bezeichnen lassen, mit dem Hinzusügen, daß die von Mc. Kinley zum Ausdruck gebrachten Sympathieen für Deutschland hier aufrichtig erwidert werden. In der Depesche heißt es weiter: Politisch sei alles glatt, und nichts störe das gute Einvernehmen. In wirtschaftlicher Beziehung werde er, der Staatssekretär, durch Ton und Inhalt der Botschaft in der Hoffnung bestärkt, daß die Vereinigten Staaten mit der steigenden Einfuhr nach Deutschland ge­rechte Konzessionen für den deutschen Warenhandel machen und daß die ReciprocitätS Berhandlungen beiderseits in freundschaftlichem Geiste zu einem guten Ende geführt werden. t

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Roten Adler-OrdenS II. Klasse mit der König­lichen Krone an den Erbprinzen zu Wied.

In der XIV. Kommission des Reichstages wurde heute der vom Abg. Esche verfaßte Bericht über die Ver­handlungen fcetr. das Telegraphenwegegesetz verlesen und genehmigt. Die Vorlage kommt morgen zur Verteilung.

Professor Frhr. v. Hertling ermächtigte den Be­richterstatter derGermania", ausdrücklich zu demen­tieren, daß er in der ewigen Stadt irgendwie mit Ver­handlungen über eine Nuntiatur in Berlin betraut ! sei oder verhandelt habe.

Für die am nächsten Montag im Reichstage be- ginnende erste Etatsberatung sind vier Tage in Aus­sicht genommen. Am 45. geht sodann der Reichstag in die Weihnachtsferien.

Dem Jahrhundertswechsel wird die Rcichs- postverwaltung durch Ausgabe besonderer Säkularpost­karten Rechnung tragen. Die Entscheidung über die in dieser Richtung gegebenen Bewegungen wird in diesen Tagen erfolgen. Auch sollen die Fahnen der Regimenter Erinnerungs­bänder erhalten.

Der Gesetzentwurf über die Patentanwälte ist von den Ausschüssen des Bundesrats umgearbeitet worden und wird voraussichtlich nach deren Vorschlägen vom Plenum I angenommen werden, sodaß die Vorlage noch vor Neujahr dem Reichstage zugehen dürfte.

Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat heute die Wahl der Abgg. Möller-Duisburg (nl.) und Ernst (frs. Vgg.) für giltig erklärt.

In Berliner Meldungen englischer Blätter wird auf Grund angeblicher kompetenter Mitteilungen behauptet, daß das geheime deutsch-englische Abkommen über die deutschen Interessen in der südafrikanischen Re­publik einer von der früheren Auffassung der deutschen I Regierung durchaus verschiedenen Beantwortung Ausdruck I gebe. Hierzu bemerkt dieRat. Ztg.": Thatsächlich ist Deutschland in dem Konflikte zwischen England und der I südafrikanischen Republik nach wie vor entschlossen, strenge I Neutralität zu wahren. Nach einer in dasselbe Gebiet I tendenziöser Nachrichten gehörenden Mitteilung aus Peking I soll dort seit Kurzem das Zusammengehen der diplomatischen I Vertreter Deutschlands, Englands und der Ver. Staaten I in handelspolitischen Dingen sehr bemerkt werden. Diese Mitteilung bezweckt offenbar, zugleich in Rußland Miß- I trauen zu erregen. Aber daß Deutschland sich zur Politik deroffenen Thür" in China bekennt, bedarf keiner Be- I stätigung.

Detmold, 7. Dezember. Im lippisch en Landtage wurde gestern die Besprechung über den Vertrag, betreffend die Berlebecker Quellen, welche der Graf-Regent der Stadt Detmold für Anlage einer Wasserleitung geschenkt hat, vorher die Genehmigung des Landtages einzuholen, zu Ende geführt. Mit 15 gegen 5 Stimmen wurde ein Antrag an­genommen, wonach in dieser Angelegenheit die Entscheidung des Bundesrates angerufen werden soll, nachdem zwischen | Staatsregierung und Landtag ein Verfaffungsstreit aus- I gebrochen ist._____________

* Bom Kriegsschauplatz liegen wichtige, entscheidende Meldungen heute nicht vor. ! Heber die Entsetzung oder Einnahme von Ladysmith rc. sich den Kopf zu zerbrechen, lohnt nach all den widersprechenden Nachrichten absolut nicht mehr. Der englische Draht, auf den wir leider einzig und allein angewiesen sind, hat ja bis jetzt kaum ein der Wahrheit entsprechendes Telegramm über­mittelt. Wir lassen auch heute die Nachrichten aus derselben Quelle folgen, ohne die geringste Garantie dafür, daß sie ev. morgen widerrufen werden, zu übernehmen.

London, 7. Dezember. Einem aus Frere hier em- selroffenen Telegramm zufolge sollen am 5. Dezember 6000 Freistaatburen die Belagerungstruppe | vor Ladysmith verlassen haben.

London, 7. Dezember. Ein Telegramm aus Bloem­fontein vom 3. Dezember besagt, daß sich Präsident Steyn zum Modderfluß-Kommando begeben habe. Sein Erscheinen dort habe großen Enthusiasmus unter den Buren erweckt. _ rer ,

London, 7. Dezember. DieDaily Marl" erfahrt aus Lissabon, daß zwei russische Obersten, ein fran­zösischer General und ein französischer Oberst «ach Laurenzo Marquez in See gingen, um bei der Verteidigung von Prätoria Dienste zu lersten. Dr. LeydS hat die Offiziere angeworben und der fran­zösische Legationssekretär begleitete sie auf das Boot.

Aus Maritzburg wird gemeldet, daß sich eine Deputation nach der Delagoabai begab, um die Flucht der Präsidenten Krüger und Steyn vor­zubereiten, welche sich nicht trauen, dem Volksunwillen zu trotzen, wenn die schweren Verluste der Buren bekannt werden. (? ?) ,

Auf unaufgeklärte Weise ist eine Menge Munition aus dem Waffendepartement in Jersey verschwunden. Man bringt dies mit der Abfahrt eines für ein amerikanisches gehaltenen Schiffes in Zusammen­hang, welches zur Reparatur anlegte und dann nach Frank­reich ging, um angeblich Kartoffeln für Südafrika zu laden. Die Regierung in Prätoria stellt die Meldung in Ab­rede, daß sie eine Kommission abgesandt habe, die den Frieden uachsuchen solle. - Der Mod der fluß ist durch die Leichen zahlreicher Buren, die in dem Bajonettangriff der Northumber- Füsiliere gefallen waren und alsdann in den Fluß geworfen wurden, verunreinigt. r

Einem Telegramme aus Maritzburg vom 5. De­zember zufolge ist General Buller nach Estcourt Lbgegangen. . ,,, ,

Zwei Batterien der Königlichen be­rittenen Artillerie haben den Befehl erhalten, am 9. Dezember von Southampton nach der Kapkolonie zu fahren.

DemDaily Telegr." wird aus Lord Methuens Lager am Modderriver vom 2. d. Mts. berichtet, daß die Buren die Anhöhen zwischen dem Modderflusse

und Kimberley besetzt halten und Verstärkungen I vom Osten erhielten. Lord Methuen könne erst weiter vor­rücken, wenn die neue Brücke fertig ist. Die alte Brücke ist derart zerstört, daß sie sich nicht auSbeffern ließ.

*

Telegramme desGietzeuer Anzeiger".

London, 8. Dezember. Aus Kimberley wird dem I Lord Methuen unterm 2. Dezember gemeldet, daß die Stadt I mit Ausnahme von Rindfleisch keinen Mangel an Nahrungsmitteln habe. Die Buren rücken auf Pen- I hoek in der Nähe von Kerkstrom am Modderflusse vor. Der Korrespondent derTimes" meldet unterm 5. ds., daß das englische Lager noch eine Woche lang am Modder- fluffe verbleibe, um den General Gatacre seine Angelegen- I heilen erst abwickeln zu lassen und dann mit ihm vereint gegen Spytfontein los zu rücken. Aus Sterkstrom wird vom 2. ds. gemeldet: Die Buren rückten in Dortrecht ein. General Gatacre's Truppen stehen noch immer in Putterskraal, cirka 30 Meilen von den Truppen der Buren entfernt.

Daily Mail" meldet aus Kapstadt, daß zehn­tausend Basutos des Gebietes, welches die Truppen des Lord Methuen kürzlich durchschritten haben, jeglicher Nahrungsmittel entbehren. Es herrscht große Besorgnis in der Umgebung Lord Methuens und man befürchtet noch einen Auf st and der Basutos.

Daily Mail" meldet aus Laurenzo Marquez, daß ein deutscher Dampfer mit einer Anzahl Krankenträger und 16 deutschen Offizieren dort eingetroffen sei. Letztere begaben sich sofort zu den Buren.

Nach einer Meldung aus H o p e t o w n sind die Farmer aus diesen Bezirken in den letzten Wochen in das Buren-

I lager übergegangen. Die bewaffneten Rebellen werden auf 400 geschätzt' Sie erklärten, sie lehnten sich aus eigenem

I Antriebe auf, ohne Anregung seitens des Freistaates. Das TransportschiffTantaloon Castle", welches heute mit dem Belagerungs-Parke in See geht, führt außer diesem noch 498 Mann und 20000 Lyddit Geschosse mit sich..In

I Belfort wurden die Familien der vor dem Feinde I stehenden Garnison aufgefordert, innerhalb 24 Stunden die Dienstwohnung in der Garnison zu verlassen. Nur mit Mühe konnte ihnen ein Aufschub von 8 Tagen erteilt werden. Das Vorgehen der Militär-Verwaltung erregt

I allgemeine Entrüstung.

I London, 8. Dezember. Die heutigen Morgenblätter I beschäftigen sich ganz besonders mit der Lage der I Truppen Lord Methuens am Tugelaflusse. Nach den letzten eingetroffenen Telegrammen haben die Buren wieder große Streitkräfte in der Gegend von Spytfontein zusammengezogen.Daily Mail" schätzt dieselben auf 12,000 Mann, doch ist dieselbe wahr- scheinlich noch zu niedrig gegriffen. Die meisten Blätter sind der Ansicht, daß diese Streitkräfte für die Engländer die größten Gefahren bedeuten.Daily Mail" undDaily Telegraph" meinen, die englischen Truppen seien der Lage I in Natal gewachsen, während die Lage des Lord Methuen sehr kritisch sei. Die Blätter drücken die Hoffnung aus, daß die Buren in Natal genügend zu thun haben werden, um nicht noch eine Abt ilung ihrer Streitkräfte nach dem Tugelafluffe absenden zu können. Die Buren haben das rechte Ufer dieses Flusses besetzt. Die beiderseitigen ©treib

I kräfte sind auf Schußweite voneinander entfernt.

Aus Kapstadt kommt unter demselben Datum folgendes Telegramm: Gefangene Buren sagen aus, daß, wenn der Ort Kimberley entsetzt sei, viele unzufriedene Freistaat-Buren die Waffen niederlegen würden. Die Ver­luste der Buren am Modderflusse waren nach einer Depesche vom 3. ds. sehr schwer. Es befinden sich 50 verwundete Buren in einem vier Mcilen entfernten Hospital._________

Bekanntmachung.

Betr.: Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.

Auf Grund der Vorschrift des § 105 b Absatz 2 der Gewerbe Ordnung wird für Sonntag, den 10. l. Mts., die Zeit, während welcher Gesellen, Gehilfen und Arbeiter im Handclsgewerbe beschäftigt werden dürfen und ein Gewerbe­betrieb in offenen Verkaufsstellen stattfinden kann, auf die Stunden von 79 Uhr vormittags und von 11 Uhr vor­mittags bis 7 Uhr nachmittags festgesetzt.

Hinsichtlich der beiden anderen Sonntage vor Weih­nachten wird besondere Verfügung ergehen.

Gießen, den 7. Dezember 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Muhl.

Deutsches Keich.

Berlin, 7. Dezember. Heute früh von 9 Uhr ab hörte der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers von Goßler und des Generals v. Hahnke. Nachher nahm der Kaiser die persönliche Meldung des von seinem Kommando in Rom abberufenen und wieder in den unmittelbaren Dienst über­nommenen Flügeladjutanten, Oberstleutnant von Jacobi, entgegen. Später hat der Kaiser die Reise nach Bückeburg angetreten. , c

Wie derLokal-Anzeiger" erfährt, hat der Staats­sekretär Graf v. Bülow durch den hiesigen Vertreter der Associated Preß" drahtlich seiner Genugthuung über die Botschaft des Präsidenten Mc. Kinley Aus-

Amtlicher Teil» Bekanntmachung, Betreffend: Die Maul- und Klauenseuche in Utphe. In Utphe ist die Maul- und Klauenseuche nunmehr ganz erloschen und Aufhebung der Sperrmaßregeln verfügt worben.

Gießen, den 8. Dezember 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Ausland.

Wien, 7. Dezember. Der König von Serbien ver­läßt am 28. Dezember Meran. Er nimmt mehrere Tage in Wien Aufenthalt und wird auf Einladung des Kaiser« in der Hofburg Wohnung nehmen.

Wien, 7. Dezember. Die Gerüchte von einer be­absichtigten Aenderung der Taktik des Jung­tschechenklubs werden von diesem bementirt Der Klub werbe vielmehr seine oppositionelle Haltung beibehalten.

I GraÜsbeilkKm: Gießemr FamMrnblätter, Hei hessische Landwirt, j Blätter für hessische Volkskunde. |

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher 9h:. 51.

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