Ausgabe 
9.11.1899 Zweites Blatt
 
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auch dem Reiche niemand ansinnen wird, die Kosten der Heimreise für beispielsweise in Amerika mittellos gewordene Auswanderer zu tragen. Die Vorschläge, welche eine Kommission des Kolonialrates ausgearbeitet hat, dürften sich demgemäß als vorbeugende Maßregeln darstellen.

Berlin, 7. November. Bei den gestrigen Stadt­verordnetenwahlen in 21 Bezirken der dritten Ab­teilung wurden gewählt sechs Liberale und zwölf Sozial­demokraten; in drei Bezirken finden Stichwahlen statt.

Wie derB. L. A." vonwohlunterrichteter" Seite erfährt, ist die Samoafrage im Prinzip entschieden: Deutschland erhält die Vorherrschaft auf Samoa. Der förm­liche Abschluß der Verhandlungen dürfte unmittelbar be­vorstehen.

Die in kolonialen Kreisen aufgetauchte Vermutung, daß Deutsch­land beabsichtige, England für seinen Verzicht auf Samoa durch Abtretu ng von Togo zu entschädigen, wird von unterrichteter Seite als unbegründet bezeichnet. Esset zwar richtig, daß die gegen­wärtig schwebenden Verhandlungen mit England sich auch auf West­afrika beziehen, allein an den maßgebenden Stellen denke man nicht daran, von unserem Kolonialbesitz noch etwas abzugeben, um die englischen Herrschaftsrechte auf Samoa «bzu'.ösen. Graf v. Bülow habe wiederholt erklärt, daß er unsere Stillung auf Samoa wahren wolle, ohne andere deutsche Rechte baiür auszugeben.

Im Anschluß hieran sei eines Gerüchtes Erwähnung gethan, das heute von Paris aus (offenbar in der Absicht, damit auf den Busch zu schlagen) verbreitet wird. Nach einem heute eingegangenen Telegramm teilt der Figaro jedenfalls in der Absicht, die kompetente deutsche Seite zu einer Bestätigung oder einem Dementi zu veranlassen mit, Deutschland werde, sobald England von seinem auf Be­setzung der Delagoabai abzielenden Geheimvertrag mit Portu­gal Gebrauch gemacht hätte, die Tigerbucht annektieren, um seinem Damaraland den sehnlichst erwünschten Hafen zu verschaffen.

Mit dem jetzt in See gegangenen DampferThekla Bohlen" haben wiederum 17 junge Mädchen unter Führung einer älteren Frau, deren fünf Töchter sich eben­falls unter den Mädchen befinden, die Reise nach Deutsch- Südwestafrika angetreten. Die erwähnte ältere Frau geht mit ihren fünf Töchtern und vier Söhnen zu ihrem tu Deutsch-Südwestafrika wohnhaften ältesten Sohn Unter den jungen Mädchen befinden sich zwei verlobte Bräute, und die zehn anderen erhalten Aufnahme bei deutschen, im Schutzgebiet ansässigen Familien. Die Bewerberinnen müssen sich, wie wir bei dieser Gelegenheit nochmals mitteilen wollen, verpflichten, bei einer bestimmten, in Deutsch-Süd- westafrika ansässigen Familie in Dienst zu treten. Falls die Mädchen in ihrem Dienst mindestens zwei Jahre ver­bleiben, wird ihnen auf Wunsch freie Rückbeförderung ge­währt. Letzteres soll auf ihren Antrag auch in dem Fall geschehen, wenn innerhalb der Vertragszeit besondere Um­stünde, wie Rücksichten auf den Gesundheitszustand u. dgl., nach dem Befinden des Kaiser!. Gouvernements, unter dessen Schutz die Mädchen stehen, deren Rückreise in die Heimat erforderlich machen. Der Anspruch auf kostenfreie Rück­beförderung erlischt, falls er nicht bis zum Ablauf des Dienst­verhältnisses bei der nächsten Verwaltungsbehörde geltend gemacht wird, oder falls die Mädchen sich im Schutzgebiet verheiraten. Um den Mädchen die Uebernahme ihrer Dienst­stellungen zu erleichtern, werden ihnen durch Vermittlung des Präsidiums der Deutschen Kolonialgesellschaft gewährt: a. freie Ueberfahrt von Hamburg nach Swakopmund auf einem Dampfer der Woermann-Linie, b. freie Verpflegung auf diesem Dampfer, c. kostenfreie Weiterbeförderung von Swakopmund bis zu ihrem Bestimmungsort. Die Kosten der Reise von ihrem Wohnort bis Hamburg und ihres Auf­enthalts daselbst haben die Mädchen selbst zu bestreiten. Eine Auflösung des Dienstverhältnisses kann, abgesehen von den Fällen, wo sie nach den geltenden rechtlichen Bestimmungen zulässig ist, vor Ablauf von zwei bezw. drei Jahren nur im Einverständnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmerin er­folgen. Dagegen sind die Dienstherrschaften verpflichtet, die Mädchen, falls sie bestimmte Aussicht auf Verheiratung

haben, binnen längstens drei Monaten ihres Dienstes zu entbinden.

Rawitsch, 7. November. Der Propst Dulinski wollte bei der Vereidigung der hiesigen katholi­schen Rekruten die Fahne als nicht geweiht (!!) nicht zulassen. Er geriet darüber mit dem kommandierenden Offizier in Zwist. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Ausland.

Wien, 7. November. Der Preßausschuß nahm ein­stimmig unverändert die Regierungsvorloge über die Auf­hebung des Zeitungs- und Kalenderstempels an.

Prag, 7. November.Narodny Listi" bringen an der Spitze ihres Blattes folgendes Telegramm aus Petersburg: Die österreichische Regierung hat bei der russischen Regierung über die russischen Journalisten Klage erhoben, daß sie mit den Tschechen sympathisierten und die russische Regierung ersucht, diesem Vorgehen ein Ende zu machen. Infolgedessen wurden die Petersburger Redakteure in das Ministerium desAeußern vorgeladen und ihnen dieseBeschwerde bekannt gegeben. Die Redakteure erklärten, daß sie nicht gegen Oesterreich schrieben, daß sie im Gegenteil Oesterreich Rat­schläge erteilten, wie es sich retten könne, und daß sie in dem gerechten Kampfe der Tschechen mit ihnen sympathisieren müßten. Sie verwiesen darauf, daß aus der Tschechen­frage sich immer mehr eine europäische Frage entwickele, die man nicht stillschweigend über­gehen könne. Es wurde den Redakteuren bedeutet, daß es sich nicht darum handle, daß die russischen Blätter nicht über die Tschechen Frage schreiben sollten, viel­mehr müsse das so geschehen, daß sich Oesterreich nicht darüber beklagen könne, Rußland mische sich in seine inneren Angelegenheiten. Schließlich wurde den Redakteuren gesagt, das Ministerium des Aeußern werde von jetzt an die über die Tschechenfrage in den russischen Blättern er­scheinenden Artikel cenfieren, zugleich aber werde die russische Negierung an die österreichische Regierung das Ersuchen stellen, daß auch sie sich nicht in die inneren Angelegenheiten Rußlands mischen solle.

Budapest, 7. November. Die Nachricht von der Ver- ehelichung des österreichischen Thronfolgers mit der Gräfin Chotek wird wieder dementiert. Der Kaiser erfuhr davon am Samstag und sandte sofort den Flügeladjutanten Krauß nach Ecska zum Thronfolger. Krauß kam heute mit dem Dementi von Ecska zurück.

Antwerpen, 7. November. Anläßlich des gestrigen Fest­mahl e s zu Ehren der belgischen Süd-Polar- Expedition ereignete sich ein politischer Zwischenfall. Der Bürger­meister Van Ryswyk benutzte die Gelegenheit, um dem Burenvolke die Sympathie des stammverwandten Vlämenvolkes auszudrücken, worauf alle an­wesenden Engländer unter lebhaftemProtest den Festsaal verließen.

Paris, 7. November. Du Paly de Clam wurde am vorigen Sonntag, als er einem Reisenden den Eintritt in seinen Wagenabteil verweigerte, durchgeprügelt, was ein polizeiliches Protokoll zur Folge hatte.

London, 7. November. Nach einer Meldung derDaily Mail" soll es fast sicher sein, daß die Kaiserin von Deutschland mit dem Prinzen Oskar und der Prinzessin Luise ihren Gemahl nach England begleiten werde.

Petersburg, 7. November. Infolge eines Verbotes seitens der Regierung unterblieb die Abreise des russischen Freiwilligen-Korps nach Transvaal.

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Lokales und Provinzielles.

W. Aus der Wetterau, 7. November. Der reizende Alteweibersommer, der uns in der ersten November­woche beschert war, zeigte uns auch die Plagegeister, die Schnaken noch einmal, welche uns in den Monaten Juli, August und September zerstachen, wie es nie zuvor ge­

schehen war. Man wußte in manchen Gegenden, z. B. in dem Bade Salzhausen, das einen hocherfreulichen Auf­schwung nimmt, früher nichts von diesem Geschmeiß, das aber dort so zur Plage wurde, daß manche Kurgäste die Flucht ergriffen. Jetzt ist die Zeit gekommen, das Ungeziefer energisch zu bekämpfen und hier sollte jeder, soweit es ihm möglich ist, sein Teil dazu beitragen, denn nur wenn ge­meinschaftlich vorgegangen wird, wie gegen Maikäfer, Enger­linge, Raupen, Mäuse und Hamster, ist auf Erfolg zu hoffen. JDie Schnaken verbergen sich während des Winters in frostsicheren Orten, z. B. in warmen Kellern, Ställen, Gruben, Brunnenschächten und ähnlichen Orten. Hier muß man sie aufsuchen und mit Baumfackeln, Fliegenklatschen u. dgl. unbarmherzig vertilgen; aber nicht so, daß man einmal nachsieht und bann nicht mehr, sondern so oft als möglich. Wenn wir nicht konsequent gegen das Geschmeiß auftreten, behalten wir es für Jahrzehnte, vielleicht für immer.

Butzbach, 7. November. Etw as von den Vor­fahren unserer Artillerie. Daß Soldaten den Magistrat einer von ihnen eroberten Stadt bitten, ihnen als Anerkennung für ihre wirksame Beschießung ein Geschenk zu verabfolgen, erscheint uns heute wundersam. Dennoch beruht die Kunde hiervon nicht auf einer Legende, sondern ist in der Geschichte des Großh. Hess. Artilleriekorps mit- geteilt, und betrifft unsere Stadt Butzbach:

Es war gegen Ende des unser deutsches Vaterland verwüstenden 30jährigen Krieges, als Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel aus Anlaß eines Erbfolgestreites einanbet bekriegten. In biesem von 1645 bis 1647 währenben so­genanntenHessenkriege" gelang es ben Kasselern, bie kleine Feste Butzbach zu nehmen, nachdem man bereu Thore mit Petarben, b. h. kleinen Sprengmörsern, zerstört hatte. Nun war es ein Brauch jener Zeit, baß bie bie Geschütze bebienenbenKonstabler", sobalb es mit Hilfe ber Artillerie gelungen war, einen festen Platz einzunehmen, bie Kirchen? glocken berfelben ober eine entsprechend AbstanbSsumme beanspruchen konnten. Sie traten es in biesem Falle, inbem sie in folgenbem sehr eigenartigen Schreiben sich ihr Recht vomHochwohlweisen Magistrat" erbaten:

Ehrsamb Hochwohlweise Gestrenge Herrn Bürgermeister: unb Rath biefer Stabt!

Als wir gestrigen Tages burch ben Wohleblen streng und festen Obrist Lieut. Unb Ihre Excel!. Herrn General Major Geysse (Geisse, später als von Geyso geabelt, Nach­kommen dieses Generals sollen noch heute in ber preußischen Armee bienen. Reb.) commanbirt worben, biefe Stabt allhier Butzbach zu attaquiren unb mit Petarben zu Petar- biren, also sind wir solchem Commando nachgefolget unb es verrichtet. Dieweil es aber bräuchlich, auch von Kaiser Carola quinto (Karl ber Fünfte) solches verwilligt worben,, so eine Stabt ober Vestung burch bie Artollerey Personen eröffnet wirb, deßwegen Ihnen satisfaction zu thun ober bie Glocken ober große stückh verfallen sein sollen. Alß gelanget an H. Bürgermeister unb Rath Unser bienstl. er­suchen. Vns hierinnen auch satisfaction zu erweisen vnb vns alle gerechtigkeit nit absprechen. Verbleiben ber Herren Ihre willige allezeit.

Sämmtliche fürstlich Hess. Petarder unb Fewerwerker. Signatum b. 28. 8. 1645.

An Rath Butzbach.

Es ist uns nicht überliefert, welche Antwort berRath von Butzbach" gegeben hat. Vermutlich wirb erseinen Dank" (?) in tlingenber Münzeber tapferen Artolerey" abgestattet haben. (B. Z.)

Vom Lande, 7. November. Eine rechte Plage für Geistliche unb Lehrer sind die fahrenden Künstler", die bald Zauberstückchen, bald einen Affen ober eine weiße Ratte rc, ber Schuljugend zur Bewunderung vorführen. Diese Vorführungen haben meist keinen positiven Wert, verleiten vielmehr bie Kinber zu Zerstreuungen, ge- fährben ben ernsten Zweck der Schule, lehren die Jugend

alten Zeit"!

Obh. Ztg.

Haftester Siegesfreude auf der Heimkehr vomExami" zu mir ins Haus, fein Zeugnis triumphierend in der Rechten schwingend.Doa läse Se, Härr Parrerl hätt's sealber neat vun mear gedoacht; doasWeißi" vo Holzem" (Holzheim, Mutterort des Kirchspiels; Weiß war ein von H. gebürtiger, unglücklicher Genosse), doas immer soa grüß thoat, eas (ist) dorchgefoalle; oaber eich noa (nun) hei (hier) stihts ze lease, mei Testimonium: läase Se's sealbst, eich michts (mochte) noach eamol vun Ihne hiare (hören), doaß eich's iher (eher, leichter) glaub'. Wei haaßt's: In den unbedingt notwendigen Gegenständen notdürftig be­standen! Neat woahr, doas härre Se falber neat vun mir gedoacht, en' noach derzau : In den unbedingt notwendigen Gegenständen!" eZurn besseren Verständnis sei hier auf die in der Wetterauer Gegend allgemein bräuchliche falsche Anwendung der Vorsilbeun" hingewiesen;unbe­deutend reich" z. B. gilt in meiner trauten Heimat fürsehr, unge­mein reich")

Nachdem der über seinen Lebensabend und die Existenz seiner Fa­milie Beruhigte sich in etwas von seinem Freudenräusche erholt hatte, befragte ich ihn über die Einzelheiten des bedeutungsvollsten, angst- und schließlich wonnereichsten Tages in seinem ganzen Leben.Hoart (Hart) woar's schun", erzählte er da,dabei doas Zeugnis moacht Alles vergeasse. Ze earst (zuerst) geangs zum Härre Geh. Kearcheroath D. Dear leat (legt) ns et ean' grüße Boage (Bogen) weiß Papeier vor en' fist-»Jetzt schreiben Sie sofort, Herr Schulmeister, die Antwort auf die Frage, die ich Ihnen aus dem Katechismus vorlegen werde"".So­fort die Antwort?", sar eich doa,könnt eich neat earst bie Froag uf- schreiwe, doaß eich mich ncabebei e winkelche (ein wenig) uf die Ant­wort beseanne könnt!"Nein, das lassen Sie bleiben, Herr Schul- merster"", woar dear Bescheid uf mei Bittgesuch.Nu, meat Gottes Heal", sar' crch,ser's, weU's muß!"Nun, so beantworten Sie rasch nach dem von höchster Stelle eingeführten Katechismo (Sei weasse, Härr Parrer, ear maant (er meinte) doas büs (böse), neumoarsch (neu­modische)Peifersche" Büchelche;) fso hieß im Dolksmund der rationa^ listische Leitfaden von einem gewissenPfeifer") die Frage: Was heißt: Gott ist gerecht?" en' doa ftaalt (stellte) ear seich goar noach geroad' hinner meich en' guckt mir üroroer bei Schüllern (Schultern). Doa koam eich en e grüß Verleagenheit, en eas feil (fiel) miar neat gleich bei, woas bearPeifer" üroroer beiGerechtigkeit Gottes" süt. Soa schreib eich boan, weil eich neat länger oan (an) bear Ferrer (Feder) laue dürst, woas miar groad en de Sinn koam.Was machen Sie denn?"", ruft doa bear geftreange, decke Härr,Sie schreiben ja die Antwort auf die Frage: Was heißt:Gott ist allwissend?" Wenn Sie sich nicht bald eines Anderen besinnen, können Sie fürder nicht länger Schuir

meister fein!"" Reacht hoar (hatte) dear Mann; doarim (darum) schneall en' decke Strich doarch mei Geschribfel, en doann herzhoaft witrer (wieder) oan's Schreiwe.Jetzt roird's recht, Herr Schullehrer!"" sar nu der Oachselgucker. Woas woar eich soa früh! Doann noahm ear meich oardentlich vör en bearBiblische Geschicht". Doa koam ear oan be rechte Mann. Dei keann eich dorch en bord). Meat Lob üroroer mei Bescheib en bear Schreast (Bibelkenntnis) entleih ear meich."

»Nu hicm zem Härre Superetenb P. Miar kloppt' doas Hearz, hoalb hoffningsfroh, hoalb laibmurig; wühl rooar eich beam earfte Treaffe meat passirlich Hailer Haut entrönne; oaber met soll ben Toag neat vör bem Daroenb loabe!Wir wollen rechnen, Herr Schul­meister. Da haben Sie einen Schieferstein; barauf steht ein Divisions- Exempel, bas rechnen Sie; btüben im kleinen Stübchen gegenüber, sinb Sie ganz ungestört; da rechnen Sie!"" Eich guckt' miar doas Exempel on. Richtig, bear Divisor hatt' 6 Stealle (Stellen).Hoch­würden," storrert ei,thun Se miar e poar Stealle aus dem Divisor weag; bear eas miar ze mächtig I"Kann Ihnen nicht helfen, müssen Sie rechnen können; ansonsten sinb Sie bie längste Zeit Schulmeister gewesen. Rechnen Sie fehlerfrei unb rechnen Sie schnell!"" Nu, meat bear Gottes Hea!f roeare miar doas aach noch fearrig dränge. Eniwerr (Hinüber) en's Stibbche, eas schien faan Sonn' en faan Muund enean (hinein), ean gcrachnet, beas (bis) miar bear Schwaaß (Schweiß) vun bear Stearn (Stirn) rann; candlich fearrig! Doann wirrer üroroer ben Gang, oangekloppt.Herein"".Aeuer (Euer) Diener, Härr Superetenb!,,Guten Tag, Herr Schulmeister! Haben Sie die Rech­nung?" noahm die Toafean (Tafel), geang ean's Neawestibbche, soah noach beamFoacit" (sah nach dem Faeit), koam hearaus, ean steiß miar dean Schievverstaan zou meat beam Donnerrooart:Ist nichts nutz, Herr Schullehrer; müffen Sie '»roch einmal, müffen Sie recht rechnen, sonst usro. Doa faßt' eich miar e* Jcearj:Hochivirden", sar eich,hnn eichs boach glei gesaat: Dear Divisor eas miar ze mächtig! Könnte' Se neat soa gout sei, eanNein, Herr Schullehrer, das müssen Sie so rechnen können!" Nu dann, Boarmherzigkeit goab's kaa, eich wirrer enüroer ean's klaan Stibbche, ean noach eamoal vu voarn gereachnet. Doarüwwer woars oarg spät woarn. Ean (Und) dennoach moacht eich deasmoal earst noach bei Proab bruf; richtig, eas stimmt! Getroast enüroer, oangekloppt.Herein!"Aeuer Diener, Ero. Hochwirb'N!"Guten Abend, Herr Schullehrer! Haben Sie diesmal die Rechnung?" Meat eam (einem) teste Bickling eroroer- raicht' eich se. Dei Proab hatt' gestimmt. Weann kaa Druckfehler eamFoacit" rooar, mußt's deasmoal reacht fei'. Hea (Er) geang ean's Kämmerche', koam haeraus, ean schmunzelt', ean faat:'s ist

recht, Schulmeister!" Miar Heang bear Himmel voll Viola, Baß ean Geige. Dear schwirst Staan rooar eatzt (jetzt) gehoawe. Reachne kann eich joa, Här Parrer, nortz bei oallezegruße Divisor hun eich niemoals leire (leiden) mögt Doann goab hea (er) miar e Buch ean bei Hand; eich kannt's uff dear Steall; eas rooare fei aigene (eigenen)Prerrigte* (Predigten), bei miar Schaulmoaster vun Amts roeage (wegen) beait Leut' ean bear Noachmittoagskearch veerlease misse IDa lesen Sie!" Meat aller Kroaft feang eich van, ean zug alle Register. Daher eich rooar meat beam Satz, bear oarg lang rooar, noach neat zer Hälft fertig, doa reif hea:Halten Sie ein, Herr Schullehrer!" Erschroacke' heilt (hielt) eich ennn, ean docht bei mir sälbst:Woas wirrst de doa wirrer gemoacht hun!"Halten Sie zuweilen Kirche?""Joa, Ew. Hochwirde, alle Sonntoag Noachmittags, doa roiar unsere Härre Parrer in Holzheim hawwe."Hab's gleich gehört, fahren Oie fort; haben einen guten Vortrag!"" Doa heappt (hüpft) miar deas Hearz vör laurer (lauter) Fraid'! Zeleatzt (Zuletzt), eas dämmert schun stärk enn be Eacke' heiß eas:Nun fingen Sie zum Beschluß bes ExamenS!" Doabruff harr' eich lang geroaart (gewartet). Miar Doarfgealler hun bis bato kaa Drjel enn bear Kearch; boafür hun miar bei Drjel enn be Häls (Hälsen)IKönnen sich selbst Text unb Weise wählen I"" Doar trat (trat) eich enn bei Feansternische ean stimmt met dem hun (hohen) Fis doas Laid (Lied) oan, woas miar dean ganze hoarte Toag immer immer eam Scann (Sinn) aeleagf: »Aus tiefer Not schrei ich zu dir!" Aarnal (Einmal) soah eichmearre (mittem eam Gesang nearne (neben) aus. 2)oa ftoanne (ftanben) brimne (drunten) oam Röhrborn veile Maare (Mägde), bei harre bei volle Wasserzüroer uf bean Köpp, ean ftoanne ean hoarchte (horchten) ean lachte, fei verstoann (verstanden) eas neat beaffer (besser). Groad (Ge­rade) mei bear Daroenbftearn miar freundlich enn bei Aage flimmert, rooar eich oam Eand met alle Bärs (Versen). Fer (Für) meich woars Sänge (Singen) e Gottesdienst geweasa, trotz bem unuerftännige Lache bear dumme Maare,'s ist gut, Herr Schull-Hrer", saar nu dear Härr Superetenb.Sie sind in der Prüfung bestanden; hier haben Sie's schwarz auf weiß." Härr Parrer, hei (hier) hun eich's schwoarz uf weiß, en loaß miars canroahme einrahmen):In den unbe­dingt notwendigen Gegenständen notdürftig be­standen!" Daber nu geschweand zu Fraa ean Kind! Woas roearn dei seich fraael Gun Daroenb (Guten Abenb), Härr Parrer!" Und fort stürmte er freudig mit bem errungenen Testimonium. Gott hab ihn selig, den längst aller Examina und aller übrigen Erbennot ent- tronnenen, zu seiner Ruhe gekommenenSchulmeister aus ber guten

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