tracht. Meline befürchtet für Frankreich als Folgen der Affaire innere und äußere Gefahren, denn die Frage komme Frankreichs Gegnern in der Welt zugute, er flehe feine Vertreter an, ihre Parteiungen zu vergeffen, um sich daran zu erinnern, daß sie nur Franzosen feien; man appelliere an die Vereinigung der Republikaner, diese könne sich aber nur vollziehen im Hinblick auf das höhere Interesse des Vaterlandes allein, wo alle sich die Hände reichen könnten. — Mehrere Blätter kündigen an, daß im heutigen Ministerrate wichtige Beschlüsse gefaßt werden würden. „Petit Caporal" behauptet, Kriegsminister Gallifet betrachte es als sein Recht und seine Pflicht, die Truppenschau am 14. d. M. abzunehmen und werde im Ministerrate dagegen Einspruch erheben, daß er von der Ministertribüne aus der Schau nur zusehen solle, während diese vom General Zur- linden abgenommen werde. — Dem „Echo de Paris" zufolge habe Major Carriöre gewußt, wie es um das Bordereau stand. Der Rest des geheimen Aktenbündels werde dem Kriegsgerichte nach dessen Zusammentritt bei verschlossenen Thüren übergeben werden. Nach dem „Echo de Paris" stehe jetzt fest, daß das Kriegsgericht in Rennes nicht vor Anfang August zusammentreten werde. Beaurepaire erklärt in demselben Blatte, seine Zeugen würden bekunden, daß Dreyfus der Spion einer anderen Macht als Deutschland gewesen sei, und daß der frühere Präsident Faure die Beweise für das Verbrechen des Dreyfus in den Händen gehabt habe. — Die französische Regierung hat den Kammern noch vor Schluß der ordentlichen Session einen Gesetzentwurf betreffend den Schutz des gewerblichen Eigentums für die zur Pariser Weltausstellung von 1900 zu- gelassenen Gegenstände vorgelegt. Im Artikel 1 ist das schwierige Verbot der Einfuhr geschützter Gegenstände vorbehaltlos beseitigt. Während sonst ein französischer Schutz- titel ohne weiteres erlischt, sobald ein nach der geschützten Erfindung hergestellter Gegenstand vom Auslande her in Frankreich eingeführt wird, soll eine derartige Maßnahme, wenn sie aus Anlaß der Weltausstellung geschieht, den Fortbestand des gewerblichen Schutztitels nicht beeinflussen. Daneben enthält der Gesetzentwurf, dem die Zustimmung der Deputiertenkammer und des Senats in der Herbsttagung gesichert erscheint, noch einzelne Punkte von geringerer Bedeutung, wie z. B. die Vorschrift, daß der ausgestellte Gegenstand selbst in Frankreich nicht verkauft werden darf, und daß er binnen einer Frist von drei Monaten vom Tage des amtlichen Schlusses der Ausstellung an wieder aus Frankreich ausgeführt werden muß. Die Voraussetzung dieser Bestimmungen bleibt, daß vorher der Aussteller sich den entsprechenden französischen Schutztitel selbst (Patent-Meisterschutz) sichert, da sonst seine Idee überhaupt Gemeingut wird. Tägl. Rundschau.
London, 7. Juli. Aus Peking wird gemeldet, das Tsung li Damen habe die französischen Forderungen, betr. Errichtung eines Konsulates und Bezahlung einer bedeutenden Geldsumme wegen des Angriffes auf eine Missions- Station zugestanden.
Belgrad, 7. Juli. Infolge der gravierenden Aussagen des verhafteten Attentäters Knecevic wurde nachts der ehemalige Minister Tauschanovic, der Advokat Zinkovic, der Ministerial-Jnspektor Stefan Protik, der Oberstleutnant Ricolic und 14 andere Notablen und Radikale sowie Nicola Pasic, mehrere anti-dynastische Geistliche und das gesamte Druckerei-Personal des Odjek verhaftet.
Belgrad, 7. Juli. Die hiesigen politischen Kreise beurteilen das Attentat gegen König Milan sehr ernst. Man ist erstaunt, daß dasselbe ein Werk der Panslawisten und Radikalen ist, welche mit der von Milan energisch vertretenen, die Ruhe und Ordnung sowie die friedliche Fortentwickelung Serbiens verbürgenden Politik nicht einverstanden sind. Man erwartet daher, daß alle europäischen Staaten, welche an der Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe im Balkan iutereffiert sind, sich anstrengen werden, der serbischen Regierung in ihrem Kampfe gegen die unruhigen und den Weltfrieden fortwährend bedrohenden panslawistischen Elemente ihre moralische Unterstützung zu leihen.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, den 8. Juli 1899.
* • Aus dem Berwaltnngsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 5. Juli l. Js. ist der Großh. Regierungsassessor Werner in Darmstadt bis auf weiteres mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmannes bei dem Großherzogl. Kreisamt Darmstadt beauftragt worden.
* • Milit'ardienstnachrichteu. v. Weiher, Oberst und Kommandeur des 4. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Prinz Karl) Nr. 118, unter Beförderung zum Generalmajor, zum Kommandeur der 85. Jnfanteriebrigade, D'heil, Oberstleutnant beim Stabe des Infanterieregiments Nr. 135, unter Beförderung zum Obersten, zum Kommandeur des 4. Großh. Hess. Infanterie - Regiments (Prinz Karl) Nr. 118, v. Dersch au, Oberstleutnant beim Stabe des 3. Großh. Hessischen Infanterie-Regiments (Leib-Regiments) Nr. 117, unter Beförderung zum Obersten, zu« Kommandeur des Infanterie-Regiments Graf Bose (1. Thüring.) Nr. 31, Frhr. v. Maltzahn, Oberstlt. und Bats.-Kommandeur im 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, zum Stabe des 3. Großh. Hess. Jnf.-Regts. (Leib-Regts.) Nr. 117, v. Randow, Major im Jnf.-Negt. Nr. 154, unter Enthebung vom Kommando als Adjutant bei dem Generalkommando des 3. Armeekorps, als Bats.-Kommandeur in das 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regt. Nr. 115 versetzt. Wund sch, Oberstlt. und Kommandeur des Magdeb. Jäger-Bats. Nr. 4, unter Beförderung zum Obersten, zum Kommandeur des 5. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168 ernannt.
* ♦ Oberhesfischer Geschichtsverein. Das reichhaltige Programm des diesjährigen Sommerausfluges genannten
Vereins stellt den Teilnehmern sehr genußreiche Stunden in Aussicht, wir wollen deshalb nicht verfehlen, auch an dieser Stelle darauf aufmerksam zu machen. Als Ziel des auf den 15. d. M. 2 Uhr 47 Minuten angesetzten Ausfluges ist das an geschichtlichen Sehenswürdigkeiten und Erinnerungen reiche Wetzlar gewählt. Berufene sachkundige Führer haben sich in liebenswürdigster Weise dem Verein zur Verfügung gestellt. Rege Beteiligung von feiten der Mitglieder und Gäste ist sehr erwünscht.
* * 17. Verbands Schießen des Badischen Landes-Schützen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützenbundes. Wir verfehlen nicht auf die Sonntag nachmittag in der Festhalle stattfiudende Preisverteilung der 10 ersten Becher auf sämtliche Scheiben besonders aufmerksam zu machen. Herr Oberbürgermeister Gnauth hat iu bekannter liebenswürdigster Weise zugesagt, die Verteilung der Preise zu übernehmen.
* * 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes-Schützen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützen- bundes. Der gestrige Festfreitag näherte sich bezüglich des Wetters mehr dem Ideal, welches nicht nur dem Ge- samtfestkomitee, sondern auch dem Berichterstatter vorschwebt — es war wieder gutes Wetter; etwas trüb zwar, aber ruhig und trocken. Ob das Zuströmen der Schützen diesem Umstande mit zuzuschreiben ist oder lediglich „der Becher winkte", wollen wir nicht untersuchen. Es wurde fleißig geschossen und — wir wollen dies gleich einfügen — auch brillant geschossen, wie aus den unten veröffentlichten Schießresultaten ersichtlich ist. — In der „Trefflichkeit", welche gestern die Schützen auszeichnete, standen nicht nach die Darbietungen der beiden Militärkapellen; in der Festhalle und auf dem Festplatze erklangen die schönsten Schöpfungen deutscher und ausländischer Tonmeister und entzückten das Publikum. — Bei dem Festmahle, das um i/i2 Uhr unter Teilnahme von ca. 120 Personen stattfand, begrüßte Herr H e r m. E i ch e n a u e r die Festgenossen. Sein Hoch galt der Jugend, welche in den Volksfesten nicht nur Veranstaltungen zu fröhlichem Beisammensein und heiterem Lebensgenüsse erblicken, sondern auch eingedenk sein soll der Opfer und Kämpfe der Besten der Nation bis zur Einigung Deutschlands, der zufolge wir heute im Schutze des mächtigen Vaterlandes diese Feste feiern können. Diese Errungenschaften festzuhalten und hierfür die Jugend zu begeistern, sei allezeit hohe Aufgabe der Aelteren. — Herr Kommerzienrat Körting-Hannover warf einen Rückblick auf die vor 25 Jahren in Frankfurt erfolgte Gründung des deutschen Schützenbundes und gab seiner Freude darüber Ausdruck, hier Mitbegründer des Bundes begrüßen zu können. — Herr Helm konstatierte mit Freuden, daß auch viele Schützen anderer deutscher Verbände in Gießen erschienen, besonders aus Berlin, Hannover, aus Sachsen, Schwaben und den Reichslanden; er hoffe viele dieser Gäste auf der Liste der Preisschützen zu finden. — Der Besuch des Festplatzes am Nachmittag, besonders aber am Abend, rechtfertigte die gute Meinung von der Leistungsfähigkeit der Gießener im Festefeiern; wer nicht durch berufliche Pflichten, Krankheit oder Alter davon abgehalten wurde, pilgerte nach dem Festplatz. Gestern waren nicht nur did seither bevorzugten Hallen, die Festhalle und die Bayerische Bierhalle, sondern auch die bisher leider stiefmütterlich behandelten „einheimischen" Bierhallen nahezu überfüllt, so daß es oft schwer hielt, ein „Dippchen" „Aktien", „Bichler", „Röhrle" oder „Friedel" zu bekommen. Der Besuch des während der ersten Tage ziemlich vernachlässigten Juxplatzes war ein lebhafter, es soll diesmal in den Schau-, Schieß-, Photographie-, Waffel- 2C. Buden ziemlich „Schutt abgeladen" worden fein, nachdem dies Geschäft in den ersten Tagen der Festausschuß bekanntlich vor den Buden besorgen lassen mußte.— Den Hauptanziehungspunkt bildete gegen Abend das von der Firma Weifenbach-Stuttgart abgebrannte Feuerwerk. Dasselbe wurde durch völlige Windstille begünstigt, bewirkte allgemeines Entzücken der wohl auf 7-—8000 Personen zu schätzenden Zuschauerschar und gelang vortrefflich. Die Schlußnummer des Feuerwerks stellte einen Schützen dar, der ein förmliches Konkurrenzschießen begann. Stürmischer Beifall folgte den wohlgelungenen Darbietungen des Feuerwerkers. Das bewegte Leben in den Hallen dauerte bis über Mitternacht hinaus — es wurde noch manches Glas, mancher Krug einheimischen und fremden Stoffes „gepetzt". — Das, wie bereits erwähnt, sehr lebhafte Schießen (es gingen über 7000 Mk. Schießgelder ein) hatte folgende Ergebnisse : Es schossen Becher: Auf Standscheibe: Schlink-Wiesbaden, Jüngst-Biedenkopf, Körting-Hannover, Roether-Bruchsal, Marx-Bruchsal, Fleig-Straßburg, Bayr- Hammer-Stuttgart, Wirtz-Bonn. — Auf Feldscheibe: Leichtlin-Karlsruhe, Funk-Suhl, Meier-Bruchsal, Buschhoff- Worms, Dickore-Gießen, Krauß-Schw.-Gmünd, Doll-Obern- dorf, Vaternahm-Frankfurt, Schreiner-Gießen. — Auf Pistolen: v. St. Ange-Mannheim. — Beste Resultate erschossen:Feldmeisterscheibe: Kopp-Offenbach 51, Hack- Meiningen 50, Haase-Leipzig 49, Berger-Gießen 51, Krumm- Offenbach 53, Dörner-Nürnberg 50. — Festscheibe Mittelrhein: Dörner-Nürnberg 34, Kiffer-Wiesbaden 37, Krauß-Schwäb.-Gemünd 33, Nellen-Randerath 33, Werner- Hannover 33, Kopp-Offenbach 34, Dietrich-Landau 31, Beckel-Wiesbaden 32, Haase-Leipzig 32. — Feldfestscheibe Baden: Krumm-Offenbach 30, Buschhoff-Worms 30, Brauns-Offenbach 37. — Beste Teiler auf Standfestscheibe Gießen: Architekt Nicolaus-Gießen 26 96; auf Standfestscheibe Landau: Kilbinger-Gießen550^ (bisher unübertroffen). — Standmeisterscheibe: Kaufmann-Offenbach 58, W. Jüngst-Battenberg 54, Dr. Rummel- Halle 58, Witte-Solingen 56, Behring-Büdingen 50, Körting- Hannover 51, Dietrich-Landau 54, Großmann-Frankfurt 56, Kopp-Offenbach 56, Frosch-Frankfurt 53,Werner-Hannover 52, Bartels-Wiesbaden 53, Roth-Frankfurt 53, Wolf-Gries- heim 50, Haase-Leipzig 56, Dott-Mannheim 53, Nellen- Randerath 56, Dorner-Nürnberg 57, Buschhoff-Worms 52, Friedlein-Michelstadt 56, Greiner-Staßfurt 52, Zurch-
Frankenthal 55, Kilbinger-Gießen 54. — Wild-Stan dr Frhr. v. Domar-Darmstadt 28, Traine-Mainz 27, Werner- Hannover 30, Arenhold - Wolfenbüttel 29, Reichwein- Wiesbaden 30, Heß-Darmstadt 28, Grimm-Berlin 32, Braun-Worms 30, Nohascheck-Mainz 29, Friedlein-Michel- stadt 28. — Pistolen-Meisterscheibe: Süßengut- Neustadt 32, Arenhold-Wolfenbüttel 33, Haase-Leipzig 32, Traine-Mainz 30, Aydt-Suhl 32, Buschhoff-Worms 32.
* * 17. Verbands-Schießen des Badischen Landes-Schützen- Vereins und des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützen- bundes. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, kommt morgen abend das große Schlachtenpotpourri von Nuscheweyh: „Vor Sedan" zur Aufführung, ein vaterländisches Tonwerk ersten Ranges. — Ferner ist für Montag eine Nachfeier mit besonderem Programm, das noch veröffentlicht wird, geplant.
* * Schützenfest-Omnibnsbetrieb. Zu der heute, Sonntag nachmittag stattfindenden Schlußfeier des Schützenfestes wird die Omnibus-Gesellschaft den Betrieb zwischen Markt —Festplatz in verstärktem Maße wieder anfnehmen. Dagegen werden die Stadttouren in gewohnter Weise eingeschränkt und die Fahrten nach dem Schiffenberger Wald ganz eingestellt.
** In Amerika verstorbene Hessen. Joliet, Jll., Georg H ou ck, 72 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. Johnstown, Pa., Katharina Raab, Gattin von Heinrich Raab, 57 Jahre alt, aus Alsfeld. New-Dork, Heinrich Grix, 60 Jahre alt,, aus Heldenbergen.
Darmstadt, 7. Juli. Aus Anlaß der Wiederwahl des seitherigen Rektors der hiesigen Technischen Hochschule, Herrn Geh. Baurat Professor Koch, wird die gesamte Studentenschaft zu Ehren desselben am Mittwoch, 12. Juli, abends 8 Uhr, im Orpheum einen allgemeinen Kommers veranstalten. — Ein dem Geheimrat Professor Kittler von der Studentenschaft aus Veranlaffung feiner vom Großherzog erfolgten Ernennung zum lebenslänglichen Mitglied der Ersten Hessischen Ständekammer zugedachter Fackelzug wurde aus dienstlichen Gründen und unter dankbarer Anerkennung der großen Ehrung von demselben abgelehnt.
Vermischtes.
* Neue Nachrichten über den Krebserreger machen es wahrscheinlich, daß es diesmal gelungen ist, des Keimes der gefährlichsten und unbekanntesten unter den häufigen Krankheiten habhaft zu werden. Vor einiger Zeit ging die Kunde durch alle Welt, daß Dr. Bra in Paris den Krebs- erreger in Gestalt eines Schlauchpilzes entdeckt hätte. Da ähnliche Gerüchte schon von Zeit zu Zeit in die Oeffentlich- keit gedrungen waren, so mußte man die Nachricht mit großer Zurückhaltung aufnehmen, zumal Dr. Bra allen an ihn direkt gerichteten Anfragen zunächst Schweigen entgegensetzte und auch seinen Mitarbeitern solches zur Pflicht machte. Jetzt hat, wie die „Allgemeinen wissenschaftlichen Berichte" von ihrem Pariser Berichterstatter erfahren, der Assistent Bras, Dr. Chevalier, der Akademie der Wissenschaften eine kurze Mitteilung über die weitern Untersuchungen und deren Ergebnisse gemacht. Einerseits wurden die bereits früher erhaltenen Funde weiterhin bestätigt. Sodann aber hat Bra eine Entdeckung von außerordentlicher Tragweite gemacht. Er hat nämlich nachgewiesen, daß die Luft in den Krankenhaussälen, wo Krebskranke einen mehr oder weniger laugen Aufenthalt nehmen, eine große Menge von Krebskeimen enthält. Der Forscher hat solche Keime aus der Luft entnommen, sie gezüchtet und dann Tieren eingeimpft, die darauf an krebsartigen Erscheinungen zugrunde gingen. Es würde sich daraus der bedeutungsvolle Schluß ergeben, daß die Kranken, die von Krebsgeschwülsten ergriffen sind, die feinen Pilzkeime durch die Drüsen und deren Ausscheidung in der Luftröhre, in der Nase, vielleicht auch in den Augen, aussondern. Ob die dieser Art in die Luft gelangten Keime direkt eine Ansteckung herbeiführen können, ist eine Frage, deren Lösung noch eingehendster Untersuchung bedarf. Dir Kulturen des Krebskeimes sind schwierig zu erhalten; man muß sie in gezuckerte Kuheuter-Bouillon einsäen, auf der sie am besten wachsen. Nach ihrer Entwicklung auf diesem Nährboden kann man sie dann auf andere verpflanzen. Einige Tage nach der Aussaat nehmen die Kulturen eine rubinrote Färbung an, die von der Sporenbildung des Pilzes herrührt. Diese findet nicht statt, wenn die Kulturen an einem dunkeln Orte gehalten werden. Die Keime besitzen jedoch eine ziemlich große Widerstandsfähigkeit, da sie von kochendem Wasser, mit dem sie 20 Minuten in Berührung sind, nicht getötet werden. Unter die Haut verschiedener Tiere geimpft, haben sie bei den Versuchen stets Geschwülste herbeigeführt, die am häufigsten der bösartigen Form glichen,, die beim Menschen als Sarkom oder Carcinom bezeichne! wird; sie verbreiten sich häufig rasch über den ganzen Körper und führen den Tod der Tiere herbei. Dr. Bra ist auch jetzt noch direkten Anfragen gegenüber sehr zurückhaltend, woraus zu schließen ist, daß er volle Sicherheit für feine Annahme noch aus der ruhigen Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Untersuchungen gewinnen will.
* Der Salonwagen des Fürsten Bismarck, welchen der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen im Jahre 1873 dem verstorbenen Altreichskanzler zur freien Benutzung für sich und feine Begleitung zur Verfügung gestellt hatte, wird dem Germanischen Museum zu Nürnberg als historische Kostbarkeit einverleibt werden. Der Wagen steht schon seit längerer Zeit unbenutzt im Bahnhofe zu Friedrichsruh und wäre sicher auch dem Fürsten Herbert zur Benutzungangeboten worden, wenn feine veraltete Bauart die Einstellung in die Schnellzüge gestattete.
* Die Katze als Mörderin eines Zwillingspaares. Der Familie F. in Markranstädt wurde vor einigen Wochen ein Zwillingspärchen beschert. Da nun die Leute als Liebhaber von Katzen sich eine solche im Hause hielten, so ord---


