Ausgabe 
8.6.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag de« 8. Juni

es Blatt.

tt. 132

Adreffe für Drpeschen: Anzeiger chtetze». Fernsprecher Nr. 51.

hatten Der Aufforderung, die Schuldigen auszuliefern,

Ä ®i t"rt mtt einet ^atrouffle von sechs Mann au«, aesandt um im Dorf so viel Vieh zu Müden «ne bet ®ert her oestoblenen und umgeworsenen Baken ausmachte. Als der Beam e das Vieh forttreiben ließ, folgte ihm e,ne große klabl von Dorfbewohnern. Sie nmnngten den Wach^ meifter rissen ihn vom Pferd und warfen mtt Steinen nach ihm Tattert feuerte zunächst, um dte Angreifer zu ve

der Seefoldaten derartig am Kopf getroffenwurde, ß

-»***»& ,;** y

b'n eS tiP° «M Nl-a4£ her nötig den Bewohnern diefer Gegend die deutsche Ober Hoheit mehr vor die Augen zu führen. Jufolg,! dchen legte der Gouverneur ein Detachement von °'"em O str'er und

des dorthin gelegten Detachements bekannt gegeben Es ist

I minmehr den Orten ein letzter Termin gefetzt. Bezayie» sie bi« zu dttsem Termin das Geld, ,° können sie dasselbe

I nanr ober teilweise wieder abarbeiten. Bezahlen sie es Nicht, werden sie gepfändet. Es kommt lediglich daraus an, W-

I sie dem Befehl der deutschen Obrigkeit nachkommen. Die Dörfel hab n jetzt alle die Zahlnng versprochen Bei dieser Gelegenheit kam heraus, daß die T,Pau« (Gemeinde-

I Vorsteher) ihren Dörfern den Befehl, dte Strafe zu zahlen, sowie die Mahnungen verheimlicht hatten. Der Bors,rll bet Bang tsia tsun war also dadurch entstanden, daß dte Leute gar nicht wußten, weshalb man ihnen ihr Vieh wegtrieb.

°°n «nz-tg-n 'N der Michmitt-,- für Iga»« lag -rlchmi-ndn, Wumm« b>- »atm. 10 Uhr.

t «sprint tügNch ul Ausnahme des Montags.

Die Gießener mtllenvkätter eiten dem Anzeiger Amtlich viermal beigelegt.

Alle Anzeigen.vermittlungSstellea deS In- und Ausland«« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«.

ttebattion, Expedition und Druckerei: zchnlstratze Ar. 7.

Deutscher Reichstag.

86. Sitzung vom 6. Juni. 2 Uhr.

Am Bundesratstische: Graf Pvsadowsky, Freiherr Thielmann, v. Bülow, v. Goßler, Tirpitz^

Bor Eintritt in die Tagesordnung erhalt das Wort Staatssekretär v. Bülow. Er machte dem Haust Mtt- , Muna davon, daß Deutschland mit Spanien einen Staats- öKrttaa abgeschlossen habe über die Abtretung der Karolinen-, Maos- L Marianen-Jnseln zur Ausgestaltung emes Meübes in der Südsee. Das mit Spanien getroffene Ab- tommen setze fest, daß die drei Inselgruppen gegen eine Grttschädiaung von 25 Millionen Pesetas an Deutschland o baetreten werden, während Spanien ans jeder derselben tim Kriegs- und Kohlendepot verbleiben soll. Die beiden Staaten^ haben sich handelspolitisch Gleichberechtigung zu- aiesianden Das Abkommen soll so bald wie möglich der «erfasiungsmäßigen Zustimmung der Parlamente unterbreitet mnd sodann ratifiziert werden. Sobald die spanischen Kortes sieH Berkaus der Inseln genehmigt haben werden, wird dem Reichswge die erforderliche Vorlage unterbotet werden. Mit Mcksicht darauf, daß das Abkommen zurzeit noch den spanischen Kortes vorliegt, würde die Regierung es nut Dank anerkennen, wenn der Reichstag vorläufig von einer weiteren Besprechung Abstand nehmen wollte. (Lebhafter

Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten.

Erste Lesung des Nachtragsetats für 1899. Derselbe enthält Forderungen für das Auswärtige Amt und für die Kolonien, für das Neichsamt des Innern, das I Reichsheer die Marine usw, im Gesamtbetrag- von 8569«b9g° ^atDriola (natl.) bedauert, daß die Dotaüon für das Archäologische Institut m Rom um 10 VW Mk. gekürzt worden, daß die an die Gebrüder Denhardt für den Schaden, den dieselben in Witu erlitten haben, zu zahlende Entschädigung nur auf 100000 Mk. bemessen werden solle. Mit den Forderungen für das Heer sei er einverstanden. Er erbitte aber Auskunft über das Inkrafttreten der Militär- | firafprozeßordnung. Den Nachtragsetat beantrage er, an die Budget-Kommission zu verweisen.

Abg. Lieber (Centr.) schließt sich diesem Anträge an. Die Nachtragsetats seien nachgerade zu einer ständigen In­stitution geworden, und das sei bedauerlich im Jntereffe der geordneten Finanzwirtschaft im Reiche und in den Emzel- staaten. Es sollten in Zukunft Nachtragsetats nur m absolut dringenden Fällen eingebracht werden. (Zustimmung). Die vom Vorredner gerügte Kürzung der Dotation für das Archäologische Institut bedaure auch er. Dieselbe dürfe iedttifalls nicht dauernd sein. Die den Gebrüdern Denhardt zugedachte Abfindung sei auch ihm zu gering. « 8 U Abg Bebel (Soz.) ist der Ansicht, daß die große Mehrzahl der in dem Nachtragsetat enthaltenen Forderungen bereits in den ordentlichen Etat hätten eingestellt werden können. Redner berührt sodann die soeben vollzogene Ver­größerung des deutschen Kolonialbesitzes m der Südsee, deren Erwerbungskosten unverhältnismäßig hoch stlen. Jeder der Bewohner jener Südseeinsel würde danach auf 340 Mk.

'^Präsident Graf Ballestrem ruf. den Redner wegen 1 derAeußerungSchandgesetz" »»r Ordnung. (Beifall recht«.)

Staatssekretär Graf Pofadow«ky erklärt, h ÄÄlÄÄ;.'?

tttore^f .reifen 0,01.0, die hin Wat b en i as SgtÄ&j - ssäÄÄw - wie wett die Verhandlungen über die Einschränkung der Verhandlungen der Brüffeler KvMreuz über diesen Gegen "".">'7,SÄ** »!« ÄÄS I sprechung der Erwerbung der Südseeinseln. Den Nachtrag - I etat bitte er an eine Kommission zu verweisen. . . .

Abg. Werner (Antis.) bemängelt dre Geringfügigkeit I der den Gebrüdern Denhardt zugebilligten Abfindung.

Aba. Lenzmann (frf. Vp.) verweist darauf, daß den I Gebrüdern Denhardt ein Rechtsanspruch nicht zur Sette I stehe. Die ihnen zugebilligten 100000 Mark könne man I nicht als ein Trinkgeld bezeichnen. ,

I Abq. Bebel erwidert dem Staatssekretär, daß bisher I noch kein Kulturstaat es gewagt habe, seiner Bevölkerung I ein solches Gesetz zu bieten. _

I Staatssekretär Graf Posadowsly bemerkt, daß I und auch der Reichskanzler den Wunsch hatten, ^neral : I debatte über die neue Vorlage so bald wie möglich statt-

Ausland.

Italien Zur Feier des Verfassungstages am Sonntag bewW le der Luig^ zur allgemeinen Ueberraschuug emen umfassenden politischen Strafnachlaß. Die Thal ist um so bezeichnender, als Pelloux, um den Grundsatz der Autorität zu stärken, bisher immer der empfindsamen Agitation im Lande widerstrebte. Durch das BegnadigungS' bettet werden alle Opfer der Mailänder Maiunruhen von 1898 befreit, besonders die Abgeordneten Turat,, Andrei» und die radikalen Redakteue Romussi und Chiefi. Auch der Duellgegner Cavalottis, der Abg. Macolo, befindet sich unter den Befreiten. Ausgeschlossen ^nd nur RiickfäMge, all Mcktiaen und solche, die Blut vergossen haben. Die Radi­kalen sind allerdings auch jetzt voch unzufrieden weil keme Amnestie, sondern nur ein Strafnachlaß bewilligt ist. Den Wünschen der großen Mehrheit des Volkes wird die Amnestie

APtiimen denn in der Kammer haben sich gegen Wflfiftr Wahlen, der »"«eilten «bgeorbneten st-ts kaum zwei Dutzend Stimmen ausgesprochen.

I 1 Niedttlande. Der Draht ist in der Lage, aus dem Haag über dieThätigkeit der Friedenskonferenz etwa« melden zu können was zunächst nach der Möglichkeit emes vor- läufigen Teilerfolges aussehen könnte. Et! handeltsich um die Frage vom internationalen Schiedsgericht, fur d der Unterausschuß der dritten Kommission emen Entwurf bCetreftenbabie guten Dienste und bie Vermittelung °°r-

I neleat hat. Der Entwurf lautet wie folgt. Artikel i. Um so viel wie möglich zu vermeiden, baß tut deni tnter- I nationalen Beziehungen S» "nem Machtmittel gegrstfe« wird, sind die Signatarmächte dahm uberem gekommen, alle Anstrengungen auzuweuden, um durch friedliche Mttli 1 eine Lösung der Streitfragen herbeizusuhreu. »/- Tfnt Falle schwerwiegender Meinungsverschiedenheiten oder eines Konfliktes werden, ehe zu den Masten Snutcn «irb, bie Siguatarmachte ihre Zuflucht zu den gute«, Diensten ober der Vermittelung einer ober mehrerer besreundeter Mächte nehmen, falls nicht außerordentliche Um«de dem entgigenstehen. - Art. 3: Unabhängig von bte(em Wtel halten die Signatarmächte es für «tzUch, daß etn od r

I mehrere an dem Streitfall unbeteiligte Machte aus e g

geben kommen. Eine Vorlage, welche die gleiche Summe von rund 17 Millionen Mark zur Bekämpfung der Lungen- tuberkulose fordere, würde jedenfallsmit größerem Beifall aufaenommen werden. Was die Zuchthausvorlage anlange, (n hoffe er dast der Reichstag, noch bevor er auseinander, gehe, wenigstens die erste Lesung dieses Sch«bg-setzeS er­ledigen werde. (Beifall bei den Sozialdemokraten, Unruhe

^n^E®er Nachtragsetat wird an die Budget-Kommission 6Clto®S folgtbie erste Lesung des Entwurfes einer Reichsschuldenordnung. , , ....

Reichsschatzsekretär Frhr. v Thälmann begründet die Vorlage, die die Zusammenfassung aller bas Reichs­schuldenwesen betreffenden Gesetze und Verordnungen bezwecke. Er bitte um Annahme des Entwurfes.

Abg. v. Strombeck (Centr.) beantragt Verweisung an die Budget-Kommission.

Die Vorlage geht an die Budget-Kommission.

Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung. Gesetz betreffend die Verwendung von Mitteln des Reichsmvaliden- fonds; Fortsetzung der zweiten Lesung des Jnvaliden-Ver- sicherungsgesetzes.

Schluß 51/* Nhr. _______

Deutsches Reich.

__ <tm Reichstag sind die Geschäftsbestimmungen dahin in Aussicht genommen, daß zunächst unter allen Um­ständen die Novelle zum Jnvalidenversicherungsgesetz durch­beraten werden soll. Alsdann sollen der Nachtragsetat, der Gesetzentwurf betr. das Flaggenrecht bei Kauffahrteischiffen und der Gesetzentwurf betr. die Handelsbeziehungen mit England vollständig erledigt und der Gesetzentwurf zum Schutz des gewerblichen Arbeitsverhältnisses der ersten Be­ratung unterzogen werden. Alle Übrigen Vorlagen wie die Vostnovelle, Fernsprechgebührenordnung, der Gesetzentwurf betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, die Novelle zur Gewerbeordnung u. a. werden bis zur Herbstsession lieg bUi6el Aus Kiautfchou. Von einem neuen Zusammen- stoß deutscher Soldaten mit Chinesen berichten die ..Nachr. aus Kiautschou". Es wird da erzählt: Die Bewohner des Dorfes Jan tsia tsun, das etwa 15 Kilometer hinter-Litzun, aber noch auf deutschem Gebiete liegt, hatten Die Vermeffungs- arbeiten des Gouvernements gestört, .«idem sie die^ auf- gestellten Baken teils mutwillig umgerlssen, teils gestohlen

1899

?8e»ttg»prel- vierieltährlich

2 Mart 20 Psg.

monatlich 75 Pfg.

mit Bringertoh«.

©ei Postbezug

2 Mark 50 Pfg.

vierlelfahrlich.

Mehener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Amts- und Anzeis-blntt füv den Nvei^Gi-^n

Amtlicher Teil.

Gießen, den 6. Juni 1899. I Betr.: ©nabenberoiaigungen aus bem Kaiserlichen

Dispositionsfonds.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

«m bie «rotzh. Cütgermetftereieu be8 Kreises.

Bom 1. April bsr. IS. ab ist bie Entscheibung über Nrterstützunasgesuche ehemaliger Angehöriger der Unter-

T*ffitwpanbe.^unb ber S^Verroaltnng, bei w der Hinterbliebenen solcher, vom Komgl. Preußisch ^egsnttniNm auf bie Generalkommando» ber Provinzial- anneekorps übergegangen. , QP;thunfte

Auf die Generalkommandos ist zu gleichem Opuntie ferner bie Vorbereitung ber Anträge auf G»°^»bew'll,gungen «H bem Kaiferl. Dispositionsfonds bei ii solche Hinterbliebenen ttbergegangen, Maßgabe 6er §§ 41 si. und 94 ff. des Milttär-PensionS- H.!fetzeS gefetzliche Beihilfen zu gewahren sind.

®SirB empfehlen Ihnen, Vorstehende« in Ihren Ge- lwinden ortsüblich bekannt zu machen.

v. Bechtold. ,