Ausgabe 
7.10.1899 Erstes Blatt
 
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Rom, 5. Oktober. Das Telegramm des deut­schen Kaisers an Crispi macht hier einen tiefen Ein­druck. DieTribuna" schreibt, das Telegramm sei ein Beweis, daß das große Friedenswerk Crispi's kein ver­fehltes sei.

Paris, 5. Oktober. Der Abgeordnete Lasies beab­sichtigt den Kriegsminister beim Wiederzusammentritt der Kammer über die Strafversetzung mehrerer Offiziere zu interpellieren.

Paris, 5. Oktober. Der russische Minister des Auswärtigen Graf Murawiew wird am Montag zu mehrtägigem Aufenthalt hier erwartet. Der hiesige russische Botschafter wird zu diesem Zweck seinen Urlaub unterbrechen und zum Empfang des Ministers hier­her kommen.

Paris, 5. Oktober. Dem Figaro zufolge dürfte trotz der Opposition seitens der Anwälte der in der Komplotts- Affaire verhafteten Personen die Untersuchung hierüber bereits innerhalb acht Tagen beendet sein. Das Blatt sagt, die heute aufgetauchte Meldung von der bevorstehenden Ver­haftung des Generals Noget, Beaurepaire's und des Rich­ters Grosjean müsse man mit Vorsicht aufnehmen.

Belgrad, 5. Oktober. Der Gendarmerie-Haupt­mann Georgiewic, welcher von Knesevic beschuldigt worden war, ihn und Angelic zum Selbstmorde angestiftet zu haben, wurde vom Kriegsgericht freigesprochen.

Mairs und UrsviuMes.

Gießen, 6. Oktober 1899.

** Geschichtskalender. Vor 328 Jahren, am 7. Oktober 1571, errang Karts V. natürlicher Sohn, Don Juan d'Austria, In bet Seeschlacht von Lepanto einen glorreichen Steg über die Türken, der jedoch ohne anderes Resultat blieb, als daß die türkische 'Flotte vernichtet wurde Die geschwächte Pforte fand später Zeit, sich von diesen Verlusten zu erholen und die christlichen Länder von neuem mit ihrer despotischen Herrschaft zu erdrücken.

** Tanzstunden. Mit dem Eintritt der kälteren Jahres­zeit beginnen auch die Tanzstunden wieder. Wie erwartungsvoll und sehnsüchtig schlagen die jungen Herzen der niedlichen Backfische und der ritterlichen jugendlichen Diener des Kaufmannsstandes, oder was sie sonst sein mögen, dem Augenblicke entgegen, wo der Meister Terpsichores seine Fidel ertönen läßt, und die zahlreichen niedlichen Füßchen sich nach dem Takte derselben zu bewegen beginnen. Natürlich ist die Sache für den ersten Augenblick nicht so leicht, wie sie aussieht, und so mancher Hopser und mancher Schritt entspricht nicht den Anforderungen des gestrengen. Herrn Lehrmeisters, und fällt nicht so graziös aus, wie es derselbe verlangt. Manchmal gehts sogar auch nicht ohne eine unsanfte, schmerzliche Berührung des nachbarlichen Füßchens ab. Doch was thuts! Uebung macht schließlich auch hier den Meister, welcher bekanntlich niemals vom Himmel gefallen sein kann, und bald schwebt man im Fluge über das glatte Parkett des Saales hin. Solch eine Tanzstunde ist eigentlich immer der Abschluß der fröhlichen Mädchenzeit. Nach ihr treten unsere Töchter in die große Gesellschaft ein, in die glänzenden Ballsäle mit ihren vielen Lichtern, ihrem Flitter und Tand, und ihren glatten, lack­stiefelbekleideten Schmeichlern, bei deren faden Worten die nunmehr erwachsenen jungen Damen wohl manchmal gern an das unbeholfene und doch so freundliche Geplauder ihres jugendlichen Tanzstundenpartners zurückdenken. Bei dem war es doch wirkliche Herzlichkeit, wenn die Sätze auch manchmal ein bischen schwerfällig herauskamen, hier sind es in der Regel nur in schöne Worte gekleidete Spekulationen auf den Geldsack der heiratsfähigen Töchter des Hauses.

** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 27. September d. Js. dem Fußgendarmen K lick vom Großh. Gendarmeriekorps die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, am 5. Juli d. I. dem Bürgermeister Heinrich M o m b e r g e r IV. zu Unter Seibertenrod das Silberne Kreuz desselben Ordens, am 4. Oktober d. I. dem Oberknecht Philipp Emmel zu Langsdorf, in Diensten des Großherzogl. Bürgermeisters Köhler daselbst, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In­schrift:Für treue Arbeit" zu verleihen geruht.

* Charaktererteilung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 30. Sep­tember l. Js. dem Maler Peter Behrens zu Darmstadt den Charakter als Professor zu erteilen.

* Sektion Gießen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. Der für Donnerstagabend angesagte Vortrag des Herrn Professor Dr. Sommer über Reise Erinnerungen aus Spanien vereinigte eine stattliche Zahl Mitglieder und Gäste im neuen VereinslokalZum Andres". Mit regem Interesse folgten die Hörer den anziehenden, lehrreichen und überaus anschaulichen Schilderungen des verehrten Redners, dessen seltene Beobachtungs- und Darstellungsgabe die Kunst zu reisen vollendet zu lehren vermag. Der fesselnde Vortrag wurde durch Karten, Grundrisse, Photographien und Druck­erzeugnisse erläutert und fand den ungeteilten Beifall aller Anwesenden. Möge dem anregenden, vielverheißenden gang folgen ^CUli9Cn Wintersemesters ein gedeihlicher Fort-

**B. Zur Eoethefeirr im Stadttheat». Die Redaktion sieht sich unter Bezugnahme an die gestern erschienene Rezension zu derBerichtigung" veranlaßt, daß in dem be­sprochenen Prolog von Alfred Bock der Ausdruck Mehr Licht" nur eine symbolische Anwendung gefunden statt- und Goethe gar nicht in den Mund gelegt war. Aber auch wenn dies der Fall, wäre es das eigenste Recht des Dichters gewesen, von einem Wort Gebrauch zu machen, das, abge­sehen von den Weimaranern und Litterarhistorikern, die Tradition dem deutschen Volke lieb und wert gemacht'hat.

* * Aus dem Theaterbnrean. Kommenden Sonntag findet die erste Gesangspossen-Aufführung statt, und zwar hat die

Direktion hierzu den überall gern gesehenenStabstrom­peter" gewählt, worin die Komiker und Soubretten be­sonders hervortreten werden.

A Aus dem Wahlkreise Babenhausen-Seligenstadt, 5. Okt. Die Sozialdemokraten sind gegenwärtig eifrig be­müht, dem bisherigen Zentrumsabgeordneten, Weinhändler und Hoflieferanten David Horn in Seligenstadt, das Mandat streitig zu machen. In zahlreichen sozialistischen Sonntags­versammlungen wird zugunsten sozialdemokratischer Wahl­männer agitiert. Ein Landtags - Kandidat der Sozial­demokraten ist indessen bis jetzt nicht nominiert. Selbst­redend ist angesichts der gegnerischen Anstrengungen auch das Zentrum in rühriger Thätigkeit. Es dürfte wohl auch kaum gelingen, den Zentrumskandidaten aus seiner ge­sicherten Position zu verdrängen, zumal ein Kompromiß zwischen den nationalliberalen und den sozialistischen Wahl­männern kaum denkbar ist.

A Bieber (bei Offenbach), 5. Oktober. An einem der letzten Nachmittage fanden drei Arbeiter des Zimmer- mann'schen Möbeltransdortgeschäfts bei Offenbach auf der Staatsstraße zwischen Bieber und Offenbach in der Ge­markung Bürgel einen fremden Radfahrer röchelnd und augenscheinlich mit dem Tode ringend neben seinem Stahl­rosse auf der Erde liegen. Ein zufällig des Weges kommender Gendarm aus Seligenstadt requirierte sofort polizeiliche und ärztliche Hilfe aus Bürgel und Bieber, welche auch alsbald bereitwillig gewährt wurde. Der Ver­unglückte, welcher als der etwa 42 Jahre alte, verheiratete Weißbindermeister Martin Paul aus Obertshausen erkannt wurde, starb auf dem Transporte nach seiner Heimatgemeinde.

Fürth i. O., 4. Oktober. In die sogenannte Brand­strafklasse wurde die Gemeinde Steinbach versetzt, da seit einer Reihe von Jahren dorten zahlreiche Brände vor­kamen, die der Vermutung Raum geben, als würden vor­sätzliche Brandstiftungen stattfinden oder daß große Fahr­lässigkeit in Bezug auf Feuersgefahr obwaltet. Auch sollen sich eine verhältnismäßig große Anzahl von Bewohnern Steinbachs beim Löschen säumig und unfolgsam erwiesen haben. Bezeichnete Maßregel hat zur Folge, daß von Neujahr ab auf 5 Jahre die Beiträge zur Brandversicher­ung für alle Gebäude Steinbachs um ein Fünftel erhöht werden.

Frankfurt, 5. Oktober. Pferdemarktlotterie. Wie wir bereits kurz mitteilten, wurde gegen die Giltigkeit der gestrigen Ziehung der Pferdemarktlotterie Protest erhoben. Ueber den Thatbestand hört dieFrkf. Ztg." folgendes: Während der Ziehung fielen gegen 6 Uhr aus dem kleineren Rade, in dem sich die Gewinnnumern befinden, infolge Un­vorsichtigkeit beim Oeffnen der Verschlußklappe eine geringe Anzahl von Nummern heraus. Der die Ziehung über­wachende Notar sowie der anwesende Polizeikommissar hoben die Nummern auf und legten sie in das Rad zurück, worauf die Ziehung ihren Fortgang nahm. Beim Schluß derselben gegen 8 Uhr legte ein als Zuschauer anwesender Metall­händler Peter Becker, Alte Mainzergasse 14, Protest ein und erhob Beschwerde beim Polizeipräsidium, die je­doch, wie wir erfahren, zurückgewiesen worden ist. Die Drucklegung der Ziehungsliste, die bis nach Beilegung des Streitfalles hinausgeschoben wurde, erfolgt heute.

Uermischies.

* Berlin, 4. Oktober. Ein skandalöser Vorgang wird derStaatsbürger-Ztg." wie folgt geschildert: Eine Berlinerin, die sich der Erholung wegen in Oranienburg aufhielt, starb dort und sollte nun mit einem Leichenwagen nach Berlin gebracht werden. Der Kutscher und ein Ar­beiter, beide aus Oranienburg, die die Leiche begleiteten, betranken sich auf der Fahrt derart, daß sie mit der Leiche mehrere Tage unterwegs blieben und erst gestern nachmittag um 3/2 Uhr in einem kaum glaublichen Aufzuge in Berlin in der Reinickendorferstraße eintrafen. Der Arbeiter lag chwer betrunken neben dem Sarge, der offen war. Der Wagen selbst war in sehr beschädigtem Zustande, die Decke zerrissen u. s. w. Das Gefährt erregte ein ungeheures Aufsehen und einen kolossalen Auflauf. Schutzleute aus dem 69. Revier in der Reinickendorferstraße nahmen den Kutscher und den Arbeiter vom Wagen weg fest, während )as Gefährt auf den Hof des Neviergrundstücks gebracht wurde. Ein im Nebenhause wohnender Fuhrherr wurde pätcr beauftragt, die Leiche nach der Halle zu schaffen, während der Kutscher und der Arbeiter in Haft behalten wurden.

* Hamburg, ö. Oktober. Die Untersuchung des gräßlichen Unglücks am Klosterthorbahnhof ist, geleitet von Oberbaurat Misani aus Berlin und Ober- taatsanwalt Keßler von hier, im Gange. Was dabei heraus­kommen wird, läßt sich schon jetzt voraussehen. DerFrkf. Ztg." wird darüber geschrieben: Keine Schuld trifft zunächst die Verunglückten selbst, die nicht, wie eine Meldung an- angs besagte, gegen Befehl auf dem Geleise sich aufhielten, ondern dort und in dem Unglückstunnel von dem Führer des Transports, Oberleutnant von Eichmann vom 13. Dra­goner Regiment, aufgestellt waren. Auch dieser Offizier ist ohne Verschulden an dem Unglück; er war von der Bahn- verwaltnng nicht darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Platz an dem Tunnel höchst gefährlich sei. Der un­mittelbar Verantwortliche scheint demnach der aufsichtführende Bahnbeamte, Stationsassistent Scharff, zu sein und dieser, von dem erzählt wurde, er blicke gerade gestern auf eine Amtsthätigkeit von 25 Jahren zurück, ist denn auch sofort uspendiert worden. Daß damit aber nur ein Sündenbock geschlachtet worden und der wahre Schuldige ganz wo anders zu suchen ist, darüber besteht hier nur eine Stimme. Der Verantwortliche ist die Bahnverwaltung, die in nner Großstadt von drei Viertel Millionen so skandalöse Bahnhofsverhültnisse bestehen läßt. Und wenn schon

alle Hamburger Bahnhöfe grotesk sind, so der am Kloster- thor geradezu jämmerlich. Milten auf der Straße, vor einem ganz kleinen Stationsgebäude, passieren hier täglich gegen 200 Züge. Läuft gerade ein Zug ein, was also oft genug vorkommt, so müssen Passanten, Fuhrwerke, elektrische Trambahnen, minutenlang warten. Durch das Loch, in dem das Unglück passierte, geht der ganze Verkehr mit dem Norden. Die Bahnhofsstraße hinunter fahren die Züge, da man doch nicht ganze Straßen in der Längsrichtung mit Barriören versehen kann, in verlangsamtem Tempo. Daß hier nicht alle Tage ein großes Unglück passiert, ist wahr­haft erstaunlich, und am meisten wundern sich darüber die Bahnbeamten. Nun ist ja ein neuer Zentralbahnhof für Hamburg in Aussicht genommen, der vielleicht in 45 Jahren fertig sein wird. Inzwischen aber sollte man doch alles Mögliche ihun, um wenigstens zu vermeidende Gefahren bei dem riesig wachsenden Verkehr auszuschließen; vor allem also ist an so gefährdeten Stellen ein ausreichendes Personal unerläßlich. Was aber die Bahnverwaltung für ihre erste Pflicht hält, das wird in einem ministeriellen Erlaß ver­raten, von dem ein königlicher Stationsbeamter dem sozial­demokratischenEcho" Mitteilung gemacht hat. Darin ist Ordre gegeben, alle im vorigen Jahre infolge der Unfälle mehr eingestellten Beamten thunlichst wieder zurückzu­ziehen. Infolge dessen wandern die drei Betriebskontroleure der Direktion Altona täglich umher, um zu erkunden, wo noch ein Assistent, Weichensteller oder Rangierer zu viel vorhanden ist. Der Einsender ist der Ansicht, daß die an­geklagten Beamten vor Gericht über diese Zustände befragt werden müssen, damit der wahre Schuldige, nämlich das herrschende Sparsystem, aufgedeckt werde.

Reichenbach i. D., 4. Oktober. Zu dem bereits gemeldeten entsetzlichen Todessprung des Kontoristen Scharf von der Göltzschthal- brücke wird heute noch ergänzend gemeldet: In dem Leichnam ist that- sächlich der aus Reichenbach gebürtige 23 Jahre alte Expedient Fritz Scharf erkannt worden, welcher voriges Jahr nach beendeter Dienstzeit beim Leibgrenadier-Regiment Rr. 100 aus dem Militär entlassen worden und seitdem in Leipzig in Stellung gewesen war. Der junge Mann, eine heitere, gesellige Natur, war am Samstag aus Leipzig in Reichen­bach angekommen, hatte daselbst noch bis in die späte Nacht mit einigen Freunden in einer Konditorei verkehrt, ohne irgendwelche Andeutungen seines unseligen Vorhabens von sich zu geben, schrieb dort auch noch eine Karte; gegen 3 Uhr morgens trennte man sich. Der Todeskandidat ging allein zur Brücke. Auf der Mitte des Viadukts entledigte er sich des Rockes und Hutes und vollführte nach der Greizer hin den entsetz­lichen Sprung in die Tiefe. Ein Aufspritzen der jetzt hochgehenden Göltzsch, und alsbald schwamm ein äußerlich anscheinend wenig verletzter Leichnam ab. Bei Jahns Wehr wurde er kurz nachher aus der Flut gezogen. Was den Beklagenswerten zu der entsetzlichen That getrieben, darüber verlautet z. Z. nichts näheres. Der Sturz von der Brücken­ballustrade bis zur Sohle des Göltzschbettes mißt 78,5 Meter.

Gerichtssaal.

8. Darmstadt, 5. Oktober. In der heutigen Schwur- gertchtsoerHandlung gegen den 43 Jahre alten israelitischen noch ledigen Kaufmann Simon Heil von hier, sowie gegen Bau­unternehmer I. Leopold wegen betrügerischen Banke­rottes resp. bet Leopold Beihilfe dazu verneinten die Geschworenen die Schuldfrage, nahmen vielmehr nur schlechte und nachlässtge Buch­führung an und verurteilten den Angeklagten Heil zu 6 Monat.» Gefängnis, unter Annahme mildernder Umstände und Anrechnung von 3 Monaten Untersuchungshaft. Leopold wurde ftetgesproch.», auch Heil wurde vorläufig tuf freien Fuß gefitzt, da Fluchtverdacht nicht oorliegt. Die SchwurgerichtSsefston fand damit ihren Abschluß»

Dudenhofen, 5. Oktober. Der 17jährige Maurerlehrling Adam Kratz dahier wollte kürzlich den nach Offenbach fahrenden Frühzug benutzen und bestieg die Plattform des Wagens 4. Klaffe. In den Wagen selbst konnte er nicht gelangen, weil einige Fahrgäste aus Ntederroden von innen den Zugang versperrten, obgleich der Wagen noch für mehrere Psssagicre Platz bot. Der Aufforderung des diensttbuenden Schaffners, entweder in den Wagen hineinzugehen oder die Plattform durch Absteigen zu verlassen, kam Kratz nicht nach, weshalb er mittelst -Strafbefehls in eine Geldstrafe von 10 Mk. genommen wurde. Auf seinen hiergegen erhobenen Einsp-uch wurde er heute vom Seligenstädter Schöffengericht von Strafe und Kosten fretgckprochen. Das Gericht ging von der Ansicht aus, daß Kratz den Wagen nicht habe verlaffen können, ohne sich, ds der ohnehin verspätete Zug jeden Augenblick abfahren konnte, der Gefahr eines Unglücks auszusetzen. Anderseits sei ein Passagier nicht verpflichtet, sich gewaltsam Zutritt in einen Wagen zu verschaffen; daö sri viel­mehr lediglich Sache des Bahnpersonals. Darum auch sei es korrekter gewesen, die renitenten Fahrgäste im Wagen zur Aufgabe ihres Widerstandes aufzufordern und event. zur Anzeige zu bringen. Der Amtsanwalt hatte nur eine Herads tzung der verhängten Geldstrafe beantragt. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.

DieHarmlosen" vor Gericht.

(Fortsetzung.)

Berlin, 5. Oktober 1899.

Pr; Schwind! verlieft ein Telegramm des Generals v. Kröcher, wonach derselbe heute Mittag als Zeuge erscheint. Zeuge Hauptmann v-Unger, über das Ausscheiden des Angeklagten v. Kröcher au6 dem aktiven Dienst befragt, teilt mit, hierüber nichts zu wissen. Z^uae Regierungs Referendar v. Kardorff-Ltegnitz bckundet, düß er zum Eröffnungs-Diner des Klubs der Harmlosen eine vom Grasen Egloffstetn unterzeichnete Einladung erhalten habe. Auf Befragen weshalb er der Einladung nicht Folge geleistet, erwidert der Zeuge lachend: Zu einem Diner, zu welchem Graf Egloffstetn cinlabet, gehe man doch nicht. Auf die Frage nach dem Grunde sagt der Zeuge, daß der Graf vom 10 Ulanen Regiment in BreSlau unter eigen­tümlichen Umständen verabschiedet worden sei. Der Präsident fragt ob die Berliner Herren hiervon nichts gewußt hätten, worauf der Zeuge erwidert: Merkwürdigerweise nicht. Er, der Zeuge, habe es als Schlesier gewußt. Wetter teilt Zeuge auf Befragen mit. er habe vor dem Eröffnungsdiner seinem Erstaunen darüber Ausdruck ge­geben, daß man mit dem Grafen Egloffstein verkehre. Zeuge, welcher Couleurbruder des Angeklagten v. Kaiser war, kann wider denselben nichts Ebrcnrübriges nachsagen. Auch sei der Angeklagte sogar nach der Veröffentlichung der Artikel des Berliner Tageblattes nicht aus der Verbindung ausgestoßen worden. Im weiteren Verlauf der Verhandlung kommt es zu einer erregten Debatte über die Frage, 03 der Zeug- o. Äarboiff gespielt habe, um seine Lebensoerhältnisse zu verbessern. Der Zeuge erklärt in äußerst lebhaftem Tone: selbst­verständlich sei sein Sinn nicht von vornherein darauf gerichtet ge­wesen. seinen Lebensunterhalt durch das Spiel zu verbessern. Dec Präsident rügt das unpassende Auftreten des Zeugen v. Kardorff. Er ruft demselben zu, er sei hier nicht Partei, sondern Zeuge und habe einen Ton anzufchlagen, wie er es in seinen Kreisen gewohnt sei. Zeuge will daraus erwidern, erhält aber vom Präsidenten das Wort nicht. Derselbe sagt äußerst energisch: W-nn Sie sich nicht ruhig verhalten, werde ich Sie in Strafe nehmen; das wäre ja unerhört, wenn ein Zeuae die Situation beherrschen wollte. Der Zeuge entschuldigt sich schließlich wegen seiner Erregung und wird darauf entlassen. Der nächste Zeuge ist der Leutnant o. Bullert- Poppenberg. Er hat mehrmals mit dem Angeklagten v. Kayser zusammen gespielt, kann aber über dessm Verhalten beim Spiel

Kirch (hat Sonntag den 8.

3 Bormittags 9% U . Beichte unb Hei/. gemfinbe. Mnmelbung erbten.

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SSÄfi» £--wS gegeben habe. W machen, in welcher Dm ihm seinerzeit von dem ö verschiedenen Phasen des Lerlause wird der baß er verschiedene Unter Manteuffel gehabt habe, : Journals' vom 25. Sepie, mar! erllart, daß der Ast v. Manteuffel beruhe. H- ihn günstig achusogen, d batten. Hm von Ma geschrieben. Der Gerichts Wiedererscheinen sagt der Initiative in Erwägung g- ber Untersuchung die Haste scheine, weil der dringende nicht mehr vorhanden sei i erfolgt sei. Sämtliche' Bert geklagten. Tie Angeklagten die Erklärung abzugeben, d nicht von Berlin entsernen W Ertlänmg ab. Der 6u% tot W zu enAffen, liegt. Die AngeUagten w wesenden Freunden herzü, und küßt ihren Sohn.

Obftver här*--. SeUn-A ZS sKZ et Äreirt«

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