Ausgabe 
7.10.1899 Erstes Blatt
 
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Samstag den 7 October

Nr. 236

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Erstes Blatt.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Amts- und AnZergeblatt fflr den Kreis Gietzen.

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GraÜrKMage«: Gießener FsMNiEStter, Der heWche KsuLwirt, KlSttrr für hessische Volkskunde.

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Mlrefle für Depeschen: Jütitig« SUtta, Fernsprecher Nr. 51.

AmtlicherJell.

Bekanntmachung,

betr.: Die Herbstübungen in 1899.

Die Großh. Hessische (25.) Division hat an Großh. Ministerium des Innern das nachstehende Schreiben gerichtet, welches wir hiermit zur allgemeinen Kenntnis bringen.

Gießen, den 4. Oktober 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Darmstadt, den 28. September 1899.

Nu das Grotzh. Ministerium des Innern

Hier.

Dem freundlichen Entgegenkommen der Großh. Be­hörden entsprechend, ist die Aufnahme, welche die Truppen der Division während der eben beendeten Herbstübungen allerorts gefunden haben, eine so warme und wohlthuende gewesen, daß es mir zur angenehmen Pflicht gereicht, den Bewohnern der Provinz Oberhessen im Namen der ganzen Division herzlichsten Dank hierfür auszusprechen.

Ich gestatte mir, die hochgeneigte Vermittlung Großh. Ministeriums ganz ergebenst zu erbitten, um diesen Dank in geeignet erscheinender Weise zur Kenntnis der Beteiligten zn bringen.

(gez.) Freiherr Schilling von Canstatt, Generalleutnant und Divisionskommandeur.________

Gießen, den 6. Oktober 1899.

Betr.: Lehrerkonferenzen.

Die

Grotzh. Kreis-Schulcommisswn Gießen au die Schulvorstände und Bürgermeistereien des Kreises.

Wir beauftragen Sie, den Lehrern Ihrer Gemeinden Mitzuteilen, daß in diesem Herbst folgende Bezirkskonferenzen abgehalten werden:

1) Für den Bezirk Lich Hungen

Montag de» 16. Oktober, vormittags 10 Uhr, beiKohlheyer" in Hungen.

2) Für den Bezirk Gießen

Dienstag den 17. Oktober, vormittags 10 Uhr, imCafs Ebel".

3) Für den Bezirk Grünberg

Mittwoch den 25 Oktober, vormittags 10 Uhr, imHirsch".

Die Herren Referenten werden gebeten, ihre Referate bereit zu halten. An die Konferenzen schließt sich ein ein­faches Mittagesien an.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche unter den Rindvieh­beständen zu Frechenhausen (Kreis Biedenkopf) bis auf zwei Gehöfte erloschen ist, ist die Gemarkungssperre auf­gehoben worden.

Ueber die Gehöfte des Jakob Hansmann I. und Johs. Becker VII. bleibt die Sperre bestehen.

Die Maul- und Klauenseuche unter den Rindvieh- beständen des Ludwig Sch epp III. zu Endbach, Jakob Franz zu Bischoffen und Peter Schneider zu Zrieder-Weidbach (Kreis Biedenkopf) ist erloschen.

Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben.

Gießen, den 4. Oktober 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

________________v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Wegen der in 11 ländlichen Ortschaften und in der Stadt Wetzlar herrschenden Maul- und Klauenseuche und da die Seuche in den angrenzenden Nachbarkreisen in gefahr- drohender Weise besteht und noch weiter um sich greift, sehe ich mich genötigt, den auf den

11. Oktober d. IS. i» Schwalbach

anstehenden Vieh markt hiermit aufzuheben.

Die Herren Gemeindevorsteher des Kreises ersuche ich, die vorstehende Anordnung auf ortsübliche Weise in der «Gemeinde sofort bekannt machen zu lasten.

Wetzlar, den 1. Oktober 1899.

Der Königliche Landrat.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im 1. Körbezirk.

Die Körkommission des 1. Körbezirkes (Vogelsberger Vieh) wird nachfolgenden Körtermin abhalten:

Montag den 9. Oktober ds. I., vormittags 11 Uhr,

in Große n-Linden.

Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lasten wollen, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von der betreffenden Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können.

Anmeldungen zur Körung sind an den Vorsitzenden dieser Kommission, Herrn Oberamtmann Hoffmann-Hof- Gill, oder dem Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Beilstein-Laubach, zu machen.

Laubach, den 3. Oktober 1899.

Der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhesten. Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

xx Der südafrikanische Krieg.

Unser Berliner Korrespondent schreibt uns:

Der Worte sind genug gewechselt, jetzt laßt uns Thaten sehn", so denken jetzt Engländer und Buren, und besonders bei den letzteren macht sich eine so große Thaten- lust geltend, daß den Herren Briten doch etwas ängstlich werden muß. Zwar ist der Krieg noch nicht formell erklärt worden, aber die Feindseligkeiten haben begonnen nicht durch einen Angriff der Buren, sondern durch den Einmarsch englischer Truppen in das Gebiet des Oranje-Freistaats. Dieser, dürste sich nach allen bisher eingelaufenen Meldungen mit der Transvaal-Republik solidarisch erklären und gegen die Engländer ins Feld ziehen. Gerüstet wurde im Oranje­staat schon seit längerer Zeit, auch sind bereits größere Truppenmasten an die Kaplandgrenze abgegangen. Daß England die Offensive ergriffen, hat einigermaßen über­rascht, da man allgemein annahm, es läge der britischen Regierung daran, den Beginn des Krieges möglichst hinaus­zuschieben. Anscheinend glaubt man sich wider Erwarten doch stark genug, ohne die in Aussicht stehenden Verstärkungen wenigstens den Oranjefreistaat zum Schweigen zu bringen. Ob das gelingt, wird sich bald zeigen. Jedenfalls haben es die Engländer jetzt mit einem ernsten Gegner zu thun, der für ein hohes Ideal kämpft und entschlossen ist, die Unabhängigkeit seines Landes mit Gut und Blut zu ver­teidigen.

Wir haben schon früher ausgeführt, daß Transvaal auf irgend welche Unterstützung eines europäischen Staates nicht rechnen darf. Die Sympathien für die Südafrikanische Republik, so groß sie auch sonst sein mögen, erstrecken sich nicht so weit, daß sich ein anderes Reich dieserhalb engagiert. Man hat wohl daran gedacht, daß Frankreich der Aus­dehnung der englischen Machtsphäre in Südafrika sich wider­setzen würde, da dadurch seine Interessen in Madagascar geschädigt werden könnten. Aber vorläufig ist England noch gar nicht der Sieger, und dann muß es auch erst Ansprüche geltend machen, ehe denselben entgegengetreten werden kann. Ueberdies ist für Frankreich der Zeitpunkt sehr ungünstig, sich in ernste Konflikte einzulaffen, denn die Pariser Weltausstellung steht vor der Thür, an der der französische Nationalwohlstand so ungemein interessiert ist. Da heißt es für die Pariser Regierungsmänner die Zähne zusammenbcißen und selbst die Nieder­lage von Faschoda vergeffen. Also Transvaal und Oranje- Freistaat stehen dem großen England allein gegenüber, und es gehört wahrlich ein Todesmut dazu, diesen unglücklichen Kampf aufzunehmen. Denn Englands Hilfsmittel sind be­deutend, und es darf mit einem großen Nachschub rechnen, während die Buren von vornherein sämtlich ins Feld ziehen und auf Ergänzung ihrer Streitkräfte nicht hoffen können. Viel wird darauf ankommen, ob die von England unter­jochten südafrikanischen Stämme, die Matabeles usw., treu bleiben und nicht etwa die Gelegenheit benutzen, ihrem Freiheitsdrang neuerdings die Zügel schießen zu lassen.

Das Kriegsglück ist sehr trügerisch, und niemand kann heute sagen, wie der Waffentanz dort unten im Süden enden wird. England hat den Krieg gewollt, an Nachgiebigkeit haben es die Buren nicht fehlen laffen. Seit Jahren werden sie von Mr. Chamberlain in unerhörtester Weise bedrängt und auf ein Niveau herabzudrücken versucht, das einer un­

abhängigen Nation nicht würdig ist. Deshalb ist eS er» klärlich, wenn die Buren jetzt freudig in den Kampf ziehen, um zu siegen oder zu sterben. (Dies Resümee unseres Berliner Korrespondenten giebt unsere eigenen Ansichten zur Sache im großen und ganzen wieder.)

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Oktober. Der B u n d e s r a t trat heute unter Vorsitz des Staatssekretärs Grafen Posadowsky zur ersten Plenarsitzung nach der Sommerpause zusammen. Der Vor­sitzende machte Mitteilung von den Veränderungen hinsichtlich der Bevollmächtigten zum Bundesrate. Für Preußen sind die Minister Freiherr von Rheinbaben und Dr. Studt an­stelle der ausgeschiedenen Herren von der Recke und Dr. Bosse, für Sachsen Weimar der geheime Legationsrat Dr. Paulsen an Stelle des Herrn von Heerwart eingetreten. So­dann wurden die ständigen Ausschüsse gebildet. An neuen Vorlagen lag der bereits mitgeteilte Entwurf wegen Ein­führung des Civilstandsgesetzes in Helgoland vor, welchem die Zustimmung erteilt wurde.

Berlin, 5. Oktober. Heute wird die offizielle Kriegserklärung an England erwartet, die mit der Ansammlung englischer Truppen an der Grenze der Burenrepublik begründet werden soll. Wie aus London ge­meldet wird, hat der Lord-Schatzkanzler bereits die vor­läufigen Ausgaben für die militärischen Vorbereitungen zur See in der Höhe von drei Millionen Pfund angewiesen. Die Regierung wird ohne die Genehmigung des Unter­hauses diese Summe nicht überschreiten und für diese Aus­gaben 8 Mill. Pfund fordern.

Berlin, 5. Oktober. Nach denBerl. N. Nachr." wird Deutschland in der Transvaal-Angelegen­heit strikte Neutralität beobachten. Eine solche Haltung schließt Unterhandlungen jeder Art aus.

Berlin,5. Oktober. Für die Ankunft der Königin der Niederlande und deren Mutter am Samstag Vormittag in Potsdam, ist großer Empfang befohlen worden. Eine kombinierte Kompagnie des ersten Garderegiments und eine des Gardejäger Bataillons werden auf dem Bahnhof, bezw. im Schloßhofe des königlichen Schlosses als Ehren­wache Aufstellung nehmen.

Berlin, 5. Oktober. Der König von Württemberg wird am Samstag früh zur Teilnahme an den Tauf- feierlichkeiten bei dem Erbprinzenpaare von Wied in Potsdam eintreffen und noch am selben Abend nach Stuttgart zurückkehren.

Der Verein der Industriellen des Re­gierungsbezirk Köln hat wegen der Ueberhandnahme der Lustbarkeiten im Rheinland eine Eingabe an den Minister des Innern, Frhrn. v. Rheinbaben gerichtet. In ihr wird ausgeführt.

Die Industriellen unseres Bezirks sind auf Grund ihrer viel­fältigen Erfahrungen der Meinung, daß die Arbeiter eben alle Kir­messen ihrer Heimatgegend, oft sogar in stundenweitem Umkreise, mitfeiern, also um so öfter ihre Arbeit versäumen und ihr Geld verthun, je nachdem auch Vorschüsse verlangen, je häufiger sich ihnen dazu Ge­legenheit durch Volksfeste und dergleichen bietet. Wir erlauben uns demnach, an Eure Exzellenz die gehorsame Bitte zu richten, hochgeneigtest die geeigneten Vorkehrungen treffen und insbesondere Verfügungen er­gehen lassen zu wollen, wonach _

1. der Schnapsverkauf in den frühen Morgenstunden unbedingt untersagt wird, weil gerade um die Zeit des Schichtwechsels oder des Arbeitsanfangs ein übermäßig großer Verbrauch des gesund­heitsschädlichen Branntweins durch das Fellhalten des letzteren be­fördert wird; , f u

2. die öffentlichen Lustbarkeiten angemessen beschränkt, insbesondere die Tanzunterhaltungen vermindert, die Kirmessen zu­sammengelegt und in ihrer Ausdehnung den heutigen Verhaltmffen entsprechend beschränkt werden, denen gemäß es vollständig genügt, wenn in den großen Städten die Kirchweihfeste einen Tag, an kleineren Orten aber höchstens zwei Tage lang dauern."

Ausland.

Wien, 5. Oktober. Die Regierung berief sämtliche politifchen Landesschaften hierher, um denselben Instruk­tionen über die Intentionen und die Richtung des neuen Ministeriums zu erteilen.

Wien, 5. Oktober. Heute vormittag trat das Exekutiv- Komitee der Rechten zusammen, um zu der durch den Ka­binettswechsel geschaffenen Lage Stellung zu nehmen.

Wie«, 5. Oktober. Graf Clary konferierte heute vormittag mit mehreren polnischen Parlamentariern wegen eines neuen Sprachgesetzes. Nachmittags wurde Bielinski zu ihm berufen.

Prag, 5. Oktober. In Jaremierz fanden große Straßen-Demonstrationen gegen das neue Ka­binett statt.