Ausgabe 
7.2.1899 Erstes Blatt
 
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Heiterkeit begrüßen, aber kaum deren Leiter als Anstandslehrer bekehren; auck darin herrscht ja,Gott sei Dank," Wahlfreiheit. Hündisches Gebühren liegt nickt in unserer Art, auch dürf.n wir zu unseren Lesern das Zutrauen haben, daß fit für unser beharrliches Schweigen in gedachter Richtung einen triftigeren Grund wissen. Der Mitteldeutschen Sonntagszeitung gegen­über heißt es für uns einfach:

Tragen wir den Haß gelassen;

Sckmähsucht stellt den Sckmäher bloß!"

Schiwp'en bedingt nun einmal das Dasein der Mittel­deutschen Sonntagsz^itung Beff r thäte ste freilich, Ammen­märchen, die geschwätzige Naben ihr zutragen, nicht blindlings zu glauben; wir kennen die Kanäle, durch die der Unrat flicht. Es ist nach Ihrem etg-nen geflügelten Wort am Biertisch, geselliger Herr a:Eine Bande; eine Bande, sage ich Ihnen" über die Sie selbstredend sich erhaben fühlen, die Sie indes nichtsdestoweniger Ihren Zweck n dienstbar zu machen in bekannter Taktik nicht verschmähen. Das genügt.

Sunt sub aqua, sub aqua, sub aqua maledicere tentant Gern suchen schlämm ««-bläht, paurväck'ge Frösche zu lästern!

Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 4. Februar u. a. den Postinspektor Hoyuk, den Steuerrat Schmidt von Nidda, den Landgerichtsrat Müller von Gießen.

Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Februar den Direktor der Realschule zu Oppenheim, D . Otto Schneider, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. April 1899 an, in den Ruhestand zu versetzen.

* * Aus dem höheren Lehramt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Februar den Lehramtsassessor Dr. Heinrich Schnell zu Darmstadt zum Lehrer an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium daselbst, mit Wirkung vom 1. Februar l. I. an, und den Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen Dr. Karl Dorseld zum Direktor der Realschule zu Oppenheim, Äit Wirkung vom 1. April l. I. an, zu ernennen.

Militärdienst-Nachrichten. Die Assistenzärzte der Reserve Dr. Raiser des Landwehr - Bezirks Worms, Dr. Sielafs des Landwehr-Bezirks I Darmstadt zu Oberärzten befördert. Dr. Groskurth, Oberarzt der Reserve des Landwehr-Bezirks II Darmstadt, im aktiven Sanitätskorps als Oberarzt mit einem Patent vom 26. Jan. 1899 bei dem 2. Großh. Hesi. Dragoner-Regiment (Leib- Drag -Negt.) Nr. 24 angestellt.

Pr. Konzertverein. Unter den Konzertsängern der Gegen­wart ist wohl keiner, der durch die Eigenart seiner Vorträge ein .solches Aufsehen erregt und namentlich in der ersten Zeit seines künstlerischen Wirkens so auseinander gehende Urteile der Kritiker herausgesordert hat als Dr. Ludwig Wüllner, der Held des gestrigen fünften Konzerts in dieser Saison. Dieser ganz hervorragende Künstler, der schon im vergangenen Jahr in einem Konzert des Saal­bauvereins sich mit großem Erfolg in Gießen hören ließ, ist eine so eigenartige Erscheinung, daß es wohl der Mühe wert ist, seiner künstlerischen Individualität einige Aufmerk­samkeit zu schenken. Es ist eine bekannte Thatsache, daß Dr. Wüllner seine Erfolge weniger der Größe und Ton­fülle seines Organs als seiner außerordentlich ausgeprägten und bis in die feinsten Nüanzen gehenden Schärfe der De­klamation, verbunden mit einem höchst ausdrucksvollen Mienen­spiel verdankt, und es hat schon Kritiker genug gegeben, die ihm stimmliches Material überhaupt abgesprochen und die Deutlichkeit seiner Textaussprache nur als einen unzureichen­den Ersatz für die fehlende Tonfülle bezeichnet haben. Daß dieses Urteil nicht richtig ist, wird jeder zngeben, der die gestrigen Darbietungen des Künstlers aufmerksam angehört hat. Dr. Wüllner hat wirklich Stimme, die sich zwar mit dem Material eines großen Teils seiner Kollegen nicht messen kann, die aber, wie der Erfolg lehrt, überall aus­reicht, feinen Vorträgen die nötige Wirksamkeit zu verleihen. Was ihn aber weit über viele seiner Kollegen erhebt, ist nicht allein die außerordentlich deutliche und mustergültige Deklamation und das die Gesänge begleitende Mienenspiel, sondern auch seine geistige Auffassung der verschiedenen Stoffe, die ihn als denkenden Musiker von akademischer Bildung charakterisiert und die in den Vorzügen seiner Textaussprache nur eine wirksame Unterstützung findet. Wüllner sucht nicht nur dem Komponisten, sondern auch dem Dichter in seinen Vorträgen gerecht zu werden und kann in dieser Beziehung für jeden Sänger als leuchtendes Beispiel gelten. Aus die Einzelheiten des gestrigen Lieder­abends einzugehen, würde uns zu weit führen. Die Namen Schubert, Brahms und Schumann, welche das reichhaltige und interessante Programm gierten, bezeugen, daß der Künstler sich hohe Ziele gesteckt hatte. Daß er seine Aufgabe glänzend löste, beweist der lebhafte, nach jeder Nummer sich steigernde Beifall, der den Künstler veranlaßte, mit Schumanns Hidalgo" eine Zugabe zu bieten, die wahrhaft vollendet war und einen wirklich würdigen Schluß des in jeder Be­ziehung anfs beste verlaufenen Konzerts bildete. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß Herr von Otegraveu aus Köln durch seine feinsinnige und decente Begleitung am Klavier wesentlich zum Gelingen des Ganzen beitrug.

** Der dritte Mittwochsvortrag des Herru Professors Philippi in der Aula des Gymnasiums behandelte die für das Verständnis eines Kunstwerks wichtigen Beziehungen zwischen Kunst und politischer Geschichte und Literattur eines Volkes. Am klarsten liegen die geschichtlichen Perioden der Kunst bei den Griechen zu Tage; demnächst entwickelt sich die Kunst am folgerichtigsten im Anschluß an die politische Geschichte und als ihr Ausdruck in Italien zur Zeit der Renaissance. Die Römer haben nicht viel, aber doch einiges fej)r wichtige für die Kunst gethan, und dieses hat nationales Gepräge; Litteraturparallelen fehlen, wie denn die Römer überhaupt keine originelle Litteratur gehabt haben. Dagegen

zeigt sich ein überraschendes und für die Kunst höchst be­lehrendes Mitleben der poetischen Litteratur bei den Griechen, und noch reicher und mannichfaltiger werden die Beziehungen zwischen redender und bildender Kunst bei den Italienern. Die Zeitalter des romanischen Stils und der Golis sprechen sich geschichtlich deutlich aus, ebenso thut es die neue Malerei in den Niederlanden, während eine für die bildende Kunst belehrende Nationallitteratur fehlt. Auch der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts liegt wieder eine kräftige politische Geschichte zu Grunde, eine etwas bedeutende Litteratur geht ihr aber nicht zur Seite; die Kunst ist allein imstande, zu sagen, was sie will. Die französiche Kunst seit dem 16. Jahrhundert hat ebenso wie die sie vielfach begleitende Litteratur eine dem französischen Charakter ent­sprechende, nationale Form genommen; zunächst ist sie nur eine freie Nachahmung der italienischen Renaissance; aber ihre große Konsequenz und eine geschickte Anpassung an den modernen Geschmack hat ihr im 18. Jahrhundert die Herr­schaft über das nördliche Europa gewonnen. Die Blüte der spanischen Malerei im 17. Jahrhundert im Anschluß an eine bedeutende dramatische Litteratur und als Ausdruck deutlicher historischer Stimmungen war glanzvoll, aber kurz. Deutschlands hoffnungsvolles Kunstleben wurde durch die Reformation und den großen Krieg gänzlich erstickt; im 17. und 18. Jahrhundert finden sich einzelne neue Ansätze, und am Anfang des 19., nach den Befreiungskriegen, war man bei dem Nichts angelangt. Dies ist ungefähr der Umriß des stoffreichen Vortrags, den wir unseren Lesern als Er­innerung bieten. Der nächste Vortrag (am 8. Februar, 5 Uhr) wird handelnHeber religiöse und weltliche Kunst".

* Stadttheater. Am Dienstag dem 7. dss. Mts. wird als 13. Volksvorstellung Carl Laufs beliebter SchwankPension Schüller" zur Aufführung gelangen. Die längst mit Spannung erwartete OperetteDie Fleder­maus" soll nunmehr am Mittwoch dem 8. Februar in Szene gehen. In derselben singt Herr Hofopernsänger Otto Werner vom Darmstädter Hoftheater denEisen­stein". Auch wirken in dieser Operette Mitglieder des Bauer'schen Gesangvereins mit, eines der Mitglieder des genannten Vereins hatte sogar die Freundlichkeit, eine belangreiche Solopartie in der Operette, denAlfred" zu übernehmen.

- r. Akademischer Gesang Verein. In diesem Jahre werden 80 Jahre verstrichen sein, seit der Akademische Gesang- Verein ins Leben getreten ist. Schreiber dieser Zeilen ist nicht tief genug in die Historie des Vereins eingedrungen, um genau verbürgte Nachrichten über die Gründung oder auch selbst über die ersten Lebensjahre zu bringen. Wenn er das nicht weiß, so möge man ihm nicht zürnen, er weiß dafür desto besser, daß jeder Musikfreund, die im Dunkel gelegene Stunde preisen muß, denn der Akademische Gesang- Verein ist heute im Musikleben ein unentbehrlicher Faktor geworden. Es mag ja im Laufe der Jahre Zeiten gegeben haben wo der Verein weniger leistungsfähig war, im Vereins­leben wie im Weltengetriebe wechseln, um mich eines Ver­gleichs zu bedienen, die fetten mit den mageren Jahren ab. Im Augenblick aber, wo unser Trautmann mit Können und Wollen, mit Liebe und Strenge das Szepter führt, befinden wir uns sicher in den fetten Jahren. Achtzig Jahre ist eine gewaltige Zeit für einen Verein, und wird dieser auch durch seinen großen Bruder, den Konzert- Verein, der kräftiger ist, um 26 Jahre überragt, die Stütze, die er gerade in den letzten Jahren an diesem fand, hat ihn ungemein gekräftigt. Verbirgt ist diese Brüderlichkeit jetzt durch einen gemeinsamen Präsidenten und Dirigenten und wenn mal Differenzen vorkommen, so geschieht das, weil es eben Brüder sind. NichtAuf die Postille gebückt zur Seite des wärmenden Ofens" sondern jugendfrisch will der Achtzigjährige seinen Geburtstag feiern, jugendfrisch will er, neben anderen schonen Sächen in einem öffentlichen Konzert seine Stimme ertönen lassen und ladet hiermit alle seine Freunde und Gönner, namentlich seinen lieben Bruder zum Sonntag dem 19. Februar zum Geburtstags- Konzert in den Klub ein.

** Unter den festlichen Veranstaltungen, denen Gießen im Laufe des Sommers entgegen sehen kann, wird das 17. V e r b a n d s s ch i e ß e n des Badischen Landes-Schützen­vereins, des Pfälzischen und Mittelrheinischen Schützenbundes sicher die erste Stelle einnehmen. Die Probe, Feste feiern zu können, hat Gießen verschiedenemale bestanden; die mittel- rheinischen Turnfeste z. B. zeichneten sich von jeher aus, und daß auch auf anderen Gebieten die Stadt ihren guten Ruf zu wahren verstand, haben anschaulich die landwirt­schaftlichen Feste der letzten Jahre bewiesen. Diese wie jene zeichneten sich durch Einrichtung wie Volkstümlichkeit hervorragend aus. Daß auch das in Aussicht stehende Schützenfest unter diesen Zeichen vor sich gehen wird, dafür bürgt die Zusammensetzung der Ausschüsse. Aus allen Ge­sellschaftsschichten und Berufen haben sich zahlreiche, zum teil bereits erprobte Männer zusammengesunden und sofort rüstig an die Arbeit begeben. Ohne die anderen Ausschüsse, deren Thätigkeit sich naturgemäß noch der Oeffentlichkeit entzieht, hintansetzen zu wollen, sei besonders an dieser Stelle auf den Bauausschuß hingewiesen, der in kurzer Zeit mit einem so durchgearbeiteten Programm hervortrat, daß er bereits die sehr umfangreichen Bauarbeiten ausschreiben konnte. Den jedenfalls zahlreich herangezogenen Handwerkern und Unternehmern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, sich beizeiten mit dem nötigen Material zu versehen und ihre Einrichtungen so zu treffen, daß die Feststadt oben auf dem Trieb" rechtzeitig ihrer Vollendung entgegengeführt wird. Wenn nun auch das Bestreben der übrigen Ausschüsse,den Vogel abzuschießen", von Erfolg begleitet wird, wenn ferner, woran nicht zu zweifeln, auch in der Einwohnerschaft Gießens und deren Umgebung eine große Anzahl Gönner sich findet, unter denen bereits die Stiftung von Ehrenpreisen in Vor­bereitung ist, wenn schließlich, was wohl mit die Hauptsache, über demTrieb" und seiner Umgebung sich ein heiterer Himmel

wölbt so gehen wir einem Feste entgegen, das allen Teil­nehmern in freudiger Erinnerung bleiben wird. Gut Ziel!

* Theater-Verein. Die sechste der diesjährigen Vorstel­lungen, welche (siehe Annonce) Freitag, den 10. Februar stattfindet, darf ein ganz besonderes Interesse beanspruchen. Bartel Turaser" ist zwar das dramatische Erstlingswerk des Autors Ph. Langmann, machte denselben aber mit einem Schlage berühmt. Bekannt ist, daß bei der Erteilung des Grillparzer-Preises derBartel Turaser" mit G. Haupt­mannsFuhrmann Henschel" in die engere Wahl kam. Das Stück ist im vorigen Winter über die Bühne des Frankfurter Schauspielhauses mehr als zwanzigmal gegangen, die Titelrolle lag in den Händen von Herrn Bauer, der durch großartige Darstellung des Turaser das seinige zum Erfolg des Stückes beitrug. Herr Bauer wird, wie be­kannt, auch bei der hiesigen Aufführung am Freitag den Turaser spielen.

* * Der vom hiesigen Turnverein am verfloffenen Samstag in der festlich dekorierten Turnhalle abgehaltene Maskenball nahm unter sehr reger Beteiligung einen glänzenden Verlauf. Um 8l/2 Uhr begann ein reges Treiben von Einzelmaskejt, den Höhepunkt der Ueberraschungen bildete jedoch Die vom ersten Turnwart, Herrn Franz Wiegandt eingeübten und geleiteten Gruppenaufführungen. Die erste bestand aus 12 Zöglingen, welche in ihren kleid­samen Anzügen als Harlekins einen Tanz aufführten, bei welchem es sich zeigte, daß die in der Turnhalle unter tüchtiger Leitung gelernte Gelenkigkeit auch bei einem Maskentanz den dabei Beteiligten sehr zu statten gekommen ist. Nachdem die jungen Turner unter dem Beifall der Anwesenden den Saal hinaus voltigiert waren, nahmen die nach Hunderten zählenden Masken das Feld wieder in Besitz, und sei an dieser Stelle erwähnt, daß sich einige sehr gute neue und originelle Charaktermasken im Saale befanden. Die zweite Gruppe bestand aus 12 Damen und 12 Herren, welche in prachtvollem Ruderkostüm einen Tanz zur Aus. führung brachten. Dieser zweite Gruppentanz erntete gleich falls reichen Beifall. Den Schluß bildete eine aus 8 Paaren in Nationalkostüm bestehende Spaniergruppe, welche den Nationaltanz der Spaniolen mit Tabaretten und Castagnetteu zur Ausführung brachte. Der Turnverein kann auf diesen Maskenball mit Befriedigung zurückblicken, und sei noch be­merkt, daß nach den bis jetzt getroffenen Vorbereitungen das am Sonntag, den 12. d. M. stattfindende karnevalistische Konzert ein humorvolles Programm aufweisen wird.

* * Haltestelle für den Personenverkehr amAbendstern". Seit längerer Zeit macht sich das Bedürfnis nach einer Haltestelle für den Personenverkehr fühlbar an der Kreuzung der Berlin-Metzer Bahn mit der Straße nach Nodheim. Die hierauf gerichteten Bestrebungen scheinen Erfolg zu erzielen. Wie wir hören, findet am Sonntag, dem 12. d. M., bei Herrn Bürgermeister Schlierbach in Rodheim eine Versammlung von Interessenten statt.

* * Geflügel- und Vogel-Ausstellung. In der gestrigen außerordentlichen Hauptversammlung des Geflügel- uub Vogelzucht-Vereins wurde beschlossen, in Rücksicht auf die Behinderung der inAussicht genommenenPreisrichter, Martin- Lehrte und Rud. Kramer - Leipzig, welchen das Richter- Amt bei der in Berlin stattfindenden Nationalen-Geflügel- Ausstellung übertragen war die in Gießen ge­plante 2. Allgemeine Geflügel- und Vogel-Ausstellung eine Woche später stattfinden zu lassen, und zwar werden die obengenannten Preisrichter am 2. März vormittags prämiieren. An den Tagen vom 3.-5. März wird von vormittags 9 Uhr ab die Ausstellung geöffnet fein. Die Verlosung findet am 6. März, nachmittags 3>/2 Uhr, statt.

* (Sine Messerstecherei spielte sich in der Nacht vom Samstag zum Sonntag in der Löwengasse ab. Zwei junge Leute wollten einen anscheinend angetrunkenen Skandal­macher zur Ordnung verweisen, wurden aber von diesem gleich mit dem Messer attakirt. Nicht weniger wie fünf Stiche, wovon glücklicherweise nur einer die Kleider durch­drang und eine Verletzung verursachte, brachte der Held dem einen jungen Manne bei. Anzeige wurde erhoben.

* * Ein unehrlicher Kollege. Ein vor zwei Tagen ein­gestellter Sattler geselle erbrach in verflossener Nacht in Abwesenheit seines Nebengesellen dessen Koffer, entwendete aus demselben 26 Mk. und ging flüchtig.

* Ein Paletotmarder. Ein durch Telegramm aus Kaffel signalisierter Ueberzieherdieb wurde letzte Nacht am hiesigen Bahnhof verhaftet. Er gab an, der bei ihm ge­fundene gestohlene Ueberzieher sei ihm von einem Unbekannten angezogen worden.

* * SozialdemokratischeVolksauskl'arung". Um die Nichts­nutzigkeit sozialdemokratischer Berichterstattung an einem krassen Fall zu zeigen, brachten wir neulich den vollen Wort- laut der Aeußerung der sozialdemokratischenMitteldeutschen Sonntagszeitung" über die Rede des Abgeordneten v. Heyl- Aus dieser Aeußerung ging hervor, daß dieM. 1) die Parteistellung des Redners nicht kannte nnd 2) ihren Lesern den Inhalt seiner Rede hinlänglich mit den beiden verdächtigenden Wendungen angedeutet zu haben glaubte, seine zur Schau getragene Arbeiterfreundlichkeit sei nicht ernst zu nehmen, sonst hätte er seine durch nichts ge­rechtfertigten Verdächtigungen der Sozialdemokratie unter­lassen müssen. Da wir unter der Voraussetzung, daß sich der geistige Leiter derM. S." hierunter etwas gedacht habe, annehmen mußten, er wolle mit dem Vorwurf der zur Schau getragenen Arbeiterfreundlichkeit" die pro­grammatischen sozialpolitischen Erörterungen des ersten Teils der Rede mit dem Vorwurf derdurch nichts gerecht fertigten Verdächtigungen der Sozialdemokratie" die gcg^ die Sozialdemokratie gerichtete Polemik des zweiten Teils der Rede abthun, so hielten wir derM. S." aus diesem zweiten Teil eine vollständige Auszählung aller Gesetze zu>u Schutz der wirtschaftlich Schwachen entgegen, gegen die alle miteinander die Sozialdemokratie ge* stimmt hatte. Die Entgegnung der fraktionellen«^