länger! Ich pfeife auf sie! Er riß sie von beiden Aermeln ab und warf sie zur Erde, las sie dann wieder auf und zerschnitt sie mit einer Scheere in kleine Stücke. Dann fuhr er fort: „Ich will lieber sterben, als den Oberst hier einziehen sehen; der Oberst hat in Frankreich einen Vater, eine Mutter, eine Frau und Kinder. Ich habe nichts, ich mache mir den Henker daraus, zu verrecken, ich pfeife auf alles." Er trat vors Zelt, ließ die Unteroffiziere zusammenblasen und sagte ihnen: „Oberst Klobb kommt hierher, weil ich euch viele Sklaven und Weiber gegeben habe; er will sie euch wegnehmen und in Freiheit setzen. Ihr kennt ihn von Timbuktu her und wißt, wie er mit euch umgeht. Sagt mir, ob ihr damit zufrieden seid. Ich für meinen Teil bin damit nicht zufrieden! Sagt, ob ihr lieber mir oder dem Oberst gehorchen wollt!" Die Leute sprachen sich für ihn aus. Voulet ließ die Boten ziehen, nicht ohne sie vorher mit dem Revolver bedroht zu haben. Als die Begegnung der beiden Züge stattfand, befahl Klobb seinem Fahnenträger, die Fahne möglichst hoch zu halten. Die Antwort waren zwei Salven. Klobb ließ seine Leute sich niederwerfen. Er allein mit Meynier, dem Dolmetscher und einem Spahi blieb zu Pferde. Er erhob den Arm und rief: „Feuer einstellen! Feuer einstellen! Hier Timbuktuschützen! Sammlung! Oberst Klobb! Feuer einstellen!" Dann zu Meynier: „Sehen Sie keinen Europäer?" „Doch Herr Oberst, ein Untetvffizier ist da." „Rufen Sie ihn." „Weißer Unteroffizier, erkennen Sie Oberst Klobb nicht? Hier ist die Fahne! Schützen, ihr dürft nicht feuern, hier ist Oberst Klobb aus Timbuktu!" Meyniers Irrtum war erklärlich: Voulet hat keine Rangtressen. Voulet trat vor und erwiderte: „Hier ist kein europäischer Unteroffizier; ich bin es, Voulet! Ich kenne Sie, ich begehe keinen Irrtum. Sie sind Oberst Klobb, aber ich Pfeife auf Sie! Ich werde Ihnen eine Kugel in den Schädel jagen!" Klobb und feine Truppe waren kaum achtzig Meter von Voulet entfernt. Voulet trat hinter feine Leute zurück, befahl neue Salven und schärfte ihnen ein, auf die beiden Weißen zu zielen. Die erste Salve verwundete Klobb am rechten Schenkel, Meynier am Unterleib. Meynier zog blank. Nun befahl Klobb Meynier: „Stecken Sie den Degen ein!" Im nächsten Augenblick warf eine Kugel in die Brust Meynier tot aus dem Sattel. Der Unteroffizier Momadu Wake verlangte jetzt die Erlaubnis, Feuer zu geben. „Nein, nicht schießen", erwiderte Klobb, unbeweglich auf feinem Pferde ruhig, kaltblütig die Augen gerade voraus. Gleich daraus tötete ihn eine Kugel in den Kopf. Jetzt befahl Voulet „Feuer nach Belieben!" und stürmte vorwärts. Klobbs Leute flohen, sahen aber noch, wie Voulet sich über Klobbs Leichnam niederbeugte und ihm feinen Revolver raubte. (Voff.Ztg.)
Males Md MsvmMes.
Gießen, den 5, Oktober 1899.
** Vom Heffenklub von 1896 zu Hamburg geht uns folgendes zu: Der Klub wurde am 3. April 1896 von 24 Landsleuten gegründet. Seit der Zeit ist er ständig gewachsen, sodaß die Mitgliederzahl zurzeit 84 beträgt. Es gehören dem Klub an Landsleute aus Cassel, Hatzbach, Neumorschen, Großalmerode, Melsungen, Gießen, Vollmars- hausen, Hofgeismar, Kirchhain, Wilsenroth, Homberg, Nieder- gemünd, Hersfeld, Unterrieben, Hitzerode, Orpherode, Wabern, Ermschwerdt, Biedenkopf, Abterode, Mainz, Wehlheiden, Arensbach, Oldensdorf, Herleshausen, Hombressen, Hebel, Arnsbach, Wetterfeld, Kleinlüder, Allendorf und Vöhl. Ferner besteht eine Gesangsabteilung unter Leitung des Landsmanns L. Mackenroth, eine Touristenabteilung und ein eigenes Trommler- und Pfeifer-Korps. Vor einigen Wochen wurde auch ein Banner-Fonds gegründet, welcher in der kurzen Zeit schon auf 150 Mark angewachsen ist, sodaß die Hoffnung besteht, im Sommer 1900 die Bannerweihe begehen zu können. Der Klub veranstaltet sehr schöne Vergnügungen nach hessischer Art, welche in Hamburg sehr beliebt sind und stark besucht werden. Zweck des Klubs ist Pflege der Landsmannschaft und Unterstützung der Mitglieder; auch werden von Zeit zu Zeit Vorträge über hessische Geschichte gehalten, sowie in jeder Hinsicht die Liebe zu unserem Heimatland gefördert. Das Klublokal befindet sich: Vor dem Klosterthor 6 (Hansa-Hotel) und sind Landsleute jederzeit herzlich willkommen. Vor einiger Zeit erhielt der Klub anläßlich einer Bitte in hessischen Zeitungen von verschiedenen Landsleuten Ansichtspostkarten vom Heimatland zugesandt, mit den besten Wünschen und Widmungen ver
einen Flügel des Großherzoglichen Residenzschloffes geplant, wo schon seit mehreren Wochen alle Zurüstungen zum entsprechenden Empfange der hohen Gäste getroffen worden sind.
Das Residenz schloß ist ein weiter, massiver Bau mit drei Höfen, der, in die landgräfliche Zeit hineinreichend, in den zwanziger Jayren unseres Jahrhunderts die wohnliche Einrichtung seiner Herrschaftsräume, sowie die Her- stellung der prächtigen „Kaiserzimmer" empfing. Das Schloßmuere birgt eine Menge wertvoller Andenken an die Ruffeuara unter Alexander II.
2" den siebziger Jahren war man es hier sehr gewohnt, für mehrere Wochen im Jahr alle Nachrichten über ™ russische. Herrscherpaar unter „Darmstadt" zu lesen. Das war die Aera Kaiser Alexanders II., der sich niemals wohler suhlte, als wenn er den allgebietenden Herrscher aller Reußen abstreifen und während rasch vorüberfliegender Sommertage in dem lieblichen Jugenheim an der Bergstraße das Glück eines Privatmannes genießen konnte. Damals hörte man oft bie Redensart von zeitweilig hier lebenden Rusten: „Wenn wir einmal unseren Kaiser zu Gesicht bekommen wollen, so müssen wir ihn in der deutschen Berg straße aufsuchen." Was Jugenheim für den Kaiser Alexander II. gewesen, scheint Wolfsgarten für den Enkel, Nikolaus II., und seine Gemahlin zu werden. „B. L. A."
sehen, und sagen wir allen Absendern vorläufig unfern wärmsten Dank verbindend mit der Bitte, ferner uns solche Karten zukommen zu lassen, welche daun unserm „Album vom Heffenland" einverleibt werden.
•• Postanweisungen mit angehängter Postkarte sind seit dem 1. Oktober im Verkehr zulässig. Bei den Postanweisungsformularen ist der Abschnitt für Mitteilungen des Absenders bedeutend breiter als bisher. Die angehängte Autwortskarte hat auch auf der Rückseite den Vermerk zu der Empfangsbestätigung. Sie stellt eine neue größere Art von Postkarten dar. Die Formulare gelangen nur ungestempelt zur Ausgabe und zwar in Mengen von mindestens 5 Stück zum Preise von 5 Pfg. Die Frankierung hat durch Ankleben von Freimarken zu erfolgen. Auch die Antwortskarte muß vom Absender frankiert werden, sonst wird die ganze Anweisung nicht angenommen. Die Bedeutung der Einrichtung, die etwas kostspieliger und für den Postfiskus gewinneinbringend ist, besteht darin, daß der Geldabsender eine schriftliche Quittung des Adressaten erhält und nicht bloß auf den Postablieferungsschein angewiesen ist, der im Sinne des Gesetzes keine Quittung darstellt.
Schlitz, 3. Oktober. Am vorigen Freitag weilte Herr Geheimrat Professor Dr. Franz Reuleaux einige Stunden in unserem Städtchen. Dieser Besuch galt der Firma Gg. Langheinrich, bei welcher Geheimrat Reuleaux die dieser Firma auf seine Veranlassung vom Reichskommissar für die deutsche Abteilung der Pariser Weltausstellung zur Herstellung übertragenen und jetzt auf dem Webstuhl befindlichen Prunktafelzeuge einer Besichtigung unterzog. Neben Reuleaux' vielseitigen Leistungen auf dem Gebiete der Mafchinenwissen- schäft, insbesondere auf dem Gebiete der Maschinenelemente und der Maschinenbewegungen (Kinematik) ist fein Name weit über die Grenzen der Fachwelt bekannt geworden durch feinen maßgebenden und führenden Einfluß auf die gewerblichen Künste und durch feine Dienste, welche er als Sachverständiger und Vertreter des Deutschen Reiches der heimischen Industrie auf vielen Weltausstellungen geleistet hat. Aus seinem Lehramte schied er nach 40jähriger Tätigkeit im Jahre 1896 aus der Technischen Hochschule zu Berlin aus, die er vor allem, soweit das Maschinenfach in Frage kommt, zu ihrer hervorragenden Stellung emporgeführt hat und die jetzt die größte Technische Hochschule der Welt ist. Geheimrat Reuleaux, der geistvolle „Maschinenphilosoph", vollendete am 30. September fein 70. Lebensjahr.
+ Grimberg, 4. Oktober. Das neuerbaute Sparkaffe- gebäube sieht nun feiner Vollenbung entgegen unb bürste wohl noch in biesem Monat feiner Bestimmung übergeben werben. Der Bau selbst ist sehr geschmackvoll ausgeführt, und auch die innere Einrichtung ist in jeder Hinsicht zweckentsprechend. Im unteren Geschoß befinden sich die Geschäftsräume, während im zweiten Stockwerk eine geräumige Wohnung, die voraussichtlich von dem Kontrolleur der Kaffe bezogen wird, eingerichtet ist. Das Dachgeschoß enthält die Wohnräume für den Kaffediener. — Dem Vernehmen nach wird die hier bestehende Nebenbahn-Bau-Abteilung demnächst nach Gießen verlegt werdens jedenfalls, weil die Neubaustrecke Londorf-Lollar von dort aus rascher unb leichter zu erreichen ist.
Seligenstadt, 3. Oktober. Die Kartoffelernte ist hier unb in ber Umgegend in vollem Gange. Dieselbe fällt, je nach Lage und Bodenbeschaffenheit, in qualitativer und quantitativer Hinsicht gut bis sehr gut aus. Nur in wenigen Gemarkungen wird über Ungezieferfraß, nirgends aber über Fäulnis geklagt. Von den Händlern wurden bisher Mk. 3.50 per Doppelzentner geboten; indessen herrscht auf dem Kartoffelmarkte bislang nur unbedeutendes Leben. Die Hauptkampagne dürfte jedoch schon in den nächsten Tagen zu erwarten stehen.
L. Mainz, 4. Oktober. Seit Beginn dieser Theater- saison erscheint unter dem Titel „Moguntia", Theaterzeitung der Stadt Mainz, wöchentlich ein Blättchen, das den Theaterbesuchern allabendlich gratis verabreicht wird, und das, wie die Redaktion in der ersten Nummer mitteilt, durch kurze übersichtliche Einführung in die im Theater gebotenen Stücke, sowie durch unterhaltenden Text, Musik und Theaterbriefe, Notizen über hiesige Künstler und durch populär litterarifche- Arbeiten dem Leser dienen will. In den bis jetzt erschienenen 4 Nummern war aber von dem Versprochenen nur recht wenig zu sehen, denn neben einer Masse von Annoncen konnten wir nur sehr wenig geistreiche Opernerklärungen und Artikel bemerken. Infolge dessen nimmt schon heute der größte Teil des Publikums das Blättchen nicht mehr, trotzdem es, wie gesagt, nichts kostet. — In den bis jetzt ftattgefunbenen Vorstellungen zeigte es sich, daß noch einige Ergänzungen und Entlassungen im Personal vorzunehmen sind, und daher begab sich Herr Direktor Steinbach dieser Tage nach Berlin, um noch einige neue Mitglieder zu engagieren. In der Oper fanden gute Aufführungen, von „Die Hugenotten", „Martha", „Der Barbier von Sevilla" und „Die Stumme von Portici", statt, in denen besonders ein neuer Bariton Herr Ernst Winkel, sowie ein jugendlicher Heldentenor Josef Claffen gefielen. Das Schauspiel brachte das Sensationsstück „Das Erbe" von Felix Philippi, das trotz guter Darstellung nur einen mäßigen Erfolg errang, sowie mehr ober minber gute Aufführungen von „Die berühmte Frau", „Die Heimat", „Kabale und Liebe" und bereits mehrere Aufführungen des neuesten französischen Schwankes „Der Schlafwagenkontrolleur". Nächsten Dienstag findet die erste deutsche Aufführung der italienischen Oper „Fedora" von Giordano statt, und sind bie Proben hierzu bereits feit Beginn der Saison im Gange. Der Komponist dürfte zur Premiere hier eintreffen.
Mainz, 4. Oktober. (Selbstmord.) Heute nacht sprang ein bis jetzt noch unbekannter Mann von der Ingelheimer Aue in den Rhein und ertrank. An der Stelle,
wo der Mann sich das Leben genommen hatte, sand man später eine Summe Geld von über 180 Mk. und eine Uhr nebst Kette liegen, die dem Selbstmörder anscheinend gehören. Ein Nachtwächter der Aue hat den Lebensmüden in den Rhein springen sehen.
* Wiesbaden, 4. Oktober. Das goldene Hochzeitsfest des Generalleutnants z. D. von Barby und seiner Gemahlin wurde gestern mit großem Prunk gefeiert. Es nahmen die ersten Gesellschaftskreise Teil. Telegramme waren von fast sämtlichen deutschen Fürsten eingelaufen, auch vom Kaiser und der Kaiserin. Bei der Feier in der Kirche wurde ein kaiserliches Kabinettsschreiben verlesen, durch das dem Jubelpaar die goldene Ehejubiläumsmedaille verliehen wurde. Die Kaiserin Friedrich sandte zwei große goldene Medaillen.
UermWtes.
* Hamburg, 4. Oktober. (Zum Eisen bah nun fall.) Jetzt erst werden genauere Details über die Ursachen des Unglücks bekannt. Es scheint, daß die Katastrophe durch einen Irrtum verschuldet wurde, der Unheil brachte, ehe er aufgeklärt und gut gemacht werden konnte. Es werden über den traurigen Vorfall nokh folgende Einzelheiten berichtet: ber polizeilichen Feststellung fragte
der kommandierende Offizier, dessen Wagen noch im Tunnel stand, ob das Nebengeleise frei bleibe. Der Schaffner bejahte dieses. Der diensthabende Bahnhofsassistent gab aber irrtümlich dem Blankeneser Zuge das Einfahrtszeichen. Als er den Irrtum bemerkte, lief er den Zug entlang, rufend: „Die Strecke frei!“ Viele flüchteten beim Nahen des Zuges, Bahnbeamte versuchten durch Zeichen den Zug zum Stehen zu bringen, der Führer bremste stark, aber es war zu spät. Die noch im Tunnel befindlichen Rekruten gerieten zwischen beide Züge und zwischen Zug und Tunnelwand. Die Verletzungen erfolgten nicht durch Ueberfahren, sondern durch Quetschungen der Thüren und Laufbretter. — Die unmittelbare Ursache der Katastrophe wird auf die mangelhafte Bahnhofseinrichtung, sowie auf Fehler des Stations assistenteu zurückgeführt, welcher dem Blankeneser Zuge das Einfahrtssignal gab, und ferner die falsche Auskunft eines Schaffners auf die Frage des den Transport leitenden Offiziers, Oberleutnant v. Eichmann vom 13. Dragoner-Regiment, ob das Nebengeleise frei bleibe. Als der Blankeneser Zug herankam, wurde durch Laternenschwenken das Haltesignal gegeben, worauf der Lokomotivführer sofort bremste, aber nicht vor dem Tunnel an der Altmannstraße den Zug zum Stehen bringen konnte. Zugleich bemühten sich Bahnbeamte, die auf dem Geleise stehenden Rekruten seitwärts zu drängen. Es gelang so, zu verhüten, daß die Mannschaften unter den Zug gerieten. Oberleutnant v. Eichmann erhielt einen Stoß durch einen Lokomotivpuffer, blieb aber unverletzt. Die leichter Verletzten werden aus dem allgemeinen Krankenhause nach dem Altonaer Garnisonlazarett Übergeführt. Man hofft allgemein, daß das Unglück einen provisorischen Umbau des Klosterthorbahnhofes herbeiführen wird, der schon immer als dringlich bezeichnet wurde, jedoch wegen der bevorstehenden Erbauung eines großen Zentralbahnhofes unterblieb. Das Unglück beweist, daß die herrschenden Bahnzustände unmöglich bleiben können, bis der Zentralbahnhof vollendet fein wird.
* Danzig, 4. Oktober. Die Stadtverordneten-Versamm- lung genehmigte gestern die Erbauung eines neuen Krankenhauses für drei Millionen Mark.
* Laskowih (Westpr.), 4. Oktober. Der erste der beiden Ballons der internationalenBallonfahrt, die heule früh von dem Tempelhofer Felde ans aufgestiegen sind, landete gestern nachmittag 2«/2 Uhr nach fünfstündiger Fahrt glatt bei Graudenz. Der Ballon, in dem sich Professor Berson-Berlin und Professor Hergesell-Straßburg befanden, erreichte eine Höhe von 6600 Metern, wobei 28 Grad Frost konstatiert wurden.
* Straßburg, 4. Oktober. In Mülhausen, der Vaterstadt von Dreyfus, wurde eine Sympathie- Adresse für den Verurteilten von Rennes in Umlauf gesetzt. Die Adresse erhielt ca. 3000 Unterschriften.
* Sudlohn i. Wests., 4. Oktober. Ein hiesiger Agent der Norddeutschen Hagelversicherungsgesellschaft unterschlug 14 000 Mark und zahlte davon 13 000 Mark bei der Rotterdamer Bank auf ein New-Iorker Bankhaus ein. Der Betrüger wird bei der Landung in New-York von der Polizei empfangen werden.
* Wien, 3. Oktober. In Pilsen versammelten sich heute gegen 8 Uhr abends mehrere tausend Tschechen auf dem Ringplatz, fangen nationale Hetzlieder und stießen Droh rufe gegen die Deutschen aus; aber bevor die Masse sich in Bewegung setzte, schritt die Gendarmerie ein, zersprengte die Menge und sperrte alle Straßen zum Ringplatz ab.
* Wien, 4. Oktober. Hilsners Geständnis widerrufen! Der wegen des Polnaer Mädchenmordes zum Tode verurteilte Leopold Hilsner hatte bekanntlich nach der Urteilsfällung das Geständnis abgelegt, bei der Mordthat beteiligt gewesen zu sein, und als die Mörder zwei Juden, Erbmann und Wassermann, bezeichnet. Jetzt hat er dieses Geständnis, das nur auf Aufschub des Strafvollzuges berechnet war, widerrufen, und gleichzeitig sind die beiden Bezichtigten, nachdem sie ihr Alibi bewiesen haben, wieder auf freien Fuß gesetzt worden. — Einem Berliner Blatte wird darüber berichtet: In Kuttenberg Hal der zum Tode verurteilte Hilsner fein Geständnis zurückgenommen. Er erklärte, er habe es abgelegt, um seine Hinrichtung, die er für unmittelbar bevorstehend hielt, auf unbestimmte Zeit zu verschieben, und beharrt jetzt wieder dabei, er sei an dem Morde derHruza unschuldig. Die beiden von ihm Beschuldigten, Erbmann und Wasser-
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