Man erinnert sich, daß die Engländer schon bei den letzten Kämpfen auf Samoa unter ihre eigenen Leute schossen und eine Anzahl von ihnen töteten. — In dem oben mitgeteilten Pariser Telegramm wird gemeldet, daß die Afrikander am Kap ihre Freude über die Niederlage des Generals White nicht verhehlen, und aus Amsterdam kommt heute die Nachricht, daß man dort die Erhebung des gesamten holländischen Elements in Kapland und Natal für bevorstehend halte. Darauf deuten allerdings verschiedene Anzeichen.
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Berlin, 3. November. Die „Deutsche Warte" meldet aus Durban: General White machte am 1. November einen Ausfall und erlitt eine vernichtende Niederlage. Die meisten höheren Offiziere sind tot oder verwundet. Ueber 1000 Mann sind gefallen oder gefangen genommen. Das Bombardement dauert seit drei Tagen ununterbrochen fort. Joubert forderte den General White, der angeblich schwer verwundet ist, auf, zu kapitulieren, was dieser ablehnte. Der Buren-Vormarsch dauert süd- und südostwärts fort. Colenso, das 20 Kilometer südwärts an der Bahnlinie nach Pietermaritzburg zu gelegen ist, ist von Freistaat-Buren dauernd besetzt und in eine förmliche Festung umgewandelt.
London, 3. November. Nach Meldungen ans Ladysmith vom Dienstagabend haben die Buren durch die englische Artillerie sehr schwere Verluste erlitten. General Joubert protestiert gegen die Anwendung des Sprengstoffes Lymdit als inhuman.
London, 3. November. Ein weitere Abteilung Marinetruppen in Stärke von 349 Mann geht morgen von Pourtsmouth nach dem Kap ab. Die Abteilung umfaßt etwa 100 Artilleristen. Eine große Anzahl 12pfündiger Schnellfeuer-Marinegeschütze wird gleichzeitig expediert.
London, 3. November. Nach einer Meldung aus Kapstadt erwartet man, daß General Buller das Kriegsrecht für dieKap-Kolonie verkünden wird. Aus Ladysmith verlautet, daß ein neuer Angriff der Buren zu erwarten ist, die ihre gesamten Kräfte dort concentrieren. — Oberst Schiel und die anderen Gefangenen des deutschen Korps werden heute in Kapstadt erwartet. — Im Kriegsamt sind keine offiziellen Meldungen vom Kriegsschauplätze eingetroffen. Eine große Menschenmenge erwartet vor dem Kriegsamt das Eintreffen der Verlustliste. Bon Liverpool sind heute vier Dampfer mit Munition und Waffen, sowie Offizieren und Truppen nach Südafrika abgegangen. Unter den Truppen befand sich auch eine Batterie Gebirgs-Artillerie und zwei Regimenter königliche Schützen.
London, 3. November. Aus Lissabon wird gemeldet, daß man in dortigen amtlichen Kreisen entrüstet ist über dasVerhalteu derEngländer in der Delagoa.Bai. Eins der dort ankernden englischen Kriegsschiffe habe nämlich auf ein in den Hafen einlaufendes Segelschiff einen Schuß ab- gefeuert, weil dasselbe nicht die Flagge hißte. Obwohl das Segelschiff ein englisches war, hat doch die portugiesische Behörde bei der englischen Regierung wegen dieser Ein- Mischung Klage erhoben.
London, 3. November. Aus de Aar wird gemeldet, daß am hiesigen Platze wahrscheinlich das Hauptquartier des Generals Buller während der „Einnahme" des Oranje-Freistaates aufgeschlagen werden wird. — Das Kriegsamt erklärt, daß die Meldung von dem Gefecht bei Colenso durch den Vertreter von Transvaal verbreitet worden ist, und jeder Begründung entbehre. Das Kriegsamt hält es für unmöglich, daß ein derartiges Telegramm Dr. LeydS habe zugehen können, da doch die Kabel in englischem Besitz seien.
Portsmouth, 3. November. Es wird mit fieberhafter Thätigkeit auf den hiesigen Werkstätten an der Instandsetzung des Reserve-Geschwaders gearbeitet. Die Mannschaften halten täglich Kriegsübungen ab. Vorläufig hat der Generalissimus beschlossen, kein neues Armeekorps nach Afrika zu entsenden, sondern sich damit begnügt, Verstärkungs-Mannschaften für die Bataillone, welche nach Südafrika bestimmt sind, auszuheben.
Krrmifchtes.
* Düsseldorf, 2. November. Ein blutiges Eifersuchtsdrama spielte sich dieser Tage in einem hiesigen Spezialitätentheater. ab. Dort tritt seit einiger Zeit das Damentrompeter-Korps „Lyra" auf, zu dem auch die
20jährige Bertha Lüpke aus Ostpreußen gehört. Das Mädchen stand in Beziehungen zu dem Schauspieler Friedrich Kühn, der bei einer in Schwelm gastierenden Theatertruppe engagiert ist. K. war nun kürzlich nach Düsseldorf gekommen, um seine Geliebte zu bewegen, mit ihm nach Schwelm zu gehen, was letztere jedoch rundweg ablehnte. Als bald darauf die weißgekleideten Mitglieder der „Lyra" das Konzertlokal betraten, stürzte sich K. auf die Geliebte und stieß ihr ein langes Dolchmeffer mehrere Male in die Brust und den Hals, hierauf ergriff der Attentäter die Flucht und rettete sich schließlich vor Mißhandlungen des empörten Publikums in das Polizeibureau, wo er sich selbst stellte. Die Schwerverletzte wurde nach dem Karmelitessen- Kloster gebracht; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt.
* Salzburg, 2. November. Ein Raubmord in Salzburg. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich gestern abend in unserer Stadt die Nachricht von einem Raubmorde, der in den späten Nachmittagsstunden in einer der verkehrsreichsten Straßen' unserer Stadt und in deren Zentrum, in der Getreidegasfe, an einer alleinstehenden Frauensperson verübt worden war. Im Hause Nr. 26/1 der genannten Gasse bewohnte im ersten Stock die 45jährige ledige Wirtschafterin Marie Schmitzberger gemeinschaftlich mit ihrem Bruder Georg und einem Zimmerherrn namens Johann Schmied eine aus Küche und 3 Zimmern bestehende Wohnung. Aus dem Vorhause gelangte man durch die Küche in das von Schmied bewohnte Zimmer, an welches links das kleinere Zimmer der Marie Schmitzberger anstößt, während sich an dieses nach rückwärts dasjenige ihres Bruders anschließt. Vorgestern abend gegen 6 Uhr kam nun Schmied nach Hause und fand zu seinem Entsetzen in seinem Zimmer vor den beiden in demselben stehenden Betten die Marie Schmitzberger blutüberströmt, in rötlich verletztem Zustande am Boden liegend. Er schlug sofort Lärm und es wurde alsbald die Polizei verständigt, von welcher Rechtsrat Radnitzky mit Wachleuten, dann die städtischen Aerzte vr. Dirn Hofer und vr.Würten- berger am Thatorte erschienen. Die Schwerverletzte konnte gerade noch auf die Frage, wer ihr die Verletzungen zufügte, zweimal antworten: „Die Geschirrhändlerin in der Griesgaffe hat mich mit einem Eisen so geschlagen und ausrauben wollen", worauf sie verschied. Der Augenschein zeigte, daß die Ermordete in ihrem Zimmer im Bette überfallen worden war, denn das Bett war durch und durch blutgetränkt und die anstoßende Wand mit Blut besudelt. Außerdem fand man im Bett einen blutigen Strick, was darauf schließen läßt, daß die Mörderin ihr Opfer zuerst zu erwürgen versucht hatte und erst dann demselben mit einem Eisen, vermutlich einem Stemmeisen oder einem Kächenmesser, die tötlichen Verletzungen am Kopfe beibrachte. Die Unglückliche hatte dann, wie die Blutspuren an der Thürfüllung des ersten Zimmers bewiesen, offenbar durch dieses und die Küche das Freie zu gewinnen gesucht, wobei sie jedoch im ersten Zimmer die Kräfte verließen, und daselbst bewußtlos zu sammenstürzte. Die weitere Nachschau ergab, daß in der oberen Lade des Schubladekastens eine Zehnguldennote und gleichfalls Blutspuren vorgefunden wurden, ein Beweis, daß die Ermordete offenbar in dem Moment überfallen worden war, als sie vor der geöffneten Schublade stand, um vielleicht Geld herauszunehmen, und dann zum Bett geschleppt wurde, oder zu demselben flüchtete, wo dann das Verbrechen j vollendet wurde, oder aber, daß die Mörderin nach ge- ' schehener Blutthat mit blutbefleckten Händen die Schublade öffnete, um das dort verwahrte Geld zu rauben. Nach den Angaben der Angehörigen der Ermordeten dürfte sich in der Lade ein Betrag von ungefähr 500 Gulden befunden haben, herrührend von einer Erbschaft, die sie kürzlich gemacht hatte. Gleichzeitig mit diesen ersten Erhebungen wurde auch durch die Sicherheitswache die Verhaftung der Geschirrhändlerin Pauline Riegers Perger, einer fünfzigjährigen, ledigen, nach Neumarkt bei Salzburg zuständigen Frauensperson vorgenommen, welche in einem der kleinen Gewölbe „am Gries", Griesgaffe Nr. 7, unmittelbar neben dem zum Hagenauerplatz führenden „Löchelbogen" einen Geschirrhandel und anstoßend daran ein kleines Zuckerwarengeschäft betreibt. Sie ist eine mehr kleine, untersetzte und gutmütig aussehende Person, der man ein solches Verbrechen garnicht zumuten würde, zumal die Ermordete lunger und allem Anscheine nach auch kräftiger war. Man fand in ihrem Geldtäschchen eine 100-Gulden-Note, 6 Staatsnoten zu je 10 fl. und 7 Silbergulden, sowie einiges Kleingeld,
während schon eine oberflächliche Wohnungsdurchsuchung ergab, daß sie sich offenbar in starken Geldverlegenheiten befand; denn man fand einen Exekutionsbescheid des Bezirksgerichtes Salzburg über einen Geldbetrag von 300 Gulden und eine Betreibung einer Wechselforderung von 75 Gulden. Ein weiteres Verdachtsmoment bilder aber der Umstand, daß sich in der Hand der Er mordeten Haare vorfanden, welche mit jenen der Riegers Perger vollkommen übereinstimmen. Ferner fand man ein Nachtkorsett und ein blaues Leibchen, dessen Aermel frisch gewaschen waren. Trotzdem läugnet die Riegers Perger beharrlich, die Thäterin zu sein. Das Verhör dauerte gestern bis nach Mitternacht, blieb aber bis dahin in Bezug auf ein Geständnis erfolglos. Heute wurde dieselbe dem k. k. Landesgerichte eingeliefert. Durch die Aussagen der Wohnungsnachbarn wie durch ihr eigenes Geständnis ist festgestellt, daß sie mit der Schmitzberger seit längerer Zeit in Verbindung stand und dieselbe im Verlaufe des gestrigen Tages wiederholt aufsuchte, jedoch die Wohnungsthüre angeblich jedesmal verschlossen fand, so daß sie bei einer Nachbarin eine Post für die Schmitzberger hinterließ. Andrerseits soll auch die Schmitz berger öfter den Hausleuten gegenüber geäußert haben, daß die Geschirrhändlerin sie immer belästige und Geld von ihr haben wolle. Die Schmitzberger wurde übrigens, seitdem sie die Erbschaft im Betrage von beiläufig 1000 fl. gemacht hatte, [ viel von verschiedenen Leuten, denen dieser Umstand bekannt war, wegen Darlehen behelligt und hatte auch an ver- schiedenen Personen Geld ausgeliehen. — Die Untersuchung, mit welcher Landgerichtsrat Dr. Meugesius betraut ist, wird hoffentlich bald die volle Wahrheit an den Tag bringen. Die Nachricht von dieser jüngsten Blutthat hat in der Bevölkerung große Aufregung hervorgerufen und eine halbe Stunde nach ihrer Entdeckung belagerte bereits eine hundert- köpfige Menge das Haus, in welchem sich die blutige Mord- that abgespielt hatte. Diese bildete gestern abend und heute fast den ausschließlichen Gesprächsstoff an allen WirtshauS- tischen, wobei auch überall die noch immer unaufgeklärten Mordthaten in der Leichenhalle des Kommunalfriedhofs und am Geisberg zur Sprache gebracht wurden.
* Antwerpen, 3. November. Anläßlich der heutigen Katastrophe, des Einsturzes einer Landungsbrücke haben sämtliche Schiffe im Hafen Trau er geflaggt. 22 Tote und 35 Verwundete wurden aus dem Wasser geholt. Die gesamte Feuerwehr ist mit den Bergungs-Ar- beiten beschäftigt.
Universität und Hochschute.
Ernannt: Prof. Dr. Selenka in München von der medizinischen Fakultät der Universität Göttingen zum Ehrendoktor.
Berufen: Privatdozent Dr. Braus an die anatomische Anstalt zu Würzburg.
Habilitiert: Gerichtsreferendar Dr. Walther Schücking aus Münster in der juristischen Fakultät der Universität Göttingen als Privatdozent für Staatsrecht, Völkerrecht und deutsche Rechtsgeschichte. In seiner heutigen Antrittsvorlesung wird er über das älteste Heerwesen der Germanen sprechen. — An der Universität Bonn Dr. I. Greving als Privatdozent der katholisch-historisch-theologischen Fakultät mit einer Vorlesung über Franziskus von Assisi. Dr. Greving ist 1868 geboren und war bisher Kaplan in Köln. — An der Universität Graz Dr. Hermann Zingerle für Psychiatrie und Nervenpathologie.
Verschiedenes: Das „Berl. Tagebl." schreibt unterm 30. Oktober: In der heutigen ersten Stunde des Wintersemesters begrüßte Professor Rudolf Virchow die zahlreich erschienenen Zuhörer, indem er darauf hinwies, daß zum erfienmale ein Semester. im neuen Hörsaal des patho» logischen Museums eröffnet werde. Er selbst beginne am heutigen Tage sein hundertstes Semester als Ordinarius. — Der neue Rektor der Universität Berlin, Prof. Dr. Lazarus Fuchs gilt als freisinniger Beförderer aller modernen Bestrebungen; so steht er auch der Frage des Frauenstudiums sympathisch gegenüber. — Der „Voss. Zig." wird aus Wien berichtet: Das Unterrichtsministerium stellt in den Staatsvoranschlag den Betrag von 400,000 fl. zur Errichtung eines neuen elektrotechnischen Instituts an der technischen Hochschule in Wien ein. — Wie lesen in der „Framnbewegung": Dr. Julia Holmes Smith ist »u« Dekan der nationalen medizinischen Hochschule in Chicago erwählt worden. Eine andere Aerztin, Dr. Lucy Busenbark wurde zur Vizepräsidentiir der staatlichen medizinischen Gesellschaft in Iowa erwählt und zwar einstimmig, auch von den männlichen Aerzten.
Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von S bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an "Werktagen 50 Pfg> an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg.
Kleiderstoffe, Seidenstoffe
Keinen- vvd SnWWllWrev, MW nud Ausstattungen, Setten, Ketlstetteu, Teppiche, Tischdecken nnd Koltern.
Damen-, Herren- und Kinder- Garderobe
Unerreichte Auswahl. — Billigste feste Weise. — Barzahlung.
Steigerwald & Kaiser
31 Zeit 31. Frankfurt a. M. Kokzgraöen 4.
Leipzig. Magdeburg. Chemnitz. Dresden. 7028
Verantwortlicher Redakteur: H. Kocgler. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch» und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. '
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M.: Den Rnnd, M AO u Me »r°hl Wir erinnert an die Erledigni -(Gießener Anzeige
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Wegen deS . in Inheiden, Trais hausen nnd btt st muß btt ti nochmals Dttbolt’ Gießen, i
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In den bei hause» II ist i Gelnarkungcherr liegt ber Werter Kegen folgeren selben von außerh bolen. Die Einsuh SW in btm tzest AMachtuntz gest Gematkungvetdü sosortigerAWa meistem Rabem Großh. Kreisvete einen auswärtige ^uß also zunäch Veterinärarzt De: kein Hindernis i
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