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verdorben waren, und Babelsberger 49 Steine von neuem anfertigen mußte.
Neben diesen ihn fast aufreibenden Erfahrungen fehlte es auch an Schicksalsschlägen in seiner Familie nicht. Am schwersten aber traf ihn der Tod seines einzigen, hoffnungsvollen Sohnes. Aber wie tief dieser Schlag den schwergeprüften Vater auch niederbeugte, sein festes Gottvertrauen richtete ihn bald wieder auf. Schreibt er doch aus jenen Tagen an einen seiner Schüler: „Ich habe noch zwei Hebstäbe : Gott den Herrn, auf den ich vertraue, und, wie Ovid sagt: den Pfeil, den ich liebe, weil er mich verwundet hat — die Stenographie."
So ist sein Leben eine Kette von schweren Prüfungen, argen Widerwärtigkeiten und unausgesetzten Arbeiten gewesen, den bittersten Kummer und schwere Not hat er erfahren müssen. Stets auf den Nutzen der Allgemeinheit bedacht, hat er nie für sich gesorgt. Seine einzige Freude war das Gedeihen seiner Kunst, der er sich bis zum letzten Atemzuge widmete. Noch wenig Wochen vor seinem Tode schrieb er an seinen bedeutendsten Schüler Wigard: „Erst wenn dieses alles einmal völlig beseitigt ist, werde ich mich besser erholen können, wenn nicht unvermutet einer daher kommt und sagt: Freund, jetzt geh, für solche Wünsche ist es zu spät!" Und es war zu spät für solche Wünsche, denn schon am 4. Januar 1849 machte ein plötzlicher Tod seinem mühe- und arbeitsreichen Leben ein Ende. Trauernd umstanden sein Grab nicht nur seine Familie, sondern auch eine kleine Schar seiner Jünger, die an ihrem Meister einen väterlichen Freund und Berater verloren hatten. Nach seinem Tode erkannte man erst, was man an Gabelsberger gehabt hatte. Von der Rednertribüne des bairischen Abgeordnetenhauses, dessen Verhandlungen Babelsberger 30 Jahre stenographiert hatte, sagte ein Abgeordneter zu der Versammlung: „Gabelsberger ist eigentlich nicht gestorben, er lebt noch unter uns, er ist nur leiblich von uns geschieden, er wird immerfort im lebenden Angedenken der Zivilisierten bleiben, er, der das Wort zu fixieren erfunden."
Der Meister war tot. Nicht aber sank sein Werk mit ihm ins Grab, sondern es begann jetzt erst recht aufzublühen.
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So konnte es denn auch nicht ausbleiben, daß die Gabelsbergersche Redezeichenkunst verhältnismäßig schnelle Ausbreitung fand. Während im Jahre 1890 der Erfinder allein die Verhandlungen des baierischen Abgeordnetenhauses stenographierte, bestand im Jahre 1848 das stenographische Bureau dieses Hauses aus 12 seiner Schüler, welche unter des Meisters Leitung arbeiteten. In Wien, Dresden "und Stuttgart waren inzwischen Pflegestätten der Stenographie entstanden. Aber wie sehr sich auch Gabelsberger über die zuiiehmende Verbreitung seiner Kunst freuen durfte, so fehlte es andererseits auch nicht an Widerwärtigkeiten, die wohl geeignet waren, ihm die Freude an seinem Lebenswerke zu vergällen.
Hauptsächlich hatte Gabelsberger mit Mißtrauen und den Vorurteilen zu kämpfen, mit denen ja viele Menschen allen neuen Erfindungen entgegentreten. Namentlich aber suchten die höheren Staatsbeamten ihm nach Möglichkeit die Ausübung seiner Kunst zu erschweren, da sie in der Stenographie als Hilfsmittel der konstitutionellen Verfassung etwas Revolutionäres sahen. Andererseits glaubte Gabelsberger oft der Menge der auf ihn einstürzenden Arbeiten nicht mehr Herr werden zu können: denn er mußte nicht nur stundenlang in der Kammer stenographieren, das Stenogramm wollte auch übertragen sein. Kam er dann müde und abgespannt nach Hause, dann galt es. Unterricht zu erteilen und praktische Stenographen auszubilden; erst die Stunden der Nacht konnte er für feine eigenen Studien verwenden. So geschah es denn auch mehr als einmal, daß Ueberarbeitung ihn aufs Krankenlager warf. Man hätte nun vielleicht glauben sollen, daß er für seine Mühe eine entsprechende materielle Entschädigung erhalten habe. Aber weit gefehlt. Vielmehr setzte er bei seinen Arbeiten noch Geld zu, namentlich verschlang die Herausgabe seines Originalwerkes, welches neben einem Buchdruckteil auch noch gegen 400 vom Verfasser selbst lithographierte Seiten enthält, ungeheure Summen und brachte nur wenig wieder ein, zumal ein großer Teil der Platten vom Salpeterfraß
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Seine Jünger thaten sich zusammen, um bte ®et)anfe« Gabelsbergers weiter zu verfolgen, seine Pläne, die er Nicht mehr hatte verwirklichen können, zur Ausführung 8u bringen und sein System den veränderten Anforderungen der Zeit anzupassen und auf der Höhe zu halten. Ihre Arbeit wur e mit Erfolg gekrönt. Die Heute Schar, die damals am Grabe des Meisters stand und weinte, sie ist gewachsen ms Ungemessene, denn mehr als 50,000 Stenographen als Mitglieder von über 1400 Vereinen begehen heute in feierlich« ernster Weise den 50. Todestag ihres Meisters, ungeachtet der vielen Hunderttausende, bit keiner Organisation angehören : ja, es wurden im vorigen Jahre nach dem Gabels- berger'schen System allein 55,000 Personen neu unterrichtet, sodaß die Gabelsberger'sche Redezeichenkunst alle anderen Systeme an Verbreitung weit übertrifft Auch eine staatliche Anstalt zur Pflege der Stenographie, das konigl. stenographische Institut in Dresden, besteht feit dem Jahre lööv, staatliche Prüfungskommissionen für Lehrer der Stenographie sind in Dresden, München und Wien und einer ganzen Reihe anderer Städte eingesetzt. Der größte Erfolg des Gabelsberger'schen Systems aber ist, daß es einzig uno allein als offizieller Lehrgegenstand an den Schulen Bayerns, Sachsens, Oesterreichs, Oldenburgs, Sachsen-Weimars uno Gothas eingeführt ist. Und dieses alles haben wir zu verdanken dem Vater der deutschen Stenographie, Franz Lader Gabelsberger, dem Manne, der sein ganzes Leben für sein Werk dahingegeben hat, von dem er selbst, zugleich feine Thätigkeit und feinen Beruf in einfach-idealer Weise darlegend, einst erklärte:
„Idee und Wort im Flug der Zeit Ans Räumliche zu binden, Sucht' ich in ernster Thätigkeit Ein Mittel zu ergründen.
Und was ich fand, das gab ich hin. Um Nutzen zu verbreiten.
O, möge stets ein gleicher Sinn Auch meine Schüler leiten!"
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