Ausgabe 
5.1.1899 Zweites Blatt
 
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4 Zweites Blatt

Nr

Donnerstag den 5. Januar

18^9

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nehmen Anzeigen für den Siebener Anzeiger entgegen.

Amts- ttnb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

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MtiSn.

Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den folgenden Tag erscheinende« Nummer bi« Mm. 10 Uhr.

Siebaktion, Expedition und Druckerei:

Schukftraße Ar. 7.

Endung nach

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Marktplatz 1.

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die Stenographen aller Systeme bewundernd auf ihn als auf ihren Lehrmeister blicken würden. Früh schon eine vaterlose Waise, mußte er im Alter von vier Jahren scheiden von der Heimat: man brachte ihn zu seinem Großvater nach Haag, wo er eine freudlose Jugend verlebte, da ihm auch die freundlichen Mönche zu Atteln und Ottobeuren, die sich seiner später liebevoll annahmen und für seine Er­ziehung sorgten, das Vaterhaus nicht ersetzen konnten. Als er im Jahre 1804 durch die Säkularisation der Klöster dieses Stütze beraubt wurde, gelang es ihm durch seine zähe Energie, seine Studien, wenn auch unter großen Ent­behrungen, noch einige Jahre, zuerst auf dem Knaben­seminar, später auf dem Gymnasium zu München fort­zusetzen, bis im Jahre 1809 Krankheit und das Versiegen seiner Hilfsmittel ihn zwangen, einen Beruf zu ergreifen, der seine Subsistenz sicherte. Zuerst versuchte er es als Elementarlehrer, und, als auch hier ihm seine Kränklichkeit hindernd in den Weg trat, bewarb er sich um einen Posten auf einem der Regierungsbureaus und wurde im Jahre 1810 definitiv als Kanzlist bei der königl. Kreisregierung angestellt.

In dieser Thätigkeit nun kam er zuerst auf den Ge­danken, sich mit der Aufstellung einer Schnellschrift zu be­fassen. Er selbst sagt darüber folgendes:Als ich mit Ermittelung einer Schnellschrift mich zu befassen anfing, hatte ich dabei keine andere Absicht, als etwa einem höheren Beamten in der Art dienlich zu werden, daß ich vermittelst solcher Schrift entweder einzelne Elaborate desselben gleich vom Munde weg aufnehmen oder nur schnell das wesent­lichste seiner Ansichten notieren, das übrige aber selbst aus­arbeiten könnte. Aber meine Idee fand damals keinen Anklang. Während ich dieselbe darum nicht gleich auf­gegeben, sondern sie wenigstens zu meinem Vergnügen ver­folgt hatte, trat die neue bayerische Staatsverfasiung ins Leben, und die erste Ständeversammlung wurde auf das Jahr 1819 einberufen. Da ging mir nun der Gedanke

Gratisbeilagen: Gießener FamÜienblätter, Der hessische Landwirt, ________________Mttcr für hessische Dolksknnde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

tiger, welche für 1899 erneuert werden sollen, genügt e», wenn die Verhältnisse des einzelnen Falles sich nicht ge­ändert haben, daß Sie auf Seite 4 des Protokolls an de« dazu vorgedruckten Stellen wörtlich bescheinigen; pro 1899 wurde die Reklamation von dem Antragsteller erneuert unb wird bescheinigt, daß die Verhältnisse desselben sich in­zwischen nicht geändert haben.

Ist dagegen in den Verhältnisien eine Aenderung eiu- getreten, so ist genau und motiviert anzugeben, worin die­selbe besteht.

Zu diesem Zwecke wollen Sie die betreffenden Rekla­mationen mittelst Bericht alsbald einfordern.

Boeckmann.

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auf, daß ich mich durch meine Kunst vielleicht nützlich machen könnte, da ich aus Zeitungen wußte, daß in England und Frankreich Schnellschreiber zur Aufnahme der ständischen Verhandlungen verwendet werden Nun erst fing ich an, die Sache ernster zu betreiben."

Im folgenden Jahre wurde Gabelsberger in der That damit beauftragt, die Verhandlungen des bayerischen Ab­geordnetenhauses, und zwar als einziger Stenograph, auf­zunehmen. Es gelang ihm, die Zufriedenheit seiner Auf­traggeber im höchsten Grade zu erringen, obgleich sein System damals noch unfertig und unvollkommen war. Doch hier im Feuer der parlamentarischen Praxis lernte Gabels­berger die Mängel kennen, welche seinem Werke noch an- hafteten, aber auch die Mittel und Wege fand er hier, es zu vervollkommnen. Denn damals bildete sein System noch kein abgeschlossenes Ganzes. Gabelsberger war der erste, der nicht nach englischem oder französischem Muster geo­metrische Zeichen verwendete, sondern aus Teilen unserer gewöhnlichen Kurrentschrift sein Alphabet zusammensetzte. Alle anderen Stenographieerfinder von Bedeutung sind ihm hierin gefolgt, so daß Gabelsbergers Idee grundlegend für die ganze deutsche Stenographie gewirkt hat; ihm allein gebührt der Ehrentitel:Vater der deutschen Steno­graphie".

Vor allen Dingen war Gabelsberger stets bemüht, ein System bezüglich seiner praktischen Brauchbarkeit zu einem in jeder Werse vollkommenen auszugestalten, und es war wohl kein anderer hierzu so geeignet, wie gerade er, der alle die vielfachen Erfahrungen, die nur die stenographische Praxis mit sich bringt, an sich selbst gemacht hatte, der außerdem mit feinem praktischen Blick eine hohe wissen­schaftliche Bildung verband Ihm ist es gelungen, seine Schrift zu einem getreuen Abbild der Sprache zu machen, er hat Theorie und Praxis in geschicktester Weise mit­einander vereinigt, derart, daß sein System nicht nur eine durchaus zuverlässige Kammerstenographie ist, sondern auch

?.Jept;iprd5 mcrtfijalH'lid) 2 TLv.f 20 Pfg. N'.ottatlich 75 Pfg. mit Bringeeloha.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich.

Gieße n, den 4. Januar 1899.

Betr.: Das Militär-Ersatz-Geschäft in 1899; hier Ein­sendung von Auszügen aus den Sterberegistern.

Der Zivilvorfitzende der Großh. Ersatz- Kommission Gießen

au die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Unter Bezugnahme auf die Vorschrift in Pos. 7 resp. 10 des § 46 der Wehrordnung vom 22. November 1888 em­pfehle ich Ihnen, alsbald kurzer Hand einen Auszug aus den Sterbe-Registern des Jahres 1898 über die in diesem Jahre gestorbenen Personen männlichen Geschlechts, welche das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, an mich ein- zusenden.

Bei sämtlichen Personen ist der Geburtsort und Tag und, wenn dieser nicht im Großherzogtum liegt, der Kreis ober Verwaltungsbezirk, wozu derselbe gehört, anzugeben.

Bemerkt wird noch, daß alle männlichen Personen, welche im Laufe des Jahres 1898 gestorben, aufzunehmen sind, das VerzerchnlS also auch solche enthalten muß, die erst im Jahre 1898 geboren wurden.

Sollten Todesfälle von gedachten Personen in Ihren Gemeinden nicht vorgekommen sein, so erwarte ich desfall- sigen Bericht.

Boeckmann.

Deutsches Wich.

Berlin,3.Januar. Die Besserung im Befinden des Kaisers schreitet fort. Der Kaiser muß sich jedoch noch einige Tage Schonung auferlegen.

Berlin, 3. Januar. DieKöln. Volksztg." veröffent­licht eine vom 15. November datirte Mitteilung aus Süd- Schantung, nach welcher Pater Stenz und der ein. geborene Priester Hia in der Unter-Präfektur Scho-Dschau gefangen genommen worden seien. Nach den Infor­mationen derBerliner Neuesten Nachrichten" handelt es sich bei dieser Meldung um einen bereits erledigten Vorfall. Pater Stenz ist vor einiger Zeit allerdings in Gefangen­schaft geraten, jedoch alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt worben. Auch die geforderte Genugthuung wurde bereit­willig geleistet.

Berlin, 3. Januar. Die Ernennung des bisherigen Mlmster-Residenten in Luxemburg, Grafen Henckel von Donnersmarck zum Gesandten in Oldenburg wird heute amtlich publiciert.

Gießen» den 4. Januar 1899.

Betr.: Das Militär-Ersatz-Geschäft in 1899; hier Gesuche unt Zurückstellung.

Der Zivilvorfitzende der Großh. Ersatz- Kommisfion Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises.

Unter Bezugnahme auf § 32 der deutschen Wehrord- nung eröffne ich Ihnen, daß, wenn Gesuche um Zurück­stellung Militärpflichtiger erhoben werden. Sie solche nach dem Reglement vom 12. Mai 1868 (Reg.-Bl. Nr. 28) genau zu protokollieren unb btt- Protokolle mit ben vorgeschriebenen Beilagen gleichzeitig mit den Stammrollen pro 1899 hierher einznsenden haben.

Hinsichtlich ber früher erhobenen unb begrünbet be- funbenen Reklamationen auf Zurückstellung Militärpflich-

Menet Anzeiger

Heneral-AnMger

Bekanntmachung.

Zu Hof Oberdauernheim sowie zu Hof Marienborn (Kreis Bübingen) ist bie Maul- unb Klauenseuche auS- gebrochen unb Gehöftsperre angeorbnet worden.

Gießen, ben 2. Januar 1899.

Großh. Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag«.

Die Gießener A«»ikie« v kälter werbe« dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Feuilleton.

Aum 50. Todestage Haßeksbergers.

(4. Januar.)

Ein Gedenkblatt von F. Bunge.

Nicht selten wird das 19. Jahrhundertdas Jahr­hundert der Erfindungen" genannt. Und auch mit Recht, benu auf welches Gebiet wir auch blicken, in der Wissen­schaft, der Technik, der Industrie, allüberall find während unseres Jahrhunderts Erfindungen gemacht worden, die Umwälzungen von weittragendster Bedeutung hervorgerufen r n'L r®e^cutcn^e Beniner aller Nationen haben an diesem lultuchtstorischen Fortschritte mitgearbeitet, und unser deutsches Volk darf sich rühmen, daß eine große Anzahl keiner Sohne in hervorragendster Weise hierbei beteiligt war. Mancher durfte noch zu Lebzeiten den Dank der «ikrttwelt entgegennehmen, gar mancher aber auch blieb un­erkannt von seinen Zeitgenossen, und erst die Nachwelt wand t-bm 'n dankbarer Anerkennung seiner Verdienste Lorbeeren K?" Ruhmeskranze. Zu den letzteren gehört auch der »cann, welcher vor nunmehr 50 Jahren aus dem Leben J2ieö: Xaver Gabelsberger, der Vater der

Stenographie.

. Wie sich meistens gerade die größten Männer nur aus !,^bn.Anfängen durch Klugheit, Fleiß und Ausdauer zu . n emporschwingen, die wir bewundern, so hat auch ai der Wiege Gabelsbergers, ber am 9. Februar 1789 h H.»rCr? niemanb gebacht, welch großen Dienst Öii ?C<K ^ohn jenes armen Instrumentenmachers ber .L- und Nachwelt leisten werbe, niemanb geahnt, baß man seiner Vaterstadt München ans Dankbarkeit ein jjTr es. Stanbbilb errichten werbe, baß fein Name weit bi'tr n le Grenzen seines Vaterlanbes hinausbringen unb in ^'zen kultivierten Welt hochgeachtet sein werde, daß

Ausland.

Wien, 3. Januar. Im Landtage beantwortete der Statthalter die Interpellation über die Datiernng der kaiserlichen Botschaft dahin, daß die kaiserlichen Mit­teilungen und Reskripte an die Landtage niemals anders datiert worden sind. Es sei daher auch nicht notwendig, die Deutung zu widerlegen, welche die Interpellanten der kürzeren Formel gegeben haben.

Alle Anzeigen-Bermir.. ^stellen de« Io. und Auslande«

-ehmiu. send:

Amtlicher Feil.

Gießen, den 2. Januar 1899. Betr.: Die Tagebücher der Hebammen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

die Grotzh. Bürgermeistereieu des Kreises.

Großh. Ministerium des Innern hat für das nach § 46 der Medizinalordnung vom 25. Juni 1861 und § 24 der Dienstanweisung für bie Hebammen vom Jahre 1888 vor- geschriebene Tagebuch der Hebammen ein neues Formular eingeführt, das vom 1. Januar 1899 ab zur Anwendung zu kommen hat. Daneben sollen die Hebammen gehalten sein, die ihnen durch Absatz 2 des §19 der Dienstanweisung zur Pflicht gemachten Temperaturbeobachtungen in ein be­sonderes Formular (Temperaturtabelle) einzutragen, das in der Behausung ber Wöchnerin bleibt unb bem etwa herbei- znrufenben Arzte sofort ermöglicht, ein Bilb über ben seit­herigen Gang ber Körpertemperatur der Wöchnerin zu ge­winnen und die Gewissenhaftigkeit der Hebammen zu con- trolieren.

Um bie Hebammen möglichst rasch in den Besitz ber Tagebücher unb Temperaturtabellen zu setzen, haben wir die Firma W. Klee in Gießen beauftragt, auf Grunb einer Aufstellung Großh. Kreisgesunbheitsamts über ben Bebarf Ihnen die erforderliche Anzahl von Formularen baldmöglichst zuzusenden. Späterer Bedarf kann bei derselben Firma gedeckt werden. Sie wollen ben Hebammen bei Aushändigung der Tagebücher und Temperaturtabellen von vorstehender Verfügung Kenntnis geben unb benselben bemerken, baß von Januar 1899 an nur die neuen Formulare zu benutzen seien. Die Kosten berfelben tragen bei Gemeinbehebammen bie Gemeinben, bei Privathebammen biefe selbst.

v. Bechtolb.