Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden über nur im dringendsten Notfälle genehmigt.
Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß- und FührrrrrgS- zerrguis) müssen zur Stelle fein.
Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einschl. Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 18. Oktober 1899.
Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen.
D et r i n g, Oberstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen.
Bekanntmachung.
Betr.: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im 1. Kör- bezirk.
Die Körkommission des 1. Körbezirkes (Vogelsberger Dich) wird nachfolgenden Körtermin abhalten:
Mittwoch den 8. November 1899, vormittags 10t/2 Uhr, in Heuchelheim.
Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen, werden ersucht, ihre betr. Tiere an dem von betr. Großh. Bürgermeisterei hierzu bezeichneten Ort aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können.
Anmeldungen zur Körung sind an den Vorsitzenden dieser Kommission, Herrn Oberamtmann Hoffmann in Hof-Güll zu richten, oder dem Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Bei Ist ein in Laubach, direkte Mitteilung zu machen.
Laubach, den 31. Oktober 1899.
Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. ______Friedrich Graf zu Solms-Laubach.______
* Die geschlagenen Engländer.
Gießen, 3. November 1899.
Tiefe Niedergeschlagenheit herrscht in ganz England. Eben erst hatten die Depeschen vom Kriegsschauplatz gewaltige Siege verkündet, in reicher Glorie sah man das Bild Altenglands erstrahlen und schon träumte man davon, daß Ohm Krüger als zerknirschter Büßer über Berg und Thal und weite Meere nach Windsor pilgern werde, Gnade und Verzeihung von der mit Recht so beliebten Königin zu erflehen. Hieß es doch in den Depeschen, die man an den Londoner Straßenecken jubelnd umdrängte, daß der alte, zähe Präsident des freien Burenstaates bedingungslos seine Unterwerfung angeboten habe. Aber Lügen haben kurze Beine, und gar wundersam hat die Wirklichkeit den Phantasiegebilden widersprochen: Heute steht England am Abschluß eines total verunglückten Feldzugs, seine stolzesten Truppen, Mannschaften, die in Indien und auf all den Schauplätzen, die für den friedsamen Sinn der Queen zeugen, siegreich gewesen, sind geschlagen und zum Teil sogar aufgerieben, Tausende besinden sich in der Gefangenschaft der Buren, und England, das große, mächtige England, dessen Diplomatie so überaus geschickt zu arbeiten verstand, steht vor dem Verluste seines südafrikanischen Reiches. Allerdings bedeutet in Stunden der Gefahr ein einzelner Mann zuweilen mehr als eine Armee, und wohl weist die Geschichte darauf hin, daß in schwerer Zeit besiegte Nationen sich aufgerichtet haben an der Thatkrast eines Helden. Aber selbst wenn der General Buller einer von jenen Gottbegnadeten wäre, deren Namen durch alle Jahunderte leuchtet, so steht er doch
und Scheuen stuhl in Offenbach a. M. und die Kunststickereien von Pauline Braun-Darmstadt. Last not least noch ein Wort über die ausgezeichneten Goldschmiedearbeiten der Firma PH. Wondra in Darmstadt. Leider werden sie anscheinend durchaus nicht so beachtet, wie sie es verdienen. Es offenbart sich in ihnen sowohl feinstes Stilgefühl als auch künstlerisch vornehme Behandlung und Verwendung des Materials.
Von den rund 150 ausgestellten Gemälden können wir natürlich hier auch nur eine Auswahl nennen. Die Darmstädter Maler haben auf den im vorigen Jahre errungenen Lorbeeren nicht geruht. Bei allen merkt man emsiges Streben nach höherer Vollendung. Als durchaus reifer Künstler zeigt sich wieder Wilhelm Bader in seinen farben- kräftigen nnd stimmungsvollen Aquarellen und den poetisch empfundenen Frav.enköpfen. Von Adolf Beyer sehen wir tüchtige Porträts und ein flott gemaltes Stillleben, betitelt „Anemonen". Richard Hölschers „Spinnerin" und „lesende Frau" sind hervorragende Leistungen. Paul Ripperts Landschaften zeugen von feinem Stimmungsgefühl, in dem sie noch übertroffen werden von August Wondras „Nacht", das uns anmutet, wie ein altes Volkslied in seiner Schlichtheit und Tiefe. Curt Kemp ins Bildnis der Hofschauspielerin Amalie Cramer zeigt den jungen Künstler als begabten Porträtisten, auch Ludwig Meckels Herrenbildnis verrät tüchtiges Können. Von den auswärts lebenden hessischen Malern hat Eugen Br acht-
jetzt vor einer Aufgabe, deren Lösung übermenschliches Leisten erfordert.
Denn die Wahrheit ist nicht mehr zu verhüllen: die Armeen der Generale White und Aule sind dezimiert, die Stellungen, die noch die Möglichkeit eines Angriffs gegen die Grenzen des feindlichen Landes boten, mußten geräumt werden, die britischen Streitkräfte sind auf die Defensive beschränkt. Und zu allem tritt der moralische Eindruck, die tiefe Depression, die sich der Anhänger Englands bemächtigt hat, die Verstärkung der Widerstandsgelüste, die sich in dem Herzen aller Afrikander, aller nicht unter Englands Sonne geborenen Elemente, regen und schon jetzt auf ein waffenkräftiges Vorgehen drängen. Welche unabsehbare Gefahr, wenn Natal, wenn das Kapland sich erhebt und den Stammesgenossen, die unter der Orangefahne und dem Viererbanner von Transvaal kämpfen, die Hände reichen! Wenn dann die eingeborenen Stämme sich erheben, um das Joch des Goldes und der Aktie abzuschütteln, und wenn weithin über den Erdkreis zu allen Unterdrückten die Kunde dringt, daß es ein Märchen sei, das von Englands Unbesiegbarkeit erzählt! Oft ist die reale Wirkung einer Niederlage nicht so tiefgehend, als der moralische Eindruck, und schon jetzt mögen die Gramont und Olivier des britischen Reiches, die Salisbury und Chamberlain, im stillen Busen den Wunsch hegen, daß die Erleuchtung, die jetzt über sie kam, ihnen früher zu Teil geworden wäre!
„Ich bin allein verantwortlich, die Stellung war unhaltbar", so hat General White seinen Bericht geschlossen, als die Gefangennahme einer Brigade durch die Buren nicht mehr verschwiegen werden konnte. Man mag dem unglücklichen Besiegten seine Sympathien schenken, und man mag jene Ehrenhaftigkeit, die alle Schuld auf sich nimmt, mitleidsvoll anerkennen. Aber wie einst Benedek seinen Feldherrnruhm und seine soldatische Ehre preisgeben mußte um Anderer Schuld, so hat auch White es auf sich genommen, die Last der wahrhaft Schuldigen zu tragen. Denn diese vor der Weltgeschichte und dem Weltgerichte wahrhaft Schuldigen sind jene englischen Politiker vom Schlage Chamberlains, die Gold für Blut erkaufen wollen und doch in den entscheidenden Tagen nicht einmal die Kaltblütigkeit des Verbrechers zu bewahren wußten. Nur durch den Erfolg können große Verbrechen in der Geschichte legitimiert werden. Wer einen Sprung wagt, ohne die Entfernung zu messen, wird leicht verunglücken. Schon heute aber steht außer Zweifel, daß Chamberlain die Widerstandskraft der Buren unterschätzt, die Leistungsfähigkeit der englischen Truppen und ihrer Führer bei weitem überschätzt hat. Denn an der Seite der Buren kämpft die Vaterlandsliebe, die Sorge um Haus und Herd, der goldige Freiheitsdrang. Was hat der Söldner, der in Englands Reihen kämpft, dagegen einzusetzen? Kaum anderes, als das soldatische Pflichtgefühl, das auch im Kampfe für eine widerwillig aufgenommene Sache lebendig bleibt. „Für welches Ziel bist Du gestorben?" — wenn diese Frage auf die Lippen des sterbenden Engländers tritt, dann wird er vergebens nach einer Antwort suchen und mancher Fluch auf Chamberlain und Rhodes mag aus den steinigen Geländen von Glencoe und Ladysmith zum Himmel steigen, während der sterbende Bure noch mit seinem letzten Hauche sein Vaterland segnet.
Es scheint zuweilen, als sollten die wenigen Sympa- thieen, die in der Welt für England herrschen, noch künstlich zerstört werden. Oder kann die Unaufrichtigkeit, um nicht zu sagen die raffinierte Verlogenheit der englischen Kriegsberichte solche Sympathieen verstärken? Das Bild, das von der jüngsten Schlacht von Ladysmith gezeichnet wurde, ist geradezu klassisch. Da verwandelte sich der glänzende
Sieg zunächst in einen siegreichen Rückzug, dann gestand man einige Verluste ein, durchgehende Maultiere haben ein Paar Kanonen zu geheimnisvollem Verschwinden gebracht, einige Zufälligkeiten führten Fatalitäten herbei, und langsam, ganz langsam erst erhielt die Welt die Kunde von einer vernichtenden Niederlage, die nicht einem Detachement, sondern den sämtlichen Streitkräften des Generals White zugefügt worden ist. „Nach mehrstündigem Kampf wurden die Buren zurückgeworfen, die Verluste betragen auf englischer Seite hundert Mann", so hieß es in dem ersten Bulletin. „Der rechte Flügel vertrieb die Buren aus ihrer festen Stellung, doch war es nicht möglich, den Erfolg weiter auszunützen", so heißt es in der zweiten Depesche, die schon mit der Mitteilung schließt, daß General White der Infanterie befohlen habe, „sich nach und nach zurückzuziehen." In einer neuen Depesche wird schon zugegeben, daß das Feuer der Buren vortrefflich und die Verluste der Engländer sehr schwer gewesen seien, und es wird hinzugefügt: „Während der Nacht gingen einige Maultiere der feuernden Batterie mit ihren Geschützen durch." Die nächste Depesche verkündet bereits, daß zwei Bataillone nicht zurückgekehrt seien, aber am Abend zurückerwartet werden. Trotzdem wurde „der Feind mehrere Meilen zurückgetrieben." Und merkwürdig: „Nachdem der Kampf mehrere Stunden gedauert hatte, zog ich die Truppen zurück." Jetzt wurde auch der Verlust von zwei Geschützen eingeräumt. Aber wie sehen diese Verluste in Wirklichkeit aus? General White selbst räumt schließlich ein, daß die gesamte „etwa" 2000 Mann zählende Infanterie des linken Flügels nebst einer Bergbatterie gefangen und außerdem sieben Geschütze verloren gegangen seien. Wem kommt nicht all diesen, von der höchsten Großmütigkeit bis zum tiefsten Kleinmut variierenden Berichten gegenüber die Geschichte von den Steifleinenen des würdigen Falstaff in den Sinn?
Und bei alledem wird man das Gefühl nicht los, daß England erst am Anfang einer Reihe von Katastrophen steht. Sollte ihm aber dennoch der letzte Sieg verbleiben, so werden die Opfer so enorm sein, daß selbst in Chamberlains eisiges Herz ein Gefühl der Reue einziehen wird. Dann wird er vor einem Trümmerfelde stehen.
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Gießen, den 3. November 1899.
** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 25. Oktober den Schutzmann Johannes Schädel in Gießen zum Universitätsdiener an der Landes-Universität mit Wirkung vom 1. November 1899 zu ernennen.
•* Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums der Justiz wurden der Gerichtsassessor Schulz in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Darmstadt I, der Gerichtsassessor vr. Maurer in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Rheinhessen und der Gerichtsassessor vr. H eyer in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei dem Amtsgericht Darmstadt I beauftragt. — Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 1. November den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Schotten Karl Bauer zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen, den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt I Wilhelm Molter zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Schotten zu ernennen. — Ernannt wurden: am 1. November der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Herbstein Wilhelm Steller zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt I; der Gerichtsschreiber- Aspirant Christoph Heinrich Friedrich zu Lorsch zum Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lorsch; der Gerichtsschreiber-Aspirant Karl Johannes Grünewald zu
Berlin eine große Kollektion von Landschaften gesandt, die im Gegensatz zu seiner früheren Art schlichte Naturaus. schnitte, manchmal fast zu schlicht, in großem Stile und breiter Technik vorführen. Von Karl Bantz er-Dresden sehen wir außer stimmungsvollen Landschaften, virtuos gemalte Bilder aus dem oberhessischen Volksleben, darunter die im Besitz der Berliner Nationalgalerie befindliche große „Abendmahlsfeier in Hessen." Auch Ludwig von Hc>f- mann's-Berlin eigenartige Kunst ist charakteristisch vertreten und Paul Meyer-Mainz in München hat zwei sehr pikant gemalte Genrebilder ausgestellt. Von Landschaftern erwähnen wir noch Karl Küstner-München, W. G. Ritter- Dresden und O. H. Engel-Berlin mit hervorragenden Arbeiten, von letzterem speziell das große Triptychon „von de Waterkant". Engel ist außerdem ein hochbegabter Genremaler, wovon das köstliche Bild „die neue Freundin" vollgültigen Beweis ablegt.
Prächtig sind auch die Gemälde und Zeichnungen, die der allbekannte Edmund Harburger-München ausgestellt hat. Bon den Blättern der Schwarz-Weiß-Abteilung wollen wir wenigstens die meisterhaften Radierungen Peter Halms- München erwähnen, sowie die architektonischen Entwürfe von Kritzler-Berlin und Zeller-Darmstadt. Unter den Werken der plastischen Kunst steht obenan Ludwig Habichs Figur „der Sieg" für das Kriegerdenkmal in Gießen, eine ungemein groß und schwungvoll erdachte und ausgeführte Gestalt. Habichs Bronzestatuette eines hessischen Offiziers
aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts ist ein neuer Beleg für des Künstlers anerkannte Meisterschaft auf dem Gebiete der Kleinplastik. Eduard Schmahl-Mainz verrät in seinem großen Relief für den Schlachthof in Mainz gesunden Humor und gediegenes Können. Dasselbe gilt von seinem köstlichen Zierbrunnen „Froschvase". Georg Busch- München zeigt sich in der Büste Martin Greifs als vorzüglichen Porträtisten und in den Holzskulpturen: Marien- sänger, Meditation und Charitas als Künstler von tief religiösem Empfinden. Auch die nicht namentlich angeführten Künstler haben durchweg gute Arbeiten ausgestellt. Alles in allem bietet die Darmstädter Kunstausstellung außerordentlich reichen Genuß und mannichfaltigste Belehrung, und es ist dringend zu wünschen, daß das Publikum die großen Bemühungen und Opfer, die die freie Vereinigung Darmstädter Künstler aufgewandt hat, nicht nur durch zahlreichen Besuch, sondern auch durch Ankäufe lohnen möge. Der Erfolg dieser Ausstellung wird lehren, ob Heffen für das Verständnis der modernen Kunstintentionen so reif ist, daß es der Mühe wert erscheint, auch in Zukunft solche Revuen über die Leistungen der modernen, speziell der hessischen modernen Kunst zu veranstalten. Die Ausstellung ist bis zum 12. November täglich von 10 bis 7 Uhr geöffnet, und abends sind sämtliche Räume elektrisch beleuchtet. ‘ M.-H.
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