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Die Stellung um Kimberley.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben die Buren Kimberley fast vollständig cerniert und General Baden« Powel kann nur noch nach Südosten sich einen Ausweg suchen, obwohl anzunehmen ist, daß die Buren auch hier den Kreis bald schließen. Die gegenwärtige Stellung um Kimberley ist die folgende: die Buren rücken von Station Windsorton und Riverton gegen die Station Macfarlang vor, woselbst die Engländer einen Panzerzug (auf unserer Skizze mit bezeichnet) aufgestellt haben, der an beiden Seiten durch größere Abteilungen gedeckt wird. Im Nordwesten stehen die Buren bei Barkly, ca. 25 englische — 6 deutsche Meilen von Kimberley entfernt, im Osten rücken sie auf dem Wege von Boshof vor, und im Süden stehen sie zwischen den Stationen Spytfontein und Wimbledon, nur ungefähr 10 Kilometer von Kimberley entfernt.
sie lagern seitdem als Ladenhüter bei den Postanstalten, denen sie eine Masse Mühe bei der monatlichen Bestandsaufnahme verursachen. Der hohe Preis und die unpraktische Einrichtung der Kartenbriefe tragen die Schuld daran, daß eine so verschwindende Benutzung stattfand, während sie sich z. B. in Oesterreich wie die Postkarten eingebürgert haben.
-o Neu-Ulrichstein, 1. November. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein für den Monat Oktober 1899. Am 31. Oktober 1899 befanden sich auf der Kolonie 30 Mann. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: Großherzogtum Hessen 5, Großherzogtum Baden 1, Königreich Bayern 3, Regierungsbezirk Kassel 2, Regierungsbezirk Wiesbaden 6, Provinz Ostpreußen 2, Königr. Sachsen 3, Prov. Sachsen 1, Provinz Rheinland 3, Brovinz Brandenburg 1, Thüringen 1, Württemberg 1, Ausland: Oesterreich 1. 2. Nach dem Gewerbe: Apotheker- Lehrling 1, Arbeiter 12, Barbier 1, Bureau-Gehülfe 1, Gärtner 1, Hutmacher 1, Kaufleute 2, Kürschner 1, Schlosser 2, Schreiner 1, Schneider 4, Schuster 1, Tüncher 1, Weißgerber 1. Die Kolonie zählte im Oktober 1899: 871 Verpflegungstage, 7391/2 Arbeitstage, 80V2 Sonntagen, 46 Krankentage, 5 Beurlaubte. Abgang verteilt sich: Auf Wunsch 2, Arbeitsunfähig 1, Arbeitsweigerung 2. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3626, entlassen 3596, bleibt Bestand 30 Mann.
Vilbel, 31. Oktober. Der hier wohnhafte praktische Chemiker N. erfand ein Pulver, das nicht nur vollständig rauchlos ist, sondern auch beim Explodieren fast gar keinen Knall verursacht. Dabei ist die Wirkung dieses Pulvers sowohl in der Schußwaffe als beim Sprengen noch intensiver, als die des gewöhnlichen Pulvers.
Mainz, 1. November. Dem am verflossenen Sonntag hier getagten alldeutschenVerband wurden seitens der hiesigen Bevölkerung vielfach antisemitische Tendenzen beigemessen, welche Ansicht ein Mainzer Lokalblatt auch laut zum Ausdruck brachte. In mündlichen und schriftlichen Mitteilungen an das betreffende Blatt verwahren sich eine große Anzahl Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes entschieden gegen diese Anschauung und versichern, daß sie nicht nur jeder antisemitischen Tendenz fern ständen, sondern einer solchen auch absolut fern seien. Die betreffenden Verbandsmitglieder versichern ferner, daß sie dem Vorstande des Verbandes erklärt haben, sie würden sofort ihren Austritt nehmen, sobald sich nur die geringste antisemitische Strömung bemerkbar mache. Das Blatt, das dem alldeutschen Verband antisemitische Tendenzen vorgeworfen hatte, nimmt von diesen Erklärungen mit Genugthuung Notiz, verlangt aber entschieden die Beseitigung der an der Spitze der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes stehenden Persönlichkeit, die sich bei jeder Gelegenheit offen zum Antisemitismus bekenne.— In Sachen der Eingemeindung vonMombach zu Mainz wurden am Sonntag in einer allgemeinen Versammlung die Bedingungen festgestellt, unter welchen die Gemeinde Mombach bereit ist, sich an Mainz einverleiben zu lassen. Bis auf das Verlangen, von dem städtischen Oktroi befreit zu sein, hat die Stadt Mainz gegen die Bedingungen der Gemeinde Mombach nichts einzuwenden.
△ Mainz, 1. November. Von dem Kriegsministerium in Berlin wurde der Großhandlung Heister & Simon
hier die Lieferung der für die hiesige Konservenfabrik während der diesmaligen Fabrikatsperiode benötigten Ochsen übertragen. Zu liefern sind etwa 3000 Ochsen.
A Aus Rheinhessen, 1. November. Für das geringe Quantum, das im diesmaligen Herbst allgemein geerntet wird, werden bei uns in Rheinhessen die Weinbauern dadurch einigermaßen entschädigt, daß die Qualität durchgängig besser ist, als man erwartet hatte, und daß infolgedessen die Nachfrage nach Trauben und Most bei sehr ansehnlichen Preisen allgemein eine sehr lebhafte ist. Geringere Weine werden zu 400 bis 500 Mk. und mittlere Weine 500 bis 700 Mk. geschätzt. Für bessere Sorten werden selbstredend höhere Preise bezahlt.
Wiesbaden, 1. November. In die hiesige Gemeinde- wähl kommt durch die schon erwähnte Beteiligung der Sozialdemokratie ein neues Moment. Es kann sich aber für die hiesigen Sozialdemokraten nur um eine Kraftprobe, um ein Farbebekennen handeln. Das ist ihr gutes Recht als Partei. Auf Durchbringen des einen ihrer drei Kandidaten rechnen sie wohl selbst nicht. — Die Konservativen scheinen auf ein selbständiges Auftreten diesmal ganz zu verzichten aus der verständigen Erwägung, daß Geschäfte für sie doch nicht zu machen sind. Die Nationalliberalen, welche in der ersten Klasse führen, gehen mit den Freisinnigen unter Anerkennung von deren gegenwärtigen Besitzstand in der zweiten und dritten Klasse vor. Die Kandidaten der von dem Freisinn beherrschten zweiten und dritten Wählerklasse ist beiderseits unter diesem Gesichtspunkt aufgestellt worden. Die Wahlen dürften somit einen ziemlich geschäftsmäßigen Verlauf nehmen. Gehen die Vorschläge durch, so wird in Zukunft das Stadtverordnetenkollegium aus drei Kaufleuten, drei ehemaligen Kaufleuten, sechs Rechtsanwälten und sonstigen Juristen, fünf Aerzten, sechs Architekten und drei Rentnern bestehen.
Koblenz, 31. Oktober. Der hiesige Fabrikant Neuschäfer wurde gestern unter dem Verdacht, ein schweres Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben, verhaftet.
Kirche und Schule.
-r. Aus dem evangelischen Dekanat Alsfeld. Gestern, den 31. Oktober, dem Jahrestage der Reformation, fand die Synode des evangeltfchen Dekanats Alsfeld zu Alsfeld statt. Dieselbe wurde durch einen Gottesdienst in der DreifalttgkettSktrche eröffnet, bet welchem Herr Pfarrer Jäger-Alsfeld den Altardienst versah, wahrend Pfarrer Stock von Ober-Breidenbach die Predigt hielt. Nach dem Gottesdienste begannen im Saale der 1. Schulklasse die Verhandlungen, eingeleitet durch ein von Herrn Dekan Wörtß- hoffer gesprochenes Gebet. Sodann gedachte der Dekan in ehrenden Worten des kürzlich verstorbenen Mitgliedes des Dekanatsausschoffes, des Herrn Bürgermeisters Gcunewald-Brauerschwend, und die P-r sammlung ehrte das Andenken des Entschlafenen tn der üblichen Weise. Weil der Präsident des Grotzherzoglichen Ober - Konsistoriums, Herr Ober -Konsistorialrat D Buchner, an diesem Tage seinen 70. Geburtstag feierte, beschloß die Synode, ihn tele graphisch zu beglückwünschen. Darauf teilte der Vorsitzende der Synode mit, daß der seitherige weltliche Abgeordnete unseres Dekanats, Herr Ober-Amtsrichter Wahl-Schlitz, im Dekanat Lauterbach als Synodaler gewählt worden sei, und infolgedessen eine Wiederwahl für das diesseitige Dekanat abgelehnt habe. Nachdem sodann die Antwort Großh. Oberkonsistortums auf die Beschlüsse der vorjährigen Synode verlesen war, erstattete der Vorsitzende den üblichen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1898. Daraus ist besonders der Bericht über die Dekanatskrankenpflege hervorzuheben, der auch eine kleine Diskussion veranlaßte, infolge deren auf Antrag deS Dekans die Vergütung für einen Pflegetag von 24 Stunden auf 1 Mk. herabgesetzt wurde. Die Krankenschwester deS Dekanats ist tn Großfelda stationiert und hat in der Zeit ihre« dortigen Aufenthaltes 32 Tage gepflegt. Eine ausgedehntere Verwendung derselben bet eingetretenen schweren Krankheitsfällen wäre tm Interesse der guten Sache sehr erwünscht, Arme werden von ihr umsonst gepflegt. In Bezug auf den religiös-sittlichen Zustand des Dekanats konnte der Vorsitzende eine Zunahme gegen früher konstatieren, die Opfer für kirchliche und sonstige christliche Zwecke haben um ein Beträchtliches zugenommen, ebenso der Kirchen- und Abendmahlsbesuch; auch der Besuch der KatechismuSlehre konnte als ein guter bezeichnet werden. Das Seklenwesen hat keine große Ausbreitung bet dem gesunden kirchlichen Sinn unserer Bevölkerung gefunden. Nach Beendtaung deS Rechenschaftsberichtes wurde von dem DekanatS- rechner die Rechnung der DekanatSkasse für daS abgelaufene Jahr verlesen, darauf schritt man zur Vornahme der Wahlen für die nächste LandeSsynode. Dabet wurde der setthertge Abgeordnete Pfarrer I a u d t tn Plantg mtt 28 von 40 abgegebenen Stimmen als geistlicher, KretSrat Dr. Melt 0 r dahier mtt 37 Stimmen als weltlicher Abgeordneter gewählt. Als Stellvertreter ging Pfarrer Sommerlad-Metches und Bürgermeister Maß-Wahlen aus der Urne hervor. An Stelle des oben genannten Herrn Grünewald-Brauer- schwend wurde als Stellvertreter für den weltlichen Abgeordneten tm Dekanats Ausschuß der Landwirt Heinrich Schmidt von Romrod mit 24 Stimmen gewählt. Die Wahlen hatten leider einen großen Teil der Zett weggenommen, sodaß das noch auf der Tagesordnung stehende Referat des Herrn Pfarrers Jäger-Alsfeld: „Was haben die Kirchenvorftände zur besseren Herstellung und Ausschmückung der Kirchen zu tbun?" nur zum Teil kurz verlesen werden konnte und sodann tn Rücksicht auf die Wichtigkeit der Ausführungen deS Referenten auf Antrag des Vorsitzenden abgebrochen und für die nächste Tagung verschoben wurde. Rach einem Schlußgebet von Pfarrer Sommerlad-Metches wurde die Synode gegen 2 Uhr geschlossen. — Bei dem im Hotel „Krone" stattfindenden Mittagessen toastete Herr Dekan Wörtßhoffer auf S. Kal. Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig, Herr Pfarrer Dr. Hansult Lehrbach auf das heutige Geburtstagskind, die evangeltscheKtrche. Eine von ihm angeregte Tellersammlung zu Gunsten der deutsch-evangelischen Brüder tn Oesterreich ergab den schönen Betrag von Dreißig M»rk.
Darmstadt, 1. November. Die gestrige Feier des 7 0. G e - burtstages des Präsidenten des Großh. Oberkonsistoriums, Herrn Adolf Buchner, nahm einen für den verdienten Jubilar überaus ehrenvollen und schönen Verlauf. Von früher Morgenstunde an trafen in seiner Wohnung telegraphische und briefliche Beglückwünschungen, sowie duftende Blumengrüße ein. Die Reihe der persönlichen Gratulanten eröffneten die Räte und Beamten des Oberkonsistoriums, die in corpore erschienen waren und in deren Namen deren Senior, Herr Prälat D. Habicht, in aus warmem Herzen kommenden Worten dem Präsidenten unserer obersten evangelischen Kirchenbehörde die herzlichsten Glückwünsche aussprach, gleichzeitig als Geschenk des Kollegs das große Christusbild „Der Heiland" von Heinrich Hofmann überreichend. Als Vertreter des Landessynodalausschuffes erschien sodann der erste Präsident der letzten Evangelischen Landessynode, Herr Geh. Justizrat Dr. Weber von Offenbach a. M., als Gratulant. Ihm folgte als Abordnung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz, zu dessen Vorstand Herr Präsident Buchner nun seit mehr als 30 Jahren gehört und dessen Vorsitzender er jetzt ist, dessen Gesamtvorstand, worunter die Herren Präsident Machenhauer, Geheimrat Mlchell, Ministerialrat Ewald und Oberbürgermeister Morneweg zu bemerken war^n, mit seinem Ehrenvor
sitzenden, Herrn Finanzminister a. D. Weber Exz., an der Spitze; bi- Begrüßungsansprache wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Herrn Militäroberpfarrer a. D. Strack, gehalten. Es erschienen ferner nahezu vollzählig die gesamte evangelische Geistlichkeit von Darm« stadt und Bessungen, Abordnungen der Vorstände des Evangelischen Bundes, der Schillerstiftung, des Vereins „Feierabend", des Evangelischen Arbeiter- und Handwerkervereins und der Privatmädchen-Arbeitsanstalt. Herr Präsident Buchner wußte auf sämtliche Ansprachen in seiner herzlichen, gemütvollen Weise zu erwidern. Von den zahlreichen Einzelpersonen, die zur Beglückwünschung gekommen, feien Herr Staäts- minister Rothe Exz. und Herr Justizminister Dr. Dittmar Exz., der zugleich namens des Justizministeriums gratinierte, die Herren Ministerialräte Dr. Breidert und Braun -vom Ministerum des Innern, Ihre Exzellenzen Staatsminister a. D. Dr. Finger, Wirkliche Geheimräte D. Goldmann und D. Hallwachs, Oberpostdirektor Meier und Präsident Lorbacher genannt. Ferner überbrachten verschiedene evangelische Dekanate des Grobherzogtums ihre Glüchwünsche; soweit sie nicht persönlich erschienen waren, hatten sie teils schriftlich, teils telegraphisch für sich und die evangelische Geistlichkeit .ihrys Dekanats gratuliert. Von den gegen 100 schriftlichen unb telegraphischen Beglückwünschungen, die eingetroffen waren, möge hier nur das Glückwunschschreiben der Theologischen Fakultät deg: Landesuniversität Gießen mitgeteilt fein, dessen Wortlaut folgender ist:
„Hochverehrter Herr Präsident! Wie die ganze Landeskirche, so naht sich auch die Theologische Fakultät der Landesuniversität, Ihnen zu dem heutigen 70. Geburtstage ihre herzlichsten und aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche darzubringen. Es ist uns eine große Freude und Genugthuung, an der Spitze der Landeskirche einen Mann zu wissen, der schon vorher in verschiedenen Lebensstellungen, so namentlich als Mitglied der Landessynode, die Interessen der Kirche mit großer Treue und Hingebung wahrgenommen hat, und derselben nunmehr den Schatz seiner reichen Erfahrungen zu gute kommen läßt. Möge Sie Gott der Herr noch lange zum Segen der hessischen Landeskirche in dem verantwortungsvollen Amte erhalten und möge auch fernerhin ein vertrauensvolles Zusammenwirken der kirchlichen Oberbehörde mit der Theologischen Fakultät die gesunde Entwickelung des Protestantismus in unserem Großherzogtum befördern helfen."
Weitere Beglückwünschungen trafen ein von dem Predigersemi- nar in Friedberg, von dem Vorstand der Anwaltskammer und vielen ehemaligen Kollegen des Gefeierten aus dem Anwaltsstande, von dem Vorstande des Diakonissenhauses Elisabethenstift, vielen Geistlichen rc. Möchten alle die treugemeinten guten Wünsche in reichem Maße in Erfüllung gehen I
Berlin, 1. November. Im Kultusministerium finden gegenwärtig Verhandlungen statt betreffend die Herabsetzung der Zahl der obligatorischen Unterrichtsstunden der Lehrer an den höheren Schulen von wöchentlich 22 bis 24 auf 18 bis 20 Stunden
Bonn, 30. Oktober. Ein bemerkenswertes Urteil in Bezug auf die Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes der Lehrer fällte die hiesige Strafkammer. Ein Lehrer aus Neukirchen hatte einem 11jährigen Schüler, der den linken Arm dreimal gebrochen hatte, gewaltsam diesen Arm behufs Erteilung von Schlägen auf die linke Hand herunter gerissen. Der Knabe hatte hierunter wochenlang zu leiden. Da der Vater des Knaben den Lehrer ausdrücklich auf das Gebrechen des Sohnes aufmerksam gemacht hatte, so erfolgte die Anklage wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes. Der Staatsanwalt beantragte 200 Mk. Geldstrafe ; die Strafkammer, welche das Verfahren des Lehrers als brutal bezeichnete, kam indes zur Freisprechung, da der Lehrer wegen körperlicher und geistiger Ueberanstrengung die Folgen seiner Handlung nicht habe übersehen können. Dieser Freisprechung lag das Gutachten eines hiesigen Nervenarztes zu gründe, der bett Angeklagten als Patient behanbelt hatte. Der Arzt erklärte vor Gericht, bet Beschulbigte, ber 75 Schulkinder in seiner Masse habe, sei wegen Ueberarbeitung in seinem Berufe in hohem Grade Nervenleiden d. Dasselbe treffe auf eine ganze Anzahl Schullehrer, die er behandelt, zu, die auch wegen der zu großen Schülerzahl in bedenklicher Weise nervenleidend seien.
Kunst und Wissenschaft.
— Hügelgräber in Hessen. In den beiden letzten Wochen wurden auf B-fehl des Großherzog« von H.ssen in der Nahe deS Jagdschlosses Wolssgarten durch Hosrat Kofler Ausgrabungen von Hügelgräbern vorgenommen, bei denen sich auch der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mehrmals eifrig beteiligten. Die Arbeiten verteilten sich über zwei Gruppen von Hügelgräbern, wovon die eine östlich von Wolfsgarten in dem Forstdeztik Koberstadt, die andere südwestlich vom Schlosse in der Sensfelder Tanne gelegen ist. Am ersteren Orte wurde u. a. ein Grab von hervorragender Bedeutung geöffnet. ES enthielt die Skelettreste einer Frau, die um den chalS eine Kette von 38—40 Bronzertngen trug, die sich von unten nach oben der Reihe nach verjüngten und deren untere und obere Paare von Endrtngen je durch kleine Koppelrtnge miteinander verbunden waren. Unter dem Kopfe lagen acht weitere Ringe, deren Bestimmung noch nicht erkannt ist, und tn der Nähe eines jeden Ohres sand sich ein Ohrgehänge, das auS einem übergreifenden, vorn zugespihten Ring auS Bronze bestand, tn den zwei andere dünne Bronzeringe eingehängt waren. Ueber der Schulter stand eine schön bemalte Urne, an der Sette und zu den Füßen der Leiche hatten einige fein gearbeitete Schalen aus grauem Thon Aufstellung gefunden. Das Grab gehört, wie fast alle Gräber, die bis jetzt tn der Koberstadt geöffnet wurden, der Hallstattzett an. Am anderen Orte erregte nut der eine der beiden Hügel, dte'geöffnet wurden, ein erhöteS Jnteresie. Er batte einen Umfang von beinahe 85 m bei einer Hohe von 2,35 m. In seinem Innern fand sich, kreisförmig um den Mittelpunkt gelagert, eine 175 qm messende, 20—34 cm hohe Schicht schwarzer, aschehaltiger Erde, vermischt mit zahllosen kleinen, im Feuer zerstörten Knochen. Auf dieser Schicht, in der Mitt« des Hügels, lagen die Reste einer stark verwesten Leiche, rechts.davon ein gut erhaltener Bronzedolch tn seiner Holz- und Lederschelde, eine große Pfeilspitze aus weißem Quarz, ein sog. Schaber und verschiedene Späne aus Feuerstein. Links von ber Leiche sowie auch teilweise unter berselben würbe eine große Anzahl von Knochen größerer unb kleinerer Vierfüßler unb kleinerer Vögel vorgefunben, bie man bem Toten, vielleicht als Wegzehrung, mit ins Grab gelegt hatte. Der eig ntümliche Funb giebt zu vielen Vermutungen Anlaß, bie noch Gegenstanb ber Forschung bleiben. Mit Gewißheit tarnt man nur sagen, baß bas Grab ber mittleren Bronzezeit angehört unb baß wohl beinahe 8500 Jahre vergangen fein mögen, als trauernbe Verwanbte unb Freunbe ober gehorsame Leibeigene ben mächtigen Hügel über hem Verblichenen wölbten. Ob bie Reste von zwei Leichen, bie sich entfernt voneinander auf gleicher Höhe, etwa 1 Meter über bet Branbschicht vorfanben, gleich« zeitige Bestattungen ober sog. Nachbestattungen waren, wirb sich, ba die Leichen ohne Beigaben waren, nicht Nachweisen taffen.
Geriäflssaal.
Elberfeld, 31. Oktober. Mit einem MilitärbefreiungS- versuck halte sich die hiesige Strafkammer zu befassen. Der frühere Posthilfsbote August Wirths von Remscheid hatte sich dadurch von feiner Dienstpflicht, der er im 173. Infanterie-Regiment genügte, zu befreien versucht, daß er sich ben Körper mit Krotonöl einrieb, das die Eigenschaft besitzt, Bläschen mit eitrigem Inhalt hervorzurufen. Er wurde ins Lazarett geschafft, wo man in seinem Brustbeutel ein Fläschchen mit dem genannten Oel entdeckte. Die wettere Untersuchung förderte einen Brief zu Tage, in dem Wirths ferne Mutter bat, ihm noch ein Fläschchen mit dem Oel zu beschaffen und ihm in Butter versteckt zu schicken. Zugleich wurde ermittelt, mW das Oel von einer „Naturheilkundigen" Namens Benner, ebenfalls von Remscheid, verschrieben worden war. Wirths wurde vom Kriegsgericht zu sieben Monaten Festung, sowie zur Versetzung in dw zweite Klasse deS Soldatenstandes verurteilt. Er halte sich dadurch
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In das Asel unterfertigten Ger Üd) btt MriM W&W Mb rinMzen, bab AusWatr v, 1899 M g nütgliede), nebe Ernst Müller, 5 Charlottenburg worben ist, und der Krina ferne beiden Direktoi Er von einem iN mit einet von zwei Prokin Gießen, am < Großh.
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